Mein Holzvelomobil

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Hallo Jeroen,
Hattest Du irgendwo geschrieben, warum Du Holz und nicht die herkömmlichen VMMaterialien nimmst? Glaubst Du, man könnte aus Holz ein genauso gutes VM bauen, wie eins aus Faserverbundwerkstoffen?
Wie schwer ist denn Deins ungefähr?
 
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Holz ist selbst ein Faserverbundwerkstoff! (SCNR ;))

Holz bietet mit den üblichen Mitteln nicht die Formbarkeit in zwei Richtungen gleichzeitig, sondern man kann es nur ähnlich wie Blech nur aus vielen einzelnen abwickelbaren (einachsig gewölbten) Teilen zu eine 3D-Schale zusammensetzen. Es sei denn man macht Füllklötze und schleift.

Die Leichtbau-Materialkennwerte von Holz sind denen von FVK unterlegen. Allerdings haben die üblichen Hölzer eine erheblich geringere Dichte. Das macht sie weniger anfällig gegenüber Stabilitätsversagen (Beulen und Knicken). Das ist bei flächigen dünnwandigen Karosserieschalen, wie sie bei Velomobilen üblich sind, eben doch interessant.
 
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@Ich

Fur ein CFK oder GFK velomobil baut mann zuerst eine urform, die dann in diverse arbeitsschritten schmirgeln, fullen usw, sehr schon gemacht wird. Dan davon noch einen abzug, die aussere form. Diese form muss absolut stabil sein und sich nicht bewegen, denk an circa einen centimeter wandstarke. Erst dann kann mann sich der endgultige dunne velomobilhaut in diese form laminieren. Direct auf der urform wurde auch gegehen, aber da muss man sehr viel schleiffen. und oder kriegt ein schweres velomobil. Nur die materialkosten bei diesen drei schritten, wurden denk ich denn neupreis von ein velomobil ubersteigen. Ausserdem ist es nicht sehr nachhaltig fur einen velomobil so viele liter epoxid zu nutzen.

Mit flugzeug sperrholz hab ich schon ein relativ flaches material, was sich biegen lasst, was preiswert ist, und einfach zu bearbeiten. Jeder der mal mit birkensperrholz gearbeitet hat weiss das es nicht schwierig ist das eine schon glatte oberflache zu geben.

Mit dem bau dieses velomobil hatte ich mehrere ziele. Ich wollte sehen ob ich mit holz ein velomobil bauen konnte, ich wollte ein fahrbares velomobil, und ich sah es als eine selbst herausforderung. Diese ziele hab ich erreicht. Ich bin von den Oliebollentocht nach hause gefahren, eine fahrt von 100 km fast ganz in der finsterniss, bei temperaturen um 0 grad. Das hatte ich nicht gemacht, wenn ich meinen velomobil nicht zuverlassig fand. Wie auch vorher eingeschatzt, ist es aerodynamisch nicht so gut wie zu beispiel dein Milan.

Die aussenhaut ist sehr steif, ich kann mich mit meine 85 kilo problemlos auf die hutze setzen. Ich drucke die nase runter um damit das hinterrad an zu heben. Einen roller von 1,5 umdrehung mit 45 km/h hat es ohne grosseren schaden uberlebt. An einige stellen ist es viel zu steif, an andere konnte es deutlich besser sein. Mit Holz baut mann eben anders. Die Holzvelomobile Ditte zeigen was da moglich ist in sachen holzbau, Aerodynamik und leichtgewicht. Dies war mein erster schritt als velomobil bauer, trotzdem ist das resultat so das ich es gegen vielen kaufliche produkte nicht tauschen wurde. Bei viele velomobile kann mann schon mit 1 finger eine delle in die haut drucken, bei dieser braucht mann viel mehr kraft.

Um eine schwinge als holz zu bauen braucht man aber viel platz, weswegen meine aus carbon ist. Auch 3d formen in holz ist schwierig, obwohl mir das ziemlich gut gelungen ist, finde ich selbst. Deswegen ist die nase aus viele kleinere stucke. Die eckigere form wie beim Ditte hat auch viele vorteile, sieht aber anders aus.

Grusse, Jeroen
 
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Mich uberrascht es das auch Velomobilisten eher gewichts als geschwindigkeits orientiert sind. Mann kann holz gut formen, nur nicht so extrem. Gleichzeitiges biegen und verdrehen zum beispiel. Die biegegrenzen von flugzeugsperrholz, wenn mann es vorher mit heisses wasser ubergiest, sind erstaunlich. Einen radius von 5 cm ist moglich, 3 wurde auch noch gehen.
 
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Hallo Jeroen,

Nun habe ich den Thread erst einmal nur überflogen, den werde ich mir in den kommenden Mittagspausen aber komplett durchlesen.
Das ist wirklich beeindruckend, was Du mit dem Flugzeugsperrholz anstellst. vor allem die Biegung der Heckkante hätte ich nie für möglich gehalten! Das von mir verwendete Pappelsperrholz ist in trockenem Zustand viel viel schlechter zu biegen. Mir sind Leisten bereits bei einem Radius von 30 cm gebrochen.
Hast Du das VM noch in Betrieb ? Welche Erfahrungen hast Du im Alltag damit gemacht ?
Gruß
Basti
 
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Hallo @Schrau-Bär

Das vm ist in betrieb seit marz. Mir gefallt es ganz gut. Die erste paar 1000 km hatte es noch einiges an kinderkrankheiten. Denn kettenlauf, die zu sensibele lenkung. Im grossen ganze lauft es wie es sein soll. In den Oliebollentocht video vom Velo ads ist es , und bin ich auch zu sehen. Bis jetzt ungefahr 6000 km.


Im altag ist es jetzt zuverlassig. Denn schnitt uber diesen 6000 km ist ungefahr 28 km/h. meist fahre ich im bereich zwischen 30 und 40 bei diesen wetter. So 35-36 finde ich oft eine angenehme geschwindigkeit. Baustellen sind jetzt noch eine haube, einen umwerfer vorne, einen scharferen schwanz. Alles nicht unbedingt notwendig fur meinen betrieb ins relativ flache land hier. Es geht immer besser, fur ne richtig grosse schritt vorwerts braucht es einen neubau.

Das ich von denn Oliebollentocht noch die 100 km ins dunkeln bis nach hause gefahren bin, sagt auch was uber das vertrauen in das velomobil. Insgesammt 175 km an einen tag bei denn temperaturen.

Um so dunner das sperrholz, um so enger kann mann es biegen. Ich hab es mit kochendes wasser ubergossen und dann gebogen. Das pappelsperrholz wird das nicht vertragen wegen die schlechtere verleimung.

Grusse, Jeroen
 
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Wasserdampf ist vll eine Alternative. Dazu gibt es gute Videos.
Gute Fahrt mit Deinem tollen Vm!
Gruß Krischan
 
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Na ja, nicht nur ist die verleimung von pappel meist nur fur trockene innenraume geëignet, die qualitat von die zwischenliegende lagen ist auch nicht so hochwertig wie bei Flugzeugsperrholz. Pappelsperrholz enthalt unter umstande mehr hohlraume, oder auf andere weise nicht durchlaufende furnierschichten, oder andere qualitatsmangel. Das hätte ich etwas deutlicher erklaren konnen. Bei dunnes flugzeugsperrholz lasst sich die qualitat mit eine starke lampe einfach checken, das scheint durch, bei Pappel geht das nicht.

Das ubergiessen vom sperrholz was ich gemacht habe ist wirklich nur ubergiessen, einfach direct aus der wasserkocher uber die platte laufen lassen, und drehen bis beide seiten nass sind. Dan rasch auf die form klemmen und fertig. Das heisse wasser dringt dabei wahrscheinlich nur bis die leimlage, also 0,5 mm ins holz, die innere lage wird aber auch warm. Wenige minuten spater ist schon viel vom wasser abgerinnt oder verdampft.

Wurde mann das holz in einen dampfkessel stecken, dann ist das holz viel langer in eine feuchte umgebung. Ich glaube nicht das das mit Pappelsperrholz gut geht. Ubrigens ist Pappelholz wesentlich leichter als Birke, was auch wieder seine vorteile hat, etwa 35-45% leichter. Und es ist sehr viel billiger.

Grusse, Jeroen
 
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Holz reißt beim biegen immer an der zugseite weil es sich stauchen aber kaum dehnen lässt. Deshalb nutzt man im Instrumentenbau oder sonstwo Biegebänder aus Stahl. Beim Bau von meinem Velomobil habe ich festgestellt, dass man den Effekt mit einer dünnen Lage Glasgewebe auf der Außenseite immitieren kann, dann sind auch sehr kleine Radien in Pappel möglich. Durchleuchten geht übrigens mit 3-4mm Material auch tadelos.
 
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Ja, billig, leicht und gut zu schleifen, das sind auch die Eigenschaften, die bei mir ausschlaggebend waren.
Was ich von dem Material erwartet habe, hat es auch größtenteils erfüllt. Nur eine andere, temeraturbeständigere Verleimung würde ich beim nächsten Mal wählen und vermutlich 4 statt 5mm Stärke.
Sag mal, Jeroen, Du bist oder warst nicht zufällig auch im MTB-Classic-Forum aktiv und schwärmst für De Kerf-Rahmen ?

Gruß
Basti
 
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dann noch mal was technisches zu den Sperrhölzern. Alle Sperrhölzer ob MPX oder Pappel, Exoten .... werden aus sog. Schälfurnieren hergestellt. Technisch muss man sich das wie Bleistiftspitzen vorstellen, nur in der ganzen breite des Bleistifts. Dadurch sind die Furnierlagen mehr oder weniger (abhängig vom Stammdurchmesser) immer gebrochen.
Flugzeugsperrholz wird aus Messerfurnieren hergestellt was dann Möbelqualität hat. Meines wissens gibt es das Fluchzeuchsperrholz ja auch nur in 150x150cm mal x und ist kreuzverleimt. Daher auch der Preisunterschied
Bedingt durch das Format vermute ich aber mal das relativ viel Verschnitt bei euch entsteht. Man könnte also, wenn einem eine Presse zur Verfügung steht, das Sperrholz selber herstellen und dann je nach Einsatzort auch nicht Kreuzweise legen sondern in 60 oder sogar 70 Grad versetzt leimen. Das würde eine wesentlich höhere Biegemöglichkeit ergeben ohne die Festigkeit groß einzuschränken
 
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Hier mal was von meinen Holzhandler der mal zu besuch der firma Kokisen in Finnland gegangen ist. Leider ist dieses teil von seinen website nicht ubersetzt. Da drin steht auch das die reste fur andere zwecke genutzt werden.


Ich hab keine presse, nur ne kleine garage und einige leimklemmen. Ich wurde mich daher nicht ans selber herstellen von sperrholz wagen, Vielleicht ein holzsandwich mit leichtes holz innen drin, und starkeres draussen.

Grusse, Jeroen
 
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Ich hab keine presse, nur ne kleine garage und einige leimklemmen
zum selber machen braucht man schon etwas mehr Ausstattung als eine Garage. Mit dem selber machen kannst du dir aber schon direkt die einzelteile mit "Zuschlag" vorarbeiten und durch die geänderte Verleimrichtung werden die Teile auch biegsamer. In Verbindung mit einer Vakuumpresse vielleicht sogar schon fertig vor gebogen. Das ist aber sicherlich eher was für kleinserie bzw Edelholzwürmer wie @berry, wenn ich das richtig in Erinnerung hab mit seiner "Geige" oder sollte man besser sagen Stradivari auf Rädern

OT war gerade auf der Preisliste von Af.nl.... meine Fre....., sind denen Ihre Hölzer blattvergoldet was haben die denn für Preise? Ich mach rüber nach NL solange es da noch trocken ist. :)
 
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