Tagebuch eines Nordlichts (Erfahrungen mit dem NLM 557)

Kapitel 41

"Alter Vergesso.“
lachte die Stimme meines besten Freundes durch Telefonhörer und knusperndes Müsli in mein Ohr.

Stimmte schon … könnt ich mich an alles erinnern, was ich im letzten Jahr so alles vergessen hatte, wären die Erinnerungen wohl zu zahlreich, um sie mir merken zu können …

Der Grund seines Anrufs war eigentlich eine neue Episode der Telenovela seiner WG gewesen, aber wie das so ist, wenn jemand hier mitliest, der hinter die Kulissen lunzen kann, wies er mich auf ein Ereignis hin, welches „ja wohl bitte VOR der Kramsschrank-in-den-Keller“-Aktion stattgefunden hatte – und erst recht vorm Faserriss.

Ertappt … ein Riss in der Timeline: „D’oh!“

„War das eine Aktion … wolltest du da echt ein Rennen fahren? Mit kaputter Zahnradpyramide?“
Er begann erheitert zu lachen.
„Und dann der Typ mit dem Einkaufswagen …“
Das Lachen riss nicht ab.

Und da so was ja ansteckend ist, stimmte ich ein. Ungeachtet des Restmüslis in den Zahnlücken, das die Chance nutzte, wieder in Freiheit zu gelangen.


Und recht hatte er. Also … damit, dass ich das vergessen hatte zu berichten. Der Rest war Stille Post auf seiner Festplatte, denn mit Lord Defect ein Rennen fahren zu wollen, ist in etwa so, als wolle „Garage54“ mit ’nem Shiguli in die Formel 1.

Und es ereignete sich in der Zeit zwischen Lord Defects repariertem Fuß und einer Diskussion vor einem Kramsschrank.


Dem Tag der ominösen „Zahnradpyramide“ war ein Stöbern durchs Forum vorausgegangen, in dem von einem Rennen die Rede war. Klar, man kann es auch Fernfahrt, Zeitfahrt, Ausflug oder Wochenendtrip mit Zieleinlauf nennen – in jedem Falle von Hamburg nach Berlin …

So kam ich auf den Einfall, nicht EIN, sondern ZUM Rennen zu fahren, genauer: zum Zieleinlauf, der ja dem Namen nach in Berlin stattfinden würde.

Außerdem gäbe es hier – konzeptbedingt – bestimmt viele andere lustige Fahrräder, laut Forumsbeiträgen zu Bratwurst und Getränken, und Lord Defect sei willkommen. Klang wunderbar. Nix wie hin.

So rief ich gleich darauf Denis an, der sich sogleich bereit erklärte, und erfahrungskonform schon bei Bier und Bratwurst an Iss.

Ich würde mich schon an der bloßen Ansicht zahlreicher Velomobile erfreuen – und an den Gesichtern hinter den Hauben …

Und etwas technische Recherche ist doch auch immer gut, wenn man mittelfristig das ein oder andere lustige Fahrrad selbst plant.
Und wer weiß, welche Informationen beim Kennenlernen anekdotisch auftauchen würden.
So was wie: „Es gibt da einen Laden in Großkleinöd. Der verkauft Koboldfett … schmierte das auf den Lenker, und du hast allzeit klare Sicht … nein, frag nicht, wie das funktioniert.“ Oder Ähnliches aus Basteltippkiste und Folklore, so malte ich mir aus.

In jedem Falle stand vor all dem das Einspeichen des Hinterrads:

Hier hatten sich inzwischen zwei Speichen im Laufe des vergangenen Jahres verabschiedet, doch ich hatte mich bisher dazu entschlossen – da das Hinterrad nicht eierte oder sonst wie unrund lief –, es erst mal gekonnt zu ignorieren,bis eine dritte Speiche das Ende ihrer Fahnenstange erreicht haben würde...

Dann kam das Vorderradfiasko, das mir vor Augen führte, wie schnell bzw. aufwendig so eine Speiche bricht bzw. getauscht werden will, womöglich mit ganzer Felge daran. Und von der Optik mit freien Felgenlöchern ganz zu schweigen – da waren sich Stinktiere und Affen mal harmonisch einig geworden.

Und somit wollte ich wohl VOR der Hamburg-Berlin-Fahrt unbedingt wieder alle Speichen korrekt und im richtigen Durchmesser angebracht wissen.

Nach dem Bequemen der Schieblehre war ich dann auch auf schnappszahlige 222 mm und 2,5 mm im Pi – also G12 – Speichen gekommen.
Was heißt: das Gerümpel im noch existenten Kramsschrank zu durchforsten und mich beim Finden zu freuen, sie nicht weggeworfen zu haben, ergo noch mal abmessen zu können … und beim Eintragen auf die To-do-Liste exakt diese Daten schon etwas verblichen vorzufinden …
Ach ja, die hatte ich vor tausend Jahren schon mal notiert. Sachen gibt’s.

Die Speichen waren dann auch wenigstens unkompliziert bestellt und geliefert worden, so konnte ich am Tag vor dem geplanten Besuch des Zieleinlaufs an das Tetris des Heckradausbaus wagen:

Nur drei Schrauben auf der unteren Blattfeder, dann drei Schrauben auf der anderen unteren Blattfeder, und schon hat der Radausbau … begonnen.
Fortgesetzt mit zwei Schrauben für das Verbindungsstück zwischen der oberen und unteren Blattfeder – am besten auch auf beiden Seiten – und schließlich ließ sich das Rad auch schon problemlo … nein? …
Die Kraft von Geometrie und C-Star-Bremssattel blockierten hier entscheidende Kubikzentimeter Manövrierraums, aber den noch schnell ausgeschraubt – zwei Schrauben – und schon … huch …
Ähm … nur noch eben zusätzliche zwei Muttern an der Nabenachse selbst gelöst, und wie im Fluge ist das Rad auch schon …
Ääch … nur noch schnell ein Steckerkabel des Motors trennen, nebst zwei Kabelbindern, und schon funktioniert der Ausbau …
Kinderspiel (… hüstel …)
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Ist die Schaltkassette (aka Zahnradpyramide) gelöst, ist man auch endlich in der Lage, eine Speiche richtig zu tauschen (bzw. die Bremsscheibe – 6 Schrauben –, wenn die Speiche auf dieser Nabenseite läge).
Und nicht zu vergessen: den Reifen abzumontieren, wollte man auch neue Speichennippel setzen … oder Neues aus Gummi.

Nachgezählt komme ich da mindestens auf 15 Gewinde in bedachter Reihenfolge, die das bloße „Speiche wechseln“ zu einer Geduldsprobe mit Inbusschlüssel mutieren lassen. Und Abkürzungen (wie auch Flüchtigkeiten) stoisch in ihrer Geometrie verwehrt.
Aber so konnte ich mit ausgebauter Kassette endlich mal einen Blick auf die Motorflanke werfen:
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MODDS … und eine Seriennummer.
Vielleicht ein umgelabelter Bafang – immerhin konnte ich herausfinden, dass Dan the Man irgendwie mit diesem Modds zu tun hat.
Dann verlor der innere Columbo die Lust, dem weiter nachzugehen für den Moment …

Die 15 Schrauben wieder festgezogen (dabei die Federn mit Spanngurten zurechtzuziehen ersetzte die einstigen geliehenen Schraubzwingen ganz brauchbar, wenn auch nicht perfekt), ging es nun daran, die Schaltung wieder zu justieren, falls durch diese Aus- und Einbauaktion irgendetwas durcheinander geraten wäre.

War es glücklicherweise nicht – übermäßig –, wie mir beim bewährten Rowan-Atkinson-Driving-Skills-Besenstiel (-an-Pedal-&-Kabelbinder-drehen)-Spiel auffiel.

Gleichzeitig ging mir die Idee durch den Kopf, die Heckkamera mit einer Achse zu versehen, über die man sie etwas nach unten schwenken könnte, um so etwas wie einen „Wartungsmodus“ zu ermöglichen: Drinnen sitzen, schalten, treten und auf dem Bildschirm beobachten, was das Schaltwerk so triebe … Klang erst mal gar nicht schlecht, bevor die Vorstellung dann über den (sehr wahrscheinlichen) Fall stolperte, etwas nachjustieren zu müssen.
Denn dann würde es herausklettern, Schräubchen drehen, hereinklettern, Pedale treten, Fernsehen gucken und bei Bedarf noch mal von vorn bedeuten … Unterm Strich mehr körperlicher Aufwand, bei komplizierter Kamerafixierung … also nicht unbedingt weiter verfolgenswert, solange der R.A.D.S.-Besenstiel die bessere (weil praktischere) Lösung darstellte.

So lag das Rad schließlich nach Zeit und Schwitze wieder an seinem Ort, die Stecker waren schon wieder Durchgangsstraße für Elektronen und Signale, und die Kette fand ihren Stammplatz auf dem Kranz. Vor einem voll bespeichten Rad.
Wunderbarski...
So kam schnell der besagte Tag des Zieleinlaufs, an dem Denis mit seiner alten Eierquetsche vorbeikam und Lord Defect vorausfuhr, wie jene Laternenträger aus den Anfangszeiten des Automobils. Damit gab er auch die Strecke zum Wassersportverein in Gatow vor.
Dass er die wohl kürzeste Route nehmen würde, davon konnte ich dank winkender Bratwurst ausgehen, und auch davon, dass er die 120 cm nötige Breite für den Briten hinter ihm zeitweilig vergaß, wie mir an Poller-Bremsen mehrmals klar wurde, an denen ich meinem besten Freund hinterher hupen musste … vorm Rausspringen und Rangieren.
Sein erstes mich verwunderndes Ziel war allerdings das sowjetische Ehrenmal, an dem er zunächst mal ein paar Fotos machen wollte.
„Du vergisst das doch immer, und wolltest du nicht mal in irgend so einen Kalender oder so was?“
„Ja, aber nein, aber ja … wollten wir nicht nach Gatow? Da gibt’s doch bestimmt auch Bilder“, kam es hinter Fritzi aus dem Cockpit hervor.
„Aber jetzt sind wir doch schon mal da, da können wir das doch gleich mal abhaken.“

So drehte ich ein paar Runden mit vergessenem Blinker, die er mit wackeliger Hand und Handy festhielt …
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Den Treptower Park durchquert, über die Dauerbaustelle Elsenbrücke nach Friedrichshain gegondelt, merkte ich plötzlich vor der Mediaspree, dass sich die Pedale nur mit unkonventionell viel Kraftaufwand bedienen ließen bzw. sich ein Stakkato aus leichtgängig und blockierend im Pedalweg breit machte, wie ein schlechtes ABS, aber leider immer noch gut genug in der Verzögerung.
Auch der Motor stotterte sich auf Schritttempo ein.

Hatte das Spitfirelager nun endgültigst den Fährmann über den Mechanikjordan bezahlt?

Schöne Scheiße. Und jetzt stehe ich hier auch noch voll im Fahrradweg, bergauf, sodass der Schubhebel bei der Betätigung dem Motor nur heiteres Gelächter abrang, denn Schub.
Denis, huup!

Denis kehrte mal wieder zum gestrandeten Blaunasenwal um, aus dem ich mich gerade geschält hatte und ihn aus dem Weg rollte.
Dabei blockierte nichts, doch ein Detail verwies die Affen meines Planungsbüros, sich nach Pedalen und Rendezvous-Achse die „Zahnradpyramide“ am Heck genauer anzusehen, denn dort klapperte es bei jeder Radumdrehung ungewohnt vor sich hin. Erst mal nichts Offensichtliches, doch beim Befühlen – öliger Finger danach, wie gewohnt – verrutschten die letzten einzelnen Zahnräder leicht klirrend und etwas in Achsrichtung.
Und die Erinnerungskommode haute zu wie Popeye auf Spinat:
Jener kleine Ring, der ans Ende der Kassette diese fest auf der Nabe halten sollte, war doch von mir festgeschraubt worden – nach dem Speichentausch?
Und vor meinem inneren Auge erinnerte ich mich an eine kleine Angabe, sauber gestanzt in diesen Lockring: 40 Nm.
Pfff … also vier Kilo an einem Meter Hebel oder 16 Kilo auf dem 25-cm-Hebel einer Ratsche …
Hatte jenes „erst mal handfest, bis die Reifen wieder drauf sind …“ wohl nicht erreicht, und das Ergebnis dieser Schludrigkeit hielt natürlich nicht für die Distanz von 27 km zum Zieleinlauf, sondern nur die guten sechs bis hierhin.
Da hatte ich wirklich an falscher Stelle zu viel von einem Vergesso an den Tag gelegt …
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„Na dann zieh es eben fest“, war Denis’ vermeintlich praktischer Vorschlag.
15 Schrauben – deren Inbusschlüssel in Lord Defects Castle ruhten. Und einen Spanngurt (der allein nicht viel ausrichten konnte) hatte ich auch nicht dabei.
„Na dann schieben wir ihn eben zurück … können ja noch ein paar Fotos machen …“, sah Denis es realistisch, nicht ohne ein beruhigendes „Im Treptower gibt’s ’nen guten Bratwurster“ an seinen Bauch nachzuschieben.

So schoben wir wortkarg unsere Fahrräder zurück. Von der architektonischen „Schönheit“ ringsherum bekam ich nicht viel mit, ärgerte ich mich im Inneren tierisch über diese Flüchtigkeit, die mir nun den Besuch vergeigt hatte.

Positiv hieran: Den Fehler würd ich nicht wiederholen, und nächstes Jahr würde wieder so ein Rennen stattfinden …

Im Park angekommen besorgte Denis sogleich zwei Bratwürste als „Trostpreis“, und wir schoben von Bank zu Bank, ließen uns in Ufernähe nieder und genossen Essen und die Aussicht. Immer mal wieder über die Passanten schmunzelnd, die an dem etwas entfernten Lord Defect und dem Hollandrad verharrten, guckten und rätselten.

Nach etwas Stärkung im Magen machte sich Denis ans Fotografieren:
1000076581.jpgein paar Bilder hier, etwas Herumgelaufe, ein paar Bilder dort, und auf ging es schiebend zur nächsten Bank mit der nächsten brauchbaren Perspektive
1000076594.jpg– und die nächsten Planungen fürs kommende Jahr:
„Zur nächsten Velo will ich mit dem Azub“, kam es von irgendwo aus seinen Ganglien.
Freute mich – damit wäre mein missionarischer Auftrag beendet, immerhin legte er wohl schon fleißig Geld beiseite, bis es für die Reisevariante reichen sollte.
Und wieder mal musste ich ihm den Gedanken ausreden, dann einfach einen alten Wartburg in Einzelteilen daran zu zimmern. Das letzte Argument – das eigentlich das schwächste war – überzeugte ihn dann zu meiner Überraschung:
„Wie viele Räder hat so ein Wartburg gleich? Und ein Azub? Genau. Und wie soll das dann in den originalen hinteren Radkästen aussehen?“

Wir kamen schließlich – mal wieder – darauf, dass er erst einmal sein nackiges Azub fahren solle … ein oder zwei Jahre … Bis dahin hätte er entweder genug Zeit, sich mit der Dreirad-Vierrad-Transformation zu beschäftigen, oder das Ganze schlicht und einfach zu vergessen, im Fahrvergnügen und Alltag damit.
Auch wenn ich Letzteres nicht wirklich glaubte, hoffte ich zumindest auf Ersteres.
So verbrachten wir Stunden auf der Bank quatschend, tranken Cola und Bier, beobachteten die Leute, die den Briten betrachteten, und den QR-Code am Bug scannten.

Der wiederum brachte sie seit Neuestem direkt hier ins Nordlicht-Tagebuch, seit ich einen Sticker in Originalgröße auf den originalen QR-Code geklebt hatte … Ein „Geistesblitz“, der mir kam, als ich bereits zwei „Lord Defect“-Sticker im Einkaufswagen der Druckerei geladen hatte und mich der „persönliche QR-Code“ als Sonderangebots-Serviervorschlag anlächelte.
Würde mir bestimmt wieder längere Scherereien mit etwaigen Ordnungsamtlern bescheren, die bis dato per QR-Code an den Hersteller verwiesen wurden, was viele der Fragen beantwortete, aber ich hab auf so vielen Fotos von Velomobilen schon URLs zu Foren und Blogs gesehen, und das wollte ich auch irgendwie – mit Absegnung des inneren Ästhetikstudios – dezent hinbekommen.
Ob das Ordnungsamt mir von da an das Leben schwerer machen würde, verlangte wohl eine Antwort von Zukunfts-Frederik. An jenem Nachmittag jedenfalls ließ sich keine Patrouille blicken.
Stattdessen dämmerte es bereits, als ein Herr mit Einkaufswagen vorbeirollte. Im Wagen die obligatorische Mischung aus Tüten, Habseligkeiten, Pfandflaschen und einem klappernden Werkzeugkasten – unter noch mehr Gerödel.
Ich war in dem Moment zu gefangen in der Betrachtung von zackigem Heck und Zyklopenauge … die einfachen Dinge im Leben … als Denis neben mir lauthals mit dem Fahrer des Einkaufswagens ins Gespräch kam:

„Hallo! Hey, Trolley!“
Der Einkaufswagen stoppte, angesprochen.

„Hast du einen Imbus in deiner Werkzeugkiste?“
Da fiel dann auch bei mir der Groschen. Pfennigweise.
Der Herr an der Konsumlore blickte fragend zurück.

„Imbusschlüssel! … Rick, welche Größe?“
„Pfff … frag Fritzi … nein, 4,5 und 5 … glaub ich …“

„Hab ich“, murmelte der Herr mit Lore und – wie beim Näherkommen klar wurde – Fahne. Die der billigen Sorte.

„Können wir uns die mal ausleihen?“
Der Streber im Planungsbüro zwischen den Affen maulte wieder was, das ich nicht verstand in dem Moment, während Einkaufsfahne den Werkzeugkasten zutage förderte und eine Handvoll rostiger Schlüssel herausholte und uns hinhielt.
Denis wollte bereits danach greifen, als ein knappes
„20 Euro!“ kam.
Mein bester Freund und ich fingen nach einer Sekunde des gegenseitigen Betrachtens an zu lachen wie die Blöden.

„Nachgebot und Anfrage“, zuckte der Mann mit Wagen die Achseln.

„Kriegste ’n Bier und gut ist“, erwiderte mein bester Freund nur und griff bereits in seinen Mary-Poppins-Rucksack.
„Drei Bier.“
„Du kannst auch deinen rostigen Mist wieder mitnehmen und bekommst kein Bier“, schaltete Denis die Verhandlungen in den nächsten Gang, während mein innerer Streber beim Betrachten der Kassette am Heckrad endlich zu mir durchdrang.
Der Aufsatz der Ratsche für jenen 40-Nm-Lockring war ganz sicher nicht Imbus – ebenfalls vergessen, in den eigenen Werkzeugpark zurückzulegen. Und insofern das ganze Verkaufsgespräch hier … Perlen vor die Säue.
Aber amüsant anzuhören, während ich versuchte, Denis am Arm zu zuppeln.

„Nimms, oder lass es bleiben!“, hielt Denis ihm gerade eine braune Glasflasche hin.
„… zwei Bier!“
„Werd mal nicht unverschämt, die Imbusschlüssel sind nicht mal ’n Glas Apfelsaft wert!“
„Wir brauchen Ihr Werkzeug nicht, ist das Falsche“, mischte ich mich ein, um das hoffentlich zu beenden.

Der Lorenschieber zeterte dann noch einige Sätze lang, wie aufwändig die Bergung der Schlüssel nun gewesen wäre, und wir ihm ohnehin teure Zeit gestohlen hätten, die er jetzt bitte ersetzt sehen wollte – immerhin hätten wir IHN angesprochen.

Am Ende gab er sich letztlich mit 20 Cent hartnäckigkeitsprämie zufrieden, ehe er grummelig vor Lord Defect stehen blieb und umständlich begann, mit seinem Wagen Schwung zu holen, wohl um ihn gegen die Flanke zu kacheln.
Ethanolbedingte Körperkoordination, stockende Räder auf dem Parkboden und ein donnerndes „Das wird teurer als 20 Euro, also denk nicht mal dran!“ von Denis ließen die arme Seele dann auch motzen von ihrem Vorhaben ablassen und in der inzwischen eingetretenen Dunkelheit verschwinden.
Ditt is Balin. Da sollte jeder einen Denis haben …
Der weitere Weg zurück in den Plänterwald lief ereignislos und unbeschwert; ich erzählte etwas aus meinem Leben, er etwas aus seinem.
Zu dem Zeitpunkt hätten wir eigentlich schon in Gatow am Feiertisch sitzen und schlemmen sollen, wie auf der letzten Seite Asterix, umringt von Rennfahrern und Pedalboliden, seufz.
„Nächstes Jahr wirst du jedenfalls nicht mehr wegen dieser pyramidenspitzen Schraube dort nicht ankommen“, versuchte mein bester Freund mich beim Verstauen des Lords in seinem Castle aufzuheitern.

Tatsächlich brachte er mich damit zum Lachen, denn wenn nicht deswegen, dann hätte Murphy ja nur einen Blick auf meine To-do-Liste werfen müssen. Also sollte ich sie bis zur nächsten Hamburg-Berlin-Fahrt besser mal drastisch reduzieren …

Ja, das wäre doch mal ein Vorsatz.
 
Kapitel 42

„Neues Jahr, neues Glück, Fritzi“,


begrüßte ich das Plüscherdmännchen und zog zuversichtlich die Plane von Lord Defect.
Das erste Mal vollständig – nach einem guten Sechsteljahr Schnee und Schlittschuh.
Werkzeugtasche, Akku und To-Do-Liste warteten bereits darauf, zum Frühjahr endlich wieder in Aktion zu treten bzw. abgearbeitet zu werden.
Unter anderem Kleineres wie z. B. Stans (berechtigte) Kritik – die hintere Bremse sei eigentlich nur Zierat um einen Motor-An-Aus-Knopf – würde sich mit ein paar Inbus-Umdrehungen an der Distanzschraube des Bremsbelags aus der Welt und annehmbare Verzögerungswerte ohne permanentes Gequietsche schaffen lassen.

Die alten Filzschalen für den Tascheninhalt sahen nach drei Jahren Gebrauch, Fehltritten darauf und Mäusen darin aus wie Müll.

Hier halfen neue Filzschalen und etwas doppelseitiges Klebeband mit Pentanol, ein Häkchen hinter diesen Punkt zu setzen.

Selbst für den anstehenden Pedalkettenwechsel hatte sich Team Affe aus dem inneren Planungsbüro etwas Ausgebufftes ausgedacht, womit es bequem und relativ schnell funktionieren sollte – wenn Murphy das nicht anders sah:

Bewaffnet mit vier Kettenpaketen, einem Stück Pappe, der Dose Montana-Sprühlack, die ich mir vom graffitiaffinen Sohn „ausgeborgt“ hatte, und einer Kettenschlosszange nahm ich also bequem auf der Hängematte Platz,
Trat in die Pedale …
Huch …
Platzierte die großen Legosteine unters Heck, auf dass das entsprechende angetriebene Rad den schneefreien Boden verließ,
nahm Platz,
trat in die Pedale, bis ein Kettenschloss auftauchte,
testete gleich mal die gerichtete Heckbremse – formidabel –
und klemmte das Stück Pappe hinter den Kettentrum, der zum Heck auf die Rendez-vous-Achse verschwinden würde, um ihn anzusprühen,
den Bereich rund um das gefundene Kettenschloss in strahlendem Arktisweiß.

Nun noch das Kettenschloss vor dem bullet-proof-Glastischlager geöffnet und das alte Schloss an eine neue Kette gebracht – sogar ohne Werkzeug – und langsam die Kette in den Schacht getreten, über den Umweg der Pedale versteht sich, und mit der Hand vorübergehend die Aufgabe des Kettenspanners übernommen.
Mit Erreichen des Endes der neuen Kette wurde dann einfach das nächste Kettenpaket herangeklipst und noch ein bisschen Pedalradial …
Nach dem dritten Paket kam auch schon der weiße Abschnitt wieder von seiner Rundreise zurück, also kürzte ich entsprechend die vierte Kette und tauschte das alte Kettenschloss gegen ein neues.
Voilà – neue Kette, und ich musste nicht mal zur Rendez-vous-Bar hinterm Kofferraum (aka Zwischengetrieberaum; aber wie man es auch nennt: ergonomisch dort zu arbeiten ist utopische Träumerei).
Doch schon nach ein paar sehr leichtgängigen, ruhigen Pedalläufen rumpelte und pumpelte es aus dem Heck und die Pedale drehten frei.
Murphy sah das mit dem „simpel und einfach“ wohl anders.
Also doch noch mal die Heckwand ausgebaut – die Flügelmuttern hatte ich geraume Zeit schon weggelassen. Die Wand klemmt hervorragend ohne sie auf den vier Gewinden. Es spart Zeit bei der Wartung, und Wertsachen gab es hier auch nicht.

Als die Wand fiel, stieg mir penetranter Nagetierkäfiggeruch in den Riechkolben und einiges an Nussresten und Laubstückchen ins Auge.
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Hier hatte Mickey wohl einst sein Gemach gehabt, in dem er schlief, knabberte und … ach herrje …

So ergänzte Murphy kichernd noch die Sidequest, diesen abandoned place zu räumen.

Lag ja auch günstig, so hinter der Rendezvous-Achse, in dem Bereich, der diesem ergonomischen Albtraum hier noch mal die Kirsche aufsetzt: kleine Seitenlöcher als bequemer Zugang für zarte Klavierspielerhände.

Mein Klavierspiel kam mit „Alle meine Entchen“ gerade so klar, daher geriet der Zugang für meine behandschuhte Speckpfote zur Affenfalle, während ich Laub, Nüsschen und – ich hoffte noch mehr Nüsschen und Laub – aus dem Versteck im Heck zutage förderte und später bestimmt noch mal den Staubsauger heranholen würde.

Mit der Unratbergung und dem Zurück-aufs-Ritzel-Gefummel im Sonnenschein zum LED-Wurm hier drinnen fiel mir sogleich ein Detail auf, das mir vor meinem damaligen Radlagerwechsel schlicht entgangen war:

Die schwarzen Distanzscheiben der Bulletproof-Lösung, die die Kette auf ihren Kugellagern separieren sollten, waren nicht nur ganz schön abgenuddelt und teilweise gebrochen – nein, die lagen auch praktisch über die gesamte Flanke des Kugellagers an, Innenring und Außenring.

Richtig bilderbuchhaft idiotisch, denn so drehte hier natürlich nur widerwillig irgendwas.

War das so aus England gekommen?
Konnte ich mir ja fast nicht vorstellen.
Das sah eher nach etwas aus, das ich in der Anfangszeit verbockt hätte. Aber genau wusste ich das nicht mehr.
War im Prinzip der To-do-Liste auch egal, woher er kam – in jedem Falle bliebe es ein weiterer Unterpunkt bei „Kette“.
Seufz.

Also erst mal alles wieder ausbauen und richten.

Bei dem Geduldsspiel, die Bulletproof-Achse aus ihrem Sitz zu bekommen, fiel dann auch auf, dass jene Rolle des Leertrums ihre Kettenseite relativ weit auskragen ließ – bestimmt nicht nur zufällig zu jener Seite, die auch die Kette bevorzugt beim Abspringen nahm.

Vielleicht würden ja schon ein paar Unterlegscheiben, die nur die Innenringe der Lager mitnähmen, reichen, damit das endlich mitdrehende Lager die Kette nicht mehr so regelmäßig vom Ritzel zog.
Wer weiß?

Warum genau das denn so sein sollte, wollte der innere Streber zwischen den Affen nachbohren.
Es änderte sich ja immerhin nichts am schrägen Winkel der Kette zum Ritzel.
Bestimmt aus triftigen Gründen.
Stellte ich den Streber zunächst ruhig.
Nach absurd langem Knien, Hin-und-Herschrauben der Muttern auf der Achse, auf dass zunächst ein Ende aus seiner Führung und das Ganze dann ohne Kollision von Umgebung und Kugellagern aus der anderen Führung zu manövrieren war, nahm ich das Ganze dann mit in die Bastelwohnung …
Ein bisschen Ausmessen und ein Gang zum Baumarkt später konnte ich nicht nur passende Unterlegscheiben einsetzen, sondern auch gleich die kaputten schwarzen Distanzscheibchen gegen identische aus Stahl wechseln.
Das sollte besser halten und laufen als bisher …
Nach langsamem Einbau und Versuch lief es tatsächlich unglaublich flüssig.
Wer hätte gedacht, was für einen eklatanten Unterschied so ein paar Quadratzentimeter mitlaufende Fläche machen …
Und die Kette sprang wieder von der Achse.

Kam ja nicht wirklich unerwartet …
Die Unterlegscheiben passten vielleicht von der Flanke her, aber sie gerieten recht materialstark – 1 mm –, was das Konstrukt aus Umlenkrollen und Stahldistanzscheiben etwas auseinanderzog und den Winkel des Leertrums noch steiler auf die letzten Dezimeter schickte.

Den Lasttrum nun aber verschieben erschien mir auch nicht nach einer guten Idee – immerhin traten hier ja die Kräfte auf, die es möglichst gerade zu führen galt.
Der nächste Gedankenansatz waren dünnere Unterlegscheiben.
Hatten die verwendeten einen Millimeter Wandstärke, dann taten es vielleicht auch 0,2 mm … wer weiß.

Dr. Honda, der mich tags darauf auf dem Schulhof löcherte, warum ich nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit käme und mal wieder für etwas Form-Frühling zwischen dem grau-schwarzen VW-Hyundai-Honda-Blech in der Garage sorgte, erklärte ich das Problem.
Er lauschte interessiert nickend, streckenweise unterbrochen von den obligatorischen
„Komm da vom Zaun runter!“,
„Ja klar, darfst du aufs Klo gehen.“
und
„Hier heißt niemand Hurensohn!“ –
Erzieher-Tourette von uns beiden.

„Nur bei Lastwechsel, sagst du? Also wenn du aufhörst zu treten und anfängst?“

Kurz überlegt. Ja, das kam in etwa hin.

„Ketten sind wie schwierige Erstklässler: Sie brauchen Spannung und Führung. Sonst schlackern sie rum und bauen Scheiße … hatte ich auch mal an meiner CBR.“

„Der Kettenspanner funktioniert ganz gut. Endlich mal.“

„Okay, und die Führung?“

Die Führung … tja.
Glastischauflagescheibe vorn – sehr breit, aber zuverlässig.
Zerschredderte Plastikscheibchen, die nun durch Stahlscheiben ersetzt worden waren, hinten.
Das war’s.

„Und da fliegt die Kette wahrscheinlich auch nicht runter … wie sieht’s am Zwischengetriebe aus?“

„Da fliegt sie runter.“

„Dann braucht sie da Führung“, war sein Fünf-Wort-Resümee, mit dem er mich stehen ließ, um auf dem Fußballfeld nach einem schlimmen Foul seiner Schüler für Fairness und Ordnung zu sorgen.

Und es klang einleuchtend – also zusätzlich zu schmaleren Unterlegscheiben.

Aber wie führen?
Bleche vom Boden neben dem kleinen Ritzel hochgezogen? Der Boden der Rendezvous-Bar ist ein schiefes Gefälle in zwei Ebenen. Nicht gerade prädestiniert für Montagen dieser Art.

Und eine dieser Kettenführungsfäustchen am kleinen Ritzel schied auch aus:
Solche Dinger brauchen einen Rahmen, um daran geschraubt zu werden.
Hier gab es nur eine rotierende Achse, darauf ein gemeinsames Basisrad, auf welches links und rechts zwei verschiedene Ritzelringe an vier Schrauben im Kreis fixiert wurden.

Könnte ich einen Ring basteln, der über die Zähne hinauswanderte und diese vier Schrauben der Zahnkränze nutzte, dann würde die Kette zumindest auf dieser Seite nicht mehr ausbrechen.
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Der Streber im Planungsbüro gab zu bedenken, dass bei einem komplett geschlossenen Kreisring auch die Rendezvous-Achse zunächst ausgebaut werden müsste, um das Bauteil auf die Achse zu bekommen …

Was für ein Aufwand. Ich wollte doch nur eine Kette wechseln. Aber jetzt musste ich überlegen, wie ich einen Ring an die Ritzel packen sollte, den ich zuvor aus irgendetwas bauen sollte …
Grüße an Murphy.

Zum Feierabend kam mir in den Sinn, dass ich bestimmt nicht der erste Mensch wäre, dem so ein Problem begegnet war und dem eine Wandung entlang des Zahnkranzes statt in Form eines vom Boden herausragenden Blechs in den Sinn kam.

So, in Anbetracht der Errungenschaften der Menschheit, sogar ziemlich wahrscheinlich.

Also suchte ich mal zunächst den Amazonas ab, der mir dann tatsächlich nicht nur Ringe für 34-Zahn-Ritzel mit vier Montagepunkten im Lochkreis um 104 mm präsentierte …

sondern auch eine Lösung, die mir besser gefiel, da sie keinen Ausbau der Rendezvous-Achse verlangte:

Zwei Bauteile, die aussahen wie eine Mischung aus Sichelmonden und gothisch skelettiertem Streben-/Maßwerk.

Diese sollten jeweils zwei der vier Schrauben des Lochkreises für sich beanspruchen und zusammen einen Kreis – mit zwei kleinen freien Abschnitten – um den Zahnkranz ergeben.

Erschien mir genau nach dem, was Dr. Honda mit „Führung“ meinte und somit nach dem, was ich suchte.
Also nichts wie in den Warenkorb damit …
Zwei Tage später würden sie ankommen.

Eine Gesamtkonferenz, ein Notarbesuch (besser ohne ölige Pfoten) und ein Spätdienst kämen hinzu, also würde ich erst am Wochenende Zeit finden, die - hoffentlich ankommenden gothischen Monde vernünftig auf das kleine Ritzel zu bekommen und die Bulletproof-Umlenklager brauchbar auf ihrer Achse zu positionieren.
So sahen es die Affen im inneren Planungsbüro vor.
Und Murphy hörte mit …
 
Zuletzt bearbeitet:
Kapitel 43

„Siehst du, ging doch relativ schnell“,

resümierte das Alphaweibchen den Gang durchs erhabene Treppenhaus hinunter.

Pieksauberer Altbau, verschwenderisch viel Stuck, Handlauf auf hölzernen Kariatiden – irgendwelche antiken Göttinnen, für die einst Marmortempel und ebenso überlebensgroße Statuen erbaut wurden. Heute führen sie klein und aus Holz einen handschmeichelnden Balken die Treppe entlang.
Der Werteverfall allerorten …

„Ach, wirklich? Nach der ersten Million Jahre hab ich wohl das Zeitgefühl verloren“, erwiderte ich.

In dem kleinen Notariat im zweiten Stock musste ich zunächst gut staunen und lachen über die stilvolle Einrichtung, inklusive zweier Barcelona-Chairs, auf denen mein inneres Planetarium dann zwei seiner Stinktiere setzte.
Ihr Ästhetizismus sollte sich hier wohlfühlen. Und ich hätte etwas zusätzliche gedankliche Ablenkung.

Den eigentlich wichtigen Teil meines Aufenthalts hier ließ ich über mich ergehen wie eine periphere Streckbank:
Stillsitzen, einen kompletten Amtsdeutsch-Text vorgelesen bekommen, Hunger, Durst, Heimweh, Weltschmerz, Bewegungsdrang …
In Gedanken brach ich immer wieder zur Rendez-vous-Achse auf und bastelte daran herum.

Die gotischen Monde von Kettenfängen waren pünktlich eingetroffen und weckten in natura in mir eher Assoziationen an das Actionfiguren-Bat’leth (klingonisches Schwert).
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In jedem Falle gehörte das Bauteil also zwischen Zentralrad (wohl auch Spider genannt) und kleinem Ritzel geschraubt, damit die Kette hier nicht mehr zwischen die Ritzel auf jenen Spider springen konnte.

Da die Klingonenmonde dann das Pedalritzel gute drei bis vier Millimeter versetzen würden, müsste im nächsten Schritt die Bulletproof-Umlenkachse davor angeglichen werden.
Nach den geplanten dünneren Unterlegscheiben an den Kugellagern …
Nach dem Ausbau der Achse …

„Haben Sie Fragen bis hierhin?“

„Das sind aber keine originalen Barcelona-Chairs, oder? Die hatten Schweinsleder …“
Der Notar sah überrascht auf. Wie alle anderen Anwesenden.
Das Weibchen kicherte ein bisschen, glaube ich.

„Die … die originalen stehen im Bauhaus-Museum, denke ich … ich meinte eigentlich zum Vertrag?“

Nur die, wie lange ich Neurodivergenter hier noch still sitzen müsste, aber die behielt ich für mich und stellte eine passendere:
„Ist mein erster Hauskauf, also … was muss ich jetzt tun?“

„Erst mal weiter zuhören“
, lächelte der Notar verständnisvoll und fuhr mit den letzten zwei Dritteln des Amtsdeutschvertrags fort.

Wieder mal ertappte ich mich gedanklich bei Lord Defect in seinem Castle.

Wenn ich das hier überstand, könnte er Mitte des Jahres einen würdigeren Ort zum Unterstellen bekommen. So mit Wänden. Und Strom. Und Tür und Heizung. Ohne Mäuse. Ohne Idefix.

Und es wäre immer noch genug Platz für drei weitere Velomobile an seiner Seite …
Wähle weise, junger Padawan …

Meine Liste, was so ein Haus haben muss, war bei weitem nicht so lang wie die des Weibchens, aber dafür eisern:
Hatte das Haus keinen Platz für eine Werkstatt mit Garage, schied es aus.

Da konnte die Gattin all ihre wichtigen Punkte mit bestimmt mehr Alltagsbezug (wie etwa zwei Badezimmer und Kinderzimmer in ausreichender Zahl) erfüllt sehen.

Das hatte die Suche nach geeignetem Objekt über einen fahr- und schreibfaulen Februar angedauert. Mea Culpa.

Und nun also: Adlershof.

Damit Lord Defect aber die fünf Kilometer vom Plänterwald dorthin antreten könnte, müsste die Kette zuverlässig laufen.
Für den zwölf Kilometer langen Arbeitsweg sowieso.
Und erst recht für den siebzehn Kilometer langen Weg zur Arbeit ab dann …

Und so schlich ich mich nach dem Treppenhaus, dem „Das müssen wir feiern im Stammcafé“ und der abendlichen Ins-Bett-Bringen-Prozedur zur Rendez-vous-Achse, um die ganze Kopfarbeit endlich umzusetzen.

Mal schauen, wie weit ich kam …

Mit den Klingonenschwertern dabei machte ich mich daran, die vier Kettenblattschrauben abzudrehen und tunlichst die Hülsen nicht durch irgendeinen Schlitz zu Mickeys Einsteigerbehausung zu verlieren.

Nun also – die Reihenfolge auf die Schraube gefädelt – sah das bis zum Spider-Zentralrad erst mal von den Abständen gut aus.
Schönheitsfehler hier:

Die ursprüngliche Schraube geriet natürlich mit vier Millimetern Extra-Bedarf zu kurz und erreichte die Hülse nicht mehr.
Und auch als ich die Schraube durch eine längere aus dem Fundus ersetzte, weigerte sich die Hülse, das erste Viertel der Montage abzuschließen.
In meinem Inneren bollerten Streber und Erinnerungskommode darum, wer mir den aktuellen Murphy erläutern sollte.
Die Erinnerungskommode preschte schließlich voran – zu einer verschollenen Bekanntschaft, einer äußerst femininen Uhrmacherin, die mir vor gefühlten Jahrhunderten die Feinmechanik erklärt hatte.

Und dort fiel auch mal diese eine Wort, "Feingewinde".


:) Eine tolle Frage. Du schraubst offensichtlich das erste Mal an einem Spider mit Kettenblättern herum :)

Standardschrauben haben eine Helixsteigung von 1,25.
Da Blattschrauben im Verhältnis so kurz sind wie deine Aufmerksamkeitsspanne beim Notar und doch einiges an Kraft überstehen müssen, wird das über mehr Windungen im kleinen Bauraum der Hülse erreicht.
Die Standardsteigung liegt hier bei 0,75.
Soll ich dir noch sagen, wie unsinnig es wäre, ein Feingewinde auf ein Standardgewinde zu schneiden?
Daran hast du doch bestimmt gerade gedacht … :D



Ja, hatte ich kurz, aber Murphy hatte zu laut gekichert, da war es wieder verschütt gegangen.

Also bräuchte ich einfach längere Kettenblatt-Feingewindeschrauben.

Der Baumarkt hatte schon geschlossen, also stattete ich Jeffs Gemischtwarenladen einen Besuch ab, der unvermutet langwierig ausfiel.

Die allermeisten Schraubensets gerieten mit zehn oder zwölf Millimetern Länge zu kurz.
Die vorhandenen vier Schrauben maßen ja schon zwölf Millimeter.

Ein paar Dutzend vorbeigescrollte Exemplare später fand ich endlich auch ein 16-mm-Feingewinde-Quintett – das einzige am Amazonas.

Es bräuchte nur das Wochenende, bis es am Montag sauber und verpackt im Briefschlitz auf seine neue Aufgabe warten würde.

Kurz überlegt, ob ich am Folgetag beim nächsten OBI schneller an die Schrauben kommen würde, besann sich der innere Familienmensch nach Blick auf den Kalender dann doch auf die Montagslösung vom Amazonas.
Beruhigte mein Gewissen beim Klicken noch mit einem kurzen:
„Fickt euch trotzdem, Jeff und Donald!“
… und verschob die Montage gezwungenermaßen auf Montag.

Endlich mal realisierend, heute ein Haus erstanden zu haben – dank Omas Hilfe (genau genommen deren Ableben, aber da bin ich nicht pingelig), besorgte mir drei Flaschen Malzbier und betrank Oma, Mom und Bruderherz unter der Veranda des Nachbarn mit Fritzi und Blick auf eine sternklare Nacht, während der Rest der Familienbande schon selig schlief.



Am Montag hatte dann Murphy wieder seinen Auftritt, als die neu eingetroffenen Schrauben zwar alle Feingewinde hatten, sich aber nicht von der Länge der vorhandenen unterschieden.
Sprich: die falsche Größe besaßen.

Aus dem Kofferraum kletternd und vor mich hin fluchend beschäftigten sich einige Affen mit der Frage, warum ich hier eigentlich unbedingt Kettenblattschrauben benutzen müsste.

Normale M8-Schrauben hätte ich in Hülle und Fülle in ausreichenden Längen da.
Klar – Feingewinde, Bauraum und Kräfte hatte die KI gesagt.
Aber griffen diese Argumente hier wirklich?

Bauraum war genug da, und wenn die Schrauben nicht plan mit dem Ritzel abschlossen – was machte das hier schon?

Klar, die kleinen Feingewindehülsen, auf denen die Ritzel und die Klingonenmonde ruhten, müsste ich entweder auffeilen – vielen Dank – oder ich nähme ein paar passende gewindelose Hülsen.

Die fand ich tatsächlich im Keller bei den Kramsschrankkisten in Form von allerlei verschiedenster M8 Unterlegscheiben.

Davon griff ich mir gleich eine Handvoll und kehrte zum Lord zurück, um die Affenidee mal auszutesten.

Der einzige kritisch dimensionierte Bauraum lag zwischen dem großen Ritzel und der Bordwand.

Das heißt: Hier kämen die wenig raumgreifenden Köpfe der Schrauben hinein.
Durch die Unterlegscheiben, auf denen das große Ritzel lag, dann durch die hülsenfeindlichen Bohrungen des Spiders, auf weitere Unterlegscheiben des Klingonenmonds und schließlich noch einmal durch das kleine Ritzel –
dessen Bohrung bereits mit einem eigenen versetzten Plateau versehen den aufliegenden Klingonenmond hervorragend auf Abstand zur Kette hielt –
ehe noch ein gutes Stück der 30-mm-Schraube zum anderen Ende des Rendez-vous-Pakets wieder heraustrat.

Genug Gewinde für die auftretenden Kräfte, denke ich.
Kleinflankige und einen Millimeter breite Spacer aus dem Fundus der „Handvoll“ schafften anschließend einen ausreichenden Abstand zwischen Kette und den finalen Muttern auf den Normgewinden.
Et voilà.
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Nicht das ästhetische Glanzstück der Sammlung, aber es passte, es wackelte nicht und es gab noch genug Luft für alle Kreisläufe.
Nach dem Ausbau, Tausch auf dünnere Distanzscheibchen, Einbau und Versetzen der Bulletproof-Lager – allein der letzte Punkt beschreibt, drei Muttern eine gute halbe Stunde immer wieder axial auf und ab zu helixen, bis der Lasttrum gerade auf den leichtgängig Rollen läuft – versuchte ich mich mal im Pedaletreten.

Sehr schwergängig bis blockierend.

Bis mir schnell die riesigen Legosteine im vorderen Fußraum auffielen, die dort erstens den Pedalweg blockierten und zweitens unter das Heck gehörten.

Diese beiden Fliegen mit einer Klatsche erwischt, trat ich sogleich das in der Luft hängende Rad an.
Kein Vergleich.

Kein Pedalleerweg, auch bei Lastwechseln sprang die Kette nicht mehr heraus und lief leichtgängig und Spitfire-Hüpfflug-frei.

Dr. Hondas Rat hatte wohl gefruchtet.
Der bekäme wohl auch noch eine Packung unkreatives Merci …

Einzig dass die Kette ab und an den Enden der Klingonenmonde einen High Five im Vorbeigehen gab, der dann mit einem leichten Klacken aus dem Heck zu vernehmen war, ließ einen grübelnden inneren Streber zurück.

Die Freude, dass alles flüssig lief und ich Murphy ein Schnippchen schlagen konnte, überwog jedoch.

Ich montierte schließlich die Heckwand, verstaute das in der Wanne herumliegende Werkzeug und freute mich ein wenig, den Punkt „Kette wechseln“ wohl erst einmal entscheidend vorangebracht zu haben.

Murphy passte die sinkende Zahl der Aufgaben auf der To-do-Liste offenbar nicht.
So ließ er eine Ratsche vorne bei den Pedalen liegen, die ich von außen am Werkzeugrucksack nur mit viel Gestrecke und Hereingelehne erreichen konnte.

Als ich sie dann endlich greifen konnte, knackte es leicht an meiner Seite und die To-do-Liste musste sogleich um den Punkt

„Rückspiegel-TV-Halterung erneuern“
ergänzt werden.

So wie der Bildschirm an seinem Kabel an der Lenksäule herabbaumelte …
Und die Halterung mit ihrer an Treppenpyramiden erinnernden Oberfläche ließ darauf schließen, dass dieses kleine Resin-Bauteil nicht von der Stange kam, sondern aus einem MakerBot-3D-Drucker …
Sachen gibt’s...
 
Zuletzt bearbeitet:
Kapitel 44

Nehmt euch ’n Zimmer!“

fluchte ich der Kette und dem Klingonen zu, als die abendliche Testfahrt jäh mit blockierenden Pedalen endete.
Zwar ließ sich alles mit zwei Runden Pedalreverse lösen, aber derartiges Fahren gerät zuweilen komfortabel wie Adrian Celentanos Weintraubenstampf-Kontest im „Gezähmten Widerspenstigen“.

Dazu ein schief an einem rückseitigen Provisorium aus Duct Tape dreinblickender Heckbildschirm, der den Startpunkt der Testfahrt immer noch im Blick hatte, ließen mich Lord Defect zurück zu seinem Castle schieben und zum x-ten Mal in den letzten Tagen einen riechenden Blick ins Hinterzimmer des Kofferraums werfen.

Die junge Kette hatte das kleine Kettenblatt verlassen und den Klingonen besprungen wie im Nymphomanenclub.
Nicht so schön. Aber warum?

Mich in eine Haltung faltend, bei der ich die Pedale unter den Füßen und das Klingonen-Rendez-vous im Auge behielt, geriet es hier ja fast so bequem wie in @Archetyp s Milan auf der letzten Velo, redete ich mir schön– nur eben ohne Kopfstütze und auf einem harten Boden.
Aber immerhin im Vergleich zu anderen Wartungspositionen hier nicht die schlechteste.

Derart präpariert also langsam getreten und beobachtet, was der Streber zwischen den Affen schon begrübelt hatte:

Ein Vollkreis hat keine Ecken – die sind Privileg des Halbkreises.
Und diese Ecken an den Klingonenhalbmonden stellten eben auch den High-Five-Punkt dar, an dem einer der einsamen Klingonen bei wechselnden Lasten und Drehzahlen dazu neigte, die attraktiv schlackernde Kette nicht nur abzuklatschen, sondern sie gleich zu sich auf den Mond zu holen.
Klingonen als Anstandshilfen bei einem Rendez-vous … was hatte ich auch erwartet.

Die Führung des Leertrums an den Bullet-Proof-Umlenklagern glich hier wohl einem einäugigen Türsteher, der zwar peinlichst genau darauf achtete, dass sich die beiden Seiten der Kette nicht trafen, aber bei der anderen Seite, zu der die Kette ausbrechen könnte – Richtung Klingonen – herrschte eine gute halbe Kugellagerbreite entspanntes Laissez-faire, ehe die Distanzscheibe hier die junge Kette zu spät einfing.

Und diese begrenzte Grenzenlosigkeit nutzten Kette und Klingone zum Übereinanderherfallen.

Zur Untermauerung dieser These hielt ich beim Treten einen Maulschlüssel an die entsprechende Kettenseite, bevor sie auf dem Lager verschwand – und siehe da: Die High Fives an den Halbkreiskanten blieben aus.
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Sofort droschen sich die Affen im inneren Planungsbüro darum, wer seine Lösungsidee hier zuerst präsentieren sollte, und riefen durcheinander:

Den Maulschlüssel einfach dort einlaminieren.
– Witzig, aber zu irreversibel und unvariabel.

Dünnere Kugellager.
– wären wohl auch vom Gesamtdurchmesser kleiner. Daher sollte ich dann schon die ganze Achse und die verstärkten Metallscheiben in der Bordwand versetzen, damit es nicht den Kettenschacht nach vorne weiter aufsägte.
Insgesamt also sehr aufwendig.

Eine Unterlegscheibe in den Weg kleben.
– Moment, was?

Ich hatte in einem der neuen Filzschüsselchen noch eine gut 2-Euro-Münze große Karosseriescheibe, die ich einfach so an der Ecke der Bordwand kleben konnte, dass sie den klingonischen Eifer der jungen Kette in Zaum hielt.
(Ach ja, Britannien: Ich meinte natürlich ein 10-Pence-Stück.)
Da diese Idee nichts kostete, die benötigten Teile – Karosseriescheibe, Pentanol und schwarze Klebepaste – in unmittelbarer Nähe lagen und ich zu müde vom Tag war, machte also Affe Drei das Rennen, wenn auch unter den skeptischen Blicken des Strebers.
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Münzidee vor Testfahrt

Die Probefahrt am folgenden Abend, an dem der Kleber sicher getrocknet und alle Tagespflichten erledigt waren, verabschiedete sich Münzi auch schon nach ein paar Umdrehungen in Mickeys altes Schlafzimmer, und die Nymphokette hatte Spaß mit dem nächstbesten Klingonen …
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Münzidee nach Testfahrt


Sogleich begann Affe Nummer vier, mich an jene Langlochbleche zu erinnern, die mein bester Freund damals für die Kettenspanner-Zugfeder-Bastelei benutzt und mir anschließend noch zwei Exemplare zugesteckt hatte, weil:
„Ersatzteil – und kann man eigentlich immer gebrauchen.“

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Affe Numero vier sah eines der Bleche, durch zwei Schrauben unter dem Kreisloch gesichert und variabel verstellbar, vor. So sollte es dem Prinzip der vorherigen Münzlösung folgen.
Das klappte auch ein paar Meter ganz gut – wenn auch laut. Ich schaffte sogar die erste Kurve der Testfahrt, ehe Nymphi die Kette wieder irgendwie nach Kronos gelangen ließ … hmpf.
1000082436.jpgVersuch Nummer 2

Auf die gleiche Art wie am Abend zuvor die Pedale gedreht und das Rendezvous beobachtet, musste ich fast ein bisschen lachen über die geometrisch-dynamische Gerissenheit der Kette (oder meine eigene Dummheit, sucht euch was aus):

Die Kante des Langlochblechs, die Nymphi Einhalt gebieten sollte, kam durch ihre Halbkreisform nur an einem Punkt auf den vorgeschriebenen Abstand.

Also rutschte Nymphi beim Schlackern diesen Halbkreis einfach etwas hinauf – et voilà: High Five mit Happy End.
Also für das Paar. Nicht für das Fahrerlebnis.


Als Affe Fünf dann ein Winkelchen vorschlug, das einfach an das Ende des Langlochs geschraubt würde, um eine gerade Kante zu erreichen, stopfte der platzende Streber ihm mit Bananen das Maul.

Zu wenig Platz, zu viel Additive Flickschusterei.
Statt wie ein Idiot die flache runde Kante des Langlochblechs zur Führung zu gebrauchen, sollte ich lieber die größte und ebene Fläche des Bauteils an der Kette nutzen.

Und es wäre womöglich auch effektiver, hinter der Bulletproof-Achse zu führen – in dem Bereich des Übergangs auf das kleine Ritzel – statt bereits vor dem Bulletproof-Lager.
Klang einleuchtend, also wurde dies Versuch Nummer drei.
1000082437.jpgVersuch Nummer 3

Längere Schrauben, ein paar Muttern und Unterlegscheiben später bohrte ich also mit Winkelaufsatz zwei passende Löcher in die Bordwand, die parallel zu den Kettenblättern lag statt rechtwinklig dazu, und brachte das Langloch wie vom Streber angedacht an seinen Platz.

Sogar im langsamen Betrieb der Kette war es durch das Drehen einer kleinen Mutter möglich, den Abstand des Langlochs zu Nymphi millimeterbruchteilgenau einzustellen, sodass sie es physisch nicht mehr schaffte, auf das klingonische Bauteil zu kommen, das ich eingebaut hatte, um genau das zu verhindern …
Welch Ironie.

Die anschließende Testfahrt durchs Dunkel lief endlich erfolgreich.
Keine klingonischen Seitensprünge von Nymphi mehr. Sie wurde gut geführt – um nicht „eisern“ zu sagen – so wie das unschön laute Trommelstück „Metall auf Metall“, das aus dem Heck drang.

Ich hatte erstens das erste Langlochblech von Affe Vier noch nicht wieder abmontiert – was schließlich half, den Lärm zur guten Hälfte zu reduzieren – und zweitens auch das letzte Langloch vorm kleinen Ritzel, das Nymphi lautstark in ihre Schranken wies.

Leichtes Versetzen des Langlochs und Teflonband lösten dieses Dezibelproblem endlich zu meiner Zufriedenheit, und an der Rendez-vous-Achse kehrte (endlich mal stabiler) Frieden ein.

Zufrieden, diesen Punkt jetzt wirklich gemeistert und wieder mehr über den Briten gelernt zu haben, beließ ich es dabei, warf müde die Plane über Fritzis lustiges Fahrrad und glich das über die letzten Schrauberabende aufgebaute Schlafdefizit aus, ehe da noch andere Punkte auf der To Do Liste warteten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kapitel 45

„Diese Drecks Edsel-Stirn-Klingonen!
Und deren dämliche Kack-Schwerter!“


fluchte ich im Cockpit vor mich hin, als Nymphi die Kette das mit dem „dauerhaften Frieden“, der nun eine gute Woche hielt, anders sah.

Ich entschuldigte mich also bei den zwei älteren Damen, die ich gerade auf der Runde durch den Park überholt hatte und die meine verbalen Ausrutscher mitbekamen, als sie wieder an mir vorbei nordicwalkten.

Beim Treten fühlte es sich allerdings nicht mehr so an, als blockiere die auf den Mond gezogene Kette, sondern vielmehr so, als trete ich die Kette über die Berge des Zahnrads hinweg, ehe es dann mal wieder einen sporadischen Kraftschluss gab und der Motor einen nickenden Satz nach vorne machte.

Dann begann es wieder von vorn mit diesem Rattattatt an Pedalleerlauf.
So schlich ich also langsam und mit viel Schubhebelkraft an steigungsfreien Passagen zurück Richtung nahem Castle, stets begleitet von einzeln vor mich hin geschimpften Klingonen-Diffamierungen oder Gleichnissen der Rendezvous-Bar mit einem Sodom-und-Gomorrha-Kettenpuff.

Fahrspaß ist wohl etwas anderes …

Auf halbem Wege die Spree entlang durch den Plänterwald kam der innere Streber dann auf den Einfall, den Begriff „Testfahrt“ mal mit etwas weniger Emotion und mehr Analyse und eben Tests zu füllen, wie zu Beginn meiner Zeit mit dem Briten.

Und wie in jener Anfangszeit wanderte die Hand sogleich unter den Sitz, wo der Ork-Federspanner lag, den Denis damals ebenso beiläufig wie berserkergleich mit Langloch und Zugfeder aufgemotzt hatte.

Als ich nun diesem Spanner etwas in seiner Aufgabe unter die Arme griff, klickte es irgendwo in der Kette, und das Rattattatt wich sogleich einem ruhigen Lauf.

Ließ ich den Kettenspanner in Ruhe, schlug es sogleich wieder ins ungesunde Stakkato um.
Reproduzierbar.

Dann platzte wieder Dr. Hondas Mantra ins innere Planetarium:
Wie schwierige Erstklässler: Sie brauchen Spannung und Führung.

Und mit ihm die beiden Gedanken „Heureka, Fritzi!“ und
„Da traue ich Deni’ EINMAL was zu, ey …“ recht zeitgleich.

An der Führung hatte ich jetzt, verteilt über fünf Nächte im Kofferraum „gesessen“, die Führung hatte ich als gegeben und gefixt betrachtet, ohne da genauer hinzusehen … Seufz.

Denn nach einhändiger Fahrt zurück zum Castle besah ich mir sogleich das schuldige Bauteil:
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Ein Bauwinkel, an dem über ein paar Schrauben der Spannerarm in Rot und jenes Langloch mit daran hängender Feder prangten.

Der Arm, etwas wackelig, wurde sogleich nachgezogen, aber auch in diesem unwackeligen Zustand war der Fingerdrucktest äußerst aufschlussreich:
Drückte ich den Arm in Aktionsrichtung, ließ er das wohl einen guten halben Zentimeter zu, ehe die eingehängte Feder zu arbeiten begann.

Nahm ich den Finger weg, kehrte die Feder dann auch eher gemächlich zurück in ihren Ursprungszustand … wenn überhaupt.
In jedem Falle nicht jenes sofortige Wieder-an-Ort-und-Stelle-Sein, wie ich es von einem gesunden Federspanner erwarten würde.

Also: verarzten. Was heißt:
Mehr Federspannung von Anfang an – was das Langloch nicht bewerkstelligen konnte.
Die Feder hing schon am äußersten Punkt und, mit Kabelbinder an einer relativ tiefen Stelle des Arms, wohl auch nicht der beste Wirkhebel und weit weg vom eigentlichen Geschehen.

So griffen die inneren Planungsaffen zu etwas eigener MacGyver-Musik nach Schere, Ersatzzugfeder (hatte mein bester Freund mir glücklicherweise mit den Langlochblechen damals zugesteckt) und – natürlich – Kabelbinder.

Die alten Befestigungen der Spirale – ebenfalls Kabelbinder – schnitt ich beherzt durch und gewann damit die verbaute Feder zurück, welche sogleich mit der zweiten Feder parallel verbunden wurde (abermals Kabelbinder und etwas Zangeneinsatz, um die Federschlaufen zu kleineren Ösen zu drücken).
Diese beiden Zugfedern befestigte ich nun direkt auf der Achse des Spanner-Pulleys, und statt am Langloch fanden die oberen Enden der Zugspiralen ihren Platz etwas weiter abseits und gespannter an der Strebe der Sitzhängematte.

Mit zusätzlicher Vertäuung an der Vertikalstrebe – auf dass die Federn nicht intrinsisch spannungsmindernd zu wandern begännen (und ich den Sitz noch wie gewohnt auf der Strebe befestigen könnte) – war der Federspanner dann auch womöglich bereit für seinen Einsatz.
Ach, und das nun überflüssige Langloch gewann ich noch für das Ersatzteillager zurück.
Da hatte Denis wiederum schon recht: Kann man eigentlich immer gebrauchen, diese Teile.
So betrachtet, in Verbindung mit den Bulletproof-Lagern samt Glastisch-Separator, sah das ganze Kettenkonstrukt schon aus wie von einem anderen (unterentwickelten) Stern,
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aber der Fingertest ließ keine Wünsche offen:
Die vorgespannten Federn zeigten deutlich mehr Arbeitseifer.
Nach guten fünf Millimetern siegte die vorgespannte Feder, und nahm ich den Finger wieder weg, war auch jene Lethargie beim Zurückkehren durch blanken Schießhund-Eifer ersetzt worden.
Formidabel.

Die anschließende Testfahrt auf der gleichen Teststrecke fiel dann auch so fehlerfrei aus, wie ich es mir von Anfang an vorgestellt hatte.

So gewann mir sogar der leergesoffene Akku, den ich vergessen hatte nach vielen energieintensiven Testrunden mit Schubhebel, ein Lächeln ab.
Selbst wenn ich den Zweitakku gerade nicht dabei hatte, denn: Auch diese Mehrbelastung durch fehlende Motorunterstützung meisterte Kette Nymphi mit Bravour – ohne Zicken und ohne Rattattatt …

So konnte ich mich endlich um jenes Rechteck kümmern, das schief und provisorisch mit Duct Tape rückseitig das Geschehen hinter dem Lord zeigte.

Der ursprüngliche, von NLM gedruckte Fuß hing zur Hälfte festgenietet an der Vertikalstrebe hinterm Lenker – unnötig aufwendig, die ganzen Nieten aufzubohren – und zur Hälfte an einer Verschraubung auf der Bildschirmrückseite.
Beim Abschrauben und weiteren Inspizieren stellte ich mit (immerhin erwarteten) Schrecken fest, was so typisch ist für diese Makerbot-3D-Drucke:
Sie sind alle sehr sparsam vom Material her – und das heißt: hohl.
Das wiederum heißt, dass die Bruchflächen der beiden Hälften sehr, sehr klein ausfielen im Verhältnis zur nötigen Klebekraft.

Also griff ich mir kurzerhand jenes Plastikröhrchen mit der Epoxyknete darin und klatschte etwas davon in die Hohlräume sowie um die Treppen auf der Außenseite, auf dass es dann nach ein paar Stunden eine feste Verbindung eingehen würde, die dann mit Schraube Rückspiegel-TV wieder halten sollte.

Die anschließende Testfahrt mit zweitem Akku und herrlich entspannter Pedalerie nebst helfendem Motor – fing Murphy dann dennoch wieder an zu kichern.
Erst leise, aber dann proportional zum immer schieferen Bildschirm lauter werdend, ehe die Knete nach Hubbeltour und Waldweg ihre Aufgabe wieder vollständig dem Kabel übertrug.
1000082291.jpg
„Fuck“ war dann aber das Einzige an Gefühlsausbruch dazu, während die Affen schon weiter forschten.

Jede Art von Kleber fiele schon mal weg – sie bräuchten wohl alle etwas mehr Wirkungsfläche als dieses bibelseiten dünne Plastik. Oder gab es schon Durchbrüche in der Klebstofftechnologie? Würde ich mal recherchieren.
Doch bis dahin …
… raunte wieder „Kabelbinder“ durchs Planungsbüro.

Folglich fuhr ich zu einer der vielen Parkbänke entlang der Testroute und fischte ein paar Kabelbinder nebst einem kleinen Schraubendreher hervor und löste das verknetete Bruchstück vom Bildschirm.
Durch die nun freien Schrauböffnungen des Monitors führten die dünneren Kabelbinder mit einigem Nachdrücken dann auch ganz passabel, um sie anschließend um die Vertikalstrebe und die oberen Composit-Ausläufer festzuziehen (auf denen Faltschloss-Aufbewahrung und Handyhalterungsfuß schon klemmten).
So sah das Ganze von außen und aus Fritzi-Perspektive fast so aus wie neu … abgesehen von vielleicht einem Grad Abweichung zur Horizontalen. Vertretbar.

Bis mir eine bessere Lösung (etwa mit „Future-Glue“ auf Eselpisse-Basis) einfiel, war dies hier immerhin besser als das bisherige Duct Tape oder der unnütze Knetefuß, und der akute Wegfall der Rücksicht damit beigelegt – und es blieben sogar die Stinktiere ruhig …
Darüber hinaus:

„Kette wechseln“ hatte mich insgesamt gute fünf Nächte müde Schrauberei gekostet, Rückspiegel-TV hielt seine Stellung unsichtbar, und ehrlich gesagt wollte ich jetzt einfach nur noch fahren.

Also ein kurzer Blick auf die To-do-Liste:
– Die vorderen Bremsen mit ihrem Fluxkompensator-Y an der Bremsleitungsaufteilung?
Klar, sie fühlen sich im Hebel etwas teigig an, verzögern aber immer noch ordentlich, und ein vorsorglich besorgtes komplettes Hydraulik-Wartungs-Kit mit Spritzen, Schläuchen und Shimano-kompatiblem Öl – wie DantheMan einst @kart geraten hatte – würde im schlimmsten Falle nur einige Zeit länger ungenutzt herumliegen.

Oder an irgendwelche Fixer hinterm Bahnhof weiterverkauft werden, was karmatechnisch vermutlich irgendwo zwischen „fragwürdig“ und „zwei Wiedergeburten als Matschhüpfer, eine als Stein“ einzuordnen wäre.

– Das Häubchen innen mit Stickern tapezieren hingegen
klang ungefährlich, kurzweilig und erfreulich bunt.
Außerdem von außen unsichtbar und damit kompatibel mit den Ästhetik-Stinkern in meinem Kopf, die es ja eher dezent und originalgetreu mögen.

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– Fritzi bürsten
Schnell erledigt.
Wobei er vermutlich eher mal eine Ehrenrunde Waschmaschine verdient hätte.


Alles andere
– Windschutzscheibe gegen Pollenbeschuss,

– Aluminium-Dengelarbeiten für eine bordsteinresistente Metallmaske (zumindest fürs Kinn, wie von @stan angeraten) oder

– die Integration eines „EXTERMINATE!“-Dalek-Soundmoduls als zweite Hupe
wanderte gedanklich erst einmal in den Sommer.

In eine Zeit mit mehr Raum, mehr Ruhe und idealerweise einer richtigen Werkstatt im Garten mit eigener Einfahrt.

Die Idee, sich in der zum Ende des Schuljahres anstehenden Elternzeit ein kleines Setup dort aufzubauen – mit Tiny Home oder Wohnwagen daneben – als Anlaufpunkt für Velonauten und andere pedalgetriebene Wesen auf Durchreise, die einen Schlafplatz, etwas Essen oder schlicht eine Werkstatt bräuchten.
Für gratis und umme.
Ja, das gefiel mir zunehmend besser.
Hätte auch meiner Mom gefallen, die immer meinte, dass Haben ohne Teilen auf lange Sicht nur einsam macht.
Und erst das Karma:
Altruistisch genug, um selbst den Verkauf gebrauchter Bremsenspritzen-Kits im Bahnhofsbereich moralisch wieder auszugleichen.
Vielleicht. Wenn Karma so funktioniert.

So vergingen die nächsten Wochen:
Mit Kettenfrieden aus dem MacGyver-Kettenkonstrukt.
Mit wackeren G13-Speichen.
Mit leicht teigiger, aber zuverlässiger Bremse.
Mit haltendem Kabelbinder-TV.

Und mit erstaunlich unbeschwerten Fahrten, die mehr Zeit zum Tagträumen ließen als von Fehlersuche geprägt waren, „plante“ ich also schon Lord Defects zukünftige Residenz.

... Wird wohl ein volles Jahr …
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank für den Einblick in den Alltag eines NLM-Fahrers! Hab den Thread gestern erst entdeckt. Alles hab ich jetzt nicht gelesen, aber die Macken des Fahrzeugs scheinen doch leicht zu überwiegen. Schade! Du fährst es aber trotzdem seit eineinhalb(?) Jahren. Es muß also noch irgendwas überwältigendes geben, das Du uns bisher verschwiegen hast (sofern ich´s nicht überlesen hab).

Die beiden Gründer scheinen seit Nov. 2025 nicht mehr in dem Unternehmen zu sein, wenn ich das richtig verstehe:
 
Vielen Dank für den Einblick in den Alltag eines NLM-Fahrers! Hab den Thread gestern erst entdeckt. Alles hab ich jetzt nicht gelesen, aber die Macken des Fahrzeugs scheinen doch leicht zu überwiegen. Schade! Du fährst es aber trotzdem seit eineinhalb(?) Jahren. Es muß also noch irgendwas überwältigendes geben, das Du uns bisher verschwiegen hast (sofern ich´s nicht überlesen hab).


Ich fahre es nun seit September 2023 in dem Dreh, und es gibt (mittlerweile) auch unbeschwerte Tage und Wochen, in denen es einfach nur fährt.
Natürlich walze ich diese unbeschwerten Momente hier nicht groß aus, so überwiegen hier im Tagebuch natürlich die Pannen, Issues und Wehwehchen.

Und verschwiegen hab ich vielleicht nur den Zwölfzylinder im Heck...;)

Spaß beiseite:
Ich liebe dieses Fahrgefühl mit den offenen Fronträdern und dem leichten Gerutsche, wenn man es auf Kopfsteinpflastern drauf anlegt, denn es bringt mir - fast - jedes Mal gute Laune...
Ausserdem liebe ich technisches puzzeln, und in der Hinsicht hat mir Lord Defect bisher in dieser Zeit wirklich viel beigebracht.

Dass die Situation bei NLM gerade ein bisschen verwirrend ist (seit Oktober bekomme ich es mit) und Ersatzteil Anfragen ignoriert sowie Anzahlungen zurückgegeben werden ist in der Tat ein bisschen nervig, aber dann finde ich mir eben eigene Lösungen, wenn es die mal braucht.

Vielleicht fehlt mir auch einfach der Vergleich zu anderen Velomobilen, ist das doch mein erstes, und bislang einziges, dass ich fahren durfte (abgesehen von Stans selbst gebautem Holz Velocar, und das ist a Class of it's own :)

Ich hoffe, ich konnte dir bei der Beantwortung der Fragen etwas helfen, und danke für das Interesse.

PS:

Das Teil sieht einfach cool aus,
Ja, das hatte ich ja fast als einen meiner Hauptgründe vergessen zu erwähnen, danke:)
 
Freut mich, daß das Ding gute Laune macht. So ähnlich hab ich mir das auch vorgestellt. Darfst gerne mehr darüber berichten, sonst bleibt hier ein ziemlich einseitig, negatives Bild von dem Fahrzeug zurück.

Es würde mich mal interessieren, wie Du das Werbevideo
aus heutiger Sicht kommentieren würdest.
 
Das Video stammt aus der Anfangszeit, als noch von Generatorantrieb und einem Akku in der Nase die Rede waren, Aerocaps noch nicht erdacht und auch die Leuchten sind etwas anders aufgebaut.
Ich hätte die Scene mit dem Kopfsteinpflaster womöglich schneller befahren gedreht, so dass man diese (gutmütige) Rutschetendenz besser begreift... Aber war halt zu dem Zeitpunkt Prototyp, den wollten sie wohl schonen, und "the edge of light" als Soundtrack mutet ja auch eher gemütlich an, denn Driftparty.

Die 100Meilen Reichweite bringen mich heut jedes Mal zum Lachen, schaffe ich doch mit einem Akku je nach Komfort nur maximal die Hälfte.. Und das mit Rückenwind.
An sonsten:
zwanzig mal so effizient wie ein Tesla, die besten Köppe im Business und erstes seiner Art Gequatsche sind natürlich Marketingauslegungen der Realität, zu viiiel Augenfutter... Aber was soll ich sagen:

Mich hat es abgeholt... Und würde es auch wieder;)...Nur schüttel ich heute eben öfters mal amüsiert den Kopf. ;)
 
Wie oft fährst Du denn eigentlich damit? Ist es für Dich ein Alltagsfahrzeug geworden, oder eher ein Spaßgerät für gelegentliche Ausfahrten? Und welche Strecken fährst Du damit so? Eher kürzere Strecken Stadtverkehr in Berlin - oder?
 
Wie oft fährst Du denn eigentlich damit? Ist es für Dich ein Alltagsfahrzeug geworden, oder eher ein Spaßgerät für gelegentliche Ausfahrten? Und welche Strecken fährst Du damit so? Eher kürzere Strecken Stadtverkehr in Berlin - oder?
Beides: Einerseits ist es mein Alltagsvehikel für den Arbeitsweg mitten durch Berlin (durchschnittlich 12 Km Plänterwald- Schöneberg) ebenso wie Friseurbesuche, Arztverabredungen und zum Einkaufen (2 Kästen Wasser passen gut - ein Erwachsener Mensch nicht), und wenn ich dann nicht schon genug Spaß damit habe, rolle ich auch gern am Wochenende irgendwo hin, wo es Wasseroberflächen mit Bootchen gibt (Wenn es Alltag und die vielen vier Kinder es zulassen). Ich empfehle, tapfer bis zum Ende durchzuhalten, vielleicht beantwortet das ein paar aufkeimende Fragen ja schon. - die KFE darfst du dabei auch überspringen, denn die findest du wo anders hier gebündelter und zu Ende erzählt (und dir stattdessen drei bis fünf Wochen pannenfreie Fahrt pro KFE vorstellen) ;)
 
Gibt es irgendwo eine Nur-NLM-Community? Anders ausgedrückt: gibt es Infos zur momentan verkauften Stückzahlen IN BENUTZUNG?
Du schreibst gerade in der deutschsprachigen.. Herzlich willkommen. Setz dich doch.. (*reicht ihm rissige Hängematte*) :)

Ich hab auch schon danach gesucht und bin bisher noch nicht fündig geworden. Wer mehr Erfolg hat, dem dankt Fritzi im voraus..:)
 
1774687851534.png
Es scheint zumindest 5 Hüllen zu geben?
Danke für deine Texte. Mich hält noch der scheinbare Vorseriencharakter der Technik ab und natürlich der Platzbedarf dieses Gerätes.
Verkleidetes Heckrad, dazu mind. 26" rundrum. D-konform und eine etwas größere Bodenfreiheit. Dann könnte man mich schon in das Was-wäre-wenn-Zimmer setzen...
Aba wie datt imma so is: kein freundlicher Milliardär beschmeisst mich für Nullo mit einem ausgereiften NLM, einem LeMans und dem Platz für das alles!
So bleibe ich in zweiter Reihe und lese halt nur mit. :)

BTW: Bitte erinnere mich daran, das nächste Mal beim Lesen KEINEN Kaffee zu trinken.
 
Also ich weiß von
-einem in Frankreich und

-einem rotnasigen in Spanien, denn die wurden zeitgleich mit Lord Defect verschickt,

das spanische hat es sogar in die lokalen Printmedien geschafft:
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Northern light Motors selbst zeigt fast immer nur

-ein grünes (nummer5) und

-das rote 630 mit den weißen aerocaps (Nummer 6)...

-Ausserdem taucht immer mal wieder ein gelbes mit kleinem hubbel auf dem Dach auf ( auf dem Bild von @UlrichB das vorderste)

-Dann schraubt gerade ein Engländer an Nummer 11 herum (das gelbe aus dem wackeligen Vorstellungsvideo)
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- Ausserdem eines, das zum Verkauf stand
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- Und @Duet hatte eines in Chalon-sur-Saône–Belleville-en-Beaujolais gesichtet.

Ach, und natürlich
-the Great Panjandrum von @kart

und last and least

-Lord Defect.

Die Suche geht weiter:)

PS:
Ach und ein Potentieller Kunde schrieb mir einst, seine Bestellung wurde storniert:

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So komme ich wohl auf 10 Exemplare.. Von denen mindestens zwei wohl gerade nicht fahren...
 
Zuletzt bearbeitet:
Kapitel 46

„Kannst du den Schlauch ein bisschen mehr Richtung Zahnrad …?“

hörte ich Dr. Hondas Stimme außerhalb des Kofferraums, in dem ich wieder mal – und vor offener Rendez-vous-Bar – dem Klingonenpack einen Besuch abstattete, während Lord Defect mit britischer Geduld in der leer gefegten Garage der Schule diese Tortur über mich ergehen ließ.

Zuvor war ich vergnügt, ohne dass die Ketten mir auf selbige gingen, den Weg in die Ferienbetreuung gemeistert. Jedoch merkte ich nun nach ein paar hundert Kilometern, dass die Pedalerie ein wenig schwerer zu treten war als zu erwarten – an jenen Stellen, mit jener Geschwindigkeit, in jenem Gang.

In der Ferienbetreuung mit traumhaftem Personalschlüssel blieb dann auf Arbeit also genug Zeit, dem japanophilen Motorradfan von Erzieher etwas meines aufkommenden Vehikel-Kummers zu klagen.
Bei ihm hatte ich wenigstens sicher einen zuverlässigen und interessierten Zuhörer.
Nicht selbstverständlich in Erzieherkreisen …

Der hörte sich das Ganze nickend an, dachte kurz nach und resümierte dann unverzüglich:

„Muss ich mir anschauen … Wir gehen mal eben in die Garage!“

Die mitbekommenden Kollegen nickten das nur gleichgültig ab, wie stets, wenn in den Ferien mal auf zwei Kinder anderthalb Erzieher kamen, und so schleifte er mich durch das leere Schulgebäude zur Garage – mit dem Plan an mich, den Kettenstrang mal offenzulegen oder so weit zu präparieren, dass man mal im Stand treten könne … bitte.

So fischte ich also die großen Legosteine aus dem Bug und öffnete die Rendez-vous-Bar.

„Ich kann es dir von hier zeigen, aber hereinkriechen – das mute ich niemandem zu“, wollte ich seinen Tatendrang etwas dämpfen, was er jedoch enthusiastisch lachend und den Kopf schüttelnd quittierte.

„Da pass ich doch gar nicht rein, hatte ich auch gar nicht vor.“

Er schritt einige Schritte von einem fragezeichen-gesichtigen Frederik weg zu seiner Honda und zog etwas aus einem der beiden Koffer.

„Ein Endoskop. Nur der Kameraschlauch muss dahin, wo es was zu sehen gibt.“

Wow … clever … und naheliegend …

„Und wie kommt er dahin, wo es was zu sehen …?“
Beim Stellen der Frage ahnte ich schon die Antwort (seufz), und so kletterte ich sogleich in die bewährte Position, um leicht zu bremsen, dabei zu treten und einen Schlauch zu halten, während Dr. Honda draußen und bequem der Kette zusah.

Ein paar Platzeinweisungen später erklang auch schon am Bildschirmende des Schlauches ein wissendes:
„Ach sooo … ja, dann ist klar … Tret noch mal unregelmäßiger, um sicherzugehen.“

Beim anschließenden Herausklettern durfte ich auch schon an den Weisheiten von Doktor Honda teilhaben:

„Was macht denn der Kettenfang dort zwischen den Ritzeln?“

„Er … verhindert, dass die Kette dorthin abspringt.“

„Aha. Und was macht dieses Teflonband-Stück Metall daneben?“

„Es … verhindert, dass die Kette auf die Klingonen springt.“

„Was? Klingonen?“

„Den Kettenfang“, korrigierte ich eilig.

… das jetzt aufzuklären, hätte den Kettenguru vor mir womöglich aus seinem Erkenntnisbericht gebracht.

„Okay. Also hast du im Wesentlichen eine Führung gebaut, die vor der anderen Führung schützt … und jetzt sieh dir das mal an“, begleitet von etwas Getippe auf den um den Bildschirm verteilten Tasten.

Doppel-wow.

Sein Endoskop machte nicht nur gut scharfe Fotos, sondern auch ganze kleine Videosequenzen. (die er im Anschluss gelöscht hatte, ohne sie mir vorher zu geben...d'oh)

„Die Kette kommt zu schräg rein, und dein dazwischen gebauter Kettenfang hat das ja noch weiter schräg gezogen.“

Ich sah peinlich betroffen, ertappt wie ein Anfänger, zu Boden.

„Dadurch brauchst du wohl mehr Kraft, weil die Kraftlinien so nicht wirklich effektiv zueinander stehen“, überging er das ignorierend.

„Und wenn zwei Eltern in verschiedene Richtungen ziehen, pendelt sich der Erstklässler eben in seine für ihn erträglichste Lage ein … Nennt man dann Resilienz … Aber erklärt eben auch, dass der Erstie dann quer zur Norm läuft, du verstehst?“, gab er dem ganzen Fachgesimpel dann zumindest noch einen pädagogischen Anstrich.

Ketten sind wie Erstklässler – ja, das hatte ich mittlerweile verinnerlicht …

„Aber warum muckt Erstklässlerin Kettarina denn dann erst jetzt herum?“, suchten die inneren Affen nach einem Zweifel, der ihre Arbeit nicht ganz so dilettantisch wirken ließ.

Er zuckte die Achseln.
„Vielleicht belästigt der grabbelnd-ekelhafte Teflonband-Epschwein sie ja, wenn die Eltern wegschauen beim Rundenlaufen, wer weiß …
Ich würd jedenfalls den Kettenfang ausbauen. Und das Teflonblech da natürlich anpassen.
Dann müsste das an Führung reichen, wenn der Rest läuft. Wenn nicht, hol dir ein Endoskop.“

Ein pfeifend anerkennendes „Stark“, als sein Auge auf dem vorderen MacGyver-Kettenspanner fiel, ließ das innere Planungsbüro dann doch mit ein bisschen Rest-Ehre zurück.

War mir gleich – ich war nur dankbar für den Tipp. Und da es erst in einer halben Stunde in der Mensa zu Tisch gehen sollte, beschloss ich, das Vorhaben dann gleich mal umzusetzen.

Maulschlüssel und Inbus gehörten schließlich zum Standardequipment des Werkzeugparks in dem alten Schulrucksack, und das wäre bestimmt relativ schnell …

Der Timer zum Mittagessen in der Armbanduhr erinnerte mich gerade daran, als ich die beiden Klingonen ausgebaut, die Zahnräder wieder wie ursprünglich um den Spider drapiert und die Klingonen dann wieder auf der anderen Seite des kleinen Zahnrades eingebaut hatte.
Hier sprang Nymphi zwar nie hin, aber hier schadeten die Klingonen auch Keinem, und so klapperten die Dinger wenigstens nicht in der Ersatzteilkiste herum, sondern werteten vielmehr die Rendez-vous-Achse (zumindest optisch) ein wenig auf.

Eine Runde Fischstäbchen nach dem ausgiebigen Händewaschen später erbat ich mir eine weitere halbe Stunde, die ich mit der Anpassung des Langlochblechs verbringen sollte, was glücklicherweise auf ein wohlwollendes Nicken stieß. Inzwischen waren auch zwei Kinder abgeholt, und der Polizeistaat-Eindruck wuchs mit jedem auf der Bildfläche sichtbaren Erzieher …

Ich mag solche Ferienbetreuungstage.

Durch die kleinen Muttern, mit denen das Langlochblech auf Distanz und in der Seitenwand befestigt war und die bereits bei der ersten Einstellung sehr gute Arbeit geleistet hatten, war es also auch nun möglich, die Führung zehntelmillimetergenau auf Abstand zu bringen.

Und das sogar nach nur zwei Dritteln der erbetenen Zeit.

Der anschließende Testlauf auf dem Lego-Dyno mit leicht gezogener Bremse (als Lastsimulation) lief tatsächlich bedeutend leichtgängiger, und nach einigen weiteren Viertelumdrehungen der entsprechenden Muttern hörte auch – die nun gerader auf das Ritzel kommende – Nymphi auf, rattig aus ihrer Bahn zu streben, und lief sauber und mit wenig Abstand zur Teflonbandkante.

Alle beteiligten Gewinde noch einmal fest angezogen und alles wieder verstaut, durfte ich dann intensiv Händewaschen und die nächste Stunde mit Dr. Honda auf Schulkinder gucken und Zeichnungen machen, während die anderen Kollegen ihre Karma-Stunde mit Kaffee, Besorgungen in der Umgebung und Telefonaten verbrachten.

Bei der Fahrt nach Hause war der erhöhte Kraftaufwand verschwunden, die Kette ließ sich wieder wie gewohnt treten, Doktor Honda – mein persönlicher Kettenguru mit pädagogischen Gleichnissen – hatte recht behalten, und die gute Feierabendlaune verbesserte sich noch, denn:

Zuvor, pünktlich zum Feierabend in der Garage, stieß ich auf einen bärtigen Blaumann, der lächelnd mit Fotohandy um Lord Defect herumlief und den ich in dieser Garage noch nie gesehen hatte.

Er stellte sich als „der neue Hausmeister, aber Vorname reicht“ vor und tanzte fotomotivsuchend um das Dreirad, das da einfach so und verboten bequem auf dem freien Parkplatz einer Lehrerin stand, die nachweislich zu dieser Zeit irgendwo in Frankreich Schnecken kochen lernte.

Sein Vorgänger hätte bestimmt auch verärgerte Fotos gemacht, also wagte ich mich – unterwürfig, wie der alte Hausmeister, es uns Pädagogen nach dem guten alten Pavlov an-konstituiert hatte:

„Gibt es ein Problem, weil ich auf ’nem regulären Parkplatz stehe mit dem Fahrrad?“ Sir?

Bereit, losbrechendes Gezeter dünn und gepresst lächelnd zu erdulden …

Hausmeister Vorname sah mich kurz verwirrt, dann freudig an.
„Das ist deins? Ja, Hammer! Warum sollte sich wer beschweren, dass das hier steht?“

Sympathisch, denn genau die Frage hatte ich seinem Vorgänger in den letzten Osterferien auch gestellt.

„In der Fahrradecke da bei den Steinen geht das doch total unter …“, schüttelte er den Kopf und sah sich in der Garage um.
„Ein bisschen Weiß und einen Linienwagen … Zauber ich dir einen präsenteren eigenen Parkplatz … Ich überleg mir mal, wo hier.“

Dieser (für mich) surreale Moment – nach nunmehr sieben Jahren „Fass hier nix an!“-Mentalität mit hilfsbereiten Spuren – gipfelte schließlich darin, dass er ein Maßband aus der Tasche zog und Lord Defects Dimensionen vermaß.

„Wow, das ist mal ein Einstand“, war dann die erste Reaktion, die es auf die überforderte Zunge schaffte.

„Na, das kann ich nur erwidern. Was ein krasses Ding. Selbst gebaut?“

So schnackten wir kennenlernend noch gute zwanzig Minuten, ehe er mir anbot, für kleinere Reparaturen gerne auch mal die Werkstatt im Keller – Pavlovs einstige heilige Hallen – und vor allem deren Werkzeug nutzen zu dürfen, sei ja alles da, nur „… die Hälfte der Ladegeräte ist Schrott.“

Ich gestand also meine Beteiligung an zumindest einem schrottigen Gerät, und die Story dahinter brachte ihn zum Feiern und mein Karma ins Reinere …

… vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
 
Kapitel 47


„Was soll denn dieser Mist jetzt, Fritzi?“


knurrte ich das Erdmännchen an, als auf der Rückfahrt eines kleinen Spaßausflugs zum Müggelsee kurz hinter Schöneweide der Antrieb wieder einen auf Diva machte.
Er fiel nicht aus, der Motor lief noch – stockend und lahm –, auch die Pedale hakten nirgends, vielmehr ließen sie sich frei treten.

Das kannte ich schon, und es lag ganz sicher nicht an Nymphi. Deren Kapriolen hatte ich ja bereits verinnerlicht:
Entweder totale Pedalwegverweigerung oder ein ähnliches Freidrehen – allerdings ohne den Schluckauf-Motor. Der war nur aufgetreten, als Nymphie gleichzeitig mit einigen Gliedern über das Zahnrad hinweggerattert war und eben nur sporadisch den Hall-Sensor auf der Rendezvous-Achse ein Stück weiterbrachte.

Also vermutete ich Ketti II, welche vom großen Ritzel zum Heckrad wandert …
Jeder darf ja mal … seufz.

Ein prüfender Blick hinter den Kofferraum in die Bar bestätigte meinen Verdacht dann:

Ketti II war vom Kettenblatt gepurzelt und lag nun nutzlos auf der Achse zwischen Bordwand und ihrem Arbeitszahnrad.
Da dieses etwas größer war und der Raum zum Herumfriemeln an Kette und Ritzel beim Rückwärtstreten sehr begrenzt, mussten die beiden Legosteine aus dem Bug gefischt und das Heckrad etwas angehoben werden, damit die Kette beim Vorwärtstreten in dem relativ großzügigen Raum über dem großen Zahnrad leichter ihren friemeligen Weg zurückfand …

Anschließend alles wieder verschlossen und verstaut, widmete ich mich dann doch noch einmal it ein paar Feuchttüchern, einige Minuten lang den Finger- und Patschepfotenabdrücken, da Handschuhe anziehen ja so lange gedauert hätte (hüstel), und achtete während der folgenden Rückfahrt auf Geräusche, Fußsohlensensorik und das Timing der Schaltvorgänge … alles blieb ruhig und vorhersehbar.

„Wer weiß, woher das kam, Fritzi“, beruhigte ich das Erdmännchen also ein wenig, genoss die restliche Rückfahrt bis zum Einbiegen in Lord Defect’s Castle Way – also auf ein kleines ungemähtes Rasenstück – und damit plötzlich wechselnder Last durch mehr Untergrundreibung (da die Halme höher als 8 cm Bodenfreiheit gewachsen waren – hach ja, der Frühling …).
Das Ganze garniert mit einem fleißig hinunterschaltenden Frederik, der keine Lust hatte, das nächste Mal im achten Gang anzufahren …

Diese Melange an Lastwechseln musste Ketti II derart verwirrt haben, dass sie wieder verzweifelt von der Kettenkante sprang – Richtung Bordwand diesmal.
Armes Ding, braucht wohl Spannung und/oder Führung …
Zwei Ketten, doppelter Spaß …
Hmpf …

Im sizilianischen Bullen eines Kofferraums hielt ich also kurz darauf eines der beiden Langlochbleche und hielt es an die Bordwand in Richtung des Einlaufpunktes auf dem großen Zahnrad.
Und wer hätte es gedacht (außer Murphy): Das Blech diente auf diese Weise der Kettenführung, wie einem Tyrannosaurus seine Arme dem Schleifebinden geholfen hätten, hätte es schon Schuhe gegeben.

Zum Glück sprang die Erinnerungskommode auf und zeigte Bilder aus dem einstigen Kramsschrank: 30 cm Metallstreifen in dezentem Schwarz mit einigen kleineren Langlochbohrungen, die einst einen Schrankaufsatz auf einem Schrank fixiert hatten und seit meiner Hilfe bei einer Abrissparty zu Studentenzeiten ihrem neuen Verwendungszweck entgegenstaubten.

Und die hellhörigen Affen meines inneren Planungsbüros bissen an.

Ein auf euch zukommendes und sich wieder entfernendes Adam-West-Batman-Logo später – nebst Soundschnipsel – durchsuchte ich also fluchend die ganzen Scheißkisten in den klaustrophobischen U-Boot-Gängen meines Kellers nach jenen Metallstreifen.
Etwas, das seit jener Woche noch schwieriger geworden war, da mein bester Freund Denis seinen Wikingerhaushalt ebenfalls hier geparkt hatte und nun diverse Kettenhemden in XXL – erst recht vom Gewicht –, Schilde, Äxte und Trinkhörner den Keller zusätzlich schmückten und füllten wie die Stadtarchive von Flake.

Nach geschlagenen zwei Stunden Requisiten-Tetris hielt ich sie dann in den Händen:
3 mm dicke, unterarmlange und gelochte Metallstreifen, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Beim Abendessen erklärte ich dann dem Alpha-Weibchen, warum ich so staubig und mit Spinnenweben aufgetaucht sei.
Und natürlich war ihr innerer Nick Knatterton auf die beiläufig eingestreuten Details aus:

„Warum hast du Denis’ ganzen Scheiß in deinem Keller?!“

„Er … wohnt vielleicht seit Neuestem und kurzem in der Bastelwohnung …“


Hach, ich mag es, sie zu überraschen. Diese einzigartige Mischung aus Staunen, Skepsis und Humor in ihrem Blick ist süß …
… und manchmal auch die Ruhe vor dem Sturm.


„Denis wohnt bei … DER Denis?“

„Nein, nein … sein Klon.“

„Witzbold! Warum?“

Also erzählte ich die chaotische Telenovela seiner WG nach, die aus viel konkludentem Handeln und wenig schriftlichen Untermietverträgen über Untermietverträgen bestand.
Und da es eine Telenovela war, hatte der Vermieter – der ja auch nur Mieter war – seine Einnahmen direkt in Reisen um den Globus investiert, seiner wahren Liebe hinterher oder so.
Die Briefe an ihn wurden in der achtzehnmonatigen Abwesenheit wohl gelb, und schließlich waren Strom und Gas weg.

Und da Denis’ dämlicher Mitbewohner ihm sowieso schon seit Langem auf den Zeiger ging, schnappte Denis seine Plünnen, einen Transporter und fuhr ebenso suchend wie überraschend Richtung Plänterwald.

„Wie lang?“

Wahrscheinlich, bis wir umziehen würden.
Immerhin hatte mir Denis vorgeschlagen, beim Ausbau des Hauses zu helfen, und er kannte Gott und die Welt, sodass er wohl auch ein paar weitere kompetent helfende Hände ankarren könnte.

Oder Säulenheilige, deren Hauptaufgabe das Bewachen und Leeren der Bierkästen wäre und die im „Theoretiker“-Baumarkt einkauften – sprich ebenso viele wie unpraktische Ratschläge zwischen den Trinkpausen einstreuen würden …

Zumindest den letzten Absatz verschwieg ich der Gattin zunächst, stand dieses Überraschungsei-Personal doch im direkten Widerspruch zu ihrem Sicherheits- und Planbarkeitsbestreben.

Immerhin beruhigte sie sich etwas beim amüsierten Sticheln:

„ADHS-WG … wo Putzutensilien fünffach gekauft werden, aber keinmal benutzt.“
...

Im schlafenden Lord fummelte ich also mit dem gefundenen Metallstreifen neben dem Einlaufpunkt des großen Zahnrades herum, um potenzielle Fixierungspunkte in der Bordwand zu finden.
Nur gab es keine:

Der Einlaufpunkt liegt etwa bei 12 Uhr auf dem großen Ritzel.
Führte ich das Blech vor der Rendezvous-Achse zu jenem Punkt, kollidierte es mit der Achse selbst sowie mit den Fixierungen des kleinen Langlochblechs, das schon Nymphi führte.

Also hinter der Achse nach oben geführt. Hier würde es nahezu unmöglich, die Bohrungen zu setzen, ohne das gesamte Kettenkonstrukt mit Achsen vorher auszubauen – also doch ein ganz schöner Aufwand. Und dabei war noch nicht einmal geklärt, wie ich an jenen Bohrungen die Rückseite mit Muttern und Unterlegscheiben durch die Kreislöcher erreichen sollte.

Also, was tun?

Eine Runde im Kreis laufen, um die Beine wieder aufzuwecken – so schlugen die Affen vor, dass das Führungsblech dann eben von oben kommen müsse, wenn es von unten nicht zu befestigen wäre.
Aber über dem großen Ritzel gab es nichts als freien Bauraum, umringt von der Außenwand, die die Ästhetikstinktiere für Bohrungen aller Art verboten hatten.

„Dann nimm eben den Winkel“, kam der Streber zwischen den Affen dann zum finalen Einfall.

Die Platte, die die Rendezvous-Kettenbar vom Kofferraum trennt, klemmt auf vier Gewinden, von denen jeweils zwei über einen Winkel mit der Karosserie verbunden sind.
Der obere Winkel würde einen zweiten Winkel aufnehmen können, von dem dann das lange Blech schräg neben den Einlaufpunkt von Ketti II liefe.

Der Streber kam dann noch auf die sinnige Idee, eines der bekannten Langlöcher über Schrauben auf der anderen Seite des Ritzels zu befestigen und Ketti eine weitere Führung zu bescheren, da sie ja bereits zu diesem Zeitpunkt zu je fünfzig Prozentin beide Richtungen abgesprungen war.


So schraubte ich, wie von Affen und Streber geheißen, verbrauchte noch einiges an Teflonband, und am Ende schraubte ich dieses weitere MacGyver-Konstrukt in der Kettenbar fest.
Zwei große Unterlegscheiben aus Gummi wirkten hier übrigens wahre Wunder, um die verschraubten Winkel auch mit nur einer festen Schraube sicher in Position zu halten.

Rendez-vous-Bar-FÜhrung von Oben.jpgRendez-vous-Bar-FÜhrung von Oben näher und seitlicher.jpgRendez-vous-Bar-geschlossen.jpg
Rendez-vous-Bar lässt sich nach wie vor verschließen

Die anschließende Testfahrt, in der ich auf dem Weg zum Treptower Park und zurück unregelmäßig trat, wild hin- und herschaltete (sowohl Getriebe als auch Motorunterstützung), spontane Zickzacklinien fuhr, um etwas Seitenbeschleunigung auf Ketti wirken zu lassen, und einige Abschnitte über den Rasen schleifte, blieb erfreulich unspektakulär: Die Ketten blieben beruhigend auf ihren Bahnen.

So fesselten sie auch keine Aufmerksamkeit mehr, die dafür dann das linke Vorderrad bekommen wollte, an welchem – nach langer Zeit mal wieder – eine Speiche am Nippel umherklapperte …



Zurück in der Bastelwohnung am Zentrierständer verkündete dann Denis, er habe eine freudige Mitteilung.
Musste wirklich etwas Gutes sein – hielt er doch bei der Verkündung zwei Gläser in der Hand, die nach Cola aussahen und nach Rum rochen.

In meinem Geiste sah ich ihn bereits in seine nächste palastgleiche Bleibe ziehen, was meinen Keller und die Wohnung bestimmt wieder in ein komfortableres Verhältnis von Nutzfläche pro Person manövriert hätte …

„Ich hab mir jetzt direkt im Internet einen Azubi bestellt!“, freute er sich dann und reichte mir ein Glas.

„Ach so, nur ein … Moment, was?“

Ein rotes Tifly26 mit ganz schön viel Bums dran, von dem sich die Liegeradmanufaktur wohl alles einzeln bezahlen lässt – aber das sei es ihm wert.

Und ich freute mich natürlich mit ihm, war meine Mission, ihn auf ein eigenes Liegerad zu bringen, doch damit erfolgreich, und wir könnten wohl zukünftig kommunikativere Ausfahrten auf wortwörtlicher Augenhöhe machen …

Er erzählte also lang und breit vom Bestellprozess, der freundlichen Kundenbetreuung und wo er dann überall Gepäck bunkern könnte. Ich nickte, trank und lächelte in mich hinein – und war froh, dass das Thema Wadenburg heute mal in seine Vergessenheit geraten war …

Jetzt blieb für mich nur noch, meine Frau irgendwie auf Liegestuhl und Fahrradbereifung zu bringen.

Und da hatte ich auch schon eine Idee, die ich nach abgeebbter Freude über seinen zukünftigen Azubi Denis präsentierte.


Der hörte zu, sah sich Bilder auf meinem Handy an und nickte eifrig.


„Ja, Hammer. Und das meinst du, würde ihr gefallen?“


Tja, genau das war die Frage, die ich nicht beantworten konnte.

„Da können wir wenigstens zu zweit drin fahren, da kann sie sich ja schon mal heranschnuppern und will dann vielleicht ein eigenes …“, versuchte ich es dennoch.


„Und wenn sie dann davorsteht und sagt: In so was Albernem lasse ich mich nicht sehen und will auch keinen kennen, der es tut?“


„Dann hab ich eben Spaß damit – und wer auch immer mitfahren will“, zuckte ich mit (schlecht) gespielter Coolness die Schultern.


„Aha, also eine Überraschung für sie, von der du nicht weißt, wie und ob sie funktioniert – für nur … was kostet so was?“, hakte mein bester Freund nach.


„Es kommt aus Finnland, das heißt schon mal keine Brexitgebühr.“


„Das ist ja schön, willkommen in der EU … und was KOSTET es nun?“, umschiffte Denis die Nebelkerze.


„Es hat auch Ledersitze und ein Holzlenkrad, also schon echt edel gemacht für den Preis …“, war dann das nächste Ablenkungsmanöver.


„Sehe ich auf den Bildern – sieht ebenso Hammer aus wie teuer?!“, schiffte Denis direkt wieder dahin zurück.


„Zwei Lords etwa … und noch was drauf“, war dann mein Formulierungskompromiss, der ihm ein Pfeifen abrang.


„Also willst du euch dieses Kind-of-Tandem für aberwitzig viel Kohle bestellen, und sie hat bisher keinerlei Anstalten gemacht, dir mitzuteilen, dass sie sich auch ein Velocar wünscht?“, fühlte Denis weiter auf den kariösen Zahn meiner Idee.


„Ja, nun … so formuliert klingt das ganz schön dumm“, sah ich ein.


„Du formulierst es eben falsch“, half er nach einem Schluck Rum-Cola.


„Du holst es für dich und willst damit mal Frau oder die Kinder mitnehmen. Wenn sie dann auch Bock auf ein Velomobil bekommt – schön. Aber wenn nicht, dann ist es keine gescheiterte Mission, verstehst du?“


Tat ich – nickend. Framing konnte doch einiges kaschieren …


Denis stimmte ins Nicken ein und winkte ab, dass es ja ohnehin Zukunftsmusik wäre, weil ich ja nicht so dumm wäre, mir jetzt, umringt vom Umzugsstress, auch noch ein derartiges neues Spielzeug ans Bein zu binden …


„Naja … es kommt in acht Wochen … ich war so dumm“, lächelte ich ihn breit an.


„Dann sollten wir ganz schnell noch einen Drink mixen, sonst kommen wir noch zu Verstand“,
lachte mein bester Freund kopfschüttelnd , und so tranken wir auf neue lustige Fahrräder.
 
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