Neues aus Getriebenaben-Nerdistan

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Hallo,

wie ich woanders schon geschrieben hatte, ist das Rumschrauben an Getriebenaben ein Hobby von mir. Meine ehrenamtliche Mitarbeit in einer sozialen Fahrradwerkstatt der Kinderarche Fürth, die viele Spendenräder erhält, ermöglicht mir den Zugriff auf alte Räder mit Getriebenaben, meistens von Sachs, die dann häufig ich aufbereite.

Ich hatte hier ja schon mal über das Stilllegen des Rücktritts geschrieben und hier über die Unterschiede der Dualdrive Versionen 1 und 3. Jetzt habe ich mir gedacht, ich mache mal einen Sammelthread auf, um mal öfter ein bisschen was zu zeigen, denn ich habe noch so einige Schätze zum Zerlegen hier rumliegen:

Nabensammlung.jpg

Von links nach rechts:
  • Eine Modell 55 Dreigang Baujahr 1958, die ich leider nicht mehr öffnen kann, weil ein Vorbesitzer die Nuten der rechten Lagerschale mit dem Meißel oder Schraubenzieher beschädigt hat :mad:. Das entsprechende Spezialwerkzeug liegt uns, d.h. der Fahrradwerkstatt der Kinderarche, inzwischen eigentlich vor, lässt sich bei dieser Nabe aber nicht mehr ansetzen.
  • Eine Modell 515 Dreigang Baujahr 1970, mit dem Spezialwerkzeug erfolgreich geöffnet
  • Eine Modell 415 Dreigang, 28 Loch-Nabe ohne Rücktritt :love:, Baujahr ???, auch schon offen
  • Eine Sachs Orbit Zweigang ohne Trommelbremse, noch nie verbaut
  • Eine Sachs 3x7 Torpedo (davon haben wir einige)
  • Eine S&A Modell AW aus einem Brompton, Baujahr 1992
Viel Spaß beim Mitlesen

Gruß Fetzer
 
Hallo,

neulich, in Getriebenaben-Nerdistan:

Ich habe eine SRAM Dualdrive 1 und eine Version 3 in die Finger bekommen und zerlegt (siehe hier). Die Nabenhülse der DD1 gefiel mir gut, vor allem nach Entfernung des Gummirings und Polieren in meiner kleinen Proxxon-Drehbank. Als ich dann noch feststellte, dass die berechneten Speichenlängen exakt denen der Sachs 3x7 entsprechen, beschloss ich, meine Evil Cat aufzurüsten und speicherte das Hinterrad um. Schick!

DD1-3.jpg

Nun hatte ich keine Lust auf ein eventuell klapperndes Getriebe, deswegen montierte ich das Getriebe der DD3 (schwarze Nabenhülse, nicht mein Fall) in der Hülse der DD1. Das war Schritt 1.

Dann bin ich im Netz auf eine Kuriosität gestoßen, über die man kaum etwas findet: es gab eine Version der Dualdrive II (und offenbar nur der DD2) ohne Clickbox! Zu sehen nur im Handbuch von SRAM 2010, siehe folgender Ausschnitt aus der Explosionszeichnung:

DD2 Explosionszeichnung rechte Seite ohne Clickbox.jpg
Statt des Schaltstiftes wurde ein Schaltseil verwendet (Teil 18), am einen Ende ein kurzer Stahlstift mit dem entsprechenden 2 mm Gewinde, am anderen Ende das von Sachs- und SRAM-Zugkettchen wohlbekannte Riffelstück, welches man in die schwarzen Zugklemmstücke schieben kann. Zusätzlich noch eine spezielle Umlenkmutter (Teil 17), über die ich wirklich gar nichts gefunden habe.

Witzig: das Schaltseil gibt es noch zu vertretbaren Preisen zu kaufen, z.B. hier. Das musste ich ausprobieren! Ich bin ohnehin kein großer Freund von Clickboxen, beim Radausbau muss man aufpassen, den Schaltstift nicht zu verbiegen, etc. Schaltkettchen funktionieren prima, halten lange, wenn man sie nicht malträtiert und man kann leicht Ersatz mitnehmen. Also her mit diesem Schaltseil! Diese Woche kam es per Post:
Schaltseil.jpg
Eingebaut in die Achse sieht das erstmal so aus:
Schaltseil in Achse.jpg
Ohne Umlenkmutter dürfte sich das Stahlseil aber schnell durchscheuern. Besitzer einer DD1 oder DD2 können als Umlenkmutter natürlich einfach ein Exemplar von einer Sachs 3x7 verwenden, die hat dasselbe Achsgewinde M10,5x1. Jetzt hatte ich aber schon ein DD3 Getriebe mit dem verändertem M10x1-Achsgewinde verbaut. Ein Blick in die Sachs-Historie zeigt, dass auch dieses Gewinde schon verwendet wurde und zwar... (Trommelwirbel!): Richtig! Bei der Sachs Orbit 2x6/7. Also rein in die Grabbelkiste der Fahrradwerkstatt der Kinderarche Fürth und eine Orbit mit Trommelbremse gezogen. Wenn die erstmal ausgespeicht sind, interessieren die niemanden mehr, denn sie benötigen spezielle 6/7-fach Ritzelpakete, die kaum noch zu kriegen sind. Und wenn, dann in Abstufungen wie 13-28 oder so, natürlich ohne Schaltgassen. Die Nabe hat nur noch musealen Wert.

Hier ein Foto der Nabe, bei der das Zugkettchen auf der rechten Nabenseite rauskam: diese Umlenkmutter passt auf die DD3-Achse!
Sachs Orbit.jpg

Sieht dann an meinem Rad so aus:
Mit Hutmutter.jpg

Ich frage mich immer noch, ob das Stahlseil lange durchhalten würde, oder ob man doch eher eine Kunststoff-Umlenkrolle à la Sachs/SRAM verwenden müsste – und ob das dann den Aufwand gegenüber einer Clickbox überhaupt rechtfertigen würde. Denn eine Schwierigkeit bleibt ja: wie stelle ich die Dualdrive, speziell den 2. Gang, mit diesem Schalteil korrekt ein? Das Schaltseil hat keinerlei Markierungen, die man vielleicht mit irgendeinem Sichtfenster oder dem Achsende abgleichen könnte. Und eine schlecht eingestellte Dualdrive schickt man ja eventuell schnell über die Wupper.

Von daher vermute ich momentan mal, dass das Ganze eine Episode aus Nerdistan bleiben wird. Aber Spaß hat’s gemacht.

Gruß Fetzer

P.S. Im Pedelec-Forum berichtet jemand hier, er würde eine Dualdrive ohne Clickbox fahren und zeigt ein Foto, bei dem man aber die Nabe nicht eindeutig erkennt, aber ein Schaltkettchen sieht. Klassische Sachs- oder Schaltkettchen lassen sich eigentlich nicht in die Dualdrive-Achse einschrauben, die ist zu eng. Keine Ahnung, wie er das das gemacht hat. Vielleicht ist es auch gar keine Dualdrive, sondern eine 3x7, die Begriffe werden im Netz häufig durcheinander geworfen. Da das Rad eine Scheibenbremse hat, müsste es dann eine Sachs 3x7 in der Quarz-Edition sein, die gab es mit SB-Aufnahme.
 
Zuletzt bearbeitet:
Gestern in Getriebenaben-Nerdistan...

In der Fahrradwerkstatt sollte ein sehr altes Rad aufbereitet werden, und mir hatte man die Dreigangnabe zur Revision überlassen: eine Sachs Torpedo Modell 515. Ein Blick auf den Kennbuchstaben neben dem "F&S" zeigt ein "J" - das entspricht Baujahr 1966. Die Nabe ist genauso alt wie ich. Nett!

Torpedo.jpg

Diese Naben zerlegt man von links soweit wie es geht (Achsmutter ab mit dem F&S Hakenschlüssel, Bremshebel mit Lagerkonus abnehmen, Messing-Bremsmantel rausnehmen, Brems-Spreizkonus rausnehmen), dann kommt man erstmal nicht mehr weiter.
Anfang.jpg Bremskonus.jpg
Der Getriebeblock ist nämlich, anders als bei den späteren (und heute weit verbreiterteren Naben vom Typ H3111) in die Nabenhülse eingeschraubt, und zum herausschrauben braucht es ein Spezialwerkzeug:
Werkzeug.jpg
Bitte nicht versuchen, an den Nuten der Lagerschale einen Meißel, Schraubenzieher, o.Ä. anzusetzen, die brechen aus! Ich habe eine wunderschöne Modell 55 mit ausgebrochenen Nuten hier liegen, es ist zum heulen. Man setzt die Nabe mit den Nuten in das Werkzeug und dreht das Hinterrad an der Felge. Normales Rechtsgewinde! Ist etwas tricky, weil das Rad kippelt und die Nuten der Lagerschale aus dem Werkzeug rutschen können.
Nabe im Werkzeug.jpg
Nach dem Lösen lässt sich der Getriebeblock von Hand rausdrehen.
Getriebeblock.jpg
Wenn man davon ausgeht, dass diese Nabe (wie die meisten, die wir in die Finger bekommen) vermutlich noch nie gewartet wurde, dann sieht sie verdammt gut aus. Vor allem ist die Qualität des Fettes um Klassen besser als alles, was ab ca. 1980 kam. Speziell die Pentasportnaben, die bei uns anfallen, sind oft ganz grauenvoll verkleistert mit verharztem Fett. Man erkennt das regelmäßig schon von außen daran, dass die Schaltkettchen sich gar nicht mehr bewegen.
Diese Nabe hier hätte eine Wartung auch mit 56 Jahren gar nicht unbedingt nötig gehabt. Erst gegen Ende des Zerlegevorgang zeigt sich etwas zähbraunes Fett. Aber gerade im kritischen Bereich von Sperrklinken, Schubklotz etc. war das Fett wunderbar geschmeidig.
Nabenzustand.jpgRanziges Fett.jpg
Zum Schluss noch ein Familienbild des fränkischen Industriekulturgutes vor dem Zusammenbau. Auf die hoffentlich nächsten 56 Jahre.
Familienbild.jpg

Das Klicker-Geräusch der Sperrklinken einer 515 ist übrigens viel satter als das moderner Dreigangnaben. Eine Sounddatei der hier gezeigten Nabe nach dem Zusammenbau gibt's hier.

Gruß Fetzer
 
Zuletzt bearbeitet:
Jetzt hatte ich aber schon ein DD3 Getriebe mit dem verändertem M10x1-Achsgewinde verbaut. Ein Blick in die Sachs-Historie zeigt, dass auch dieses Gewinde schon verwendet wurde und zwar... (Trommelwirbel!): Richtig! Bei der Sachs Orbit 2x6/7
Ha! Vielen Dank fur die gründliche Recherche, hatte mich auch schon interessiert. Die Meinungen über die DD gehen ja stark in verschiedene Richtungen - über Vorlieben lohnt es sich nicht zu streiten ... aber ich mag meine DD3 (Restexemplar ergattert).
 
Mein mitternächtlicher Impuls fordert mich auf, dir meinen Respekt zu zollen.
Ein Nerd, der nicht nervt, sondern zupackt und was drauf hat. Respekt, ich melde mich, sollte ich mal Hilfe bei einem 3- Gang Oldie brauchen.
Andreas, Traumvelo
 
Zum Schluss noch ein Familienbild des fränkischen Industriekulturgutes vor dem Zusammenbau.
danke für die ansicht/einsicht .
als laie ging ich immer davon aus das in den naben ein recht kopliziertes /komplezess getriebe steckt, das auf dem bild sieht aber recht überschaubar aus.
(was nicht heisst das ich es zusammenbauen könnte)
 
Das motiviert mich doch gleich mal wieder an meiner 3-Gang Ersatzteilsammlung weiter zu arbeiten. Die liegt schon einige Jahre als Beschäftigung für trübe Wintertag auf der Werkbank :X3:
 
Wenn man davon ausgeht, dass diese Nabe (wie die meisten, die wir in die Finger bekommen) vermutlich noch nie gewartet wurde, dann sieht sie verdammt gut
Ich habe auch eine 515 "L" sie hat einen Öler an der Bremsseite. Diese Naben wurden regelmäßig mit gutem Öl geölt was den guten Zustand erklärt.
MfG
 
P.S. Im Pedelec-Forum berichtet jemand er würde eine Dualdrive ohne Clickbox fahren und zeigt ein Foto, bei dem man aber die Nabe nicht eindeutig erkennt, aber ein Schaltkettchen sieht. Klassische Sachs- oder Schaltkettchen lassen sich eigentlich nicht in die Dualdrive-Achse einschrauben, die ist zu eng. Keine Ahnung, wie er das das gemacht hat. Vielleicht ist es auch gar keine Dualdrive, sondern eine 3x7, die Begriffe werden im Netz häufig durcheinander geworfen
Hätte ich jetzt für unser gebrauchtes Wavey auch so behauptet, hat aber keine SB-Aufnahme, muss ich mal schauen, ob ich sachdienliche Hinweise finde, die Umlenkmutter sieht aus wie bei dir, wirkt aber mit Kettchen viel passender...
 
Hallo,

Radfahren macht in Mittelfranken momentan nur bedingt Spaß: zu kalt, Radwege nicht geräumt und die Autofahrer noch schlechter drauf als sonst.

Also habe ich gestern einen Ausflug in mir unbekannte Gefilde von Nerdistan gemacht und eine Sachs Modell 55 zerlegt, die kannte ich nämlich noch nicht. Das ganze aus reinem Interesse, denn ich werde die Nabe so schnell gar nicht vernünftig testen können, weil mir der passende blaue Schalter fehlt (und der ist auch nur zu Mondpreisen zu bekommen). Die viel häufigeren roten Schalter haben andere Schaltwege.

Modell 55.jpg

Die Nabe (Kennbuchstabe "A" = Jahrgang 1958) lag schon lange hier rum, weil sie eine Art Sorgenkind ist: Ein mir unbekannter Vorbesitzer hat wohl versucht, den Getriebeblock durch Ansetzen eines Meißels oder Schraubenziehers auszubauen. Wie ich weiter oben schon schrieb: bitte nicht nachmachen! Das kann funktionieren, manche Getriebe kommen mit unserem Spezialwerkzeug sehr leicht raus. Sollte das Gewinde aber etwas fester sitzen, sehen die Nuten (hier: auch noch beide!) der Lagerschale unter Umständen hinterher so aus, und dann lässt sich auch das Spzialwerkzeug nicht mehr ansetzen.

Ausgebrochene Nut.jpg

Gestern habe ich also gedacht, ich versuche es mal mit meinem Proxxon und einem kleinen Kugelkopffräser. Damit bin ich in den kaputten Teil der Nut rein, das ging besser als gedacht. Als ich eine Kante zum Ansetzen hatte, habe ich einen Durchtreiber genommen und mit zwei gezielten Hammerschlägen mit dem Fäustel löste sich das Getriebe.
Fräsen.jpg Hammerschläge.jpgGetriebeblock.jpg

Nach dem vollständigen Zerlegen habe ich die defekte Nut komplett ausgefräst, damit ich bei einer künftigen Revision eventuell wieder das Werkzeug ansetzen kann. Ob die Kante halten wird, weiß ich nicht, aber einen Versuch ist es wert.

Nachfräsen.jpg

Das Getriebe ist wieder vollständig anders aufgebaut als die Modelle 515 oder H3111, und ich kann mich an sowas gar nicht sattsehen.

Familienbild.jpg

Es gibt ja Leute, die posten Bilder von Carbon-MTB-Fullys und schreiben #bikeporn drunter. Wäre ich bei Instagram, würde ich wohl den Hashtag #gearhubporn erfinden. Geile Teile von 1958.

Gearhubporn.jpg
danke für die ansicht/einsicht .
als laie ging ich immer davon aus das in den naben ein recht kopliziertes /komplezess getriebe steckt, das auf dem bild sieht aber recht überschaubar aus.
(was nicht heisst das ich es zusammenbauen könnte)
Ich mache bei mir unbekannten Naben grundsätzlich bei jedem Teil, was ich von der Nabe runter nehme, ein Foto und achte darauf, dass man auf dem Bild auch die Orientierung des Teils erkennt (d.h. wie rum ich es abgenommen habe). Dann bekomme ich die Naben eigentlich immer wieder zusammen.

Außerdem gibt es natürlich noch die Webseiten www.scheunenfun.de und www.3gang.de. Da gibt's jede Menge Information und auch die entsprechenden Explosionszeichnungen.

Gruß Fetzer
 
Hallo,
Klasse Thread ! weis jemand ob die Teile der Dual Drive von sram komaptibel mit der 3x9 Nabe von Sturmey Archer sind ? Insbesondere das Zugkettchen mit dem man die Nabe betätigt würde mich interessieren. ich würde nämlich an meiner STurmey Nabe gerne so ein kästchen verwenden wie bei einer sram sachs nabe ........die Sturmey Archer Lösung von Übergang Zug , Schaltkettchen ist nicht so schön zu schalten und zu fahren !
 
Ich habe noch eine Pentasport in Teilen zu verschenken .........
ist die Nabe noch im Laufrad oder lose?

@ Fetzer, Glückwunsch zum Ausbau, die Einzelteile sind mit F&S und Jahrescode gestempelt, daran kann man sehen, was alles bereits getauscht wurde, oft sind zB Bronzebremsschalen oder Achse mit späteren Jahreszahlen. Von der M55 habe ich einige als Sammelobjekte. Davor gab es eine noch größere mit Alu Gehäuse, M53.
MfG
 
weis jemand ob die Teile der Dual Drive von sram komaptibel mit der 3x9 Nabe von Sturmey Archer sind ?
Niemals. Schaltwege, Länge und Durchmesser von Schaltstiften / Schaltkettchen, alles anders. Würde mich sehr wundern, wenn man da _irgendetwas_ untereinander austauschen kann.

Gruß Fetzer
 
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