Sicherheitsempfinden

wolfram

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Hallo zusammen, was zum plaudern.
Ich habe ja nicht wahnsinnig viele Kunden, doch immer wieder fällt mir auf, wie unterschiedlich die Relevanz der zur Sicherheit beitragenden Komponenten bewertet wird. Bei Kunden mit hohem Sicherheitsbedürfnis ist es vor allem die Beleuchtung, da ist dann das halbe Fahrzeug mit allerlei Lampen begangen, bei 3 von diesen Kunden war das Gewebe der Reifen sichtbar. Zwei fuhren den Pfänder mit Trommelbremsen ohne Kühlung runter.
Das irritiert mich dann, sind denn 6 Blinker nach vorne und 4 nach hinten, dazu 4 Tagfahrlichter nach vorne und 3 nach hinten denn wirklich besser zu sehen als jeweils eins?
Ich bin noch nie übersehen worden, lucky me, meine üblen Situationen waren Glatteis, Dinge auf der Fahrbahn, versagende Bremsen, durchgeschliffene Flanken bei den Vorderreifen, Tubelessprobleme, Platten bei schneller Fahrt, und vor allem: Selbstüberschätzung.
Noch niemand den ich kenne, ist mal zum Ausprobieren ohne Luft im Hinterreifen einen Berg runter gefahren, um mal zu spüren, wie sich das anfühlt. Dabei ist das ganz einfach zu tun, kostet einen halt einen Schlauch.
Was Sicherheit anbelangt bin ich eher auf der Ignoranzseite, aus denen die da so unterschiedlich bewerten werde ich nicht schlau.
Macht mich schlauer, liebe Grüße Wolfram
 
ich würde mich wahrscheinlich in einem velomobil sehr lange nicht sicher fühlen...
Mit jahrehnterlanger Erfahrung als Radler lassen sich gefährliche Situationen besser einschätzen.
Ebenso wächst im Idealfall das Bewusstsein für höheres Risiko bei extremeren Situationen wie z.B. Alpen pässe Abfahrten, Nachtfahrten, Glatteis usw. Mit der Erfahrung ist auch die Wahrscheinlichkeit höher bei einer noch nie dagewesenen Situation angemessener zu reagieren?
Selbstüberschätzung ist auch ein gutes Stichwort, die ist meistens in jungen Jahren stärker ausgeprägt, also sollte generell man etwas sicherer im reifen Alter unterwegs sein... irgendwann kann es dann aber ich Richtung kippen, seine eigenen noch vorhandenen körperlichen Fähigkeiten zu überschätzen und deswegen zu verunfallen (das noch schön vereinfacht durch E-Pedelecs)
 
Ich habe die Vermutung, dass sich das Empfinden, was ein Velomobil "sicher" oder "unsicher" macht, mit der Erfahrung verschiebt:
Als Einsteiger hat man noch das Bild vom "tiefen, niedrigen, 'unsichtbaren' Fahrzeug" im Kopf und denkt, man würde jede Sekunde von einem 40-Tonner abgeräumt werden.
Dafür hat man (noch) kein Verständnis von Fahrphysik, was ein einzelnes Hinterrad ausmacht, besonders wenn es ausbricht.
Und natürlich die Dimensionen von Hangabtrieb, Aerydynamik und die Physik von Energievernichtung durch Bremsen.

Mein Umfeld war geprägt von mindestens einem Langstrecken- und Brevet-Fahrer, der ultra-minimalistisch ohne Blinker, Hupe und oft nur mit einer Lichtkanone beleuchtet hunderttausende Kilometer abgespult hat, ohne einmal "übersehen" zu werden.
Und das mit dem Bremsen kannte ich schon vom Tandem. Fast die gleiche Nummer da.
Während sich die Hinterachse für Fahrstabilität vom KFZ aus dem Sicherheitstraining sehr anschaulich festgesetzt hat. Das war auch mehr als das Basis-Training, wir haben Fahrübungen an einem Präparierten Audi mit Lenkrollen hinten statt Rädern gemacht. Seeehr spannend. ;-)
 
Ich weiss nicht was in diesem Thread für Erkenntnisse herauskommen sollen, aber er ist ja in der Plauderecke.

Meinen schlimmsten Fahrradunfall hatte ich ganze ohne Fremdverschulden, als beim Anfahren (auf dem Upright) das Vorderrad verdreht war und ich deshalb ganz blöd gestürzt bin und mich dabei recht schwer am Arm verletzt habe. Der Unfall sah völlig unspektakulär aus, aber die Verletzung hat mich noch jahrelang beschäftigt.
Der zweitschlimmste Unfall war auch ohne Fremdverschulden, als ich in der Dämmerung auf dem Fahrrad (wieder Upright) die Spur wechseln wollte, und dabei eine Bordsteinkante übersehen hab, über die ich dann gestürzt bin.
Ein anderer Unfall der recht harmlos ausging, aber im Nachhinein betrachtet sehr gefährlich war, war wieder mein Verschulden, als ich (auf dem Up) eine Strasse überquert hab, und dabei einem Auto die Vorfahrt genommen hab, was nicht mehr genug bremsen konnte und dann noch seitlich meinen Gepäckträger und mein Hinterrad erwischt hat. Eine Zehntelsekunde früher hätte es wohl mein ganzes Bein erwischt.

Das zu meiner Vorgeschichte. Ich bewege mich seit Jahrzehnten mit dem Fahrrad im Strassenverkehr und fühle mich dabei eigentlich nie unsicher, sondern fahre selbstbewusst und nehme mir meinen Platz. Manchmal ist das vielleicht etwas zu selbstbewusst, wie wenn ich einem Auto die Vorfahrt nehme und angefahren werde. Jetzt erinnere ich mich sogar, dass mir das schon zwei mal passiert war. Mein Punkt ist aber, dass ich mich mit dem Fahrrad auf der Strasse zu Hause fühle, und auch wenn ich gelegentlich mal von Autos zu dicht überholt werde oder sie mir im Kreisverkehr die Vorfahrt nehmen, fühle ich mich grundsätzlich sicher. Und wenn doch mal was schlimmes passiert ist, war es praktisch immer meine eigene Schuld.

Eine befreundete Radfahrerin hat eine völlig andere Erfahrung als ich. Sie fühlt sich auf dem Fahrrad im Stadtverkehr generell unsicher, und macht täglich schlechte Erfahrungen mit Autofahrern, die ihren Platz auf der Strasse in Frage stellen. Fahrradfahren ist deshalb eher stressig für sie, und sie erzählt viel davon, wie aggressiv und schlimm die Autofahrer sind.

Was ich damit sagen will ist, dass das persönliche Sicherheitsempfinden auch eine Einstellungsfrage ist, welche die eigene Wahrnehmung färbt. Und die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren auch darauf, ob jemand eher souverän oder eher unsicher auf der Strasse ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
das Empfinden [...] "sicher" oder "unsicher"
Ja, das verschiebt sich mit Sicherheit mit wachsender Er_fahr_ung.
Aber vor allem ist dieses "Empfinden" "binär", unterscheidet also zwischen 'gefährlich' und 'ungefährlich'.
Es ist nicht skaliert, es wägt nicht anhand eines linearen Maßstabs ab.

Wir 'ticken' so, dass wir Maßnahmen zum Schutz vor Risiken eben nicht miteinander vergleichen und uns für die effektiven entschieden, sondern für die (uns momentan) augenfälligsten.
1768035917871.jpeg
Weil Risikowahrnehmung anerzogen ( vom Hörensagen gelernt) ist, bezeichnet die Marjut Ollitervo (die Autorin des Artikels, aus dem ich die Abbildung habe) das was wir als 'gefühlte Sicherheit' kennen, als "kulturelle Sicherheit".

Wen "übersehen werden" mehr besorgt als Bremsversagen, der kauft sich ein Fähnchen und ignoriert die zehn losen Litzen am angerissenen Bremszug.
 
Noch niemand den ich kenne, ist mal zum Ausprobieren ohne Luft im Hinterreifen einen Berg runter gefahren, um mal zu spüren, wie sich das anfühlt. Dabei ist das ganz einfach zu tun, kostet einen halt einen Schlauch.
Doch da gehöre ich zu nur kennen wir uns nicht persönlich.

Mit meinem ersten Mango vor ü 12 Jahren bin ich mit 60 bis 70 km/h und schleichendem Plattfuss den Berg runter und habe mich gewundert das es so eiert erst als ich bin Kumpel 15 km weiter angekommen bin und der meint ich hätte hinten wohl Niederquerschnittreifen war das Übel gefunden.
Drauf hin habe ich einiges mit platten teils mit MS Polymer verklebten Reifen getestet.

Aber alle meine 3 Unfälle mit teils erheblichen Schäden wären mit einem "normalen" Rad so nicht passiert!
 
ich würde mich wahrscheinlich in einem velomobil sehr lange nicht sicher fühlen...
Mit jahrehnterlanger Erfahrung als Radler lassen sich gefährliche Situationen besser einschätzen.
Ebenso wächst im Idealfall das Bewusstsein für höheres Risiko bei extremeren Situationen wie z.B. Alpen pässe Abfahrten, Nachtfahrten, Glatteis usw. Mit der Erfahrung ist auch die Wahrscheinlichkeit höher bei einer noch nie dagewesenen Situation angemessener zu reagieren?
ich glaube du liegst hier falsch ;-)

ich bin jahrelang als Fahrradbote in Wien unterwegs gewesen,
MTB-Bewerbe und Rennrad-Veranstaltungen mitgefahren,
Alleycats in Wien (mit Aktionen, worüber ich jetzt als "Erwachsener" lieber nicht schreibe),
20 Jahre Radpendeln bei jedem Wetter, immer...

sprich: ich bin kein ängstlicher Radfahrer..

und trotzdem: VM ist nochmal was anderes..
die 10km/h mehr die man fährt - geben einem das Gefühl, einfach BESSER auf die Straße zu gehören..
Autos nehmen mehr Rücksicht, halten mehr Abstand
(ja: haben Angst vor mir ??? auf schmaler Straße mit Gegenverkehr fahren die teils aufs BAnkett, weichen aus - fahr ich selber an der Stelle mit dem 3mal so breiten Auto macht das niemand)

fährt man mit dem Rad vielleicht doch eher rechts oder gar ganz am Rand (Überland),
fährt man mit dem VM viel bedenkenloser mittiger in der Fahrbahn

woran liegts ?
das vorher genannte "der mitfahrende Raum" - hab ich so noch nie daran gedacht, klingt aber ganz einleuchtend für mich

fährt man langsam mit dem VM - mit anderen RAdlern gemeinsam z .b. - fühlt man sich überhaupt absolut sicher.. was soll da passieren?

Glatteis ?
man fährt ein 3-Rad...
ok.. beim VM macht man sich da vielleicht noch sorgen wegen dem Lack, falls man dochmal von der STraße rutscht

beim Trike gibts keine Hülle die zerkratzt werden könnte => da freu ich mich, wenns endlich mal wieder RICHTIG Glatt auf meinem Arbeitsweg ist..
mit einem NOrmalen Rad ist das dann unfahrbar (außer man hat Spikereifen),
aber mit dem Trike - selbst mit glatten Sommereifen - macht das einfach nur Spaß, Driften, schleudern...
mal den zugefrorenen See als Arbeitsweg nehmen etc..

VM steht wie ein Trike auf 3 Beinen...

Sicherheitsgefühl:
noch ne Anekdote:
als ich mir mein erstes Liegeteil zulegte, ein Trike.. fuhr ich 6 Monate lang glaub ich ausschließlich ! mit dem Trike..
dann ein gemeinsame Ausfahrt mit meiner Freundin...
sie mit ihrem MTB, ich mit dem Trike..
auf halber Strecke wechselten wir..
und: ich war geschockt..
wie extrem hoch so ein MTB ist, wie gefährlich sich das anfühlt..
man hat ständig das Gefühl vorne über-zu-fallen
(und die Freundin hatte noch nichtmal ne Sattelüberhöhung)

es fühlte sich richtig gefährlich an
(und das obwohl - wie gesagt - ich auf UPs jahrelang zuhaus war, oft 10h Schichten gefahren bin, REnnen etc.)

dieses Gefühl hatte ich allerdings auch nur einmal...
das Hirn hat sich an den WEchseln gewöhnt..
wenn ich heute halbes Jahr nur liegend fahren würde und dann zurückwechseln, wäre dieser Effekt so nimma gegeben

wie auch immer: ich glaube du vertust dich dabei, wenn du glaubst, dass du dich in einem VM (lange zeit) unsicherer fühlen würdest als auf einem UP oder offenen 1-Spur-Liegerad
 
Eine befreundete Radfahrerin hat eine völlig andere Erfahrung als ich. Sie fühlt sich auf dem Fahrrad im Stadtverkehr generell unsicher, und macht täglich schlechte Erfahrungen mit Autofahrern, die ihren Platz auf der Strasse in Frage stellen. Fahrradfahren ist deshalb eher stressig für sie, und sie erzählt viel davon, wie aggressiv und schlimm die Autofahrer sind.
haha.. das könnte meine Freundin sein ;-)

die fährt 3-4mal im Jahr mit dem Rad (ohne mich)
und jedesmal die wildesten GEschichten, Probleme mit Autofahrern etc...

was die in den 3-4mal im Jahr hat, hab ich bei meinen 600 FAhrten im Jahr nicht
 
Sicherheitsgefühl:
noch ne Anekdote:
als ich mir mein erstes Liegeteil zulegte, ein Trike.. fuhr ich 6 Monate lang glaub ich ausschließlich ! mit dem Trike..
dann ein gemeinsame Ausfahrt mit meiner Freundin...
sie mit ihrem MTB, ich mit dem Trike..
auf halber Strecke wechselten wir..
und: ich war geschockt..
wie extrem hoch so ein MTB ist, wie gefährlich sich das anfühlt..
man hat ständig das Gefühl vorne über-zu-fallen
(und die Freundin hatte noch nichtmal ne Sattelüberhöhung)

es fühlte sich richtig gefährlich an
(und das obwohl - wie gesagt - ich auf UPs jahrelang zuhaus war, oft 10h Schichten gefahren bin, REnnen etc.)

dieses Gefühl hatte ich allerdings auch nur einmal...
das Hirn hat sich an den WEchseln gewöhnt..
wenn ich heute halbes Jahr nur liegend fahren würde und dann zurückwechseln, wäre dieser Effekt so nimma gegeben
Geht mir immer wieder mal so, wenn ich nach wochenlangem Flevobikefahren aufs Brompton wechsle. Ist nach wenigen Momenten wieder weg.
Aber es verdeutlicht sehr gut, wie entscheidend Gewöhnung ist.

Alles ungewohnte wird erstmal eher als Gefahr wahrgenommen.

Wenn ich hunderte Male mit dem Auto auf der Landstraße mit Differenzgeschwindigkeit 200 km/h und nur nem Meter Abstand den Gegenverkehr passiere, wird das zum Normalfall und fühlt sich für mich nicht unsicher an. Aber denkt man mal drüber nach, was eine kleine falsche Bewegung am Lenkrad für Folgen haben würde, dann muss einem doch ganz mulmig werden.

Interessant fand ich auch die Diskussion um kürzere TÜV-Intervalle bei Kfz. Der Sicherheitsgewinn würde dabei in keinem guten Verhältnis zum Aufwand stehen, aber der Elefant im Raum (eigentlich mehrere Elefanten) wird weiter ignoriert. So ein Unsinn lässt sich recht gut damit erklären, dass Menschen so schlecht darin sind, Gefahren zu vergleichen und zu bewerten.
 
was hier bei dem Thema sicher ist (so empfinde ich es zumindest) wie welche Teilnehmenden hier antworten werden... von daher ist der Erkenntnisgewinn für mich nicht so groß; Spass macht mir die Diskussion hier trotzdem-
Hilfreich fände ich noch bei diesem Faden: geht es dem Ersteller primär hier um VM Erfahrungen oder generell Liegerad / Up ?
Wenn ersteres, kann ich nur staunend mitlesen, da ich keine wirkliche VM Erfahrung hab : )
 
Die meisten Unfälle sind ja selbst verursacht und geschehen alleine, also mehrheitlich ohne Gefahr von einem PW oder grösserem überrollt zu werden. Beim Up kann der Kopf des Fahrenden dann bis zu 2m zu Boden Stürzen (krachen)…
Auch fällt ein 3 Rad bei Verlust der Haftung der Räder grundsätzlich nicht um, sondern kippt höchstens, was viel langsamer von statten geht und aus viel geringerer Höhe.
Diese „Eigenschaft“ der Ups ist auch der Grund , warum Velohelme von Schutz Organisationen so stark gepuscht werden.

Ansonsten halte ich im Bereich des Strassenverkehr HiVis Bekleidung für den grössen passiven Schutzfaktor, da es die Wahrnehmung am Tag von allem Seite deutlich verbessert.
 
Das Sicherheitsempfinden ist halt nur so ein Gefühl. Die potentiellen Gefahren und was zur Sicherheit beiträgt wird selten angemessen bewertet. Das ist nicht nur beim Radfahren so, sondern in allen Bereichen. Wir fürchten uns vor Sachen, die uns sehr wahrscheinlich nicht passieren und ignorieren die Gefahren die viel größer sind. Es hat mit Unwissen zu tun, aber auch mit dem was uns aktiv beschäftigt. Die Autos um einen rum wirken als permanente Bedrohung, wenn ich eine längere Strecke auf der Straße fahre, dann werde ich mit Sicherheit irgendwann zu dicht überholt oder bedrängt. Übersehenwerden passiert regelmäßig, ich bin auch nicht immer aufmerksam genug. Meist passiert nichts, weil die anderen Verkehrsteilnehmer das ausgleichen. Aber man jeder kennt Situationen die auch hätten schief gehen können. Und aus den Meldungen in den Zeitungen kenn wir: PKW/LKW Fahrer übersieht Radfahrer, Radfahrer tot / sehr schwer verletzt. Immer größer werdende Autos wirken bedrohlich. Der Boden auf dem wir stehen und auf dem wir fahren wirkt nicht bedrohlich, weil zu 99,99% rollt es sich ganz stabil auf den zwei Rädern. Unfall wegen plötzlichem Druckverlust im Reifen kennen die wenigsten. Eine Gefahr, die man nicht wirklich spüren kann, wird nicht als Gefahr wahrgenommen, bis man dann plötzlich neben oder unter dem Rad liegt. Radsportler haben da natürlich einen anderen Bezug zu, weil sich in der Regel gefährlicher unterwegs sind und der Eigenunfall nur eine Frage der Zeit.

Wenn ich wählen müsste zwischen ohne Licht fahren und mit schlechter Bremse und kaputten Reifen fahren, dann würde ich definitv lieber ohne Licht fahren. 100% meine Unfälle waren Eigenunfälle und fast immer abseits der Fahrbahn.

Das fehlende 3. oder 4. Rad ist vielleicht die größte Gefahr beim Radfahren.
 
Hilfreich fände ich noch bei diesem Faden: geht es dem Ersteller primär hier um VM Erfahrungen oder generell Liegerad / Up ?
Da ich gerne hinter die Gardinen schaue,
geht es eigentlich um alles.
Aber am meinem Beispiel ist sehr gut zu erkennen wie wir so ticken. Es sind ja oft die rationalsten Menschen die sehr gefühlige Entscheidungen treffen, ohne es zu merken. Die rationale Erklärung wird dann gerne hinterhergeschickt.
Ich gehe gerne den Weg der Erkenntnis, der ja bekanntlich auch der Weg des Irrtums ist.
Liebe Grüße Wolfram
 
Ich fühle mich da sicher, das hat was mit dem mitfahrenden Raum zu tun, völlig absurd.....
Das ist nicht absurd. "Gefühlte Sicherheit" ist etwas anderes als "reale Sicherheit". Ich z.B. fahre mit einem Fahrrad nicht auf Straßen zusammen mit LKWs und PKWs, wenn mehr als 50km/h erlaubt sind. Die Gefahr, dass mich irgendeiner dieser Deppen übersieht, ist mir "gefühlt" zu hoch. Statistisch ist es wohl nicht so gefährlich, aber mein "Gefühl" sagt etwas anderes. Ich kann nicht kontrollieren, was die Deppen hinter mir machen. Mit dem Motorrad liege ich immer in Führung, da können die mich gar nicht umfahren, und kommen sie von der Seite oder von vorne, bemwerke ist das und kann reagieren. Ich der Stadt könnten sie das natürlich, da versucht das gefühlt alle zwei Minuten irgendwer. Aber ich kenne meine Pappenheimer und achte auf jede Kleinigkeit der Unachtsamkeit.

Und was Du zu Deinen Kunden schreibst. Ja, sehr viele unserer Zeitgenossen haben überhaupt kein technisches Verständnis. Da fahren Nachbarn mit sichtbar zu niedrigem Luftdruck, man weißt sie darauf hin und es kommt: "Der Luftdruck wird immer bei der Inspektion überprüft". Ohne Worte....
 
Das kriegst du hin? Ich träume da zu oft.
Bisher ja, auf weit über einer Million Kilometer im Straßenverkehr blieb ich bisher unfallfrei. Typisches Thema sind sich öffnende Türen. Erstens sieht man, wer gerade einparkt oder einsteigt. Da ist klar, dass Türen aufgehen, oder einfach losgefahren wird. Diffiziler wird es, wenn Menschen länger im Auto sitzen, z.B. um zu telefonieren und dann aussteigen. Aber auch in den Fällen bewegt sich das Auto, bevor die Tür aufgeht, weil sich die Menschen bewegen. Das sieht man dann am Dachspiegel. Da schaue ich immer drauf, wenn ich dicht an Autos vorbeifahre, wobei ich bemüht bin, immer min. 1-2m Abstand zu halten.

Typische Situation an Kreuzungen. Wenn da ein Auto kommt, ist mir völlig egal, ob ich Vorfahrt habe oder nicht. Ich gehe immer davon aus, dass ich nicht gesehen werde und versuche mit den Fahrenden in Sichtkontakt zu kommen. Denn wenn sie offensichtlich auf mich ragiert haben, haben sich mich gesehen.

Ich würde mich nie mit dem Fahrrad oder Motorrad hinten an eine Schlange anstellen. Der nächste Depp fährt dann drauf. Fährt man auch die letzten 30m langsam auf die Schlange zu und hat dem Blick im Spiegel, kann man beobachten, ob die Nachfolgenden langsam fahren und einen erkennen. Auch wenn ich Vorfahrt habe, bedanke ich mich, dass sie angehalten haben. Freut die Leute, dann machen sie das in Zukunft gerne.

Es gibt so viele kleine Hinweise. Z.B. Autos, die einen Parkplatz suchen. Da ist dann klar, dass die ohne irgendwelch weiteren Zeichen abrupt bremsen, also Abstand halten.

Ganz schlimm empfinde ich LKWs. Wenn man von denen dicht überholt wird, ist das immer kritisch. Da sind die neuen Regeln mit 1.5m Mindestabstand Gold wert.

Und vieles von dem, was ich mir bisher angewöhnt habe, geht im Velomobil oder im Liegerad nicht. Ich sitze zu tief und habe viel weniger Übersicht. Aus dem Velomobil mit Haube kann ich z.B. nicht mit Handzeichen kommunizieren. "Gefühlt" ist mir das aktuell noch zu unsicher. Aber ich habe auch ein ausgeprägt hohes Sicherheitsempfinden. Wenn ich Fahre, ist der Blick zu 100% auf der Straße und dem Verkehr. Wir sind mal irgendwenn in Frankreich 2km an einer Burg vorbeigefahren. Hab ich, zum Gelächter aller anderen, nicht gesehen.

Es sind ja oft die rationalsten Menschen die sehr gefühlige Entscheidungen treffen, ohne es zu merken. Die rationale Erklärung wird dann gerne hinterhergeschickt.
Ich halte mich für einen sehr rationalen Menschen, bin mir aber bewusst, dass ich alle Entscheidungen emotional treffe. Der rationale Teil ist der beratende. Der liest Statistiken, bewertet Technik, erstellt Bewertungsmatrizen usw. Aber am Ende entscheidet das "Gefühl". Und das liegt in der Regel besser, als die sachlichen Prognosen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Gefahr, dass mich irgendeiner dieser Deppen übersieht, ist mir "gefühlt" zu hoch.

Es geht dabei bestimmt auch um Kontrolle bzw. Kontrollverlust. Ob ich übersehen werde oder nicht, darauf hab ich nur begrenzt Einfluss. Weihnachtsbeleuchtung ist dann ein Versuch, sich wieder etwas sicherer zu fühlen bzw. die anderen dazu zu zwingen, dass man nicht übersehen wird. Ein technisch unsicheres Rad fühlt sich viel weniger schlimm an, weil da kann ich mir einbilden, dass ich das trotzdem unter Kontrolle habe. Man bremst z.B. einfach rechtzeitig, um die nur noch mäßige Bremskraft auszugleichen. Wird schon gut gehen. In der Realität dann vielleicht aber auch nicht ...
 
Ich fahre kein Velomobil, das nebenbei.

Ich fühle mich immer wieder nicht sicher. Meistens sind es kreative Verkehrsteilnehmer, die uns bedrängen, die Vorfahrt nehmen, etc. Ich lebe halt auch in einer heiklen Ecke, was da angeht. (Der Balkan fängt eindeutig bei uns an.)

Reagieren kann ich darauf mit nicht viel:
V.a. meine Winteranoraks kaufe ich möglichst in knalligen Farben. Meine Packtaschen nähe ich seit langer Zeit im Orange, mit Reflexionsstreifen. Die Technik, bei unseren Rädern bis auf die Scheibenbremsen an den Tandems, die laufend Ärger bereiten, ohnehin einfach, halte ich immer in Ordnung. Wie Pässe ab zu fahren sind, weiß ich auch und benehme ich entsprechend.

Ein wenig seltsam ist, dass mir das Risiko, dass ich über den Haufen geschoben werde, bewusst ist, wenn ich aufs Rad steige, fühle ich mich wohl. Bis mich wieder so ein (von der Zensur gestrichen) versucht, ab zu schießen. Dann kann ich durchaus emotional werden. (Meine Tochter und mich durften einmal testen, wie es sich fühlt, wenn man am Tandem gerammt wird. Es war nicht lustig.) Ich verdränge offenbar unterwegs doch halbwegs gut.

Ich bezweifle, ob viele kleine Lichter am Velomobil einen großen Sicherheitsgewinn bringen. Ohne eine neue Diskussion starten zu wollen, könnte ich mir eher eine große Fahne als Hilfe vorstellen, wenn schon. Denn ein Velomobil ist in sehr vielen Situationen sehr gut sichtbar, nur in manchen kann es aufgrund seiner Höhe übersehen werden. Die Motorhauben werden ja auch immer höher.

lg!
georg
 
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