1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

WHPVA-Regeländerung

Dieses Thema im Forum "Verein" wurde erstellt von kleinerwolf, 26.08.2017.

  1. Christoph S

    Christoph S

    Beiträge:
    5.290
    Ort:
    48161 Münster
    Velomobil:
    Mango
    Liegerad:
    Dalli Shark
    Stimmt schon, nur gibt es immerhin 2 Provinzen (und zwar die Bevölkerungsstärksten) die "Holland" im Namen haben. Ihr Glücklichen: https://fr.wikipedia.org/wiki/Allemands;)
    Ich kann ja mal meine Französischen Kollegen bitten, nicht den Namen eines längst ausgestorbenen Volksstamms, der vor 1000 Jahren das heutige Baden-Würtemberg besiedelte, zu verwenden.
    Aber erst nach 2 Glas vin rouge.:whistle:
     
    eurydice101nl gefällt das.
  2. juergen0708

    juergen0708

    Beiträge:
    1.491
    Ort:
    Unterfranken
    Velomobil:
    DF XL
    Und was ist Rekorden in höheren Regionen, also ab 2000 HM? Zählt ein Stundenrekord auf einer Radbahn in Mexiko auf 2300 Meter Meereshöhe?
     
  3. kleinerwolf

    kleinerwolf

    Beiträge:
    564
    Ort:
    20255 Hamburg
    Liegerad:
    HP GrassHopper
    Na ja, auch das misst man nicht kontinuierlich. Wie weit die Messpunkte auseinander liegen, kann durchaus eine Kostenfrage sein.

    Die meisten Teams empfinden unsere europäischen Veranstaltungen sowieso nur als Übung / Trainingsgelegenheit für Battle Mountain. An europäischen Rekorden sind sie trotzdem interessiert, weil es bei der Sponsorensuche hilft. Die Regeln sind ihnen dabei weitgehend egal. So lange wir keine publikumswirksame Veranstaltung haben, für die sich die Teams wirklich interessieren, wird sich das auch nicht ändern. Vor dem Hintergrund finde ich einfache Regeln besser als Regeln, die gerecht aber kompliziert sind.

    Ja, Nicks Toleranz für Toleranzen war noch nie besonders ausgeprägt. :D
     
    Tilman Rodewald und eurydice101nl gefällt das.
  4. TheoS

    TheoS

    Beiträge:
    22
    Hallo Alex, das ist es ja gerade: Mit dem Gefälle ist es eben zu wenig Human Power, bzw. ist es die gespeicherte Energie von vorher, wenn man mit dem Fahrzeug zum Start des Anlaufs hochfährt. Die neue Regel soll zeigen, was wirklich möglich ist mit Human Power.
    Du bringst es auf den Punkt. Wobei schon wenige Flugreisen ein ganzes Radfahrerleben energetisch überkompensieren, so gross sind die Distanzen und der Treibstoffverbrauch. Vom Klimaeffekt her könnte ich durchschnittlich mehrere Jahre Auto statt Rad fahren, wenn ich dafür ein einziges Mal keine Fernreise per Flugzeug mache.
    Das scheint das Hauptproblem zu sein. Mit der Version unten scheint es mir nun so einfach und klar wie möglich. Dafür fallen nun die in der letzten Version aufgeführten und kritisierten Toleranzen weg, was die Auswahl der Strecke etwas erschwert. Trotzdem sollte es in jedem Land genügend konforme Strecken geben. Das wird den internationalen Sportcharakter vergrössern.
    Diese Verhärtung hat leider eine lange Geschichte. In der IHPVA haben die früher tonangebenden ökologisch-Gesinnte die Vereinigung verlassen. In der deutschen HPV gab es früher grosse Lagerkämpfe, aber wie das heute ist, weiss ich nicht. Es sind eben drei, nicht zwei Rollen: "Sport", "Ökologie" und "Wissenschaft", die sich verschieden summieren können. Im schweizerischen Future Bike haben wir keine Probleme, weil die Rennfahrer selber mehrheitlich die ökologische Rolle der HPV schätzen, vermutlich auch in Frankreich. Von Italien und Grossbritannien dürfte es Zufallsentscheide geben, je nachdem wer sich gerade mehr einbringt. Den Ausschlag werden die Niederlande geben, also z.B. du! In zehn Tagen erscheint ein Artikel und da wird es sich zeigen, welche Fraktion sich am stärksten meldet.

    Rule 3.3.1:
    ...
    <new part>
    Course Flatness and Straightness: Except for the road race events, and
    time trial events one hour and over involving multiple laps, all courses
    must be sufficiently flat to give no speed advantage compared to the
    otherwise same situation on a hypothetical course with constant
    elevation. This is the case when all points of a timed course or section
    have an elevation which is equal to or higher than that of its start,
    and for events with flying starts having unlimited and untimed run-up
    sections, all points thereof have an elevation which is equal to or
    lower than that of its finish, which is also the start of the timed
    section. See Appendix C for explanations.
    </new part>
    ...
    <new>
    Appendix C

    WHPVA Land Vehicle Environmental Explanations

    Gravity:
    Rule 3.3.1 implies that the potential energy of a vehicle and rider(s)
    (total weight x elevation) at the start of a course may vary along the
    course but not be of a lower value at the finish. Timed sections may
    contain a positive variation of potential energy (hills) and run-up
    sections may contain negative variations (valleys), of any magnitude,
    but not vice-versa. This is because such variations represent no
    advantage compared to a perfect course of equal elevation. See the WHPVA
    website for more information.

    Determining Elevations:
    The relative elevations of the starts and finishes of course sections
    should be determined as accurately as possible, the error given and
    applied in the disadvantageous direction. Except when it is clear to all
    observers, for instance by sighting along short straight-line courses,
    and affirmed by them that there are no valleys in timed sections or
    hills in run-up sections, an elevation profile should be drawn in order
    to show that the required conditions are met, again with measurement
    errors given and applied in the disadvantageous direction. The
    resolution and accuracy of the profile need not be greater than
    necessary to show the fulfilment of the requirements.
    </new>
     
  5. TheoS

    TheoS

    Beiträge:
    22
    In der Zwischenzeit wird (bis zum 30.10.) abgestimmt, allerdings ohne den Anhang C, der eigentlich nicht nötig ist ohne Berechnungsformeln. Ich habe seither untersucht, welche Auswirkungen das hat; wir hatten uns hier ja darin vertieft.

    Wenn man annimmt, das sämtliche potentielle Energie eines Hügels in Bewegungsenergie umgesetzt wird, kommt V = SQRT (2 g h) heraus, das ist die Freifallgeschwindigkeit oder die Endgeschwindigkeit einer Abfahrt ohne Reibung und Luftwiderstand. Das trifft aber nirgends zu, ausser am Anfang, wo man mit kleiner Leistung gemütlich hochsteigen könnte, wie eben in Battle Mountain. Ein Hügel, wenn man schon gestartet ist, funktioniert folgendermassen, wobei ich es nur im Fall der konstanten Leistung angeschaut habe:

    Verglichen mit einer ebenen Fahrt zwischen zwei Punkten oder zwei Zeitpunkten, geht es bei einem Hügel etwas langsamer hinauf und etwas schnell hinab. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist deshalb etwas kleiner. Dadurch fällt etwas Luftwiderstand weg und die Endgeschwindigkeit ist etwas höher. Ich habe mit Velocipedio einen kurzen 5 m Hügel simuliert, mit dem Elviestretto Modell und einem 500 W Fahrer. Bei einer Zeit von 3' 15" ist die Geschwindigkeit 115.2 km/h ohne Hügel und 115.3-115.4 km/h mit Hügel, je nachdem wo er sich befindet. Das ist also viel weniger als unsere ursprüngliche Annahme. Wenn man mehrere Hügel aneinander reiht, summiert es sich etwas, bleibt aber bei 10 5 m Hügeln um 1% mehr Endgeschwindigkeit und wäre etwas unrealistisch.

    Wenn ich eine 5 m Senke simuliere, ist es genau umgekehrt: die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen den Punkten A und B ist geringfügig grösser und die Endgeschwindigkeit bei Punkt B geringfügig kleiner. Unsere Regel ist also perfekt und verträgt auch etwas Ungenauigkeit in die falsche Richtung ohne mehr als marginale Auswirkungen.(allerdings nur bei einem Hügel innerhalb der Strecke, nicht am Anfang.)

    Aber das interessiert die Leute kaum, auch nicht die "Fairness" gegenüber Teams mit kleineren Reisebudgets und die Ökologie sowieso nicht. Hingegen sind die Leute sehr besorgt darüber, dass es als "Angriff" auf die IHPVA verstanden werden könnte. Dabei hat die IHPVA 2009 die WHPVA verlassen. Aber unter diesem Gesichtspunkt hätten wir wohl die neue Regel als zusätzliche Kategorie und nicht anstelle der bisherigen bringen sollen. Jedoch hat dies niemand während der Diskussionsperiode zur Sprache gebracht. So habe bisher Future Bike und HPV.org (danke, Thomas und Heike!) zwar Ja gestimmt, "Propulsione Humane" (Italien) jedoch Nein, und französische Vertreter haben sich bisher eher negativ geäussert. Die Niederlande und Grossbrittanien haben noch nicht abgestimmt und es ist wohl schwierig für Toni und Nick, da sie beide hochkarätige Teams vertreten, welche gerne nach Nevada fahren. Ich denke jedoch, das werden sie weiterhin tun, und *auch* in Europa oder Australien "wahre" 200m Rekorde aufstellen.

    Viele Grüsse, Theo Elvie500W-level-with-5m-bump.png
     

    Anhänge:

  6. Gear7Lover

    Gear7Lover

    Beiträge:
    4.184
    Alben:
    2
    Ort:
    CH-4556 Steinhof
    Velomobil:
    Milan SL
    Liegerad:
    HP GrassHopper
    Kleine Anmerkungen zum Diagramm, die aber vermutlich qualitativ keinen Unterschied machen:
    Der Anlauf bemisst sich nicht nach Zeit sondern nach Weg. Auf der X-Achse sollten also Meter stehen und nicht Sekunden.
    Der Fahrer im Diagramm befindet sich noch in der Beschleunigungsphase, er hat die Endgeschwindigkeit noch nicht erreicht, was er beim richtigen 200m Rennen anstrebt.
     
  7. TheoS

    TheoS

    Beiträge:
    22
    Danke, Wolfgang. Ja, sollte kaum einen Unterschied machen. Der Anlauf beim 200 m Sprint ist zeitlich und räumlich unbegrenzt. Dann gibt es noch Kategorien mit räumlich begrenzten Anläufen von 500 und 600 m und 1 km, die kaum jemanden interessieren. (Bei UCI ist es ungefähr 1 km.)

    Der 200m Sprint ist ja etwas kurioses: gemessen wird eine Kombination von:
    1) Reduzierung der Fahrwiderstände soweit wie möglich.
    2) Optimierung der Leistungsfähigkeit, um die Endgeschwindigkeit zu erreichen (Vermutung: möglichst langsam beschleunigen und stetig steigern).
    3) Abschätzen, dass die Endgeschwindigkeit gerade bei der Messtrecke erreicht wird. (Zu spät und es wird wieder langsamer.)
    4) Das ganze in der Praxis durchstehen mit allen Widrigkeiten (Vibrationen, Wetter, usw.).
     
  8. TheoS

    TheoS

    Beiträge:
    22
    Inzwischen ist die Abstimmung abgeschlossen. Die Vertreter von Future Bike und HPV.org haben Ja gestimmt, ebenso AFV (Frankreich). Letzterer vor allem weil die jetzige Regel nicht nur in physikalischer Hinsicht "unfair" sei, sondern auch finanziell: nur gut geponserte Teams können sich die Reise zum Highway 305 in der Nevada-Wüste leisten. Nein gestimmt haben HPV Oz (Australien), die glauben zuerst mit der alten Regel aber "low-altitude" siegen zu können (da wird sich tatsächlich ein spannender Wettkampf zwischen Lara Proving Ground und Dekra Oval einstellen), "Propulsione Humane", die trotz ihres Namens keinen Widerspruch darin sehen, zig Tonnen Kerosen zu verbrennen, um "human-powered" Rekorde aufzustellen, die keine sind im ursprünglich gedachten Sinn, und BHPC (GB), wo Rennfahrer den Ton angeben, die gerne nach Nevada reisen. Sich enthalten hat NVHPV (NL), bewusst der Gegensätze zwischen den Rollen der "Spitzensportler", "Wissenschafter" und "Oekologen". Trampkraft (Schweden) sah sich nicht im Stande, rechtzeitig eine Meinung abzugeben, andere haben sich nicht gemeldet.

    Also unentschieden, und alles bleibt beim alten. Die WHPVA hat vorläufig die Chance verpasst, sich von der Rolle eines Spitzensportverbands zu emanzipieren und zu den ursprünglichen Zielsetzungen zurückzukehren. Ich habe es auch vergurkt, vergessen die WHPVA-Statuten zu lesen, die ein anderes Prozedere für Regeländerungen vorsehen, als einfach darüber abzustimmen.

    Auch beigetragen hat die (für mich) doofe November-Regel, nach der Regeländerungen nur am 1. November jedes Jahres wirksam werden. Da kann man sie noch so lange vorher vorbereiten, abgestimmt und überhaupt nachgedacht wird erst kurz vorher, und die Zeit reicht dann nicht, sich damit auseinanderzusetzen. Ausser hier, wo Thomas es genau im richtigen Zeitpunkt brachte, danke!
     
    kleinerwolf, Gear7Lover und Spaceballs gefällt das.