Meine hausgemachten Lang-Tief-Lieger

BuS velomo

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Genau wenn Diskussionen ewig in solch unversöhnlich pauschalen Statements (X, nein Y, iwo Z isses!) umherzirkeln, macht es Sinn, etwas "Theoriearbeit" zu leisten, was nichts anderes meint als einen gedanklichen Prozess anzustoßen, bei dem man einen Schritt zurück tritt, den Möglichkeitsraum sondiert, und dann irgendwie so zu strukturieren und abstrahieren versucht, das man "Fälle" bestenfalls in isolierbare (und damit überprüfbare) Variablen und Geltungsbereiche zerlegen kann usw. usf. Dabei steht nicht spekulative Theorie vs. handfeste Praxis, sondern gerade spontane, eingängige Fallverallgemeinerung ist die schlimmste Art der Spekulation (von denen das Internet überquillt)...

... während ernsthafte, multiple Abstraktion eben zuallererst den vorsichtigeren und mühevolleren Umgang mit unser aller Halbwissen angeht. Und selbst wenn im Liegeradsektor keiner die Ressourcen und Ambitionen hat, solche Fragen am Ende der Überlegungen systematisch durchzutesten und aufzuklären, verbessern allein etwas differenziertere, bemühtere und offenere Formulierungen (inkl. Bezüge) den allgemeinen Erkenntnisstand bzw. die Diskussionskultur...

... sind aber halt nicht so eingängig, reaktiv und unterhaltsam; und daher in jeglicher Bemühung leicht durch "Anders-Motivierte" auszuhebeln.
 
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@BuS velomo : Du wurdest scheinbar noch viel zu selten von Trollen getriggert...

Ich trolle nicht.

Die Frage: „Liegerad oder Rennrad - was ist schneller am Berg?“ wurde hier schon zig mal gestellt (Suchfunktion benutzen), zum Teil haben da Leute ihre Meinung kundgetan, die tatsächlich die Trainigstiger oder Ahnungsvollen sind oder waren (Felix H., Walther Berger, René F., Christian Ascheberg, Martin Hannekum, Thomas Drösser, z.B.).

Hier zum Beispiel, 2002 im Liegeradforum.

Oder hier, der von mir geschätzte Andreas Seilinger, 2014

Und egal, woran es am Ende liegt, das der oder der Radtyp schneller ist oder woran es vermutlich liegen könnte (Radgewicht, Laktat, Sitzwinkel, Körperöffnungswinkel, Verluste durch Umlenkrollen, lange, schlabbernde Kette, flexende Ausleger), kommt man ums Training für den Berg, mit dem spezifischen Rad offensichtlich nicht herum. Und da mangelt es - meinem bescheidenen Eindruck nach - vielen liegeradelnden Mitmenschen.

Abgesehen davon, dass es vermutlich für die Menschheit völlig egal ist, ob ein Liegerad am Berg schneller, als ein Rennrad ist, ist es - meiner bescheidenen Meinung nach - auch kaum absolut und wissenschaftlich fundiert beantwortbar. Zu viele Variablen. Schon der Mensch an sich: Der eine fährt sehr hochfrequent, der andere eher mit 80 rpm, der eine eher im Wiegetritt, der andere im Sitzen die Berge mit dem Rennrad hoch. Beide erreichen so aber ihr persönliches Leistungsmaximum und sind wenig voneinander entfernt, so z.B. Jan Ullrich und Lance Armstrong (Dopingdiskussion aussen vor). Und dann noch die ganzen unterschiedlichen Radtypen! Was genau ist denn „Das Rennrad“? Oder „Das Liegerad“?

Meine kilometerfressenden Vieltrainirer aus dem Rennradlager würden sich über so Theoriekram in diesem Umfang nie nen Kopp machen. Die gehen ins Gym, machen klassisches Ganzkörpertraining (Liegestütze, Kniebeugen, Klimmzüge, Krafteinheiten, isometrisches Training usw.) und fahren ansonsten hohe Umfänge mit Belastungsspitzen. Am WE fahren die irgendwo ne RTF oder ne Langstrecke mit den Randonneuren mit oder halt allein nen 200er bis zum Mittag.

Und die nehmen für die unterschiedliche Strecken dann jeweils das dafür passende (Renn-) Rad. Flach und schnell: Die Zeitfahrwaffe mit den Enve -Felgen. Bergig und kurvig: eben nicht die Zeitfahrwaffe mit den Enve-Felgen. Und für die RTF rund um den Grossdübeldorfer Steinbruch holen die das neu erstandene Gravelrad mit den tollen Rene Herse Reifen raus.

Und das meine ich: Es muss doch gar nicht sein, dass irgendein Radtyp für alle Gegebenheiten passt. Ist doch eher top, dass es für die verschiedenen Gegebenheiten mittlerweile auch das passende Rad gibt. Und man kann das passende Rad sogar noch auf seine persönlichen Bedürfnisse anpassen (z.B. 1x12 vs. 2x10, Netz- oder Schalensitz, Renn- oder Midgelenker, Brooks oder Flite...) Muss man nicht, aber man kann.

Das finde ich auf jeden Fall ganz bemerkenswert!

Grüsse
Günther


PS (und eventuell bissel OT): Jack-Lee, ich habe mich gefreut, dass Du den Lebenslauf, den ich Dir damals überarbeitet hatte, dann tatsächlich so für Deine Internetseite verwendet hast.
 
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Die Frage: „Liegerad oder Rennrad - was ist schneller am Berg?“ wurde hier schon zig mal gestellt (Suchfunktion benutzen), zum Teil haben da Leute ihre Meinung kundgetan, die tatsächlich die Trainigstiger oder Ahnungsvollen sind oder waren

Die beiden Threads triefen doch auch nur so von Halbwissen, wilden Spekulationen und nicht zutreffenden Theorien.

Abgesehen davon, dass es vermutlich für die Menschheit völlig egal ist, ob ein Liegerad am Berg schneller, als ein Rennrad ist, ist es - meiner bescheidenen Meinung nach - auch kaum absolut und wissenschaftlich fundiert beantwortbar.

Ist ja völlig okay, dass Dich die Diskussion nicht interessiert. Anderen ist es aber nicht völlig egal. Mir ist nicht ganz klar was Du mit Deinen Beiträgen bezwecken willst.

Meine kilometerfressenden Vieltrainirer aus dem Rennradlager würden sich über so Theoriekram in diesem Umfang nie nen Kopp machen

Die vielleicht nicht, aber wenn sich niemand nen Kopp gemacht hätte, gäbs keine Rennräder und Liegeräder eh nicht.
 
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Die beiden Threads triefen doch auch nur so von Halbwissen, wilden Spekulationen und nicht zutreffenden Theorien.
hmm, kann ich nicht nachvollziehen (danke für die links, @Günther Rakete) . Im zweiten verlinkten Artikel https://www.velomobilforum.de/forum/index.php?threads/liegerad-bergauf.37089/post-529128 wird z.B. auf einen wordpress Artikel https://slyway.wordpress.com/2013/11/06/test-comparativi-in-salita/ verwiesen, den 'mal gelesen? Die Erfahrungen hier im Artikel sind für mich sehr interessant, @BuS velomo, aber die vermuteten Zusammenhänge sind halt Vermutungen... " ernsthafte, multiple Abstraktion..." na ja, das klingt schon etwas schwammig und ist unnötig kompliziert formuliert (typisch deutsch halt).

Meiner Meinung nach ist deutlich mehr wissenschaftlich und nachvollziehbar beantwortbar, als man sich so vorstellt. Denke da an einen Artikel eines Absolventen der Sporthochschule Köln über die Auswirkungen des Luftdrucks auf die Belastungen der Wirbelsäule (da hatte die Firma Bohle ihre Finger mit d'rin, den link zur wissenschaftlichen Arbeit finde ich nicht mehr, nur ein link, wo das kurz aufgenommen wird, habe ich gefunden http://diverso.ch/test_bigapple1.pdf) so etwas über Fahrradphysik: https://www.physik.uni-wuerzburg.de...ungsarbeiten/HA_1622196_Bielmeier_Carsten.pdf fehlt halt bei den Liegern, vielleicht weil es dafür keine Drittmittel gibt.
 
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wir könnten ums ganz vollständig zu machen, noch über die Effizienz der Liegeräder bergab diskutieren : )
Selbst da ist fast immer aber vielleicht nicht immer die Liege schneller (viele Serpentinen, ständig wechselnde Gefälle prozente...)
Heut hab ich ganz praktisch bewiesen, dass mein MBB Eigenbau wohl bergab recht effizient ist. Hatte gerade das blöde letzte Steigungstück hochgedrückt bevor die 8 km abfahrt beginnen, da wummst doch neben mir so ein grinsender halbwüchsiger Carbonrennradler vorbei, aber nur kurz: ich ruf ihm noch zu er soll kurz warten, bis die Aerodynamischen Vorteile richtig einsetzen und nach 200 Metern rollte ich an ihm vorbei und hob drei Finger und rief, dass ich sogar nur drei Gänge habe : ) Er grinste anerkennend, dann versuchte er immer dranzubleiben, was ihm aber nicht so gut gelang... also ein 19 kg Eigenbau ist auch mit 2 Marathon Plus Reifen bergab schneller als ein 7 kg Carbon RR, Gesamtgewichtlich würde ich uns beide ca. gleich schätzen Auf jeden Fall sieht m.E. die Liegeposition aufm LR bergab wesentlich eleganter aus, als das auf dem Oberrohr rumlungern in brabbelnder Embryonalhaltung beim Aufrechtrenner
 
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... also ein 19 kg Eigenbau ist auch mit 2 Marathon Plus Reifen bergab schneller als ein 7 kg Carbon RR, Gesamtgewichtlich würde ich uns beide ca. gleich schätzen
Ja Leute ich hab mich da mal informiert:
So ein Eigenbau ist ja schwer und meistens ist ja aus Metall.
Also besteht so ein Eigenbau aus Schwerem Metall.
Quasi Schwermetall!
Das zieht am Berg natürlich runter.
Leute das zieht euch dermaßen runter, das zieht euch in die Höll!
Und da gibt's kein zurück!

In diesem Sinne bitte mal wieder was von den Hausgemachten-Lang-Tiefliegern...um mal die Höllengefährte kennen zulernen.
 
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Bergab spielt ja auch das Können und die Risikobereitschaft eine Rolle, Mir fährt da fast jeder weg, egal mit welchem Rad. Ich habe mächtig Respekt vor Fahrern wie Alaphilipe, grandios wie der letztes Jahr bei der TdF abgefahren ist.
 

BuS velomo

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@schlawag ... und in dieser Uni (Moment, du hast nachträglich noch deinen Text redigiert...) klingt das auch noch nach Wissenschaftstheorie und Interparadigmen-Diskursen, von denen nicht mal 90% meiner Studenten was hören wollten (weil sie meist Ihr Wohlfühlparadigma schon hatten)... die künftigen Sozialwissenschaftler kamen aus den anderen 10%, nicht weil sie gelernt haben "unnötig kompliziert und schwammig" zu reden und zu denken, sondern das genaue Gegenteil: die gegebene Komplexität/ Ambiguität nicht vorschnell abzukürzen, sondern durch exakte abstrakte Sprache und Modellbildung zu erfassen.

Die Slyway-Studie ist ein solides Stück empirisch-wissens-schöpfender Arbeit, die sich konstruktiv auswerten, kritisieren und erweitern lässt, wozu mir gerade die Zeit fehlt, weil die Mittagspause nur für Günthers "Studie" reicht :D. Aber versteh ich das richtig, dass die Daten alle auf einem einzigen (nicht-zufälligen) Probanden basieren?

@Günther Rakete - ich gratuliere dir zu deinem ersten Beitrag, der keine persönlichen Attacken reitet, sondern Inhalte beizusteuern versucht. Und so will ich mir auch die Mühe machen, mich mit deinen Aussagen auseinanderzusetzen. Korrigiere mich, wenn meine Quintessenzen aus deinen Texten ne völlige Fehlinterpretation sind, aber neben der (unspektakulären) These des spezifischen Trainings lese ich bei dir insgesamt 5 neue, durchaus gewagte (implizite) Thesen/Grundannahmen heraus:

(1) Alles schon bekannt:
Du führst ältere Diskussionsrunden als Beleg für eine hinreichende Klärung dieser Fragen an und negierst, dass es darüber hinaus überhaupt noch neue Erkenntnisse geben kann. Wie @smö schon ausführte, zeigt das aber eher dein persönliches Desinteresse an so einem Diskurs auf. Du scheinst für dich schon alles zu wissen, was du für deine Lebenswelt und das allgemeine Liegeradthema für relevant hältst... die simpelste Gegenthese dazu ist: dass es anderen nicht so geht, sie fast nirgendwo fundiertes Wissen sehen, sondern nur Einzelfall-Meinungen (v.a. die eigenen) und Mythen.

Darf ich im Übrigen bemerken, dass der Link in dem Thread schon 2x gesetzt wurde (#109 und #124) und das dein Auszug vom geschätzten Andreas Seilinger exakt meinen Ausgangspunkt bestätigt, dass entgegen der Inner-Milieu-Heldengeschichten die Kletterfreude zwischen Lieger und Up in seiner "Laden-Stichprobe" genau die Indizien liefern, die hier zum erneuten Aufkeimen dieses Themas führten?

(2) Sowieso alles egal:
Dass es dir und der Menschheit egal ist, ja schön. Wir interessieren uns aber für die Grundgesamtheit potentieller Liegeradfahrer. Klar ist diese Gruppe zu unbedeutend und heterogen, als dass sich SpoWis auch nur irgendeine solche Mühe mit "uns" geben würden, wie mit der Optimierung (teils Profi-Individualisierung) von RR und Zeitfahrrädern - aber beim Up steckt teils nen Haufen akribischer technischer und ergonomischer Wissenschaft dahinter, die du in unserem Feld offenbar weder für wünschenswert noch für potentiell ergiebig erachtest (Erkenntnisse systematisch zusammenzutragen, zu überprüfen und zu erweitern).

Auch wenn wir hier über "Berg" reden, würde ein signifikanter Unterschied zwischen liegender und aufrechter Leistungsentfaltung gerade bei Nicht-Sportlern und Liegerad-Beginnern eine folgenschwere Erkenntnis sein... Der Aufhänger dieser Diskussion sind 2 unterschiedliche Alltags-Probanden (ich und Freundin) mit LR vs. RR im Hügelland... und eine gewaltige Eruption scheinbarer Gewissheiten (Liegeräder seien schneller und auch am Berg nur der untrainierte Körper das Problem - für sie trifft das nicht mal im Flachland zu). Ist es sooo egal, sich systematisch statt episodisch zu fragen, woran so etwas (ggfs. verallgemeinerbares) liegen könnte... und dabei "zu einfache" Antworten entsprechend zu subsumieren statt als ultimativ zu feiern?

(3) Kopflos um Grossdübeldorf:
Sorry für das falsche Etikett, aber du hast den von dir karikierten Rennradfahrern keinen besseren Namen mitgegeben. Deine implizite These ist aber, dass diese Vergleichsgruppe a) Realität statt Pappkameraden sind und b) hinreichende Referenz für die Klärung liegerad-affiner Themen. Dass die sich persönlich keinen Kopp um Theorie machen, ja - wahrscheinlich. Aber auch hier (wie von @smö schon erwähnt) liegt das wenn-dann darin begründet, dass sich vorher andere umso mehr nen Kopp gemacht haben, welches Rad (ein Kunstwerk aus vielen Variablen) für welche Strecke geeignet ist, wie man Räder immer weiter optimiert und ausdifferenziert etc. und dies am Ende über Kulturtransfer (Marketing/Kauf) so implementieren kann, dass die aufrechten Anwender ohne großes Kopfzerbrechen wissen, was wann gut sei...

... doch nun die Überraschung: nen Liegerad ist da nie bei... und das sagt uns was? Dass das Up einfach zu 99,9% das adäquate Radkonzept ist? Oder dass sich diese 99,9% einfach keinen Kopp gemacht haben? Oder gar nichts?

(4) Totale Rad-Varianz:
Du berichtest, dass ganz selbstverständlich für jede Anforderung in deiner Referenzgruppe das passende Rad aus dem Schuppen gehohlt wird, d.h. implizit, dass man schon rund um Grossdübeldorf weiß, dass es einen enormen Unterschied macht, was für ein Up-Rad man fährt. Zwischen Berg-RR und Zeitfahrrad können mal eben >10% Differenz liegen. Offroad lassen wir mal beiseite...

Nachfrage 1: in welcher Situation ist da mal der Lieger die natürliche Wahl für handelsübliche Radler? Wenn überhaupt, am Berg nicht - oder?

Nachfrage 2: und wenn ja, welches Liegerad? Genauer: was sag ich meiner Freundin, was in ihrem Terrain am Besten sei?

Also: wenn solche systematischen (über-individuellen) Differenzen schon bei den UPs existieren, warum dann nicht zu gänzlich anderen Radkonzepten wie Liegern? Und wenn Liegeräder Zeitfahrqualitäten aufweisen, könnten sie dann nicht im gleichen und noch stärkeren Maße nicht-optimal für die Berge sein (z.B. Flachlieger vs. P38)? Doch wenn solche Gemeinplätze schon im Raum stehen, warum sollte sich das Interesse am Gegebenen erschöpfen, anstatt genau die Variablen systematisch herauszuarbeiten (und ggfs. fallspezifisch umzusetzen), die den feinen Unterschied letztendlich machen? Inkl. dem möglichen Ergebnis, dass es für 90% der Anwender nen gewaltigen Unterschied machen könnte, ob sie mit nem RR am Berg hängen, oder mit ner Sportliege? Oder zu aller Überraschung: genau umgekehrt?

(5) Totale Mensch-Varianz:
Hier nun deine (anerkennend) stärkste These, auch wenn sie mit der (4) einigermaßen im Widerspruch steht (also schon bei dir und in der realen Anwendung): Du sagst also - bitte korrigiere mich: es gäbe so dermaßen viele Variablen von Technik und Individualität, dass die Isolation von einigen Parametern niemals zu einer größeren Varianzaufklärung führen wird. D.h. Lage, Körperöffnungswinkel, Tretlagerüberhöhung (technische Rückkopplungs-Eigenschaften?) usw. wirken sich bei dem einen so aus, bei dem anderen gegenteilig, so dass es niemals über alle Probanden hinweg ein signifikantes Resultat in einer Ergonomie-Studie geben kann?

Das ist einerseits für ein Studiendesign ne solide anschlussfähige Gegenthese, die sich mit testen lässt. Dann wäre das Ergebnis der Studie (welches du hier vorweg nimmst), dass man nichts herausgefunden hat, sondern alles furchtbar individuell bleibt, jeder Mess-Effekt unterhalb (über-individueller) Signifikanzschwellen.

Dem folgt andererseits eine implizite Beliebigkeitsthese, wonach jedes Rad (d.h. auch jede Ergonomie) ähnlich gut sein kann - man muss nur spezifisches Training voraussetzen und natürlich (wie auch immer) herausfinden, was denn nun die individuell beste Konstellation sei... und zwar, ohne sich nen Kopp über Theoriekram zu machen... was nur über jahrelanges Trial-and-Error-Hopping geht (wie bei Patrick)... und sich noch verkompliziert, wenn man es mit unterschiedlichen Streckenprofilen zu tun kriegt (Berg, Sprint, Langstrecke etc.).

Sagen wir so: das halte ich nicht für plausibel und würde dagegen wetten, dass Ergonomie (Biomechanik, Kondition etc.) sich nicht in individueller Beliebigkeit erschöpft, sondern auch gewisse Gesetzmäßigkeiten hat, die sich prinzipiell herausfinden lassen, auch wenn keiner von uns (allein) die Ressourcen hat, das hinreichend zu herauszuanalysieren (über größere Labortestreihen usw.) - aber das ist nen anderer Punkt.

VG Steffen
 
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wow, runwithdog is famous, fährt mit Alaphilipe zusammen...? sorry , war wieder kein Langliegerthema
 
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Ist off-topic, ab
und in dieser Uni (Moment, du hast nachträglich noch deinen Text redigiert...) klingt das auch noch nach Wissenschaftstheorie und Interparadigmen-Diskursen
sorry, hätte ich klarer markieren sollen...
Hatte auch Wissenschaftstheorie genossen, da war u.a. die Rede von Immunisierungsstrategien. Eine davon ist, unnötig mit Fachchargon um sich zu werfen.
zu deinem ersten Beitrag, der keine persönlichen Attacken reitet
Finde die Beiträge von @Günther Rakete herzerfrischend und empfinde sie nicht als respektlos. Klar, seine Sicht der Dinge ist halt etwas anders, aber für mein Empfingen tut das dem Forum (und auch diesem thread!) nur gut.

Welche wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es denn über Biomechanik beim Liegevelofahren?
 
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@schlawag : Keine Angst, Steffen kommuniziert hier vergleichsweise einfach, simpel und trivial in Sachen Rhetorik. Das konnte (und kann?) er deutlich "immunisierender". Aber sich eindeutig, direkt und unmissverständlich aus zu drücken bedingt häufig einer komplexeren Sprachform. Ein Extrembeispiel ist hier die Mathematik. Eine textliche Abhandlung versteht kein normaler Mensch, ist aber absolut eindeutig und unmissverständlich.

@BuS velomo : Wenn du Zeit und Lust zu Tests hast, kann ich dir auch meine Messpedale und Radcomputer leihen. Damit sind validere Daten erhebbar, die auch besser auswertbar sind.
 
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@HFKLR , nee, NIEMALS Aber ich gebe zu, Ich schaue gerne Radrennen. Herrlich analoges Fernsehen, pure Entspannung. Und die diese eine Abfahrt war in meinen Augen grandios,
 

BuS velomo

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Also ich hab mir gerade mal die Slyway-Studie (von Google übersetzt) durchgelesen. Mit der Methodenberatung der Verona-Uni ist das ne wirklich einwandfreie Arbeit. Die Frage ist natürlich, wie viel verallgemeinerbare Aussagekraft sie liefert:
  • Es ging um genau einen Probanden. Sie wollten das mit weiteren Probanden wiederholen - scheint aber bisher nichts geworden zu sein?
  • Über diesen Probanden sagt die Studie im ersten Schritt aus, dass er (abzüglich Aerodynamik-Effekten) mit LR und RR die gleiche Zielgeschwindigkeit mit dem gleichen Kraftaufwand (an der HR-Nabe) halten konnte.
  • Bei harmonisierten Gewicht ist das eigentlich auch logisch und überhaupt kein Ergebnis wert. Die möglichen Verluste im Antriebsstrang konnten nicht gemessen werden und nur die Herzrate wurde dann als all-in-one Messwert für alle sonstigen technischen und biomechanischen Verluste (vor der HR-Nabe) herangezogen. Die war am Ende ähnlich, aber:
  • Eine wichtige Referenz dafür war der persönliche Ruhepuls LR vs. RR, aus dessen Differenz zur akuten BPM dann die biomechanische Effizienz abgeleitet wurde (was dann beides schon recht individuell verschieden sein kann und somit wirklich schwer verallgemeinerbar).
  • Aber sei es drum, bei ihm war danach das RR um die 20% effektiver (Watt/bpm) und hat je nach Steigung die aerodynamische Effizienz des LR wieder kompensiert. Das ist das zentrale Ergebnis, eigentlich zu Ungunsten des LR ("nur" weil es den tieferen Ruhepuls als Referenz hatte).
  • Da sie auf einem für beide Konzepte gut haltbarem Leistungsniveau fuhren, sagt die Studie zudem nichts darüber aus, um wieviel man das Level mit LR vs. RR übersteigen könnte. Wenn er bspw. auf dem LR nur 250W drauf kriegt, mit dem Rennrad aber 300W über X Minuten (oder auch mehr Watt/bpm + höhere bpm)... dann gewinnt das LR dennoch nicht rauf nach Alp d'Huez trotz ähnlichem Kraftaufwand (an der HR-Nabe)...
  • Und die "Effizienz in Watt/bpm abzgl. Ruhepuls" kann ein Indiz sein, dass dem so ist, dass man mit dem RR mehr Leistungsreserven hat... hierzu müsste man forschend Nachhaken, indem man wirklich Leistungsgrenzwerte liegend und aufrecht hinzu ermittelt.
  • Das gleiche gilt auch für die spanische Einzelfallstudie, wo mit 250W und einem sehr steilen Sitzwinkel/ geringen Körperöffnungswinkel gefahren wurde: https://okocicle.wordpress.com/2012/02/28/comparativa-reclinada-vertical-resultados/ - Sie ermittelte auch einen ähnlichen Kraftaufwand pro Zielgeschwindigkeit bei harmonisiertem Gewicht (logisch?), aber nicht, wie viel Kraftaufwand jeweils möglich ist, wie lang er sich regenerativ halten lässt usw. usf.
Also ja, ist erfreulich, aber sagt unterm Strich nen bissl weniger aus, als es den Anschein hat.
 
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Wie kann ein Proband zwei verschiedene Ruhepulse in Abhängigkeit des demnächst zu besteigenden Fahrrades haben?
 
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mir erschliesst sich nicht der Nutzen nach solchen Wissenschaftlichen Untersuchungen. Es würde mich sehr wundern, wenn es nicht die hundertfachen praktischen Erlebnisse der liegeradelnden bestätigen würde. Grob gesagt mit abweichungen ist das Folgender: Ein Rennrad ist an Alpenpässen so gut wie immer schneller, in der Ebene ist ein rennermäßiges Liegerad fast immer schneller im Vergleich zum RR up, Langstreckenfahren (200 km pro Tag oder mehr) wird in den allermeisten Fällen auf der Liege als angenehmer empfunden und der Anteil der "Rennfahrer" unter den Liegeradelnden ist vergleichsweise gering verglichen mit denen , die LR jeglicher Art nutzen aus Spass an (schmerzfreier) Bewegung, Natur geniessen usw. also die viel größere Gruppe der Triker, tourenliegefahrer usw.
 

BuS velomo

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... man forscht für gewöhnlich dann näher nach, wenn Dinge nicht so selbstverständlich simpel und geordnet sind, wie du es für dich hier formulierst (oder jeder andere es für sich selbst ein bisschen anders zusammenfasst). Denn über jede deiner Aussagen könnte man sich streiten - und tut das hier auch - immer und immer wieder. Es gibt schlicht keinen allgemeinen, übersichtlichen Konsens über die "hundertfachen praktischen Erkenntnisse", weder innerhalb unseres Milieus, und schon gar nicht darüber hinaus.

Und gerade weil Liegeräder eine extreme Nische mit einigem Adaptionsaufwand sind, ist ein besseres Verständnis von der ganzen Bio-Mechanik dahinter auch von Bedeutung für die Frage der allgemeinen Tauglichkeit für potentielle Neulinge (Rettung der Einspurer und so Zeug)...
 
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