Kapitel1
"Oma ist tot", waren meine ersten Worte an meine Frau, nachdem mein Onkel mir von Tränen zerflossen kurze Zeit vorher genau diese Nachricht in wesentlich blumigerer Ausschweifung dargelegt hatte: Kettenraucherin und 95 Jahre alt, das kann so was schon mal passieren, aber ich denke, Gott hat sie trotzdem seelig. Ein paar Wochen und eine feierliche Beerdigung mit allem Tamtam und sogar einer Livekapelle später trudelte auch schon eine Kopie des Testaments von ihr ein, nach dem ich ein bisschen (viel) Geld vermacht bekommen sollte, und so unterhielt ich mich wiederum ein paar Tage später mit meinem Onkel - inzwischen mit versiegten Tränenkanälen- was ich denn mit dem kleinen Batzen an Euros machen wolle.
Nun bin ich nicht wirklich unkreativ, aber ich Glaube, würde mir ein Flaschengeist erscheinen, weil ich etwas zu enthusiastisch an seinem Gefängnis gerubbelt hätte, und der forderte mich auf, bitte jetzt ganz schnell drei Wünsche an ihn loszuwerden, stünde ich erstmal auf meiner Zunge vor Überforderung, so war ein Einfall meines Onkels, hol dir doch ein E Bike...Er kenne da wen, der sei der "Führende Experte in Deutschland, ach was sag ich, der Welt" und der würde ja auf Marke xy stehen, also hol dir doch so eines! (Nun muss man wissen, dass mein Onkel immer so ein bisschen zum Posen und zum Drama neigt, aber das kannte ich ja schon)
Also war der in meinem Geiste schon heruntergebrochene Vorschlag : Leiste dir doch mal ein ordentliches Fahrrad, Junge.
Und der Vorschlag gefiel mir wirklich. Nach Jahrzehnten aufgetragener Fremdräder, von Freunden, Bruder oder Partnerinnen die mir zwar viel Praktisches in Sachen Wartung und Reparatur beibogen, aber nie wirklich spaß gemacht hatten.
In Berlin macht ein Auto für die Wege in der Stadt sowieso keinen sonderlichen Spaß, so freundete ich mich immer mehr mit der Idee an, doch wohin mich google auch schickte: Es waren alles die gleichen altbackenenen Designs und Variationen von Fahrrädern, wie ich sie aus meiner Kindheit schon kannte: Klar, neuere fancy Materialien, und hier mal ein "kecker" Schwung mehr, oder da eine freche Ecke, die dann von Marketing-Versierten mit den beiden Silben "De und sign" verziert darüber hinwegtäuschen sollten, dass es eigentlich kein wirklich neues Design war...
Da ich aber nun auch keinen Bock auf einen Dacia oder nen gebrauchten Kompaktwagen in Hornhaut-Umbra- Metallic und/oder fünf Vorbesitzern hatte, so wie auf Benzin und KFZ bedingten Ausgaben generell, blieb ich bei der FahrradIdee zur Mobilität hängen,
doch musste es doch irgendwas dazwischen geben. kein Auto, kein Fahrrad, und einen Motorradführerschein habe ich nie besessen.
Tante Google, die Gute, hatte mir dann gleich den richtigen Gattungsbegriff nebst unzähligen Fotos vor die Türe gelegt, wie eine überfleißige Katze... Ach, Velomobil heißt das.. ja, das klingt gut: Zur Arbeit fahren und zurück, Wetter bleibt draußen und die Schulkinder der Schule, an der ich arbeite hätten auch früher als ich die Horizonterweiterung, und könnten wesentlich früher mit dem Interesse daran anfangen, auf Autos verzichten, der Planet wäre gerettet.. also auch pädagogisch irgendwie sinnvoll (Was man sich als Erzieher eben so aus den Fingern zieht, wenn eigene Belange auch gefälligst den Kindern etwas Mehrwert zu vermitteln haben
Diverse Youtube Videos später stieß ich dann auf mein zukünftiges Vehikel, und war schockverliebt:
Ein Brite, der in seinen Linien aussah wie eine Mischung aus Formelrenner und Schnellboot, Dehaviland Jagdflugzeug, Morgan Threewheeler und Dodge Tommahawk, das wollte ich haben.
Die Seite (northernlightmotors.com) und das ansprechende Werbefilmchen, in dem von einem tretbaren Generator, der den Strom dann kettenlos zum Radnabenmotor übertrüge zu klassischer Musik die Rede war, waren für mich emotional aufgeladenen Verliebten dann auch plausible und rational gute Gründe, gleich so ein Vehikel zu bestellen...was ist schon ein halbes Jahr Wartezeit für so ein Schmuckstück?
Nun, Auf jeden Falle viel Zeit, sich von Verwandten anzuhören, wie bescheuert man denn eigentlich sei, so ein horrendes Geld für ein Fahrrad aufzubringen, und das diese Art von Antrieb doch nur den Prototypen vorbehalten bliebe, dass man ja gar nichts sehen könne, bei den Schießscharten von Fensteröffnungen, und mich ja gar keiner sähe, es unsicher sei, ich gar keinen Platz hätte, so ein Monster von einem dreirad nirgendwo unterzustellen könne, und die Briten ja sowieso schon immer nur Scheiße produziert hätten, wenn es um berädertes ginge. Oma würde sich im Grabe herumdrehen, wenn sie wüsste, was ich mir da von IHREM Geld blabla sni sna..."Ja, vielleicht, aber bestimmt nicht so stilvoll, wie dieses Velomobil wenden kann."...
Einen Großteil dieser "Bedenken" und Vorwürfe wurde von mir dann einfach ausgeblendet oder zusammengefasst mit " Okay, Onkelchen ist beleidigt, weil ich nicht seine bekannte Welt-Koryphäe konsultiert hatte, die mir so ein 08/15 Ebike aufgeschwatzt hätte - wie ihm,
und Väterchen traut mir nicht zu, dass ich im Straßenverkehr die Bedeutung von Ampeln und Schildern behalte, macht sich halt sorgen um den letzten übriggebliebenen Sohn."
Immerhin meine Frau war erleichtert, entpuppte sich mein erster Satz an sie nachdem ich das Northern Light gesehen hatte "Liebling, Ich hab mich neu verliebt!" als relativ harmlos. Ich würde wohl nicht die Scheidung einreichen und in Dänemark ein Fahrrad heiraten, mehr Zeit mit ihr verbringen als mit dem Velomobil...
So verlief also die Wartezeit die mit verabschiedeten knappen 300€ an die kleine Manufaktur begonnen hatte schnell und voller Tagträumerei...der anstrengende Teil sollte kommen, da mein Onkel im einen oder anderen seiner vielen Kritikpunkte durchaus einen Nagel halb ins Schwarze traf, doch dazu mehr im nächsten Kapitel...
"Oma ist tot", waren meine ersten Worte an meine Frau, nachdem mein Onkel mir von Tränen zerflossen kurze Zeit vorher genau diese Nachricht in wesentlich blumigerer Ausschweifung dargelegt hatte: Kettenraucherin und 95 Jahre alt, das kann so was schon mal passieren, aber ich denke, Gott hat sie trotzdem seelig. Ein paar Wochen und eine feierliche Beerdigung mit allem Tamtam und sogar einer Livekapelle später trudelte auch schon eine Kopie des Testaments von ihr ein, nach dem ich ein bisschen (viel) Geld vermacht bekommen sollte, und so unterhielt ich mich wiederum ein paar Tage später mit meinem Onkel - inzwischen mit versiegten Tränenkanälen- was ich denn mit dem kleinen Batzen an Euros machen wolle.
Nun bin ich nicht wirklich unkreativ, aber ich Glaube, würde mir ein Flaschengeist erscheinen, weil ich etwas zu enthusiastisch an seinem Gefängnis gerubbelt hätte, und der forderte mich auf, bitte jetzt ganz schnell drei Wünsche an ihn loszuwerden, stünde ich erstmal auf meiner Zunge vor Überforderung, so war ein Einfall meines Onkels, hol dir doch ein E Bike...Er kenne da wen, der sei der "Führende Experte in Deutschland, ach was sag ich, der Welt" und der würde ja auf Marke xy stehen, also hol dir doch so eines! (Nun muss man wissen, dass mein Onkel immer so ein bisschen zum Posen und zum Drama neigt, aber das kannte ich ja schon)
Also war der in meinem Geiste schon heruntergebrochene Vorschlag : Leiste dir doch mal ein ordentliches Fahrrad, Junge.
Und der Vorschlag gefiel mir wirklich. Nach Jahrzehnten aufgetragener Fremdräder, von Freunden, Bruder oder Partnerinnen die mir zwar viel Praktisches in Sachen Wartung und Reparatur beibogen, aber nie wirklich spaß gemacht hatten.
In Berlin macht ein Auto für die Wege in der Stadt sowieso keinen sonderlichen Spaß, so freundete ich mich immer mehr mit der Idee an, doch wohin mich google auch schickte: Es waren alles die gleichen altbackenenen Designs und Variationen von Fahrrädern, wie ich sie aus meiner Kindheit schon kannte: Klar, neuere fancy Materialien, und hier mal ein "kecker" Schwung mehr, oder da eine freche Ecke, die dann von Marketing-Versierten mit den beiden Silben "De und sign" verziert darüber hinwegtäuschen sollten, dass es eigentlich kein wirklich neues Design war...
Da ich aber nun auch keinen Bock auf einen Dacia oder nen gebrauchten Kompaktwagen in Hornhaut-Umbra- Metallic und/oder fünf Vorbesitzern hatte, so wie auf Benzin und KFZ bedingten Ausgaben generell, blieb ich bei der FahrradIdee zur Mobilität hängen,
doch musste es doch irgendwas dazwischen geben. kein Auto, kein Fahrrad, und einen Motorradführerschein habe ich nie besessen.
Tante Google, die Gute, hatte mir dann gleich den richtigen Gattungsbegriff nebst unzähligen Fotos vor die Türe gelegt, wie eine überfleißige Katze... Ach, Velomobil heißt das.. ja, das klingt gut: Zur Arbeit fahren und zurück, Wetter bleibt draußen und die Schulkinder der Schule, an der ich arbeite hätten auch früher als ich die Horizonterweiterung, und könnten wesentlich früher mit dem Interesse daran anfangen, auf Autos verzichten, der Planet wäre gerettet.. also auch pädagogisch irgendwie sinnvoll (Was man sich als Erzieher eben so aus den Fingern zieht, wenn eigene Belange auch gefälligst den Kindern etwas Mehrwert zu vermitteln haben
Diverse Youtube Videos später stieß ich dann auf mein zukünftiges Vehikel, und war schockverliebt:
Ein Brite, der in seinen Linien aussah wie eine Mischung aus Formelrenner und Schnellboot, Dehaviland Jagdflugzeug, Morgan Threewheeler und Dodge Tommahawk, das wollte ich haben.
Die Seite (northernlightmotors.com) und das ansprechende Werbefilmchen, in dem von einem tretbaren Generator, der den Strom dann kettenlos zum Radnabenmotor übertrüge zu klassischer Musik die Rede war, waren für mich emotional aufgeladenen Verliebten dann auch plausible und rational gute Gründe, gleich so ein Vehikel zu bestellen...was ist schon ein halbes Jahr Wartezeit für so ein Schmuckstück?
Nun, Auf jeden Falle viel Zeit, sich von Verwandten anzuhören, wie bescheuert man denn eigentlich sei, so ein horrendes Geld für ein Fahrrad aufzubringen, und das diese Art von Antrieb doch nur den Prototypen vorbehalten bliebe, dass man ja gar nichts sehen könne, bei den Schießscharten von Fensteröffnungen, und mich ja gar keiner sähe, es unsicher sei, ich gar keinen Platz hätte, so ein Monster von einem dreirad nirgendwo unterzustellen könne, und die Briten ja sowieso schon immer nur Scheiße produziert hätten, wenn es um berädertes ginge. Oma würde sich im Grabe herumdrehen, wenn sie wüsste, was ich mir da von IHREM Geld blabla sni sna..."Ja, vielleicht, aber bestimmt nicht so stilvoll, wie dieses Velomobil wenden kann."...
Einen Großteil dieser "Bedenken" und Vorwürfe wurde von mir dann einfach ausgeblendet oder zusammengefasst mit " Okay, Onkelchen ist beleidigt, weil ich nicht seine bekannte Welt-Koryphäe konsultiert hatte, die mir so ein 08/15 Ebike aufgeschwatzt hätte - wie ihm,
und Väterchen traut mir nicht zu, dass ich im Straßenverkehr die Bedeutung von Ampeln und Schildern behalte, macht sich halt sorgen um den letzten übriggebliebenen Sohn."
Immerhin meine Frau war erleichtert, entpuppte sich mein erster Satz an sie nachdem ich das Northern Light gesehen hatte "Liebling, Ich hab mich neu verliebt!" als relativ harmlos. Ich würde wohl nicht die Scheidung einreichen und in Dänemark ein Fahrrad heiraten, mehr Zeit mit ihr verbringen als mit dem Velomobil...
So verlief also die Wartezeit die mit verabschiedeten knappen 300€ an die kleine Manufaktur begonnen hatte schnell und voller Tagträumerei...der anstrengende Teil sollte kommen, da mein Onkel im einen oder anderen seiner vielen Kritikpunkte durchaus einen Nagel halb ins Schwarze traf, doch dazu mehr im nächsten Kapitel...
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