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holzbau:farben_und_lacke

Herstellung von Farben und Lacken für Holz

Ursprüngliches Text von Matthias MBI03 aus diesem Faden

Sonnenblumenöl-Firnis

Eine saubere alte Bratpfanne, die mann niemals mehr für Nahrungsmittel nimmt !!!! Einen Backpinsel aus gespaltenem Bambus, oder auch aus Silikon …. Eine einzelne regelbare Kochplatte … aber ein „Sandbett“ mit Spiritusbrenner tut es(bei mir) auch …

Das Sonnenblumenöl 5mm hoch in die Pfanne geben und ca. 8-12 Stunden, es darf nicht rauchen aber sollte über 220° warm sein. Das muss man immermal langsam rühren, es muss Sauerstoff aufnehmen, darf aber keine Haut bilden …. anfangs muss man wenig rühren … 1-2x in der Stunde, zum Ende alle 5 minuten … wenn es beginn dicker zu werden, und untergerührte Bläschen sich etliche Sekunden halten können. kommt 1% Bleimennige und 1% gemahlene Umbra dazu, nun heist es aufmerksam rühren, die Kunst besteht darin, es kurz VOR dem Gelieren vom Feuer zu nehmen.

Dieser Firnis ist das Geheimniss östlicher Öl und Öltempera-Malerei, besonders die russischen Ikonen haben Ihren hellen Glanz davon. Wenn man Sonnenblumenöl heftig auswintert, also ab in den Gefrierkühler, wieder Raus, wieder rein 10-20x richtig durchfrieren lassen …. ballen sich die „Gilbstoffe“ die einen höhern „Schmelzpunkt“ haben nach und nach zusammen und setzen sich als Flocken unten ab, und man gewinnt so ein sehr gilbarmes Öl, das auch hellstblaue Pigmente nicht vergrünen lässt (wie beim Canaletto, das billige Preussischblau im Himmel).

Dieser Firnis untescheidet sich etwas vom Leinölfirnis … er trocknet zwar flott auf bleibt aber danach länger weich … Und er riecht mitunter, in seiner Trockenphase, manchmal, es liegt wohl am „Rohstoff“ etwas nach ranziger Pommesbude … also für draussen O.K. für Schränke von Innen, oder Innenräume eher nicht, ohne vorherige Tests …

Nach dem Abstehen im Schraubdeckelglas (bitte kalt durch ein Sieb einfüllen) sammeln sich die Pigmente unten, und man hat oben einen sehr bleiarmen Firnis. Der Bodensatz eignet sich gut als Zaunlasur, aber wegen der Mennige, nicht für Kinderspielzeuge, und Küchenausrüstung.

Wer Probleme mit der Mennige hat kann auch ein „bleifreies Fertigsikkativ“ benutzen das enthält aber Kobaltblau, und ist nichts für jemanden der schon eine Jeans-Knopf-Krätze hat, der sollte unbedingt beim Firniskochen Handschuhe tragen. Dieses Sikkativ trocknet aber nicht ganz so schnell, und die Farben altern (nach Jahrhunderten) intensiver.

Leinölfirnis

Leinölfirnis ist Dünnflüssiger, härtet schneller, altert schneller, und ist ausgehärtet nicht schlagzäh, Sonnenblumenfirnis braucht lange, um eine vollharte Oberfläche zu bilden ist Schlagzäh, glänzt auch ohne Politur wunderbar …

Leinölfirnis kocht man nach dem selben Rezept, allerdings muss man weniger rühren, und ein gelieren ist nicht zu erwarten …. Aber Leinöl ist teuer, und „Reiner Leinölfirnis“ (das zeugs aus dem Baumarkt ist zu 60% synthetisch) ist sehr Teuer. Eine weitere Alternative ist Walnussöl, der Firnis daraus ist Matt und glänzt gar nicht (für die Möbelretauration, oder gelaugte und geölte Weicholzmöbel)

Diese Mischungen sind alle nicht ewig haltbar, man macht sich nur soviel wie man braucht … das Zeugs aus der Fabrik enthält Mittel zur Stabilisierung, bei manchen, besonders naturlichen Pigmenten macht das aber Probleme, und sorgt mitunter für schlechten Geruch, der mit Orangen und Nelkenöl übertücht wird. Manchmal ist aber leider das Parfum eher weg als der Stink …

Aber man kann ja „Reinen Leinölfirnis“ und eine halbe/halbe Leinöl Tungöl-Abkochung, fertig bei Krämer kaufen. „Reines-Tungöl“ kauft man z.B. bei Dick bitte kein preiswertes Holzöl kaufen das sind Mischungen aus „Irgendwas“ vorwiegend Alkydharz, das mal neben einer ganzen Reihe natürlicher Ole gelegen hat.

Sikkativierter Leinöl-Firnis oder auch Sonnenblumenfirnis, wird durch den Zusatz von Tungbaumöl erheblich beschleunigt. Nach 4-6h Staubtrocken, nach 24h Handhabungssicher, nach 2-3Tagen überstreichbar … kein Vergleich mit nichtsikkativiertem Leinölfirnis, der auch mal 6Wochen braucht.

Tungölhaltige Lacke

Firnis und Tungöl, für 1-3 Tage, mischen und auf 200°C 1h halten abkühlen und durch ein Sieb geben … für Aussen 1% Muskovit, fein vermalener Glimmer, das geht ganz gut im Porzelan-Mörser.

Bootslack mit UV/Schutz:

  • 1x Glasmehl feiner 20My
  • 1x Glimmer feiner 20My
  • 2x Kolophonium
  • 7x Tungöl
  • 7x Firnis

Nach der Zubereitung, auch die anderen Rezepte bei Bedarf parfümieren. weniger 0,5% Orangenöl weniger 0,2% Nelkenöl

Kalt mischen, und 1Stunde langsam bis auf 200°C erhitzen damit eventuelle Terpentin-Reste (ohne Flamme bitte) abziehen können, und heiss gut durchrühren und abgekült durch ein feines Sieb streichen.

Ansonsten Für Innern:

  • 3x reines Chinesisches Tung-Öl
  • 10x Firnis

Für aussen:

  • 1x Muskovit <29My
  • 5x Tungöl
  • 10x Firnis

Halböl ist Firnis mit mindestens 50% Terpentin … gutes Balsamterpentin ist hier aber Oversizet , billiger Pinselreiniger (Testbenzin) langt vollständig.

Reines Tungöl, ist sehr derber, rauer holperiger Lack, die Chinesen nehmen es anstelle von Teer mit Schwefelblüte Bleiweiss und Kalkmehl um ihre Dschunken zu streichen, oder ohne Pigment, um Körbe aus gespaltenem Bambus Wasserdicht zu machen. Auch die Hausbote mancher Chinesischer Meeresnomaden, sind nur aus gespaltenem Bambus geflochten und mit Tungöl gedichtet.

Wird Glasmehl bzw. Muskovit gleich in die frisch aufgetragene Lasur gerieben? Warum nicht das Ganze vorm Auftragen auf der Marmorplatte mit dem Glasläufer anreiben?

Ja wenn Du das anreiben gut beherrschst, allerdings beschleunigen sowohl Bims als auch Glas die härtung deutlich … für 1m^2 brauchst Du maximal einen Teelöffel, und Du musst flott sein, nach 1Stunde hast Du Wackelpudding.

Nach dem Fusselbrechen streiche ich dünn und zügig die erste Lackschicht, dann nehme ich feinst vermalenes Glasmehl, oder Bimsmehl, oder Glimmermehl, je nach gewunschtem Effekt in einen Salzstreuer, bestreue damit die Fläche, und reibe die Fläche mit einem Polierballen in kleinen Kreisen ab, so wandert das Mehl in die Poren, und füllt diese aus, mehr als 2x braucht man das selten.

Bims tönt die Poren dunkel, Glas bringet einen „Eisigen Schimmer“, Glimmer macht einen lichten hellen Glanz, sehr viel Glimmer in verschiedenen Körnungen >10>30My macht in mehreren Schichten Perlmutterglanz, In der Reisslacktechnit und Farbig hast Du das sicherlich schon mal als „Musikistrumentenlack“ gesehen.

Petersburger Pianolack

  • 5x Schellack
  • 1x Sandarack
  • 1x Mastix
  • 1x Dicker Terpentin
  • 18x Spiritus
  • 1/8 Zedernoel
  • 1/16 Campher
holzbau/farben_und_lacke.txt · Zuletzt geändert: 2013/10/27 14:01 (Externe Bearbeitung)