Ost-Tour Sommer 2020

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Hallöle,

ich möchte Euch hier in aller Ausführlichkeit von meiner Sommertour mit der SPM und meinem Radlerkollegen (das ist tatsächlich ein Arbeitskollege, unterwegs auf einem S900 in 24 Zoll) berichten. Weil das den üblichen Rahmen für die "Bilder und Berichte von Ausfahrten und Touren" sprengt, habe ich hier einen eigenen Faden aufgemacht.
Vielleicht bekommt jemand Lust, eine ähnliche Tour zu machen - ich kann es nur empfehlen!

Der ursprüngliche Plan sah vor, sich wie üblich in Thiendorf bei McDonalds zu treffen - nicht, weil wir die absoluten Fast-Food-Junkies sind, sondern weil wir in unterschiedlichen Orten im Dresdener Umland wohnen und dieser Ort exakt 22 km von unseren jeweiligen trauten Heimen entfernt ist.

Von dort sollte es ins Röderland, zur Schwarzen Elster und weiter an die Elbe gehen. Ich hatte nämlich extra für den Kollegen, der erst im Dezember zum Liegerad gekommen ist und demzufolge noch große Reserven bei Training und Adaption hat, eine Route mit möglichst wenig Höhenmetern geplant. Mir selbst - mit der schweren Mühle und dem angeschlagenen Knie - war das übrigens auch sehr Recht...

Den Elberadweg sollte es dann bis Wittenberge gehen. Von dort führt über Perleberg der südliche Teil des "Elbe-Müritz-Rundwegs" bis nach Röbel. Da hatte ich auch ein paar Änderungen in Hinsicht der möglichen Vermeidung von Anstiegen eingebaut.

Von Röbel nach Rheinsberg und von da nach Neuruppin. Von da dem Rhin folgend über Sommerfeld und Kremmen an die Havel. Wahrscheinlich bei Oranienburg. Dort nach Norden und bei Liebenwalde an den Finow-Kanal/Oder-Havel-Kanal, den nach Osten bis zur Oder.

Der Oder südwärts folgend bis Brieskow-Finkenheerd und dort wieder nach Westen am Friedrich-Wilhelm-Kanal/Oder-Spree-Kanal entlang bis Müllrose.

Da ist man dann schon im Spree-Einzugsgebiet und dieser folgend letztlich bald im Spreewald, der ja im weiteren Sinne schon zu meinem "Alltagsrevier" zählt. Von da weiter südlich nach Senftenberg (dort wartete noch ein gemeiner, aber gut bekannter Anstieg) und von da dann quasi auf der "Hausstrecke" zurück nach Thiendorf.

Das wären deutlich über 1000 km geworden, aber nach meiner Prognose in 12 Tagen gut machbar gewesen. Leider sind wir nicht mehr die Jüngsten und der Kollege hatte massiv "Rücken" - und noch Behandlungen, als wir eigentlich schon unterwegs sein wollten. Nach hinten verschieben war keine Option, da unsere Frauen die anschließende Zeit schon verplant hatten. Also blieb leider nur, die Route zu verkürzen.

Neuer Plan: Thiendorf-Röder-Schwarze Elster - Havel (Caputh) bis Brandenburg, von da als "Überführungsetappe" nach Oranienburg und dann nach Liebenwalde, wo wir auf der ursprünglich geplanten Strecke wären.

Während ich zwei Tage vorm geplanten Start über Google Maps und meinen Karten saß kam die Nachricht, dass am Tag der geplanten, schon um mehrere Tage verschobenen Abreise um Mittag noch ein Arzttermin dazu gekommen sei. Ich sah schon unsere Felle davonschwimmen - die Zeit wurde knapp und knapper und weniger als 700 bis 750 km sollten es auf keinen Fall werden.
Der "fluxende" Kollege traute sich maximal 80 km in täglicher Folge zu. Neun volle Tage waren uns verblieben - da darf nix mehr schief gehen, sonst ist die pünktliche Heimkehr zumindest rechnerisch gefährdet! Panisch war ich nicht - für den eventuellen Ernstfall gibt es ja glücklicherweise Züge...aber das kam für uns wirklich nur im absoluten Notfall in Betracht. Wir wollten die Runde unbedingt auf "eigener Achse" drehen.

Um die Aktion in diesem Sinne noch zu retten entschieden wir uns, am 17.7. im späten Nachmittag zu starten und die erste Nacht durchzufahren. Das haben wir auf unseren 24h-Touren "gegen den inneren Schweinehund" mit den Trekkingrädern schon oft gemacht. Allerdings wollten wir ja diesmal mit Rücksicht auf die Besonderheiten des Liegerades die Sache bewusst "defensiv" angehen - ich war gespannt.

Gesagt - getan...am 17.7. 16:30 Uhr war Start zu Hause und um 18 Uhr Treff in Thiendorf. Ich also losgeradelt - und am ersten Berg wie erwartet abgestiegen. 35 Kilo Gepäck sind einfach heftig! Dann begann auch noch das Schutzblech am Hinterrad zu schleifen - das Luftfederelement brauchte mehr Druck. Das war mir vorher klar, aber ich dachte, bis Thiendorf ginge das schon so...die Pumpe hatte der Kollege! Ich hab' den Dämpfer gesperrt und mich immer, wenn es Schleifgeräusche gab, im Sitz aufgerichtet und das Hinterrad soweit wie möglich entlastet. Hat geklappt.
In Thiendorf angekommen, nahm ich die Abkürzung durch die Tankstelle - und traute meinen Augen nicht: da stand ein voll bepacktes, melonengelbes Flux...sollte etwa? Ja, tatsächlich! Der Kollege war so stolz auf sich, weil er trotz Rücken-Halswirbel-Malaise losgefahren ist, dass er es nicht bis zu McDonalds geschafft hat - das "Belohnungs-Bier" gab es schon an der unmittelbar davor liegenden Tankstelle.

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Während das Bier verstoffwechselt wurde (nur beim Kollegen - ich kann erst 'was trinken, wenn die Tagestappe geschafft ist, sonst komme ich für Stunden nicht mehr aus dem Knick!), wurden noch "Aufputschmittel" (Traubenzucker etc.) für die Nacht gebunkert, der Dämpfer aufgepumpt (hat wider Erwarten die komplette Tour ohne Nachpumpen durchgehalten!) und dann ging es los...

Fortsetzung folgt...

LG Holger
 
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Die Fahrt gestaltete sich anfangs wie erwartet. Wir fuhren in meist bekannter, aber trotzdem schöner, ländlicher Umgebung auf ansonsten leeren Nebenstraßen gemütlich dahin - meist mit Geschwindigkeiten um die 15 km/h. Alle 1 bis 2 Stunden wurde ein kleines Päuschen eingelegt und der Kollege machte ein paar "verordnete" Übungen für den Rücken - und ich für mein Knie.
In Stolzenhain taten wir dies unter einer Straßenlaterne, was das Interesse eines Anwohners weckte und zum zweiten (das erste fand in Gröditz mit einer netten jungen Dame an der Tankstelle statt - sie wollte sogar Probesitzen!) ausführlichen Gespräch über das Woher und Wohin und über Liegeräder und letztlich Gott und die Welt führte.
Ende vom Lied war, dass er uns anbot, auf seiner Wiese zelten zu dürfen - das stimmte uns optimistisch für den weiteren Verlauf der Tour.
Aber wir wollten ja weiter...
Ein entscheidender Vorteil von Nachtfahrten ist für mich, dass man gefahrlos (soweit man das sagen kann) den kürzesten Weg auf der Landstraße nehmen kann. Bald erreichten wir die Elster bei Bad Liebenwerda, wo wir dann dem offiziellen Elster-Radweg folgten. Vor Herzberg überquerten wir die Elster und hielten uns weiter nördlich - wir wollten ja jetzt nicht bis zur Elbe, sondern über Luckenwalde und die Nuthe-Nieplitz-Region zur Havel. Dabei lief alles wie oben beschrieben weiter.

Ab drei Uhr wurde es dann frisch - die Temperaturen sanken auf etwa 10°C ab. Das war zu erwarten und so hatte ich das schon oft erlebt. Womit wir in dieser Ausprägung nicht gerechnet hatten, war der Nebel, welcher regelrecht substantielle Züge annahm. Alles quietschte vor Nässe und damit fühlten sich auch die 10 Grad deutlich unangenehmer an. Kurz nach 4 Uhr erreichten wir unseren ersten "Tiefpunkt": die Energiereserven waren angegriffen, mir war hundekalt und die Motivation (natürlich nur beim Kollegen ;-) ) war futsch. Am Ortseingang Wildenau packten wir uns kurzerhand für ein Viertelstündchen auf den Boden - das half erwartungsgemäß.

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Ich bitte um Entschuldigung für die Bildqualität - aber mir war absolut nicht danach, die Digicam auszupacken und mehr gibt das Handy unter diesen Umständen nicht her...

Aber auch das ging vorbei und irgendwann gegen 8 Uhr, da waren wir schon im niederen Fläming, schaffte es die Sonne wieder durch die graue Suppe...

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Es versprach, ein schöner Tag zu werden und die Temperaturen stiegen schnell. Auf sehr guten, zum Teil zur Fläming-Skate-Route gehörenden Radwegen ging es nach Luckenwalde.

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Dort kamen wir in aller Ruhe gegen halb 11 eingerollt und nachdem sich der Kollege aufgrund der Erfahrungen der letzten Nacht beim KIK noch eine Jogginghose geleistet hatte ging es zur Flaniermeile (Breite Straße). Die ist sehr schön gemacht (das war mir auf einem Youtube-Video, ich glaube zur Tour Brandenburg schon aufgefallen) und am Nordostende gibt es einen Döner-Laden, der unser Anlaufpunkt wurde. Dort wollten wir etwas essen/trinken und in Ruhe nach einem Quartier für die nächste Nacht suchen, was noch ein paar km entfernt in Richtung Caputh sein sollte.
Das erwies sich aber als ausgesprochen schwierig - alle Pensionen waren entweder übervoll oder geschlossen. Damit hatten wir zwar irgendwo gerechnet und deshalb auch das komplette Camping-Gepäck aufgeladen - aber dass es so schlimm würde, hätten wir nicht gedacht! Nach 2 Stunden und mehr als 20 Telefonaten war keinerlei Erfolg zu vermelden. Einzig einen Zeltplatz hätten wir anfahren können, aber die Sonne ballerte mittlerweile erbarmungslos und wir entschlossen uns, erstmal ganz in Ruhe noch ein Bier zu trinken. Es gab keinen Grund für Hektik - 157 km hatten wir bis hierher in aller Ruhe abgespult, der Platz war nett, das Wetter bombig...Urlaub eben. Gute Entscheidung, wie sich herausstellte!

Einer von den Jungs (Kategorie viele Haare, wenig Zähne - aber super nett und auch nicht doof!...man macht sich da schon so seine Gedanken, was für ein Schicksal hinter einem solchen Äusseren stecken mag...), die in der Gaststätte halfen hatte einen Tipp für uns - und wir um 15 Uhr eine Pension! Schwein gehabt...

Zwei getrennte Zimmer mit eigener Nasszelle - zentral am Marktplatz und sehr ruhig (ok, viel Betrieb ist in diesem eher beschaulichen Städtchen eh nicht) im Hinterhof gelegen. Preiswert obendrein - Klasse.

Wir waren dann gegen Abend noch für den nächsten Tag (Sonntag) einkaufen und haben den Tag bei unserem mittlerweile "Stamm-Döner" bei gutem Essen und Bier ausklingen lassen...spät ist es nicht geworden - die durchfahrene Nacht forderte ihren Tribut. Aber insgesamt war es gut und wir lagen "im Plan", was die gefahrenen Kilometer anging. Nur noch schnell auf's Bett gesetzt ins W-LAN eingewählt und Zuhause Status-Bericht erstattet...und ich wurde 23:30 Uhr wieder wach und hab' erstmal ausgiebig geduscht und anschließend bis um 8 geschlafen wie tot...

Am nächsten Morgen (der Kollege schlief noch) bin ich 'raus - und hatte die ganze Stadt für mich allein. Sonntagmorgen in Luckenwalde...sehr schön.

Der Markt mit dem Stadtturm. Das große Tor zwischen den Bäumen rechts ist der Eingang zur Pension...

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Wenn man durch ist, sieht es so aus:

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Hier noch ein Blick auf die menschenleere Fußgängerzone...

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Dem Himmel nach zu urteilen, würde das wieder ein herrlicher Tag.

Fortsetzung folgt...

LG Holger
 
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Bei herrlichstem Wetter ging es gegen 9.30 Uhr von Luckenwalde in Richtung Havel. Über mehrere "Schlenker", um die immer wieder im Weg liegenden Anstiege zu umfahren. Zuerst im Nuthetal nach Norden in Richtung Trebbin/Löwendorf und dann westlich nach Blankensee und weiter durch die landschaflich sehr schöne Nuthe-Nieplitz-Niederung nach Michendorf. Von dort nach Caputh, wo wir in einem Café einen netten Schwatz mit einem der vielen Rennradfahrer hatten und weiter über die Fähre nach Geltow... Das sollte übrigens der Tag mit der höchsten "Liegerad-Begegnungs-Dichte" der gesamten Tour werden.

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Auf der Fähre war noch ein Päärchen mit Liegerädern auf Sonntagsausflug - er mit einem Grasshopper und sie mit einem Ostrad Adagio. Natürlich gab es ein kurzes Gespräch und dann trennten sich unsere Wege.

Wir folgten immer der Havel, wobei wir auf der östlichen Seite blieben und erst über die Eisenbahnbrücke Werder auf die andere Seite gelangten.
Dort sind Führungsschienen für das Schieben von Rädern montiert - aber so weit am Rand, dass das mit den bepackten Liegern nicht nutzbar war. Also war Tragen angesagt. Auf der anderen Seite unten angekommen, belohnte uns bestes "Havelseen-Feeling" für die Plackerei...

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Nun ging es auf dem offiziellen Havel-Radweg über Werder und Phöben in Richtung Brandenburg. Das Teilstück zwischen Phöben und Gollwitz mit dem herrlichen Weg auf dem Deich bis zur Fähre nach Ketzin, den Deetzer Erdelöchern usw., gehört zum Schönsten, was wir während der Tour landschaftlich erlebt haben. Schmackhaft gemacht wurde mir die Ecke durch ein youtube-Video, wo der Ersteller aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskam - absolute Empfehlung auch meinerseits! Die Weite der Landschaft, das satte Grün der Wiesen - es lässt sich mit Bildern eh nicht wiedergeben, weshalb ich hier nur ein paar Impressionen anhänge...

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Auf dem herrlichen Weg kamen uns zwei weitere "Liegende" entgegen: der Erste war sehr schnell unterwegs und schien es eilig zu haben - ein freundlicher Gruß, und husch... Ich konnte nicht mal genau sehen, was es für ein Rad war. Der Zweite war mit einer schmal bereiften SPM noch schneller unterwegs, hatte aber Zeit für ein Schwätzchen - sehr nett!
Nun kam der Abend heran und wir hatten wieder einmal kein Quartier. Zeltplatz war auch keiner in Reichweite, so dass wir beschlossen, eine weitere Nacht "durchzufahren". Also in Brandenburg bei einbrechender Dunkelheit an einer Tanke die Wasser- und Treibstoffvorräte aufgefüllt, und weiter.
Durch die Stadt und über die Havel in Richtung Ketzin...hier noch an der Havelschleuse in Brandenburg...

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In Klein Kreutz sahen wir den Hinweis auf den Campingclub&Yachthafen Eden und wollten dort spät nachts unser Glück versuchen. Alles abgeschlossen, keine Klingel, keine Telefonnummer...schade. Ich kenne das eigentlich so, dass man sich spätabends zum Schlafen hinknallen und die Anmeldung und Bezahlerei am nächsten Morgen in Ruhe machen kann. Weil wir einmal vom Weg 'runter waren, wollten wir in der Nähe des Zelplatzes "wild" campen und am Morgen die Sanitäranlagen nutzen. Leider wurden wir noch in der Entscheidungsphase oder besser der Suche nach einem geeigneten Platz mit dem Hinweis, das hier alles Privatgelände sei, verjagt. Na ja, irgendwie kann man die Leute ja auch verstehen, so wie sich manche Wildcamper aufführen... Schade ist sowas trotzdem, denn ausser 2 Abdrücken im Gras wäre von uns am nächsten Tag nix mehr zu sehen gewesen.

Also wieder auf die Räder und weiter in Richtung Ketzin, wo wir uns dann kurz vor Morgengrauen zu einem absolut nötigen Power-Nap ins Feld geschmissen haben - ich konnte vor Müdigkeit nicht mehr geradeaus fahren! Eine halbe Stunde hat aber genügt, um mich für den kompletten folgenden Tag fit zu machen.

Der 20.7. wurde mit vielen Ortsdurchfahrten und viel Betrieb im Berliner Umland zum stressigsten Tag der Tour und deshalb handle ich ihn am Besten schnell ab: durch Ketzin und dahinter auf wenig befahrenen Straßen dem Oder-Havel-Kanal folgend bis Brieselang, von dort durch den Wald nach Falkensee, weiter nach Falkenhagen und Schönwalde. Von da am Kanal entlang bis Hennigsdorf. Vorher gab es an diesem gut asphaltierten und ruhigen Teilstück ein Mittagsschläfchen, um wenigstens noch etwas von der durchfahrenen Nacht nachzuholen.
In Hennigsdorf wurden wir von einem Mann im "Scheuklappenmodus" auf einer STM überholt - das war auch die letzte Sichtung eines Liegerades für die komplette Tour! In Richtung Stolpe östlich über die Havel, dann links gehalten zum Wasserwerk Stolpe. Dort waren Bauarbeiten im Gange - der Radweg Berlin-Kopenhagen wurde da umgeleitet. Wir sind aber wie geplant durchgekommen, wahrscheinlich, weil wir die in großer Zahl und Widersprüchlichkeit vorhandenen Schilder ignoriert haben... Sobald man von der Hauptstraße 'runter ist, fährt es sich auf schmalen, asphaltierten Straßen doch sehr schön durch den Wald. Das Wetter machte uns schon seit einiger Zeit sorgen - da braute sich etwas zusammen. Wir hatten aber absolutes Glück - frische Pfützen und entgegenkommende Reiseradler in noch nasser Regenmontour war bis dahin alles, was wir vom Regen mitbekommen haben. Aber es wurde dann richtig schwarz und in ständiger Erwartung des Regens kamen wir im frühen Nachmittag in Oranienburg an, wo wir uns just in time vor dem einsetzenden Regen unter den Sonnenschirm eines Asia-Imbiss' flüchten konnten, das verspätete Mittagessen einnahmen und uns wieder der alltäglichen Suche nach einem Quartier widmeten.
Irgendwann war der Regen durch und klar, dass es immerhin ein Zeltplatz werden würde.
Wir sollten zum Caravan-Stellplatz kommen und von dort würde man uns weiterschicken. Gegen 17 Uhr waren wir dann am Ziel - Wassersportclub Möve - sehr schöner, kleiner Platz direkt an der Havel. Zum Zeitpunkt unsrer Ankunft war es dort allerdings noch sehr laut - viele Kinder auf dem Platz und Sportboottraining auf dem Wasser. In der Nähe war ein griechisches Restaurant, wo wir es uns erst einmal gut gehen ließen. Als wir zurück kamen, waren die Boote weg und die Kinder hatten sich müde getobt und waren plötzlich wie "ausgeknipst". Es war eine sehr ruhige Nacht, was für Zeltplätze nicht unbedingt zu erwarten ist und so habe ich wieder sehr gut geschlafen, was zum Einen an der "fehlenden" Nacht, zum Anderen sicher an den seit Luckenwalde aufgelaufenen 197 Kilometern lag...

Hier noch ein Blick von der benachbarten Brücke auf die Zeltwiese...

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Am 21. ging es gegen 9 Uhr von Oranienburg in Richtung Oder... Das Wetter war perfekt - Sonnenschein und nicht zu warm...
Wir folgten der Havel flussaufwärts nach Norden bis Liebenwalde und bogen dort nach Osten ab und fuhren auf dem ausgeschildertenden Radweg über Finowfurt und Eberswalde bis Niederfinow. Hier der Blick in Richtung Osten von der Brücke Zerpenschleuse...

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Und hier das Idyll an der Schleuse Leesenbrück (Marienwerder)...

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Hier nochmal die bepackte SPM an diesem herrlichen Fleckchen Erde, welches wir natürlich gleich für eine längere Pause nutzten...

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Der Finowkanal hat weiterhin sehr schöne Stellen - aber auch seine Tücken! Gerade an Brücken innerhalb des Stadtgebietes von Eberswalde-Finow gibt es oft Einengungen, denen sich die Einheimischen mit lautem Klingeln, aber unverminderter Geschwindigkeit nähern. Die Folgen sind ausrechenbar... mein Kollege hatte einen "Umfaller", weil er im letzten Moment den Fahrfehler eines wie wild um die Ecke geschossen kommenden (noch) älteren Herren mit Pedelec ausgleichen musste - der andere hatte gar keine Chance dazu! Wir hätten eben auch einfach laut klingeln sollen, meinte er nur...na Klasse! Einen weiteren Schreckmoment gab es, als ein entgegenkommender E-Roller-Pilot trotz Klingelns (bringt eben nix bei dicken Kopfhörern!) hinter mir unverdrossen in die Kurve schnitt - wohl in der Annahme, dass da niemend sei. Weit gefehlt - es war wohl knapp...meinte mein Kollege.
Schließlich war ich auch noch dran: Trotz lauten Klingelns und Benutzung des äussersten rechten Randes des Weges und Schrittempo meinerseits fuhr mir ein viel zu schnell entgegenkommender Junge - selbst wie ein Wilder seine Klingel bearbeitend - mit dem Vorderrad (leicht) gegen meine Rolltasche mit dem ganzen Zeltgedöns und hetzte dann, sichtlich erschrocken, einfach weiter. Der hinterherkommende Vater sagte kein Wort...das machte echt keinen Spaß. Sehr schade, weil auch diese Strecke an sich sehr schön ist.
Aber hinter Eberswalde wurde es schlagartig wieder ruhig - und blieb landschaftlich sehr schön.

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Bald saßen wir vorm Kiosk am Campingplatz in Niederfinow, allerdings war es noch viel zu früh am Tage, um dort zu zelten. Wir wollten noch ein paar km fahren. Von dort aus meldeten wir uns aber im Oderbruch-Camping Zechin an, weil der Kollege nach der Erfahrung in Klein Kreutz partout auf einen Zeltplatz wollte - ich hatte ehrlich gesagt auch die Lust am "Wild Campen" verloren... Also wurde die vorgesehene Route den Umständen angepasst und wir bogen schon in Niederfinow südlich in Richtung Falkenberg/Bad Freienwalde ab, um den Zeltplatz in Zechin noch rechtzeitig zu erreichen. Die Straße zwischen Falkenberg und Bad Freienwalde kaufte uns mit ihrem liegeradunfreundlichem Profil (wellig) und sehr viel Verkehr den Schneid ab, so dass wir in Bad Freienwalde gegen 18:30 Uhr beschlossen, doch in Ruhe beim Italiener zu Abend zu essen und den Zeltplatz in Zechin abzusagen.
Es würde also wieder eine lange Nacht ohne oder bestenfalls mit Wildcamping werden. Oder es ergab sich zufällig eine andere Möglichkeit...
Das Essen und das Bier waren gut, das Ambiente toll, die Atmosphäre sehr entspannt und freundlich, besonders als ich meine paar Brocken Italienisch hervorgekramt hatte, so dass wir erst gegen 21 Uhr wieder los kamen. Wir sind dann in Richtung Oderbruch südöstlich weitergefahren und hatten kurz vor Einsetzen der Dämmerung das Glück, eine sehr nette Dame zu treffen, die uns auf Nachfrage ihre "Ponywiese" als Zeltplatz zur Verfügung stellte. So ruhig haben wir weder vor- noch nachher im Freien übernachtet - vielen Dank nochmal! Am nächsten Morgen ließ sie uns nicht ohne einen Kaffee weiterfahren - wirklich sehr, sehr nett!

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Bis hierher waren es von Oranienburg 94 (bis auf die beschriebenen Einschränkungen) sehr geruhsame Kilometer.

Fortsetzung folgt...

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Ah - ich sehe gerade, dass Du aus Berlin kommst. Echt schöne Ecken habt Ihr da...
Überhaupt möchte ich damit ja bissl Werbung für Brandenburg als "Radlerland" machen, letztlich haben wir uns ja zu 90% in diesem Bundesland bewegt. Nächstes Jahr soll aber noch Mecklenburg-Vorpommern und vielleicht noch eine Ecke Schleswig-Holstein und Niedersachsen dazu kommen. Mal sehen, was sich so ergibt.
Die Nachtfahrten machen mit zunehmendem Alter immer weniger Spaß - ich merke von Jahr zu Jahr deutlicher, wie man das Schlafdefizit in den nächsten Tag schleppt...

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Und weiter ging's...
Gegen 9 Uhr war Start ab Ponywiese...richtig gut ausgeschlafen und mit einem unverhofften Kaffee beglückt ging es jetzt bei idealem Wetter Richtung Oder, die wir bei Sophienthal erreichten.

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Meine Meinung zum bisherigen Verlauf des Tages nach Erreichen des Oderdeichs:

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Es war aber auch ein Träumchen:

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Dann ging es herrlich entspannt und recht zügig (oft mit über 20 km/h) die Oder hinauf - der Wind schob schräg von hinten an.
In Lebus im Restaurant Oderblick nahmen wir das Mittagsmahl ein - gut und preiswert.
Danach holte uns die Realität in Form eines für uns als schiebewürdig erachteten Anstieges aus der Oderniederung zum Radweg nach Frankfurt ein - der war nach der herrlichen Natur und Ruhe an der Oder der absolute Kontrapunkt...bloß schnell vergessen! Frankfurt selbst bleibt uns auch nur als "Aldi-Kontakt" zum Auffüllen sämtlicher sich auftuender Versorgungslücken in Erinnerung. Auch dort war die Devise, so schnell wie möglich wieder aus der Stadt zu kommen. Sicher tun wir ihr damit Unrecht - aber wir waren so auf "Natur und Ruhe" kalibriert, dass wir einfach nur "weg" wollten. Das ging auch gut, denn der Oderradweg war in ständiger Reichweite und führte uns schnurstracks aus der Stadt - und in den nächsten, für uns bei diesen Temperaturen und dem Gepäck nicht fahrbaren Anstieg, der uns wieder aus dem Odertal hinaus führte. Ab Lossow dann wieder parallel zur stark befahrenen B112 nach Brieskow-Finkenheerd.

Dort allerdings beginnt ein Wegabschnitt, der zu meinen Lieblingsstrecken überhaupt zählt (könnte für meinen Geschmack auch etwas länger sein): der Weg entlang des Friedrich-Wilhelm-Kanals in Richtung Müllrose. Anfangs fährt man am Besten auf der Südseite zwischen den Häusern und dem Kanal - dort sogar auf einem separaten Asphaltstreifen zwischen der eh nicht stark befahrenen Straße und dem Wasser. Der Beschilderung folgend muss man irgendwann aufs andere Ufer wechseln, dann wieder zurück, wo man bis zur Kirche in Groß Lindow bleiben sollte - da gibt es einfach mehr zu sehen. Man kann auch fast immer auf der anderen Seite fahren, auch auf relativ neu gebauten Asphaltstreifen, wodurch man sich die kleinen Anstiege in Groß Lindow sparen kann - verpasst aber dann z.B. die Kirche. Hinter dieser kommt man wieder auf die Straße und fährt rechts hinunter und über die nächste ehemalige Schleuse (die Überfahrten sind meist ehemalige Kanalschleusen, die z.T. verfüllt wurden. Bei manchen sind noch die halb geöffneten Schleusentore zu sehen, die nun bis zum oberen Rand in der Erde stecken) und gleich nach dem Wasser wieder links.

Hier die ehemalige Schleuse in Groß Lindow:

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Dort haben wir eine Rast gemacht und den üblichen Google/Telefonmarathon begonnen, um eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Es schien wie immer aussichtslos - nur Anrufbeantworter oder die Auskunft, dass man voll belegt sei, oder das Geschäft aufgegeben habe...zum Verzweifeln. Nach zwei Stunden erfolgloser Suche fuhren wir dann in Erwartung einer weiteren durchfahrenen Nacht in Richtung Müllrose ab. Der immer noch herrliche Weg tröstete uns über die missliche Sitation hinweg.

Plötzlich klingelte mein Handy - und ich war sehr überrascht und erfreut, als sich die "Marina Schlaubetal" in Müllrose auf meine auf den AB gesprochene Anfrage wegen einer Übernachtungsmöglichkeit meldete. Da wären zwei Zimmer für uns - wir müssten nur bis 20 Uhr dort sein.
Ich war erst erschrocken - war es doch schon 19:15 und wir waren noch 10 km entfernt...und der Kollege schwächelte nach dem schnellen Teilstück an der Oder und den folgenden Schiebeeinlagen gewaltig. Viel mehr als 15 km/h auf der Geraden waren heute einfach nicht mehr drin. Es wurde letztlich eine Punktlandung. 19:55 ritten wir auf dem Gelände der Marina ein - und es war, anders als telefonisch abgesprochen, niemand da!

Doch letztlich fanden wir die entsprechenden Leute und alle waren sehr nett und hilfsbereit. Ich hatte mit "Marina" natürlich gehobene Preise und Ausstattung verbunden - aber im Stress vergessen, nach dem Preis zu fragen. Da wir aber bis dahin ja sehr glimpflich davongekommen waren, hätten wir auch einmal deutlich mehr ausgegeben. Die "Zimmer" erwiesen sich als Kabinen mit Doppelstockbett auf einem in der Marina liegenden Schiff - klein, aber fein! Und für 30€ zu haben. Für 8€ zusätzlich konnten wir gleich noch ein Frühstück buchen und - obwohl eigentlich schon alles geschlossen war - fragte man uns noch nach unseren Wünschen für den heutigen Abend, was das Bier anging. Wir bezahlten gleich noch 2 Bier pro Nase (zusammen 10 €) und gingen unsere Zimmer einräumen, bzw. die Packtaschen in die Ecke schmeissen... Als wir zurück kamen, war niemand mehr da - aber 4 Bier standen auf dem Tisch. Das nenne ich Situationskompetenz!

Hier ein paar Bilder aus der rundum empfehlenswerten Marina Schlaubetal, wo man natürlich auf Boote spezialisiert ist, aber offenbar auch ein Herz für Radfahrer hat... zuerst der schon geschlossene Gastronomie-Pavillon:

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Und hier in der Bildmitte hinten unser "Wassergrundstück für eine Nacht":

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Nach 102 km und den beiden Bieren waren wir dann auch "bettschwer" genug, um eine erholsame Nacht erwarten zu können.

Fortsetzung folgt...

LG Holger
 
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Am Morgen des 23. wurde ich gegen 5:30 wach - es wurde kühl an den Füßen, die in Richtung des offenen Fensters unter der Bettdecke hervorlugten und das Geräusch von auf Blech fallenden Regentropfen ließ mir keine Ruhe...irgendwas war doch - Mist! Die Räder! Natürlich standen die im Freien - nicht abgedeckt. Irgendwann beruhigte mich die Überzeugung, dass es eh zu spät für irgendwelchen Aktionismus sei und ich duselte nochmal weg...
Als ich mich dann entschloss, die Nachtruhe endgültig zu beenden, regnete es immer noch.

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Der Himmel sah an sich aber gar nicht so unfreundlich aus. Wahrscheinlich nur die "letzten Zuckungen", dachte ich mir und zog meine Wetter-App zu Rate. Die sagte genau das, was ich hören wollte: Nachlassen des Niederschlags in spätestens einer halben Stunde und dann für den Rest des Tages und morgen wieder Sonne satt. Das klappt ja super!

Also erstmal Duschen und dann zum Pavillon, in Ruhe frühstücken. Bei der Gelegenheit mal vorsichtig den Sitz anfühlen...
Bis ich draussen war, hatte der Regen schon eine Weile aufgehört und das Polster vom BodyLink Sitz war fast, die dicke Flux-Auflage schon komplett trocken - Teufelszeug!

Das Frühstück war sehr gut und reichlich und gut erholt und gestärkt ging es auf die nächste Etappe. Wie weit die uns führen sollte, konnten wir völlig offen lassen und uns nach Tagesform, Lust und Laune richten. Es waren nur etwa 85 bis in den Spreewald (wir sind einige Umwege gefahren, aus landschaftlichen Gründen um der Spree zu folgen und um möglichst wenige Steigungen bewältigen zu müssen), wo wir mit Sicherheit einen Zeltplatz finden würden - und wenn es einer der Wasserwander-Rastplätze wäre. Ausserdem auch nur noch etwa 220 km bis heim - und wenn wir die 110km pro Tag beibehalten würden, wären wir 2 Tage von dem als letzten Tag genehmigten 26. Zuhause. Was wir aber nicht unbedingt wollten (nicht das mit dem nach Hause kommen, sondern das mit den 110 km - nicht dass hier Missverständnisse aufkommen), denn wir waren ja im Urlaub und nicht auf der Flucht!
Also ging es gegen 11 gemütlichst los - in Richtung Neubrück, und von dort aus südlich über Beeskow nach Ranzig, wo es nach Auskunft der Kellnerin in der Marina eine Landfleischerei mit gutem Mittagstisch gab. Korrekte Info - gutes Essen, gute Preise.

Die Spree war unsere ständige Begleiterin, mal direkt neben uns, mal weiter weg, mal unter einer Brücke...

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Bei schönstem Abendlicht fuhren wir von Norden in den Wiesenspreewald ein.

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Den durchfuhren wir in Richtung Osten bis kurz vor Straupitz, wo wir wieder nach Süden abbogen und über den Nordumfluter den eiegntlichen Spreewald enterten.

Weil es so ein toller Abend war und gut lief entschlossen wir uns, die zu erwartende, nicht so kalte Nacht im ab fetschau sehr gut bekannten Terrain
durchzufahren, um dann am nächsten Tag in der Nähe des Senftenberger Sees an einem geeigneten Ort ein ausgiebiges "Nachholeschläfchen"
zu machen. Von da wären es dann nur noch reichlich 60 km bis heim - die sollten dann bis zum Abend auch schaffbar sein.

Der Spreewald war schnell durchquert und wir saßen zum Abendbrot beim Döner in Fetschau. Der Chef ist ein netter Typ und bot uns an, auf seinem Grundstück direkt am Geschäft zu zelten. Wir überlegten wieder nur kurz, bedankten uns, kauften jeder eine Cola auf Reserve - und ab.

Nachtfahrten im Sommer bei angenehmen Temperaturen haben einfach 'was. Man sieht keinen Tacho und fährt demzufolge ohne das geringste schlechte Gefühl 12er Schnitte zusammen und es ist ok. Auch Anstiege verlieren ihre Schrecken - einfach die Rohloff in den passenden Gang bringen und aufpassen, dass man nicht umkippt.

In Göritz, wo alljährlich das Festival "Wilde Möhre" stattfindet, brannte am Eingang zum Festivalgelände um Mitternacht noch Licht. Ein paar junge Leute standen da herum und waren offensichtlich bester Laune - die hatten nicht nur Alkohol intus... Da sie sehr aufgeschlossen und kommunikativ waren, nutzten wir die Gelegenheit, uns aus erster Hand über das Festival zu informieren. Was dazu führte, dass wir hereingebeten und zur Bar gebracht wurden, nachdem wir mehrfach versichern mussten, dass wir an anderen Dingen als Bier kein Interesse hatten. Die Begründung, dass wir zu alt seien, um jetzt noch sowas auszuprobieren hatte einen großen Heiterkeitsausbruch ihrerseits zur Folge - aber wir bekamen nun umgehend unser Bier! Echte Typen waren da unterwegs...

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Es liefen gerade die Vorbereitungen für das diesjährige Festival und nach getaner Arbeit sitzen dann alle bei Musik und guter Laune ums Lagerfeuer - echt schön! Hauptziel ist es, die Jugend - egal woher sie kommt - für die besonders durch den Braunkohleausstieg wirtschaftlich gebeutelte Region zu interessieren. Das gefällt mir! Das Festival ist mit 10 Festangestellten einer der größten Arbeitgeber der Region - nur, damit man sich ein Bild machen kann.

So unterhielten wir uns eine Weile und fuhren dann weiter in Richtung Senftenberg - das heisst, zuerst mussten wir den grässlichen, langgezogenen 10%er hinter Göritz hochschieben. Die Abfahrt mit stellenweise 12% war dann umso schöner...aber gefühlt natürlich viel zu kurz. Und zu schmal - lag wohl am Bier...

Gegen 4 Uhr morgens kamen wir in Senftenberg am Stadthafen an und legten uns nur mit Schlafsack und Isomatte auf die Wiese. Ich war 5:30 schon wieder wach, der Kollege schlief süß und selig noch eine Stunde länger. Währenddessen genoss und fotografierte ich die herrliche Morgenstimmung - und weichte die Haferflocken für's Frühstücksmüsli ein.

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Nachdem wir unser Müsli verspachtelt hatten, ging es an die nächstgelegene Tanke - Kaffee stand auf der Agenda vom immer noch müden Kollegen
und ich hatte ein Bedürfnis nach Süßkram und dem gewissen Schlüssel...

Um 8 ging es wieder zu See - wir merkten aber, dass wir unbedingt Schlaf brauchten. Also haben wir gesucht - und direkt am Strand in Niemtsch ein ruhiges (zumindest vorerst) Plätzchen zum Schlafen gefunden. Die Temperaturen waren ideal dafür.

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Seewärts bot sich das folgende Panorama:

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Unweit von uns badeten Familien mit Kindern und es roch nach Sonnencreme - richtiges Strandfeeling, was trotz der Geräuschkulisse einen beruhigenden Einfluss hatte. Ich habe fast drei Stunden richtig fest geschlafen und dann noch einige Zeit dahingedämmert...
 
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Der Rest ist schnell erzählt: Wir sind unsere Standard-Strecke Richtung Heimat gefahren, haben in Böhla bei Ortrand noch den Bäcker besucht und waren gegen 17 Uhr in Thiendorf. Dort hat sich der Kollege von seiner Frau mit dem Auto abholen lassen - er war wohl ziemlich fertig.
Ich bin tapfer die restliche Strecke nach Hause gefahren, musste zu allem Überfluss nach 3 Kilometern nochmal umdrehen, weil die Straße wegen eines Brandes gesperrt war. Die Feuerwehrleute hatten mir zwar freigestellt, auf der vom Feuer abgewandten Seite der Straße einen Schleichweg durch den Wald zu fahren, lachten aber alle, als ich schon nach 2 Minuten wieder zurück kam. Der Qualm war so ekelhaft, dass ich keinen Bock hatte, da vielleicht 5 oder gar 10 volle Minuten durchzufahren. Also umgedreht und nochmal nach Thiendorf zurück und in Richtung Osten nach Schönfeld und von da nach Süden. Da hab' ich aber auch Momente gehabt, wo ich gern den Film vorgespult hätte...Gegenwind der übelsten Sorte und ein, zwei gemeine Anstiege hatten mich geschafft.

Letzte Pause am Berg...

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Als ich mich meinem Dörfchen näherte, bot sich mir folgender Anblick:

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Na, wenn das keine Begrüßung ist! Hier noch mal mit SPM...

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Damit waren am 24.7. 769 Kilometer gefahren. Fazit der Tour: nächstes Jahr auf alle Fälle wieder!

Ich hätte nicht gedacht, dass 110 km täglich eigentlich recht problemlos zu schaffen sein werden. Das liegt aber auch daran, dass wir mehr Zeit auf den Rädern verbringen konnten/wollten, als aufrecht üblich. Da hatte ich nach 80 km am xten Tag meist schon keinen Bock mehr...aber das muss ich Euch ja nicht erzählen...

LG Holger
 
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Na gerne doch! Ich war ja selbst froh über jede Anregung, ob nun schriftlich oder vielleicht bei YouTube. Das hat mir ein paar "schöne Ecken" überhaupt erst auf den Schirm gebracht. Man kann ja im "Medienzeitalter" die geplante Strecke im Vorfeld quasi virtuell abfahren - Wahnsinn!

Aber selbst erlebt ist nun mal nicht zu toppen!

Wenn (hoffentlich!) im nächsten Sommer die Situation mit den Quartieren wieder besser ist, wird das in ähnlicher Form wiederholt - aber höchstwahrscheinlich auch sonst. Ich hätte nur gerne das Zeltzeug aus dem Gepäck abgewählt.
Mir schweben da so Routen mit Einbeziehung von Mittelland- oder Elbe-Lübeck-Kanal vor...

Und vielleicht baue ich bis dahin noch ein Touren-MBB...aber mit 2x28 Zoll...

LG Holger
 
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Danke für den Hinweis - ich werde im Vorfeld alle verfügbaren Quellen zur Untergrundbeschaffenheit etc. anzapfen!
Breite Reifen hatte ich ja auch, aber das 20er VR der SPM zeigte mir im Vergleich zum 2x24er Flux immer etwas eher die Grenzen auf. Das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich über einen anderen fahrbaren Untersatz für diesen Zweck nachdenke. Ansonsten hat sich die SPM wacker geschlagen.
Ich muss dann im Vorfeld eh noch abprüfen, ob ein (zumindest vorn) ungefedertes MBB auf branden- oder mecklenburgischen Pflasterstrecken der gerade bei sowas hervorragend komfortablen SPM überhaupt das Wasser reichen kann...Da wurde (ausser eben bei Sand) der Beschaffenheit des Untergrundes überhaupt keine Beachtung mehr geschenkt. Wurzelaufbrüche, unzureichend abgesenkte Bordsteine etc. - einfach drüber und gut... die Federung wird's schon richten. Das ist sehr viel wert!

LG Holger
 
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Hallo Holger,

vielen Dank für den tollen Bericht!
Ich bilde mir ein, daß das große Hinterrad auch was ausmacht und das kleine Vorderrad etwas ausgleicht - zumindest im Vergleich STM zu GHF.

Ich träume auch von einer "richtigen" Tour - über 50 km am Tag bin ich bisher noch nicht hinausgekommen ...
Da macht mir Dein Bericht Mut!

Viele Grüße,
wolf (der am WE im Löwenberger Land war, aber leider mit der Dose)
 
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Ich bilde mir ein, daß das große Hinterrad auch was ausmacht und das kleine Vorderrad etwas ausgleicht...

Da macht mir Dein Bericht Mut!

Viele Grüße,
wolf (der am WE im Löwenberger Land war, aber leider mit der Dose)
Da ist sicher was dran - kriegsentscheidend ist das aber alles nicht. Im "Ernstfall" muss man eben ein paar (hundert) Meter schieben - dabei geht auch nix kaputt. Ich bin im Vorfeld beim Liegerad eh sehr kritisch gewesen, was die Auswahl der Strecken hinsichtlich Untergrundbeschaffenheit angeht. Wenn man es auf die Spitze treibt, muss man gar keinen Sand mehr in Kauf nehmen, dafür vielleicht ein paar Steigungen oder verkehrsreichere Straßen.

Freut mich sehr, wenn mein Geschreibsel Dir etwas bringt - danke für die Rückmeldung!

LG Holger
 
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Echt schöner Bericht. Ich hätte Euch auch einen schönen Platz zum Übernachten anbieten können (zwischen Vetschau und Senftenberg ;) ). Beim nächsten Mal eventuell melden.
Grüße
Maik
 
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