Podbike Pleite

Ist ja nicht so, dass man es vorher schon gesagt hat... *duckundweg*

Das Team ist mit Preisen von 6000€/Stk. rein gegangen (die schon in der Konzeptphase als unmöglich hätten erkannt werden müssen), Stückzahlen im hohen vierstelligen Bereich sollten schon vor Jahren abgesetzt werden, essentielle Probleme des Grundkonzeptes wurden ignoriert und die Umsetzung war eher mäh.

Da sind jetzt zig Millionen € verbrannt wurden, Kunden haben Fahrzeuge, die sie nicht mehr lange fahren können (Wenn Elektronik tot, Fahrrad tot. Außer man baut es sich z.B. auf einen anderen Antrieb um. Was nochmal tausende € kosten wird)... Leider sorgen solche Geschichten dafür, dass andere Firmen und Start-Ups seltener/weniger Geld und Unterstützung bekommen, da es für den Laien so aussieht wie "guck, das gabs schon! Funktioniert nicht!".

Mich wundert es eher, dass deren Marketing und "Finanzmittelaquirierungsabteilung" so fähig war, das noch Jahre weiter zu schleppen und Geld zu beschaffen.
 
Immer wenn ich sorgfältig was schreiben will, grätscht Schnellschreiberpatrick dazwischen :rolleyes: ... egal:

Kurz vor dem Insolvenzantrag gab es ein paar Telefonate (auch über Rettungsangebote etc.) im Hintergrund, die folgende Vorhersagen bestätigt haben:
  • Multimillionen Entwicklungskostenrucksack auf Basis von Fremdkapital.
  • Von den tausenden Vorbestellern blieb nur ein Bruchteil übrig, als der Rendering-Marketing-Traum zur profanen, teuren Realität wurde.
  • d.h. so riesige Bestellüberhänge gab es gar nicht, sondern recht schnelle Lieferzeiten jetzt.
  • Um verbleibende Expansions- & Kundenerwartungen zu erfüllen, mussten immer neue Finanzierungsrunden her.
  • Aber an der Schwelle zur Realität ist den Geldgebern doch aufgefallen, dass das Marktpotential weit hinter dem zurück bleibt,
  • ... was den "industriellen" Entwicklungskostenrucksack samt Markteinrichtungskosten rechtfertigen, d.h. jemals refinanzieren könnte.
  • ... womit offenkundig irrational wurde, mit frischem Geld altes Geld zu retten. Ergo schnellstmöglicher Schlussstrich.
  • Der Ende des industriellen Traums sind mehrere Millionen verbrannter Euro und ein mal wieder enttäuschter Nischenmarkt.
Auch bei den anderen hochgepäppelten Spezialrad-Startups (spontan fallen mir ~10 Beispiele ein) scheint sich das immer gleiche Muster zu wiederholen, wonach mit auf 10.000 Einheiten ausgerichteten Investitionen (Entwicklung, Produktion, Marketing, Vertrieb) erstmal ein paar 100 Einheiten easy abgesetzt werden können. Danach ist der Markt aber eben kein Selbstläufer, sondern eher "gesättigt" als "geöffnet". Um dann im 1000er Bereich den Absatz aufrecht zu erhalten, muss noch eine Größenordnung mehr investiert werden, womit sich die Verbindlichkeiten weiter vom realen Absatzlevel entfernen und irgendwann die unüberbrückbare Diskrepanz von Traum und Realität nicht mehr geleugnet werden kann.

Ergo: Wir sind und bleiben ein handwerklicher Nischenmarkt. Je eher Anbieter und Nachfrager sich dieser doofen Realität stellen, desto konstruktiver und nachhaltiger können wir miteinander umgehen. Beiderseits in unausgegorenen Industrieträumen zu leben und zu debattieren, zerstört diesen Markt eher als ihn zu befördern.

VG Steffen
 
@Solarfreak : Nein, so eine Insolvenz schadet den anderen Marken eher, da das Vertrauen von Geldgebern und Kunden massiv geschädigt wird.
Und ich gehe fest davon aus, dass noch eine handvoll weitere Firmen den Bach runter gehen in den nächsten Jahren, wenn ich sehe was für Gelder da verballert werden und welche Stückzahlen nötig wären um wenigstens auf +-0 zu kommen.
 
Ich hatte gehofft, dass das Frikar mit seinem gefälligen futuristischen Erscheinungsbild einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten könnte.
Ein Traum, der hier mindestens schon seit 20 Jahren diskutiert wird. Es wird ein Traum bleiben ...

Dafür drücke ich den anderen Velocars ganz heftig die Daumen, dass sie die entstandene Lücke schließen können.
Du (und andere), Daumen drücken reicht nicht, Ihr müsst kaufen, sonst wird das weiter ein Traum bleiben.
 
@Solarfreak : Nein, so eine Insolvenz schadet den anderen Marken eher, da das Vertrauen von Geldgebern und Kunden massiv geschädigt wird.
Ganz genau. Wenn wir über Fahrräder reden, reden wir über ca. 80 Jahre "Kundendasein", mein erstes Rad kaufte ich mit fünf Jahren und mit Fünfundachtzig werde ich immer noch Radfahren. Ich hab noch das Vorkriegsrad von meiner Urgroßmutter, das ist jetzt über 100 Jahre alt, da steigt man drauf und fährt los. Das ist die Erwartungshaltung. Ein Fahrrad hält Ewigkeiten und macht zwei Fluchten mit.

Dann kaufte ich mir vor 15 Jahren ein Pedelec, bewusst mit Boschsystem, so wegen Qualität, geht nicht pleite und wird es ja immer Ersatzteile geben. Und wie sieht die Realität aus? Es gibt jetzt schon keine Displays mehr. Ich hab zwei Teildefekte, wenn die ausfallen wird es teuer. Und mit dieser Erfahrung schaue ich jetzt auf Fahrzeuge wie ein Podbike. Das Konzept finde ich klasse, die haben, was Werkzeuge angeht, geklotzt, aber genau jetzt hängt man drin. Hat das Ding nicht sogar einen CAN-Bus zur Ansteuerung? Kann ich auch verwechseln, aber das wäre für mich das No Go.

Ich kaufe mir jetzt ein Velomobil/Velocar, bei dem alles offen ist und das, darauf achtet der Entwickler, komplett aus Standardelementen und eihfachen Frästeilen aufgebaut ist, nur die vordere Federung ist minimal komplexer, aber auch das bekommt man mit etwas Mühe beim "Fräser um die Ecke" nachgefertigt, sowas geht aber nicht kaputt, das wäre analog einem Rahmenbruch beim Fahrrad. Die Glasfaserkarosserie ist natürlich ein Unicat, aber die kann man immer reparieren. Das ist wie mit Booten, die überleben auch 60 Jahre und mehr. Und alles andere sind wie gesagt mehr oder weniger Normteile. Die wird es so oder so ähnlich immer geben. Und wenn es die mal nicht mehr geben sollte, passen andere, ähnliche Bauteile. Das frimelt man sich dann schon hin.

Nach den ersten negativen Erfahrungen, bei mir das Boschdisplay und auch die verdongelten Akkus sind ein Drama, wird man sehr vorsichtig. Die Pleite von Podbike wird, so meine Befürchtung, sämtliche Käufer dieses Fahrzeug davon abhalten, sowas nochmal zu kaufen. Das ist so ärgerlich. Ich hatte so gehofft, das Podbike, mit vielleicht wirklich mal 10.000 Einheiten, hätte der Durchbruch zur Verbreitung und Anerkennung werden können. Denn erst, wenn jeder täglich ein Velomobil sieht, werden sie sich massenhaft ausbreiten, wenn überhaupt. Tendenz: Es wird eine Nische bleiben. Obwohl, schaue ich auf Lastenräder, "explodiert" der Markt auch gerade. Und ein Rad mit vollem Wetterschutz wird langfrisitg seine Freunde finden, je mehr Menschen damit das ganze Jahr zur Arbeit pendeln.

Den Käufern des Podbikes alles Gute. Gründet möglichst schnelle eine Interessengemeinschaft, kauft Ersatzteile auf und hegt und pflegt die Fahrzeuge.

Und dann sehe ich neue E-Fahrzeuge wie den Twizy 2 für 10.000,-€ und es wird wieder ganz dünne Luft. Fahrzeuge wie ein Podbike blieben in der kleinen Nische der Enthusiasten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Anteile wurden gezeichnet.
Sind Anteile an einer Firma und Kauf eines Fahrzeuges dieser Firma nicht zwei Dinge? Wenn jemand eine "Verkehrswende" will, und sei es nur seine persönliche Verkehrswende, dann braucht man doch wohl das passende Fahrzeug dafür. Anteile an einer Firma erwirbt man doch eher mit der Hoffnung auf eine Verzinsung, wenn es denn gut läuft.
 
.... Anteile an einer Firma erwirbt man doch eher mit der Hoffnung auf eine Verzinsung, wenn es denn gut läuft.
Ja und nein, typische Kickstarter "Investitionen" macht man eigentlich, um den Entwickler zu unterstützen, da denkt man nicht an Rendite. Denn zuerst muss die Entwicklung abgeschlossen sein, erst dann reden wir übers kaufen. Und auch das Podbike kam, wenn ich das richtig verstehe, nicht über die Prototypen/Kleinserie hinaus mit vielen teuer gefertigen Bauteilen und jetzt sollte der Schritt hin zu Serienwerkzeugen gemacht werden. Und genau dann braucht man Millionen
 
Millionen braucht es nicht. Man darf halt nur nicht gleich wieder wie die Automobilindustrie denken. Man kann auch mit sehr günstigen Methoden hohe Stückzahlen zu sehr günstigen Preisen realisieren.
Tiefziehteile anstatt Laminat oder Spritzguss, die können auch aus PP Wabenmaterial sein und überaus komplex. Formen hierfür müssen nicht beheizt sein und können per inkrementellem Blechumformen hergestellt werden. Rahmen simpel konstruieren, aus Blech, Biege und Rohrlaserteilen, wenig Nähte, wenig Einzelkomponenten.

Nur so nebenbei: ich entwickle aktuell zwei Fahrzeuge mit ähnlichem/höheren Funktionsumfang für B2B für etwa 1/20tel der Kosten die Frikar da verbrannt hat. Und ich verwette meinen Hintern, dass es weniger Ausfälle, Kinderkrankheiten und Schäden gibt. Trotz voller Konnektivität, GPS Tracking, integrierter Bedienung und Elektrik, kettenlosem Antrieb , Zuladung von 500kg, usw. usw.
So muss man keine 2000 Räder im Jahr verkaufen, sondern nur 100.
 
... Tiefziehteile anstatt Laminat oder Spritzguss...
Ich schaue mir gerade den Aufbau eines A4 an. Wunderschöne Sache, wirklich günstige Teile, und der Bausatz ist verdammt billig, aaaber die Stunden für den Aufbau sind da ein Kostentreiber, wenn das der Hersteller macht und nicht der Kunde selber. Wenn ich 0.5mm Aluminiumbleche sehe und mir eine Velomobilkarosserie horitontal zweigeteilt vorstelle, dann reicht bei dem vermutlich geringen Umformgrad erst einmal eine Form aus Kunststoff, billigst und schnell gefräst. Für 50-100 Fahrzeuge sollte das klappen. Notfalls mit zwei Ziehstufen. Dann hat man zwei Halbschalen, nietet die umlaufend zusammen, "fertig" ist die Hülle. Dann natürlich ein paar Versteifungsspanten rein. Der Teufel steckt auch da wie immer im Detail. Dann wird z.B. der Versand eine Herausforderung.

Ich finde ja Kohlefaserhüllen technisch wunderbar, aber das ist alles zu teuer für die Eroberung eines Massenmarkten. Und ein Serienspritzgusswerkzeug ist erst einmal jenseits jeder sinnvollen Finanzierung.

Ich finde zum Konkurs von Podbike kaum Informationen. Ist das ein Konkurs zum Schuldumschichten, oder ist es final und was passiert mit all den vorhanden Werkzeugen und aktuell noch vorhandenen Teilen? Könnte man z.B. die Werkzeuge billigst aus der Konkursmasse kaufen und damit Ersatzteile herstellen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ganz genau. Wenn wir über Fahrräder reden, reden wir über ca. 80 Jahre "Kundendasein", mein erstes Rad kaufte ich mit fünf Jahren und mit Fünfundachtzig werde ich immer noch Radfahren. Ich hab noch das Vorkriegsrad von meiner Urgroßmutter, das ist jetzt über 100 Jahre alt, da steigt man drauf und fährt mit. Das ist die Erwartungshaltung. Ein Fahrrad hält Ewigkeiten und macht zwei Fluchten mit.

Dann kaufte ich mir vor 15 Jahren ein Pedelec, bewusst mit Boschsystem, so wegen Qualität, geht nicht pleite und wird es ja immer Ersatzteile geben. Und wie sieht die Realität aus? Es gibt jetzt schon keine Displays mehr. Ich hab zwei Teildefekte, wenn die ausfallen wird es teuer. Und mit dieser Erfahrung schaue ich jetzt auf Fahrzeuge wie ein Podbike. Das Konzept finde ich klasse, die haben, was Werkzeuge angeht, geklotzt, aber genau jetzt hängt man drin. Hat das Ding nicht sogar einen CAN-Bus zur Ansteuerung? Kann ich auch verwechseln, aber das wäre für mich das No Go.

Ich kaufe mir jetzt ein Velomobil/Velocar, bei dem alles offen ist und das, darauf achtet der Entwickler, komplett aus Standardelementen aufgebaut ist. Und wenn es die mal nicht mehr geben sollte, passen andere, ähnliche Bauteile. Das frimelt man sich dann schon hin. Die Glasfaserkarosserie ist natürlich ein Unicat, aber die kann man immer reparieren. Das ist wie mit Booten, die überleben auch 60 Jahre und mehr. Und alles andere sind Normteile. Die wird es so oder so ähnlich immer geben.

Nach den ersten negativen Erfahrungen, bei mir das Boschdisplay und auch die verdongelten Akkus sind ein Drama, wird man sehr vorsichtig. Die Pleite von Podbike wird, so meine Befürchtung, sämtliche Käufer dieses Fahrzeug davon abhalten, sowas nochmal zu kaufen. Das ist so ärgerlich. Ich hatte so gehofft, das Podbike, mit vielleicht wirklich mal 10.000 Einheiten, hätte der Durchbruch zur Verbreitung und Anerkennung werden können. Denn erst, wenn jeder täglich ein Velomobil sieht, werden sie sich massenhaft ausbreiten, wenn überhaupt.

Den Käufern des Podbikes alles gute. Gründet möglichst schnelle eine Interessengemeinschaft, kauft Ersatzteile auf und hegt und pflegt die Fahrzeuge.
Bei den Podbike stimmten schon viele Konzepte nicht wirklich, die Ausführung war sichtbar problematisch. Um in den Markt Stückzahlen zu bekommen, würde es einem Player wie Canyon (siehe deren velocar Concept benötigen, der dann von VW zb mit ihrer Händlerkette und ihrer Marketing Macht unterstützt würde. Dann vielleicht könnte man zweit oder dritt Wagen ersetzen.
 
Dreh- und Angelpunkt ist einfach, dass es nicht groß genug aufgezogen wird, heißt: mit einer richtigen Massenfertigung. Deswegen muss so eine Plastikseifenkiste ja so viel wie ein neues Auto kosten, oder im Fall vom Twike sogar mehr. Und DAS schreckt vorallem die potentielle Kundschaft ab. Für 4000 Euro würd's Frikar trotz aller Mängel weggehen wie warme Semmeln. Allein die BRD hat über 80 Millionen Einwohner, und nicht mal 0,001 Million davon soll Interesse an einem Kabinenfahrrad haben ? Die meisten Leute können sich aber einfach nicht so was leisten. Müssen schon einen gebrauchten Pkw abstottern.

Und natürlich gibt es viele W.T.F.s wie das Frikar entwickelt wurde. Scheinbar war die Firma schon zu groß - mit bezahlten Mitarbeitern und Immobilien, und war gezwungen so schnell wie möglich was auf den Markt zu bringen. Bevor man in Serie geht, muss man ausgiebig testen und planen. Das Signature ist trotz vieler guter Aspekte eine Kombination aus lauter Schwachstellen, die nach nicht mal 1000 Kilometern Fahrt auffallen. Dass man ein Bauteil (Computer) innerhalb des ersten Jahres gleich zweimal austauschen muss, ist fast rekordverdächtig... Am merkwürdigsten ist auf alle Fälle die Entscheidung für diese "Coolie-Hats" in den Griffen, die beileibe keine primitiven Schalter sind, ganz zu schweigen von einer Billiglösung.

Jedenfalls sollte man im Prinzip erst ein "perfektes" Produkt entwickeln, und DANN eine Firma machen. Und wenn man nicht genügend Startkapital für die ersten z.B. 10000 Stück zusammenkriegt, lässt man es bleiben. Irgendwas mit dem 3D-Drucker in der Garage zusammenbasteln kann man vergessen. Würde BMW mit so einer Miniserie in den Markt gehen, würden sie auch nur massiven Verlust machen.
 
@Glaskäppchen : Ich vermute deine Expertise bzgl. Fertigungsabläufen und Kosten ist eher gering?
4000€ für ein Podbike? Ja nee, nicht wirklich. Ein Renault Twizy, in Spanien/Südkorea gefertigt kostete am Schluss 14500€ neu, obwohl da seit 12 JAHREN keinerlei Updates durchgeführt wurden. Das Ding hat schlicht nichts, außer vielleicht einen richtig mies laufenden Scheibenwischer und einen winzigen 6kWh Akku.

Die größte Hürde ist eher, dass es nicht groß, aggressiv und "sicher" ist. Man erreicht, unabhängig vom Preis, sowieso nur Entusiasten bzw. Menschen mit "speziellem Geschmack". Das so eine "Seifenkiste" für den Normalo keinerlei Prestige bringt, kommt da noch hinzu.

Frikar hat ewig für die Entwicklung gebraucht, massig fehler in allen Ebenen gemacht und war schlicht schon zum Startschuss zum scheitern verurteilt.

PS. BMW hat vom M1 456Stück gebaut, vom Z1 8000, vom Z8 5700, vom 1600er GT 1250...
 
Zurück
Oben Unten