Meine hausgemachten Lang-Tief-Lieger

BuS velomo

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Hallo zusammen,

ich hatte hier mal danach gefragt, was es denn überhaupt historisch und aktuell so an sportlich tiefen Langliegern gibt... trotz einiger kleiner Fundstücke ist das Resultat doch eher, ne einsame Spezies zu sein... also toll, ich bin was Besonderes :D

Als ich meiner Freundin kürzlich das Angebot machte, ein Liegerad ihrer Wahl für sie zu bauen, entschied sie sich zu meinem Erstaunen tatsächlich für nen Langlieger. Einerseits weil sie bei mir live gesehen hat, dass der schnell ist; andererseits weil sie Dreiräder für "semi-cool" hält, sich nicht mit der Hoch- und Kurzlieger-Optik anfreunden konnte, und das lange, flache Balancierstöckchen für viel eleganter und ansprechender empfand - hab ich also die Richtige gefunden (y) ...

Eigentlich wollte ich sie von meinem Masterplan überzeugen, einen gut geschwungenen, integralen Holzrahmen umzusetzen (auch, weil sie professionell gut mit Holz kann). Aber sie votierte unbeirrt für die blanke Stahlrohroptik. Darum bleibt das Holzprojekt mein Wintertraum, für den der Thread hier auch schon mal als Bau-Absichts-Erklärung und spätere Entstehungs-Doku herhalten darf. Aber erster Schritt:
LLL.jpg

Mit dem Foto hab ich schon mal bei "Zeig dein Liegerad" angefangen. Es werden weitere folgen, inkl. der Berichte, wie sie sich so anstellt. Die Nachfragen drüben will ich mal hier beantworten:

Kommerzielles?
  • Mit Velomo baue ich gewerblich erstmal keine Einspurer mehr, weil ich mich als Einmannshow auf die Mehrspurer-Entwicklung fokussieren muss. Aber das ist letztlich auch kein großer Verlust, denn soooo überwältigend ist die effektive Nachfrage nach Einspurern nicht, die sonstigen Marktangebote aber hinreichend groß...
  • ... falls sich aber Langtieflieger-Liebhaber outen, die unbedingt so was haben wollen, denk ich natürlich drüber nach, auch mal nen Auftrags-Langtieflieger umzusetzen - denn einer muss es ja machen.
Konfiguration und Daten:
  • Radstand = 2,10m (verschiebbarer Ausleger und Sitz... bei ihrer Größe von ~1,70m)
  • 2x 20" Räder, weil wir in ner bergigen Gegend wohnen und es eh nur rauf oder runter geht, nie mit 40 geradeaus... daher reicht für sie auch erstmal die 50/34 zu 11-32 Übersetzung.
  • Rahmenrohr = 60 x 1,5 Edelstahl mit 54iger Ausleger. Ich hätte es gern mit 60x1 CrMo umgesetzt - gibt es aber nicht mehr...
  • ... mit ansonsten sehr preiswerten Komponenten wiegt das Ding aktuell 15,5kg.
  • Die Sitz-Gepäckträger-Einheit baut sie nach den ersten Erfahrungen für sich selbst nochmal neu auf.
  • Dann soll auch eine Sitzaufhängungsfederung integriert werden. D.h. Holzsitz unten drehend gelagert, oben auf Elastomere geführt.
Erste FahrerInnenerfahrungen:
  • Für sie als Liegeradneuling ne echte Herausforderung gleich so tief einzusteigen. Das Anfahren klappte erstaunlich schnell...
  • ... aber das Schnellfahren noch nicht. Da hat sie 2x nach nem Seiten-Impuls die Kontrolle verloren und sich lang gelegt: einmal gegen die Leitplanke geschlittert, einmal bei >35 in den begrasten Graben = Hintern blau, sonst alles OK.
  • Ergo: das Ding ist schon nicht ohne. Der extra tiefe Schwerpunkt und die indirekte Lenkung muss man gut beherrschen lernen und akzeptieren, dass der Grenzbereich früher einsetzt als z.B. mit UDK oder höherem Sitz. Auch ich merke bei meinem Exemplar, dass ich z.B. auf schnellen, windigen Bergabpassagen (>60) viel mehr Angst hab als auf meinem gutmütigen Hi-Liner...
  • ... naja, sie fährt in kritischen Situationen jetzt erstmal sitzend statt liegend, das verbessert das Kontrollgefühl schon extrem.
  • und für den Tempokick muss sie auch erstmal den Motor trainieren. Trotz extremer Sportlichkeit (beim Klettern ne "9") fehlt die Ausdauer in den Beinen... und natürlich die Adaption der Muskeln von up auf down.
VG Steffen
 
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  • ... aber das Schnellfahren noch nicht. Da hat sie 2x nach nem Seiten-Impuls die Kontrolle verloren und sich lang gelegt: einmal gegen die Leitplanke geschlittert, einmal bei >35 in den begrasten Graben = Hintern blau, sonst alles OK.
  • Ergo: das Ding ist schon nicht ohne. Der extra tiefe Schwerpunkt und die indirekte Lenkung muss man gut beherrschen lernen und akzeptieren, dass der Grenzbereich früher einsetzt als z.B. mit UDK oder höherem Sitz. Auch ich merke bei meinem Exemplar, dass ich z.B. auf schnellen, windigen Bergabpassagen (>60) viel mehr Angst hab als auf meinem gutmütigen Hi-Liner...
  • ... naja, sie fährt in kritischen Situationen jetzt erstmal sitzend statt liegend, das verbessert das Kontrollgefühl schon extrem.
Da muß irgendwas bei der Konstruktion schief gegangen sein, hier hieß es noch:

"Die beschriebenen Kontroll-Probleme kann ich nicht nachvollziehen, bin noch nie gerutscht, kann locker 15%-Anstiege hochkurbeln und Schritttempo halten... ebenso ist Highspeed kein Ding. Der indirekte Untenlenker vermittelt mir ein endlos besseres Gefühl als ein Klapptiller (Schwenker) am Einspurer. Und mehr "Freiheit" als beim UDK."

Ich meine, es wird wohl schon seine Gründe haben warum Langlieger ausgestorben sind. Mir ist selber mit sowas auch schon das VR weggerutscht und ich kenne jemanden der sich ein Bein gebrochen hat deswegen.
 
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seine Gründe haben warum Langlieger ausgestorben sind.
naja, soooo tot sind sie auch wieder nicht, immerhin soll es hinter den Bergen, bei den 7 Zwergen noch Menschen geben, die so etwas fahren usw.
"jazz is not dead, it just smells funny". Klar, gibt keine neuen mehr, aber das sagt rein gar nichts über Zweckmäßigkeit aus - Flipper z.B. sind auch "ausgestorben" (fast) und sind trotzdem super.
 

BuS velomo

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@Jesusfreak - die alte Aussage bezog sich auf andere Szenarien/Vergleiche als die jetzige. Und bei den Abfahrtsverhältnissen, wo ich mit dem Langtieflieger Angst kriege, fühle ich mich auch mit den Trikes längst nicht mehr wohl - d.h. >60km/h mit Windböen... nur Hi-Liner und Quads bleiben da unbeeindruckt, weil sie jeweils durch pure Balance-Höhe oder Aufstandsfläche "träger" reagieren.

Diese Balance-Nervosität von Ultratiefliegern ist physikalisch gleich, egal ob kurz- oder langliegend - erst in zweiter Reihe kommen Lenk- oder sonstige Konstruktionsunterschiede zum Tragen. D.h. tief ist allgemein was für Könner, nix für Anfänger...

... der Lohn dafür ist aber, dass ich mit meinem Langtieflieger nen 34iger Schnitt auf meiner Pendelstrecke fahre (400hm), mit dem Hi-Liner nur nen 28iger.

Noch 3 Anschauungsmaterialien...
LLL und U1.jpgLLL-2.jpgLLL-3.jpg
 
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Diese Balance-Nervosität von Ultratiefliegern ist physikalisch gleich, egal ob kurz- oder langliegend - erst in zweiter Reihe kommen Lenk- oder sonstige Konstruktionsunterschiede zum Tragen. D.h. tief ist allgemein was für Könner, nix für Anfänger...
Kann ich nicht bestätigen. Meinen FWD-Tieflieger (20cm) konnte ich sofort sicher fahren, auch bei >70km/h lief da nichts nervös. Ebenso das Toxy ZR.

... der Lohn dafür ist aber, dass ich mit meinem Langtieflieger nen 34iger Schnitt auf meiner Pendelstrecke fahre (400hm), mit dem Hi-Liner nur nen 28iger.
Wo soll das herkommen? Fahre beides doch mal bei gleichen Bedingungen mit Wattmesser dran. Hast du ja wohl wie ich meine gelesen zu haben.
 

BuS velomo

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Ich bin mit dem Langtieflieger auch schon 90 abgefahren, die Jungfernfahrt war die WM, und in der Ebene läuft es nie nervös - darum geht es aber nicht, sondern 1. welche Sitzgeometrie- und Höhe für einen Anfänger einfacher ist und 2. um Impulsverarbeitung, wenn dich bspw. an einem offenen Hang bei hoher Geschwindigkeit ne Böe trifft oder ein LKW passiert... da gibt es einen extremen Reaktions-Unterschied in Abhängigkeit von der Balancierhöhe...

Ich hab keine Wattmesser, aber 4-6x pro Woche die gleiche anspruchsvolle 50km-Strecke, um meine Räder miteinander vergleichen zu können. Aus der puren Anzahl an abwechselnden Vergleichsfahrten unter nie identischen Bedingungen ergibt sich da schon nen valides Bild über die Verhältnisse zwischen den Rädern. Es sollte hier aber niemanden verwundern, wenn ein auf 20cm-25° positionierter Fahrer deutlich besser durch die Luft schneidet als bei 70cm-35° (Hi-Liner) - oder?
 
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Ich habe mich gerade spontan in die Form des Langliegers verliebt!
Bis wieviel kg Gewicht würdest du sowas freigeben können?
Ich stellte mit den Header mit der seilzug Lenkung von meinem douze Lastenrad vor.

Dagegen ist mein Radius C4 ja richtig kurz.
 
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Ich würde sagen die baulänge macht viel aus bei niedriger Sitzhöhe. Bei langsamer Geschwindigkeit fängt es beim Langlieger schneller an hin und her zu Eiern und erfordert immergrössere ausgleichmanöver
 

BuS velomo

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Finde ich weder theoretisch noch praktisch plausibel. Der Radstand wirkt sich vielleicht bei der Direktheit des Slalomfahrens aus, aber zur Korrektur der Höhenschwankung trägt der eigentlich wenig bei. Die Vorderradquerbewegung wirkt auf die Rahmenachse, egal ob sie 1m weiter vorn oder hinten stattfindet (falls der Rahmen nicht torsionsweich ist). Da spielt die Lenkübersetzung (auch im Verhältnis zum Radstand) die größere Rolle.

Praktisch konnte meine Anfängerin am ersten Tag den 10° Anstieg in einer schnurgeraden Linie in Schrittgeschwindigkeit hochfahren - kein Eiern. Auch kann ich insb. mit dem neuen 2x20" Rad auf der Straße ohne besondere Artistik wenden, weil das Vorderrad dort "uneingeschränkt" drehen kann.

Im Kontrast dazu ist es bei tiefen Kurzliegern eher so, dass sie bei engen Manövern an ihre Grenzen kommen, weil die Lenkbewegung (an Vorderrad wie UDK) durch Füße, Kette, Knie usw. begrenzt wird. Ja, ist individuell und bei FWD wieder anders als bei tiefen Hecktrieblern, aber einen systematischen Nachteil der Länge seh ich an der Stelle nicht... eher wieder den von Höhe.

Bis wieviel kg Gewicht würdest du sowas freigeben können?

Das ist der wirkliche Nachteil der Länge. Durch den großen Radstand braucht es ne solide Trägerkonstruktion. Unser Standardrohr (51x1 CrMo) kommt dafür nicht mehr in Frage. Da 60x1 CrMo nicht mehr beschaffbar ist, wurde der Rahmen zu 60x1,5 V2A... und ich beobachte, wie er sich verhält. Für ihre 55kg ist das unkritisch, aber sie empfindet ihn schon ohne Federung als "komfortabel". Mein eigener 80kg-Langlieger basiert schon auf 60x40x2 Vierkant-ST52... das ist sicher.
 
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Ich hatte immer das Gefühl dass der Langlieger dem UP im Fahrverhalten fremder ist als der Kurzlieger.
Wobei ich es sich, nachdem ich es konnte, auf dem Langlieger viel angenehmer Reisen ließ.

ich stimme @BuS velomo zu, die großen Schwenkbewegungen des Langliegers sind für Anfänger gewöhnungsbedürftiger als das nervöse Gezappel der Kurzlieger.
Olaf
 
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@BuS velomo sieht schick aus der Langlieger, würde ich gerne Mal ausprobieren aber ich glaube er wäre mir zu unhandlich aber wer weiß vielleicht liege ich da auch falsch.

Ich habe mich gerade spontan in die Form des Langliegers verliebt!
Ein neues Projekt? Was Bauen wir zuerst?

Hast du den Bericht über die VM Teststrecke gelesen die @Delta Hotel und ich letzten Sonntag ausprobiert haben.

Wir könnten die auch Mal zusammen machen und dann drüber quatschen.

Grüße Matthias
 
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Bis auf wahrscheinlich "ich holm ir dabei immer schmierig schwarze Finger an der Kette" könnte doch so ein Langlieger ganz prima teilbar gestaltet werden. Also dann am besten 2 Langrohre, die mit genügend Rohrmaterial ineinander geschoben werden und wie ein Sattel geklemmt oder per Schraube fixiert werden... Auseinandergenommen wären die beiden Hälften jeweils kürzer als ein "Normalrad" (up)
Wäre doch ne tolle Idee für die Serienproduktion, vielleicht würde ich dann so ein Modell auch erwerben, ich kenn Langlieger von früher her, meine ersten selbtgebauten Modelle waren so Chopper-Langlieger a la Christian Kuhtz, sie fand ich super, zwar zu schwer aber liefen super gradaus
 
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mit der Scheibenbremse vorne beim Laaaaaanglieger: hast du da keine Bedenken, wenn da jemand in Gefahrensituation beherzt zugreift das VR blockiert und die Fuhre irgendwo hin rutscht, nur nicht da wo se hin soll?
Für die Technikspieler: vorne beim VR könnte eine kleine Kamera dran und dann bei der Vorderkante Sitz ein kleiner Bildschirm oder Smartphooone, das dir anzeigt, was sich auf der Kreuzung zwei meter vor der Langliege so ereignet : )
 
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