Die Alleinstellungmerkmale des Milan

Jens Buckbesch

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Moin moin,

jedes Velomobil hat seine Alleinstellungsmerkmale, seine Stärken und seine Schwächen. In den letzten Jahren sind tolle Velomobile auf den Markt gekommen, die in ihrer Konzeption sinnvollerweise die Stärken der konkurrierenden Velomobile aufgegriffen haben und sehr zur Weiterentwicklung der Velomobile insgesamt beigetragen haben.
Gerade im Bereich der Aerodynamik hat es eine starke Angleichung gegeben und der Top-Speed ist heute wohl kein allein entscheidendes Kriterium für einen Kauf mehr.
Ein A7 oder DF (beide mit Hosen) oder ein Milan oder Snoek liegen in einem sehr ähnlichen Geschwindigkeitsbereich, so dass ein weltlicher Fahrer hier kaum ein markantes Unterscheidungsmerkmal findet.
Bei der Entscheidungsfindung werden also eher die Unterschiede die entscheidende Rolle spielen, je nach individuellem Geschmack und den Vorlieben.
Ich möchte in diesem Faden versuchen, die markanten Unterschiede des Milan herauszuarbeiten (nicht nur als Vorteile des Milan, teilweise auch als Kompromiss ) und damit den Reflexionsprozess unterstützen, den jeder Interessierte durchlaufen wird, bevor er eine Kaufentscheidung fällt.
Trotzdem vertrete ich die Position, dass nur eine ausführliche Probefahrt kaufentscheidend sein sollte.
Die vorhergehende Reflexion kann aber für die Merkmale sensibilisieren, die auf so einer Probefahrt dann besondere Beachtung bekommen.
Ich sehe hier im Forum mancherorts eine Polarisierung in Lager, die weniger auf eigener physischer Fahrerfahrung als vielmehr auf dem Einfluss manch hitziger Debatte hier beruht.
In diesem Sinne möchte ich alle Interessierten ermuntern, sich final immer nur auf die eigene Urteilskraft und Probefahr-Erfahrung zu stützen, wenn eine Kaufentscheidung ansteht.
Gleichwohl ist das Forum hier eine einzigartige Möglichkeit, Informationen und zu bedenkende Faktoren zu sammeln, um sich vorab einen Reim machen zu können.
 

Jens Buckbesch

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Das erste Unterscheidungsmerkmal bei Velomobilen ist natürlich das Design.
So kommen unterschiedliche Menschen zusehr unterschiedlichen Beurteilungen.
Der Milan wird von einigen "knubbelig" genannt, von anderen mit großem Wohlgefallen betrachtet, vor allem in live und nicht auf Fotos.
Das Design kommt aus der Hand von Eggert Bülk, falls dies noch unbekannt war.

Der Milan hat klar eine retro-Komponente, ich liebe diese :
(Danke an @ Hendrik für das letzte Foto !)
 

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Vielleicht sollten wir Jens die Möglichkeit geben, die Merkmale selber vorzustellen, eins nach dem anderen. Dann dürfen wir sicher auch kommentieren, aber ich glaube, er kennt noch mehr als eins (Design) und hat auch schon einen Plan, diese hier zu erläutern.
 
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Da kann man sicher sehr bequem drin schlafen :)
"Sehr bequem" würde ich jetzt nicht allgemein ohne Kontext sagen, aber wenn ich nicht so gefroren hätte, hätte ich bestimmt ein paar Stunden am Stück schlafen können.

Der große Einstieg ist sicher auch gut, wenn man unterwegs mit Gabel oder Löffel essen möchte, weil man mehr Platz hat, sich aufzusetzen. Fingerfood geht ja auch angekehnt.
 
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Für mich wie schon geschrieben die Optik und Einstiegsöffnung welche zu den andere Modelle anders ist.
Das Innere wird ja jetzt vieles angeglichen, Sitz und Sitzposition ist auch anders auch weil der sl niedriger ist..
 

Jens Buckbesch

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Ja, vielen Dank für die Kommentare !
Ich will tatsächlich versuchen, die Alleinstellungsmerkmale vorzustellen und mir fallen noch ein paar ein.

Ein weiters Alleinstellungsmerkmal des Milan sehe ich in seiner Eigenschaft, sehr lange Strecken mit sehr hoher Geschwindigkeit fahren zu können.
Der Milan wurde ja als Rekordfahrzeug konzipiert und designet, dabei standen 2 Merkmale im Vordergrund:
  • Hohe aerodynamische Effizienz und
  • Hohe ergonomische Effizienz.
Die aerodynamische Effizienz wird erreicht durch eine radikale Querschnitts-Optimierung, die alle rotierenden und raumfordernden Körperteile einbezieht, auch dadurch erhält der Milan seine unverwechselbare Formensprache. Dabei stand auch die Stabilität gegen Seitenwindeinflüsse im Vordergrund, da hohe Geschwindigkeiten nur bei ausreichend stabiler Fahrlage sicher sind. Das aerodynamische Potential bei Top-Speed hat Bill Thornton 2019 in Battle Mountain unter Beweis gestellt, als er mit dem Milan im 200m-Sprint für Velomobile den Weltrekord holte.

Die gute Aerodynamik erfordert eine geschlossene Karosserie im Bereich der Vorderräder und des Hacken-Kurbelkreises. Das bedeutet als Nachteil einen sehr großen Wendekreis und geringe Bodenfreiheit. Fahranfänger sollten sich deshalb langsam an den großen Wendekreis gewöhnen oder; wenn sie z.B. auf der Pendlerstrecke zur Arbeit ständig enge Kurven fahren müssen, ein anderes Fahrzeug wählen.

Was die ergonomische Effizienz angeht, zeichnet dem Milan eine sehr flache Sitzlehnenneigung aus. Diese wird auch möglich dadurch, dass der Bug eine ausgezeichnete Sicht nach vorne zulässt und somit auch ein flach nach hinten abgelegter Kopf freie Sicht über die Bugkante hat.

Die sehr flache Sitzneigung in Verbindung mit einem breit unterstützenden Sitz bewirkt eine sehr gute Verteilung des Körpergewichtes auf eine große Fläche. Dadurch wird insbesondere die Po-Muskulatur von Druck entlastet und ein angenehmes und effektives Fahren über sehr lange Distanzen ermöglicht. Die Langstrecken-Weltrekorde des Milan über 24, 12 und 6 Stunden (Christian Ascheberg, Wulf Kraneis, Hardy, Matthias König und andere) haben das gezeigt.

Was bedeutet das für den Alltagsgebrauch des Milan ? Es bedeutet ein bequemes, entspanntes und schnelles Fahren auch über sehr lange Strecken.
Schnelles Fahren macht Spaß und verstärkt sich selbst, weil es süchtig macht. Es macht süchtig, weil wir dabei in einen tranceähnlichen Zustand fallen und mit unserer Umgebung verschmelzen. Das kann in ein spirituelles Erlebnis münden. Aber das gilt für alle schnellen Velomobile.

Es habe viele Fahrer auch bei anderen Velomobilen mit deutlich steilerer Sitzlehnenneigung unter Beweis gestellt, dass auch sie sehr lange Strecken mit hoher Geschwindigkeit fahren können; ich sehe die flache Neigung dennoch als Vorteil und besonderes Merkmal des Milan.
 
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Hallo Jens,

Du hast eine großartige Initiative ergriffen, die auch von anderen Herstellern auf diesem hohen inhaltlichen wie sprachlichen Niveau (sprachlich falls nicht Mutterprache ggf. auch mit Hilfe aus dem Forum) aufgegriffen werden sollte. Und dann gehören solche Texte auch in eine eigene Rubrik in der Wiki.
Wichtig wären für mich noch Angaben über die Größe und Erreichbarkeit des Gepäckraumes, welche Bremsen (Trommel / Scheibe) verbaut werden können und die Bodenfreiheit.

Viele Grüße, Martin
 
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Leider konnte ich noch keinen Milan Probesitzen, weil ich nur SL Fahrer kenne (da passen Bären nicht rein) und in Germersheim ich es nie schaffte eine Probefahrt zu machen. So blieben Ansichten von außen.
Durch die Aerodynamik liegt der Milan tief auf der Strasse und mir blieben die häufigen Aufsetzer im Gedächtnis bei einer Ausfahrt. Solche Sachverhalten sind Bestandteil beim Herausarbeiten als USP. Inzwischen gibt es dazu zwei Lösungen: durch Dämpfer die Bodenfreiheit erhöhen, Aluschiene am Boden.
Die Seitenwindanfälligkeit kann ich nicht bewerten. Eine Seitenwindanfälligkeit kann an der Form liegen oder auch an falschen Federn (bei mir an den Vorderräder).
Natürlich erwarte ich nicht, das Benschmarketing Analysen hier detailliert aufgeschlüsselt werden, aber eben als Ergebnis die Stärken.
 

Jens Buckbesch

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Ein weiteres besonderes Merkmal des Milan ist seine übergroße Einstiegsöffnung:

Diese ermöglicht einen bequemen Ein- und Ausstieg. Da Velomobile eher von Menschen reiferen Alters gekauft werden und diese auch in 10 Jahren noch ohne fremde Hilfe aus ihrem Fahrzeug kommen können sollen, ist dies ein sehr großer Vorteil. In Verbindung mit dem flachen Süllrand kann der Fahrer seine Oberkörper weit nach vorne neigen und hinter sich die Hände auf den Süllrand stützen, um sich hochzuziehen. Auch wer Schulterprobleme hat, wird das zu schätzen wissen.

Aber ich habe damals den Einstieg gar nicht aus diesem Grunde so groß konzipiert. Mein Anliegen war vielmehr die Möglichkeit, das Velomobil bei Schönwetterbedingungen in ein „offenes“ Fahrzeug umwandeln zu können. Ich wollte damit das Speederlebnis eines Velomobiles mit der Fahrerlebnis eines offenen Dreirades kombinieren.

Auch offen ist der Milan extrem schnell und ermöglicht trotzdem ein Cabrio-Feeling der besonderen Art. Man kann auch in der „Doppelmanta-Haltung“ längere Zeit fahren, weil der Süllrand sehr tief ist und der weite Ausschnitt nach vorne weitere Freiheitsgrade darstellt.
 

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Die sehr flache Sitzneigung
... hat aber auch einen Nachteil, sozusagen als Kehrseite der Medaille. Sie führt bei beim Tragen von Gleitsichtbrillen zu Problemen - man schaut nämlich zwangsläufig durch den Leseteil der Brille und sieht in der Ferne schlecht. Abhilfe schafft da nur eine angepasste Brille, z.B. ohne Leseteil. Ich erlebe das auf meinem sehr flach eingestellten Trike und weiß leider, wovon ich da rede (im Dunkeln, wenn die Pupillen weit offen sind und die Tiefenschärfe der Abbildung das nicht mehr ausgleichen kann, kaum fahrbar). Wie gesagt, keine Kritik am Konzept, nur der Hinweis, dass man nicht alles auf einmal haben kann und an dieser Stelle u.U. eine spezielle Brille einplanen sollte.

Diesen Hinweis vor allem, weil ich den Eindruck habe, dass Du ja auch offen bist, eventuelle Nachteile eines Konzepts anzuerkennen.
 
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