• Ich möchte eindringlich darauf hinweisen, dass Diskussionen, die sich um die Corana-Krise drehen, ausschließlich im folgenden Faden diskutiert werden: Corona-Diskussion. User, die in anderen Themen damit anfangen / sich beteiligen, werden ohne weiteren Hinweis beurlaubt. Ich habe keine Lust, in zig Themen potentiell kontroverse Corona-Diskussionen zu lesen und ständig irgendwo einschreiten zu müssen ... - Reinhard -

LR Reparatur einer gerissenen Tretlagerhülse

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Hallo Forum,

hier werde ich beschreiben, wie ich versuche eine gerissene Tretlagerhülse zu reparieren. Vielleicht hilft das ja jemandem, obwohl ich vermute, dass diese Reperatur eher selten nötig ist.

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben ist leider die Tretlagerhülse meines guten alten, bereits oft umgebauten "horizont fast" von "Zweirad und Zukunft" gerissen. Vermutlich habe ich dieses sehr dünnwandige Tretlager zu stark erwärmt, als ich vor ca. einem Jahr ein dünnes Rohr wieder mit zwei Verstärkungen angelötet habe (die Lötverbindung hatte sich gelöst). Durch dies zu starke Erwärmung ist das Tretlager spröde geworden und dann unter wechselnder Belastung gerissen.
IMG_20200321_153357.jpg
Der Vergleich mit einem anderen Tretlager zeigt, wie dünnwandig das Tretlager von "Zweirad und Zukunft" ist - Leichtbau halt:
IMG_20200321_154137.jpg
Mir hat Marc - ein sehr mutiger und erfindungsreicher Liegeradkonstrukteur und Flevobikeumbauer aus Mainz, der hier leider bisher nichts veröffentlicht - empfohlen, die Hülse einfach zu kleben. "Rowings drum und fertig!"
Also habe ich angefangen:
1. Lack abkratzen und schmirgeln
2. Mit Aceton Fett lösen und Wachs in die Gewindegänge schmieren (die leider sowieso schon ziemlich vermurkst sind)
3. Mit einer Schlauchschelle die Tretlagerhülse wieder in die halbwegs richtige Position biegen
IMG_20200321_180950.jpg IMG_20200321_180956.jpg
4. Mit epoxygetränkten Carbon-Rowings umwickeln. Dabei versuche ich das aufgelötete Gewindröhrchen in der Mitte als Halt zu nutzen. Abreisgewebe auflegen und mit Isolierband umickeln. Jetzt sieht es so aus:
IMG_20200321_235324.jpg IMG_20200321_235334.jpg
Ich werde zwei Tage warten, ehe ich die Schlauchschelle löse. Hoffentlich hält die erste Wickelaktion den Riss geschlossen. Anschließend werde ich noch einige Lagen Carbon-Rowings aufwickeln.
Ganz am Ende müssen sicherlich die Gewinde nachgeschnitten werden. Hoffentlich klappt alles!
 
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Gute Lösung denke ich. Selbst mit entsprechenden Werkzeugen würde ich das nicht mehr erhitzen wollen.
Ich hatte mal bei einem Kunden tatsächlich die ganze Tretlagerhülse aufgeschnitten, allerdings im „kalten“ Bereich unten. Dann das eingerostete Lager entfernt und den Schnitt von 3mm wieder zugeschweißt. Da hier aber der Riss bei Dir echt weit geht, ist Kleben sehr sinnreich.
 
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Ich hatte mal bei einem Kunden tatsächlich die ganze Tretlagerhülse aufgeschnitten, allerdings im „kalten“ Bereich unten. Dann das eingerostete Lager entfernt und den Schnitt von 3mm wieder zugeschweißt.
Wenn die Möglichkeit zum Schweissen gegeben ist, ist's meistens am besten die Lagerschalen mit einem > 1 m langen Hebel rauszudrehen.

Dazu kann man für eine Seite die Tretlagerwelle mit der Lagerschale verschweissen. Dann auf der gegenüber liegenden Seite ein ordentliches Rohr auf die Tretkurbel stecken und plötzlich geht's...

Nun geht die Tretlagerwelle raus und man kann diese mit der Flex kürzen und den Stummel mit Tretkurbel an die 2te Lagerschale anschweissen.

Bis heute kenne ich kein Tretlager, dass es geschafft hat, sich gegen diese Ausbaumethode zu wehren.

(Copyright by Fahrradküche Graz)
 
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. Mit epoxygetränkten Carbon-Rowings umwickeln.
Hallo @liegerausmainz,
Deine Photos zeigen eine Materialermüdung, die überwiegend aus Biegespannungen entstanden ist.
Dafür sind Rovings sowieso das falsche Reparaturmaterial, da sie hauptsächlich Zugkräfte (und Druckkräfte) in Faserrichtung übernehmen.
Die Stelle der höchsten Last ist der Bereich der Nähte, da hilft Deine Umwickelung gar nicht.
Die beste Lösung wäre, die Hülse abzutrennen und eine neue (dickwandigere) anzubringen. Wenn es halten soll.
 
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@AntoineH,
jetzt versuche ich es erst einmal so, denn beim “horizont fast“ sind alle Rohre sehr dünn, die Tretlagerhülse ist deshalb gemufft (Löten). Ich sehe keine Chance in diesem Bereich ordentliche Schweißnähte anzubringen. Jedenfalls nicht für mich. Vermutlich würden danach die Rohre dicht neben der Schweißnaht reißen.

@einrad
Den Tipp merke ich mir.
 
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Auch noch eine Idee, falls Drehbank zur Hand: So wie die Rohrschelle oben im Bild, einen stabilen Stahlring aussen als Zusatz auf die defekte Hülse aufbringen. Muss aber schon recht stramm sitzen um Sinn zu machen. Kann man natürlich auch alternativ mit Silberlot und etwas mehr Luft (Lötspalt) "fixieren".
 
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Auch noch eine Idee, falls Drehbank zur Hand: So wie die Rohrschelle oben im Bild, einen stabilen Stahlring aussen als Zusatz auf die defekte Hülse aufbringen. Muss aber schon recht stramm sitzen um Sinn zu machen. Kann man natürlich auch alternativ mit Silberlot und etwas mehr Luft (Lötspalt) "fixieren".
Der Ring müßte dann aber schon aufgeschrumpft werden. Die Maßhaltigkeit des Gewindes bleibt trotzdem Fragwürdig.
 
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jetzt versuche ich es erst einmal so
Kommt drauf an, was für eine Haltbarkeit Du erwartest. Mit Glück vielleicht 100 km, bei vorsichtigem Anfahren und wenig Last, um die nächste Schlosserei zu erreichen.
Alles andere ist Wunschdenken, sorry.
alle Rohre sehr dünn, die Tretlagerhülse ist deshalb gemufft (Löten).
Leider nicht an der entscheidenden Stelle der höchsten Biegespannungen. Wo ja auch der Riss am heftigsten eingetreten ist.
 
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Kommt drauf an, was für eine Haltbarkeit Du erwartest. Mit Glück vielleicht 100 km, bei vorsichtigem Anfahren und wenig Last, um die nächste Schlosserei zu erreichen.
Alles andere ist Wunschdenken, sorry.
[...]
Leider nicht an der entscheidenden Stelle der höchsten Biegespannungen. Wo ja auch der Riss am heftigsten eingetreten ist.
Anschließend werde ich noch einige Lagen Carbon-Rowings aufwickeln.
Ganz am Ende müssen sicherlich die Gewinde nachgeschnitten werden.
Ich sehe keinen Grund, warum man da nicht so viel Kohle draufbringen kann, dass die Blechhülse innen völlig irrelevant wird (ausser natürlich als Gewindebuchse).

Daher wäre statt einer "das kann nie funktionieren" Aussage spannender zu lesen, wie man am besten wickeln sollte.
@AntoineH : Kannst/Magst Du dazu Vorschläge machen? Wie sollte der Übergang zu den Rahmenrohren am Besten gestaltet werden?
Wie sollten die Fasern gelegt werden, dass sie für die auftretenden Spannungen richtig liegen?
 
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wie man am besten wickeln sollte.
Das lohnt sich nicht. Irgendetwas drumherum wickeln ist keine dauerhafte Lösung.
Die Frage zeigt schon, dass der Verlauf der Kräfte nicht verstanden wurde.
Es braucht eine biegefeste TL-Hülse und eine dauerhafte Krafteinleitung aus den Vorbau-Rohren in die Hülse.
Am besten Stahl an Stahl.
Oder einen neu konstruierten Carbon-Ausleger.
 
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Der neue Carbonausleger wird vielleicht der nächste Schritt sein, falls mein aktueller Versuch nächste Woche gescheitert ist.
 
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Was spricht dagegen, zu nem versierten Rahmenbauer zu gehen, der da ne neue Tretlagerdose dran lötet? Mainz ist doch nicht aus der Welt bzw. per Post ist doch jeder erreichbar. Zumindest wäre das eine bewahrende Reparatur und kein Verbasteln.
 
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jetzt versuche ich es erst einmal so
Carbon runterputzen und andere Hülse dran(wig)schweißen geht ja immer noch.
Schlaue Leute gibt es immer wieder, deshalb: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." (Kästner).
Mach bitte weiter so, @liegerausmainz :) Erfahrung kannst Du ja nachweisen mit Deinem genialen Carbon-MBB!
Gruß Krischan
 
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Hey Krischan, eines Tages machen wir mal zusammen eine Radtour, würde ich vorschlagen.
Lass' es Dir gut gehen, Du machst mir Mut.
 
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Das lohnt sich nicht. Irgendetwas drumherum wickeln ist keine dauerhafte Lösung.
Die Frage zeigt schon, dass der Verlauf der Kräfte nicht verstanden wurde.
Es braucht eine biegefeste TL-Hülse und eine dauerhafte Krafteinleitung aus den Vorbau-Rohren in die Hülse.
Am besten Stahl an Stahl.
Oder einen neu konstruierten Carbon-Ausleger.
Hi Antoine,

Du bist mir mit Deinen Ansagen zu absolut auf reine Ablehnung unterwegs, wenn auch inzwischen auf "lohnt sich nicht" abgeschwächt.
@liegerausmainz hatte nichts gefragt.
Ich hatte danach gefragt, ob Du vielleicht auch konstruktiv kommentieren willst.
Bemerkenswert, wie Du (!) daraus schließt, dass das Thema nicht verstanden wurde...

Gruß, Harald

PS:
Ich bin gespannt, was aus der Reparatur wird und mir gefällt's wenn andere so etwas teilen. Danke dafür an @liegerausmainz .
Auch Carbonhülsen können ausreichend steif werden. Das "Irgendetwas drumherum wickeln" ist nur Antoine's Bild zur Lage. Es kommt halt (wie immer) drauf an, wie man's macht.
 
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Es gibt welche die schaffen es ein tretlagerrohr fur klemmpassung aus carbon zu machen. Irgend wann ist es genug carbon um zu halten, ich wurd einfach weiter machen mindestens bis die wandstarke vom stahlrohr in carbon drauf ist.

Die verbindung zum ausleger konnte mann machen in dem mann von dem punkt wo die drei rohre zusammen kommen rovings zwischen durch macht und dann wieder zum tretlager. Wenn mann beim wickeln dabei etwa 8 ahnliche formen machen hatt mann am nicht nur eine klebeverbindung, sondern auch eine mechanische verbindung. Um das tretlager rohr vorne weg zu treten mussten die rovings reissen oder durch den metalknotenpunkt gezogen werden. Das geht nicht. Da vorne alles aus metal enger zusammen lauft, wurde eine einfache klebe verbindung vermutlich abreissen.

Ich gehe mal davon aus das beim ersten gang wenigstens die runde form vom tretlager wieder erreicht ist. Dann wurde ich mit tape beklebten holzplatchen oder ahnliches mit eine gewindestange an beide offene seiten von tretlager fixieren. Wie zwei riesige unterlegscheiben. Diameter 7 cm oder so. Das ergibt dann beim wickeln der weiteren lagen ein schon hartes ende, und mann verhindert das die nassen rovings seitlich von der tretlagerhulse ab rutschen.

Ich kann unter das tape nicht sehen wie viel drauf ist, vermute aber das es noch reichlich mehr sein sollte.

Das mann mit carbon eine solide verbindung zwischen zwei rohre herstellen kann, ist mir klar, und ich hab es auch gemacht. Fraglich finde ich vor allen ob das stahlrohr wieder in seine runde form gepresst wurde, und wie sich das ganze beim schneiden vom gewinde verhalt.

Grusse, Jeroen.
 
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ob Du vielleicht auch konstruktiv kommentieren
braucht eine biegefeste TL-Hülse und eine dauerhafte Krafteinleitung aus den Vorbau-Rohren in die Hülse.
Am besten Stahl an Stahl.
Von "steif" hab ich nichts geschrieben.
Ich sehe keinen Grund, warum man da nicht so viel Kohle draufbringen kann, dass die Blechhülse innen völlig irrelevant wird
Daran sieht man, dass Du bei Deinen Überlegungen die mehrachsigen Spannungen (zyklische Biege-, Zug-, Druck-Spannungen) an der Verbindungsstelle nicht berücksichtigt hast.
IMG_20191119_191934.jpg
Das kann man mit Unmengen Arbeit und Carbon vollsauen bis es hält.
Sieht aber sch... aus. Wie ein Rassepferd mit Gipsbein.
 
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