Zum Vatertag hatte ich meinen Bollerwagen wieder auf die Strecke gebracht. Allerdings waren die Fläschchen nur mit Wasser und Elektrolytpulver gefüllt. Die naheliegende Idee mit alkoholfreiem Bier hatte ich schnell verworfen, obwohl es natürlich eine einmalige(?) Gelegenheit gewesen wäre.
Don't drink and trike.
Während das Tages hatte ich fürs Wetter die
Webcam beobachtet. Es gab zwar Wolken, aber die Wetter-App bemaß die Regenwahrscheinlichkeit für abends mit nur 20%. Und tatsächlich, es nieselte dann nur etwas, kein richtig nasser Regen, nur feuchte Luft.
Laut
Radtreff-Seite sollte die AMG-Arena diesmal nicht Teil der Strecke sein. Aber in der Webcam sah man tagsüber, dass das Ravenol-S noch geschlossen war, es blieb also spannend. Ich finde die Idee, die Streckenführung bei den einzelnen Veranstaltungen der Serie zu ändern sehr gut, das macht es jedesmal aufs Neue interessant. Beim nochmaligen Blick auf die Webcam, als ich später auf dem Parkplatz angekommen war, sah ich dann fast "live", wie die Absperrungen für die Streckenführung umgesetzt wurden. Das scheint also kurz vorher und speziell für die Veranstaltung gemacht zu werden. Das macht die Termine vom 1. und 29. Juli d. J. für Liegeradfahrer umso interessanter (Sprintstrecke), weil dann ja wohl der Anstieg nach der Goodyear-Kehre wegfällt, was fast 40 Höhenmeter pro Runde weniger wären; sicherlich, die rasante Abfahrt vor der Kehre fällt dann auch weg, aber der Rest ließe sich etwas gleichmäßiger fahren.
Das Einlasstor öffnete um 19 Uhr und der Tunnel füllte sich mit Radlern (Rennradfahren). Dann aber geriet alles ins Stocken und der Ausgang des Tunnels wurde erst gegen 19:20 Uhr freigegeben. Unklar, was zu dieser Verzögerung führte, wahrscheinlich war die Strecke noch nicht offen. Ich denke mal, dass diese 20 Minuten hinten angehängt wurden, sonst hätten sich die Nordschleifler stärker ins Zeug legen müssen als geplant. Auf die Frage, ab welcher Stelle ich meine Runden zählen sollte, ergab sich gleich zu Anfang eine einfache Anwort als ich sah wie Leute vor mir einige Meter weiter oben in Richtung Bilstein-Kurve an einer weißen Linie Aufstellung für ihren Start nahmen. Perfekt für den Abschluss der letzten Runde, und dann sofort in die Ausfahrt.
Neben dem Regen hätte ich auch auf den vorhergesagten Wind achten sollen. Der Gegenwind hin zur Goodyear-Kehre nahm mir vielleicht 5 km/h beim Runterrollen, die er mir aber berghoch nach der Kehre nicht gleichermaßen zurück gab. Meine maximale Geschwindigkeit blieb 3 km/h hinter der vom letzten Mal zurück. Insgesamt hatte ich eh nicht so gute/n Beine/Kopf wie 12 Tage zuvor. Auf der diesmal verkürzten Strecke fuhr ich 8 Runden und war 1 h 58 m in Bewegung (624 Höhenmeter, ohne die Zufahrt zur Strecke). Diesmal war die Durchfahrt durch die Boxengasse mit Pylonen verstellt. Wenn man versehentlich hin zur Boxengasse abbog, dann konnte man noch vor ihrer Absperrung über die Curbs zurück auf die Strecke. Der Anteil an Läufern und Spaziergängern auf der GP-Strecke schien mir diesmal höher, nicht jeder wusste von den Fahrgeboten.
Das Ravenol-S: Vor der Kurve gab es permanent ein blinkendes Quadrat (Lichtsignal links der Strecke). Ok, da sollte man also generell vorsichtig fahren. Es geht nicht nur scharf nach rechts, sondern am Scheitelpunkt der ersten Teilkurve (Bild unten) hat es auch noch einen kleinen Absatz nach unten. Die Ausfahrt nach links fand ich (jetzt) einfacher als noch weiter nach rechts zu fahren (letztes Mal) in die AMG-Arena. Diese S-Kurve ist ein Durchbruch durch eine Absperrung, das bedeutet in diesem speziellen Fall, dass die Sicht auf die Ausfahrt aus der zweiten Teilkurve durch eine Mauer verdeckt ist, erst kurz nach dem Scheitelpunkt kann man - tiefer liegend - hinter die Mauer sehen. Und da waren plötzlich in meiner 3. Runde mehrere technische Fahrzeuge am Werkeln. Schreck. Ich habe auf ein paar Metern auf weniger als die Hälfte abgebremst, dennoch blieb das Hinterrad am Boden und das Trike brach nicht aus. Es gab aber einen interessanten Stotterbrems-Effekt bei permanent gedrückten Bremshebeln. So heftig wurde dies Trike noch nie abgebremst. Ein vom Streckenposten vor der Kurve geschwenktes Fähnchen wäre in so einem Fall hilfreich. Gelernt: wenn man jemand in gelber Arbeitskleidung auf der Strecke sieht, dann immer langsam, der gehört da nämlich eigentlich gar nicht hin und ist auch kein Streckenposten, wie man es von anderen Veranstaltungen kennt, und er hat auch kein Fähnchen dabei. Später war die Kurve dann wieder frei.
In der Grafik die Durchfahrten durch das Ravenol-S in meinen Runden 3 und 8 mit Geschwindigkeiten und mit Kurvenradien für normierte Querbeschleunigungen ab 0,7 (normiert auf die Querbeschleunigung, ab der mein Trike mit mir drauf kippen würde (= Wert 1.0), wenn ich mich nicht in die Kurve lehnen würde, wie exakt das alles ist, muss sich noch zeigen). Runde um Runde tastet man sich an eine Kurve heran.

[Bild erstellt mit QGIS (
https://www.qgis.org), FIT SDK (
https://developer.garmin.com/fit) und OpenOffice (
https://www.openoffice.org);
Karte: © OpenStreetMap und Mitwirkende, Open Database-Lizenz (
https://www.openstreetmap.org/copyright)]
Das Protektorenexperiment: Als Vorbereitung hatte ich mich mit Downhill-Protektoren aufs Trike gesetzt und etwas ins Leere pedaliert. Die Knieschützer sind dadurch sofort rausgeflogen, denn sie schränkten meine Beweglichkeit zu sehr ein, und damit wahrscheinlich auch die Blutzirkulation. Die Protektoren-Unterwäsche mit Weste und kurzer Hose fühlte sich aber an sich gut an. Die wollte ich mal in echt testen.
Die ersten drei Runden auf der Strecke fühlten sich so geschützt aber etwas zu warm an, eine direkte Folge des zusätzlichen Kleidungslayers, und der großflächigen Protektoren (Rücken, Schulter, Brust), durch die man ja nicht hindurch schwitzen kann. Nachdem ich mich aber eingefahren hatte, fühlte ich diese anfängliche Überwärmung nicht mehr. Nach fast zwei Stunden Fahrtzeit kann ich aber sagen, dass der Lendenwirbelprotektor auf Dauer doch leicht drückt, ich lag ja dauernd drauf. Ebenso der Halswirbelprotektor, der teils an der Kopfstütze des Trikes zu liegen kam und dadurch ebenfalls drückte. Der Brustwirbelprotektor drückte nie, hatte aber eine andere Wirkung, denn er nahm mir den direkten Kontakt zum Sitz. Dieses Kontaktgefühl ist aber für das Durchfahren schneller Kurven entscheidend, denn nur so spüre ich, wo genau die seitliche Sitzkante ist, und wie weit ich mich in die Kurve lehne, und wie weit ich mich noch lehnen könnte. Wahrscheinlich kann man das auch so Einüben, aber mit dem direkten Kontakt zum Sitz ist es deutlich einfacher und fühlt sich einfach sicherer an. Die Schulterprotektoren habe ich nicht weiter bemerkt, das war gut. Zusätzlich zu dieser Downhill-Ausrüstung hatte ich noch leichte Ellbogenprotektoren an, die sind aber so wie auch der Helm immer dabei. Man möchte sich ja schon schützen, aber Überwärmung und reduzierter Kontakt zum Fahrzeug sind auch zu berücksichtigen. Ich möchte ja hauptsächlich einen Schutz gegen Schürfwunden. Im Nachhinein ließ ich mich in einem Geschäft für Motorradbekleidung beraten. Da gibt es schon schöne Sachen, aber alles zu warm bei Muskelmotorantrieb, wohl auch die Sommer-Mesh-Sachen. Mal weiter gucken ...
Das Trinkschlauchexperiment: Um stehende Trinkpausen zu vermeiden, wollte ich mein Trinkschlauchexperiment vom letzten Jahr fortführen. Damals benutzte ich blanke Silikonschläuche (Meterware), lebensmittelechte Schlauchverbinder (bis 10 bar, ist das ein versteckter Hinwies auf ein gezapftes Bier?) und ein Beißventil (ein Ersatzteil für ein kommerzielles Trinksystem). Die Silikonschläuche waren mir aber zu schwabbelig und einmal geriet einer an die Kette und bekam Schmiere ab. Soviel ich weiß, ist Silikon zwar wasserabweisend, nimmt aber Fett auf. Vor der Benutzung konnte ich zwar alles in der Mikrowelle sterilisieren, aber dem Kettenöl im Silikon war das natürlich egal. Das war mir dann zu bedenklich und ich legte die Sache auf Eis.
Für die Neuauflage des Experiments benutzte ich nun zwei gekaufte Trinkschlauchsysteme, deren Plastikschläuche ich zerschnitt und mit einem Y-Verbinder wieder zusammensetzte. Das Zusammensetzen der gesamten
Zapfanlage Sauganlage war diffiziler als gedacht, denn die inneren Plastikschläuche müssten doch so am profilierten Boden der Trinkflaschen positioniert werden, dass nichts in den Flaschen zurück bleibt. Dieser unsaugbare Rest wäre ja nur unnötiger Ballast. Gleichzeitig wollte ich die asymmetrischen Adapter am Flaschengewinde symmetrisch zum Sitz ausrichten. Ich gab's dann aber auf, alles auf einmal zu optimieren, zu frickelig für einen Freizeitsportler am Vatertag. In Bildern:
Das Anbringen der Halterung und das
Befüllen der Flaschen müsste eigentlich
mit Lineal und Wasserwaage erfolgen.
 | Die inneren Schläuche für eine gute Restentleerung
in Position zu bringen, erschien mir nach einigen
Fehlversuchen nicht wirklich praktikabel.
 |
In der Warteschlange am Eingang zeigte ein Junge auf mein Trike und fragte: "Was ist das?" Er meinte die blauen Dinger, nicht das Trike als solches. Ich war noch voller Zuversicht hinsichtlich der Schlauchbastelei und erklärte es ihm kurz. Seine Frage hätte mir schon ein erstes Indiz sein müssen. Ja, was ist das eigentlich wirklich? Nicht, was soll das sein?

(Foto vom Parkplatz D5, über den man dann mit Cleats zum Eingang muss; es gibt aber auch, dächte ich, geschotterte und geteerte Abschnitte.) |
Hmm, wieso kommt mir die Spiegelung
im Carbon-Sitz nur so seltsam vertraut vor?
 | Und am Ende mehr Fragen als Antworten.
Was war da eigentlich genau passiert?
 |
Wann trinkt man beim Fahren am besten? Wenn man langsam bergauf fährt? Aber dann schnauft man so und das Saugen und gleichzeitige Pusteholen ist anstrengend. Schnaufen, beißen, saugen, einatmen, ausatmen, und nochmal von vorne. Auf den Downhill-Abschnitten? Da braucht man beide Hände am Lenker und muss voll konzentriert sein, da kann man nicht nach dem verrutschten Mundstück tasten. Schnelles Trinken ist eine Disziplin für sich. Da lobe ich mir doch eine gemütliche Trinkpause, auf die Seite fahren, die Flasche greifen, in Ruhe trinken, den anderen auf der Strecke zugucken, die Beine einen Moment entspannen. Mit Trinkschlauch habe ich nur die Hälfe dessen getrunken, wie beim letzten Mal mit stehenden Trinkpausen. Das hatte mich überrascht, ist aber verständlich, da es mit Schlauch für mich viel anstrengender war.
Warum waren die beiden Flaschen am Ende aber stärker unterschiedlich gefüllt als zu Beginn? Die inneren Schläuche mit ihren angeschrägten Enden lagen vielleicht zu verschieden am Flaschenboden an und über den einen konnte ich mehr Flüssigkeit bekommen als über den anderen. Und dann wohl auch der Rückfluss aus dem oberen Teil des Schlauchs, der mit dem Mundstück. Der Y-Verbinder war sicher nicht exakt vertikal ausgerichtet, und in die eine Flasche floss einfach mehr zurück als in die andere. Bei so unterschiedlichem Füllstand, der sich während des Betriebs ergibt, sauge ich irgendwann ja nur noch Luft an. Dieses Basteltrinksystem konvergiert nicht. In der Nachbetrachtung ist mir dann klar geworden, dass ich den Verbinder einfach falsch herum verbaut hatte, das ist ja auch ein Y-Verbinder und kein ⅄-Verbinder. Das richtige Einbauen des, ach ja!, Fluxkompensators müsste doch fast alle Probleme lösen. Das ist die
ist-wirklich-Antwort, die deutlich interessanter ist als meine
soll-sein-Antwort vor Ort, und die ich hiermit nachgeholt haben wollte und die vielleicht hier gefunden werden wird.