Reisebericht: Mit dem DF einmal durch Italien

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Hallihallo,...

nachdem ich bisher schon mehrfach von euren vielen Beiträgen profitiert habe, will ich hier mal meinen Reisebericht beisteuern. Vielleicht macht es dem ein oder anderen ja auch Lust auf größere Reisen mit dem Velo. Irgendwo habe ich gelesen, dass Beiträge über kulinarische Erfahrungen als eher weniger interessant für das Forum eingestuft wurden, sodass ich versuche mich auf das Wesentliche zu beschränken. =)

Also los geht...
[DOUBLEPOST=1555881511][/DOUBLEPOST]Bevor ich mich in Einzelheiten verliere erstmal eine kurze Übersicht. Ich habe meine niegelnagelneues DF XL Anfang März in Dronten abgeholt und bin erstmal nach Hause in Köln gefahren. Nach einer Wocher Eingewöhnung habe ich dann meine Tour begonnen. Insgesamt war ich 5 Wochen unterwegs und bin von Köln nach Sizilien gefahren. Von Palermo habe ich die Autofähre nach Genua genommen und bin von dort aus weiter in die Schweiz gefahren. Bis Basel bin ich gekommen und musste von dort den Zug nach Mainz nehmen, weil ich irgendwann ja auch wieder arbeiten musste. =) Die Bahn-Fahrt zum Schluss war mit die abenteuerlichste Erfahrung während der ganzen Reise... aber dazu am Ende mehr. Ich habe nicht alles genau getrackt, aber alles zusammen werden es wohl ungefähr 4.000 km gewesen sein.
 
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Woche 1:

Köln - Koblenz - Frankfurt - Rothenburg o.d. Tauber - Ingoldstadt - München - Salzburg

In der ersten Woche habe ich zunächst versucht mich von Köln in den Süden vorzuarbeiten und dabei meine Familie und Freunde besucht. Die ersten Tagesetappen nach Koblenz und von dort aus weiter nach Frankfurt waren mit jeweils 130 km relativ überschaubar, aber für mich als Eingewöhnung doch bestens. Bei meiner Packliste habe ich mich auf das wesentliche beschränkt und hatte noch massig viel Platz. Da ich bei Freunden und später häufig in Hostels untergekommen bin, also nicht gezeltet habe, brauchte ich auch nicht viel. So bin ich also ohne viel Vorahnung und ohne mein DF XL besonders gut zu kennen einfach wild drauf losgefahren.
[DOUBLEPOST=1555882155][/DOUBLEPOST]Mein Gepäck für 5 Wochen! Empfehlen kann ich die Yoga-Tasche, die prima reingepasst hat.
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[DOUBLEPOST=1555882404][/DOUBLEPOST]Mit der Autofähre bin ich dann in Boppard übergesetzt, da auf der schäl Sick weniger Verkehr ist und ich ja auch neue kulturelle Erfahrungen machen wollte. =) Der Kontrolleur auf der Fähre meinte nur ganz trocken: "Ein normales Fahrrad, macht 3,50€!" :)
[DOUBLEPOST=1555882623][/DOUBLEPOST]Von Frankfurt ging es dann weiter nach Rothenburg o.d. Tauber. Nachdem es amTag zuvor heftig gestürmt hatte, habe ich an diesem Tag Erfahrungen mit starken Regenfällen und Hagel machen dürfen. Der Hagel ist ohne Visier wie ein gratis Peeling auf der Haut... Wenn es zu schlimm wurde, habe ich also einfach das Visier runtergeklappt und dann ging es weiter. Abends kam dann auch die Sonne raus und am nächsten Morgen waren die Wolken schon alle wieder weggepustet.
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Mit mehr als 220 km und mehr als 1000 Höhenmetern zwischen Frankfurt und Rothenburg o.d. Tauber war der dritte Tag für mich, so untrainiert wie ich war, ziemlich anstrengend. Auf der anderen Seite war die Strecke durchs Tauber- und Altmühl Tal mega schön und spätestens die Ankunft in Rothenburg hat mich für die Strapazen entschädigt. Von dort aus ging es dann weiter zu einem Freund nach Ingoldstadt und am folgenden Tag weiter nach München.

In München habe ich dann das erste Mal Erfahrungen damit machen dürfen, wie viel Aufmerksamkeit man mit einem Velomobil auf sich zieht. Da ich noch nie in München war, habe ich eine kleine Sightseeing-Tour durch die Stadt gemacht. Erst bin ich in aller Ruhe durch den englischen Garten gefahren, um mir dann mal eben einen Eindruck vom Marienplatz zu verschaffen. Ich wollte mir einfach nur ganz tourimäßig den Platz angucken. Kaum war ich dort angekommen, kamen auch schon gefühlt 1000 Menschen, die Fotos von mir gemacht, auf mich gezeigt und einige auch herzhaft gelacht haben.
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[DOUBLEPOST=1555883627][/DOUBLEPOST]Nach dem ganzen Antrang habe ich mich wieder schnell in mein Velo geschwungen und bin abgedüst. Kleiner Tipp: Wem die ganze Aufmerksamkeit zu viel ist, sollte besser einfach um die Ecke parken und ein paar Schritte laufen. Manchmal war es natürlich auch schön, dass sich so viele Menschen für das Velomobil begeistert haben, aber in anderen Situationen wie z.B. in München auch einfach mega nervig.
[DOUBLEPOST=1555883786][/DOUBLEPOST]Von München ging es dann zunächst zum Chiemsee und von dort aus weiter nach Salzburg. Am Chiemsee habe ich dann das erste Mal die noch schneebedeckten Alpen gesehen. Mega schön und gleichzeitig temperaturtechnisch auch gewöhnungsbedürftig... selbst aus der Ferne. =)
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[DOUBLEPOST=1555884126][/DOUBLEPOST]Als mir der Wetterbericht für den darauffolgenden Tag Schnee und Unwetter angesagt hatte, habe ich mich spontan entschieden in Salzburg den ersten Ruhetag einzulegen. Bei Kaffee und Kuchen habe ich meinen Oberschenkeln ein wenig Erholung gegönnt und mich schonmal mental auf die Alpenüberquerung eingestellt. =)
 
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Woche 2:

Salzburg - Gmünd - Udine - Venedig - Bologna - Florenz

Entgegen des Wetterberichts hatte es zwar in Salzburg nicht geschneit, dafür aber den ganzen Tag geregnet und da war ich dann doch froh, als es am nächsten Tag zumindest trocken war. Wie bereits erwähnt bin ich die Tour total untrainiert gestartet und hatte mich daher für den Autozug von Bad Gastein nach Mallnitz entschieden. Trotzdem galt es fast 1500 Höhenmeter zu erklimmen, was mir gereicht hat. Da ich die Unterkunft in Gmünd allerdings etwas unbedacht gebucht hatte, musste ich mich auf der anderen Seite des Tunnels nach einer tollen Abfahrt auch wieder etliche Meter hochquälen. Dabei war ich teilweise schon froh, dass ich ein Schlumpf-Getriebe habe mit dem ich so ziemlich jeden Berg, zwar unfassbar langsam, aber hochfahren kann ohne zu schieben.
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[DOUBLEPOST=1555884986][/DOUBLEPOST]Von Gmünd wollte ich eigentlich die Bundesstraße nehmen zum Mittstätter See. Die war allerdings gesperrt, da ein paar Wochen zuvor dort ein Steinrutsch die komplette Straße verschüttet hatte. Netterweise hatte die Frau von der Pension, in der ich übernachtet hatte, extra mit ihrem Sohn telefoniert, um sich zu erkundigen, ob man die Strecke nicht doch befahren kann. So habe ich dann also einfach den Sperrzaun zur Seite geschoben und bin ganz alleine für mich runter zum Mittstätter See gedüst. Die Gegend war traumhaft schön und die Tour nach Udine sehr zu empfehlen. Nachdem es zunächst runterging, musste ich auch wieder hoch und wollte mal zur Abwechslung ein Teilstück auf dem Alpe-Adria-Weg Richtung Udine fahren. Blöderweise war der Teilabschnitt noch total verschneit und vereist. Die Abfahrt auf der Bundesstraße war dafür umso schön und ich hatte das Gefühl, das letzte Stück nach Udine zu fliegen. Auf langen Abschnitten bin ich mit ca. 60 km/h gefahren ohne großartig selbst mittreten zu müssen. Phantastisch!
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[DOUBLEPOST=1555885439][/DOUBLEPOST]Von Udine ging es dann am nächsten Tag nach Venedig. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass man in Venedig auch mit einem Velomobil fahren können müsste. Ich dachte mir, dass die Venezianer ja schließlich auch - wenn nicht mit dem Velomobil, dann doch wenigstens mit dem Fahrrad - bis vor die Haustür fahren müssen. Als ich dort ankam und gefragt wurde, ob mein DF auch schwimmen könnte, wurde mir schnell klar, dass ich mir da doch falsche Vorstellungen gemacht hatte. :) Wobei das vielleicht keine schlechte Weiterentwicklung wäre. Die Leute im Parkhaus waren so begeistert von dem Velo, dass ich einen vergünstigten Parkplatz bekam. Venedig selbst gefiel mir dann so gut, dass ich spontan entschied, einen zusätzlichen Tag dort zu verbringen und den Flair der Stadt in aller Ruhe zu genießen.
 
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[DOUBLEPOST=1555885842][/DOUBLEPOST]Nach einem Tag Pause ging es dann wieder gut erholt weiter über Ferrara nach Bologna. Dabei bin ich kurz vor Bologna ein Stück des Fahrradweges entlang vom Po gefahren. Das war gefühlt das erste und letzte Mal, dass ich in Italien einen gut asphaltierten und durchgängigen Fahrradweg gefunden habe. Falls ihr dort fahren solltet, lohnt sich auf jeden Fall ein Abstecher dorthin und auch Bologna hat mir sehr gut gefallen. Die Stadt wirkte auf mich sehr lebendig, voller Studenten, gutem Essen und vielen Menschen, die mir mit dem Velomobil äußerst positiv begegnet sind.
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[DOUBLEPOST=1555886344][/DOUBLEPOST]Von Bologna bin ich daraufhin einmal quer über die Berge nach Florenz gefahren. Die Tagesetappe war mit guten 120 km nicht gerade lang, aber durch die mehr als 1000 Höhenmeter war ich doch irgendwann froh anzukommen. Wobei die Strecke landschaftlich sehr schön war und ich die kurvenreiche Abfahrt sehr genossen habe. In Florenz habe ich dann erneut einen Tag Halt gemacht, um mir mit ein wenig mehr Zeit die Stadt anzuschauen.
 
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Ein Künstler hat sich zur Aufgabe gemacht, in Florenz die Verkehrsschilder witziger zu machen!!!! Wenn man einmal anfängt drauf zu achten, entdeckt man in der ganzen Stadt originelle Straßenschilder. Überragend =)
[DOUBLEPOST=1555886543][/DOUBLEPOST]So... das wars für heute. Der weitere Bericht folgt. Jetzt ist Schlafenszeit. =)
 
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Moin @Krissoff,

ich gehe davon aus, dass Du schon wieder zurück bist und wir hier erst den Bericht zum ersten Teilstück genossen haben. Danke dafür. Freue mich (freuen uns, denke ich) auf mehr. Und für meinen "Geschmack" kannst Du ruhig was kulinarisches einstreuen.

Grüße
Dok

p.s.: Gab's das DF im "Holland-Design" billiger? Oder schneller? :D
 
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Hi @Krissoff , danke für Deinen Bericht. Kannst Du etwas über die Streckenauswahl sagen? Bspw. Warum, du soweit östlich über die Alpen gefahren bist.
Grüße Ivo
Ganz einfach: Ich habe in Deutschland und zum Schluss noch viele Freunde besucht. Von Köln bis Salzburg habe ich die Tour so geplant, dass ich bei den Leuten vorbeischauen konnte. =)
[DOUBLEPOST=1555911705][/DOUBLEPOST]Woche 3:

Florenz - Arezzo - Terni - Rom - Neapel

Die Fahrt von Florenz nach Arezzo hat mich erstmal ins wunderschöne Sienna und durch die Toskana geführt. In Sienna habe ich dann die Zeit etwas vertrödelt, sodass ich mich abends sputen musste, um noch halbwegs im Hellen in der Unterkunft anzukommen. =) Landschaftlich und kulturell war das ein unfassbar schöner Abschnitt und eigentlich viel zu schade, um in Sienna nur 2 Stündchen Pause zu verbringen und an manchen Stellen in der Toskana so schnell vorbeizudüsen.
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Am nächsten Tag ging es morgens nach einer kleinen Sight-Seeing Tour mit dem Velo durch Arezzo los Richtung Perugia. Bis dahin hatte alles bestens geklappt. Die Streckenführung war zunächst mega schön, Olivenbäume überall, zum Lago Trasimeno und zur Pause hoch nach Perugia. Der Anstieg war mega steil, aber die Aussicht aus der Stadt auf das umliegende Land war phantastisch und die Stadt selbst ist auch sehr sehenswert. Nach einem Eis und einer kleineren Pause ging es dann wieder weiter. Leider waren die Straßen in der Toskana und Umbrien in einem derartig schlechten Zustand, dass man manchmal meinen konnte, dass die Straßen seit mindestens 50 Jahren keine Planierraupe mehr gesehen haben. Es begann mit der Abfahrt aus Perugia, bei der ich aufgrund der zahllosen Schlaglöcher schon sehr langsam gefahren bin. Mein DF war wie gesagt noch niegelnagelneu und jeder Schlag tat gefühlt doppelt weh! =) Kurz hinter Perugia bin ich weiter auf der Landstraße gefahren und hatte dort einen Platten. Also habe ich mein Velo an den Seitenrand geschoben und versucht den Mantel (Marathon+) vom Hinterrad zu lösen. Das gestaltete sich alleine irgendwie schwerer als gedacht. Spontan gesellte sich dann aber ein netter Italiener dazu, der kein Englisch sprach. Wir quatschten beide fröhlich vor uns hin, ohne das einer den anderen verstand und nachdem er kräftig mit gezogen, gedrückt und geflucht hatte, war der Mantel dann irgendwann von der Felge und der Reifen konnte geflickt werden. Nachdem er zum Abschluss noch ein Foto gemacht hatte, bin ich dann weiter Richtung Arezzo gefahren. Die Straßen waren aber weiter so schlecht, dass ich kaum vom Fleck kam und noch einige Kilometer zu fahren hatte. Brouter sollte mal für seine Algorhythmen eine neue Variabel einführen und zwar Schlaglöcher/m²!!! Um dann doch noch halbwegs rechtzeitig anzukommen, bin ich dann kurzfristig das erste mal auf die Autobahn gefahren. Nach der holprigen Fahrt zuvor war es mega schön, endlich mal Meter machen zu können. =) Die Aktion wurde von vielen Italieniern bejubelt, von einigen aber auch mit wütendem Gehupe verflucht. Sellerie, oder wie sagt der Franzose. ;)
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[DOUBLEPOST=1555913620][/DOUBLEPOST]Und noch eine kurze Ergänzung zu meinem Abstecher auf die Autobahn:
Bis dahin hatte ich mich schon halbwegs daran gewöhnt, dass Menschen aus ihren fahrenden Autos Videos und Fotos von mir gemacht hatten. Ursprünglich dachte ich, dass alle einfach fasziniert waren von meinem Velomobil. Als mich abends allerdings wieder auf der Landstraße eine Polizeistreife anhielt und meinte, sie hätten zahllose Anrufe und Videos erhalten, dass jemand mit einer Art Ufo wie verrückt über die Autobahn düsen würde, wurde mir so einiges klar. :)
 
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Untergekommen war ich über Nacht in Terni und von dort bin ich dann weiter nach Rom. Die Straßen sollten an dem Tag auch nicht besser werden... ganz im Gegenteil. Obwohl es offiziell eine kleine Landstraße war, schickte mich mein Navi auf eine Buckelpiste. In der Hoffnung, dass nach spätestens einem Kilometer die "Straße" eventuell freundlicherweise wieder asphaltiert wäre, blieb ich auf der vorgegebenen Strecke. Aufgrund der Streckenbegebenheit fuhr ich tatsächlich langsamer bergab, als dass ich mich noch eine halbe Stunde zuvor mühsam den Berg hochgestriezt hatte. Mein Unterboden musste trotzdem leiden und ich war unfassbar froh, irgendwann nach bestimmt 5-10 km wieder halbwegs vernünftigen Asphalt unter den Rädern zu haben. Die restliche Strecke bis nach Rom verlief dann ziemlich komplikationsfrei und der Radweg entlang des Tibers ist wirklich mega schön, gut ausgebaut und ermöglicht einem eine unkomplizierte Fahrt nach Rom hinein.
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Untrainiert bis nach Sizilien, Chapeau, wie der Franzose sagt
Das mit der Autobahn solltest du irgendwie mal näher beschreiben, oder Hm, vielleicht lieber doch nicht :D:cool:
 
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In Rom selbst wurde ich dann mehrfach von der Polizei angehalten. Teilweise mit Sirene und Blaulicht. Erleichtert habe ich dann festgestellt, dass sie mich nicht erwischt hatten, wie ich über rote Ampeln oder entgegen unzählliger Einbahnstraßen gefahren bin... nein, sie wollten einfach nur ein Selfie mit mir und meinem Velomobil machen!!! =)
Andere Polizisten waren total überfordert und nachdem sie sich das Velomobil skeptisch angeguckt hatten und ich ihnen erzählte, dass ihre Kollegen mich bereits für ein Selfie angehalten hatten, durfte ich dann auch wieder weiterfahren.

Nach einem Tag Verschnaufpause ging es dann weiter nach Neapel. Neapel selbst war verkehrstechnisch so ziemlich der herausfordendste Teil der Tour. In der Stadt selbst gibt es so gut wie nur Kopfsteinpflaster und keine Fahrspurmarkierungen. So bin ich teilweise zwischen gefühlt 3 Autos und 20 Rollerfahrern durch die Stadt gedüst und jeder versucht, sich nicht vom Anderen abdrängen zu lassen. So sehen dann auch die Autos aus. Je weiter man in den Süden kommt, desto mehr Beulen, Kratzer und Unfallschäden haben die Autos dann auch. =)
[DOUBLEPOST=1555915051][/DOUBLEPOST]Woche 3:

Neapel - Amalfi - Messina

Das war meiner Meinung nach einer der schönsten Abschnitte der ganzen Tour. Von Neapel bin ich am Vesuv vorbei erstmal zur Amalfi-Küste gefahren und von dort aus überwiegend an der Küste entlang bis nach Sizilien. Kurz hinter Neapel hatte ich dann allerdings nochmal einen Platten. Und da man entdeckt hatte, dass ich während dem Reparieren nicht weglaufen konnte, kamen kurz hintereinander 2 Gruppen Zeugen Jehovas und versuchten mich zu bekehren. =)

An der Amalfiküste hatte ich dann teilweise genauso viele bzw. mehr Höhenmeter als in den Alpen. Dafür war es traumhaft schön und bei den kurvenreichen Abfahrten habe ich mich gefühlt wie ein kleiner Rennfahrer. Ende März war auf den Straßen auch tourimäßig noch nicht so viel los, dass ich die Straßen in Ruhe für mich ausfahren konnte. Einfach genial.
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Südlich der Amalfi-Küste kam es dann aber auch zu einem traurigen Zwischenfall. Und zwar ging es mal wieder steil hoch, sehr steil! Die Steigung (gefühlt mindestens 20%) hatte mir bis dato eigentlich nie viel ausgemacht, weil ich zur Not einfach auf mein Schlumpfgetriebe zurückgreifen konnte und dann zwar sehr langsam mit 7-8 km/h aber relativ entspannt weiterfahren konnte. Als ich in den kleinen Gängen nicht mehr weiterkam, schaltete ich also wieder im Berg ins Schlumpfgetriebe und wollte anfahren. Dabei ist der Hinterreifen jedoch immer wieder auf asphaltierter Straße durchgedreht. Nach zahlreichen Versuchen musste ich feststellen, dass ich keinen Meter vorwärts kam. Allerdings war es auch so steil, dass ich trotz angezogener "Handbremse" beim Aussteigen began runterzurollen, wenn ich die Bremse nicht krampfhaft manuell festhielt! Gefühlt und auch ganz praktisch kam ich also mitten im Berg weder vor noch zurück! Ich versuchte es ein wenig schräg anzufahren und auch das war ohne Erfolg. In meiner Verzweiflung versuchte ich dann doch auszusteigen. Da ich allerdings etwas schräg zum Berg stand, fiel ich dann samt meinem Velomobil zur Seite einfach im Stehen um! Seither ist mein schönes DF auf der einen Seite stark verkratzt... das Gehäuse selbst ist weitesgehend unbeschädigt, aber traurig ist es trotzdem. Ich habe es ja vollkasko versichern lassen und bin mal gespannt, was die Versicherung sagt, wenn ich nach 4 Wochen schon den ersten Unfall verzeichnen kann. =)
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[DOUBLEPOST=1555915931][/DOUBLEPOST]Naja... zumindest war die Aussicht schön an der Unfallstelle und jetzt hat mein Velomobil eben erstmal einen Vintage-Look. =)

Da aber ansonsten nichts dran war ging es weiter Richtung Süden. Einmal habe ich es sogar gewagt mich tagsüber zur Abkühlung ins Mittelmeer zu stürzen. Nach einer Minute bin ich dann schnell wieder rausgehüpft und war froh, mich kurz drauf wieder in meinem DF aufwärmen zu können.
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[DOUBLEPOST=1555916149][/DOUBLEPOST]Woche 4:

Sizilien - Fähre nach Genua - Mailand

In Sizilien bin ich entlang der Nordküste bis nach Palermo gedüst. Auch hier fand ich die Strecke teilweise mega schön mit vielen Kurven und bin gut vorangekommen. Unter anderem habe ich eine Nacht in Cefalu übernachtet, was mir auch als Städtchen sehr gut gefallen hat.
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@Krissoff toller Bericht. Wegen der Kratzer; wer von uns Velomobilfahrer kennt nicht dieses Gefühl. Der erste Kratzer ist wie ein Stich ins Herz. Bei mir war es vor 3 Wochen ein Radfahrer Der mir in die Seite reinfuhr.
Es ist ärgerlich aber fast unvermeidlich, wenn man das VM regelmäßig nutzt.

Beste Grüße

Klaus
 
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In Sizilien hatte ich witzigerweise mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, dass Menschen auf der Straße angesprachen. Einer hatte mich persönlich ein paar Tage zuvor noch auf dem Festland gesehen. Ein anderer meinte, sein Neffe hätte ihm ein Foto von mir aus Neapel geschickt und als er mich vor einem Supermarkt mit meinem Velomobil wiedererkannte, musste ich nochmal schnell für ein Foto posieren. =)

Von Palermo habe ich dann die Fähre genommen nach Genua. Auch ich kam in den Genuss einer kostenlosen Mitfahrt meines Velomobils, da es wie ein Fahrrad transportiert wurde.
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[DOUBLEPOST=1555917237][/DOUBLEPOST]Woche 4:

Mailand - Domodosolla - Lausanne

Die komplette Strecke hatte es mich ja immer weiter in den Süden getrieben. Nachdem ich mit der Fähre in Genua angekommen war, habe ich gemerkt, dass es mich wieder Richtung Heimat zieht und ich bin relativ zügig nach Mailand gefahren. Von dort aus ging es über den Lago Maggiore nach Domodosolla und weiter nach Iselle zum Autozug. Außerdem musste ich feststellen, dass es wettertechnisch im Norden wieder viel kälter und regnerischer geworden war. Auch wenn ich zu Beginn der Tour mir tatsächlich mal überlegt hatte, die Alpen auch einmal ohne zu mogeln zu überqueren, habe ich mich dann doch erneut für den Autozug entschieden. Das lief sehr unkompliziert und für meinen Geschmack hatte ich in den vergangenen Wochen bereits ausreichend Höhe gemacht. =)

In der Schweiz selbst bin ich dann witzigerweise spontan in ein Radrennen gekommen. Ich hatte mich schon gewundert, warum an einem Sonntag so viele Ordner am Straßenrand standen. Als ich kurz anhielt, um den Reifendruck zu prüfen, fuhr plötzlich ein Motorrad an mir vorbei und ihm folgten ca. 20 Rennradfahrer mit mehreren Mannschaftsautos im Schlepptau, wie man das von der Tour de France kennt. Da es gerade relativ eben war, dachte ich mir: "Die schnapp ich mir" und setzte die Verfolgung an. Kurz drauf hatte ich die Truppe einkassiert und bin weiter zum Genfer See gefahren, um in Lausanne einen Freund zu besuchen.
 
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[DOUBLEPOST=1555917504][/DOUBLEPOST]Woche :

Lausanne - Basel - Mainz - Frankfurt - Köln

In Lausanne bin ich mehrere Tage bei einem Freund geblieben und habe es auch mal genossen, tagsüber mal die Füße hochzulegen... und das vor so traumhafter Kulisse. Da ich aber auch nicht unbegrenzt Urlaub hatte, ging es dann irgendwann weiter nach Basel. Im Gegensatz zu Teilen von Italien waren die Straßen bestens ausgebaut und alles lief wie geschmiert. In Basel gab es sogar am Bahnhof extra Parkplätze für Velomobile.
 
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Die Bahn-Fahrt zum Schluss war mit die abenteuerlichste Erfahrung während der ganzen Reise
Nach der Ankündigung (und dem, was man so über Velomobiltransport in Zügen weiss) hatte ich ja schon das schlimmste befürchtet, aber der Sperrgutwaggon auf dem Foto da oben sieht ja optimal aus!
Hut ab vor Deinem Mut und Deiner Leistung, gleich solch eine Reise mit dem DF zu unternehmen. Da machst Du die meisten Erfahrungen gleich konzentriert. Und die Kratzer würde ich mit Würde tragen.
 
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