OpenStreetMap (OSM) Bearbeitung für Velonauten, Liegeradler und –Triker

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Meiner Meinung nach ist JOSM der beste Editor für OSM Daten. Für den Einstieg in die Bedienung gibt es auf YouTube Tutorials. Ich beschreibe hier die lokal installierte Variante, wie sie in vielen Linux Distributionen enthalten ist.

Nach dem Programmstart erscheint zuerst das Download Fenster. Hier kann / muss der Kartenausschnitt gewählt werden, in dem man arbeiten möchte. Der Ausschnitt darf nicht zu groß gewählt werden. Mit der linken Maustaste kann ein Bereich selektiert werden, das Scrollrad zoomt hinein oder heraus, mit der rechten Maustaste wird die Karte verschoben.

dl-fenster.png

Dann gelangt man ins JOSM Hauptfenster, die Bearbeitung kann beginnen…

josm.png

… die Bedienung ist ähnlich dem Download–Fenster, fürs Zoomen empfehlen sich die [+] und [-] Taste. Bei vielen / komplexen Daten ist sonst schnell ein paar stufen mehr gezoomt als gewünscht.

Im Kartenbereich können Objekte ausgewählt, bearbeitet & hinzugefügt werden. Rechts werden zugehörige Daten angezeigt, insbesondere auch die "keys", also die Tags, die die Eigenschaften des Objekts beschreiben.

Neben dem Fensterlayout kann man auch die Kartendarstellung den eigenen Bedürfnissen anpassen. Dies geschieht über Stylesheets, die auch miteinander kombiniert werden können. Die Auswahl der Styles erfolgt über das Menü View→Map Paint Styles→Map paint preferences

styles-menu.png


… welches den Auswahldialog öffnet, in dem beliebige Styles der eigenen Auswahl hinzugefügt (/entfernt) werden:

styles-prefs.png

Die Auswahl selbst geschieht einfach in dem Menü selbst (s. o.). Außer für Detailarbeiten empfiehlt es sich, den "Wireframe View" abzuschalten!

… happy editing!
 
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Für Radfahrer auch in Gegenrichtung freigegebene Einbahnstraßen:

Der Key "oneway=*" ist in Verbindung mit einer "highway=*" Kante zu verwenden, die Kombination mit anderen Kantentypen ist nicht definiert. Mit "oneway=yes" darf der Weg nur in eine Richtung befahren werden (jede Kante hat eine Richtung, diese muss ggfs umgekehrt werden, JOSM: Tools→Reverse Ways).

Eine Freigabe der Gegenrichtung für Radfahrer erfolgt über zwei zusätzliche Tags:
  • "cycleway=opposite"
  • "oneway:bicycle=no"

Darstellung der minimal nötigen Keys einer "Einbahnstraße, Radfahrer frei" Anwohnerstraße in JOSM:

1591950466856.png

Referenz: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Key:oneway#Einschr.C3.A4nkungen
 
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10 Tipps und Grundsätze zur OSM Bearbeitung

0. Registriere Dich

Ganz einfach: keine OSM Bearbeitung ohne Benutzeranmeldung, also registriere Dich auf openstreetmap.org. Die selbe Registrierung kann für den Online–Editor ID genutzt werden, wie auch für Offline–Editoren wie JOSM.

1. Nicht für Renderer / Router taggen
Bei OSM Tags sollen gemäß ihrer Definition verwendet werden und nicht etwa so angepasst, dass sie auf dem persönlich bevorzugten Renderer (Kartendarstellung) "gut aussehen" oder im Navisystem der Wahl (wie etwa BRouter) zum gewünschten Ziel führen. Fehler in der Darstellung / beim Routing von in OSM korrekt getaggten Wegen bitte in den Foren der jeweiligen Anwendung klären.

2. Lies das Wiki
Im OSM Wiki ist eigentlich alles dokumentiert, was man fürs Tagging wissen muss. "Eigentlich", denn es gibt vor Ort schon einmal spezielle Situationen, die sich nicht (nicht intuitiv) in OSM beschreiben lassen. Falls im Wiki etwas unklar ist, lies auch die englischen Seiten; ergänze und korrigiere das Wiki! Für Fragen gibt es das OSM Forum, diesen Thread hier oder probiere 3.:

3. Suche (und merke Dir) Beispiele
Wenn unklar ist, wie etwas zu taggen ist: die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass etwas gleichartiges schon woanders existiert. Suche entsprechende Beispiele und schreib ab! Und merke Dir, wo Du so etwas gefunden hast, mache Notizen, teile es anderen mit (OSM Forum, hier, …)

4. Weniger Tags sind besser
Versuche, Objekte mit so wenig Tags wie möglich und nötig zu beschreiben. Vermeide insbesondere überflüssige, weil implizit gegebene Tags (etwa ein "highway=footway" braucht kein "motor_vehicle=no" oder siehe Beitrag #2).

5. Vermeide alte Tags
Es gibt –historisch bedingt– Tags in OSM, die als veraltet betrachtet (und im Wiki dokumentiert) werden. Vermeide es, solche Tags neu zu setzen. Wo möglich, ersetze sie durch aktuelle Tags. Im Zweifelsfalle, wenn sie nicht stören, dann lass sie stehen…

6. Hinterlasse Notizen
Mit einem "note=*" Key können Hinweise in den OSM Daten hinterlegt werden. Diese machen es u. a. anderen OSM Usern einfacher, Deine Änderungen nachzuvollziehen, bzw. ihrerseits eventuelle Fehler oder Unklarheiten (s. 9.) zu bearbeiten.

7. Beachte Warnungen
Editoren wie JOSM prüfen Änderungen vor dem Upload in den OSM Datenbestand auf Plausibilität. Beachte Warnungen, die ausgegeben werden und korrigiere sie nach Möglichkeit vor dem Upload!
1591953320210.png

8. Speichere nur mit Änderungskommentar
Jeder Upload von Änderungen sollte unbedingt mit einem Änderungskommentar versehen werden. Dies macht es der OSM Gemeinschaft einfacher, Deine Beiträge zu verstehen. Als Datenquelle taugen auch einfache Einträge wie "Eigene Beobachtung / own survey", "Ortskenntnis" oder ein Verweis aufs Wiki.
1591954032981.png

9. Unsicher wegen Deiner Änderung?
Wenn Du auch nach sorgfältiger Recherche noch nicht sicher bist, ob Deine Änderungen so wirklich in Ordnung sind… markiere sie für einen Review. Nach diesem speziellen Tag kann gezielt gefiltert werden, um bekannte "Baustellen" im OSM Datenbestand zu beseitigen. Hier ist es dann natürlich hilfreich, immer möglichst kleine Änderungssätze zu erstellen und hochzuladen.
1591954026206.png


… noch Fragen? ;)
 

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Ein häufiger Fehler in OSM: ... Knoten ... sind fälschlich mit "bicycle=no" getaggt.
Z.B. um zu taggen, dass eine Ampel keine Streuscheiben für Radler hat, was bei einigen Tag-Kombis mal ja und mal nein zu Kollteralschäden beim einen oder anderen Router kommt ...:confused:
Das "bicycle=no" gehört da nicht hin und kann/muss weg,
Berechtigt ist es nur bei einem explizitem Radelverbot. Für benutzungspflichtige Radwege gibt's bicycle=use_sidepath, das könnte man dann als Mehrspurer nach VwV-StVO bei brouter auknippsen irgendwie ...
 
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Hilfsmittel um "Fehler" in OSM zu finden wurden hier noch nicht erwähnt.
Mir sind bisher zwei Möglichkeiten bekannt, um bicycle=no in den Karten zu finden. Gegenden, in denen diese zu häufig verwendet wurden fallen dann besonders auf. [OT]Zum Routing ist dann eher das Liegeradprofil geeignet, als das VM-Profil[OT END].
Man sollte aber gesicherte Ortskenntnis haben, bevor man solche Fehler beseitigt.

Dieses Hilfmittel benutze ich gelegentlich unterwegs.

Dieser Link zu overpass-turbo , welchen @Volker D. kürzlich gepostet hat, funktioniert auch bei größeren Kartenausschnitten, wird dann aber schnell unübersichtlich.
Wenn ich den Text am Rand richtig interpretiere, kann man da recht einfach nach anderen Einstellungen filtern.

Im Bereich zwischen Oldenburg und Cloppenburg war früher nahezu jede Straße mit begleitendem Radweg als bicycle=no getaggt. Das hat sich deutlich gebessert. (Die langen Linien sind noch zu klären)
1591967252657.png
 
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Hier sind i.d.R. vereinzelte ausgewählte Wald- und Wirtschaftwege mit "bicycle=no" getagt, sowie verschiedene Tore. Aber auch ein Supercharger:
1591971453156.png
Wer hätte gedacht, dass ein Supercharger für Fahrräder geeignet sein könnte :unsure:? Beabsichtigt da jemand Fahrräder zu bauen?
 
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Eine Ampel ohne Radfahrer–Strreuscheibe ist entweder eine Fußgängerampel (z. B. crossing) oder eine Ampel (für Fahrzeuge). Hier gilt also der Grundsatz: weniger Tags sind besser.

Die nicht–Existenz von etwas zu taggen ist :censored:
So könnte man eines Tages auswerten, auf welche Ampel man zu achten hätte ...
Auf Wegen/Spuren, auf denen Radfahren erlaubt ist, muss man nach § 37
- auf die Fahrradampel achten, sofern vorhanden, wenn nicht, dann
- auf die allg. Fahrverkehrsampel achten, sofern diese vorhanden ist
- einfach nur § 10 beachten, wenn beides fe_lt ... :rolleyes:
Du ahnst ja gar nicht, wie oft dass der Fall ist auf Routen, die für Radler vorgesehen sind, aber wenn man drauf achtet, findet man genug solcher Fälle. ein Beispiel ist in der Diskussion dort verlinkt
 
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So könnte man eines Tages auswerten, auf welche Ampel man zu achten hätte ...
Sorry, aber nicht vorhandene Eigenschaften von Infrastruktur abzubilden, indem man Beschreibungsmerkmale vergewaltigt zeigt massives Unverständnis von der Materie. Andere können das besser erklären als ich, denn auch ich bin kein Fachmann für Infrastruktur; habe jedoch im Berufsalltag mit solchen zu tun.

Ich halte es für wenig zielführend, hier eine Grundsatzdiskussion über das OSM Datenmodell zu führen. Ich schlage vor uns hier darauf zu beschränken, wie wir den Datenbestand mit den vorhandenen und definierten Mitteln verbessern können.

EOD für mich.
 
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Sorry, aber nicht vorhandene Eigenschaften von Infrastruktur abzubilden, indem man Beschreibungsmerkmale vergewaltigt zeigt massives Unverständnis von der Materie.
Das wurde in der verlinkten Diskussion im OSM-Forum reihum ja auch gesagt, dass das nackte bicycle=no nix taugt samt besserer Alternative. Es war ja von mir nur ein Hinweis, wie sowas zustande kommt.
Im übrigen gehört das Nichtvorhandensein von etwas aber durchaus zur vollständigen Beschreibung eines Objekts, sonst weiß man ja nicht, ob es nicht vorhanden oder nur nicht gemappt ist ...

Ich halte es für wenig zielführend, hier eine Grundsatzdiskussion über das OSM Datenmodell zu führen. Ich schlage vor uns hier darauf zu beschränken, wie wir den Datenbestand mit den vorhandenen und definierten Mitteln verbessern können.
Habe gestern nach Blick auf das hiesige overpass-Ergebnis und Kontrolle vor Ort gleich mal ein Bündel falscher bicycle=no getilgt ...
 
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vor Ort gleich mal ein Bündel falscher bicycle=no
Ich könnte vor Ort nur einen Eintrag bemängeln und im Bereich meines Arbeitsweges Ist inzwischen alles einwandfrei.
Bei der Strecke vor Ort rätsel ich seit Jahren, ob das Sinn machen würde. Da ist eine Bundesstraße als Bicycle=no getaggt, obwohl dort keine entsprechenden Schilder stehen.
Dort mit dem Rad zu fahren ist aber wirklich nicht zu empfehlen. Das verlängert die Strecke, erhöht das Risiko und der nächste Platz zum Flicken ist dank Leitplanken weit weg.
 
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Da ist eine Bundesstraße als Bicycle=no getaggt, obwohl dort keine entsprechenden Schilder stehen.
Wenn dort Radfahren nicht verboten ist, ist das falsch. Deinen Anmerkungen nach ist dort vllt mal ein
https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Key:cycleway#Other_values schrieb:
cycleway=no
Used to indicate that road has no cycleway infrastructure. Note that it may be placed on almost all ways polluting tag list without significant benefit, but it allows to explicitly note that road was surveyed for bicycle infrastructure.
sinnvoll, da je nach Profil eher über Radwege als Fahrbahnen geroutet wird.

Und wer Radwegeinfrastruktur in all ihren Variationen umfassend taggen möchte, findet diese in https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Bicycle beschrieben.
 
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Aha, Du bist also der Meinung, dass dies alles eigenständige Straßen sind, was aber auch bedeuten würde, dass sie nicht dieselben Vorfahrtregeln teilen wie die parallelen Straßen.
 
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Tja, hier im der Gegend sind fast alle Wege die parallel zur Fahrbahn verlaufen als bicycle=designated getagged...
Und, stimmt das nicht?
designated = dafür angelegt, ob mit oder ohne Schild meiner Meinung nach, in dieser Diskussion wurde kürzlich erst darüber gestritten
JOSM kann übrigens auch für eine Auswahl von Objekten einzelne Tags "in einem Rutsch" ändern.
Kann iD sicher auch bald in der bei OSM eingebundenen Version, denn die Entwicklerversion kann das schon.
Sind einzelne Sonderwege ohne irgendwelche Beschilderung nicht per se Gehwege?
Bei Bordsteinwegen "ohne 241", also getrennte G/R, ist der R auch ohne Schild idR zu erkennen.
Bei Wegen "ohne 240", also gemeinsame G/R, ist's kniffliger.
Von der Verkehrsministerrunde wurde vor einiger Zeit empfohlen, Piktogramme zu verwenden.
Gleich wirksam sollten m.E. Schilder sein, ob nun "Radfahrer frei" einzelstehend, wie es sie nur links geben dürfte, oder ob 240er-Symbolik, nur in schwarz auf weiß auf eckig statt weiß auf blau in rund, o.ä.
M.E. können es durchaus auch noch andere Möglichkeiten geben, wie auf Bordsteinwege zulaufende Radfurten, die machen auch nur dann Sinn, wenn der Weg freigegeben ist. Oder Radwegweisung, die zweifelsfrei auf diesen Weg weist.

Wer irrt und ihn nicht erkennt, macht fahrbahnradelnd ja keinen Fehler.
Wer etwas erkennt, was kein Radweg sein soll, dem sollte das auch nicht zur Last gelegt werden können, weil es ja die Indizien wohl gab und wenn die Straßenverkehrsbehörde das nicht so meinte, muss sie die Indizien eben beseitigen und/oder das mit Schildern klarstellen, wenn die Beseitigung (zwei Pflasterarbeiten bspw.) zu aufwändig wäre.

Aber ohne jegliche Indizien ist es in der Tat so, dass der Default "Gehweg" ist.

IANAL, doch angelegte Wege (mit Ausnahme von durch Bordsteinen abgesetzter Gehwege) dürfen meinem Verständnis nach von allen benutzt werden, die drauf passen — solange dies nicht z. B. durch Beschilderung anders geregelt ist.
Ach deswegen parken so viele Autos drauf ...

Aha, Du bist also der Meinung, dass dies alles eigenständige Straßen sind, was aber auch bedeuten würde, dass sie nicht dieselben Vorfahrtregeln teilen wie die parallelen Straßen.
Wenn umgekehrt die Vorfahrt der Radwege mit kleinen 205 anders als die Fahrbahn geregelt wird, dann funktioniert dieses Konstrukt nur, wenn der Weg als eigenständig definiert wird. Dummerweise hat die Straße dann keinen straßenbegleitenden Radweg mehr, so dass keine Benutzungspflicht mehr bestehen kann ...
 
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