Tagebuch eines Nordlichts (Erfahrungen mit dem NLM 557)

Würd ja gern aber
"bitte nicht noch mal ein halbes Jahr so eine Fanboy Scheiße, während der Wartezeit."
zog Denis mich schließlich am Kragen vom Milan weg.
Bei mir hat es zwischen Probesitzen in einem Milan SL bei der Spezi 2019 und dem Kauf im Sommer 2021 auch zwei Jahre gebraucht. Dann hast du Lord Defect für Berlin und Umgebung und einen Milan für den Rest der Welt.
 
Kapitel 34

"...This was the charter, the charter of the land
And guardian angels sang this strain..."


sang der innere Royal Chor im Kathedralenschiff von St. Brain’s Cathedral – wesentlich harmonischer, als ich es nachpfiff.
Fritzi, der auch irgendwie in der Strophe vorkam, blickte uninteressiert an meinem Arm vorbei auf die linke Flanke von Mount Battery mit seiner innenliegenden Schlangengrube.
Und wie immer, wenn in St. Brain’s Imperiales erklingt, stand Handwerk am Briten an.
Die Affen gingen noch einmal ein paar Checklisten durch, während die Wurst namens linker Zeigefinger wartend auf dem Abzug ruhte.


Vorausgegangen war ein vergnüglicher Vormittag am Sekretär in Gesellschaft von Crimpy, der Zange, mit seinen Snacks, einigen Metern Kabeln, dem alten Saitenschneider, Maulschlüsseln und den gelieferten 1-0-2-Schalter nebst Sicherungsvitrine samt Mega-Sicherung (50 A, 58 V DC).
Wechselschalter (ja, 1+2 Option gäbe es auch daher immer nur einen Akku einschalten, falls ver...jpg MEGA SIcherung.jpg MEGA Sicherungs Vitrine.jpg

Schon beim ersten Anblick des Wechselschalters und dem Vergleich mit dem Angebotsblatt im Bezos-Shop stellte ich fest, mich wohl verlesen zu haben:

Das Exemplar besaß zusätzlich noch die Crossfeed-(1+2)-Schaltung, die ich nicht benötigte und die – würde man sie wirklich verwenden – die Sicherung in den Spannungshimmel schicken würde.Was tun? Einen neuen Schalter?
Im Kramsschrank schüttelten alle Ecken die Köpfe, im Bezos-Shop waren die 1-0-2-Schalter entweder alle mit unerwünschter Crossfeed-Möglichkeit oder nur bis 36 V zugelassen.

Nach ein bisschen Nachdenken kam ich zur Einsicht, dass es weitere Failsafes gab, die Sicherung und System schützen könnten:

  1. Ich würde ohnehin nie beide Akkus einschalten.
  2. Wenn ich den Akku wechselte, wäre der eine Akku ohnehin leer.
  3. Mit der eisernen Reihenfolge Akku 1 aus → Wechselschalter umlegen → Akku 2 an würde ein versehentlicher Crossfeed auch nicht mehr Strom in die Sicherung schicken, sodass diese es überstehen würde.
  4. Selbst wenn diese Stricke reißen sollten – herrje! – dann wäre halt die Sicherung durch, aber nicht das ganze System. Und sie war ja immerhin im Doppelpack gekommen.

Also schnitt ich Kabel und crimpte 8-mm-Ringösen, bis ich ein Ensemble aus vier roten Kabeln hatte, von denen drei an nur einer Seite mit Ringöse und Schrumpfschlauch versehen waren (namens Peter, Paul und noch mal Paul) und eines mit Ringösen an beiden Enden (Mary).


Zum Ensemble gesellte sich noch ein Konstrukt aus drei schwarzen Kabeln, mit jeweils einer gecrimpten Ringöse.
Eine kleine 8-mm-Schraube mit Mutter fixierte die drei Kabel zentral an jenen Ringösen, bis es einem Mercedesstern ähnelte – also Premium (hüstel).


Anschließend bemühte ich dann doch mal die eingestaubte Schiebelehre, um den Durchmesser des Wechselschalters herauszufinden (52 mm), und suchte beim Werkzeug entsprechendes.


Nach einem sich nähernden und wieder entfernenden Adam-West-Batman-Logo mit Jingle befand ich mich also wieder bei Fritzi und seinem komischen Fahrrad, Kabelensemble, Werkzeug und Akkuschrauber am Start.
In dessen Futterstelle klemmte eine Kreislochsäge mit zufällig 52 mm Durchmesser, deren Mittelpunktspitze nun auf der Bergflanke von Mount Battery wartete – wie eben jener Wurstfinger am Abzug dahinter.


Und mit Beginn des Rule Britannia im inneren Kirchenschiff rotierte die Kreislochsäge und nutzte die tragende Akustik der Wanne vollends aus, um dem Chor kakophon beizustehen.
Zum Glück war es (vorerst) überstanden, ehe „... rule the waves ...“ erreicht war, und Mount Battery war um einen kreisförmigen Zugang zur Schlangengrube bereichert.
Die Ecken mit Sandpapier geglättet, den Schalter mit rotem Knauf voran prüfend in die Öffnung gesteckt – passte wunderbar – und gab eine perfekte Schablone für die Fixierungsschraubenführungen ab, die sogleich mit weißem Edding markiert wurden.

Soweit so gut.
Für diese Löcher fütterte ich den Akkuschrauber mit einem Kegelbohrer, der in den Ebenen 5–14 entsprechende Durchmesser bohrt und aufbohrt.
Ein wirklich praktisches Ding für messfaule Leute wie mich: Bohren, bis die nächste Ebene an Durchmesser erreicht ist und der Kegel etwas rutscht, dann absetzen, gucken, ob es passt – und wenn nicht, bis zur nächsten Ebene weiterbohren.
Bei dünnwandigem Material relativ komfortabel.
Kegelbohrer.jpg


Aber natürlich ruhte auch hier die Kegelspitze zunächst abwartend, während die Affen und der Streber die letzten Bedenken loswurden:

Der Akku sollte auf jeden Fall auch auf der linken Seite seinen Ort finden, weil rechts beim Ein- und Aussteigen der Fuß Platz finden muss.
Also war die linke Seite von Mount Battery schon mal richtig.
Hier befanden sich auch keine Steuergeräte oder Relais an der Innenwand, die ich ungeschickt hätte anbohren können.
Auch saß der Kegelbohrer mit guten drei Zentimetern über dem Wannenboden – gut für den Fall der nächsten auslaufenden Cola.


Also ein weiteres Rule Britannia angesetzt, die Zeigefingerwurst angespannt, und bis Ebene 10 passte das Kabel der Batteriebasis bequem in die Schlangengrube.

Als Nächstes galt es, Lord Defect auf die Seite zu kippen, um an das Unterbodenzelt zu kommen, das ich nun bestimmt ein paar Monate nicht mehr inspiziert hatte:
Die Plane mit Reißverschluss lag ein bisschen dreckig, aber unversehrt an ihrem Platz, und sogar der Reißverschluss funktionierte ohne Murren und Klemmen.
Schnell den alten Seitenschneider gepackt, jenes Kabel, das von Batterie 1 kommend in dem Elektrikknäuel mündete, etwa mittig durchgeschnitten und „Robbespierre“ getauft.
Das ergab vier weitere Adern – zur Hälfte rot, zur Hälfte schwarz.


Da Robbespierres Hälften lang genug waren, um aus der engen Schlangengrube ins Freie zu gelangen, gestaltete sich die Verbindungsarbeit mit Crimpzange, Hülsen und Schrumpfschläuchen als komfortabler Job:
Zunächst Robbespierres beide schwarze Adern und jene schwarze Ader vom Neuankömmling in der Grube (aka Batterie-2-Kabel) an die offenen Enden des Mercedessterns gecrimpt und (vorher!) mit Schrumpfschläuchen versehen, die die Crimphülsen zusätzlich isolierten – damit waren die schwarzen Erden fertig.

Die rote Verkabelung geriet dann doch etwas kleinteiliger, auch wenn die Aufgaben des Crimpens und Isolierens zunächst ebenso einfach anmuteten:
Die roten Enden Robbespierres sowie vom Batterie-2-Kabel jeweils mit Peter, Paul und Paul vercrimpt, ergaben drei vorzügliche Aderverlängerungen mit Ringösen an den Enden.


Soweit so gut – die eigentliche Aufmerksamkeit erforderte nun die Verkabelung des Schalters:
Zunächst griff ich mir Mary, jenes präparierte rote Kabel mit den beiden Ringösen, um diese jeweils mit dem Ausgangsgewinde des Schalters sowie dem Gewinde der Sicherung zu verbinden.
An das andere Gewinde der Sicherung wanderte Robbespierres Öse (und zwar jene, welche im Verbraucherknäuel der Schlangengrube endet).
Nun blieben – wie erwartet und von den Affen geplant – nur noch die beiden Ringösen von Robbespierres anderem Ende (von Batterie 1 kommend) und vom Batterie-2-Kabel übrig, die an die ebenfalls erwarteten Eingangsgewinde 1 und 2 geschraubt werden konnten.


Nun begann der nächste, von den Affen mit Sorge erwartete Schritt:
Die Kabel sollten natürlich nicht aus dem Reißverschluss heraus hängen wie die Innereien beim Walfang.
Also stopfte ich behutsam alles in die Schlangengrube.
Die doch recht große Vitrine wurde mittels Montagekleber an die Seitenwand gebracht, der Schalter von innen durch das Kreisloch geschoben und mit Inbusschrauben fixiert.
Ehe die einzelnen Kabelstränge nun in die Grube wandern konnten, galt es noch, die Schaltergewinde isoliert zu bekommen.
Ein optionaler Plastikquader, der einen Korb um jene Gewinde hätte bilden und sie damit etwas abschirmen können, fand in der Schlangengrube keinen Platz.
Schrumpfschläuche wären zu klein und für diese Aufgabe – mit rechten Winkeln von Gewinde und Ringösenkabeln – denkbar ungeeignet.


Im Werkzeugpark der Arzt-T.A.R.D.I.S. musste ich beim Fund einer Rolle Duct Tape an meinen Vater denken, der seinerzeit die Lampenkabel im Keller mit ausgiebigem Gebrauch von Duct Tape aus der Werkbank oder Leuco-Silk aus seiner Arzttasche isoliert hatte...
Sollte sein Ziel die Kohle der Brandschutzversicherung gewesen sein, war er gescheitert – die umklebten Verbindungen hielten dem Hausstrom stand.


Also fackelte ich nicht lange herum und klebte die Rückseite des Schalters ebenso ausgiebig wie gewissenhaft zu.
Auch jene Zentralverbindung des Mercedessterns wurde auf diese Weise isoliert und verklebt, ehe mir etwas Besseres einfallen würde.
Nun friemelte ich noch die Kabelage zurück in die Schlangengrube, fixierte sie hier und dort mit Kabelbindern an Wandklebchen oder anderen Kabelsträngen, bis es vertrauenserregend fest saß.

Und da das bestimmt dem ein oder anderen zu unübersichtlich viel Text sein mag, hier noch mal eine unübersichtliche Zeichnung, als Hilfestellung:
Verkabelung Batterie1 und 2 mit Peter 2Paul und Mary.jpg

Zurück auf die Räder gestellt, wurden fix die beiden Akkus in ihre jeweiligen Schienen geschoben, ein kurzes Stoßgebet abgesendet und der Aufbau getestet.
Beide Akkus ließen sich wie gewünscht umschalten.
Die Umschaltprozedur selbst: eine Abfolge aus drei Sekunden drücken, drehen und drücken, ehe der Kamerabildschirm ansprang.
Auch das Motordisplay zeigte sich nicht wählerisch – woher der Strom kam, war ihm ebenso egal wie dem Motor, der willig dem Schubhebelbefehl folgte.


Auch eine kleine Testfahrt um den Block – sechs Runden mit Akku 1, dann fliegender Wechsel zu sechs Runden mit Akku 2 – überstanden die Akkus soweit gut.
Weder Batterien noch Schalter fühlten sich warm an, es rauchte und roch auch nicht – also blieb nur ein Problem zu lösen:
Wo und wie genau sollte die Basis, die bereits in den zwölf beschaulichen Runden munter in ihrem Bereich zwischen Tascheninhalt-Filzschale und Mittelkanal umherrutschte, fixiert werden?


Zu nah an Mount Batterys Flanke würde ich entweder den Knopf nicht mehr erreichen oder das Schloss nicht mehr gebrauchen können.
Zu weit unter den Sitz behinderte die untere Schlaufenhalterung des Sitzes ein erfolgreiches Hinein- und Hinausschieben, und andersherum hätte das Kabel nicht gereicht.
So sollte die Basis also knapp links vor dem Sitz, frei von Hindernissen, befestigt werden.
Nur wie?
Löcher in den Boden bohren und die Basis festnieten?
Nee – da wäre die alljährliche ungeschickte Colaflut zu nah an den Kontakten, und ich mochte auch keine Löcher in den Boden bohren, wenn es nicht nötig war.

...

Auf der Hunderunde mit Mischling erblickte ich in einem „zu verschenken“-Kasten... nun, eigentlich nichts Interessantes – aber der Kasten selbst, bestehend aus Holzlatten jeweils in etwa der Größe der Batteriebasis, ließ mich und den Hund zwei-, dreimal in die dunkle Umgebung schauen, um dann unbeobachtet eine Latte aus dem Selbstbedienungsensemble zu ruckeln.


Daheim – glücklich über den passenden Fund (die Dreitafelansichten der Anleitungen deckten sich mit dem angesetzten Zollstock) – bearbeitete ich ihn mit Sandpapier und Geduld hübscher.
Die Nägel rausgezogen und etwas Montagekleber geschnappt, ging es sogleich zu Lord Defect und schlafendem Fritzi, um im hell erleuchteten Innenraum die Holzlatte auf den vorgestellten Bereich zu drücken.
Noch eilig die Tasche mit dem Akkuschrauber darauf gestellt, damit ich nicht länger als nötig in dieser schiefen Rückenhaltung die Druck- und Drecksarbeit übernehmen musste, ließ ich Fritzi weiter schlafen.


Die Holzleiste blieb auch am folgenden Morgen fest an ihrem Platz, sodass ich mich – zum nächsten gepfiffenen Lumberjack Song von Monty Python – mit dem Akkubohrer, drei Schrauben und viel Augenmaß daran machte, die Batteriebasis in der Holzlatte zu verankern.


Auf den Arbeitswegen in den kommenden Tagen wurden Akku 1 und 2 abwechselnd aufgebraucht, ohne dass es Ausfallerscheinungen gab.
Erfreut des Lebens, ankommend im Summer Cottage, nahm ich mir fest vor, bei den nächsten vollen Ladungen unbedingt mal den Tageskilometerzähler zu nullen (oder mir zumindest den Startkilometerstand zu merken – na ja, besser nullen, ich kenn mich doch), als ich beim Aussteigen unglücklich mit dem linken Fuß im Batteriekabel zwischen Holzbasis und Mount Battery hängen blieb und das Kabel damit ein gutes Stück aus der Schlangengrube herauszog.

Herausgesprungen und gleich geprüft: Die gecrimpten Verbindungen zum Akku waren wohl immer noch intakt, und auch ein Blick durch den Reißverschluss zeigte keine Auffälligkeiten in der Schlangengrube.
Doch wäre mein Fuß nur etwas heftiger zurückgeschnellt bei den Cancan-Vorbereitungen, hätte es das Batterie-2-Kabel womöglich an seine Grenzen gebracht – und mit ihm die Crimpverbindungen.


Da hätte ich noch so oft und intensiv Imperiales pfeifen und Fritzi wegschauen können.
Also ging im Planungsbüro der Auftrag ein: „Bitte fixen.“
Kabelösen zum An-die-Wand-Nageln – vielleicht nicht genagelt, aber mit Kleber auf dem Wannenboden?
Die waren allesamt aus Plastik und ich glaube, gegen einen ordentlichen Hacketritt ebenso machtlos in ihrer einzigen Aufgabe, das Kabel am Wannenboden und die Flanke hoch auf seinen Weg durch die Wanne zu führen.
Duct Tape?
Die Stinktiere lauschten verärgert auf – also verwarfen die Affen das schnell wieder.

„Dann laminier ich eben was drüber – hab ja noch alles da, und kann ja nicht so schwer sein.“
...

Das Ende vom Laminierlied war ein Glasfasergelage, das seiner Aufgabe sehr gerecht wurde: das Kabel vor unbewusst aggressiven Füßen fernzuhalten.
So weit, so gut.
So ergaben die nächsten Fahrten zur Arbeit und zurück – mit genulltem Kilometerzähler und der gewohnt entspannten 80-Motor/20-Ich-Unterstützung – 117 km.
Ob das sparsam ist oder nicht?
Verglichen mit einer Dornier Do X (1929) ist das wohl sensationell – und das reicht mir auch erst mal.


Doch da ich einige im Studium gelernte Schnitttechniken, wenn es um kurvig verlegte Fasermatten ging, sträflich verlernt, -gessen und folglich -nachlässigt hatte, sah das ganze Gewebe nicht eben brillant oder gar serienmäßig aus.
Tut es bis heute nicht:
nicht perfekt, aber funktional.jpg looks like Stuhl, improovement in pipeline.jpg Mount Battery mit Pedalriesenrad.jpg

Doch Stans Tipp mit dem Alublech brachte in letzter Zeit den einen oder anderen Affen auf eine Idee...Und wie auch schon während des ganzen Fernweh-doppelte-Reichweite-Aktionismus kommt dann wieder der Streber schnippend aufs Tapet:

„Kümmert sich hier einer mal endlich um die To-do-Liste?!“

Ach, die läuft mir schon nicht weg.
Und Murphy fasste das wohl als Angebot auf...
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie immer sehr lesenswert hier, mehr Wortkunst als Anleitung.
Nur als kurze Anmerkung: wenn man zwei Akkus (gleicher Zellchemie) parallel nutzt, schickst Du nicht mehr Strom ins System, sondern n die Verbraucher nehmen sich den benötigten Strom aus zwei Akkus und belasten dabei jeden zur Hälfte ( ungefähr, je nach Alter / Innenwiderstand ) und somit ist das schonender für die Akkus und durfte in etwas höherer entnehmbar Kapazität (= mehr. Reichweite ) resultieren. Natürlich darfst Du wegen sehr hohen moglichen Ausgleichströmen die Akkus nur zusammenschalten, wenn der Ladezustand (=Spannung) der Akkus gleich oder annähernd gleich ist.
 
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Nur als kurze Anmerkung: wenn man zwei Akkus (gleicher Zellchemie) parallel nutzt, schickst Du nicht mehr Strom ins System, sondern n die Verbraucher nehmen sich den benötigten Strom aus zwei Akkus und belasten dabei jeden zur Hälfte
...
Natürlich darfst Du wegen sehr hohen moglichen Ausgleichströmen die Akkus nur zusammenschalten, wenn der Ladezustand (=Spannung) der Akkus gleich oder annähernd gleich ist.

Dann waren meine Sorgen um den Crossfeed bei frischen Akkus ja gänzlich unbegründet:D

Vielen Dank,dafür... morgens über sich selbst lachen können macht den Tag um einiges entspannter.:)
 
Öhm, nee, die Sorgen sind sehr begründet, sofern sich die Akkuspannungen marginal unterscheiden. Ich habe vage 0,1V im Hinterkopf und kann mir vorstellen, dass u.a. die BMS plötzliche Ausgleichströme nicht gutheißen.
Es gibt aber fertige Y-Kabel mit Diodenschaltungen für parallele Akkus, siehe Nachbarforum zB. Dann kannste dir den Wechselschalter auch gleich sparen. :p
 
Ja, Pedelec Forum ist für Infos gut. Wenn Du das tatsächlich machen willst, bitte tiefer ins Thema eintauchen, von (gleicher ?) Zellchemie bis hin zu gemeinsamen oder getrennten Ladeport am BMS.
Im Prinzip findet man da auch alles zur Parallelschaltung, irgendwo gibt es auch jemanden mit Erfahrung beim Zusammenschalten bei nicht ganz gleichen Spannungen. Soweit ich mich erinnern kann, waren das aber Selbstbau Geschichten, da weiß man dann, was das BMS kann
 
Hinter jedem Wort steckt eine ganze Wissenschaft:) .. Ich fuchs mich mal rein (also... Versuch's...) , und bis dahin gibt es eben Seriellkost-diät statt parallelstrom-Buffet:)
 
Kapitel35

"Keep calm and carry on"

las ich – die allgegenwärtige Maxime beim Umgang mit Britischem – in Form eines kleinen roten Stickers auf der Innenseite des Daches gleich über der Panoramascharte.
Beruhigend.
Auf dem Ohr lief gerade Ravels Bolero.
Ebenso Entspannend (nur für den Trommler ein Viertelstunden-Workout, aber sei es drum)
So ließen sich entspannt die Seilchen lösen, die das Dach fixierten.
Die Kunst an jenem Morgen war, den Blick auf die Karabiner fixiert zu lassen und nicht in die Ferne zu fokussieren.
Der Blick aus der Scharte, nach links am Karabiner vorbei, hätte sowieso nur den „Pallas-Palast“ gezeigt – eine in den 60ern über eine Straße gepflasterte Vision der Massenmenschhaltung.
Und der Blick nach rechts zeigte nur ein paar Läden und Bäcker…ach, und ein furchtbar schief stehendes Rad.

So gelangte ich ungehindert ins Freie. Links, natürlich – denn erstens is dett hier imma noch Balin, und ditte da die Spree, und nich' de Themse – und zweitens -wichtiger- geben die knappen sechs Meter Fußweg um das zackige Heck Zeit, tief durchzuatmen.
Ja, auch von außen sah das Ganze krumm und schief aus, wenngleich dramatischer:
Finde den Fehler (sknil enrov).jpg Kaputte Felge Ansicht rechts.jpg Felge ausgerissen 1.jpg Felge ausgerissen 3 und 4.jpg
Speichen verbogen und verschlungen wie Anton Gaudís Casa Batlló, nur nicht so harmonisch oder in Barcelona, sondern eher chaotisch und teilweise noch mit den Nippeln an den Gewinden.

Und da diese bzw die daran hängenden ungerissenen Speichen wohl nicht der Weg des geringsten Widerstands gewesen wären, den die hier waltenden Kräfte gefunden hatten, wanderte der Blick suchend etwas die Felge entlang und stieß auf vier unschöne Löcher in ähnlich chaotischer Form.


"Can I help?" sprach mich ein Mann an, – er war mit Handy hinter mir stehen geblieben.

"The rim is futsch", denglischte ich ihm antwortend.

Ich sah die letzten Meter Route entlang, einem Übergang von Straße zu Radweg.
Eigentlich genug Platz; der passiv agressive obligatorische Poller war nicht mal in die Nähe gekommen.
Wie war das denn jetzt passiert?
"I have a video of the incident",half mir der freundliche Herr und zeigte mir eine 10-Sekunden-Endlosschleife, die ebenso wehtat, wie sie Licht ins Dunkel brachte:

Seit einer Kurve eine Straße vorher – in der ein recht lautes Pling vom Rad wohl das Reißen einer Speiche verkündete und ein leichtes Eiern zur Folge hatte – war schon öfter passiert. Kein Drama, hätte ich in der zwei Kilometer entfernten Tiefgarage der Schule richten können.
Und dann schlug die Macht des Dreiecks zu:
An jener Stelle, an der auf dem Schleifchen ein Krachen zu hören war, kamen Fahrradwegrampe und Bordstein in jenem Dreieck zusammen, das Lord Defect mit geschwächtem, eierndem Rad ungünstig scherend traf.
Womöglich wäre die Felge nur hier gerissen und verbogen, doch dank der festen Aerocaps hebelte einfach die ganze Felge weg und riss die Speichennippel aus den Angeln.
So oder so, die Felge war Schrott – Sachen gibt's.

"Wait a moment," bat mich der Kameramann und suchte das Weite in einem kleinen unscheinbaren Hauseingang irgendwo zwischen Bäcker und Apotheke.
Kurz darauf kam er mit einem Laufrad wieder, das er mir lächelnd hinhielt.
Nabe zu klein, ohne Bremse und 28 statt 26 Zoll, aber der Wille ließ mich in Rührung den Kopf schütteln.
So half er mir kurzerhand – das Laufrad zurücklassend – den Humpelbriten auf der kaputten Felge in die zwei Kilometer entfernte Tiefgarage zu schieben: er links am Lenker, während ich rechts, leicht tragend, versuchte, die klappernden, scheppernden Speichen bei jeder Umdrehung zu ignorieren und zu entlasten.

Schließlich strandete Lord Defect auf einem Eckstellplatz, ich holte noch alles Zeug heraus für das fest vorgenommene Bild zum "How much can you fit in your velo day!" – ein, ähm, traditionsreiches Ritual zwischen NLM-Velonauten zum Jahrestag des ersten umgefallenen Sacks Reis in China unter britischer Besatzung.
Seit der Reisknappheit von achtzehnpfirsichelf wurde allerdings auf Sauerteig umgestellt …
Ja genau…Tradition... warum nicht?

Alles wieder verstaut und dankbar für diese kurze Ablenkung, machte ich mir meine Gedanken:

@harry.s hatte seinerzeit beim anleitenden Speichenrichten des selben Rades eine Klebenaht zwischen Aerocaps und eigentlicher Felge ausgemacht –dezent zwar, aber doch sichtbar, achtete man ohne montierte Reifen drauf...

„Was zum bekackten Unfall-Fick ist mit deinem Mobil passiert?“
begrüßte mich Dr. Honda, ein kinderlieber Kollege mit bemerkenswert monotoner Markenaffinität in Kfz- und Motorradfragen, was ihm bei mir wohl diesen Spitznamen einbrachte.
Und der in den Ferien die kindgerechte Sprache in Hörweite temporär über Bord warf

„Die Felge ist gerissen, an vier Stellen …“

„WAS? Wie das denn?“

Ich zeigte ihm das Video, das der freundliche Helfer von vorhin mir gesandt hatte.

„Das eierte aber vorher schon! Siehste hier?“

„Ja, ein vielleicht zwei Speichen sind kurz vorher brechi-reißi.“

„Mit ’ner Honda wär das nicht passiert.“

Seine Catchphrase für alles:
Keilriemen, zu weicher Stuhlgang, Schulhofschlägereien – Honda hilft präventiv.

„Ich weiß, die Japaner bieten so was gar nicht an.“

„Und was machst du jetzt? Wo gibt es solche Felgen?“

„In England, sicher. Beim Hersteller.“

„Und hast du schon gefragt? Was kostet so was?“

Hatte ich nicht. War ich gar nicht drauf gekommen in dem Moment. Aber klar:
Sollte ich mich selbst abmühen und an Aerocap-Klebenähte denken?
Es gab doch fertige Felgen in einem Lokschuppen bei Manchester.


Sogleich, und nach langer Zeit mal wieder, schrieb ich eine Mail samt Fotos vom Issue an Master Browne, mit der Frage nach einer – besser zwei, als Prophylaxe – dieser Felgen, und was für einen Rechnungsbetrag ich denn zu erwarten hätte.

Und die Antwort … kam nicht.
Dafür, dass NLM in der Anfangszeitbemerkenswert flott die Mails beantwortet hatte, war das umso erstaunlicher. Oder war ich einfach zu ungeduldig?
Als nach einem Arbeitstag in der Ferienbetreuung und der Erstellung unzähliger Skizzen
(„Frederik, malst du mir einen Hund/Katze/Maus/Pferd/die Tore zur Hölle/Pikachu/Naruto/Hogwarts/Lambordschini?“)
immer noch keine Antwort im Postfach lag, fiel mir auch wieder Dan the Man als Kanal in den Lokschuppen bei Manchester ein.

Gut, das letzte, worauf er reagiert hatte, war ein herzliches Dankeschön für meine gesandten Bilder der Zusatzrückleuchten.
Alles, was danach kam blieb unbeantwortet.
Umso überraschender, dass er diesmal relativ schnell antwortete:

"Hi Frederik .. I'm not on the work with Graham but will speak to him ,but might be able to help .. is it one rim you need ?"

Nach enthusiastisch antwortender Tipperei (Dankedankedankedankedanke, yippieh jaja vom Prinzip)
stolperte ich über die Formulierung "I'm not on the work with Graham."
Und auch die KI beruhigte meine aufkeimende Sorge nicht:

:)Du hast recht! Die Formulierung ist uneindeutig, sie lässt sich einerseits übersetzen mit
„Ich arbeite gerade nicht mit Graham“ oder
„Ich arbeite generell nicht mit Graham“.
Und ist stark kontextabhängig. Soll ich dir work und seine kontextuellen Bedeutungen tabellarisch auflisten? :)


Äh, nein, danke. Da frag ich lieber einen echten Menschen, der sich damit auskennt.
Mal schauen: Wie viele Briten kannte ich, die im besten Falle näher am Geschehen und den Feinheiten der Sprache wären, idealerweise vielleicht ein eigenes Dreirad dieser Art hätten - eventuell sogar mit Lichtschwert auf dem Dach?

So schrieb ich also dem Hüter des „Great Panjandrum“s – @kart –um mal seine Meinung zur Nachricht zu erfahren … und eventuell, wie man die Bremsen wartet.
Also ob nun Shimano oder Magura NLMs Öl-Hoflieferant wäre – ist ja allgemein gut, so etwas zu wissen.

Seine hilfsbereite und schnelle Antwort bestätigte meine Befürchtung:
Er selbst habe auch schon Anfragen nach seinem Poller-Zwischenfall gestellt, die unbeantwortet geblieben waren, und er würde Dan the Mans Nachricht eher in Richtung „die beiden arbeiten nicht mehr zusammen, so generell“ interpretieren.
Was die Kommunikationswege wohl strecken würde wie Zeitdillation, malte ich mir aus.

Und das Bremssystem hatte Kart selbst befüllt mit Shimano-kompatiblem Öl.
Auch war er so freundlich, mir Dans Anleitung zum Befüllen des vorderen Bremssystems zu schicken.
Vielen Dank dafür über den Ärmelkanal!


Inzwischen ruhte Lord Defect die folgenden Tage in seinem Krankenbett – also einem Eckplatz beim Backsteinstapel in der Tiefgarage, getrennt vom kaputten Vorderrad (das nahm ich mit heim) und seinen Drahteselfreunden (durch ein in den Ferien mittig auf den Fahrradstellplätzen geparktes, vom Hausmeister zu reparierendes Fußballtor).
Bettruhe hinterm Tor.jpg
Nach vier Tagen war das Tor wieder entfernt, und die ersten Fahrradfreunde trauten sich auf einen Krankenbesuch näher an Lord Defect heran …
Lord Defects Krankenbesuch.jpg Pilgerfahrt zum kranken Lord.jpg

Was nun noch fehlte, war Nachricht aus England im Postfach, und der daraus folgende Rest...

War meine Mail aus Deutschland auf dem Weg nach Manchester verloren gegangen – wie einst deren Fußballmannschaft im kalten Februar ’58?
Gab es den Lokschuppen überhaupt noch? Gab es diese Felgen überhaupt noch?
Und so flackerten sich im inneren Planungsbüro die Leuchtstoffröhren langsam hell.

In der Zeit, die Britannien sich bisher bestimmt sehr intensiv und introvertiert mit meiner Frage gedanklich beschäftigt hatte, hätte ich bestimmt schon eine eigene Aerocap-Felge bauen können.

Oder verzichtete ich einfach darauf und montierte Serienfelgen?

Hier wurden die Stinktiere überraschend hellhörig:
Eine tolle Idee!
Dann braucht es aber auch rundum die braunen Big Bens, das komplette Heck blau, sowie einzelne runde Positionslichter statt der Kombination mit den Blinkern.
Und dabei kann ich dann auch gleich ein silbrigeres statt schwarzes Lenkstangenduo dran zaubern.
DANN wäre es deutlich näher dran am originalen Original 428 aus dem Werbevideo, in das ich mich einst verliebt hatte …
Pfff – wie in einer schlechten Sonderausstattungsliste, diese Ästhetik-Stinker:
Willst du Leder, musst du auch ein Schiebedach, beheizte Innentürgriffe und den durstigeren Achtzylinder nehmen …so in etwa.

Und der (faule) Kompromiss aus einer Normalo-Felge und einer mit Aerocap war mit meinen inneren Abteilungen nicht konsensfähig, weil mein erträgliches Maß an Asymmetrie damit klar überschritten würde.
Ebenso hatten die Aerocaps sicher auch einen tieferen Sinn– schließlich steht das A in „Northern Light Motors“ für Aerodynamik – und im Kopfkino liefen beeindruckende Fotoabfolgen verunfallter Erlkönige mit kollidierten Achsschenkeln hinter Standardfelgen vor Pollern.
Womöglich derart viele Bilder, dass NLM die Aerocaps serienmäßig und kommentarlos in die Serie fließen ließ.

In jedem Falle – ob nun mit oder ohne die Radschilde – brauchte ich wohl neue (und stabilere) Felgen, die ich umgehend beim Online-Bikeshop orderte.
Das bedeutete abermals vier Tage Warterei … genug Zeit zum Tüfteln und Vorbereiten.
„Dann plant mal, ihr Affen.“...
 

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Kapitel 36


„Wiedersehen macht Freude!“,

motzte der Hausmeister und überreichte mir einen transparenten Koffer mit Werkzeug, den ich untertänigst erfragt hatte.
Teil eins des Affen-Plans fast erledigt.

Den Koffer in der Hand wiegend und von Dr. Honda vorgewarnt, hatte ich sogleich eine weitere Bitte:
Sir, Hausmeister, Sir –
„Könnte ich wohl auch den Akku dazu bekommen?“

Leicht irritiert besah er sich den Koffer.
„Ach, der ist ja gar nicht drin …“
„Sachen gibt’s.“ Sir.

Er schlurfte betont langsam und grummelnd in seine heiligen Hallen, um kurz darauf mit einem Akku wieder zu erscheinen.
„Den bekomme ich wieder aufgeladen zurück!“, forderte er nun erneut beim Überreichen.
Netter Versuch, Schikanenmensch.

„Dann brauche ich ein Ladegerät...“ – Sir, Hausmeister, Sir.
„Das ist Standard-Makita-kompatibel …“
„Sehe ich, hab ich nicht daheim. Von daher: Wenn Sie ihn aufgeladen zurück wollen, geben Sie mir bitte auch die Möglichkeit des Ladens“, Sir. Und lächeln.

„Ich geh jetzt nicht noch mal in den Keller … such dir ein Ladegerät in der Nachbarschaft!“
Er ließ mich mit seinem Equipment stehen, ohne meine Antwort („och nöö“) zu registrieren.

Immerhin hatte ich nun eine Säbelsäge mit Akku und damit – neben ein paar Zwingen und der kaputten Felge daheim – alles, was ich brauchte, um die Aerocap an ihrer fest verklebten Nahtlinie aufzusägen, anschließend das Ganze auf die neue Felge gebracht, die man vorher mit Speichen und Nabe im Zentrierständer begradigt vorbereitet haben würde.
So sahen es die Affen vor, und deshalb hatte ich bereits die alte Nabe inspiziert, die überraschend unbeschadet aus dem ganzen Hebelwahnsinn hervorgegangen war:
Weder wackelte sie auf ihrem Bolzen, noch lief sie unrund oder schief, noch hörte oder sah ich die Bremsscheibe eiern. Der Rest des Rades, klar, Final Destination Riesenrad, aber wenigstens die Nabe und ihre professionell getauschten Lager (hüstel) konnte ich noch recyceln.

Aber der Hausmeister und einige Erkenntnisse des Vortags ließen mich wieder an Murphy denken:

Ein fahrradaffiner und abholender Elternteil empfahl mir beim Tür-und-Angel-Gespräch ein Buchstaben-Zahlen-Kürzel, das ich zwar schon mal wo gelesen, aber dem ich (Idiot) bislang viel zu wenig Beachtung beigemessen hatte:
„G13.“
Als ich dann in der Bastelwohnung nach Recherche und mit Schiebelehre den Bestand an Ersatzspeicheninspizierte, hörte ich sie – die Auslache Murphys, der mich vor drei kompletten Speichensätzen mit lumpigen 2 mm Durchmesser (also G14) sitzen sah, wie einen Pazifisten zwischen Robbenkloppern:
Zu zart besaitet für den einzigen Job. 2,3 mm wären es gewesen, also besagte G13.
„Macht das echt so einen Unterschied? Glaube nicht, oder?“


:) Sehr gute Frage, (du Anfänger)– der Unterschied zwischen G14 (≈ 2,0 mm) und G13 (≈ 2,3 mm)Speichen ist (natürlich) spürbar.
(Wie bei dem fetten Blaunasen-Wal, den du immer noch Fahrrad nennst, etwa.)

Hier noch viele beweisende Physik-Formeln
(bei denen du die Hälfte der Variablen nicht mal mitNamen kennst und daher eh scrollst, bis du irgendwann „Fazit“ liest).


Fazit (sag ich doch):
G13etwa 32 % zugfester bei gleichen Restbedingungen
(Überraschung –mehr Material hält mehr aus, wärst du selbst wohl nicht draufgekommen).

Die typischen Probleme:

  • G14: Bruchgefahr bei extremen Lasten oder schlechter Einspeichung
    (fühlt sich da wer angesprochen?)

  • G13: weniger Speichenbrüche, aber härteres Fahrgefühl

Soll ich dir noch eine Übersicht der Tonleitern machen, in denen ich dich gerade auslache? :D :D


Mit verblassender Scham und beim messenden Entspeichen der Nabe lud im Inneren ein Hafen-Portalkran ein wirklich großes Puzzleteil an seinen Platz:
Angefangen hatte das alles mit der ersten gerissenen Speiche nach übereifrigem Driften im Treptower Park. Von da anbrachen die Speichen in (womöglich nicht nur) gefühlt immer kürzeren Abständen, weil die originalen G13-Speichen von mir Messfaulen durch G14 ersetzt wurden, bis irgendwann das ganze Rad 32% schwächer wurde … und das andere womöglich auch.
Oh nein! Womöglich war diese Anfälligkeit der Fronträder gar nicht den Briten geschuldet, sondern meiner beschissenen Wartung und Reparatur.
Mea culpa.Aber sie hätten auch eine Anleitung für Greenhörner wie mich beilegen können …

Sollte eben der notwendige Neuaufbau der Aerocap-Felge mein Lehrgeld werden – so lange ich von NLM keinen Betrag erfuhr …

Außerdem ergänzte ich dieTo-do-Liste:
alle G14-Speichen vorne gegen G13-Speichen tauschen.

Zurück zum Lehrgeld:
Der Felgenring mit Aerocap wanderte also gleich daheim in der Bastelwohnung in Klemmzwingenhaft am wirklich schweren Eisengestell-Tisch.
Doch schon beim ersten Ansetzen der Säge hatte Murphy den nächsten Gag für mich: Der mitgegebene Akku war natürlich leer … „Bring ihn wieder aufgeladen zurück“ –Arschlecken, trallala!

Retter des Abends war mein bester Freund, der mir nicht nur einen passenden Akku lieferte, der wiederum Spannung in die Säge brachte, sondern gleich noch ein defektes Ladeteil dazu, das ich dem Hausmeister mit seinem leeren Akku zurückgeben und ‚selbstlos‘ schenken könnte … harhar.

„Gib ihm!“, raunte Denis schließlich, und das Sägeblatt glitt in und durch die Klebenaht der Felge …

Und da der kleine Akku-Racheplannatürlich auch wieder das Karma schlecht auflädt, lief die Sägearbeit zwar laut und relativ zügig, unter anderem auch dank Denis und seinen Schraubstockhänden, nur eben an der ein oder anderen Stelle nicht gänzlich linear, plan oder stetig.
Glück im Unglück: Die Ausreißer der Sägearbeiten schlugen fast allesamt in Richtung der alten Felge aus und unterstrichen damit nur ihren ohnehin offensichtlichen Schrottwert.

Schmutzige Scheidung von Felge und Aerocap.jpg

Das Orbital-Plateau, also der ringförmige Abschnitt der Aerocap, der sie mit der Felgenflanke verbunden hatte, wurde noch mit der kleinen Bügelsäge nachbearbeitet. Aber so wirklich eben, wie es am besten sein sollte, damit die Cap nicht in sich an der Felge eiert, war das Ganze nicht

Musste es auch nicht, da die inneren Planungsaffen für diesen sehr wahrscheinlichen Fall bereits Gummidichtungen (ein einstiger Fehlkauf aus dem Kramsschrank), einen Spanngurt sowie zwei Packungen Modelliermasse aus einem dieser Nanu-Nana-Nippesläden besorgen lassen hatten (durch mich).

So bildeten die Gummilippe und der Spanngurt fortan eine dichte Wandung um das äußerste Ende der Cap, und am Ende des Orbital-Plateaus, an dem das Gefälle zum inneren Ring der Cap anfängt, knetete und drückte ich ein dichtes Gebirge aus der Modelliermasse im Kreis umher.
So wurde aus dem Orbital-Plateau für den nächsten Schritt ein Orbi-Tal, eingekreist von Staumauer und Gebirge.

Orbi-Tal entsteht.jpg

Denis, der inzwischen mit Waage, Handschuhen und Marmeladengläsern Epoxyschlotze angemischt hatte, erreichte mit dem fertigen Gemisch just in time die auf dem (ebenen) Boden liegende Aerocap und flutete das Orbi-Tal mit dem zähflüssigen Kunststoff, bis die Hügel und Vertiefungen am Grund des Tals knapp unter einem gleichmäßig ebenen Pegel an Schlotze lagen.
Das Ganze eine Weile beobachtet, um Undichtigkeiten ausfindig zu machen und diese dann vorsichtig mit etwas Modelliermasse zu flicken – so konnte es schließlich seinen Tag unbewegt stehen und aushärten.

Orbi-Tal mit Epoxysee Detail .jpg

Währenddessen erreichte mich, überraschenderweise schon nach drei Tagen, das große Paket mit den Andra-40-Schwerlastfelgen, und ich begann sofort, die Speichen (nachgemessene G13) bei einem Exemplar einzurichten. Ich malte mir schon aus, wie ich die Felge dann anschließend im Zentrierständer austarieren und die ausgehärtete Aerocap mit ihrer planen Fläche mit der Felge verheiraten könnte. Mit etwas Glück würde das schon heut Abend …

Nach einer Runde Nabe blieb noch zu viel der runden Felge übrig, und Murphy hatte was zu feiern:
32-Loch-Nabe, 36-Loch-Felge … Glückwunsch, der Bikeshop hat sich verzählt!
Ja, die nächsten ankommenden Felgen passten dann, aber würden erst in vier Tagen eintreffen … Seufz.
Und da GLS sich mit Wochenenden schwer tut, würden daraus sechs Tagewerden – ein weiterer Grund für Murphy zu jubeln.


Als hätte er die Zeit dazwischen nicht schon ausgiebig gelacht:
Während sich die Staumauer durcheinen simplen Zug am Spanngurtschloss und ein bisschen Gezuppel von der Cap trennen ließ, geriet das Abtragen des Modelliermassengebirges zu einer Drecksarbeit:
Die ersten groben Teile mit Finger und Druck weggebrochen – diese Art und Weise wurde, mit schrumpfenden weil weggebrochenen Angriffspunkten, gelinde gesagt verflucht. Ein Fall für viel Wasser und das Obstmesser, das die Masse wieder aufweichte bzw. leichter herauszukratzen half.

Das Ganze geschah sinnigerweise in der Badewanne, und die sah danach aus wie ein Dexter-Tatort im Lehm-Universum – ohne die ganze Klarsichtfolie.
Positiv hieran: Die Sauerei war in meinem Bad passiert. In der anderen Wohnung hätte das wohl die Guillotine bedeutet. Und ich hatte ja Zeit, alles zu säubern.

Das am einstigen Bergmassiv erstarrte Ufer des „Orbi-Tal Lake“ bildete zwar eine Antithese zur plan erstarrten Gummistaumauer-Kante, doch würde das keiner sehen … ebenso wenig wie die teils einlaminierten Reste der Modelliermasse dort, die auch mit Wasser und Obsti nicht zu erreichen waren.

Sechs Tage und zahlreiche Putzschwämme später besaß ich also – nach einem Abend an Ständer und Felgenlehre – ein austariertes, reifenloses Laufrad,
Laufrad zentrieren.jpg
das sogleich, nach Aufrauen und Putzen, mit „Ber-Fix 2K Hochleistungskleber“ (spezialisiert auf Kunststoff-Metall-Verbindungen) auf der Felgenflanke versehen wurde (Bremsscheibenseite) und unter die Aerocap wanderte.Diese noch fein ausgerichtet, geklemmzwingt und – nur um sicherzugehen – mit der geballten Last einiger Lektüre beschwert.

Hochzeit Laufrad und  Aerocap totale .jpg
Endspurt: warten.

Nach einigen Folgen Rick and Morty, als die Sonne schon geraume Zeit auf der anderen Halbkugel ihr Wesen trieb, befreite ich die Felge vom Ballast tausender Seiten Papier und aus der Zwingenhaft.
Die verklebten Komponenten hielten wie gegossen, und sogar im Zentrierständer blieb die neue Felge im Lot. Heureka!

Testlauf mit verklebter Aerocap.jpg
An die noch im Zentrierständer rotierende Felge hielt ich nun noch Schleifklotz und Sandpapier, und ein paar Umdrehungen später gab es auch keine Überstände mehr – etwa an der einstigen Stelle, an der die Gummiwände zusammentrafen.
Eine eilig geschaffene Pappschablone und etwas schwarzer Sprühlack, bei zwei Radumdrehungen später, ließen auch die transluzent ausgehärtete, sichtbare Fläche des Orbi-Tal Lakes so schwarzaussehen wie den Rest.


Eigentlich ein recht überflüssiger Farbverbrauch, wurde mir nach pfeifendem Montieren des Reifens klar, da die Ballonigkeit der Big Ben sich über das einstige Orbi-Tal wurstelt und vor allzu neugierigen Blicken verbirgt – aber die Stinktiere hat es gefreut.

repariertes Rad.jpg

Voilá: fertiges, neues Laufrad –mit endlich mal wieder den passenden Speichen.
Gut, die Silberring-Flanke der Andra 40 unterschied sich vom völligen Schwarz des Originals, doch gefiel mir das optisch ganz gut. Und da man ja niemals die Radflanken beider Räder gleichzeitig sehen würde, fiele diese Asymmetrie den wenigsten auf … klopf auf Holz.


So wanderte das neue, fertige Rad über den Umweg der BVG zum Lord in die Tiefgarage, und gen nächst möglichen Feierabend, nach rund zweieinhalb Wochen, konnte ich endlich, endlich Fritzi nach Hause fahren.


Fertig montiertes neues Vorderrad.jpg
Meine Befürchtung, dass die Lenkung mit zwei verschiedenen Felgen einiges an sauberem Geradeauslauf verlöre, war unbegründet:
Lord Defect hatte noch nie einen sauberen Geradeauslauf. Viel eher zieht die Lenkung seit jeher dezent nach links – also Richtung britischen Fahrbahnrand. Nicht dramatisch, leicht beherrschbar und auch durch zwei unterschiedliche Felgen unverändert …

Zu Hause angekommen, erfreute ich mich daran, Fritzi nach so langer Zeit wieder in sein summer cottage bringen zu können, an der Vorstellung des dummen Gesichts des Hausmeisters, wenn er an jenem Abend das „neue“ Ladegerät benutzen würde,
sowie daran, den Grund der gerissenen Speiche (beim anderen Vorderrad nach der Heimfahrt) zu kennen und in nächster Zeit adäquat ausbessern zu können.

Jedenfalls, bis NLM mir bald ganz bestimmt antworten würde. Bis dahin verkündete der Sticker im Dach weiterhin das Credo im Umgang mit Britischem:

„Keep calm and carry on.“
 
Zuletzt bearbeitet:
Kapitel 37


„Das Ding wird erst mal ausgeräumt!“

Begleitet vom energisch gereckten Zeigefinger in Richtung Kramsschrank duldete die Stimme des Alphawibchens im Haus keinen Einspruch.

Auch nicht von mir, der gerade rätselte, wohin mit dem ramponierten Ring in der Hand, der einst zum auserwählten Kreis der originalen Bauteile eines Lords gehörte und etwa 26 Zoll im Pi maß.

„Da drinnen sind jede Menge nützlicher Erinnerungen“,
versuchte ich es dennoch mal zaghaft mit dem Einspruch.

Die Tür des Schranks wurde schwungvoll demonstrativ von ihr geöffnet, und wie auf Kommando purzelte Gedöns heraus.
Werkzeuge, Plüschtiere, Schrauben, Flyer …

„Das Ding ist gefährlich. Es fallen Werkzeuge raus.“

Sie griff wahllos einen Schwalbe-Mantelheber aus Plastik und hielt ihn mir vor die Nase.

Ich hätte ja dramaturgisch zum Drehmomentschlüssel für den alljährlichen Reifenwechsel daneben gegriffen, aber der gehörte ja zu den Winterreifen ihres Autos...

Nun gut, eine Regalbank darüber hätte sich auch noch das kleine Stromkaninchen befunden, das vor einigen Monaten en passant durch ein 30-Wh-LiPo-Fettkaninchen ausgetauscht worden war und das Innenlicht auch schon mal über eine Nacht Vergesslichkeit speisen kann.

Ihr Hauptpunkt der Unsicherheit lässt sich generell mit Kindern im Haushalt und einer guten Mutter nicht wegdiskutieren.

„… aber auch Kuscheltiere, das Timing ist entscheident. …“
versuchte ich es trotzdem mal und griff mir Edwart, einen abgeranzten Handpuppenraben.

Dramaturgisch wäre „Blubbi" – ein schielender Kugelfisch – wohl aufmunternder gewesen. Aber der fristete sein Dasein noch auf dem Regal beim Stromkaninchen.

„Das ist dein Argument?“

Ich dachte noch kurz über den Vorschlag nach, Airbags in die Türen … Nee.
Der Blick, der mich traf, verlangte eigentlich nur nach einem:

„Ja, Sch… äh, nein, Schatz, lass uns den Schrank ausräumen.“
Seufz … Ade Freizeit …

„Ich mach erst mal das Wohnzi, fang doch schon mal mit deinem Velo-Kram an und tu es in den Keller oder wirfs weg.
Sonst versuchst du irgendwann, das ganze Dreirad da rein zu bekommen.“


Fluchs warf sie das Werkzeug auf den Haufen vor dem Schrank, verschwand pfeifend ins Wohnzimmer und ließ mich vor dieser Eiger-Nordwand aus Krams allein.

Zum Glück lag ihre Betonung auf „dein Velo-Kram“, und das wäre bestimmt schnell erledigt – so selten, wie Lord Defekt in den letzten zwei Jahren irgendein Problem gehabt hatte, gepaart mit ADHS.

… welches mich bei jeder der gefundenen 1000 – zu dünnen – Speichenreste mit Anekdoten aus der Erinnerungskommode bereicherte:

War diese Speiche da nicht an der Häuserecke in Friedrichshain gerissen?
Und diese dort im Görli, als mich ein Alki-Schwurbler etwas zu missionarisch darauf hinwies, dass blaustichiges Licht, wie aus dem Zyklopenauge uns mit seinen Wellenlängen ALLE kaputt macht …

„Ach, deswegen war es in Frankreich der 60er auch so friedlich,
mit ihren gelblampigen Enten.“

Das könnte und würde er dann wohl zukünftig in sein Bullshit-Bingo einbauen – so begeistert, wie es ihm in seine Luftschlossruine passte.
Und ich vertrauenswürdig genug als Quelle …

Ein alter, original verbauter Kettenspanner mit Winkel und einst angeschweißtem, dann gebrochenem Gewinde, das den Kettenspanner einst an Ort und Stelle hielt.

Das war in der Anfangszeit passiert, und ein neuer Kettenspanner sogleich eingebaut worden.

Als dieser nach einiger Zeit dem Job nicht mehr ordentlich nachging – also kurz nach der Velo im Juni – und die Kette wieder vermehrt vom Rendezvous-Ritzel sprang, hatte Denis mal ein Hobbyauge darauf geworfen.

„Die Kettenlinie ist schnurgerade, aber die Feder total ausgeleiert“,
ergab seine Analyse.

Und in einem Anfall von Bastelkreativität und notwendigen Kleinteilen aus seinem Mary Poppins Rucksack, nebst Rohrzange aus meinem Tool-Themenpark, hatte er in kürzester Zeit und unter meinem nervösen Blick
– wie ein Berserker, der mit einem Brecheisen eine Taschenuhr zusammensetzen soll- eine Konstruktion aus Langlochmetall, Zugfeder, Schrauben und (natürlich) Kabelbindern an den Kettenspanner gezimmert, die fortan die Kette erstaunlich zuverlässig auf Spannung zog und somit seither zuverlässiger auf der Rendezvous-Achse hielt.

1000071775.jpg

(In jüngster Zeit sprang sie eher aus Altersgründen von der Rendezvous-Achse, und das würde ich zusammen mit dem Pedallager 'bald' mal austauschen.)

Ein zu kurzes, aber intaktes 3,10m-Jagwire-Schaltkabel, verschlungen mit dem originalen, ausgewechselten – und längeren – Seil.
Vielleicht noch mal sinnvoll bei der 'Wadenburg', oder Gabe an ein anderes Rad, das Hilfe bräuchte...

Ein gebrochener Heckbügel, den ich – nach Rat von @harry.s – noch als Strebehilfe (eines dieser Worte, die ich zweimal lesen muss) an der Hinterachse umfunktionieren wollte. Die Hinterachse neigte hier tendenziell zum Kuppeln in ihren beiden Blattfedern zu Zeiten seines lehrreichen Besuchs.
Waagerecht verbaut würde das auch der Originallinie folgen und keine unnötige additive Linie schaffen – was die Stinktiere sehr gefreut hätte.

Wie sich herausstellte, waren zum Zeitpunkt von Harrys Besuch die Schrauben der Aufhängung nicht in dem Maße wieder angezogen, wie sie es gebraucht hätten.
Denn mit Erkennen und Beseitigen dieser Flüchtigkeit nach einem hinteren Speichen-Wechsel (G12) hörte auch das Rad auf, sich Freiheiten in anderen Bewegungsachsen zu suchen als den für sie anberaumten...
So schlief der Bügel bis jetzt eben bei den vergessenen Dingen im Schrank.


Das alte Display mit seinen Pixelfehlern – vielleicht ein zukünftiges Löt-Lern- und Testgebiet …
Genau wie die beiden kaputten Rückleuchten …

Nach intensiver, minutenlanger Detailbetrachtung einiger alter Pulleys fand ich dahinter, neben einer verirrten Ninjago-Figur, eine unscheinbare Tupperbox, in der Kleinigkeiten durch den Staubsaugerlärm im Nebenzimmer rappelten.

Gespannt wie ein Katapult vor Gondor öffnete ich die undurchsichtige Box und fand mich erstaunt wieder:

Das Bernsteinzimmer …

Nein, nur LEDs, ein Relais und Lüsterklemmen.
Aber mein Erstaunen war nicht minder groß, und die Erinnerungskommode förderte Vergangenes und Vergessenes zutage:

***
„Ich belasse es mal bei einer Verwarnung.“

hatte der Polizist in Neukölln resümiert, als er sich nach freundlich interessiertem Betrachten Lord Defects kein Kontroll-Feedback für die Blinker im Innenraum ausmachen konnte – weder ein Lämpchen im Cockpit noch einen schreienden Hamster auf dem Elektrostuhl, der periodisch brutzelte.

Meine Erklärung, dass ich meine Schuhe in Intervallen orange aufleuchten sah und ich somit ja auch ein Feedback hätte, wehrte der Beamte freundlich ab:

„Ja, originell. Wie das ganze Fahrzeug.
Deshalb belasse ich es auch bei einer Verwarnung statt einem Bußgeld.
Bauen Sie sich einfach ’nen Summer ein oder eine separate Kontroll-LED.“


Hatte ich anschließend irgendwie versucht – war aber ein bisschen gescheitert, weil entweder die Kontroll-LED allein blinkte oder ich eine permanent unentschlossene Warnblinkanlage bekam – ohne Kontroll-LED.

Damals hatte mir dann eine gerissene Kette eine akutere Aufmerksamkeitsautobahn angelegt, so waren die Komponenten in die Tupper und aus dem Sinn verfrachtet worden, der Bleistiftvermerk auf der To-do-Liste immer tiefer gerutscht und ausgeblichen.

Seitdem hatte mir auch kein weiterer Polizist damit die Leviten gelesen, aber das ein oder andere Mal auf dem Arbeitsweg ertappe ich mich in reflektierenden Oberflächen dann und wann allerdings auch heute noch dabei, wie ich das Rückstellen des Hebelchens vergessen habe.

In der Mittagssonne ist der Kontrast der orange leuchtenden Schuhe schon ein bisschen schwach …

Ein angeschnittener und abgefahrener Big-Ben-Reifen – mit Kabelbinder etwas platzsparender gebunden – erinnerte mich an die Idee eines Regenfangs um die Vorderräder.

Ich musste mir nur noch etwas ausdenken, das das Reifenteilstück dann unauffällig wie stabil an Ort und Stelle halten sollte und dem inneren Ästhetikstudio gefiele.

Hatte ich bis dato nur rudimentär.
Vielleicht etwas für nächstes Jahr …

So war ich die nächsten Stunden gut beschäftigt, drei Haufen zu bilden:
„kann weg“, „ist Kunst“ und „vielleicht“, ehe dann „Kunst und vielleicht“ kurzerhand in einem Umzugskarton verschwanden und im Keller der Bastelwohnung eine neue Behausung fanden …

Ebenso wie der kleinere „kann weg“-Karton (im Keller war ja genügend Platz).

Und in Voraussicht auf ein „Warum hast du es denn überhaupt stundenlang sortiert, wenn es eh alles im Keller verschwindet?“, als weiblich berechtigte Frage, hatten die Eloquenz-Faultiere im Schlagfertigkeitstempo einer Wanderdüne schon früh mit der Antwortfindung begonnen:

„Inventur und Auffrischung der To-Do-Liste für Lord D. “

Ein lachendes
„Dieses Ding, ey!“
war dann wohl von ihren (schnelleren) Faultieren auf die Zunge geliefert worden.

Ich verkniff mir – dem inneren Marshall Rosenberg folgend – die Frage, wessen hintere Blinkleuchten denn nach drei Reparaturen wieder mal ihre Aufgabe an die Rückfahrleuchten übertrugen, sobald man zusätzlich auf die Bremse trat, deren Leuchten IHREN Job dann den Blinkern zumuteten...ey!

Der skurrile Renault-Charme aus den 00ern, eben.

Außerdem war der Streber im inneren Planungsbüro inzwischen auf das eigene alte Blinker-Kontrolldioden-Problem gestoßen war, bzw. auf den in Vergessenheit geratenen Lösungsansatz meines Vaters :

„Vorwiderstand.“

Ich würde später weiterforschen müssen, da das Weibchen im Haushalt auf den nun zum späten Nachmittag leeren Kramsschrank deutete und ein

„Jetzt steht aber erst mal ‚abreißen‘ auf der To-do-Liste.“

verlauten ließ.

Ja, er war ihr geraume Zeit schon sehr im Wege gewesen, zu etwas mehr freiem Volumen in der Q3a-Wohnung.
Aber gleich abreißen, in einen Zu-verschenken-Karton stellen und zu den anderen Kartons an den Straßenrand? Oder gar gleich zur BSR?

Und da natürlich das Männchen mit der eigentlichen Aufgabe des „Abreißens“ betraut wurde – ich –, entschied ich auch hier, dass der Schrank in sauber demontierten Einzelteilen durchaus in meinem Keller auf bessere Zeiten hoffen durfte.

Zum Wegwerfen eindeutig zu schade … oder?

Spät abends war der Kramsschrank vorübergehend Geschichte, das Zimmer um einiges größer, und ich durfte mich in der Bastelwohnung endlich weiter mit dem Vorwiderstands-Streber und der KI beschäftigen:


Schön, dass du fragst

In der Tat, eine häufige Frage (von unbeholfenen Autodidakten am Anfang ihres blutigen Pfades):

Betreibst du eine Kontroll-LED parallel zum Außenblinker, dann rate mal, welche Leitung den Weg des geringsten Widerstands darstellt – und der anderen Leitung nichts mehr übrig lässt:
Ist es

Tor 1: die Außenblinksonne mit zehn Fantastillionen Ohm
oder doch

Tor 2: die Kontrollfunzel mit einem halben Atomstel Ohm?

Hier noch ein bisschen unterstützender Formelsalat aus der URI-Dreiecks-Schüssel nach Sekundenbruchteilen, der meine künstlich-intellektuelle Überlegenheit beweist, und

voilà:
Nur ein Anfänger (wie du) würde Tor 2 und damit einen praktischen Kurzschluss als Lösung verbauen, daher:
Vorwiderstand vor die Kontrollfunzel.

In REIHE.
(Ich dachte mir, ich erwähn’ das lieber. Speziell für dich!)

Wahrscheinlich 4,7 Kiloohm, wie (einem Kundigen) im Formelsalat offensichtlich geworden wäre- bei Standartleuchtdioden.

(aber frag ruhig noch mal, geht ja nur ein halber Regenwald drauf, bei dieser Denkfäule)

Soll ich dir ein Schaltschema entwerfen, auf dass jeder Schalter im Cockpit zu einer Warnblinkanlage führt?

( Ist bestimmt sinnvoll, wenn du ebenso dilettantisch verdrahtest, wie du einspeichst) …



Warnblinker … gar keine schlechte Idee …

Die Idee begleitete mich dann in den wohlverdienten Schlaf nach der Plackerei des Schrank-Transfers.

Und die inneren Affen griffen schon mal die Crimpzangen und gesellten sich zum Streber, um über Blinker und Kontroll Dioden zu debattieren...
 
Kapitel 38

„Das ist aber kein Lego Technic, oder?“


erkannte mein bester Freund, als er eine neue, aus Kleinteilen zusammengeklemmte DS 19 im Wohnzimmer der Bastelwohnung zwischen den anderen rund 40 dänischen Bausätzen der Sammlung entdeckte.

„Hmhm. Warst ja lang nicht mehr hier“,
nickte ich vor mich hin.


Meine eigentliche Aufgabe lag gerade eher darin, die Stecker einer Kabelverbindung zusammenzukrimpen:

Ein Sechsaderkabel, das aus der Frontkofferraum-Behausung der Motorradbatterie seinen Weg zur Vertikalstrebe hinterm Lenkrad finden sollte und so die beiden neu erdachten Kabelbäume verbinden würde.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits einiges an Zeit beansprucht, begonnen damit, im Cockpit sitzend das Lastenheft abzuarbeiten, das nach Überlegung der inneren Affen entstanden war:

Das NLM sollte am Ende

- ein Feedback für den Blinker in Form einer LED,
- ein weiteres, akustischer Natur, und

- ein Warnblinklicht
besitzen

-Letzteres am besten vom Stromkaninchen im Front Kofferraum- vom Fahrradakku unabhängig- gefüttert.


„Cobi, polnischer Konkurrent. Der hat noch Traction Avant und Ente … die kommen dann als Nächstes.“

„Aber DS musste zuerst sein. Die anfälligste Exzentrikertechnik … war ja klar.“

Machte sich mein bester Freund etwa über meine Affinität zu Flaminio Bertonis Designikonen lustig?

Fair genug, belächle ich doch im Umkehrschluss des Öfteren seine Leidenschaft des LARP (Rennen und Kloppen mit Schaumstoffäxten als aufwendig verkleideter Ork im Wald) …


Beim erwähnten Sitzen im Cockpit war die erste Aufgabe zunächst, einen Ort für den gelieferten Warnblinkschalter zu finden.

Vorne bei Rückspiegel-TV?
Bequem auf der Hängematte sitzend nur umständlich zu erreichen, außerdem direkt vor der Vertikalstrebe und ihren oberen horizontalen Komposit-Serifen, an denen schon die Faltschlosshalterung und die Klemmenbasis des Handyhalters den Bauraum einnahmen und beschränkten.
Erst recht für den relativ ausladenden Hinterbau des unscheinbaren Warnblinkschalters mit integrierter LED und Steckersystem.


„Die Form ist halt wundervoll“,

rechtfertigte ich mich, wie so oft, wenn ich etwa einen alten Nobelfranzosen mit Doppelwinkel am Heck erblicke und einfach hyperfokussiert stehen bleibe, um mich an tief parkender Karosserie, Blinkertrompeten oder Einspeichenlenkrad zu erfreuen …
Die einfachen Dinge im Leben.


Apropos Blinker:
Im Cockpit sitzend war der Blick – nach Verneinen der Lage bei Rückspiegel-TV – weiter nach links gewandert.

Als Linkshänder die bequemlichere Seite für derartige Ergänzungen.
Noch kurz Fritzi gestreichelt, erkannte ich, dass sein Platz wohl ideal wäre, um den Knopf hier anzubringen:

in bequemer Reichweite, hinter der Kante des Einstiegs viel uneinsehbarer Platz, und natürlich musste das Plüscherdmännchen als Talisman an den Knopf gelangen können …
und ihn gleichzeitig etwas verdecken, damit die inneren Ästhetizismus-Stinktiere gar nicht erst anfingen zu heulen und zu stinken.

Die flach bauenden LEDs konnten ja ins Lenkrad, da wären sie immer zu sehen und störten nicht weiter.


„Ist das so?“
zog Denis die Formsprache ins Relative:

Parsecs entfernt von der Siebzigerjahre-Geradlinigkeit eines von ihm präferierten Wartburg – aber über Geschmack lässt sich nicht streiten.

„Auf jeden Fall harmonischer als die Holzfällerlinie eines 353 mit ihren Blinkerpickeln und Schokoriegelrücklichtern“,

versuchte ich es dennoch mal und beiläufig beim Verkrimpen der insgesamt zwölf Litzen (sechs pro Stecker).

„Aber in Lego überzeugender als dieser Versuch eines DS in Treppenform!“

„EinE DS. Feminin“,

klugscheißerte ich und war gerade mit Stecker eins fertig geworden.

Nun galt es – um zukünftige Verwirrung im Keim zu ersticken –, die Belegung der bunten Kabel an beiden Steckern identisch zu halten.
So hieß es also: Konzentration.

Ist offensichtlich, aber lieber einmal zu viel daran gedacht als einmal zu wenig.


„Jaja, Dee-Ess, Göttin auf Französisch, weiblich … hast du ja nur siebzigtausend Mal erwähnt, seit wir uns kennen.
Ändert aber nix: Wartburg ist besser für Lego als dieser Versuch einer geschwungenen Haube aus tausend verschiedenen Rundungen hier.“

Stimmte schon …


Als Nächstes im Cockpit dann die Lage der Schalter und Anschlüsse eruieren, die ich vor einem Jahr hier hinter der Kante verklebt hatte:

der Schalter für das äußere Notlicht: links neben Rückspiegel-TVs Kante (daher wusste ich aus Erfahrung, dass dort keine besonders ergonomische Stelle von innen wäre),

der Schalter für das Innenlicht: links hinter Fritzi, gut zu erreichen,

und das Innenlicht selbst: rechts neben Rückspiegel-TV, geht ab zum LED-Wurm an der Bordwand; dieser läuft von da nach hinten in den großen Kofferraum.


„Ich hab keinen 353er von Lego oder Klemmo gefunden … aber wenn, erfährst du es als Erster.“


Sicherheitscheck der beiden vollendeten Steckerenden:
Identisch … perfekt.


„Gehen die Türen auf?“
Denis’ Frage war wohl rhetorischer Natur, da er synchron bereits die Fahrertür auf- und die Fondtür abhebelte.

„Na toll, kaputt gemacht“,
kam es dann schmunzelnd von mir.


Die Anschlüsse, Schalter und ihre Lage rund um den Cockpiteinstieg vermaß ich präzise in der gängigen Einheit 'Zeigefinger' und kletterte wieder heraus, um mir den Stromkaninchenstall zu beschauen.

Die Ducktapes von einst, von der oberen auf Durchreise befindlichen Blattfeder gerupft, bescherten mir mit ihrer Abwesenheit ein Wiedersehen mit Anne Boleyn und Catherine Howard (die beiden einstigen Kabel vom Bordstrom zu den Front-Positionslichtern/Blinkern, die einst enthauptet und mit entsprechenden Adern des Zusatzrücklichts zusammen in Lüsterklemmen gebracht worden waren).

Beim Anblick des Kabelsalats und der drei Drähte Richtung Cockpit (Phase, Masse und Leitung zu den Frontlichtern vom Notstromschalter) drängte sich mir die Vorstellung einer mediterranen Seitenstraße auf, die bis zum ersten Stock durchaus malerisch terrakottafarben anheimelte, ab Stockwerk zwei allerdings ein Schreikrampf für Elektriker – so kreuz und quer, wie die Leitungen hier im ewigen Provisorium hingen und auch mal als Wäscheleinen dienten.
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vorher

1000072917.jpg
nachher

„Lego und Klemmo gehen nicht kaputt, nur auseinander“,
konterte mein Bester und brach beim Versuch, die Fondtür wieder anzustecken, die C-Säule mit Blinkertrompete ab.


Nach der Besichtigung des Stromkaninchenstalls und der Vorstellung abenteuerlicher Gassen-Stromführung kam mir die Idee, meinen bisherigen Kabelsalat aus gekrimpten und schrumpfgeschlauchten Drähten komplett herauszureißen und neu zu verlegen.

So würden beispielsweise die bisherigen Adern und die notwendigen neuen Adern zusammen Platz in einem vieladrigen Kabel finden;
das Ganze sähe wesentlich sauberer – und damit übersichtlicher – aus als einzelne Drähte oder drei Kabel mit zwei Adern …

So kamen zum Lastenheft noch

-Innenraumlicht und
-Notfalllicht

hinzu.

Der Kabelbaum, der daraus erwachsen sollte, brauchte unzählige Anläufe, die den wöchentlichen Verbrauch von Papier, Graphit sowie roter und schwarzer Tinte im Folgenden um einiges ansteigen ließen,
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bis ich endlich mal auf die Idee kam, doch endlich den Rechner datfür zu bequemen.
Auf dem Desktop angekommen suchte und fand ich …

„Hogwarts Legacy“
… was mich gute zwei Stunden im schottischen Ödland mit einem kleinen Stock Trolle verprügeln ließ …

ehe dann endlich mit Grafikprogramm und etwas Musik die Lösungsfindung in Sachen Verkabelung wieder an Fahrt gewann.
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Da der Kabelbaum sehr groß und lang werden würde – zu groß für den Geheimgang vom Kofferraum ins Cockpit –, entschied ich mich für zwei Kabelbäume:
einen im Stromkaninchenstall und
einen im Cockpit, die dann über
ein Sechsaderkabel miteinander verbunden würden.


Und diese – relativ unkomplizierte – Verbindung beendete ich gerade, als die Klemmo-DS auf grobschlächtige Neugierde traf.
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Der nächste Schritt stellte der Kabelbaum im Frontkofferraum dar.

Hier lag die Stromquelle, und diese würde abzweigungslos zum
ersten der sechs Steckerkontakte laufen.

Hier käme auch eine Erde zurück zum Kaninchen – das wäre dann die zweite Ader.

Eine dritte Ader wäre wohl die ankommende Notlichtleitung, die in den Frontlichtknoten liefe (also eine der beiden Lüsterklemmen-Sammlungen).

Dann würde eine vierte Ader sich gabeln und zu den beiden Blinkerknoten führen, wobei diese Strecke zwischen Gabelung mit Dioden versehen werden sollte.

Ebenso wie eine fünfte Ader.

Der Unterschied der beiden letztgenannten liegt in der Durchlassrichtung der Dioden:
Liefe der Strom ungehindert vom Blinker in Richtung Stecker, so ist es die Leitung für die Kontroll-LED:
Führte der Strom unblockiert vom Stecker in Richtung Blinklichtknoten, wäre es die Leitung des Warnblinker.

Und da der Stecker noch eine sechste Ader besaß, überlegte ich mir, entweder ein zweites Blinkkontrolllicht zu installieren oder eine Kontrollleuchte für eingeschaltetes Licht.

Das Licht machte das Rennen.

Ebenso wie die Idee einiger schraubenfreier Lüsterklemmen, in die garantiert die vielen Adern der Knoten von Licht, Blinker und Erde laufen könnten,
sowie einiger T-Klemmen, die plump in eine isolierte Ader geklipst werden und so durch die Isolierung schneidend sehr schnell und unkompliziert T-Kreuzungen im Stromkreis schaffen können – sehr praktisch etwa bei den Blinkerleitungen.
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Während Denis nun also beim Montieren der C-Säule Teile des Dachs abbrach, kümmerte ich mich um eben diesen geplanten Kaninchenkabelbaum.

Mit dem Multimeter die schließlich verbundenen Leitungen auf Durchgang geprüft, stellte ich fest, dass diese faulen T-Klemmen ihrer einzigen Aufgabe nicht nachgingen.
„Ääch … also noch mal auf“,
murmelte ich vor mich hin, griff nach der Feinmechanikzange …
Wo war dieses Scheißding?

Mich umschauend erblickte ich Denis, der damit gerade ein paar Kleinstteile aus dem Fußraum des – inzwischen dachlosen – DS-Wracks fische. Auch das Reserverad lag auf dem Boden herum.

„Ich hab’s gleich“,
hielt er mich noch eine gute Minute hin, ehe wir beide unseren Aufgaben – geplant und spontan – nachgehen konnten.

An einer kleinen Lasche gehebelt sprang nach einigen Versuchen auch schon die T-Klemme auf und offenbarte ein paar eingedrückte Stellen in der Ader, doch die Metallklingen der Klemme waren nicht bis zum Draht durchgekommen.
Warb der Baumarkt meines Vertrauens nicht mit „kinderleichter und sicherer Installation“?

„Werbung basiert eben auf Lüge“,
gab Denis seinen Senf dazu und suchte nach der Montageanleitung, da sich inzwischen auch die Rücksitzbank entklemmt hatte und die Dreistigkeit besaß, dabei auf den Boden zu fallen.

Mich nicht weiter ärgernd griff ich mir einen Cutter und quälte mich mit langsamem Feinmotorik-Tai-Chi, um die Bereiche um die eingedrückten Isolierungen aufzuschneiden und wegzuschieben, bis die Klemme sicher auf Draht stieß und das Multimeter bei der Kontrolle zufrieden piepte.

Der Baum glich nun einem relativ sauberen Kreuz:
Ein Kabel mit vier Adern würde vom Knoten Howard zum Knoten Boleyn von links nach rechts durch den Stall laufen (zwei Adern waren zuvor mit den besagten Dioden versehen und zugeschrumpfschlaucht).
Im Zentrum übernahmen dann mehrere (nun vorbereitete) T-Klemmen, gekrimte Dioden und Lüster die Aufgabe, die Leitungen entweder zum Sechsaderstecker nach Norden oder zum Stromkaninchen – Süden – umzuleiten.
Die damit einhergehende Unordnung im Zentrum des Baums verbarg ich hinter ein paar Plastikgehäusen aus dem Kramskeller. Geputzt und schwarz angesprüht sah man ihnen die Jahre der Vergessenheit in der staubigsten Ecke des einstigen Schranks auch gar nicht mehr an.
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Während Denis inzwischen die Anleitung gefunden hatte und nun mit Plan und Bedacht die Partien wieder zusammenklemmte, versuchte ich mich also am Cockpitkabelbaum.

Ein Sechsaderkabel wurde von mir in der Länge der einst gemessenen Finger zurechtgeschnitten und für die geplanten Andockstellen von
-Notfalllichtschalter,
-eigenem Blinkerrelais für den Warnblinker (um nicht kilometerweise Kabel vom Stromkaninchen zum bordeigenen Relais in der Schlangengrube zu benötigen),
-Warnblinkschalter und
-Innenlicht

vorbereitet – was heißt, die Adern freizulegen und die benötigten zwei oder drei Drähte mit T-Klemmen zu versehen.
Theoretisch schnell erledigt, aber mit der Abisolierung zur Vorbereitung der Klemmen doch unerwartet fitzelig.

Ein anderes Kabel mit vier Adern, das Strom zum Innenlicht und zur Akustikeinheit des Blinkers leiten würde (bei der ich mich übrigens für die Lösung eines Arbeitsstromrelais entschieden hatte, bei dem aber nur die Spule zum Klicken anzusteuern war und die ausgehenden Arbeitsleitungen isoliert und ignoriert wurden – so tickt es angenehm von Lautstärke und Klangart, statt mich und Passanten anzuschreiben wie ein Kaputter Dalek.


ein weiteres Vieraderkabel für die beiden Kontrollleuchten, die ich im Lenkrad unterbringen würde,

und schließlich noch ein Sechsaderkabel, das zum Stecker führte.

Auch hier wurden die im Zentrum der vier Kabel sitzenden Crimpverbindungen der Vorwiderstände, Klebeschrumpfschläuche und T-Klemmen hinter einem Plastikgehäuse ordentlich verborgen,
das Ganze zusammengesteckt und mit dem Multimeter endkontrolliert, bis jede Leitung zufrieden piepte
1000071497.jpgund es bei der nächsten Kombination aus Zeit, Licht und Lust zu Fritzi und dem Kaninchen wandern sollte.


„Was für ein bekackter Mikro-Hickhack!“

Jetzt galt es, den fertigen Kabelbaum liegen zu lassen und Denis aus seiner Interpretation eines Loriot-Sketches zu befreien, so steckten wir die Göttin gemeinsam wieder zusammen.
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Kapitel 39

„Was Archäologen dazu wohl sagen werden“,

ächzte ich, auf dem Rücken liegend im Bauch Lord Defects.

Den Kopf zwischen Außenwand und Mount Battery, die Beine im Gepäckraum, die Füße in der Finne vor der Kamera und in der Höhle hinter der Kopfstütze.

Fuß eins beengt von der Rundung der Finne, bei Fuß zwei drückte eine der Dachbefestigungen auf den Schuh.

Aber zumindest konnte ich so gut hinter die Einstiegskante blicken und hatte mich um die Anschlüsse des Kabelbaums gekümmert. In der Theorie versprach diese Lage, den Job einfacher zu machen.

Tja. Pustekuchen.
Was die Übersichtlichkeit an Plus ergab, sackte – wie so oft hier drinnen – die Ergonomie wieder ein.

Derart liegend war der rechte Arm an meinem relativ breiten Kreuz nicht zu gebrauchen, ohne böses Schulterroulette.
Zum Krimpen und Kabelbinden benötige ich aber blöderweise beide Arme und nahm die temporär schmerzende Schulter in Kauf.

Die war aber offenbar bei der Mafia und verlangte Zinsen, sodass am Ende der Kabelbaumanklemme- und -binderei das ganze Kreuz inklusive Sternocleidomastoideus (musste ich auch nachgucken: der Muskel, der hinterm Ohr zur Brust läuft) schmerzte und ich so meine liebe erfolgsverhinderte Not hatte, aus der Wanne zu kommen – während Fritzi hilfsbereit wie immer in seiner Öse dem Treiben folgte. Oder auch nicht. Kommunikation ist nicht so seins.

Tja, da lag ich nun.
Gedanklich bei jenen Archäologen, die mich hier wohl finden würden … unter Gestein.
Und staunend.

Dann würde ich wohl ausgestellt im Museum, als der
„Schlangen-Mensch im Plastikwal-Sarkophag“,
ein Fund vor den Toren New Berlins.

War das eine Opfergabe an irgendeinen Gott?
Wurden die Prä-New-Berliner vor tausend Jahren alle so beerdigt?
Mit einem Zollstock?
Und einer primitiven Krokodilsfigur (aka Crimpzange)?
Und warum hat das Skelett so kurze Beine
und so dicke Fingerknochen?

Mich schmerzend umschauend erblickte ich neben meiner Stirn den Wechselschalter der Batterien, dahinter ein Pedal.

So kamen einige Affen auf den brillanten Einfall, doch einfach mal das Pedallager auszumessen, wo ich doch Zeit und Werkzeug gleich vor Ort hätte …
Die anderen Affen inklusive Streber merkten an, dass ich mich auch dafür erst einmal aus dieser Lage befreien müsste.

„Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen“,
begann ich galgenhumorig Georg Kreislers Ode an den industriellen Ruhrpott der 1960er aus der Erinnerung vor mich hin zu trällern.
„Sicherlich gräbt man mich – wenn man Kohle braucht – bald wieder aus …“

Vielleicht ja Vokuhila, der schroffe, aber stets hilfsbereite Nachbar, dessen niedlicher Idefix mir regelmäßig an den Karren pisste.
Würde der Lord Defect erblicken, wäre das wohl auch ein Grund für Herrchen, mal reinzuschauen und dem ächzenden Ablenkungsgesang zu folgen:

„Wo verspottet man Diogenes,
weil er zufrieden war mit nur EINER Tonne?
Wo erfüllt man den Vierjahresplan?
Alle vier Jahre sehen wir die Sonne …“

Tja, mehr Text fiel mir auch nicht mehr ein, und kein Vokuhila in Sicht – nur ein Jet, der am blauen Himmel über dem geöffneten Dach seinen Kondensstreifen kotzte.

Mein Handy lag auf der anderen Seite von Mount Battery, also praktisch von hier nicht schmerzfrei zu erreichen, durch Vertikal strebe, Batterie und Lenkrad.

Immerhin konnte ich den Hals hier ein bisschen kneten und mir die tolle Kabelarbeit anschauen.

Klar, dort hatte ich vielleicht ein bisschen mit dem schwarzen Montagekleber geschmiert, als ich die beiden Relais an die Innenwände geklebt hatte. Und irgendwie schienen meine Zeigefinger auf wundersame Weise zwischen Messen und Bauen des Kabelbaums länger geworden zu sein, sodass das Sechsaderkabel hier Schlangen lief und vom dicksten Schrumpfschlauch meines Sortiments ein bisschen gebündelt wurde, ehe das Paket dann mit Kabelbindern hinter dem Schwanenhals der Handyhalterung verschwand.

Nicht perfekt, aber deutlich übersichtlicher und sauberer als der einstige Kabelsalat.
Und von außen womöglich unsichtbar … keine Ahnung, müsste ich erst mal hier rauskommen.

Mit etwas Mühe erreichte die fähige Hand am Arm Fritzi und den Warnblinkknopf, und ein beruhigendes Relaisticken nebst oranger Lightshow aus den Seitenlöchern begann.

Auch das Innenlicht blendete mich erfolgreich, als ich den Knopf erreichte. Also knipste ich es wieder aus – und den Warnblinker dazu.

Test erfolgreich. Die Leitungen funktionierten schon mal.

Mich ein bisschen darüber freuend bildete ich mir auch schon ein, dass der Schmerz langsam nachließ, und ich einen neuen, langsamen Versuch starten konnte, mich aus Lord Defects Bauch zu befreien …

Aua. Nee. Dann lieber noch ein bisschen warten und mich an der Unterseite des Lenkrads erfreuen.

Die gebohrten Löcher mit den LEDs darin – eine rote und eine grüne – waren Versuch drei und vier gewesen, nachdem Versuch eins und zwei mit dem Kegelbohrer auf den beiden oberen der vier Speichen des Volants überraschenderweise zu groß ausgefallen waren und die LEDs durchrutschten.
Auf den unteren beiden Speichen passte es dann, und so Zusatzlöcher sparten ja auch immerhin ein bisschen Gewicht, verklärte ich mir den Fauxpas zur Nützlichkeit.

Meine freie Hand erreichte den Knopf des Fahrradakkus neben meiner Wange und – gestreckt sowie etwas blind tastend – den Blinkerhebel.
In die verschiedenen Richtungen geschoben hörte ich das Arbeitsrelais im beruhigenden Blinkertakt klick-klacken wie in einem alten Mercedes-Taxi. Und es leuchtete Orange herein.
Ob die Kontroll-LED ebenso blinkte, konnte ich beim besten Willen von hier nicht sagen. Auch mein erneuter Versuch, um die Ecke zum Handy zu greifen, stieß erwartungsgemäß an physiognomische Grenzen.

So blieb ich noch etwas liegen, knetete die böse Verspannung etwas und malte mir aus, wie eine Armee Oompa Loompas bei Manchester unter Zwang NLMs zusammenbaute.
In Deutschland müsste ich wohl mal mit den Mainzelmännchen in Verhandlung treten – bis dahin würde ich hier wohl liegen bleiben.

So konnte ich mir ja auch noch das Verbindungskabel angucken, das die Lenkstange entlang, von Kabelbindern getragen, in einem gebohrten Guckloch in der Schottwand über der Lenkaufnahme verschwand.
Der Geheimgang um die Wand herum war selbst für die Sechsaderstecker unpassierbar; ich hätte erst nachher die Litzen in die Steckergehäuse bringen sollen. So kamen die Affen eben auf die Idee, das alte Guckloch zu nutzen.
Das Loch war noch zu Zeiten des kleinen ersten Stromkaninchens und eines vergessenen Innenlichts entstanden, sodass ich nach einem finalen Verstauen des Werkzeugs im Frontkofferraum noch mal einen Blick in den Innenraum werfen konnte, um zu checken, ob dieser auch wirklich im Dunkeln läge.
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Dem nachfolgenden Fettkaninchen mit zehnmal so viel Wattstunden war es relativ egal, und ich hatte den Griff zum Innenlichtschalter am Ende ins motorische Gedächtnis gebracht und sah nur selten nach. Freie Bahn hier also für das Verbindungskabel.
So würde wohl auch der alte Kabelschuh, am Boden entlang laufend und nun um seine herausgerissenen Kabel verarmt, raus können …
Hätte ich ihn nicht voreilig aktionistisch mit der drittklassigen Zweitakku-Glasfasermattenschicht einlaminiert.
Seufz.

Und jetzt weilte mein Rücken halb auf diesem Glasfasergelumpe …
Geschah mir schon ein bisschen recht.

Ich versuchte, die Füße aus ihren Einzelappartements wieder im Kofferraum zusammenzubringen, auf dass ich so vielleicht ein paar Zoll tiefer käme mit dem Rücken – und die schräge Schulter wieder etwas gerader, und damit auch den Kopf.

In der Ferne hörte ich zwei Kinder auf dem Bürgersteig in Lord Defects Anwesen-Sichtweite.

„Ich könnt ja mal hupen“,
kam es mir in den Sinn, doch erreichte ich den Schalter zwei neben der Blinkerwippe nicht, ohne dass die Schulter wieder protestierte.
Lenkrad drehen erwies sich als ebenso schmerzhaft unmöglich.

Und um Hilfe rufen – in Berlin zwecklos. Die ganze Stadt braucht Hilfe, und sooo schlecht ging es mir hier drinnen ja nun auch nicht.
Kam halt momentan nicht raus.
Würde schon.

Außerdem fingen die jungen Passanten gerade einen lautstarken Streit an, die hätten mich eh nicht gehört.

Der mitspazierende Elternteil – männlich – versuchte die Sprösslinge dann wieder zu beruhigen, als eine seiner Phrasen zu Lord Defect und seinem Gefangenen drang:

„Gentlemen, streitet euch doch nicht!“

Wie eine Planierraupe durch eine Backsteinwand traten drei Gestalten im Inneren aufs Tapet, die ich die letzten Monate arg vernachlässigt hatte im Alltagsgeschehen:
Drei Gentlemen mit grauer Stirn, Brille und Handy.

So malte ich mir die folgende Stunde des Liegens und Wartens damit aus, wie die Odyssee rund um Lord Defects Loop detailliert weitergehen könnte.
Und da Fritzi ja gerade zuhörte, konnte ich ihm das alles mal erzählen …
Laut ausgesprochen bleibt es besser im Gedächtnis.

Vielleicht hörte es ja noch irgendwer sonst und käme interessiert herbeigelaufen …

Nach Monologen potenzieller Kapitel, und eingetretendem Kribbeln der Beine fühlte sich auch die Schulter etwas besser an. Nicht perfekt, aber irgendwas ist ja immer.

Die Zähne zusammenbeißend griff ich nach der nächstbesten Einstiegskante, um mich daran so weit hochzuziehen, dass ich die zweite Schulter frei bekäme.
Auf diese gestützt tat es zwar noch immer weh, aber jetzt war ich weiter gekommen als die ersten Male – also zog ich das jetzt durch.

Mit der zweiten endlich freien Hand konnte ich mich vom Boden hoch und den Kopf wieder über den Einstiegshorizont bekommen.
Von hier aus war es dann wieder ein Leichtes, sich am Lenkrad zu stoßen (blauer Fleck) und ins Freie zu gelangen.

Die Freude, wieder in die Freiheit gelangt zu sein, überwog kurzzeitig die Schmerzen und eingeschlafenen Areale.

Nach einigen Runden im Kreis hing ich die Hängematte namens Sitz wieder in ihre Streben und nahm deutlich bequemer Platz.

Hier erkannte ich auch sogleich, dass die Kontroll-LEDs beide solidarisch ihren Dienst verweigerten.
Da das Relais aber tickte, musste sich der Fehler – zumindest beim Blinker – hinter der Abzweigung befinden. Und die Solidarität brachte mich auf den Gedanken, dass ich die beiden Erden der Dioden spontan zusammengecrimpt und über eine T-Klemme mit der anderen Erde zurück Richtung Stromkaninchen geführt hatte.
Wahrscheinlich die spontan gesetzte T-Klemme, die nicht durch die Isolierung gekommen war und von mir unbeachtet.
Würde ich mir später ansehen, denn immerhin tickte ja schon mal das Relais als Feedback. Erst mal genug für die Bull … ähm … Freunde und Helfer.

Jetzt galt es zunächst sinnvollerweise – und gegen meine Natur –, den Affen zu folgen und die Maße des Spitfire-Pedallagers zu erfahren, um ein adäquates Ersatzteil zu besorgen, das dem Humpelflug Einhalt gebieten sollte.
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(jetzt noch die Skala richtig rum, und man könnte meinen ich mach das gern:)

Würde wieder ein Ergonomie-Albtraum werden, malte ich mir aus.
Aber die Fahrt danach eben auch flüssiger – und war es das nicht wert?

Die Schulter sollte mehr wert sein, wurde am Abendbrottisch resümiert. Und so stellte sich der Wechsel des Pedallagers abermals an – hinter Physiotermin, Wärme und Zeit im inneren Planetarium vor der Schreibmaschine, die Graustirn, Brille und Handy endlich mal auf ihre Reise und binnen anderthalb Monaten aus dem Kopf bringen sollte.

Bis dahin konnte Fritzi ja zumindest Passanten mit dem Warnblinker erschrecken und die kleinen unsauberen Ausreißer der Bohrung verdecken.
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Kapitel 40


„Dann is dett S42 Style, wa?“


erkundigte sich Vokuhila.

Ein während des Heilungsprozesses der angerissenen Schulterfasern von mir erstandener Halbzoll-Drehmomentschlüssel in seiner Hand, ein Kaugummi im Mund unterm breiten Schnauzer.

Das Futter des Schlüssels stellte eine ebenso erstandene 20-Zahn-Pedallagernuss von Super B dar – die zweite, nach einem (billigeren) Pendant, das nur so ungefähr ins Pedallager gepasst hatte.

Das wäre allerdings und natürlich der nächste Schritt gewesen, nachdem ich bereits Pleuel und Pedale mit Inbusschlüssel und Kurbelabzieher aus dem Weg geschafft hatte.
Entgegen aller ärztlichen Vernunft wieder mal im Bauch des NLM kniend und am Lenkrad vorbeischlängelnd passiert, aber immerhin mit der einhändig zu bedienenden Ratsche. Und in der „Schlaf-Beinchen-schlaf“-knienden Haltung statt auf dem Rücken liegend.

Dennoch mahnten mich die Fasern, es dabei auch zu belassen, wollte ich nicht noch mal Wochen mit Stretchtape und Thermoplast durch die Welt watscheln.

Das Fahren fiel mit dieser Malaise sowieso flach:
Der schmerzfreie Einstiegs-Cancan weckt falsche Hoffnungen, das Lenkraddrehen macht dann Autsch, und das Aus-dem-Hängesitz-Kommen ist ein Theaterstück der Fasern zum Thema „Dantes Inferno“.

Und dazu passend die humpelnde Pedalerie.

Also musste ich an dieses Spitfirelager kommen, um sicherzugehen, dass meine Messungen, Rechnungen und Recherchen zum Thema Pedallagermaße auch stimmten … und ich nicht was Falsches bestellte, wie etwa beim ersten Schaltseil …

Die KI hatte meine Fotos ähnlich unsicher interpretiert:

Das sind aber schöne Fotos.
Die Wursthand hält das Lineal leider nie exakt genug, so können die Angaben um einige Millimeter variieren.

Und da es 113-, aber auch 115-mm-Lager gibt, wie soll ich dir ein eindeutiges Ergebnis liefern?

Ich kann dir aber ganz sicher sagen:
Es ist kein Pratt-and-Whitney-Turbofan-Triebwerk und auch kein Schaukelpferd.

Mach bessere Fotos! Halte die Skala korrekt, dann wird auch eindeutig – oder bau das Lager aus und lies nach


So stand ich, die Schulter knetend, wieder im Freien, als Idefix mit Herrchen seine Runde über den Rasen fand und interessiert am Lord schnupperte.

„Grüß dich, lang nich mehr jesehen, dett Dreirad!“
begrüßte er mich, während sein Hund wieder mal die Flanke markierte und der Nachbar ein Taschentuch aus der Jacke fummelte.

„Wat machst ’n?“

Ich erzählte ihm vom maroden Pedallager, dem Muskelfaserriss, der mir diese komischen Stretchtapes bescherte, und meiner nun umherspukenden Frage, ob und wie ich das jetzt und hier durchziehen sollte.

Die Pedale waren ja immerhin schon ab.
Vokuhila wischte gerade fertig durch, während sein Idefix schon an ein paar entfernten Büschen schnüffelte.

Sein erster Blick (überhaupt) in den erleuchteten Innenraum, in dem Werkzeug und Pleuel mit Pedalen lagen, ließ ihn pfeifen.

„Ditt is ja schon jeräumisch, da drinn’.“

„Wie in einem sizilianischen Bullen“,
stimmte ich ihm irgendwie zu.

Er war gedanklich offenbar weitergegangen als ich in dem Moment und griff sich den Drehmomentschlüssel.
Vorgespannt auf 42 Newtonmeter.

„Standart?“
kam es dann in meine Richtung als Frage.

„Ein 1/2-Zoll-Drehmomentschl…“
„Nee, nee, nee, dett seh ick selba, ick meen dett Laga!“

„Ich denk schon.“

„Sieht uf jeden Fall so aus. Rennradzeuch hat nich diese Viecher so weit …“
zeigte seine freie Hand mit Finger waage in Richtung des Lagers.
Was auch immer er damit meinte …

Ich zuckte die Schultern. Ich hatte nie ein Rennrad.

„Dann is dett S42 Style, wa?“
stellte er die Frage eher sich selbst und setzte eigenmächtig den Schlüssel in die Kettenblattseite.

„Was für ein Style?“

„Na jegen den Uhrzeiger. Ringbahn. S 42.“
Vokuhila musste sich ganz schön verbiegen, die Nuss anzusetzen; der Schlüssel selbst war knapp lang genug, um im Raum, den sonst die Sitzfläche einnahm, bedient zu werden.

„Ick war Kfz-Schlosser, also halt ma de Füße still“,
übte Vokuhila sich in schroffer Beruhigung des nervös umherwobbelnden Frederiks
und drehte das Lager vorsichtig und sichtlich routiniert im Umgang mit Lagern heraus:
Erst rechts, wo das Kettenblatt einst auf der Achse saß, dann links (Rechtsgewinde), um mir nach kürzester Zeit das ölige, ausgebaute Lager zu überreichen.
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Und davor hatte ich mich jetzt seit Stans Weltkriegs-Impressionen zur Velo so lange gedrückt?

Lieber ’nen Akku eingebaut und Kabelbäume und ein neues Vorderrad (– gut, das war wirklich nötig –), als mich um dieses kleine ölige Ding hier zu kümmern, das gerade meine Hand einsaute.

„Saachse Bescheid, wenn de ’n neues Lager rinn machen willst und de Schulta noch zwiebackt!“
kam es auf meinen Dank hin, und Vokuhila pfiff nach Idefix, um seine Gassirunde fortzusetzen.

„Mach ich. Danke noch mal“,
rief ich den beiden noch hinterher und besah mir sogleich die geborgene Patrone.

Die Pedalachse probehalber – und aus intrinsischem Spieltrieb – gedreht, fühlte sich an, als drehe man einen Mörser in einem Tiegel Sand: knirschend und sehr weit weg vom Fidget-Spinner-Gefühl.
Oder eben jenem Fahrkomfort von Stans hölzernem Velocar.

Das Kugellager verlor Öl, welches sich auf dem Gehäuse verteilt hatte und die Schrift darauf verbarg.

Da die Hände nun eh schon eingesaut waren, wischte ich ein wenig der Schrift wieder frei:

Ein Shimano BB-UN300-Lager.

Den Rest würd ich mir daheim im Spülbecken beschauen.
Was ich gleich darauf in der näheren Wohnung tat.
Eine Angabe zu Patronenlagerdurchmesser kam zum Vorschein (68) sowie Gewindeangaben (BC 1,37×24).

Außerdem die Breitenangabe mit 123 und, dass es aus einer Fabrik Malaysias in die weite Welt hinaus verschifft wurde.

Nachgemessen stellte die Lehre eine Breite von gerundeten 113 mm fest.

Ein wenig eifrige Nachfrage brachte diese Differenz von vermeintlichen 10 mm dann recht schnell ins Reine:

Ja, damit haben Anfänger (wie du) so ihre Schwierigkeiten:
Kurzum: Shimano hat eine eigene Skalierung, und nach der entspricht 123 eben 113 mm …
Soll ich dir noch mal ein Lineal erklären, und wie rum man es hält und warum?


Nee, lass mal.
Ich fahndete auf den einschlägigen Seiten nach passenden Lagern und wurde beim Bikeshop und bei Rose fündig.

Rose machte schließlich das Rennen, lag die Erinnerung an eine Felge mit unpassender Anzahl an Speichenlöchern noch zu weit oben in der Erinnerungskommode.
Und jeder darf ja mal.

„Was ist da im Waschbecken los?!“
stellte das Alphawibchen mich wieder auf die Aufmerksamkeitsgleise, die Sauberkeit und Frieden fördern würden.

***

Vier Tage Heilungsprozess, missratene Danksagungen an die fleißigen fünf Leser der Fanfiction und ein Hermes-Paket später lag ein identisches neues Lager
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ohne das ganze ausgetretene Öl vor Lord Defects Castle.

Sogleich versuchte ich, irgendwie von außen an das einstige Pedalriesenrad und seine offene Hülse zu kommen, mit Pentanol, Zahnbürsten und sauberen Lappen.

Den Handstaubsauger hatte ich hier schon vorher bemühen müssen, um die Reste abgeknipster Kabelbinder, Bohrspäne, Schalen, Flocken und verirrter Glasfasern zu beseitigen.

Vorher war mir beim Öffnen der Schlüssellochnase eine Maus entgegen- und herausgesprungen, vor ihrer Flucht, ohne ihre Nussreste mitzunehmen, deren Beseitigung zunächst anstand, so lange Fritzi seine strenge Diät aus Fahrtwind und Spinnenweben nicht umzustellen bereit war.

Fuck …
Ein besorgter Blick entlang des Kabelschuhs und Leitungen aller Art offenbarte aber keine Mängel oder Bissspuren.
Die Hängematte war ebenfalls verschont geblieben.
Dafür entsprach wohl der Bezugsstoff der Failsafe-Sitzfläche (aka Kindersitzerhöhung) im Kofferraum eher ihrem kulinarischen Geschmack, wofür die umherliegenden und hervorquellenden Schaumstoffflocken und das durchscheinende Styropor des Sitzes Beleg waren.

Ein paar verirrte innere Affen riefen sogleich nach einem Eisennetz hinter den großen Seitenöffnungen, die dem Mäuserich als Eingangspforte dienten.

Die anderen Affen ließen mich schon mit den Putzutensilien, neuem Lager, Drehmomentschlüssel und Enthusiasmus in die Wanne und zum Pedalium gelangen.

Das Putzen mit Zahnbürste, Pentanol und Lappen geriet mit wenig Kraftaufwand und mit schlafenden Beinen ausführlich und lang, damit auch die letzten Fitzel aus den Gewinden flogen und so nicht im Helixweg der Gewinde herumlagen.

Das Anziehen der ersten kettenblattseitigen Gewinde brauchte drei Anläufe, ehe sich die Gewinde widerstandsarm und flüssig fanden. Die Bedienung des Drehmomentschlüssels bequemer als befürchtet, aber weit weg von angenehm.

Umso wichtiger, dieses Lager und die Gewinde ordentlich und eingefettet …
Ääch …

Ich drehte also noch einmal vorsichtig das Lager heraus, kämpfte mich einarmig aus dieser Lage und aus dem Briten und griff, nachdem die Beine wieder aufgewacht waren, nach der Tube Fahrradmontagefett aus dem Toolpark (in Abteilung „Schmierig und Flüssig“, neben Kettenöl und WD-40), um damit – wie von den Fahrradmontagegurus auf YouTube angemahnt – die Gewinde der Patrone dünn einzuschmieren, weil das einen späteren Ausbau um einiges seines Fluchpotenzials durch festgebackene Gewinde beraubt.

Das Gleiche dann noch – wieder im Pedalium – in die Gegengewinde des Lagers und wieder hineinschrauben, die ganze Geschichte.

Angenehm hierbei die spiegelbildlichen Gewinde dieser Pedallager, da es seitenunabhängig nur darum geht, den Hebel des Drehmomentschlüssels nach unten zu drücken.
Zufälligerweise derselbe Weg, den auch die Schwerkraft für gewöhnlich nimmt.

So hatte der Geburtstagskuchen zu viel in der Woche noch einen helfenden Anteil, als ich mich mit wenig Aufwand auf den Schlüssel lehnen konnte, bis es knackte …

Also … im Drehmomentschlüssel … ein gutes Knacken …ausnahmsweise mal.

Nun noch die Pleuel mit den Pedalen hineingebaut – ebenfalls gefettet – und mich wieder mal darüber amüsiert, wie sinnbefreit diese Katzenaugen an den Pedalen hier drinnen doch waren, wohl aber bestimmt bürokratischen Vorgaben entsprachen.

Sei es drum, auf zur Testfahrt.

Ja, die Schulter schmerzte immer noch etwas beim Lenken, aber immerhin trieben mir die Pedale mit ihrem „fabrikneue Turbine“-Verhalten ein entspanntes Lächeln ins Gemüt:
Kein Leerweg, kein Humpeln, alles ein kleines bisschen näher am Komfort von Stans hölzernem Bein tley – nur tiefer, lauter und ohne Tür.

So kletterte ich gegen Ende der Testfahrt wieder vor Lord Defects Castle heraus – immer noch ein bisschen Aua –, als Vokuhila mit Idefix vorbeischlenderte.

„Fährst jetz’ ohne Pedale, oda wie?“

„Ich hab das Lager selbst wieder eingebaut bekommen“,
resümierte ich mit ein bisschen so was wie Stolz.
„Und komm grad von der erfolgreichen Testfahrt.“

„Na, Glückwunsch“,

nickte er anerkennend zu und fischte abermals und an der Schwelle zur Ritualität ein Taschentuch aus der Tasche und putzte Lord Defect.
Hatte seine Fußhupe wieder gepullert?
Hatte ich nicht drauf geachtet in dem Moment.

Die inneren Affen erinnerten sich gerade an Mickey.

„Aber so wie es aussieht, hab ich einen Untermieter“,
brachte ich diese Kugel ins Gesprächsroulette.

„Seh ick, dett Viech da. Haste aba schon ’ne janze Weile.“

Er deutete mit Kippenhand auf Fritzi.

Ich erzählte ihm von Nussschalen und einem fliehenden Mickey, was er nickend, rauchend und mit anschließendem
„Kenn icke. Ha’ ick wat da’e.“
quittierte.

Meiner tierlieben Ader für Kleinsäuger und weil ich selbst nach Leo Lionnis Buch „Frederick die Maus“ benannt worden bin,-Bruders Lieblingsbuch- hoffte ich also, nicht gleich auf Genickbrecherfallen oder Ähnliches gestoßen zu sein.

„Ick bring doch ooch keene Fellis um …“
beruhigte Vokuhila sogleich und bat mich zu warten, während er sich zu seinem Kofferraum aufmachte, in Sichtweite zum Castle und seinem Vierbeiner und mit einer Zerstäuberflasche zurückkehrte.

„Sprüh dett innen rinne … so alle zwei Wochen.
Riecht nach Kamille oda so wat. De Pheromone halten Nageviechers jedenfalls fern.“

Ja, an so was hatte ich auch gedacht.
Ich sprühte also ausgiebig davon in Lord Defects Wanne, auf die Leitungen, in die Rendez-Vous-Bar und reichte die Flasche zurück, was Vokuhila nachdrücklich ablehnte.

„Kiekste ers’ma, obs wat bringt … villeisch’ hasste ja ’ne doofe Maus.“

„Ja, vielleicht … danke.“
Wenn Mickey, doof oder nicht sich und seine Nüsse nicht mehr da drinnen aufhielt, würde ich ihm eine neue Flasche holen.

„Deck dett Rad jut zu’e.“
war sein abschließender Rat, als er und Idefix weiterzogen.
„Mir zwickt da wat im Knie. Also wird dett bald schnei’n, da komm’n dann och de anderen ausm Wald!“

Sein Knie lag knappe fünf Wochen zu früh.

Also ungefähr die Zeit, die es dauerte, bis die Muskelfasern sich in Ruhe ausgebessert hatten.

So schränkte nicht mehr die Schulter die Fahrfähigkeit ein, sondern eben jene Schneedecke auf den Fahrradwegen, die die Bodenfreiheit des Lords arg überforderte.
Da half es auch nicht, dass die Unimog-Schaufelberge der einstigen Straßenschneedecke auf den Fahrradwegen ihr Endlager fanden wie die Spielzeug-Anden.

Die traditionelle Fahrt zur Kirche an Weihnachten, kurz vor den ersten Flocken, stellte dann auch die letzte (schneeproblemlose) Fahrt des Jahres dar, ehe Lord Defect hoffentlich ohne Nagetiere durch den Winter kommen würde und Fritzi die Winterschachmeisterschaft gegen die Spinnen im Inneren friedlich meisterte.


Bis dahin, ein frohes neues Jahr, allerseits.
 
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