Mit dem E-ORCA durch Schweden und Dänemark

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Die letzte reine Dänemark-Etappe führte mich heute über 90km von Jelling nach Røde Kro. Als der Inhaber des B&B in Jelling auf seine Nachfrage erfuhr, wohin ich fahren will, hat er mit mir erst einmal die korrekte dänische Aussprache des Ortsnamens geübt. Im zweiten Anlauf habe ich es ganz gut hinbekommen:)

Die Route hat mich dann zu ungefähr 2/3 auf großen Straßen geführt. Als besonders nervig habe ich die 176 erlebt, die hier die Radwegeführung z.T. absolut kryptisch war. Ich bin - glaube ich - einige Passagen auf der Straße gefahren, die für Fahrräder eigentlich gesperrt waren. Jenseits von Kolping wurde es dann aber besser.
Trotzdem gefallen mir die kleinen Straßen deutlich besser. Ich habe einfach mehr Zeit, mich auf die Landschaft etc. einzulassen:D
Unterwegs habe ich jede Menge RRler getroffen und Bikertrupps (meist Harley:D) getroffen - es ist Sonntag und phantastisches Wetter.

Die letzten 15km bin ich dann auf dem "Ochsenweg" gefahren, der in Dänemark "Haervejen" heisst. Das ist eine mittelalterliche Viehhandelsroute, die heute als Fernradweg ausgewiesen ist. Hier traf ich dann auch wieder meine geliebten historischen Monumente, erst an einem spontan angefahrenen Rastplatz den Strangels-Hügel, einen bronzezeitlichen Grabhügel mit Bautastein (Menhir). und dann wenige Meter weiter einen Runenstein, der nur den Namen Haerulf nennt.

Hier in Røde Kro habe ich in dem Hotel Quartier bezogen, dass dem Ort seinen Namen gegeben hat.

Photos gibt's heute leider nicht. Der Grabhügel war für das Handy zu weit weg und der Stein wenig attraktiv...
 
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Ohne es bewusst geplant zu haben, bin ich auf den heutigen 89 km von Røde Kro nach Kropp über weite Strecken dem Ochsenweg gefolgt. Die von mir photographierte Brücke über den Gejlå stammt zwar erst von 1818, zeigt aber eindrücklich, dass der Weg über Jahrhunderte in Benutzung war. Wo jetzt die Brücke ist, war früher eine Furt. Die Trittsteine liegen noch unter der Brücke im Bach.

Trotz der zweiten langen Etappe hintereinander lief es heute ganz gut. Das Terrain war bis 10km vor Kropp sehr eben, z.T. flach wie ein Brett (Nordfriesland eben). Erst die letzten Kilometer stiegen dann relativ kontinuierlich an. Das ging dann doch etwas auf die Beine, zumal ich auf einem grottenschlechten Radweg unterwegs war. Das war mir aber lieber als die dicht befahrene Landesstraße daneben. In Groß Rheide hing mir ein Truck beinahe am Rücklicht - willkommen in Deutschland:mad:
 

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Die letzte lange Etappe hat mich heute nach Bosau in die Holsteinische Schweiz geführt. Auf den letzten 30 km hat das Profil dem Namen auch alle Ehre erwiesen. Solche Hügel hatte ich zuletzt in Mitteljütland;)

Heute früh klopfte der Chef des "Romantischen Landhauses" in Klopp persönlich an meine Zimmertür, um mir eine gute Weiterfahrt zu wünschen. Selbst auf der Rechnung fand sich eine entsprechende Notiz :) Er war vom Orca und meiner Tour sehr beeindruckt. Der Orca durfte in der Garage schlafen.
Mit Bosau verbindet mich eine lange Geschichte. Wie ihr gemerkt habt, interessiere ich mich für Geschichte:):sneaky: Nun gibt es einen Pfarrer Helmold von Bosau (ab 1156), der eine Slawengeschichte geschrieben hat. Die ist eine der wichtigsten Quellen der Mecklenburgischen Frühgeschichte. Ich habe sie deshalb als Abiturient tatsächlich gelesen (war harte Kost) und war glücklich als mein Vater mir später die zweisprachige Ausgabe (Latein - Deutsch) geschenkt hat:)
Bosau wirbt damit, den "kleinsten Bischofsdom Deutschlands" zu haben. Tatsächlich war die hiesige sehenswerte Petrikirche im Mittelalter für 8 Jahre Bischofssitz ... Der hiesige Bischof Vicelin hat wiederum bei der Missionierung der Slawen eine wichtige Rolle gespielt...

Die Fahrt verlief eigentlich glatt - bis ich nach gut 1/3 der Fahrt komische Geräusche von rechts vorn vernahm. Ich glaubte, dass mal wieder der Geschwindigkeitssensor schleifen würde. Leider war das nicht der Fall. Ich musste feststellen, dass eine der fünf Speichen des Carbonrades gebrochen ist(n) Zum Glück wollte ich morgen ohnehin durch Lübeck fahren und ein Telefonat mit M. Erz von flevelo ergab, dass er Laufräder vorrätig hat(y) Also blieb nur die Befürchtung, dass das Laufrad vorher ganz seinen Geist aufgibt:confused: Bis Bosau hat es gehalten. Drückt mir die Daumen, dass es bis Lübeck reicht...
Wodurch der Bruch verursacht ist? Entweder hat die Masse der harten Schläge auf der Tour das Rad buchstäblich zermürbt, oder (wahrscheinlicher) ein blöder Umfaller heute hat das Malheur verursacht. Allerdings lief das Rad danach zunächst vollkommen problemlos.
 
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Ich musste feststellen, dass eine der fünf Speichen des Carbonrades gebrochen ist(n) <snip>
Wodurch der Bruch verursacht ist? Entweder hat die Masse der harten Schläge auf der Tour das Rad buchstäblich zermürbt, oder (wahrscheinlicher) ein blöder Umfaller heute hat das Malheur verursacht. Allerdings lief das Rad danach zunächst vollkommen problemlos.
Hast du die normale oder die Carbon-Komposit-Variante bei den Laufrädern? War der Umfaller dem unfreiwilligen Versuch geschuldet, mal auf zwei Rädern zu fahren? Das ist mir mal bei ca. 20° Neigung für eine geschlagene Sekunde "gelungen", bevor ich zum Glück wieder auf allen drei Rädern landete.
Ansonsten bin ich von deinem Fahrbericht begeistert.
 
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Hast du die normale oder die Carbon-Komposit-Variante bei den Laufrädern?
Ich fahre die Carbon-Komposit-Variante bei den Laufrädern und habe die bei den mecklenburgischen Schlaglöchern als sehr stabil erlebt. Ich habe mir die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Ich habe mich gestern bei nach rechts eingeschlagenen Vorderrädern auf die Seite gelegt. Offenbar ist die Kraft voll auf die eine Speiche gegangen:(
 
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Nach insgesamt 76 km bin ich glücklich in Grevesmühlen, der letzten Zwischenstation meiner Tour, angekommen.:)

Wie ich schon kurz geschrieben hatte, bin ich gut nach Lübeck gekommenen und habe mich für nach dem Mittag mit M. Erz verabredet. Er hat das defekte Laufrad binnen kurzem ausgetauscht(y) Zum Glück hatte er dann die Idee, auch noch die Spur zu überprüfen. Dabei stellte sich nämlich heraus, dass auch der Kugelkopf der Spurstange etwas abbekommen hatte. Also musste auch der noch ausgetauscht werden.
Leider habe ich dann M. Erz nachgegeben und ihn den Schlauch des Hinterrades dann auf 5 Bar aufpumpen lassen. Das rächte sich schon nach wenigen Kilometern. Es ertönte der nur zu bekannte Knall und der Schlauch war geplatzt. Also habe ich noch einmal Zeit verloren...
Etwas frustriert bin ich bis Schlutup gekurbelt und habe dann auf den Bundesstraßen aufgedreht, um nicht erst im Dunkeln anzukommen (das Rücklicht ist immer noch kaputt:sneaky:). Es hat so ziemlich geklappt. 19.15 Uhr habe ich in meiner Pension eingecheckt:)
 
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Ziel erreicht:):) Nach weiteren 75 km bin ich heute wieder zu Hause angekommen:):)

Die letzte Etappe meiner Tour führte mich heute quer durch die vertraute Moränenlandschaft zwischen Grevesmühlen und Satow - Rolling Hills sind an sich ja ganz nett, aber nach dem Gewaltritt gestern Nachmittag waren die Beine ziemlich schwer. Nach einer Lockerungspause ging es dann besser (y) Der steife Südwestwind, der mich seit Bosau begleitet, war dabei eine nicht zu verachtende Hilfe.
Auf dem Weg nach Wismar habe ich das Gewerbezentrum Gägelow tunlichst umfahren. Dort treffen zwei große Straßen aufeinander und der Verkehr ist einfach eklig. Durch Wismar bin ich diesmal glatt durchgefahren. Zum einen war es noch zu früh für ein Mittagessen und zum anderen wollte ich nach Hause. Ansonsten ist die Altstadt immer einen Besuch wert.
Knapp 20 km vor dem Ziel bekam ich einen leichten Schreck, denn die Straße zwischen Satow und Heiligenhagen war voll gesperrt. Offensichtlich soll eine seit längerer Zeit marode Brücke repariert werden. Da ich den doch relativ erheblichen Umweg scheute, bin ich rotzfrech durchgefahren und hatte Glück, denn bis auf Baumfällarbeiten war offensichtlich noch nichts passiert. Die Arbeiter haben aber etwas verdutzt geschaut als ich plötzlich dort auftauchte ;)

Ganz zu Beginn der Etappe habe ich den Großsteingräbern im Everstorfer Forst "Guten Tag" gesagt. Sie gehören zu den schönsten in Mecklenburg, insbesondere der "Teufelsbackofen". Ich verlinke mal die einschlägige Seite Klick bzw. den Artikel bei Wikipedia.

Ich werde in den nächsten Tagen noch eine Art Fazit meiner Tour versuchen, aber dazu muss ich erst einmal etwas Abstand gewinnen.
 
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Herzlich Willkommen in der Heimat. Du hattest eine tolle Tour und ich danke dir ganz herzlich, dass du uns daran teilhaben liessest. Hast du nun noch Urlaub?

Danke
 
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Sehr schön; danke für die laufende Berichterstattung, eine willkommene Abwechslung zu den zahlreichen Käbbeleien in anderen Fäden.
 
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Hallo Klaus, ich habe jeden Deiner Beiträge mit Begeisterung gelesen. Eine klasse Tour hast Du gemacht. Wird Zeit das ich auch mal wieder eine Radreise mache.
 
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Fazit (1. Teil) - technisch:

Ich fahre einen leicht modifizierten E-Orca (Baujahr 2014). Die Modifikation besteht darin, dass der Akku hinter dem Sitz links über dem Radkasten installiert ist. Das war nötig, weil bei mir aufgrund meiner Behinderung die Knie nach innen fallen und ich mir bei der Probefahrt die Unterschenkel blutig geschlagen hatte. Mein Orca ist dadurch etwas hecklastig und der Stauraum hinter dem Sitz ist reduziert. Trotzdem habe ich mühelos alles mitnehmen können, was ich auf der Tour dabei haben wollte. Es war aber hilfreich, dass Ines mich besucht hat. Dadurch konnte ich ihr nicht mehr benötigte Dinge (das große Wörterbuch;)) mitgeben und einmal komplett Klamotten tauschen.
Vorn habe ich 35er Marathon+ und hinten einen 40er Marathon-Racer aufgezogen. Bis auf die Knallpanne in Lübeck hatte ich nicht einen Platten! Das hat mich angesichts der schwedischen Schotterwege positiv überrascht.
Der Orca hat sich wieder als sehr geländegängig und robust erwiesen. Auf den relativ langen Strecken und an den Steilhängen in Småland machte sich sein Gewicht aber denn doch negativ bemerkbar.

Probleme:
Die Kleinigkeiten (Gewindestange am Versatile-Dach verrutscht, beim Rücklicht LED-Lampe durchgebrannt) fielen kaum ins Gewicht.
Nervig finde ich weiterhin, dass bei Reifendrücken über 4,5 Bar sofort die Gefahr einer Knallpanne besteht. Viel deutet darauf hin, dass es am speziellen Profil der Laufräder liegt. Nach meinem Eindruck sieht das bei den schmalen Marathon aber besser aus. Da muss ich noch experimentieren.
Der durch eigene Dämlichkeit verursachte Umfaller passierte zum Glück insofern im "richtigen" Moment als ich ohnehin auf dem Weg nach Lübeck war und das fast durchgebrochene Carbon-Komposit-Rad die 80 km bis dahin problemlos durchgehalten hat.

Der Orca hat jetzt also ein paar Kampfspuren mehr. Er war mir auf den nach meiner Rechnung 1737 km der Tour (inklusive der Ausflüge vom Ferienhaus aus) ein treuer Begleiter:)
 
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Fazit (2. Teil) - persönlich:

Meine Frau (Ines) befürchtet, dass ich nach kurzer Zeit schon wieder aufbrechen wollen würde;) Da ist was dran. Ich bin in diesem Jahr zwei lange Touren allein mit dem Orca gefahren (zum Liegerad-Midsommar und jetzt). Das hat definitiv Suchtpotential:)

Ich erlebe die Landschaft sehr intensiv. Es gab viele - kurze oder längere - Gespräche mit ganz unterschiedlichen Menschen. Manche davon würde ich tatsächlich gern wieder treffen, den alten Herrn in Tarskovmølle z.B.
Die 5 Wochen in Schweden haben meinen Sprachkenntnissen gut getan. Da wäre ich gern noch länger geblieben, aber dann hätte wohl die Familie gemeutert. Mein jüngerer Sohn begrüsste mich schon mit: Na, lässt Du Dich auch mal wieder sehen:confused:

Was die Tourplanung betrifft, habe ich immer noch nicht genug Zeit investiert. Der ein oder andere Track war verbesserungswürdig. Beim nächsten Mal werde ich mehr Wert darauf legen, die grossen Straßen zu vermeiden. Es ging mir ja weniger darum, schnell voran zu kommen als die Landschaften zu erleben.
Bei den Quartieren hatte ich diesmal kaum einen Ausreisser. Da kann man in Schweden auch ziemlich daneben liegen. Nur das erste Vandrarhem war so lala.

Resultat: Auch wenn mein Sabbatical am 31. März nächsten Jahres endet, heisst es im Sommer sicher: Let's do it again - wenn auch sicher nicht wieder fast 7 Wochen. Am Ende bekam ich die Begleiterscheinungen der spastischen Lähmung nicht mehr in den Griff. Meine Physiotherapeutin war heute etwas entsetzt...
 
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Hallo Wikinger

Tolle Berichte ( Woo bleibt das zweite "Gefällt mir"(y))

Vielen dank an dich und auch an deine Familie!!:)

Beste Wünsche von Roland
 
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Resultat: Auch wenn mein Sabbatical am 31. März nächsten Jahres endet, heisst es im Sommer sicher: Let's do it again - wenn auch sicher nicht wieder fast 7 Wochen. Am Ende bekam ich die Begleiterscheinungen der spastischen Lähmung nicht mehr in den Griff. Meine Physiotherapeutin war heute etwas entsetzt...
Musste da an die Signatur von @fluxx denken:
Viele vergessen, dass sie in einem Alter sind, in dem ihnen ihr Körper am nächsten Tag andauernd zuflüstert: "Mach' so etwas nie, nie wieder!"
Klasse wie Du das gemeistert hast. (y) Das ist doch das Salz in der Suppe des Lebens.

Chapeau! :cool:
 
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Auf der Suche nach einem Domizil für die Vätternrundan 2017 habe ich mir auch Deine stuga bei Gränna angeschaut. Vielleicht ist das was. Brauchbares in der Nähe von Motala zu finden zur Midsommarzeit ist ja immer problematisch. Du hast einen wirklich schönen Bericht geschrieben und andere an Deinen Erlebnissen in Schweden teilhaben lassen (ich weiß, Dänemark kommt zumindest bei mir immer zu kurz, das Problem von Dänemarkt wird immer bleiben, dass Schweden dann so nahe ist).
Immer ist es noch so, dass Schweden ein beinahe unbekanntes Reiseland ist.
 
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