Telfs 80km, noch ein Rennbericht

Dieses Thema im Forum "Liegeräder" wurde erstellt von _andreas seilinger, traumvelo, 27.08.2004.

  1. René´s Bericht hat mir viel Freude bereitet. Anderen Leuten scheinbar auch. Daher fühle ich mich motiviert, das Rennen aus meiner Sicht nochmal aufleben zu lassen. Ich war mit Flux Z-Pro in der TV-Klasse unterwegs.
    Ich hatte mir für das Rennen am Start vorgenommen, wenigstens eine Runde mit der Spitzengruppe mitzufahren. Von vorausgegangenen Rennen weiss ich allerdings, daß das meist in die Hose geht, weil ich mich dabei etwas zu sehr verausgabe. Aber diese mal hatte ich ja ein um 3kg leichteres Rad und etwas mehr Training. Vielleicht klappts ja. Ausserdem hatte ich die Strecke vorher nicht besichtigt, ich brauchte also "Pfadfinder". Es stellte sich allerdings heraus, daß das wegen der zahlreichen Streckenposten wohl das geringste Problem war. Nachdem wir 15 Minuten eine Prozession, die auf der Strecke stattfand, abgewartet hatten, wurden erst die Vollverkleideten und kurze Zeit später der Rest der Meute losgeschickt. Und dann ging´s mal gleich richtig zur Sache. Am Start werde ich von einigen langsameren Fahrern eingeklemmt und schon war die Spitze die Telfer Allee hinunter 200m voraus. Also, Aufholjagd gleich zu Beginn des Rennens. Am Ende der Startgeraden geht´s mit 55 durch den von der Polizei gesicherten Kreisverkehr. Was für ein Spaß, da mal richtig durchzupfeifen. Von hinten geht Jürg Birkenstock an mir vorbei und ich häng mich dran. Allerdings nicht besonders lange, ich muß abreissen lassen. Shit, schon nach 5 km bin ich ziemlich platt, Puls über 170. Und die Spitze kommt nicht näher. "In der ersten Runde wird der Baum geschüttelt!" hat Dennis Ahrens vor dem Rennen getönt. Wie war, das Tempo vorne ist wirklich eine Nummer zu schnell. Ah, wieder einer von hinten. Dieses mal ist es Hans Wessels und wieder hänge ich mich dran. Eigentlich sehr mutig von mir. Der Kerl tritt beim Stundenrennen im Schnitt über 300 Watt. Und das bekomme ich schon an der Auffahrt zur ersten Brücke zu spüren. Kann ich im Windschatten in der Ebene folgen, zieht er mir jetzt davon, in der Abfahrt und der nächsten Kurve kann ich ihn noch mal einholen, doch am langen Anstieg ist er weg. Shit, das ist ein richtig knackiges Hügelchen, das ich beim ersten mal noch mit 25km/h bezwingen kann. Um mich herum ist es allerdings einsam geworden. Die Spitze unwiederrufbar davongezogen und im Rückspiegel weit und breit keine Verfolger. Also habe ich bereits nach 12km vergeblich viel Pulver verschossen. Na ja, wieder mal zu hoch gepokert und ich registriere nun wieder Eindrücke neben der Strecke. Am nächsten Anstieg steht eine Gruppe mit Kuhglocke und allerhand Lärmzeugs und brüllt die Fahrer nach oben. Danke dafür. Oben hängen die trachtenbekleideten Prozessionsteilnehmer über der Kirchenmauer oberhalb der Strasse und erfreuen oder wundern sich ob des gebotenen Spektakels. Dann endlich im Ort wieder bergab. Es folgt eine schnelle Kurvenkombination. Rechts-links-rechts haue ich das Flux in die Kurven mit ruppigem Belag. Das hier wird zu meiner Lieblingsstelle. Auf abgesperrten Strassen auf Ideallinie mit vollem Speed um die Kurven. Egal ob an der Spitze oder abgeschlagen im Feld, das macht einen grossen Teil des Reizes bei Rennen für mich aus. Mir entkommt ein herzhaftes "yipeee". Vor dem Wechsel auf die andere Flussseite gibt´s noch so eine tolle Stelle. Ein Kreisel, der gerade so mit Topspeed und maximaler Schräglage gefahren werden kann. Ein echter Spassbringer. Die Brücke hinab, mit 60 über die gesperrten Ampelkreuzungen und ab auf die Zielgerade. Erste Runde beendet. So, nun kann ich´s ja ruhiger angehen lassen. Mein Puls pendelt sich bei guten 150 Schlägen ein und für die nächsten 30km fahre ich alleine. Wieder dieser verdammte Anstieg, die Kurvenkombination, Anfeuerungen, blühende Wiesen, Sonne, Berge. Wenigstens habe ich als Solofahrer Zeit, das zu geniessen. Im Windschatten eines anderen Fahrers bleibt der Blick ja sonst nur am Heck des 30cm vor einem fahrenden hängen. Als ich im Spiegel eine kleine Gruppe näher kommen sehe, beschliesse ich, meine Einsamkeit zu beenden und etwas langsamer zu machen. Am nächsten Anstieg werde ich dann auch schon überholt: "Na was ist los Andreas ?" tönt es in Tiroler Dialekt. "Puh, scheiss Berg". Was besseres fällt mir gerade nicht ein. Aber schon bei der Abfahrt lasse ich die 2 ohne Heck zurück und sie können bis zum Ende nicht mehr aufschliessen. Dafür kommt plötzlich Rosmarie Bühler längsseits gefahren. Hmmm, ist das jetzt eine Schande von einer Frau eingeholt zu werden ? Allerdings ist das die Weltmeisterin. Seit Jahren gibt es keine schnellere Frau. Und regelmässig treffen wir uns dann während der Rennen auf der Strecke und fahren aus, wer dieses mal die Nase vorne hat. "Kannst du noch eine Runde dieses Tempo fahren ? Ich muß Ellen (van Vugt) in Schach halten." fragt sie mich. Ja, das müsste gehen, antworte ich und wir beschliessen, die letzten 25km gemeinsam zu fahren. Alle paar Minuten wechseln wir uns ab in der Führungsarbeit, der Schnitt steigt wieder und alle Verfolger verschwinden im Rückspiegel. Wir überholen den drittplazierten Vollverkleideten. Hmm, wenn ich jetzt mit dem Mango gefahren wäre, hätte ich mindestens Bronze. Was soll´s, wäre eh´ein erschlichener Podestplatz. Ein paar Kilometer vor Ende ist klar, daß von hinten keine Gefahr mehr droht und ich gebe was ich noch in den Beinen habe. Rosmarie bleibt etwas zurück. Mindestens mit guten 50km/h durchs Ziel, ist meine eigene Vorgabe, soll ja nach was aussehen. Daraus wird nix, denn 2 scheinbar schlafende Autofahrer blockieren im Schrittempo genau die Zieldurchfahrt. Ich muß bis auf 15km/h abbremsen, Rosmarie holt wieder auf und wir rollen gemeinsam durch´s Ziel. So können wir uns wenigstens gleich gegenseitig ob des schönen Paarfahrens gratulieren. Ausserdem kann ich Rosmarie zum Titelgewinn beglückwünschen. Am Ende stehen exakt 40km/h Schnitt auf dem Tacho und ein Platz um den 10. Rang herum. Genau das, was ich für machbar gehalten habe.
    Dann denke ich kurz nach. Was, 80km schon wieder vorbei!? Gibt´s doch gar nicht.
    Stimmt also schon, die Sache mit dem besonderen Kick beim Rennen. Das sollte man schon mal ausprobieren.

    Andreas- freut sich auf eine Wiederholung
     
  2. _jenne

    _jenne Guest

    Danke, schön zu lesen!
    40 Km/h sind doch eine sehr gute Geschwindigkeit, wenn man so oft im Wind fährt. Mit Vollverkleidung hat man da den Vorteil, nicht auf andere angewiesen zu sein. Wäre ich dabei gewesen, hätte ich wohl kaum Windschatten gefunden und die Kluft zu den schnelleren Fahrern wäre besonders groß geworden.
    Kannst du abschätzen, wie schnell du ohne Heck gewesen wärst?
    Paarzeitfahren wäre übrigens auch nochmal eine nette Sache. Für gemischte Doppel reichen aber die Mädels wohl kaum aus.
    j.
     
  3. >Danke, schön zu lesen!
    >40 Km/h sind doch eine sehr gute Geschwindigkeit, wenn man so oft im Wind fährt. Mit Vollverkleidung hat man da den Vorteil, nicht auf andere angewiesen zu sein. Wäre ich dabei gewesen, hätte ich wohl kaum Windschatten gefunden und die Kluft zu den schnelleren Fahrern wäre besonders groß geworden.
    >Kannst du abschätzen, wie schnell du ohne Heck gewesen wärst?
    >Paarzeitfahren wäre übrigens auch nochmal eine nette Sache. Für gemischte Doppel reichen aber die Mädels wohl kaum aus.
    >j.

    Hi Jenne,
    ich war ca.3min hinter Andreas (Andreas ca.1h55min, ich 1:58) und war unverkleidet unterweg, mein Problem war das ich beim 3.mal den Berg hoch meine Gruppe so verloren habe das ich selbst im bergab-Stück (mein Vmax 82Km/h)wo ich die ersten 2Runden immer wieder an sie ran kam, es nicht geschafft habe die Lücke wieder zu zufahren, also bin ich die letzte Runde alleine gefahren.
    Ich bin dadurch nur 14ter der UVs geworden, wäre ich in der Gruppe geblieben, hatte es Platz 7 werden können. Ich weiß hätte, wäre, wenn zählt nicht, ich denke aber das eine Gruppe in diesem Fall entschiedender war als TV oder UV.
    Das nächste mal werde ich nicht mehr mit einem 11-21er Packet und 68erBlatt fahren (4,8m/Kurbelumdrehung), wenn es auch nur den Anschein hat das ein kleiner Hügel drinnen ist, so lernt man dazu, mit einer breiteren Übersetzung hätte ich am Berg nicht abreißen lassen müssen.
    Gruß Fabian
     


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