Moin zusammen.
Es ist unglaublich, was eine vergleichsweise kleine Tour für Eindrücke hinterlassen kann.
Ich schreibe den Text hier, nachdem ich dem Beitrag bereits geschrieben habe.
Dabei könnte ich noch viel mehr und alles im Detail beschreiben.
In jedem Fall viel Spaß an den mir gerade noch im Kopf befindlichen Erlebnissen:
Respekt
@ben t.
Respekt für deine Leistung.
Das gilt für mich für alle, die derartige Touren fahren.
Nach gestern kann ich das umso mehr sagen. Egal ob man trainiert oder untrainiert ist, das ist eine ordentliche Leistung, die man dem Körper und dem Geist abverlangt.
Unsere/Meine 333km-Tour
Vowort
Hier im Thread habe ich bereits einiges zur Vorbereitung geschrieben, daher were ich nicht alles auflisten.
Die Tour bin ich gemeinsam mit einem Kollegen gefahren. Seine bisher längste Tour waren 325km an einem Tag (vor ca. 5 Jahren).
Die haben wir beide zusammen getoppt, was auch ein Ziel sein sollte.
Tourdaten
In Fahrt
| Kilometer | 333 |
| Dauer (Fahrzeit) | 19:16h |
| Durchschnitt km/h | 17,3 |
Mit Pausen / Stopps
| Kilometer | 333 |
| Dauer (Fahrzeit) | 26:23 |
| Durchschnitt km/h | 12,6 |
Aufgezeichnet mit Komoot.
Trikewahl
Wie oben geschrieben fiel die Wahl auf das ICE Sprint X, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte.
Ich konnte soweit alles Notwendige mitnehmen, und der Sitz war ausreichend gemütlich. Lediglich auf den vielen schlechten Wegen habe ich eine bessere Federung vermisst. Bei den Anstiegen kam mir das Gewicht des Trikes jedoch zugute.
Dennoch besteht einiges an Optimierungspotential. Ich komme nicht überall gut dran, wodurch ich für manche Griffe stehenbleiben muss.
Mein kleiner Fehler: Bremsen
Ich hatte bei der Wahl zum ICE Sprint X zwar keine wirkliche Wahl mehr (siehe weiter oben), aber beim nächsten Mal würde ich die Bremsen definitiv vorher machen. Bei allen steilen Abfahrten haben sich die Bremsbeläge negativ bemerkbar gemacht und ich denke, da bremste nur noch Metall auf Metall

.
Vorbereitung Erholung - beim nächsten Mal anders
Für uns als Nicht-Radsportler war es ohnehin eine Herausforderung. Was dazu kam ist, dass unser Tagesablauf in etwa wie folg ausgesehen hat.
- Morgens um ca. 4:45 Uhr aufgestanden
- Regulär arbeiten gewesen (bisschen früher Schluss gemacht)
- Nach der Arbeit letzte Vorbereitungen getroffen (Rest packen etc.)
- Danach ca. 1h Napping gemacht (soweit es ging)
- Dann um 16:37 Uhr los.
Beim nächsten Mal würde ich es so planen, dass man nach einer ausreichenden Nacht startet und nicht vorher noch den ganzen Tag arbeiten war.
Komoot
Der Kollege hatte die Routenplanung mit Komoot vorgenommen. Soweit ging das gut, aber Komoot hat teils so dämlich geroutet, dass es genervt hat. Hin- und her sowie Rerouting waren die Folge. Teilweise sind wir abweichend gefahren, damit wir gefühlt überhaupt den richtigen Weg finden. Neben verzögerten Ansagen/Anzeigen kamen auch Abstürze dazu. Das geht bestimmt besser.
Strecke / Rerouting & erzwungene Stopps
Geplant waren ca. 355km, geworden sind es 333km.
Irgendwann waren wir durch und die eigentliche Streckenführung passte von den Kilometern nicht mehr so richtig.
Hätten wir die geplante Route beibehalten, wären es wohl ca. 380 - 400km geworden.
Wir sind dann ab Bottrop auf dem kürzesten Weg Richtung Neuss gefahren.
Ampelstopps / Kreuzungen
Was besonders genervt hat, das werden sicher viele nachvollziehen können, sind die ständigen Ampel- und Kreuzungsstopps. Gerade im städtischen Bereich. Da gibt es einiges an Verbesserungspotenzial. Das raubt einem so viel Ennergie, wenn man ständig anhalten und wieder starten muss.
Da wünsche ich mir eine bessere Infrastruktur.
Schotterwege
Rückblinkend hatten wir gefühlt viele Schotterwege und auch Waldbodenabschnitte dabei. Das zieht ordentlich den Schnitt runter und treibt die benötigte Energie hoch.
Wenn mein Kollege noch eine Radfuhrt innerhalb des Schotterbereichs nehmen konnte, hatte ich mit dem Trike keine Ausweichmöglichkeit und habe alles an schlechten Untergrund mitgenommen was geht. Das ist definitiv ein Nachteil.
Höhenmeter
Die knallen ordentlich rein. Gerade im Bereich Witten, Dortmund & Co. zu Beginn hat uns das viel Kraft gekostet.
Die nächste Tour geht bestimmt Richtung Niederlande.
Das Wetter
Für uns war das Wetter soweit gut. Am Start der Tour gab es leichten Regen, ansonsten bewölkt und später kam schön die Sonne raus. Einzig der Wind war ein wenig zu stark, da hätte ich mir einen Wind wie beim 201er vom letzten Samstag gewünscht.
Auf den ganzen Rückweg hatten wir fast nur Gegenwind. Sehr anstrengend.
Nachtfahrt & Bahntrasse & Schnitt
Wir sind relativ spät gestartet und damit durch die Nacht gefahren.
Nachts fahren hat den Vorteil, dass man seine Ruhe hat. Es gibt so gut wie keinen Verkehr, was das Vorankommen beschleunigen kann.
Was die Sicht angeht, ist es jedoch echt schlecht. Zumindest im Bereich der Bahntrassen bzw. in allen Bereichen, die nicht gut oder gar nicht beleuchtet sind.
Auf der Bahntrasse war es teils Stockduster, man konnte die Hand vor Augen nicht sehen. Die Fahrradbeleuchtung (ich habe eine alte SON-Edelux am Trike) ist gut und schön, aber letztlich habe ich gedacht, die müsste weiter und breiter strahlen. Zumindest, damit ich sicher fahren kann. Teils war es einfach "Fahren nach Gefühl".
Wir wahren gezwungen Geschwindigkeit raus zu nehmen, da es zu gefährlich war. Mehrmals knallte es ordentlich, weil wir Kanten und Absenkungen nicht rechtzeitig gesehen haben.
Ich möchte gar nicht wissen wie es z. B. bei einem Platten gewesen wäre. Da ich nicht zu viel Gepäck mitnehmen wollte, hatte ich die Kopflampe nicht eingepackt.
Der 24h-Versuch
Wir wollten die ursprüngliche Tour in 24h schaffen. Das wären, soweit ich mich erinnere, ca. 15,x km/h inklusive Pausenzeiten.
Das hat nicht geklappt.
Die Gründe:
Erschöpfung
Ein großer Teil geht auf Erschöpfung zurück. Mir fiel die Fahrt insgesamt auch nicht leicht, jedoch war ich körperlich ein wenig fitter als mein Kollege. Als wir über ca. 120km waren, benötigte er häufigere Pausen. Die
Höhenmeter hatten ihm extrem zu schaffen gemacht. Die
Schotterwege im weiteren Verlauf kamen ebenfalls dazu. Unsere Fahrgeschwindigkeit sank stetig.
Mir ging es längere Zeit noch besser, wobei auch bei mir irgendwann die Erschöpfung einsetzte. Die 201 Kilometer vom vorherigem Wochenende waren nicht so anstrengend. Da merkt man, das die Streckenplanung viel ausmacht.
Wir haben überwiegend versucht, dass ich hinter ihm fahre.
Von der Navigation abgesehen, konnte ich mich so an sein Geschwindigkeit anpassen. Sowas klappt natürlich nicht dauerhaft, häufig bin ich doch vorgefahren. Das passiert auch automatisch, wenn man schneller fährt als der andere. Dann habe ich wieder gebremst, ihn vorbei fahren lassen und weiter gings.
Essen & Trinken
Sofern es keine Riegel waren, hatten wir fürs Essen längere Standzeiten. Die Pizza haben wir in Ruhe gegessen, beim Bäcker hat es mit Flaschen auffüllen und Essen ebenfalls länger gebraucht. Am längsten pausiert haben wir bei einem Netto, weil wir nichts mehr zu trinken hatten. Dort haben wir uns dann auch noch mit Eis versorgt.
Der Nachtfahrtanteil
Siehe oben - Nachtfahrt
Der Sekundenschlaf und die Pinkelpausen
Das war definitiv mein Part. Mein Kollege musste relativ wenig pinkeln, ich umso mehr.
Das hat schon für viele Stopps gesorgt. Jedes Mal anhalten, neu anfahren & Co. benötigt echt Kraft.
Auf dem Rückweg kam es dann bei uns beiden zur gleichen Zeit zum Sekundenschlaf.
Ich bin hinter ihm hergefahren und habe gemerkt, wie sich immer häufiger meine Augen geschlossen haben. Komm schaffst du noch habe ich mir gedacht. Der Kampf gegen die Müdigkeit war echt groß. Das ging über viele hundert Meter wenn nicht bis zu 1 - 2 Kilometer. Zum Glück nicht im regulären Verkehr.
Gerade als ich eine Pause machen wollte, rief mein Kollege von vorne "Wir müssen Pause machen". Ich sagte ihm, perfekt, ich penn gerade ein. Er sagte, ja er auch, ihm fallen die Augen schon länger zu.
Leider haben wir nur eine Bank direkt in der Sonne erwischt. Ich habe ein 10 Minuten Powernap gemacht, sofern das ging. Er hat sich ebenfalls erholt. Dann haben wir uns beide Koffeein-Pulver-Sticks riengezogen und sind weiter.
Ab da war es noch mehr um mich geschehen. Ich musste fast a
lle 10 - 20 Minuten pinkeln. Das Koffeein hat anscheinend so den Harndrang befeuert, das war ätzend. Das hat sehr viel Zeit und Kraft gekostet.
Was ich definitiv sagen kann ist, dass es mir fast egal war wo ich pinkeln musste. Man hat irgendwann keine Wahl mehr.
Einfach an den Rand ans Gebüsch und los.
Der Schmerz
Irgendwann, ich weiß nicht mehr ab wie vielen Kilometern, kam der Schmerz. Bei uns beiden zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aber er kam.
Die Fußsohlen, die Knie und auch die Sehne/n schmerzten bei mir auf einmal. Gerade die Fußsohlen waren sehr unangenehm, da jeder Druck auf die Pedale weh tat. Dabei hatte ich schon die Einlagen meiner normalen Schuhe genommen und die dünnen Lammfelleinlagen von der 201er-Tour entfernt. Ich muss mir wohl doch mal neue Schuhe kaufen und passende Einlagen verwenden, wenn ich weitere Touren in der Form machen möchte.
Bei meinem Kollegen kam irgendwann der Hintern dazu, er hatte es da nicht so gemütlich wie ich.
Letztlich haben er und ich jeweils eine Ibu genommen, in der Hoffnung sie wirkt. Half aber nur sehr bedingt

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Die Route selbst
Die Route hat, bis auf den rein städtischen Anteil, viele schöne Wege und Passagen.
Gerade an der Ruhr, Lippe, dem Datteln-Hamm-Kanal und dem Rhein-Herne-Kanal hat man schöne Fahranteile und tolle Aussichten.
Dafür hat es sich bereits gelohnt. Die Wege auf den jeweiligne Bahntrassen sind auch klasse.
Man kann gemütlich fern ab vom Autoverkehr fahren.
Solche Trassen würde ich mir für ganz Deutschland wünschen. Eigene Fahrradbahnen mit einzelnen Abfahrten. Das wäre ein Traum.
Jedoch mit einem ordentlichen Asphalt und nicht zu viel Schotter

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Zurück zu Hause
Als ich Zuhause war, war ich mega müde und erschöpft. Habe mir erste inmal eine kleine Wassermelone reingeknallt. Danach ging es zur Pommesbude und es gab Pommes mit Currywurst und eine Pizza mit Salami und Pilzen. Ich hatte zwar recht viel während der Fahrt gegessen, aber da war noch Platz

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Getrunken habe ich auch auf die Schnelle ca. 2 Liter, bevor am Abend dann weiteres folgte.
Der Tag danach
Heute merke ich, was mir alles weh tut. Ich denke es wird ein paar Tage dauern, bis es nachlässt. Aber das war es wert.
Zudem plagt mich noch eine große Müdigkeit und Erschöpfung. Auch bin ich sehr hugrig und durstig.
Fazit
Es war einfach eine geile Tour und wir werden es wieder machen.
Wir haben einiges gelernt und wissen jetzt, worauf wir uns besser vorbereiten. Wobei der Hauptpunkt die Streckenplanung ist. Zumindest, wenn man sehr lange Strecken plant. Zudem die ausreichende Erholung vor dem Start. Ich denke, das hat uns beide zu Beginn schon unterbewusst belastet. Auf Koffeein werde ich versuchen so wenig wie möglich zurückzugreifen, zumindest wenn ich nicht alle paar Minuten pinkeln möchte

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