Erfahrung mit Cruzbike Vendetta

Dieses Thema im Forum "Liegeräder" wurde erstellt von Chicago, 25.05.2015.

  1. Hallo zusammen

    Ich fahre seit ca. 2 Monaten eine neue Vendetta (die Rennziege von Cruzbike) und vielleicht sind meine ersten Erfahrungen hilfreich für diejenigen, die mit diesem Antriebskonzept (Frontantrieb mit beweglichem Tretlager) „liebäugeln“ . Scheint ja bisher im Forum kaum Cruzbiker zu geben.

    An dieser Stelle Dank an alle, von deren Forumbeiträgen ich in den letzten Jahren profitiert habe, ohne selbst sehr aktiv gewesen zu sein.


    Vorgeschichte

    Ich fahre ausschließlich schnelle, 2-3 Stunden Touren am Wochenende auf dem platten Land, meist außerhalb geschlossener Ortschaften. Bisher hatte ich einen M5 Tieflieger mit Heckverkleidung.

    Stärken des Tiefliegers: Sehr schnell, bequem, super zum Geradeausfahren

    Schwächen: Kurvenfahren, lange Kette, Heckverkleidung ist laut, kleines 20er Vorderrad bei schlechtem Asphalt, schlechte Sicht nach vorne (Asphaltanhebungen durch Wurzeln sind kaum zu erkennen), Geringe Sitzhöhe und Sichtbarkeit sind problematisch in dichterem Verkehr . Im Vergleich zum RR nicht sehr steif.


    Das eine Jahr Tieflieger hatte neben viel Spass vor allem den Effekt, dass ich nun wusste was ich wirklich wollte. Viele Highracer würden einige der o.g. Schwächen nicht aufweisen, aber das Problem der langen Kette, der mässigen Steifigkeit, tlw. auch des eingeschränkten Kurvenfahrens würde bleiben (es sei denn man nimmt Umlenkrollen). Ich war auch bereit auf etwas Geschwindigkeit für mehr Fahrkomfort zu verzichten.

    Ich bin im Vorfeld meiner Entscheidung für Cruzbike verschiedene Mid-/ Highracer probegefahren, jedoch keine mit Frontantrieb und festem Tretlager wie raptobike oder toxy zr, da für mich zu nah am bisherigen Konzept und kein Probefahren in meiner Nähe z.B. Händler oder Cycle Vision möglich war.

    Leider hat Malric / Zockra aufgehört und es wird seine schönen Fronttriebler (gleiches Konzept wie Cruzbike) wohl nicht in Serie geben.

    Ich bin den Sofrider von Cruzbike (gefedert, aufrechteres Fahren als die Vendetta) bei E. Schönberger, der eine deutsche Cruzbike-Seite betreibt, ein Wochenende probegefahren (danke dafür!).


    Warum nun Frontantrieb / Cruzbike?


    Stärken

    Speed: obwohl ich nun keine Heckverkleidung mehr habe, bin ich nur ca. 5-7% langsamer (im Stundenschnitt). Der Geschwindigkeitseffekt durch die fehlende Heckverkleidung wird teilweise durch leichteres Handling (Abbiegen an Kreuzungen etc.) kompensiert

    Sehr wendig

    Hohe Sitzposition

    Durch Dreiecksrahmen des Antriebsstranges (ähnlich wie beim konventionellen Rennrad) steifer als ein Tieflieger. Durch die kurze Kette direktere Kraftübertragung

    Gute Verarbeitung (mit Ausnahme Sitzauflage), dennoch bequemer Sitz

    Aufnahmen für Scheibenbremsen und Licht vorhanden

    Leicht an unterschiedliche Körpergrößen anpassbar.

    Kette und Schaltung verschmutzen weniger, da die Schaltung nicht mehr im Einzugsbereich des hoch gewirbelten Schmutzes des Vorderrads liegt.


    Schwächen

    Lenkeinfluss des Pedalierens ist am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Aber als Umsteiger von einem Tieflieger habe ich mich nach 1 h Üben auf abgelegenen Wirtschaftswegen in den normalen Verkehr wagen können. Schwierig ist nur das Anfahren, bei höheren Geschwindigkeit macht sich der stabilisierende Kreiseleffekt des rotierenden Rades positiv bemerkbar

    Breiter und daher nicht besonders aerodynamischer Lenker. Erleichtert sicher das schnelle Anfahren. Kann man aber nach einiger Fahrerfahrung auf schmalere Tiller-Modelle umrüsten.

    Aufständern und Anlehnen verlangen Umstellung, da das Vorderrad auf Grund des hohen Gewichts und des „Auslegers“ permanent wegkippen will.

    Hoher Preis von ca. 2500 € für Alu-Rahmensatz incl. Carbonsitz, Auflagen und Anlieferung

    Es passen nicht alle Komponenten (z.B. Lager von Campagnolo; SRAM und Shimano aber kein Problem; Ritzelzahl ist auf max. 10 beschränkt). Ich fahre die Ultegra-Gruppe.



    Soweit meine Erfahrungen. Ich habe, so glaube ich bislang, mit der Vendetta bekommen, was ich wollte. Bei Fragen bitte melden
    20150514_194441.jpg
     
  2. tjs

    tjs

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    Erstmal herzlichen Glückwunsch zum schönen und interessanten Rad.

    Nähere Information auch zur Langzeiterfahrung sind immer gut:D.
    Wieviel wiegt den das gute Stück in echt? bist du schon mal steilere Anstiege gefahren, dreht das Vorderrad schnell durch ?
    und für mich immer eine wichtige Frage für welche Größe ist das Rad geeignet.
    Das Antriebskonzept finde ich sehr spannend auch Jack Lee hat, glaube ich, einen seiner high racer so umgebaut.

    Tom
     
  3. So wie abgebildet (ohne Ständer u. mit Pedale) wiegt das Ganze 11,3 kg

    Als Niederrheiner kann ich über Anstiege nicht wirklich etwas sagen. Nasse Auffahrten über Autobahnbrücken sind aber aus eigener Erfahrung überhaupt kein Problem. Lt. Beiträgen im Forum auf der Herstellerseite sind Steigungen bis 16-17% trocken möglich.

    Es gibt den Rahmen in drei Größen. Ich habe die Mittlere und eine innere Beinlänge von 90 cm.
     
  4. Gasi

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    Mich würde interessieren, wie es mit dem freihändigen Fahren aussieht.
    Ich habe es auf der Spezi ausprobiert und trotz extrem viel Knicklenkererfahrung habe ich mir fast genauso schwer getan wie die absoluten Anfänger.
    Es ging gut freihändig ohne zu treten, aber beim Drücken musste man den Lenker auf jeden Fall festhalten und sogar gegenhalten.

    Wie ist es mit mehr Übung?
     
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  5. Freihändigfahren beherrsche ich auch noch nicht wirklich. Mit Klickpedalen geht es aber einfacher.
     
  6. panicmechanic

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    Da ich das auch zu lernen versuche: Mein Eindruck ist, daß der Sitz zu wenig Halt gibt. Wenn ich den Lenker loslasse, rolle ich fast vom Sitz. Mit seitlich unter dem Polster angebrachten Schaumstoffkeilen habe ich eine leichte Mulde gebastelt, das gibt schon mehr Halt.
    Du könntest einen klassischen Liegeradsitz mit echter Schalenform montieren, das geht bei meinem Vendetta nicht. Das Ergebnis würde mich interessieren.
     
  7. Gasi

    Gasi

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    Ich habe darüber nachgedacht und denke, das es schlicht mit den Hebelverhältnissen zusammen hängt.

    Je näher sich der Drehpunkt der der Lenkung am Fuß befindet, desto mehr Kraft muss der Fuß seitlich aufwenden um die Lenkung gerade zu halten.
    Beim Flevo ist dieser Hebel länger, was es selbst bei stärksten Tretkräften noch leicht freihändig fahrbar macht.
    Untitled.jpg
     
  8. Werde berichten wenn das Freihändigfahren klappt. Mit dem Flevo habe ich keine Erfahrung. Vielleicht kann Ernest Schoenberger ein paar Hinweise geben. Er beherrscht das Freihaendigfahren mit Cruzbikes excellent.
     
  9. Vrijwiel

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    Viel Spaß mit üben!

    Ich habe kein Cruzbike sondern fahre ein Vriwiel MBB, aber wie der Name schon sagt ist es auch ein MBB.
    Freihändig fahren geht sehr gut. Nach ca 300 km konnte ich meine Hände vom Lenker nehmen. Mittlerweile (> 6000 km) geht es sehr einfach.
    Was ich selbst ganz lustig finde: Ich habe auf einem normalen Rad nie freihändig fahren gelernt.

    [​IMG]

    Mehr Fotos stehen auf www.vrijwiel.nl
     
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  10. einrad

    einrad

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    Das ist auch ein ganz anderer Mechanismus und hat mit dem am MBB nichts zu tun.
    (Ein geübter Slackliner kann noch lange nicht Einradfahren, ein Einradfahrer noch lange nicht auf der Slackline gehen. )
    Gruß, Harald
     
  11. Karl42

    Karl42

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    Ich hab das Vendetta letzte Woche hier beim lokalen Cruzbike Händler im Laden gesehen und werde es demnächst mal einen Tag lang probefahren. Er meinte, dass er dieses Rad selber hat, und damit auch bergauf die meisten Rennradfahrer abhängt. Mal schaun. Mit dem Troytec bin ich bergauf eher langsamer als auf dem RR.

    Chicago,
    Hast Du inzwischen schonmal Erfahrungen am Berg gemacht?
     
  12. Perotron

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    Moin,

    ich bin der von Chicago - hi - oben angesprochene Ernest Schönberger.

    Zwei Sachen.

    1) Thema Freihändigfahren beim Cruzbike:
    Auf dem Sofrider kann ich beliebig lange freihändig fahren, es ist aber auch keine Rennmaschine und die Sitzneigung ist bei mir nach langem Hin und Her seit Jahren bei ca. 45°. Ich glaube, das fühlt sich bei 20° ganz anders an.
    Freihändig Fahren ging auf dem Sofrider nach ca. 6 Monaten, als ich herausbekommen habe, gefühlvoll mit den Füßen gleichzeitig zu lenken und zu "treten". Es ist systembedingt möglich, wenn es das "Fußgefühl" hergibt, und angenehm, wenn die Hände doch mal "runter" wollen. Momentan nutze ich keine Klickpedale, und das hilft, das Rad bei großen auftretenden Lenk-Winkeln zu beherrschen. Bin aber auch ein Genussradler, der den Tacho inzwischen als überflüssig erachtet.
    Bei hohen Geschwindigkeiten helfen die Kreiselkräfte der Räder dann so sehr, dass ich recht kräftig treten kann, ohne "aus der Bahn zu fliegen".
    Wichtig ist natürlich wie auf dem Aufrechtrad ein gut passender Gang, dass man harmonisch schwingt.
    Es gibt ein nettes Video von einem Cruzbike Quest-Fahrer, der es darauf offensichtlich kann:


    2) Thema Klettern mit dem Cruzbike:
    Chicago (Standort Neukirchen-Vluyn, 15km von mir entfernt) hat schon geschrieben, dass hier keine Berge >150m sind. Systembedingt ist folgendes zu sagen:
    a) Fahrer: Man kann die Arme zuhilfe nehmen, sich zusätzlich aufrichten und hat zeitweise mehr "Bums" auf dem Pedal bei Sprinten und am Berg. Das kann ich - zumindest was das Drücken aufs Pedal betrifft - bestätigen, das richtige Ziehen kenne ich ja nicht.
    b) Gerät: Kürzere Kette und weniger (kein?) Flex beim Tretlager sorgen für mehr Leistung. Momentan hat Cruzbike die Carbon-Karte nicht gespielt. Gewicht ist sicher der Schlüssel am Berg. E = m g h - no escape. Vor allem m(Körperfett). Sicher ist aber auch: je größer die Steigung, ist desto weniger Gewicht ist auf dem Vorderrad. Je nachdem, was noch anliegt - Wasser, Schotter, Unebenheiten, zuviel Schub - ist es irgendwann mit der Haftreibung und damit dem Vortrieb aus.
    Ich stelle mir in hügeligen Gegenden oder zum Pendeln mit schwerem Gerät wie dem (ausverkauften) Sofrider (mit mir 120kg :) unter Umständen einen elektrischen Hinterradantrieb (Vorderrad mit Motor hinten) als sinnvolle Ergänzung vor.

    Viel Freude beim Rollen allerseits!

    Perotron
     
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  13. Nein, nicht wirklich, das Maximum waren gefühlte 8% über vielleicht 500m in der - man höre und staune - Sonsbecker Schweiz hier am Niederrhein. Aber diese 8% waren mit dem Cruzbike kein Problem und leichter zu bewältigen als mit meinem bisherigen Carbon Tieflieger (Gründe s.o. bei Perotron).
     
  14. Reggebabe

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    Hallo Martin.

    Stiess durch dir Recherche hier auf den thread; hatte überhaupt nicht mehr auf dem Schirm, dass Du ein Cruzbike hast. Das alleine wäre ja schon wieder ein Grund für einen Besuch. Hatte leider am See keine Zeit für Rainer.
    Zum Thema Cruzbike (Vendetta) sei gesagt, dass ich halt noch immer auf einer entsprechenden Suche bin. Das Vendetta, Metaphysik oder auch ein Slyway stehen nun unter näherer Beobachtung.
    Müssen wir uns mal austauschen.
    Lieben Gruss
    Frank
     
  15. panicmechanic

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    Das Ding fährt morgen auf der Kölner Bahn und Sonntag in Langenfeld - unbeleuchtet ;)
     
  16. Reggebabe

    Reggebabe

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    Verlockend...sehr. Leider morgen privat und anlässlich der Gesundheitstage in Wptal. Am Sonntag dann P-Weg/-Bike in Plettenberg. Kriege ich unmöglich hin. Müssen wir verschieben.
    Unbeleuchtet, soso.
    Na wenn Du Deine besten Lampen an irgendwelche windigen Gestalten gibst...:)

    Viel Spass auf der Bahn!

    Frank
     
  17. panicmechanic

    panicmechanic

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    Danke! Wegen einer Probefahrt solltest Du sowieso eher mit dem Verfasser des ersten Beitrags schnacken, meine Uralt-Kiste ist von der Geometrie nicht brevettauglich, braucht zuviel Aufmerksamkeit.
     
  18. GerdB

    GerdB

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    @Reggebabe,
    Hallo Frank gibt es denn eine Möglichkeit hier in Deutschland ein Slyway Endorphin zu testen,fahren?
    schönes WE
    und
    GOOD BIKE
    Gerd
     
  19. Reggebabe

    Reggebabe

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    Hallo Gerd.

    Mir ist derzeit nichts bekannt; möglich, dass man sich doch südlich der Alpen hinbewegen muss...das Endorphin wäre übrigens auch mein Favorit. In freier Wildbahn ist mit noch nie eins begegnet;von den Bildern, auch en detail, machen die Fahrzeuge aber einen sehr ordentlichen Eindruck.

    Besten Gruss

    Frank
     
  20. Mitrad

    Mitrad Guest

    Wichtig beim Frontantrieb ist die Reifenwahl. Mit guten Reifen bin mit der Vendetta auch schon eine 20%-ige Steigung hoch, da muss man sich aber schon gut konzentrieren, rund zu treten. Bis 15% sollten bei rundem Tritt und trockener, sauberer Straße kein größeres Problem sein.
    Mit den Reifen, die ich zuerst dran hatte, fürchtete ich schon, die Vendetta sei ein Fehlkauf gewesen...
     
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