Transfaragasan by HP-Velotechnik FS 26

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So meine lieben Freunde des guten Tortengeschmacks,

nach dem ich schon längere Zeit kein Radabenteuer mehr bestritten habe, habe ich mich mal wieder auf den Weg gemacht. Aufgrund der aktuellen Pandemielage wählte ich ein meinem Aufenthaltsort entsprechend ein eher konservatives Ziel: den eher weltberühmten Transfagarasan-Bergpass über die rumänischen Karpaten. Flockige rund 90 km und um die 1.800 Höhenmeter zum Klettern, jeweils hin und zurück. Mein HP-Velotechnik fs 26, dass ich letztes Jahr neu aufgebaut und mit einem Neodrives Z20 ausgerüstet hatte, kannte ich nun aus verschiedenen Ausfahrten auf verhältnismäßig flachen Touren sehr gut. Für mich spannend: wie verhält sich meine Konzeption, die es inzwischen auch so von der Stange gibt, in alpiner Umgebung.

Beginn der Transfagarasan bei Arefu
Die Tour auf der Transfagarasan habe ich dieses Jahr auf meiner Liste gehabt, weil sie mit sehr wenig Zeitaufwand spektakulärste Bilder und Eindrücke liefert. Es bot sich allerdings an, dass die TOMIS Bike Assoc. in Constanta eine Gruppe auf den Weg schickte, derer ich mich anschließen konnte. Das hatte mehrere Vorteile, auf die wir sicher im Verlauf dieses Berichts noch einmal zurückkommen werden.

Direkt von der Pension Iulia ging es um 8.00 Uhr Ortszeit schon in den ersten Anstieg. Ich bin gewohnt normalerweise maximal das erste Assist-Level meines Alber Neodrives Z20 zu benutzen. Auf den ersten 10 Kilometern hatte ich nun reichlichst Zeit mir ein entsprechendes Batterie-Management zu überlegen. Insgesamt hatte ich zwei Batterien, damit über 1.2 kWh dabei. Wenn ich an diesem, ersten Tag, mit dem sanfteren Anstieg am höchsten Punkt noch Kapazität habe, sollte es mir möglich sein, während der Abfahrt zu laden, um die 30 restlichen Kilometer gepflegt auszurollen. Ich hielt die zwei Batterien zum Start für relative knapp bemessen. So habe ich stets von 'abwarten' gesprochen, wenn es darum ging, ob das wirklich klappt mit mir und dem E-Trike.

Transfgarasan auf der Vidraru-Talsperre
Vidraru Staumauer mit 160 m Höhe
Den erste kurze Halt wurde nach etwa 15 km an der Vidraru-Talsperre gemacht, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung mit 160 m Höhe und einer Länge von rund 300 m immerhin zu den größten acht in Europa und den größten 20 in der Welt. Beim Bau der Talsperre ab 1965 kamen in der Bauzeit von etwa 5 Jahren 80 Menschen ums Leben. Die Tranfagrasan führt direkt über die 6 m Breite Krone des Staudamms.

Die Vidraru Talsperre dient hauptsächlich zur Erzeugung elektrischer Energie. Ein im Tal befindliches Kraftwerk kann in einem durchschnittlichen Jahr etwa 400 GWh Energie erzeugen.

Die nächsten 40 km sind landschaftlich geprägt von Mischwäldern, die in der Ausdehnung in Mitteleuropa kaum noch vorkommen. Nach der Vidraru-Talsperre begann bereits, wenn auch zunächst nur sanft, der Aufstieg nach Balea Lac, dem höchsten Punkt dieses Abenteuers. Wie häufig bei größeren Gruppen, bildete sich nach der Talsperre eine kleinere Gruppe, die voraus fuhr. Wenn diese mit panischem Gesichtsausdruck die soeben gekletterten Höhenmeter wieder zurückschossen kommt, erhält der geneigte Leser vielleicht eine Idee, warum dieses hier ein Abenteuer und keine einfache 'Reise' ist. Die Karpaten sind die Region in Europa in der noch die meisten Braunbären leben. Wann also immer ein Bär gesichtet wurde, wurde die Gruppe zusammen geführt um im Zweifel helfen zu können. Interessant ist hier auch das Verhalten der Autofahrer, welche in der Regel in Rumänien nicht in aller früh anzutreffen sind. Im Falle einer Bärensichtung werden Radfahrer von Autofahrern darüber informiert. Darüber hinaus, warten Autofahrer auf Radfahrer, sofern sie sie soeben überholt haben, direkt beim Bären, um schließlich die Radfahrer im Sichtschutz vorbeizuleiten. So wich nicht nur meine Angst nach einigen Begegnungen einem gesunden Respekt.

Bären auf der Transfagarasan
Support durch Sichtschutz von Autofahrern














Auf den obigen Fotos ist der zweite Bär zu sehen, den ich zu Beginn nach etwa 25 km begegnet bin. Der erste ist einfach vor uns über eine Brücke stiften gegangen... da war ich aber schon ziemlich geflasht. Dieser hier stand auf den Brückenpfeilern und war damit für jemanden auf einem Liegerad schon recht imposant. Auf dem zeiten Bild ist zu erkennen, wie Autofahrer versuchen durch simplen Sichtschutz den Radfahrern zu helfen. Wenn Ihr ganz genau hinschaut, könnt Ihr mich ganz links mit dem Licht sehen.

Nach etwa zwei Stunden sanften Anstieg fuhren wir dann in die Wand. Die Qualen von bis zu 8,5% Steigungen sind nicht so arg schlimm, wenn man Spektakuläres Augenfutter hat. Mit der Zeit wichen mit den Höhenmetern auch die letzten Nadelwälder und gaben den Blick auf den nackten Fels frei. Von hier aus fiel mein Blick nun des Öfteren auf die Restkapazität meines inzwischen zweiten begonnenen Akkus. Der Alber Neodrives hatte sich bisher als erfrischend unauffällig präsentiert. Nur ein Displayabsturz (das Display, welches ich noch immer für den einzigen Schwachpunkt in diesem System halte...) lässt sich dann irgendwie auch ertragen.
Transfaragasan etwa 6 km vor dem Tunnel
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Teil der Transfaragasn in den Karpaten


















Die Transfaragasan ist in den Wintermonaten für den Autoverkehr in Teilen gesperrt. Der Ort Balea Lac ist dann von der Südseite nicht mehr erreichbar. Zwischen der Südseite und dem Ort liegt ein etwa 700 m langer Tunnel. Bisher waren alle Tunnels unbeleuchtet, sodass ich mit meiner Lupine voraus fuhr, um gegebenenfalls die unbeleuchteten Kollegen zu schützen. Dies war allerdings nicht wirklich notwendig, weil der Tunnel im feinsten Leuchtröhren-Licht erstrahlte.

Transfaragasan Tunneldurchfahrt Balea Lac


Zum Abschluss möchte ich noch zwei, drei Worte zum meinem Alber Neodrives Z20 verlieren. Dieser erwies sich auch in den steilen Anstiegen als unerwartet guter Begleiter. Im härteren Anstieg über 30 km am zweiten Tag nahm der Motor hin und wieder Leistung zurück ohne jedoch komplett abzuschalten. Dass die Abschaltungen manchmal zum komplett falschem Zeitpunkt kommen, kann der Motor ja nix. Thermisch ist der Motor auf einem Top-Niveau und schafft es auch schwere Räder stundenlang zuverlässig bergauf zu unterstützen. Ich habe von fünf Unterstützungsstufen in der Regel im Flachen die erste bei moderaten, bis harten Anstiegen die zweite und bei 'raubt-Dir-den-Knorpel-Anstiegen' den dritten Assist-Level gewährt. Damit bin ich an beiden Tagen sehr gut durch gekommen. Besonders erfreulich war für mich die Rückgewinnung während der Abfahrt. So konnte ich mir im Gefälle auf vom höchsten Punkt an beiden Tagen etwa 20 km Kapazität zurückholen. Am ersten Tag hatte ich am Ende noch eine Restkapazität von etwas mehr als 70 km und am zweiten Tag (da war ich dann schon großzügiger) noch etwa 50 km. Das ist meiner Meinung nach angesichts dessen, was der Motor geleistet hat recht anständige Werte.

So... zum Abschluss noch eine Bitte. Wenn Euch die Bilder gefallen haben, dann liked doch die Seite Eddywhy's Blog sofern Ihr bei Facebook einen Account habt. Das wäre schon ziemlich knorke. Da findet sich das ein oder andere Bild schneller, welches vielleicht nicht so ein umfassenden Content braucht, wie in diesem Forum.

So, machts gut und bis bald mal wieder...
Euer Eddywhy.
 

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