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es wäre schon interessant, wo gerade die Langlieger heute
dann wäre es heute vermutlich eine etwas größere Nische innerhalb der Liegerszene für die Genießer-Tourer. Die grundsätzlichen Herausforderungen von Langliegern wird man nicht wegentwickeln können:
lang und sperrig, schwer(er), wenig Last auf Vorderrad, von daher nur bedingt für alpine Gegenden geeignet oder in ganz schwierigen Wetterlagen.
Ansonsten find ich Langlieger auch super, die amerikanische Variante noch mehr wie z.B. RAANS x-scream oder wie das 2x26 Dingens heisst, hat bestimmt nen tollen Geradeauslauf und sieht schick aus
 
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Ob Radius noch das PG im Programm hätte, ist fraglich, anderer Hersteller von Langliegern haben ganz aufgegeben (z.B. Ostrad) oder die Langliegerproduktion eingestellt (z.B. Hase).
 
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Vorbemerkung: Ich antworte deshalb so ausführlich auf diesen Post, weil ich der Ansicht bin, dass der Ruf von Langliegern deutlich schlechter ist als ihr wahrer Wert und ich dies mal exemplarisch aufzeigen möchte.

Die grundsätzlichen Herausforderungen von Langliegern wird man nicht wegentwickeln können:
Schauen wir doch mal genauer, wie einschneidend die Herausforderungen sind:

Die Länge lässt sich nicht wegdiskutieren, ist zum Teil aber auch optisch bedingt duch den langen Radstand. Ein Kurzlieger mit großem Hinterrad oder ein Tieflieger wie der Baron dürften alles in allem nicht so viel kürzer sein.

Zunächst mal kann diese Sperrigkeit durchaus von Vorteil sein,nämlich was den Diebstahlsschutz betrifft, so ein langes Rad packt man als Dieb eben nicht mal so schnell in einen Kofferraum. Aber aber auch das Argument der Sperrigkeit halte ich z.T. für überschätzt, sowohl was den Platzbedarf als auch die Wendigkeit im Verkehr betrifft. Zumindest Delta-Dreiräder lassen sich hochkant auf den Hinterräder abstellen und brauchen so weniger Platz als ein normales Fahrrad. Dies sollte sich mit geringem Aufwand eigentlich auch bei zweirädrigen Langliegern verwirklichen lassen, falls der Platzbedarf wirklich ein Problem darstellt.
Zur Wendigkeit im Verkehr empfehle ich das Video über das Vanguard von Dick Ryan, leider alt und somit in schlechter technischer Qualität. Ab min 4.12 sieht man das Rad beim Autoslalom. Ich würde das nicht machen, aber es zeigt halt, was möglich ist.



Also zumindest mein Basic ist schwerer als das Dino, das Anthrotech sowieso, deshalb bin ich mit dem Dino auch vergleichsweise flotter unterwegs.

wenig Last auf Vorderrad,
Stimmt, dem lässt sich aber durch Frontverkleidung, Obenlenker ( mit Falschenhaltern) oder Frontgepäckträger abhelfen. Konstruktiv würde es etwas bringen, das Tretlager etwas zu erhöhen und weiter nach vorne zu schieben, wodurch der Langlieger bei fließendem Übergang irgendwann zum Kompaktlieger würde.
Die Lastverteilung mag problematisch sein, ich schätze am Dino aber gerade das Fahrverhalten bei Luftverlust am Vorderrad. Das Basic wird da sehr schnell unbeherrschbar, mit dem Dino konnte ich bisher immer noch problemlos zum Stillstand kommen.

von daher nur bedingt für alpine Gegenden geeignet
Ob ein Rad für alpine Gegenden geeignet ist, liegt nicht zuletzt auch am Fahrer. Ich hab auf dem Dino schon kurze Anstiege über 20 % bewältigt. Zwischen 2007 und 2009 war ich ca. 100 mal auf dem Gaisberg bei Salzburg (irgendwas um 800 hm auf 10 km), das Dino habe ich dabei öfter benutzt als die anderen Räder. Zumindest für mich waren die Herausforderungen bergauf und überhaupt also offensichtlich nicht so entscheidend, und ich bin keineswegs ein besonders guter Bergfahrer.

oder in ganz schwierigen Wetterlagen.
Bei Eis und starkem böigem Wind ziehe ich zugegebenermaßen eindeutig das Trike vor, da ist mir allerdings auch das Aeroproject mit seinem superkurzen Radstand meist zu wacklig.
Aber normales Schlechtwetter stellt für das Dino kein Problem dar. Mit Frontverkleidung samt Poncho oder der AWS-Textilverkleidung genieße ich darin einen Wetterschutz, den bestenfalls noch Velomobile übertreffen können.


die amerikanische Variante noch mehr wie z.B. RAANS x-scream
Der Verweis auf Amerika ist absolut berechtigt. Dort sind die Langlieger nämlich nie wirklich ausgestorben, obwohl auch dort vor allem die Trikes boomen. Und wenn man sich mal auf Crazyguyonabike ansieht, wie viele Radfahrer dort auf Tour Easys und anderen Langliegern touren und dabei das Land durchqueren, dann können die gar nicht so schlecht sein, wie sie gelegentlich auch von Liegeradfahrern gemacht werden.

Und wenn wir uns jetzt noch einmal die Herausforderungen der Langlieger betrachten und uns dann die boomenden Lastenzweiräder genauer anschauen, dann teilen die ganz offensichtlich viele Eigenschaften: lang, sperrig, schwer, indirekte Lenkung, kleines Vorderrad, keine Bergziege, etc... Trotzdem hält das ganz offensichtlich viele Menschen keineswegs davon ab, sie trotz zum Teil erheblicher Kosten zu kaufen. Das ist nämlich genau das, was Menschen tun, wenn sie sich einen Nutzen von der Sache versprechen, und sei es nur eine Aufbesserung des eigenen Status.
Der Kauf und die Benutzung von Fahrzeugen aller Art hat sehr viel weniger mit Vernunft zu tun, als die meisten Menschen sich und anderen eingestehen wollen. Dies betrifft auch und gerade Liegeradfahrer. :)

Deshalb auch hier mein Rat: Finde heraus, was für ein Typ du bist, und wenn du merkst, dass (Lang)lieger dein Ding sind, dann fahr damit und kümmere dich einen feuchten Kehricht darum, was andere sagen und denken (könnten). Ich als Liegeradmischtyp fahre alle Sorten und möchte auf keine verzichten. :)
 
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Punkte, die für mich pro Langlieger sprechen:
- Ich kann sie in Rattrap-Pedalen ohne nennenswerten Effizienzverlust mit normalen Straßenschuhen fahren. In meinen VM und auf dem Trike macht es erst mit Clickies richtig Freude.
- Ich bin auf Augenhöhe mit den Fahrern normaler PKW, also keine SUVs oder Lieferwagen etc. Trotzdem ein Vorteil.
- Meine Augenhöhe ist deutlich oberhalb der Scheinwerfer normaler PKW: Nachts weniger Blendung.
- Sie sind in aufrechter Haltung gut am Lehnenrahmen zu schieben.
- Sie sind gut anzuheben: Bei Dino wie PG ist der unbeladene Schwerpunkt sehr nahe der Sitzvorderkante. Damit sind sie wunderbar durchs Treppenhaus zu heben.
- Das Fahren ist viel leichter zu lernen als bei Tiefliegern. Trikes haben genau deswegen - subjektiv erlebt - inzwischen den größten Marktanteil bei HPVs.
- Die Stabilität beim Bremsen ist für Einspurer sehr gut.
- Ganz subjektiv: Ich finde die Bauform mit dem langen horizontalen Oberrohr und den unterschiedlich großen Rädern total schön, einfach ästhetisch. Da braucht es keinen Designer, das ergibt sich in aller Sachlichkeit von selbst.
Ich sehe Langlieger nach einem Vierteljahrhundert aktiver Nutzung zwischen Upright und moderneren Bauformen angesiedelt, was sowohl Vor- wie Nachteile beider Bauformen mit sich bringt. Ich kann damit leben, da für mein Nutzungsprofil die Vorteile überwiegen.

Gibt es eigentlich immer noch das Rainbow Longo? Ein Mittellanglieger, der für meine oberflächliche Wahrnehmung ein sehr gutes Konzept darstellt.
 
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- Sie sind gut anzuheben:
Habe ich noch bei der Wendigkeit vergessen: 180-Grad-Wende auf dem Langlieger geht sehr einfach. Anhalten, mit Schwungmitnahme mühelos aufstehen, Rad am Sitz(nicht am Lenker!) packen und um 180 Grad drehen. Wieder hinsetzen und losfahren. Klappt auch mit einigen anderen Liegerädern ganz gut, auf Dino und Konsorten aber durch den Schwerpunkt in Sitznähe sehr elegant und schnell in wenigen Sekunden.
Der berühmt-berüchtigte "Spiderwalk" beim Manövrieren anderer Liegeräder mit tieferer Sitzposition und Tiller-Lenkern, die ein bequemes Aufstehen behindern, sieht da deutlich weniger elegant aus. :D
 
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Hallo,

Dies sollte sich mit geringem Aufwand eigentlich auch bei zweirädrigen Langliegern verwirklichen lassen,
Ich habe mein Ostrad Presto oft auf Gepäckträgerende und Lehne gestellt, und da der Langlieger Ostrad Adagio dort genauso aussieht, geht das mit dem auch.

Punkte, die für mich pro Langlieger sprechen:
- Ich kann sie in Rattrap-Pedalen ohne nennenswerten Effizienzverlust mit normalen Straßenschuhen fahren. In meinen VM und auf dem Trike macht es erst mit Clickies richtig Freude.
- Ich bin auf Augenhöhe mit den Fahrern normaler PKW, also keine SUVs oder Lieferwagen etc. Trotzdem ein Vorteil.
- Meine Augenhöhe ist deutlich oberhalb der Scheinwerfer normaler PKW: Nachts weniger Blendung.
- Sie sind in aufrechter Haltung gut am Lehnenrahmen zu schieben.
Hat alles weniger mit Länge als mit Sitzhöhe (Augenhöhe, Scheinwerferblendung, Schieben am Sitz) und Tretlagerüberhöhung (Fahren ohne Klickies) zu tun, will sagen: Das geht mit dem Kurzlieger Ostrad Presto auch prima. Ich durfte meins mal wegen versagendem Winterdienst 6 km auf überwiegend ungeräumten Gehwegen schieben, ohne größere Probleme.

Gruß, Klaus
 
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Hallo @Klaus d.L. ,
danke für die Ergänzung! Ich schreibe aus meinen Erfahrungen mit Langliegern und glaube, dass ich deren Vorzüge ganz gut einschätzen kann. Daher breche ich eine Lanze für sie.
Meinen ersten Langlieger habe ich übrigens auch schon einmal im Schnee geschoben, 1994 über ich weiß nicht wieviele Kilometer Mauerkrone in den verharschten Hochvogesen auf der Route des Cretes. Dass ich da mit heiler Haut herausgekommen bin, ist für mich ein Beweis, dass auch stumpfe Volldilettanten, die jeden fundierten Ratschlag konsquent in den Wind schlagen, manchmal ein idiotisches Glück haben. :oops:
Aber diese Chaostour ist wirklich einen eigenen Bericht wert... :D

Viele Grüße, Martin
 
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hatt ich doch irgenwie geahnt, dass mein Post die Langlieger-Fans auf den Plan rufen wird : )
Mein erstes selbstgebautes Liegerad war auch ein Langlieger. Schneller als mein Up wars nie oder kaum, aber soviel cooler...
Bei mir haben damals die aus Zaundraht gebogenen Fersenhalter an den Pedalen übrigens gute Dienste geleistet
 
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Das geht mit dem Kurzlieger Ostrad Presto auch prima.
Na ja, das Presto ist ja auch nichts anderes als ein abgebrochener Langlieger, zumindest sieht es so aus.
;)
Aber im Ernst, während bei uns in Deutschland praktisch nur Langlieger mit Spannsitzen ausgerüstet wurden - neben Ostrad fallen mir da eigentlich nur Toxy und mittlerweile HP-Velotech ein, wo auf Wunsch ein Spannsitz zum Einsatz kommt - waren Spannsitze in den Staaten schon immer auch auf Kurzliegern stärker verbreitet, ich denke da z.B. an das Haluzak Horizon oder diverse Modelle von Lightning und Rans. In Großbritannien das Kingcycle und das Ross Speed.
Es gab übrigens von Vision und Burley diverse Modelle, die sich von Kurz- auf Langlieger umrüsten ließen, die Rahmen besaßen dazu zwei Steuersatzrohre. Die Lenkung blieb fix und wurde in der Langliegerversion via Gestänge mit dem Vorderrad verbunden.

Aber jetzt die eigentliche Frage, Klaus: Du hast doch mal mit dem Tanaro, das ich als Kompakt-Langlieger bezeichnen würde, einen ziemlichen Leidensweg gehabt. Wenn ich deinen Artikel in der ProVelo richtig in Erinnerung habe, gründeten die Probleme vor allem auf Mängel in der Ausführung und die Verwendung ungeeigneter Materialien(zu weiches Aluminium), sowie auf mangelnde Kooperationswilligkeit des Konstrukteurs, während das Prinzip in Ordnung war. Auch vom Fahrverhalten scheinst du ja sehr angetan gewesen zu sein und auch die Verstellung der Sitzhöhe hat zumindest am Anfang ganz gut geklappt IIRC. Siehst du es also so, dass im Konzept wesentlich mehr steckt, als dann in der Ausführung umgesetzt wurde?

Ich persönlich bin der Auffassung, dass die Entwicklung des Liegerades nicht zuletzt gerade auch durch gewisse persönliche Eigenheiten einiger Erbauer abgebremst wurde. Da waren etliche Diven und verkappte Genies unterwegs, die auch noch so konstruktive Kritik von Praktikern an ihren Werken als Majestätsbeleidigung empfanden, und die lieber mit wehenden Fahnen untergingen, als zuzugeben, dass ihre grandiosen Ideen kleine Fehler und Schwächen enthielten. Fehler, die man mit ein wenig Selbstkritik auch sehr schnell und einfach abstellen hätte können. Aber nein, das hätte ja bedeutet, seinen Ruhm teilen zu müssen, und das geht gar nicht.

Seit ca. 30 Jahren weist Bill Volk zuerst in der hpv-Liste und jetzt auf Bentrider-Online darauf hin, wie praktisch eine genormte Sitzbefestigung bei Liegerädern sein könnte. Bisher ist da noch nicht viel passiert, da kocht eben lieber jeder sein eigenes Süppchen.

Zu den ebenfalls problematischen Persönlichkeitsstrukturen nicht weniger Liegeradfahrer, die einer weiteren Verbreitung ihrer Gefährte auch nicht gerade förderlich sind, schreibe ich jetzt mal nichts. Glashaus, Steine. :D
 
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Anhalten, mit Schwungmitnahme mühelos aufstehen, Rad am Sitz(nicht am Lenker!) packen und um 180 Grad drehen.
Warum nicht am Lenker, ist der zu empfindlich oder geht es damit nur nicht so gut?
Die Hornet trage ich ziemlich oft am Lenker. Wenn ich über dem Sitz stehe, ist Umdrehen natürlich trivial, aber auch wenn ich das Rad seitlich trage, geht das gut, Drehbewegungen einleiten und beenden kann ich bei Bedarf mit der Körperseite und mit dem Ellenbogen des über den Sitz greifenden Arms.
Schieben im Schnee über mehree Kilometer habe ich mit der natürlich auch schon hinter mir - oben am Sitz greifen und dirigieren wie ein Upright am Sattel.
 
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Warum nicht am Lenker, ist der zu empfindlich oder geht es damit nur nicht so gut?
Ich bin da in der Tat ein gebranntes Kind, mir ist nämlich mal ein Lenker aus Stahl fast abgebrochen, als ich das Rad am Untenlenker anhob, um das Vorderrad über ein Hindernis zu bugsieren. Das war allerdings kein Rad von Radius, sondern das Aeroproject, und der Lenker war meiner Erinnerung nach auch nicht original von Harig, sondern ein Nachbau.
Ihr könnt euch vermutlich meinen Schrecken vorstellen, als ich das Rad anhob und der Vorbau nachgab. Es stellte sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass der Vorbau genau an der Schweißnaht eingerissen war und nur noch durch sehr wenig Metall zusammengehalten wurde.
Als ich den Vorfall dann auf der HPV-Liste schilderte, kamen dann noch so Reaktionen wie "Selbst schuld! Das darf man natürlich nicht machen!"
Bis zu dem Zeitpunkt hätte ich mir auch nie etwas dabei gedacht und hatte volles Vertrauen in die Stabilität des Materials, immer natürlich auch im Hinblick darauf, was an einem normalen Rad Lenker und Vorbau auszuhalten haben, da ist so ein bisschen Hochheben wirklich ein Klacks dagegen.

Dazu kommt auch noch ein Hinweis in meiner damaligen Gebrauchsanleitung für das AnthroTech, dass man sich immer am Sitz abstützen solle, wenn man einmal das Bedürfnis verspüre, sich im Sitz hochzustemmen, nie aber am Lenker.

Zusammen mit meiner eigenen Erfahrung hat dieser Hinweis dafür gesorgt, dass ich meine Räder nicht mehr am Lenker hochhebe und auch andere davor warne, obwohl ich nach wie vor der Ansicht bin, dass ein vernünftig konstruierter Vorbau samt Lenker so eine Behandlung eigentlich locker aushalten müsste, wenn man vergleicht, mit welchen Belastungen diese Teile bei normalen Rädern zurechtkommen müssen. Man hört zwar gelegentlich von Brüchen bei Alulenkern durch Korrosion bzw Beschädigung, aber bei Lenkern aus Stahl wäre mir das neu.
 
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OK, dann kann ich aus meiner Hornet-Erfahrung heraus wohl Entwarnung geben. ;) Zumindest die V-förmige Lenkerkonstruktion und die Lagerung mit einem Steuersatz sind doch gleich, oder?
Die Hornet habe ich seit jeher gern am Lenker angehoben, nur wenn mehr als 5kg an den Trägern hingen, wurde sie zu hecklastig dafür. Dazu ist mein Rad ein ehemaliges Probefahrrad, dessen Lenker sichtbar beidseitig verbogen und wieder gerichtet war, als ich es übernommen hatte.
 
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Zumindest die V-förmige Lenkerkonstruktion und die Lagerung mit einem Steuersatz sind doch gleich, oder?
Konstruktionsprinzip und Material dürften gleich sein, nur der Winkel des "V" ist bei der Hornet etwas spitzer.
Schwachpunkt dieser Art von Untenlenkung ist in der Tat die Anfälligkeit für das Verbiegen bei einem Sturz oder auch nur durch simples Umfallen im Stand. Mir hat der Wind mein Dino erst voriges Jahr umgeweht und schon war der Lenker verbogen und gestaucht.
Aus dem Grund konstruiert CUM von Flux seine Lenker ja auch dergestalt, dass sie bei Krafteinwirkung durch Sturz nachgeben und sich verdrehen. Ob sich das auch aufs Hochheben am Lenker auswirkt, kann ich mangels Erfahrung nicht sagen.
 
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Aus dem Grund konstruiert CUM von Flux seine Lenker ja auch dergestalt, dass sie bei Krafteinwirkung durch Sturz nachgeben und sich verdrehen. Ob sich das auch aufs Hochheben am Lenker auswirkt, kann ich mangels Erfahrung nicht sagen.
Beim S Max sind die Griffe etwas vor dem Schwerpunkt. Am Lenker hochheben kann man es trotzdem - ich hatte bei CUM extra rückgefragt, weil der Lenker etwas Spiel entwickelt hatte, aber da hatte sich nur das Lager gesetzt.
Das Rad am Lenker senkrecht stellen, um es z.B. Treppen hochzutragen, geht aber schlechter als bei der Hornet.
 
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Aber jetzt die eigentliche Frage, Klaus: Du hast doch mal mit dem Tanaro, das ich als Kompakt-Langlieger bezeichnen würde, einen ziemlichen Leidensweg gehabt. Wenn ich deinen Artikel in der ProVelo richtig in Erinnerung habe
Jau, da ist der Hersteller richtig sauer gewesen nach Erscheinen meines Artikels.

gründeten die Probleme vor allem auf Mängel in der Ausführung und die Verwendung ungeeigneter Materialien(zu weiches Aluminium)
Genau. Der Rahmen riss nach etwa zwei Jahren direkt an einer Schweißnaht, die das den Steuerkopfrohr unten abstützende Rohr mit dem Oberrohr verband und so ziemliche Kräfte aushalten musste.
Das Aluminium (Legierung) war so weich, dass sich die drehmomentabstützende Zahnscheibe der herstellerseits verbauten Sachs 3x7 hineinfraß, bis sie durchdrehte und ich mit defekter Nabe liegenblieb.
Das Vorderrad war auch Mist, ich hatte ständig Plattfüße, bis ich auf ein etwas größeres 406er umgerüstet habe.

sowie auf mangelnde Kooperationswilligkeit des Konstrukteurs,
Der hat schlicht nicht anerkannt, dass er Mist gebaut hatte. Den Rahmen haben übrigens viele Leute in Köln auf einem HPV-Treffen auf dem Wallrafplatz begutachtete, ich habe ihn Uli Teige für sein Museum geschenkt.

während das Prinzip in Ordnung war.
Nun ja, die Gasdruckfeder (wohl von einem Hersteller für Bürodrehstühle) war sackschwer und schlecht gedämpft, aber federte ansonsten recht komfortabel.

Auch vom Fahrverhalten scheinst du ja sehr angetan gewesen zu sein
Es fuhr sehr gutmütig, ich habe damit gleich nach 150 m Probefahrt - ich hatte zuvor keinerlei Liegeraderfahrung, weil das Aeroproject meines Bruders mir zu lang war - zum Erstaunen des Herstellers gewendet.

und auch die Verstellung der Sitzhöhe hat zumindest am Anfang ganz gut geklappt IIRC.
Das hat bis zum Ableben des Rahmens geklappt. Das Herablassen des Sitzes während der Fahrt war gefährlich, nicht direkt für den Tanarofahrer, sondern eher für und durch die irritierten Autofahrer. Zum Hochstellen musste man Absteigen.

Siehst du es also so, dass im Konzept wesentlich mehr steckt, als dann in der Ausführung umgesetzt wurde?
Das Konzept ist ja eigentlich, dass man mehrere Fahrräder in einem hat:
1. Einen Beinahe-Langlieger mit ruhigem Geradeauslauf durch flachen Steuerrohr- und Gabelwinkel sowie halbwegs niedriger Sitzposition.
2. Ein Scooterbike mit höherer Sitzposition und wendigerem Verhalten durch steileren Steuerrohr- und Gabelwinkel.
3. Stufenlos alles dazwischen.

Da die hohe Position 2 aber nicht wirklich geländetauglich ist und ich mich nach Eingewöhnung in der niedrigen Position 1 auch im Großstadtverkehr pudelwohl fühlte, habe ich die Verstellung nach einigen Monaten praktisch nicht mehr benutzt. Das Ostrad Presto, das ich danach kaufte, hat eine bessere Federung, fährt sich mindestens genauso gut und bietet eine bessere Wendigkeit und ähnlich gute Übersicht im Stadtverkehr. Insofern: Nette Idee, die mich in den Anzeigen und bei den ersten Fahrten überzeugte, sich aber letztlich für den Alltag als irrelevant heraustellte.

Na ja, das Presto ist ja auch nichts anderes als ein abgebrochener Langlieger, zumindest sieht es so aus.
Das klingt jetzt so negativ. Ostrad verfolgte ein Baukastenprinzip. Hinterrad, Gepäckträger, Sitz und die hintere Hälfte des Rahmens sind bei allen Osträdern gleich. Beide gab es mit verschiedenen Schaltungsvarianten mit und ohne Zwischengetriebe.
Das ältere Fahrrad ist das lange Adagio mit der aufwendigen geschobene Schwinge, die dem Zustand der Straßen im Osten der Republik kurz nach der Vereinigung geschuldet war und die auch 15 cm hohe Bordsteine wegbügelte.
Später wurde dann das Presto mit dem kürzeren Radstand und den Kettenblätter als vorderster Teil des Liegers entwickelt, für das sich die geschobene Schwinge als ungeeignet erwies und das erst mit einer AMP-Paralellogrammgabel und später mit eine Federgabel mit Tauchrohren ausgeliefert wurde. Durch den kürzeren Radstand fährt sich das Presto agiler als das Adagio. Das Presto gab es wohl auch mit Obenlenker, das Adagio meines Wissens nie.
Da ist also nichts "abgebrochen", sondern beide Modelle hatten bewährte Teile gemeinsam.
Später wurde noch das Janus entwickelt, ein Rücken-an-Rücken-Tandem, das meines Wissens aber wegen der Abwendung vom Liegeradbau nicht mehr in Serie ging. Das besteht aus einem bunten Mix von Adagio und Presto, wobei es die geschobene Schwinge des Adagio in der Position des Prestovorderrad hat. Ich habe aber auch schon Bilder gesehen, auf denen eine AMP-Gabel verbaut war. Ich bin das als Stoker auf der o.g. Veranstaltung probegefahren, es war einfach nur klasse.

Gruß, Klaus
 
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Da ist also nichts "abgebrochen", ...
Das war absolut nicht negativ gemeint, ich wollte damit nur auf satirische Weise ausdrücken, wie das Rad wohl auf einen eingefleischten Langliegerfan wirkt. Von hinten ist alles okay, aber vorne stimmt was nicht. Erinnert mich wiederum an den (ebenfalls scherzhaft gemeinten) Kommentar zweier Motorradfahrer zu meinem Dino: "Mit dem Rad musst du aber einen sehr schweren Unfall gehabt haben, dass es jetzt so aussieht." :D

Ansonsten vielen Dank für die ausführliche Erläuterung zum Tanaro. Ich finde es sehr schade, dass Ostrad keine Liegeräder mehr produziert und entwickelt, gerade nachdem was du über das Tandem erzählt hast.
 
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