Geliebtes Eisenschwein

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Das Eisenschwein hat, wie schon anderswo erwähnt, vorgestern noch ein Geschwisterchen gekriegt, nämlich ein extrem gut erhaltenes Peer Gynt, vermutlich Rahmengröße S.
aDSCF8598.jpg
Das ist aktuell auf meiner kleinen Werkbank und ich arbeite es langsam und genussvoll durch. Der erste Schritt war, die linke Tretkurbel vom Tretlager abzumontieren und dann auch noch das Pedal abzunehmen. weil die Kurbel zum Kürzen soll: Ich habe 1996 nach einem Autounfall links 25 mm Oberschenkel verloren und fahre seitdem alle meine Räder asymmetrisch. Den Kurbelabzieher fand ich zu meinem Erstaunen im Baumarkt und zu meinem noch größeren Erstaunen passte er sogar. Vorher habe ich vorsichtshalber noch die Kontaktfläche zwischen Tretlagerachse und Tretkurbel mit Rostlöser eingesprüht, ein paar Minuten einwirken lassen, danach war das Lösen der Kurbel keine große Sache.
Als nächstes ging die Klingel vom Lenker, da sie bei jeder Bewegung an der Querstrebe unter dem Sitz anschlug. Außerdem habe ich die Lichtanlage getestet, was auf dem Montierständer wunderbar geht. Ergebnis: Vorne ist erkennbar, dass da mal etwas halogenisch geleuchtet hat, hinten dunkel. O.K., kein Wunder, wenn nach alter Sitte Minus über Rahmenmasse geht.
An dem Rad fällt vor allem die große, überlegte Achtung auf Details ins Auge: Die Schutzbleche wirken immer noch vertrauenerweckend stabil, der Gepäckträger ist richtig steif, überall sind an sinnvollen Stellen Kabelbinder oder Schutzhüllen eingesetzt. Das Rad macht nach 25 Jahren immer noch einen absolut hochwertigen Eindruck. Und damit bietet es ein wunderbares Vorbild für die Renovierung des "Ostsee-PGs", das ich nicht vernachlässigen will, aber deutlich arbeitsaufwendiger wird, bis es wieder Straße sieht. Der Herbst wird mächtig verschroben (= vermutete unregelmäßige Vergangenheitsform von verschrauben).

Und jetzt habe ich ein paar Frage an die Fachkundigen:
Es muss mal irgendwann eine heftige Modellpflege bei Radius gegeben haben. Das ist bisher an Folgendem zu sehen:
- Anderer Schriftzug auf dem Hauptrohr. Es gibt ihn in dicken Blockbuchstaben, die richtig 80-er Jahre Flair verbreiten und bei anderen Rädern deutlich eleganter, ähnlich der Schrifttype Brush Script MT. Mein Dino aus 1994 hat die und auch das bös korrodierte PG von der Ostsee, das ich vorletzten Sommer abgegriffen habe.
- Andere Befestigung der Sitzbespannung: Es gibt sie an der Sitzfläche mit breiten elastischen Bändern und mit dünner Gummischnur, die den Vorteil hat, dass man sie nachspannen kann. Außerdem ist die Bespannung der Lehne anders: Rucksackpackbänder oder durchbohrte Vollalustäbe, die mit Imbusschrauben und auf dem Sitzgeröhr aufgelöteten Gewindestümpfen nachgespannt werden können. Die untere Sitzbespannung ist bei meinem "neuen" PG ziemlich durchgesackt, weshalb ich sie irgendwie ersetzen muss.
- Andere Befestigung des Sitzes auf dem Klemmblock, der auch den Lenker hält: Das PG hat unter dem Querrohr unter der Sitzfläche zwei kleine Anlöter, die über eine lange Schraube den Sitz im Klemmblock halten. Mein Dino und das "Ostsee-PG" haben die Anlöter nicht mehr, das Unterrohr ist direkt durch den Klemmblock geleitet. Also eine verbesserte Vereinfachung.

Ich nehme daher an, dass mein "neues" PG vor, mein Dino und das "Ostsee-PG" nach der Modellpflege entstanden sind. Da der Sitz meines "Ostsee-PG" recht gut erhalten ist, werde ich den komplett strippen, den Lack ausbessern, von innen mit Seilfett gegen Korrosion schützen, neu bespannen und auf das neue PG setzen.
Das PG wird also ein behutsamer Hybrid von alter und neuer Serie. Außerdem möchte ich die Lichtanlage mit einem kleinen Nabendynamo im Vorderrad und LED-Leuchteinheiten auf heutigen Standard bringen. Last but not least ist die Gummischnur, die den Kettenschutzlappen auf Spannung hält, völlig mürbe und muss ersetzt werden.
Berichte werden immer folgen, wenn Fortschritte zu vermelden sind.

Leute, es macht einen Riesenspaß, wieder einmal so ein Projekt unter den Fingern zu haben!!!


Viele Grüße, Martin
 
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- Andere Befestigung der Sitzbespannung: Es gibt sie an der Sitzfläche mit breiten elastischen Bändern und mit dünner Gummischnur, die den Vorteil hat, dass man sie nachspannen kann. Außerdem ist die Bespannung der Lehne anders: Rucksackpackbänder oder durchbohrte Vollalustäbe, die mit Imbusschrauben und auf dem Sitzgeröhr aufgelöteten Gewindestümpfen nachgespannt werden können. Die untere Sitzbespannung ist bei meinem "neuen" PG ziemlich durchgesackt, weshalb ich sie irgendwie ersetzen muss.
Nach meiner Erinnerung gab es drei unterschiedliche Sitzbespannungen bei grundsätzlich gleicher Sitzrahmenform:

1. Eine einteilige Sitzbespannung aus Netzstoff(an meinem ersten Trio-Dreirad übrigens in weiß, nicht schwarz) mit Ösen an den Seiten. Gespannt wurde der Stoff am Sitz durch eine Gummi-, am Rücken durch eine Nylonschnur. War sehr bequem, vermittelte ein Gefühl wie eine Hängematte, Lordosenstütze gab's natürlich keine.

2. Sitzfläche durch Gummischnüre gespannt und, wie von Troubadix schon erwähnt, nachspannbar.
Leider brach bei mir ein Teil, an dem die Gummischnüre befestigt sind.
Die Rückenfläche wurde an zwei durchbohrten Vollalu-Stäben befestigt, und zwar mit dünnen Schrauben und winzigen Muttern. Auch hier brachen mir mir mehrere der Alustäbe an der Bohrung.
Deshalb begrüßte ich das Update(wie das heute so schön heißt) auf die nächste Version:

3. Sitzfläche wird mit fünf breiten Gummibändern gespannt, die mit viel Mühe über den Sitzrahmen gezogen werden müssen, wobei es natürlich notwendig ist, den Sitzrahmen aus der Befestigung zu holen. Insgesamt sehr lästige und mühevolle Montage, funktionierte aber an sich ganz gut, zumindest bis die Nähte der angenähten Gummibänder sich zu lösen begannen. Nach einigem Experimentieren schaffte ich es, sie mit besonders starker Nadel und einer dünnen Nylonschnur wieder festzunähen. Dabei schnitt ich die Bänder auch gleich durch, nähte Schlaufen hinein und spanne sie jetzt mit Pedalriemen. So kann ich die Sitzfläche demontieren, ohne das Sitzrahmenrohr aus der Befestigung zu lösen.

Die Rückenfläche wird über Zurrgurte ähnlich Pedalriemen gespannt, original sogar mit aufgedruckter "Radius"-Aufschrift, Liebe zum Detail war immer schon ein Markenzeichen für Radius. Funktioniert tadellos und auch individuell einstellbar, da ich die Gurte unterschiedlich spannen und so an die Bedürfnisse meines Rückens anpassen kann.

Insgesamt stellte die dritte Version in meinen Augen eine deutliche Verbesserung dar, und dass sie bei mir teilweise den Geist aufgab, liegt nicht unbedingt an konstruktiven Fehlern oder schlechter Verarbeitung, eher schon daran, dass ich erstens ein Vielfahrer mit ca. 20000km/Jahr und zweitens ein eher ungestümer Fahrer bin, der seine Räder nicht schont, wenn er ordentlich reintritt. Unter mir sind auch schon zwei Radius-Sitzrahmen und einer von Antrotech gebrochen, jeweils an der Verlötung. Ein "normaler" Fahrer, der seinem Rad mehr Schonung zukommen lässt, sollte von derlei Abnutzungserscheinungen eigentlich verschont bleiben.

Wenn ich dann noch ins Kalkül nehme, wie viele Sättel, vor allem Kernledersättel von Ideale(B 92), die ja angeblich unverwüstlich sein sollen, ich schon aufgearbeitet habe, vor allem aber auch, wie viele sündteure Radhosen ich an eben diesen Sätteln durchgewetzt habe, sehe ich keinen Grund, solche Abnutzungen besonders tragisch zu nehmen.
Ich schätze mal, dass ich mir für die Summe, die ich während meiner Rennradzeit für Sättel, Radhosen und Sitzcremes ausgegeben habe, ein bildschönes gebrauchtes Liegerad leisten könnte, vielleicht sogar ein nagelneues.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich nach wie vor gerne auf dem Dino fahre und auch nach fast 30 Jahren tut es noch treu und brav seine Dienste, obwohl ich es wie geschrieben nie geschont habe. Ich empfinde es auch keinesfalls als Eisenschwein, eher schon als edles Ross. Es fährt sich zwar genauso gemütlich, wie es aussieht, aber träge ist es deshalb noch lange nicht, ich bin mit ihm auf jeden Fall schneller unterwegs als auf dem Basic, vergleichbare Reifen mal vorausgesetzt.
Mal sehen, ob es bei uns eines Tages zu einer Renaissance der Langlieger kommen wird, an mir soll es jedenfalls nicht scheitern. :)
 
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Hallo @Klaus d.L. : Danke für den Hinweis! So kann ich auf Dauer die Bespannung meines Dino-Sitzes erneuern.

Hallo @Kurt ,
vielen Dank für Deine fachkundigen Ausführungen! So komme ich deutlich weiter.
Den Titel "Eisenschwein" habe ich seinerzeit ironisch gemeint, weil Stahlrahmen damals im Forum ausgesprochen negativ besprochen wurden. Mein Dino hat mich seit 25 Jahren im Alltagsverkehr und auf langen Touren nie im Stich gelassen, immer zuverlässig und mechanisch extrem einfach.
Die Gurte mit der "Radius" Aufschrift sind an meinem PG auch noch vorhanden. Der Tipp mit den Pedalriemen ist Gold wert. Kannst Du ein Bild einstellen? Die verösten einteiligen Sitzbespannungen kenne ich noch von meinem ersten Lieger, einem Mega-Rad.
So richtig weg sind die Langlieger nicht. Rans und Fateba bauen sie immer noch, obwohl in meiner Wahrnehmung in der HPV-Szene inzwischen Trikes und Velomobile das Bild prägen.
Betreffs der Dauerhaltbarkeit mache ich mir wenige Sorgen: Ich bin eher der Ausdauer- als der Sprinttyp und eher schmal gebaut.
Als Nächstes will ich herausfinden, ob es noch Federelemente und schmale 440mm-Felgen gibt.

Viele Grüße, Martin
 
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Der Tipp mit den Pedalriemen ist Gold wert. Kannst Du ein Bild einstellen?

Ich hab jetzt extra für dich die Sitzfläche abgebaut, um Fotos zu machen, geht dank des neuen Systems jetzt ja sehr schnell. :)
Ich hoffe auf den Bildern lässt sich erkennen, wie es funktioniert, ist im Grunde ja sehr simpel.

Als Nächstes will ich herausfinden, ob es noch Federelemente und schmale 440mm-Felgen gibt.
Zumindest für mein Anthrotech war es kein Problem, mir im Online-Fachhandel einen passenden Gummipuffer zu besorgen. Ich könnte mir vorstellen, dass auch am PG irgendein Standardteil verbaut ist.

Reifen und vermutlich auch Felgen in 440 gibt es noch, ich habe aber dennoch mein Dino auf 406 umgerüstet, einfach wein ich dann an allen meinen Liegern dasselbe Maß habe und die Ersatzteilversorgung problemlos ist. Ich vermute mit den Felgenbremsen von Shimano wird das problematisch, Maguras dagegen klappen mit dem passenden Bügel tadellos. Leider werden diese Bügel nicht mehr hergestellt und sind wohl nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu finden.
Das Rad sieht mit dem 440er Vorderrad etwas flotter aus, fährt sich aber mit einem voluminösen Marathon in 47-406 bestimmt nicht schlechter, auf Schotter sogar eher besser.

Radius1.JPG radius2.JPG radius3.JPG
 
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@Kurt :
Danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast! Die Bilde sind klar verständlich. Du hast auf der nächsten Spezi oder ähnlichen Veranstaltung etwas bei mir gut.
Tut mir leid, dass ich Dich noch weiter nerve: Weißt Du noch, mit welchem Faden Du die Enden der Gummibänder vernäht hast?
Mit den 406-er Rädern dürftest Du Recht haben. Allerdings gehe ich davon aus, dass auf dem Vorderrad dieses klassischen Langliegers so wenig Last ist, dass es sehr lange halten wird. Der Reifenmantel meines Dino fand sein Ende nicht durch Abrieb, sondern Versprödung. Es hat immer noch das erste Vorderrad und die Felge wirkt noch sehr gesund. Es sollte sich sogar lohnen, dort einen Nabendynamo einzubauen. Außerdem habe ich in einem Marburger Fahrradladen eine Quelle für 440-er Reifen aufgetan. Mal sehen, wie die sind.

Viele Grüße, Martin
 
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Tut mir leid, dass ich Dich noch weiter nerve: Weißt Du noch, mit welchem Faden Du die Enden der Gummibänder vernäht hast?
Haha, du nervst doch nicht, es macht Spaß, über Klassiker zu fachsimpeln. :)
Der Faden ist eine weiße Nylonschnur, geschätzte Stärke 1.5 mm, vermutlich aus der Gartenabteilung eines Baumarkts. Leider befindet sich auf der Rolle keine Aufschrift (mehr), deshalb kann ich da nichts Genaueres sagen. Sieht auf jeden Fall sehr robust und widerstandsfähig aus. Genäht habe ich mit einer starken Nadel für Leder, eine Ahle müsste aber auch gehen.

Die Haltbarkeit oder Qualität war wirklich nicht das Problem mit den Original-Reifen, mir kam es vor allem darauf an, nur eine 20-Zoll-Größe für alle meine Räder zu haben. So lässt sich dann auch mal auf die Schnelle ein Laufrad tauschen und Ersatzreifen lassen sich zur Not auch in normalen Fahrradgeschäften oder im Baumarkt besorgen.

Bei den Vorderrädern von Radius habe ich übrigens auch das erste Mal radial eingespeichte Laufräder in natura gesehen. Zuerst war ich etwas skeptisch, aber es gab damit nie irgendwelche Probleme.

Übrigens ist das Dino das Rad, auf das die Menschen, denen ich begegne, mit Abstand am positivsten reagieren. Aus irgendeinem Grund scheinen sie sich bei ihm am ehesten vorstellen zu können, dass das Fahren damit Spaß macht, oder sie fühlen sich von ihm (oder dem Fahrer) am wenigsten bedroht.

Es würde mich auch interessieren, wie vielen Mitglieder des Forums überhaupt klar ist, dass das Aufkommen der Liegeräder in den Achzigern vor allem durch Langlieger ausgelöst wurde, und zwar vor allem durch den Avatar 2000 von David Gordon Wilson(diesen Mai leider verstorben). Es wurde übrigens in erster Linie nach Sicherheitskriterien konstruiert, nicht etwa als aerodynamisch optimierte Rennmaschine.

Vanguard(später Longbikes), Radius, Pichler, Fateba, Megarad, etc. sind dann quasi die aus dieser Inspiration hervorgegangenen Kinder. Besonders schade finde ich es, dass Hase das Tagun nicht mehr produziert, bereits seine Bewerbung als spezielles "Frauenrad" fand ich etwas seltsam und fragte mich stets, was einen bequemen Langlieger speziell für Frauen prädestinieren soll. :)
 
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Hallo @Kurt ,
also ich weiß um die Entwicklungsimpulse David Gordon Wilsons für die Liegeräder u.a. durch den legendären Artikel im Scientific American vor ca. 30 Jahren.
Die Nachricht vom Tod dieses Liegeradpioniers hatte mich bisher noch nicht erreicht und macht mich ein bisschen traurig. Er hat jedenfalls einiges Gute angestoßen. Den Sicherheitsaspekt als konstruktives Ziel des Langliegerkonzepts kannte ich und war schon öfters froh, dass ich im Gegensatz zum Upright bei Vollbremsungen nicht vornüber gegangen bin. Einer der negativen Aspekte des Langliegers ist m.E. die geringe Last auf dem Vorderrad samt heftiger Neigung zum Untersteuern auf rutschigem Untergrund. Der versuche ich auf langen Strecken mit Verlagerung von möglichst viel Gepäck nach vorne zu begegnen und suche langfristig einen passenden kleinen Träger nach Art des Tubus Fly für das Vorderrad des PG, damit ich dort kleinere Lowrider Taschen anbringen kann.
Ich werde mich betreffs des starken Fadens im Baumarkt umschauen, dort dürfte es starke Schnur geben. Danke für den Hinweis!

Viele Grüße, Martin
 
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Ich werde mich betreffs des starken Fadens im Baumarkt umschauen, dort dürfte es starke Schnur geben. Danke für den Hinweis!
Such mal nach "Maurerschnur" (die weiße taugt sogar als Wäscheleine) oder im Sattlerbedarf nach "Pechdraht" oder "Sattlergarn". Wenn ich nichts anderes da habe, nehme ich Zahnseide, die ist recht scheuerfest.
Passt der Hase-Lowrider nicht?

Gruß
Christoph
 
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Hallo @Christoph S ,

Maurerschnur und Pechdraht / Sattlergarn sind gute Stichworte. Danke! Der Hase Lowrider braucht leider kleine Anlöter an der Gabel, deswegen geht er nicht.- So gut er mir sonst gefällt.

Viele Grüße, Martin
 
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Hallo @Christoph S : Danke für den Hinweis! Die Gabel ist aus leicht längsovalisierten Rohren, sollte also passen.
Inzwischen habe ich noch weitere Unterschiede zwischen der früheren Serie und den späteren Modellen entdeckt, wie ich inzwischen glaube, aus Iserlohn geholt zu haben:
- Die Gabel hat oben keine "Brücke", sondern die Rohre wurden nach innen gebogen und direkt an das Lenkkopfrohr gelötet, dementsprechend ist auch die Aufnahme des Kugelkopfes der Schubstange anders.
- Die Speichen des Vorderrads sind dreifach gekreuzt und nicht radial.
- Der Block, der oben den Sitz und unten den Lenker hält, besteht nur aus 2 statt 3 Teilen.
Mal sehen, was ich sonst noch alles finde. Aktuell bereite ich eine Liste der Teile vor, die ich beim Fahrradhändler bestellen will...
 
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Das Eisenschwein kommt langsam vorwärts: Aktuell arbeite ich die Beleuchtung durch. Scheinwerfer und Rücklicht habe ich vom Dino "geborgt", dann die Verkabelung durchgearbeitet. Der Originalzustand war noch sehr 90-er Jahre, selbst bei Radius: Pluskabel führt zu den Lampen, Masse geht über Rahmen. "Meister der elektrischen Dunkelheit".
Sorry, hier hört die Liebe zur Historie auf. Also zweiadrige Kabel aus dem Baumarkt geholt und am Rahmen entlang verlegt. Diese Verlegung ist nur provisorisch, da ich auf Dauer ein Vorderrad mit Nabendynamo einbauen möchte. Aber das hat noch etwas Zeit, zumal der originale Axa HR Reibrollendynamo zwar im Betriebsmodus Widerstand wie blöd erzeugt, aber gut Strom liefert.
Beim Peer Gynt läuft im Gegensatz zum Dino das Kabel vom Dynamo zum Scheinwerfer im Hauptrahmen, lässt sich aber nicht herausziehen. Ich nehme an, dass das Tretlager Widerstand leistet. Und dessen Ausbau kann warten, bis ich den NaDy habe. Ich habe also die Originalkabel gegen die Korrosion an den Enden mit Heißkleber "vergossen" und dann am Rahmen festgelegt. Für später, wenn sie die "Pfadfinder" für die neuen Kabel sein sollen. Mit den Kabeln zum Dynamo habe ich mir Mühe gegeben, damit alles professionell aussieht: Isolierband ist etwas Feines.
Morgen der Tacho und dann die neue Sitzbespannung, außerdem will ich den Antriebsstrang putzen. Die Kette ist laut Dehnungsmesswerkzeug unter 0,75 % Dehnung, also noch brauchbar.
Es ist schon heftig, mit wieviel Genusserleben so eine Tätigkeit einhergehen kann!

Viele Grüße, Martin

aDSCF8604.jpg aDSCF8602.jpg
 
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Ergänzung: Ich habe mir jetzt einen Point Low Rider Gepäckträger für vorne bestellt. Das Ding kostet nicht viel und für erste Experimente mit Lenkverhalten etc. sollte es reichen. Außerdem kann ich vorne einen Bügel darüberlegen, der Scheinwerfer und Reflektor da halten sollte, wo sie hinsollten: Ganz weit vorne und oben.
Als Nächstes werde ich mich hier im Ort nach Packtaschen umschauen.
 
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Ich habe mir jetzt einen Point Low Rider Gepäckträger für vorne bestellt. Das Ding kostet nicht viel und für erste Experimente mit Lenkverhalten etc. sollte es reichen.

Wenn mich nicht alles täuscht, gab es den im vergangenen Jahrtausend in meiner Familie mehrfach, der ist besser, als der Preis befürchten lässt.

Als Nächstes werde ich mich hier im Ort nach Packtaschen umschauen.

Hier gilt: Wer billig kauft, kauft zehnmal. Ich würde in Ortlieb oder Vaude investieren.

Gruß, Klaus
 
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Ich hatte mal zwei als Restposten erworbene, sehr schicke knallorange vaude, bei denen hat sich nach etwa drei Jahren plötzlich und vollständig die Innenbeschichtung gelöst.
Das sah nicht nur ekelig aus, die Taschen waren auch auf einen Schlag vollständig wertlos.
Seitdem würde ich nur noch Ortlieb nehmen. Ich hab welche, die fast 30 Jahre alt sind.
 
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Hallo @Klaus d.L. , hallo @Cygnus X-1 ,

Packtaschen: Genau. Ich weiß nicht, wie lange ich meine noch als Student erworbenen klassischen Ortlieb Backrollers hatte, bestimmt 25 Jahre und über ungezählte Kilometer und Touren, in jedem Wetter, auch öfters zur Arbeit. Daher wieder Ortlieb oder wie aktuell hinten VauDe, aber immer LKW-Plane. Weiterhin möchte ich die Taschen direkt in Fahrt ausprobieren, daher immer nach direktem Augenschein kaufen.
Zu den Point-Trägern: Danke für die Bestätigung! Erfahrungsberichte, wenn es so weit ist.
Ein Ziel dieser Renovierung ist, nächstes Jahr mit dem PG zur Spezi anzureisen.

Aktueller Stand Peer Gynt: Heute Morgen habe ich mich der Tachoverkabelung gewidmet und hatte sie praktisch fertig, als ich mit dem kleinen Seitenschneider für eine "letzte Korrektur" noch einmal einen Kabelbinder aufschnitt. Dabei erwischte ich das Tachokabel gleich mit. Also noch einmal los und ein Neues kaufen. Was man nicht im Kopf hat... :rolleyes:
Gut, jetzt ist er jedenfalls verkabelt und funktioniert.

Als Nächstes die Sitzbespannung. Die alte Sitzfläche ging im Gegensatz zu Kurts Beschreibung ohne Mühe herunter, da die Gurte völlig ausgeleiert waren. Um das PG bald auf der Straße zu haben, habe ich die Bespannung vom Ostsee-PG heruntergeschnitten, die Spannstäbe herausgenommen und mit einem Topfreiniger erst einmal den reichlich vorhandenen Schmodder der Jahrzehnte herunterpoliert. Dann die Sitzfläche selber mit einer alten Topfbürste unter der Dusche gereinigt und zum Trocknen aufgehängt. In der Zwischenzeit die wie schon beim Dino im Baumarkt gekaufte 6mm-Gummischnur vollständig abgespult und halbiert. Die Sitzfläche wieder zusammengebaut und dann mit Gummischnur abgespannt. Was so einfach klingt, war eine mehrstündige Arbeit, weil das symmetrisch geschehen und immer wieder vom Nachspannen unterbrochen werden muss. Am Schluss sollten die überstehenden Enden gleich lang sein, sonst ist logischerweise ungleichmäßig gespannt. Interessant, wo sich so eine Gummischnur überall verhaken kann: Pedale, Lenker, Klettverschlüsse, Kabel und Füße der Arbeitsleuchte... War der Ariadnefaden vielleicht eine Gummischnur aus dem Baumarkt?
Die Sitzfläche des neuen PG lege ich sorgfältig zur Seite, sie kommt wohl an das Ostsee-PG.
Nachdem ich die Sitzfläche vom Ostsee-PG herunter hatte, zeigte sich übrigens zum ersten Mal, dass die Pulverbeschichtung des Sitzrahmens noch heftiger unterrostet ist als anfänglich vermutet. die Renovierung wird wohl ein umfangreiches Projekt. Am Ende werde ich wahrscheinlich 3 funktionsfähige Langlieger haben. Das Ostsee-PG möchte ich gerne langfristig mit 406-er Federgabel, aktuellen Antriebskomponenten etc. versehen, dazu anderer Lack. Also richtig "customized".
Und: Neeeiiin, ich bin nicht "ein bisschen verrückt" was diese Klassiker angeht. Gaaanz bestimmt nicht! :D
Aktuell "setzt" sich die Bespannung erst einmal, ähnlich wie frisch aufgezogene Gitarrensaiten. Jetzt fehlen noch die beiden Packgurte, die wie beim Dino die Sitzfläche von unten stabilisieren. Das am Montag, sind ja Herbstferien.

aDSCF8607.jpg
Bild 1: Die Sitzfläche des Ostsee-PG samt Resten der alten Gummischnüre;
aDSCF8608.jpg
Bild 2: Die Sitzbespannung auf dem neuen PG, vorne der neue Tacho.

Viele Grüße, Martin
 
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Heute keine Bilder, der Grund später.
Zuerst: In der Frontansicht meines PG störte mich irgendetwas, das ich nicht richtig drinieren konnte, bis mir klar wurde, dass der Sitz etwas gegenüber dem Hauptrahmen verdreht war und der Lenker auf der einen Seite mehr Freiraum gegenüber dem "Unterzug" des Sitzes hatte als auf der anderen. Aber wie kriege ich das gerade? Zuerst versucht, an den Anlenkungspunkten des Sitzes am Klemmblock etwas zu machen. Ergebnislos.
Dann fiel mir auf, dass ja beim PG die Sitzstreben im Gegensatz zum Dino höhenverstellbar sind. Logisch, das Dino ist ja gegenüber dem PG etwas entfeinert. Also mit einer Wasserwaage den Rahmen exakt lotrecht im Montageständer ausgerichtet, dann die Wasserwaage auf die Sitzfläche gelegt. Auhauerha, das ist wirklich nicht wenig. Sitzstreben eingestellt, verschraubt, stimmte aber immer noch nicht, zog sich immer wieder schief. O.K., den Klemmblock für Sitz und Lenker gelockert, wieder den Sitz neu eingestellt, Montageblock festgezogen. Schonb esser, aber jetzt schliff der Lenker jämmerlich am Unterzug. Die Spaltmaße der oberen und unteren Hälfte auf beiden Seiten des Rohres geprüft. Aha, ungleichmäßig. Also wieder gelockert, ganz vorsichtig mit ständiger Kontrolle ringsum festgezogen. Schon besser. Wieder was gelernt. Das werde ich noch einmal machen müssen, wenn ich den optimalen Abstand des Sitzes zum Tretlager einstelle. Übung...

Als nächstes habe ich mir die verspakten Kettenblätter vorgenommen. Und hier wurde es richtig dreckig. Schwarze, fettige Kruste unter den Zähnen der Kettenblätter. Alles abgeschraubt, mit viel Haushaltspapier, einer alten Zahnbürste und einem WD40 ähnlichen Motorreiniger geputzt und- weil es gerade so schön war - auch gleich noch das Schaltwerk und das Leitröllchen im Leertrum geputzt. Danach waren meine Finger so schwarz, dass ich mich nicht mehr traute, die Kamera anzufassen. Dafür habe ich den Eindruck, dass ich den Duft nach Motorreiniger noch Wochen lang aus den Poren schwitzen werde. Schrauberparfüm, was solls. Ist mir jedenfalls lieber als irgendein Duftpräparat aus dem Hause Joop oder Ähnliches...
 
F

Frank H.

Mein Scooterbike von Utopia ist auch bald ein Oldtimer. Produktionstag laut Herrn Klagges war der 26.04.2001. Meine Empfehlung für eine Ausfahrt mit klassischen Liegerädern wäre eine Teilnahme an der Velo-Classico in Ludwigslust. Radfahren wie früher bei verhältnismäßig wenig Verkehr auf teilweise ,,klassischem" Straßenbelag
 
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