Genauigkeit von Entfernungsmessungen

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Die GPS-Aufzeichnungen meines älteren Smartphones taugen nicht als Beweismittel. Da zeigt Oruxmaps schon mal ein Durchschnittstempo von 100km/h (natürlich kontinuierlich fallend) an und lässt mich in München soweit abseits der Route durch den Häuserblock fahren, das der Routenalarm (mehr als 75m Abweichung) anschlägt...
Ich skaliere meine Tachos anhand von 5 Radumdrehungen, also grob 10m auf 1cm genau macht 0,1%, da ist die Wiederholungenaugigkeit mit deutlich kleiner 10cm eher interessant, also besser 1% allemal.
 
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Lieber Aardjon,

im Zweifelsfall am genauesten: ein gut kalibrierter Radcomputer mit Messung am Hinterrad. Das Problem dabei ist, dass ein belastetes Rad einen anderen Umfang hat als ein unbelastetes, und auch der Reifendruck ziemlichen Einfluß auf den Reifenumfang hat. Noch besser wäre ein Messrad, das hinterherläuft (so machen es professionelle Tester von Motorfahrzeugen), aber das wäre ein riesiger Aufwand, den du wahrscheinlich nicht treiben willst. Ich kalibriere übrigens meinen Radcomputer mit einer Streckenmessung per GPS (spezielles Gerät, nicht Smartphone). Die Abweichungen sind dann nur noch im Promillebereich. Tourlängen, die bei der Planung (bei mir mit BRouter) anfallen, nutze ich nur zur ungefähren Beurteilung der Streckenlänge.

Gruß

Igel-Radler
 
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Hi,
Du hast ja das Rad noch relativ neu. Die Euphorie, die man besonders auf den ersten Kilometern mit dem Liegerad hat, sorgt dafür, dass man mitunter so stürmisch anfährt, dass erst ein paar hundert Meter später das Vorderrad wieder den Boden berührt. In der Zeit hat der meist vorn montierte Tacho natürlich keine Strecke zählen können. Vom Fronttriebler kenne ich das Phänomen noch genau umgekehrt: Da werden eher mehr Kilometer aufgezeichnet, wenn das Vorderrad beim Ampelsprint etliche hundert Meter weit durchdreht.
Danke Martin, das ist DIE Erklärung, ich habe den Sensor tatsächlich am Vorderrad! :LOL:
Leider erklärt sie nicht den Unterschied zwischen den beiden Routern ;)

Ich habe mal zwei GPS-Apps mitlaufen laufen lassen. Alle haben auf meiner kurzen Teststrecke (extra ohne Brücken und hohe Häuser für besten GPS-Empfang) stets die gleiche Geschwindigkeit angezeigt wie der CatEye und waren sich auch am Ende bei der Gesamtstrecke mehr oder weniger einig (Abweichung weniger als 1%). Ich denke also genau wie @RaptoRacer, dass der Fahrradcomputer richtig eingestellt ist und die gemessene Strecke halbwegs hinhaut. Zumindest mit der Computermessung bin ich jetzt also zufrieden.

Interessant ist noch der Unterschied zwischen OsmAnd und Brouter. Ich habe heute mal ein bisschen gespielt und versucht eine Beispielroute zu finden aus der nicht hervorgeht wo ich wohne ;)
Gefällestrecken und evtl. auch Abstecher in Wohngebiete scheinen tatsächlich einen Einfluss zu haben (bei 15 km Elberadweg sind sie sich einig). Hier eine ca. 5 km lange Route einmal in BRouter (5,2 km) sowie im Anhang die Track-Datei aus OsmAnd (5,7 km), falls es sich jemand näher anschauen möchte - der Unterschied beträgt ca. 500 m, also ca. 10 %. Ich habe versucht, die Wegpunkte möglichst an die gleichen Stellen zu setzen (nur per Augenmaß). Wenn ich den BRouter-Track in OsmAnd lade, werden daraus sogar 5,9 km :cool:
Zum Importieren in BRouter bin ich grade irgendwie zu blöd :(
Wir machen jetzt ein Suchspiel: Wer findet die 500m Unterschied in den Routen? :)

Ich vermute neben Kartenungenauigkeiten einen mathematischen Effekt: je mehr Wegpunkte die Software setzt, umso länger wird die durch Aufaddieren der Wegpunktabstände ermittelte Strecke. Je weniger Wegpunkte, desto kürzer. Analog zum Problem der Küstenlänge
Interessanter Artikel, danke! Leuchtet irgendwie ein, eine Kurve (im 3D-Raum, also auch Gefälle) muss ja zum Messen irgendwie in gerade Abschnitte aufgeteilt werden, woraus sich je nach Auflösung Unterschiede ergeben könnten. Die aktuelle These ist also, dass die Router vor allem am Berg leicht unterschiedlich rechnen/messen und dazu noch kleine Unterschiede z.B. durch ungenaue Wegpunktsetzung kommen. Aber ob das reicht?

(Ich weiß dass kommerzielle Kartendaten für Navigationsanwendungen die Länge einzelner Segmente ("Strecke zwischen zwei Kreuzungen") enthalten, die Routingsoftware muss da also nichts mehr selber messen oder rechnen. Ist sicherlich ein Performance-Ding, umgeht aber auch dieses Küstenlinienproblem. Gibt es diese Information auch in den OSM-Daten?)

Wenn ich das richtig verstehe, hast du erst später die gefahrene Route nachgezeichnet. Dabei könnten schon Abweichungen durch das Routing-Programm entstanden sein (vielleicht nur kleine Details, die auf den ersten Blick nicht auffallen, sich aber in der Summe zusammenläppern).

Für einen besseren Test schlage ich vor, du zeichnest einmal in BRouter eine Route, exportierst diese als GPX-Datei, lädst diese in OsmAnd mittels der Funktion "Track folgen" und fährst dann exakt diese Route nach.
Genau, ich habe die Strecke hinterher nachgezeichnet. Und ja, in OsmAnd ist es tatsächlich manchmal nicht leicht, ihn tatsächlich auf "meine" Route zu zwingen :rolleyes:
Das mit dem "Abfahren" werde ich die Tage mal probieren, am besten mit meiner Beispielroute oben!

Viele Grüße,
Aardjon
 

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Früher habe ich meine Tachos mal geeicht, äh, kalibriert, und zwar im Hardtwald nördlich von Karlsruhe: Ewig lange gerade Alleen in platter Landschaft, also keine Fehlerquellen durch Hubbel und Kurven und wegen der Länge der geraden Strecke ist der prozentuelle Einfluss von Fehlern bei der Bestimmung von Anfangs- und Endpunkt aus Karten o.ä. auch sehr gering. Und dann einfach mit Tacho gemessene Strecke mit der ermittelteten verglichen und dann den Reifenumfang entsprechend optimiert und noch mal die Strecke geradelt.
Theoretisch könnte man auch zusätzlich versuchen, mit möglicht konstanter Geschwindigkeit zu radeln und dann auch noch eine Zeitmessung zu machen, aber das wird zu ungenau. Die Uhr läuft genau genug und wenn man die Streckenmessung kalibriert hat, passt auch die Geschwindigkeit hinreichend gut.

Da ich auch bei Openstreetmap mitmache und dafür auch tracks aufzeichne und später ins Editorfenster lege, sehe ich regelmäßig, wie wackelig so'n Track ist, insbesondere wenn man abbiegt. Es mag von Gerät zu Gerät unterschiedlich sein, aber sowohl früher mein uralter GPS-Empfänger, als auch das billige Fahrradnavi aus'm LIDL (Teasi) biegen stets mehr oder weniger weit vor der realen Kreuzung ab, vermutlich weil der Empfänger a weng hinterherhinkt. Das macht die aufgezeichnete Strecke kürzer, die Schlenker durch die nicht immer gute Empfangslage machen sie wieder länger. Was davon wie rum letztlich gewinnt ...

Und das Datenmodell ist nur eine Vereinfachung de Realität. Im Datenmodell stoßen die Straßen rechtwinkli zusammen, wo im realen Leben der Radler 'ne Kurve radelt. In OSM sind die Radwege mal nur tags an der Straße, mal eigenständig eingezeichnet, jeder Wechsel zwischen den Modellen ergibt "Umwege", das abstraktere Modell kann von den Längen auch abweichen. Und wie schon erwähnt: Wenn der Router über Radwege routet, der Radler aber auf der Fahrbahn radelt o.ä. Abweichungen, die man ggfs. vor Ort gar nicht merkt: Alles bring Fehler rein.

Und zu guter Letzt: Die Koordinaten liegen als geographische Koordinanten vor, müssen zur Strckenbestimmung also umgerechnet werden in metrische Werte, das kann mehr oder weniger genau passieren und somit auch noch eine Fehlerquelle sein ...

Und der Tacho misst auch nicht immer genau. Reifenabnutzung und Luftdruck spielen ja auch mit rein zusätzlich zu den durchrutschenden Reifen beim Kavalierstart ;-) Auch können Impulse des Sensors verloren gehen oder der Sensor kann, ungünstig zum Magnet geparkt, prellen o.ä.

Kurzum: Gleiche Werte bei den Messmethoden wären ein großes Wunder!
Wem das passiert, sollte gleich einen Lottoschein ausfüllen! ;-)
 
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