Restauration Quest 401

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Liebe Velomobilisten,
ich bin nun Besitzer eines unrestaurierten Oldtimers, zumindest was den Zustand betrifft.
Mein Quest habe ich gebraucht gekauft und als Velomobilanfänger stehe ich nun vor einer Herausforderung. Ich bin passionierter Fahrradschrauber, arbeite nebenbei in einer Fahrradwerkstatt, deswegen ist Fahrradtechnik für mich kein Geheimnis.
Ein Quest ist allerdings eine ganz andere Hausnummer. Das macht für mich einen zusätzlichen Reiz aus...zur Sache:

Das gute Quest (ich werde einfach von "401" schreiben), ist in bedauernswertem Zustand!
1.: Dreck!
Das 401 stand anscheinend längere Zeit ungeschützt im Freien und es wurde intensiv genutzt. Nur wurde es nie geputzt und gepflegt. Schon bei der Verladung aufs Auto kam mir ein Biotop entgegen. Das 401 ist innen durchnässt gewesen, alles was rosten kann ist verrostet.

2.: verkommene Technik!
Die Nässe hat dem 401 in Verbindung mit Sand, Dreck und mangelnder Schmierung ebenfalls stark zugesetzt. Abnutzung überall, wo nichts erneuert wurde. Die Bremszüge sind hinüber, die Radkästen sind dick verkrustet. Die Bremsbeläge sind prima. Die Reifen sind runter, aber Luft haben sie wenigstens noch gehalten. Die Kette konnte ich nur noch mit Mühe rückwärts ziehen, sie hat längere Zeit in den Rohren vor sich hin gerostet.
Überhaupt hat es überall Rost, wo etwas rosten kann. Das ist beim Quest zum Glück nicht so viel.
Der Motor (Bafang BBS01) ist mies montiert und wackelt hin und her. Dadurch ist die Tretlagerbuchse leicht ausgeschlagen. Der Akku lebt, aber die Befestigung mit Klettbändern am Boden ist weggefault und der Akkuhalter stark korrodiert. Die Kabel wurden wild im Fahrzeug verlegt und unter der Akkuhalterung am Boden durchgescheuert. Das Kettenblatt geht gerade noch so.
Das linke Vorderrad hat einen Lagerschaden (Spiel). Die Befestigung der Spurstange Rechts ist ausgeschlagen.
Die Kugelgelenke sind aber gut.
Der Sitz hat im Rückenbereich einen Riss.
Kleinigkeiten erwähne ich zunächst nicht...ich will mich nicht frustrieren lassen und nachträglich ärgern. Auch nicht über den Verkäufer.
Ich habe es ja vom Foto weg gekauft und bin selber schuld...mache ich nie wieder.
Lehrgeld bin ich auf jeden Fall los.

3.: Optik: verkommen! Schlecht lackierter Seitenschaden, Kratzer und eine Beule auf der Oberseite (wie kann das verbeulen?)

Fazit nach der ersten Inspektion: zerlegen, neu aufbauen.

Vorgestern habe ich angefangen des 401 zu entkernen, gestern habe ich den Deckel abgeschraubt.
Das habe ich begonnen die Schmutzschichten im Innenraum zu entfernen, das 401 ist abgetrocknet, ausgesaugt und mit Druckluft ausgeblasen. Der Anfang ist also gemacht.
Ich bin hochmotiviert, ich finde die VM-Terchnik absolut faszinierend. Man erkennt die tolle Entwicklungsarbeit der Erbauer. Davor habe ich hohen Respekt.
Tolle Fahrzeuge!

Bilder hänge ich immer mal einige dran, die sagen mehr als tausend Worte.
Anbei als Teaser ein Bild der Kette vor dem Ausbau, vor der Kettenleitrolle kann man einen Bierdeckel erkennen.
Der Zustand unter dem Deckel am Schaltwerk ist beispielhaft für das ganze VM :-(

Ich schreibe mehr, wenn ich mehr zu berichten habe und wenn es neue Fotos gibt.

Danke für die Aufmerksamkeit!

Meniskus
DSCI4677.JPG DSCI4674.JPG
 
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Du weißt aber schon, daß eine Kette auch noch viel schlimmer aussehen kann? ;)

Ich wünsche Dir auf alle Fälle viel Spaß und Erfolg bei Deinem Projekt!
Irgendwann heißt es dann: "Nr. 401 lebt!"
 
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Gott sei Dank ist der Unterboden nicht durchgerostet.:D

Ich wünsche Dir viel Erfolg, das kriegst Du schon hin.

Immer noch besser, als hier rumzulabern und nichts zu machen.

Winni
 
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Hallo Meniskus,
ich bin nun Besitzer eines unrestaurierten Oldtimers, zumindest was den Zustand betrifft.
Dein Quest Baujahr 3/2010 würde ich ebenso eher als Joungtimer bezeichnen. Zwischen der 1. Questgeneration mit 20-Zoll-Hinterrad (Nr. 1-ca. 130) aus Baujahren ab 2000 und Deinem liegen ja einige größere Entwicklungssprünge.
Dass man mit einem Quest heute noch in sehr vielen Teilbereichen relativ aktuell ist (Platzangebot, Komfort, Wartungsarmut, zeitlose Formensprache) macht es für mich zu einem modernen Klassiker.
Als Oldtimer bezeichne ich dagegen mein Alleweder A4, dessen genietete Aluminium-Bauweise für mich die Wurzeln des Velomobilbaus weit nach dem Ende der Mochet-Sperrholzzeit veranschaulichen (und die Leitra und andere natürlich).
Viel Freude mit Deinem Quest,
Antoine
 
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Danke für die Anteilnahme!
Ja, es ist im Prinzip ein Youngtimer. Die fortgeschrittene Baunummer war für mich auch ausschlaggebend für den Kauf.

Der Tretlagermast ist tatsächlich nicht nach unten abgestützt, ich rechne mit Geschwabbel beim treten.
Kann man das verbessern/nachrüsten? Der Motor bietet Möglickeiten einen Stabi zu montieren, nur wie und wo stütze ich an der Karosserie ab?
Der Motor bringt auch einiges an Gewicht mit, das will stabil befestigt werden. Dafür wurde das VM nicht entwickelt, das ist mir schon klar.
3,7 Kilo + am Mast...
Eine Probefahrt war ja leider nicht möglich, ich bin ein ganzes Stück größer als der Vorbesitzer und das 401 wäre wahrscheinlich sowieso kaum mehr gefahren.
Der Mast scheint stabil, die Sitzaufnahme auch. Der kleine Mast für den Umwerfer wurde abgesägt :-(

Jetzt ist ja alles offen, ich komme an alles sehr gut ran.
Frage: Ist die Silikonverklebung von Ober-und Unterteil statisch wichtig?
Oder dichtet das nur?
Ich überlege, ob ich die Oberschale nicht vielleicht leichter abnehmbar montieren sollte. Schnellverschlüsse irgendeiner Art im Innenraum...nur so eine Idee.

Jetzt geht es ans Innenraum putzen, dann demontiere ich die Räder. Das lange Elend wird noch einige hundert Gramm Dreck aus den Radkästen verlieren.

Hat zufällig jemand eine gute Bezugsquelle für Radlager zur Hand?

Gibt es Erfahrungen mit Zwischengetrieben beim Quest? Für mich wäre das eine Option, da das Gangspektrum durch den Motor mit einem Zahnkranz stark eingeschränkt wird.
Das zukünftige Einsatzgebiet des 401 ist sehr hügelig (Nordpfalz). Meine Beine sind mittelmässig in Form und wie beim 401 stark abgenutzt.
Eine Halterung könnte ich anfertigen, Platz wäre am Mast genug, wenn er das aushält. Allerdings hätte ich noch rund ein Kilo mehr im Fahrzeug.
mit einer entspechend angefertigten Halterung könnte ich sogar langfristig Experimente mit verschiedenen Naben machen.
Naben habe ich viele zu liegen und ich habe auch sonst gute Quellen.
Mal sehen...alles wird gut und solide.
 
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Congratulation. Ich glaube, Dein Projekt verlangt Tapferkeit. Bin gespannt, wie Du mit dem abgesägten Umwerfer-Mast umgehen wirst. Ich bin kein Quest-Kenner, aber ich vermute, dass Kassetten mit großen Ritzeln nicht gehen. Alternative: Mittelmotor drinlassen, oder Schlumpf-Getriebe, oder neuerTretlagermast ...

Bon corraggio Ivo
 
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Es gibt ein Adapterstück für die Montage des Motors, Velomobiel.nl bietet den an. Da ist auch der Schaltarm wieder dran.
Ich gehe also davon aus, dass man den Motor auch mit 2 Zahnkränzen und Umwerfer bestücken kann. Das bringt Hoffnung, sollte mir das Schaltspektrum nicht ausreichen.
Ich geh mal den Innenraum putzen.
Es lebe der Orangenreiniger.
 
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.. neue Ketten etc. auch.

An meinem Mungo habe ich auch den BBS verbaut. Hält dort problemlos. Ebenso an einem Scorpion. Jeweils ohne irgendwelche zusätzliche Abstützung. Nach meiner Einschätzung steigt die Belastung nicht so relevant an, als dass die Standardteile das nicht aushalten. Eher im Gegenteil. So ein Motor läuft schön gleichmäßig. Wenn ich am Berg hänge und richtig rein treten muss, sind die Lastspitzen mit Sicherheit sehr ausgeprägt. Da kann es passieren dass das Hinterrad den Halt verliert, was beim Motor noch nie vorgekommen ist. Wenn der Motor Spiel hat, würde ich eher auf nicht ausreichend feste Montage tippen.
Evtl. kann Dir auch @velomobilix weiterhelfen, der hatte in seinem Quest auch einen BBS eingebaut und hat wohl auch den Adapter von velomobil.nl verwendet und zwei Kettenblätter mit Umwerfer montiert.
 
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Danke für die Links! Die kann ich wirklich brauchen...
Der Nachmittag hat wieder etwas weiter gebracht, die Räder sind raus und der Innenraum ist geschrubbt. Die Radkästen habe ich ebenfalls gereinigt, Erdschollen kamen mir entgegen.
Vorne ist eine Speiche gerissen, der Freilaufkörper vom Hinterrad ist dem Rost zum Opfer gefallen, er rappelt beim drehen.
Lager und Freilaufkörper habe ich bestellt, die Speichenlänge muss ich noch messen. Vielleicht habe ich auch noch etwas im Fundus.
Jetzt werden die Räder gereinigt, die Speiche ersetzt und die Lager gewechselt.
Dann gibt es neue Bremszüge und Hüllen.
Reifen kommen die Woche, hoffe ich.

Ferner habe ich einige Basteleien entdeckt, die mir seltsam vorkommen. An der Suppe haben schon einige Köche gerührt.

Ich mache heute noch einige Fotos.
Jetzt ist erstmal Feierabend.
 
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Der Tretlagermast ist tatsächlich nicht nach unten abgestützt
Wichtiger als dieser "abgestützte" Mast sind andere Aussteifungen wie der U-förmige Holm im Bereich hinter dem Fahrersitz bzw. am äußeren Schwingenlage, den hat Q401 baujahrbedingt normalerweise nicht.
_Quest Schwingenmod DSCI1986.JPG
Und auch diese Aussteifung hilft und verhindert einen möglichen Schaden am Radkasten bzw. am Schwingenlager:
https://www.velomobilforum.de/forum/index.php?threads/quest-antriebsstrang-steifer-machen.48982/

Passende Radlager gibt es gut und günstig bei Velomobiel.NL

Standard-Übersetzungen sind mit Tretlager 53/40(42)/30 und Ritzeln 11-28. Kassette mit 34er Ritzel geht auch noch. 36er und darüber kann man evtl. probieren.

Ein schmaler Hinterreifen z.B. 28 mm macht gegenüber dem Quest-Standard (47-54 mm) schon mal soviel aus wie zusätzliche 2-3 Zähne auf dem größten Ritzel.
 
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So,

alles wird gut, ich habe mit Velomobiel.nl Kontakt aufgenommen.
Der Motorhalter für den BBS01 und ein Freilaufkörper sind so gut wie auf dem Weg zu mir.
Die Räder sind inzwischen in Reinigung, Ersatzspeichen sind bestellt.
Die ausgeschlagene Befestigung der Spurstange konnte ich mit einer selbst angefertigten Hülse richten. Die Bohrung musste ich dafür nur etwas auffeilen. Das sollte noch ein paar tausend Kilometer halten, schätze ich. Ich mache davon Fotos, wenn ich die Teile geputzt habe, so ist das nicht vorzeigbar.

Heute sind die Vorderreifen gekommen, ebenso meine neuen Magnetpedale mit passenden Schuhen.

Ich überlege, ob ich aus dem alten Tretlagerschlitten evtl. eine Halterung für ein Zwischengetriebe bauen kann. Die Entwicklung dürfte aber einige Zeit in Anspruch nehmen, die ich gerade nicht habe. Allerdings arbeiten solche Ideen bei mir selbsttätig...
Zunächst soll aber wieder ein zweites, kleineres Kettenblatt zum Einsatz kommen. Das hat ja bei Velomobilix anscheinend ganz gut funktioniert.
Der Motor kommt heute wieder raus, den schmiere ich vor dem nächsten Einbau noch ab und kann an der Werkbank etwas brainstormen, was das zweite Kettenblatt angeht.

Meniskus
 
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Die Federbeine sind gereinigt, Federn und usw. sind in Ordnung.
Die Gummischeiben sind natürlich hinüber, die sollte man nicht erst nach Jahren tauschen.
Kann jemand erklären, woher die Schleifspuren an den Federbeinen kommen? Schleift da der Reifen in den Kurven?
Ich stecke mal ein Rad auf und sehe mir das an...
DSCI4692.JPG
DSCI4693.JPG
 
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