Elbe-Radweg 2014

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Hallo zusammen, auf Wunsch zweier Herren hier mein Reisebericht in voller Überlänge, wem das zuviel zu lesen ist kann gern zum Fazit runter blättern :sleep:

Wer reist:
Ich mit ICE Vortex Trike (ungefedert und motorisiert, da sonst in sehr hügeligem Gelände unterwegs) halbwegs trainiert, aber noch lange nicht ganz auf Trike umgestellt da bisher immer mit dem MTB unterwegs gewesen und das Trike erst vor 8 Wochen bekommen. Gepäcktransport mit zwei Radical Bananas am Sitz.

Tochter mit Focus Jarifa MTB (motorisiert, da mein Alltagsfahrzeug), völlig untrainiert, da seit 10 Jahren nicht mehr Fahrrad gefahren und mit latenten Knieproblemen. Gepäcktransport per Gepäckträger am Sattelrohr und passender Tasche von Topeak. Maximale Zuladung 9 kg. Der Träger sitzt super fest, aber beladen überträgt er Vibrationen die das ganze Fahrrad zum singen bringen. Wir haben unterwegs mehrfach nachgespannt als sich die Gummis der Befestigung setzten und das Singen läßt nach um dann ganz zu verstummen. Man hätte ihn vorher länger einfahren sollen.

Hase, er sitzt auf der Nackenrolle vom Trike, mit Sicherheitsgurt an der Fahnenstange gesichert damit er nicht unbemerkt absteigt

Karte: ADFC Reiseführer Elberadweg Nord und Elberadweg Süd

Startpunkt: Drage an der Elbe (kurz unterhalb von Hamburg) am Pfingstmontag. Wir sind per Auto mit Hänger gebracht worden, Dienstag wird der erste Reisetag sein. Gepäck ist spartanisch und auf das absolut nötigste reduziert. Wir haben keine Quartiere gebucht, wir suchen uns etwas wenn wir keine Lust mehr haben zu fahren.
Am ersten Abend gehen wir an die Elbe und lernen das Elbeschlamm prima Plateausohlen ergibt.





Plateausohlen aus Elbeschlamm, schööööön schwer

Tag 1: Drage - Bleckede
Wir starten bei noch kühlem Wetter elbeaufwärts rechtselbisch. Der Weg ist gut asphaltiert aber alle paar hundert Meter kommt eine Schranke um Autos vom Deich fern zu halten. Die Durchfahrbreite reicht immer gerade so fürs Trike, aber ich bremse immer wieder um sicher zu sein, das ich mir nicht direkt ein Rad amputiere.

Die ersten Kilometer laufen super, 25 KM in einer Stunde, aber dann müssen wir in Lauenburg über die Elbe. Es ist erstaunlich langwierig auf die Brücke zu kommen, wenn man nicht 40 Stufen rauf klettern will . Gegen Mittag wird es immer wärmer und bald ist es wie fahren vor der offenen Ofentür, kein Baum, kein Strauch, kein Schatten.

Wir beenden den Tag nach 55 km in Bleckede, es ist entschieden zu heiß um weiter zu fahren. Wir haben ohne E-Unterstützung gute Geschwindigkeit gemacht, aber jetzt rinnt der Schweiß in Strömen. Quartiersuche ist problemlos, es ist ja in der Woche. Wir setzen mit der Fähre über die Elbe, mit uns fährt ein Defender samt voll tätowiertem Fahrer der unseren Hasen auf dem Trike sieht. Er zeigt uns seinen Mitfahrer: Ein Zebra! Nette Worte getauscht und dann sind wir auf den letzten Metern.

Tageskilometer: 55
Streckenzustand: gut
Beschilderung: meist ok, aber ohne Beschreibung im Reiseführer wäre man an einigen Stellen schwer verloren
Der Tochter schmerzt der Hintern und die Knie sind unerfreut


Tag 2: Bleckede - Unbesandten
Wir starten wieder linkselbisch, die 30 km bis Hitzacker haben wir in einer guten Stunde bewältigt, die Strecke ist ausgezeichnet. Wir sehen viele Störche und einer sitzt direkt neben uns im Acker. Während wir den Storch noch fasziniert bewundern übersehe ich fast den Storch der direkt vor uns auf dem Weg steht. Ohne beherzten Griff in beide Bremsen hätte es Storchenbraten gegeben, denn er schritt recht langsam und deutlich indigniert vom Weg. Wenig später hatten wir noch eine Ringelnatter vor den Rädern die eilig über den warmen Fahrradweg glitt. Wer tief sitzt sieht zwar Hindernisse schlechter, aber dafür Schlangen besser.

In Hitzacker setzen wir mit der winzigen Personenfähre über und wollen dann rechtselbisch weiter fahren. Im hübschen Hitzacker fängt es an zu nieseln und regnet sich dann ein. Wir fahren weitestgehend auf einem Deich auf einem schmalen Weg, teilweise Teer, teilweise Verbundsteinpflaster. Als der Regen stärker wird stellen wir uns unter eine Fichte unter, die hält uns recht trocken. Der Weg geht dann unter dem Deich weiter, wir wollen zügig nach Dömitz. 5 km vor Dömitz passiert es dann: Der linke Vorderradreifen ist schlagartig platt und der Regen wird schlimmer. Der Kojak will nicht so leicht von der Felge wie gewünscht. Der Telefonjoker rät zwei Magnum zu essen und die Stiele als Werkzeug zu nutzen. Leider ist die nächste Eisbude auch mindestens 5 km entfernt. Da fallen uns die beiden Löffel ein, die den Weg ins Gepäck gefunden hatten. Ich kann Löffel sehr als Werkzeug empfehlen und man kann im Gegensatz zum Mantelheber damit auch Joghurt löffeln wofür sie ja mitgenommen hatten. Der Mantel ist runter, der Schlauch im Griff und jetzt werden de Gesichter lang, der Schlauch hat mehr Löcher als eine Gießkanne. Acht Flicken später pfeift er noch immer gaaaanz leise, ich hoffe das ich damit die 5 km zum bereits kontaktierten Fahrradhändler komme. Zu früh gefreut. Einige Meter später ist der Schlauch wieder platt. Ich hätte den Mantel doch noch gründlicher auf Übeltäter untersuchen sollen. Wir schieben uns bis zur nächsten Bundessraße und erbetteln vor-Ort Support vom Fahrradhändler. Der nette Mensch erscheint kurze Zeit später mit einem Schlauch und einem Schwalbe Marathon, den einzigen Mantel den er in 20 Zoll zur Hand hatte. Er pickt aus dem Schlauch extrem spitze kleine Splitter, die den Mantel und den Schlauch zerlegt haben. Also Marathon montiert und anschließend zur Werkstatt geradelt um das zweite Rad neu besohlen zu lassen, ein Kojak mit einem Marathon, das ist doch ein wenig schief. Vielen Dank an den netten Fahrradhändler aus Dömitz der unseren Tag gerettet hat und uns dafür auch nicht in die Armut trieb!

Mit einem Ersatzschlauch im Gepäck geht es dann mit drei Stunden Verspätung weiter ab Dömitz auf der linken Elbeseite. Der Radweg ist schaurig und auch mit dem MTB kaum zu fahren, quadratische Betonplatten mit großen und tiefen Löchern in der Mitte, wir weichen auf die parallel laufende Landstraße aus. Wenig Verkehr und gute Oberfläche machen das Fortkommen deutlich einfacher und das ist auch sehr gut so, denn es regnet schon wieder. Wir hatten in Dömitz schon ein Quartier telefonisch gebucht und es sind nur noch wenige Kilometer. Da läuft uns Fiete mit seinem Trike vor die Räder. Das erste Trike das mir in der freien Wildbahn begegnet! Anhalten, reden, Regen ist jetzt gerade egal. Fiete quartiert sich in der gleichen Pension ein die wir erreichen als der leichte Regen in heftige Regen übergeht. Die zwei aus dem Erzgebirge die auch kurz bei unserer Plauderstunde anhielten wollen noch weiter.

Tageskilometer: 65
Strecke: Bis auf wenige Ausnahmen gut zu fahren, für die schlechten Stücke gibt es Alternativen
Beschilderung: na ja
Die Knie machen Töchterchen weiterhin Probleme


Unsere Räder warten in Hitzacker vor der Kirchentür das der Regen aufhört


Tag 3: Unbesandten - Rühstadt
Wir starten bei kühlem Wetter mit frischem Wind und bleiben bis Lenzen auf der Straße um den holperigen Elberadweg zu meiden. Ab Lenzen geht es wieder auf den Deich. Wir fahren noch eine Weile mit Fiete und seinem Trike, aber später trennen sich unsere Wege.

Es gibt keine Schranken mehr, dafür gibt es jetzt Pöller, sowohl aufrecht stehend als auch liegend oder abmontiert und nur der Befestigung noch am Boden. Wenn sie nicht stehen sind sie wirklich schlecht zu sehen und die reinen Befestigungen sind gemeingefährlich weil noch unsichtbarer, Vorsicht ist geboten wenn man das teure Gefährt nicht amputieren will. Der Weg auf dem Deich ist geteert aber sehr schmal. Die Augen entgegenkommender Radler werden größer mit abnehmender Wegbreite, man paßt nur knapp aneinander vorbei. Es rollt sehr gut bis Bälow, dort kürzen wir über die Landstraße nach Rühstädt ab, denn der Elberadweg soll ab Bälow wieder schlechtes Pflaster haben. Die Landstraße ist erstmal ok da nicht viel befahren, aber dann kommt das Straßenequivalent zum Plattenbau. Was für ein Geholper über 10 Kilometer!

In Rühstädt angekommen – das Storchenreichste Dorf Deutschlands – gehen wir spazieren und bewundern die diversen Bauten die die Störche dort auf die Dächer gesetzt haben, einige Nester sind bereits mehrere Etagen hoch. Im Gasthof gibt es Storchen TV genau wie beim Nabu der ebenfalls eine Kamera auf das Nest auf dem Dach ihres Gebäudes gerichtet hat. Wir überlegen ob wir weiter fahren sollen. Wenn wir weiter fahren, müssen wir mindestens noch 30 km fahren denn vor uns gibt es fest keine Quartiere bis Havelberg. Wir entscheiden uns zu bleiben und den Tag nach 62 km zu beenden. Der Gasthof Storchenkrug liegt direkt am Schloßteich und ist bewohnt von geschwätzigen Kröten die sich lebhaft und lautstark unterhalten. Wir sitzen in der Sonne und genießen eins der besten Essen der ganzen Reise. Unsere Fahrräder übernachten wie die wilden Tiere in einem abgeschlossenen Käfig hinter dem Hotel.

Tageskilometer: 62
Strecke: Durchwachsen, auf dem offiziellen Weg soll es deutlich schlimmer sein
Beschilderung: ok
Töchterchens Knie machen weiterhin Probleme, aber es wird besser und wenn wir das Tempo und de Streckenlänge moderat halten ist es machbar

 
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Tag 4: Rühstädt - Jerichow
Weiter geht es jetzt wieder auf dem Elberadweg Richtung Havelberg. Der Wind weht ganz ordentlich und kommt für die ersten Kilometer auf dem Deich von der Seite. Wir rollen zügig bis zur Wehrgruppe Quizöbel. Hier kommen wir hinter dem Wehr auf eine Insel zwischen Elbe und Havel. Hier wechselt der Straßenbelag auf Betonstreifen mit Grünstreifen in der Mitte für die nächsten 10 km. Ein Betonstreifen ist ungefähr 10 cm breiter als mein Trike. Also locker aber sehr präzise lenken wenn man zügig vorankommen will. Wir treffen einen Radler mit einem Faltrad der das Trike gern fotografieren möchte und uns genau sagen kann wie die Wegbeschaffenheit linkseblisch ist, da wollen wir fahren denn die rechte Elbeseite soll über diverse Kilometer sehr schlecht sein. Nach einer netten Unterhaltung radeln wir weiter nach Havelberg.
Es geht den Berg hinauf, denn wir wollen den Dom besuchen. Vor dem Dom gesellt sich eine Katze zu uns die sich über jede Aufmerksamkeit freut. Der Dom ist wunderschön und in seiner Schlichtheit sehr beeindruckend, unbedingt einen Besuch wert. Wir zünden eine Kerze an für eine sichere Fahrt in den kommenden Tagen. Als wir wieder raus kommen treffen wir zwei Radlerinnen die aus der Gegenrichtung kommen und die rechte Elbeseite genommen haben. Sie bestätigen die schlechte Wegequalität auf der Seite und wir sind bestärkt die linke Seite zu nehmen. Als wir gerade starten wollen frischt der Wind zum Sturm auf und es regnet waagerecht. Wir stellen die Räder hurtig in eine windgeschützte Ecke der Dommauer und flüchten zum Italiener. Nach einer Stunde ist es wieder trocken, aber der Wind fegt uns kalt um die Ohren. Also Jacken an und weiter.

Wir fahren die nächsten 20 km auf einem gut ausgebauten Radweg der parallel zur viel befahrenen Bundesstraße 107. Die Sonne kehrt zurück, die Jacken werden wieder weg gepackt und wir entdecken auf den kommenden Kilometern ein neues wiederkehrendes Hindernis: Fichtenzapfen. Diese werden vom Sturm von den Bäumen gefegt und liegen in großen Mengen auf dem Radweg. Drüber fahren rumpelt ganz schön, aber drum herum fahren fast unmöglich. Das reduziert die Geschwindigkeit und erhöht die Aufmerksamkeit. Praktisch wäre ein Besen am Tretlagerausleger zum Fegen der Fahrspur.

In Klietz verlieren wir den straßenbegleitenden Radweg, denn die Elberadweg Schilder weisen uns auf einen anderen Weg, dieser führt uns aber in einem Bogen aus unserer Karte raus. Wir sind zwar froh die Bundesstraße los zu sein und die Landschaft ist auch sehr schön, aber wir haben keine genaue Idee mehr wo wir uns aktuell befinden. Der Wind frischt weiter munter auf, wir haben jetzt in Böen bis zu 8 Windstärken. In einem winzigen Ort sind wir dann ratlos. Ein Einheimischer der uns gerade überholt hatte bietet Hilfe an. Wir möchten zurück zur Hauptstrecke, nach Schönhausen. Es gibt auch eine Querverbindung, nur da ist die Brücke seit dem letzten Hochwasser noch nicht wieder aufgebaut. Er hat aber auch eine gute Nachricht, die Dorfbewohner haben sich selbst eine Holzbrücke gebaut die wir benutzen können. Also biegen wir ab, direkt in den Wind der jetzt direkt von vorn kommt. Nach einem Kilometer stehen wir vor einem Erdwall der Unvorsichtige daran hindern soll direkt in das Flüßchen zu fahren. 20 Meter rechts - nach eine kleinen Geländeeinlage auf einem Trampelpfad – finden wir die angekündigte Brücke. Ein schönes und stabiles Bauwerk, breit genug für ein Trike. Danke, das rettet uns! Also wieder zurück auf das schmale Asphaltband und weiter gegen den Wind. Nach 3 Kilometern verbreitert sich die Straße auf 2 volle Spuren, mit Mittelstreifen und dann kommt eine kapitale Brücke sogar mit Fußgängerweg! Die Brücke führt über eine neue Bundesbahntrasse und wirkt für die kleine Straße total überdimensioniert. Nach weiteren hundert Metern ist es dann wieder die schmale kleine Straße und die Brücke taufen wir die verlorene Brücke denn aktuell ist die Straße ja eine Sackgasse im Nirgendwo. Wir erreichen Schönhausen und es stürmt so sehr, das ich das auch auf dem Trike deutlich spüre und die Fahne laut knattert. Hier machen wir Pause und telefonieren um ein Quartier zu bekommen. Wir sind schnell erfolgreich und nehmen die letzten Kilometer unter die Räder, wieder parallel zur Straße. Die letzten Kilometer geht es wieder auf den Deich mit schlechtem Weg und Töchterchen wird vom Wind fast vom Deich geweht, sie entscheidet sich streckenweise für schieben. Unser Quartier ist nicht in Jerichow wie erwartet sondern befindet sich in einem kleinen Örtchen für das wir dann doch mal die Smartphone Navigation brauchen. Unsere Fahrräder übernachten auf Teppich in der Scheune, wir bekommen das Jugendzimmer, das sich als zwei Zimmer herausstellt und dazu noch ein Bad. Das Haus zeigt die Sammelleidenschaft der Besitzerin, es ist eine wahre Schatztruhe. Wir sitzen wunderbar im Innenhof und nehmen noch ein Bad im kleinen Schwimmbad nachdem Töchterchen die Eier für das Frühstück bei den Hühnern eingesammelt hat.

Ein per großer Karosse reisendes Paar auf Kirchentour im Osten erzählte uns das sie die Ostdeutschen teilweise recht unfreundlich fänden. Das konnten wir nicht bestätigen, wir hatten nur nette Kontakte und immer wieder war uns ungefragt Hilfe angeboten worden. Wir wurden überall freundlich aufgenommen.

Tageskilometer: 70
Strecke: im zweiten Teil des Tages viel Straßenbegleitend und wenig idyllisch
Beschilderung: Au weia! Wer da nicht mitdenkt landet sicherlich nicht da wo er hin will
Töchterchens Knie werden schleichend besser
Heute hat Töchterchen erstmals reichlich E-Unterstützung gebraucht, da sie im Gegenwind das Gefühl hatte gegen eine Wand zu fahren

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Havelberg

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Brücke und Trike im Nirgendwo

Tag 5: Jerichow - Biederitz
Dies wird der Tag aus der Hölle, aber das wissen wir glücklicherweise noch nicht als wir losfahren. Es geht erst einmal weiter über Landstraßen, der Himmel hat die Farbe von Blei. Unseren ersten Regen des Tages verbringen wir unter einer Linde in einem tot wirkenden Dorf. Den nächsten Schauer verbringen wir in einer Bushaltestelle zwei Dörfer weiter. Wir überqueren den Elbe-Havel Kanal dreimal und kommen mit dem dritten Schauer in Burg an. Hier wollten wir eigentlich essen, aber Burg hat uns deprimiert. Es gibt durchaus sehr schön renovierte Häuser aber dazwischen sind viele ungepflegte bis baufällige Häuser mit und ohne Verkaufschilder und leere Grundstücke. Es wirkt alles etwas hoffnungslos und auch die Bewohner – sofern wir sie denn sehen – wirken etwas trostlos. Vielleicht liegt dieser Eindruck auch an unserer feuchten Stimmung. Daher verlassen wir Burg zügig um in Niegripp den offiziellen Radweg wieder zu finden.

An der Niegripper Schleuse treffen wir die beiden Ergebirgler wieder die uns schon begegneten als wir Fiete trafen. Wir machten einige Fotos von der Schleusung eines Binnenfrachters und folgten dann den Schildern statt dem Reiseführer zu folgen. Der Reiseführer hätte uns zwar durch eine Baustelle geführt, aber die kurze Strecke hätte man schieben können. Die Schilder führen uns auf einen mäßigen Schotterweg der entgegengesetzt zu unserer Richtung führt. Zu viert diskutieren wir noch ob wir wieder umkehren als der Himmel schwarz wird, richtig schwarz! Als wir die Jacken ausgepackt hatten waren wir schon durchgeweicht. Wir flüchten unter eine Brücke des Elbe-Havel Kanals – ja wir begegneten ihm zum vierten mal an diesem Tag – dort standen wir tropfnass im immer noch sehr frischen und jetzt auch noch sehr kalten Wind. Wir nutzen also die Zeit zur Quartiersuche. Die Tatsache das wir uns 20 km vor Magdeburg befanden und es Sonnabend war machte dies verblüffend schwierig denn überall war ausgebucht wegen diverser Feiern. Nach einer Stunde hoffnungsfrohen Telefonierens waren unsere Gesichter lang, aber dann ergatterten wir das letzte freie Zimmer im Umkreis von 15 km das auch nur frei ist weil jemand abgesagt hat. Die Erzgebirgler wollten sich in Magdeburg etwas suchen wenn sie da sind, zur Not hätten sie ja auch noch ein Zelt. Sie wollten von Magdeburg mit dem Zug nach Hause fahren, ihre Reise war zu Ende.

Als es nach eineinhalb Stunden endlich aufhört zu regnen fahren wir zügig los und bei flotter Bewegung waren wir innerhalb von 20 Minuten auch trocken. Wir fahren am Mittellandkanal Richtung Elbe und wollen uns auf jeden Fall das Wasserstraßenkreuz anschauen wo der Mittellandkanal im Trog die Elbe kreuzt. Das ist schon eine beeindruckende Konstruktion, man könnte sogar mit dem Rad über die Brücke fahren, aber da wir schon so viel Zeit verloren haben können wir leider das Schiffshebewerk auf der anderen Seite der Elbe nicht mehr anschauen.

Wir radeln wieder direkt an der Elbe und treffen sehr schnell wieder auf eine Sperrung, da der Weg direkt an der Elbe noch Hochwasserschäden hat. Die Umleitung ist ein schmaler, ausgewaschener und nach dem Regen matschiger Weg der über einen steilen Hügel führt. Mit dem Trike nur mit Motor zu fahren und in Tieflage, denn das Hinterrad läuft in der ausgewaschenen Rinne. Gegenverkehr war keine Option, insbesondere bergab. Rechts von uns geht es steil bergab und der Abhang ist mit einem provisorischen Holzgeländer gesichert. Der Gegenverkehr macht freundlich Platz und wir schlittern bergab. Töchterchen ist heilfroh nach 2 km wieder auf dem Teerweg anzukommen. Wir radeln auf gutem Weg durch den Herrenkrogpark kurz vor Magdeburg. An unserem Abzweig nach Biederitz zu unserem Quartier ist der Radweg wieder gesperrt und wir sind froh nicht noch einer Umleitung folgen zu müssen. Wir laufen in unserem Quartier ein als es gerade wieder anfängt zu regnen. Da das Haus auch drei Feiern auszurichten hat ist nicht daran zu denken dort etwas zu essen zu bekommen. Also suchen wir die nahegelegene Dönerbude auf und essen den furchtbarsten Döner zwischen Magdeburg und Timbuktu. Zurück im Hotel versuchen wir das gräßliche Essen mit Alkohol zu zersetzen, den wir dem jetzt weniger beschäftigen Kellner abnötigen können. Zu uns gesellen sich noch einige Teilnehmer einer der Feiern und wir haben einen sehr lustigen und langen Abend mit Emil der Abrißbirne und seinen Freunden.
Tageskilometer: 70
Beschilderung: kreativ
Streckenqualität: Außer den Umleitungsstrecken ok

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Wasserstraßenkreuz Magdeburg
 
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Tag 6: Biederitz – Sörnewitz/Meissen
Wir starten am nächsten Morgen noch etwas geknautscht von dem vergangenen Tag und dem Alkohol mit dem wir den Tag hübscher getrunken hatten. Wir erreichen nach wenigen Kilometern Magdeburg und fahren in die Innenstadt. Alles hübsch renoviert auch die alten Plattenbauten, aber auch irgendwie ohne Charme. Da setzt auch noch der Motor vom Trike aus was mir nur auffiel weil ich über eine vielbefahrene Straße sehr zügig rüber kommen wollte. Großes Kino, keine offensichtliche Ursache zu sehen. Wir setzen uns in ein Cafe um etwas zu trinken um die weitere Etappe zu planen, aber wir haben einen echten Hänger, es kommt keine Begeisterung auf. Töchterchen daddelt auf ihrem Telefon, ich studiere die Karte und google was an der Strecke liegt und zeitgleich kommen wir auf die Idee einfach ein Stück mit dem Zug abzukürzen, sie hatte schon einen Zug rausgesucht. Kurz entschlossen machen wir uns auf zum Bahnhof. Während der Fahrt sehe ich vorn am Tretlager ein Kabel runter hängen, das war der Tretsensor! Also schnell die Pflaster aus dem Rucksack gekramt und den Tretsensor verpflastert, das sah zwar etwas seltsam aus, aber alles funktioniert wieder einwandfrei.

Am Bahnhof treffen wir die Erzgebirgler wieder die uns erzählen, das sie am Vorabend noch zwei Stunden im strömenden Regen ein Zimmer gesucht haben. Wir kaufen schnell eine Fahrkarte und machen uns mit Ihnen auf zum Bahnsteig, bis Leipzig haben wir eine gemeinsame Strecke, wir steigen dort nach Dresden um. In den ersten Fahrstuhl paßt der Hexenbesen genau rein, der zweite ist allerdings entschieden zu klein, aber ihn die Treppen hoch zu tragen ist zu zweit kinderleicht, auch mit Gepäck am Sitz. Zu unserer Gruppe gesellt sich noch ein junges Paar mit zwei Fahrrädern, zwei großen Anhängern und zwei sehr kleinen Kindern. Als der verblüffend kurze Zug einfährt schaffen wir es gemeinsam alle Fahrräder und Anhänger unter zu bringen, nur der Besen steht quer im Eingang. Als der Schaffner kommt zeigt der sich unbeeindruckt von den unorthodox abgestellten Rädern und informiert uns noch, das unser Anschlußzug nach Dresden eine „Hamsterbacke“ sei, ein Zug mit sehr wenig Fahrradplätzen (6 pro Wagen) den die Gemeinden gern kaufen weil er preiswert ist. Das verblüfft uns ungemein denn viele Radler fahren am Ende Ihrer Elbereise mit dem Zug nach Hause und genau das wird doch auch intensiv beworben! In Leipig haben die Familie und wir nur 9 Minuten Zeit zum Umsteigen, also fassen alle mit an um Kinder, Hänger und Räder aus- und umzuladen. Wir schaffen es tatsächlich in den anderen Zug und wie angekündigt ist der Fahrradplatz sehr überschaubar und dort steht bereits ein Fahrrad mit Satteltaschen in der Größe von Bierkästen. Der Fahrer informiert uns das er diese nicht abnehmen könnte weil er den Schlüssel dazu nicht mitgenommen hätte, ah ja, klar. So nahm er den Platz ziemlich allein ein und der Hexenbesen stand wieder quer im Zug zwischen den Türen. Als der Schaffner kommt zeigt der sich völlig unbeeindruckt und steigt einfach über das Trike um durchzukommen. Unterwegs kommen noch mehr Fahrräder dazu und es wird richtig eng, aber auch das bringt keinen aus der Ruhe. Wenn jemand aussteigen will hebt einer der vier Radler die sich zu uns gedrängt haben zwei Räder mit einer Hand hoch wie Popeye und Aussteigende quetschen sich durch.

Wir verlassen den Zug in Coswig, unser Quartier hatten wir bereits vom Zug aus gebucht. Also zurück auf den Radweg in Richtung Meissen, ausnahmsweise elbabwärts. Die Landschaft ist hier bereits hügelig und erinnert an das Weserbergland. Der Radweg ist schön asphaltiert aber auch hier hat sich der fürsorgliche Verkehrsplaner eine neue Schikane einfallen lassen. Alle paar hundert Meter wird der Teer durch 10 bis 100 Meter Kopfsteinpflaster unterbrochen, immer da wo ein Weg auf den Radweg mündet. Das fördert Sprinterqualitäten, denn ich bremse immer auf 10 km/h runter um vorsichtig über die Kopfsteine zu fahren während Töchterchen drüber brettert, also sofort wieder hart beschleunigen um aufzuholen.

Wir erreichen unser Quartier kurz vor Meissen. Als wir beim Abendessen sitzen sehen wir wie eine Frau versucht ein ausgerissenes kleines Kamerunschaf zu fangen und wieder zu seiner Herde auf einer eingezäunten Wiese zu befördern. Da das allein fast unmöglich ist, gehen wir helfen. Wir kreisen das Schaf ein und nachdem es uns noch einmal durch die Beine geschlüpft ist klappt der Zugriff im dritten Anlauf. Beherzt zugreifen und mit Schwung über den Zaun geworfen. Anschließend rochen die Hände wie Harzer Roller und eine Dusche war fällig, auf der Terrasse des Hotels bekamen wir Applaus für den Einsatz.

Tageskilometer: 17 mit dem Rad, 200 mit der Bahn
Ausschilderung: Keine Idee, wir hatten uns dem Einfluß der Radwegplaner geschickt entzogen

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Der Hexenbesen im Zug

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Dieses Trike stand vor dem Bahnhof Coswig und hatte auch ein Tier an Bord, aber das lebte

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Meissen

Tag 7: Sörnewitz/Meissen - Dresden
Wir starten bei wunderbarem Wetter nach Meissen um uns die Porzellan Manufaktur anzusehen. Von der Eisenbahnbrücke über die Elbe haben wir einen tollen Ausblick auf Meissen. Die Stadt gefällt uns gut und wir radeln zur Porzellanmanufaktur. Wir buchen eine Besichtigung und werden im Verlauf einer Stunde in der Schauwerkstatt in die Geheimnisse der Porzellanherstellung eingewiesen. Wir besichtigen auch das dazugehörige Museum und haben einen sehr spannenden Vormittag verbracht. Ein zerbrechliches Mitbringsel einzupacken verhindern die prohibitiven Preise. Wir radeln wieder Richtung Dresden und genießen erneut die Kopfsteinpflasterintervalle. Der Radweg wird jetzt deutlich voller. Wieder kommt eine Umleitung die uns zeitweise durch die Stadt führt und wir halten an einer kleinen Autowerkstatt weil Töchterchen meint, die hätten sicherlich eine bessere Befestigung für den Tretsensor als unser Pflaster. Der Mechaniker bringt ruckzuck einen Kabelbinder und gibt mir noch einen in Reserve mit, auch diese Hilfe wurde gern und kostenfrei gegeben. Haben wir in Storchenland am Anfang unserer Reise nur vereinzelt Radfahrer getroffen, ist der Weg jetzt dicht bevölkert. Wir erreichen Dresden nach 30 km und setzen uns in ein Strandcafe an der Elbe und suchen ein Quartier. Unzählige Räder kommen vorbei, jede Menge Fixies, aber kein Liegeradler. Ein preiswertes Quartier ist schnell gefunden und wir starten in die Innenstadt um die Elbe zu überqueren. Auf der anderen Elbeseite radeln wir zurück zu unserem Quartier das am Hafen liegt. Hier übernachten unsere Räder in einem Überseecontainer und wir wandern zu Fuß wieder in die Innenstadt, der Dresdner Verkehr ist für ortsunkundige Radler doch anstrengend.

Wir verbringen einen schönen Abend in der Altstadt und werden von zwei netten Security Leuten sogar noch kurz in das bereits geschlossene Dresdner Schloß eingelassen um uns den Innenhof anzusehen. Nur dem ersten Spiel der Deutschen in der WM entkommen wir nicht, das läuft einfach überall. Auf dem Rückweg radeln dann doch noch zwei Liegeradler an uns vorbei, einer schwebt auf einem Highracer elegant über das Kopfsteinpflaster.

Streckenkilometer: 35 mit dem Rad, 10 gelaufen
Streckenqualität: bis auf das wiederkehrende Kopfsteinpflaster sehr gut
Streckenbeschilderung: gut
Töchterchens Knie haben sich über die beiden kurzen Tage sehr gefreut

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Tag 8: Dresden - Rathen
Am nächsten Morgen besichtigen wir die Porzellansammlung im Zwinger und entkommen dann den Menschenmassen die den Zwinger bevölkern. Es geht zurück auf den Radweg auf der rechtselbischen Seite. Hier reihen sich die Vororte von Dresden wie Perlen an der Elbe auf. Es fährt sich schön und es gibt sehr viel zu sehen: Schlösser, Weinberge; Villen, auf keinen Fall sollte man hier Kilometer fressen. Auch sehen wir die ersten Raddampfer der Sächsischen Dampfschifffahrtsgesellschaft die von Dresden aus die Elbe befahren.

Das Elbtal wird immer schmaler und der Weg geht jetzt über ganz schmale Straßen die die an den Talwänden klebenden Häuser an die Zivilisation anbinden. Jetzt hat der Weg zum ersten Mal auch Steigungen und Abfahrten, auf einer solchen Abfahrt kollidiere ich fast frontal mit einem entgegenkommenden Postauto denn wir sind beide schnell und es gibt keine Möglichkeit aneinander vorbei zu kommen. Etwas freundliches Rangieren aller Fahrzeuge löst die Situation.
Der Sandstein wird immer höher und immer steiler und kurz vor Rathen sehen wir dann die Bastei, den berühmtesten Ausichtspunkt in der sächsischen Schweiz. Wir laufen in Rathen ein und sind überrascht wie voll der kleine Ort ist und sind etwas bange noch unter zu kommen. Wir suchen eine Unterkunft die wir auch mit dem Fahrrad erreichen können, viele Pensionen kleben an den steilen Wänden und sind nur über Treppen erreichbar. Auch hier werden wir wieder von hilfsbereiten Einheimischen angesprochen die uns einen Tip geben der auch zum Erfolg führt. Wir beziehen eine kleine Ferienwohnung für die letzten 2 Nächte.

Tageskilometer: 35
Streckenqualität: Gut
Beschilderung: gut, aber man kann in einem schmalen Tal auch nicht verloren gehen

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Tag 9:
Heute wird gewandert, wir wollen auf die Bastei und die Elbe von oben betrachten. Zusammen mit einigen hundert anderer Wanderer – ja es ist richtig voll hier – machen wir uns auf den Weg. Es sollen 486 Stufen sein und zum Glück ist es meistens schattig, denn es wird schon recht warm in der Sonne. Die Ausblicke von den verschiedenen Punkten ist beeindruckend, aber wir wollen dann doch wieder runter, es wird unerträglich voll. Am Nachmittag fahren wir mit einem Raddampfer nach Bad Schandau. Der Dampfer ist über 100 Jahre alt und man kann der Dampfmaschine bei der Arbeit zusehen. Es lohnt sich die Landschaft von der Mitte Der Elbe zu betrachten denn man sieht viel mehr.

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt unterwegs abzukürzen um hier noch anzukommen, es ist wirklich schön in der sächsischen Schweiz und ein toller Kontrast zum topfebenen Storchenland am Anfang unserer Reise.

Mit diesem Ausflug geht unsere Reise zu Ende. Abends trifft unser Abholkommando ein und am nächsten morgen fahren wir ein letztes mal Fähre über die Elbe und die letzten Meter zum Auto.

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Hase war auch mit klettern :)

Fazit dieser Reise:
Die Menschen die den Elberadweg aufwendig bewerben haben offensichtlich diesen noch nie ernsthaft befahren. Sicherlich ist es Aufgabe der einzelnen Bundesländer diesen Weg in einen gut befahrbaren Zustand zu versetzen bzw. zu halten, aber wenn man den Weg in seiner Gesamtheit bewirbt dann sollten auch alle zusammen daran arbeiten ihn zu einer positiven Erfahrung zu machen. Natürlich wird viel daran gearbeitet, insbesondere zur Behebung der Hochwasserschäden, aber man merkt die Unterschiede zwischen den Bundesländern und Fähigkeiten oder das Fehlen derselben bei den diversen Planern. Die Beschilderung ist uneinheitlich und ab und an nicht wirklich hilfreich – erst nach einigen hundert Kilometern elbeaufwärts taucht das Elberadkennzeichen, das blaue „e“, überhaupt auf und die Wegqualität ist sehr wechselhaft. Es gibt traumhafte Streckenabschnitte und Albtraumhafte und leider sind die nicht selten. Die Landschaft ist abwechslungsreich und es lohnt sich den Weg zu fahren, aber aktuell hat er noch Schwächen. Mit einem MTB ist er durchgängig befahrbar, auch wenn einige wenige Streckenstücke auch damit unschön sind; mit einem Rennrad, ein- oder mehrspurig, ist es auf den schlechten Streckenstücken grenzwertig bis unmöglich, hier muß man auf Straßen ausweichen.

Wir trafen entlang der von uns befahrenen Streckenteile viele nette und hilfsbereite Menschen, wir haben viel gelacht und uns über nette Gespräche gefreut. Wir haben viele Störche gesehen aber auch viele andere Tiere. Es gab schöne und weniger schöne Orte und unser Empfinden über einen Ort war sicherlich auch von der aktuellen Seelenlage geprägt, auch haben wir so manches Interessantes links liegen lassen, aber das können wir beim nächsten mal nachholen denn sicherlich waren wir dort nicht zum letzten mal. Das Wetter bot alles außer Schnee und sorgte für Abwechslung. Wir kamen mit ganz wenig Gepäck aus und haben nichts vermißt.

Das Cruisen auf den langen gut ausgebauten Deichstrecken war der pure Genuß, beschleunigen auf Wohlfühlgeschwindigkeit und dann rollen lassen, einfach nur treten und den Ausblick genießen. Man läuft dann zwar Gefahr auch mal vor lauter Begeisterung einen Storch zu überfahren, aber allzu viele suizidale Störche wird es nicht geben, sie haben ja eher wenig Chance Ihre Gene zu vererben. Da der Weg bis Magdeburg wenig befahren ist kann man auch schnell unterwegs sein wenn man möchte. Richtung Sächsische Schweiz wird es dann aber recht voll.

Man kann fast überall für ca. 30 bis 35 Euro pro Nase übernachten und unsere Quartiere waren von ok in Dresden (da müßte man dann doch schon etwas mehr ausgeben) bis richtig toll! Wir hatten sehr nette Gastgeber und haben auch immer gut gegessen, teilweise sogar ausgezeichnet. Wir kamen sehr gut ohne Vorbuchen klar und sind immer genau so weit gefahren wie wir Lust hatten und wenn wir etwas anschauen wollten, dann fuhren wir halt weniger. Ich hätte weiter fahren können und auch schneller, aber für Töchterchen war es so genau richtig und wir waren ja auch nicht auf der Flucht.

Unsere Räder haben sich gut geschlagen und auch den singende Gepäckträger haben wir unterwegs verstummen lassen. Das Trike ist mir sehr als Herz gewachsen und ich habe mich jeden morgen gefreut wieder einzusteigen. E-Unterstützung ist an der Elbe überflüssig, aber im Sturm hat Töchterchen sich sehr darüber gefreut. Ich hatte Freude an der kurzfristigen Unterstützung bei den steilen und zahlreichen Deichauffahrten und dem was die dort Bordsteinabsenkungen nennen.

Die ADFC Reiseführer in der Auflage von 2014 sind eine gute Hilfe und geben dem Reisenden eine Vorstellung welche Wegqualität kommen wird und wo man wie abbiegen muß, das ist deutlich präziser als die Beschilderung. Sie konnten auch mal feucht werden ohne dabei zu Pappmaschee zu verkleben. Smartphone Navigation ist nur dann notwendig wenn man eine genaue Adresse sucht, das Nachtquartier zum Beispiel. Durch nichts zu ersetzen sind aber Gespräche mit anderen Radlern, wir haben immer gern den Gegenverkehr angesprochen und wertvolle Tips bekommen.

So mancher Radler der uns entgegen kam sah verblüffend spaßbefreit aus, für die schien eine Radtour eine sehr ernsthafte und/oder anstrengende Sache zu sein. Wir verlorenen das Lächeln nur wenn es uns aus dem Gesicht geblasen oder gewaschen wurde und auch dann nur temporär. Genau diese Radler waren es dann auch die, als wir im Regen flicken mußten, wortlos vorbei radelten. Das hat mich schon verwundert. Fiete unser Triker wäre garantiert stehen geblieben und hätte Hilfe angeboten und Radler wie er und auch unsere Erzgebirgler machen mit ihrer Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft Radreisen zu einem tollen Erlebnis.

Ich hoffe ich habe Euch nicht zu sehr gelangweilt.... wer Fragen hat zu Details, immer gern.
 
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Schöner Bericht. Eventuell wollte ich den Weg in der anderen Richtung mit den Kindern fahren in den Sommer- oder Herbstferien.
2010 bin ich die Strecke von etwas südlich Dresden bis HH mit dem Paddelboot gefahren, das war auch sehr schön.
 
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Die Chance auf Rückenwind ist größer wenn Du Elbeaufwärts fährst (y)
 
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Schöner Bericht, vielen Dank dafür.
Ich kann es nur bestätigen, der Elberadweg ist eher was für Reifen mit >40 mm und <2 Bar. Natürlich nur Abschnittsweise, aber diese Abschnitte trüben sehr das Gesamtbild.

Hättet ihr vorher Bescheid gesagt, hätte ich euch ein bisschen durch Dresden und Umgebung lotsen können ;-)
Das gilt übrigens auch für alle anderen, die hier irgendwann mal vorbeikommen (@hank1970 )

Viele Grüße,
der hering
 
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Schöner Bericht, vielen Dank dafür.
Ich kann es nur bestätigen, der Elberadweg ist eher was für Reifen mit >40 mm und <2 Bar. Natürlich nur Abschnittsweise, aber diese Abschnitte trüben sehr das Gesamtbild.

Hättet ihr vorher Bescheid gesagt, hätte ich euch ein bisschen durch Dresden und Umgebung lotsen können ;-)
Das gilt übrigens auch für alle anderen, die hier irgendwann mal vorbeikommen (@hank1970 )

Viele Grüße,
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Hering, darauf komme ich auf jeden Fall zurück wenn ich das nächste mal in der Ecke bin :D
 
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2010 bin ich die Strecke von etwas südlich Dresden bis HH mit dem Paddelboot gefahren, das war auch sehr schön.
Da fällt mir wieder ein, unterwegs sahen wir einen Canadier auf def Elbe, darin 2 Menschen mit Paddeln und zwei Falträder mitten dazwischen. Da dachte ich nur, wenn die mal kentern! Soooo klein waren die Falträder nicht und hatten auch einen ungünstigen Schwerpunkt....die Räder sinken garantiert wie Steine. Gut, die Elbe ist nicht tief, aber die lassen sich bestimmt nicht besonders gut wieder heben (n) Und wenn dann sind sie 20 kg schwerer vom Elbschlamm :whistle:
 
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Weltradler

Hallo blackadder,

schönen Gruß von dem Liegeradfahrer, den Ihr bei Lenzen auf dem Deich nach der Wegbeschaffenheit gefragt habt.
Vielen Dank für den Tipp Richtung Dömitz auf die Landstraße auszuweichen und für den "Klönschnack". :)
Auf dem Rückweg habe ich den Weg auf dem Deich dann interessehalber doch mal ausprobiert = teilweise eine echte Katastrophe! Gelochte Betonplatten...o_O

Schön von Eurer weiteren Reise zu lesen.

Allzeit gute Fahrt! (y)

Gruß Sven
 
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Hi Sven, waren die Betonplatten nicht faszinierend? Wer das als Radweg deklariert hat konnte doch wirklich nicht bei Trost gewesen sein oder hat sein Büro nie verlassen.

....und herzlich willkommen im Forum (y) schreib doch mal wo du überall warst. Du stehst übrigens im Gesichtet Thread Seite 146, da habe ich die wenigen Lieger eingetragen die wir gesehen haben. Du warst also schon vor Deinem ersten Beitrag im Forum. Wie hast du uns im Bericht wiedererkannt? Der Hase?
 
Zuletzt bearbeitet:
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Weltradler

Danke schön. :)
Da hast Du sowas von Recht!!! "Radweg" - PAH!
Ich habe mich jetzt mal ein bisschen mit den Threads beschäftigt, die es hier so gibt - sehr spannend! Da kann man sich ja völlig drin verlieren...

Der Hase und das Profilbild Deines Trikes haben mich an unsere Begenung erinnert. Als ich dann Euren Reisebericht las, war mir klar: IHR SEIT ES.

Ich war auf dem Weg nach Cuxhaven und bin an dem Tag, an dem wir uns getroffen hatten noch bis Hitzacker gefahren.
Der Hinweg meiner Tour Berlin - Cuxhaven - Berlin dauerte insgesamt fünf Tage (GEGENWIND :mad:). Zwei gute Übernachtungs-Tipps möchte ich bei dieser Gelegenheit mal geben: in Wittenberge = http://www.le-petit-jardin.de/ ; in Cuxhaven = http://www.cuxhund.de/ ; und als Campingplatz in Rathenow = http://www.campingplatz-rathenow.de/ . Sehr schön, preiswert, komfortabel, zuvorkommen und freundlich!!!
Das war insgesamt meine dritte größere Tour mit meinem Liegerad. Eine Woche zuvor war ich auch auf dem Berlin - Kopenhagen Radweg bis Rostock unterwegs (auch Gegenwind:(). In den zwei Jahren in denen ich nun das Bacchetta Giro ATT habe, sind mir die unschlagbaren Langstreckenqualitäten von Liegerädern richtig ans Herz gewachsen.
Ich freue mich auf viele schöne Beiträge in diesem Forum!

Herzlichen Gruß vom
Sven
 
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Von dem Berlin - Kopenhagen Weg hat mir gerade letzte Woche ein Freund erzählt, schreib doch mal wie der von der Qualität war. Man findet so wenig Reiseberichte die einem wirklich ein Bild vermitteln was einen erwartet und der Weg würde mich auch interessieren.
 
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Weltradler

Hallo nochmal,

bin gerade damit beschäftigt die Fotos vom Berlin - Kopenhagen Radweg zu sichten. Dann werde ich mal versuchen einige Fotos von der Tour ins Forum zu setzen. Mal sehen, wie das geht...
Dieser Radfernweg hat natürlich auch so seine Tücken und Highlights. Besonders die Tatsache, dass er ab kurz vor Fürstenberg sehr hügelig wird sei hier mal hervorgehoben. Das hatte ich mir so extrem nicht vorgestellt! Die Hoch- und Runterfahrerei zieht sich dann bis kurz vor Rostock durch.
Man hat dann eigentlich nur zwei Möglichkeiten damit umzugehen: entweder man passt auf, dass einem dieses Auf und Ab nicht zu sehr auf die Nerven geht, oder - und das ist meiner Meinung nach die bessere Variante - man setzt sich kürzere Etappenziele.
Die Beschilderung ist nicht mehr so perfekt, wie sie bestimmt mal war. Immer mehr Schilder mit dem Radfernwegsymbol sind sehr ausgebleicht und nur noch sehr schwer zu Erkennen, einige Wegweiser fehlen und - sehr ärgerlich - einige wenige wurden verdreht! Besonders in und hinter Wesenberg hatte das für mich und auch einige andere Reiseradler, die ich unterwegs kennenlernte, sehr unangenehme Folgen. Man landet dann in Neustrelitz und kann dann wählen, ob man die ca. 10 km wieder zurück fährt, oder sich eine Alternativ-Route Richtung Kratzeburg sucht.
Ich hatte übrigens versucht den Radweg ohne Karte zu fahren und kann davon nur abraten. Allerdings kann die Irrfahrt auch leicht mit Karte passieren, da es in Wesenberg verschiedene Möglichkeiten gibt weiterzufahren.

Wie gesagt, ich gucke mal nach Fotos und mache dann am besten einen neuen Thread auf.

Bis denne, schönen Gruß
Sven
 
W

Weltradler

Hallo Wikinger,

das ist ja ein Ding. Klasse, dass man sich dann spätestens hier über das Forum austauschen Kann! :)
Vielleicht hast Du ja mal Lust auf ein Bierchen nach Berlin Tegel zu kommen, wenn Du in der Nähe bist?(y)

Schönen Gruß
Sven
 

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