Milan GT Nr. 65

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Da die Rappelkiste nach ein "paar" Wochen Umbau jetzt wieder läuft, möchte ich euch meinen Milan GT vorstellen.

First Contact

Nachdem @Axel-H mit der Nr. 65 nicht so ganz glücklich wurde und @AntoineH genug VMs sein eigen nennt, suchte im hohen Norden ein weißer Milan GT MkII mit Panzerlenkung einen neuen Besitzer. Panzerlenkung und "nicht gelb" ist genau was ich suche...

Bei schönstem Spätsommerwetter setzte ich mich an einem Samstag morgen also in die Bahn und pilgerte gen Kiel. Zwar durfte ich schon in zwei Ks, einem SL und einem Velayo 'probesitzen', aber dies sollte meine erste Probefahrt in einem Velomobil werden.

Die Bahnfahrt war dank sturzbesoffener Fussballfans, die rauchend an jeder Haltestelle die Abfahrt verzögerten, nicht ganz frei von Zwischenfällen. Das 'Highlight' war der Halt auf freier Strecke, weil irgend ein Idiot in der Toilette rauchen musste und den Brandmelder ausgelöst hatte. Bei einer Mitfahrerin führte die Durchsage des Lockführers zu einer Panikattacke. Scheisse.
Zum Glück saß die versoffene Meute in anderen Waggons.

Andreas Heim war nicht allzu schwer zu finden, standen doch ein Quest und ein Alleweder vor der Tür. Im Flur gings ein bisschen beengt zu, da dort vorübergehend sein Ks nistet.

Im WZ erwartete mich schon der Milan GT. Damit der arme Vogel sich nicht so einsam fühlt, hatte Andreas ihm noch einen mint-grünen SL zur Seite gestellt.

Nach ein 'bisschen' Velomobil-Plauderei bei nem Becher Kaffee, tauchte Andreas dann in den Milan um die nötigen Anpassungen für eine erste Probefahrt vorzunehmen.

Während der ersten kurzen 5km Test-Runde, auf der ich Andreas in seinem Ks folgte, wars eigentlich schon um mich geschehen. Nach etwas Feinjustage und der darauf folgenden längeren 10km Test-Runde war klar: Ich will diesen Vogel haben!

Ok, die Lenkung ist etwas gewöhnungsbedürftig (ICE Trikes haben kein 'brake steer') und die 90mm Trommelbremsen greifen ein bisschen zu harsch für meinen Geschmack. Andreas hatte schon die nötigen Reparaturen für potentielle Probefahrten gemacht, und wies mich vorsorglich auf die diversen offenen 'Baustellen' am Milan hin. Nachdem er die alte Elektrik entsorgt hatte, fehlte zb eine Blinkanlage.

Klar war auch, das die beiden originalen B&M Funzeln (40 + 60 Lux) gegen etwas stärkeres getauscht werden muss. Das originale Steck-Rücklicht war ebenfalls nicht satisfaktionsfähig.
Für die Heimfahrt hatte Andreas mir noch ein kleines Batterierücklicht auf die Hutze geklebt.

Alles in allem ein Projekt, aber noch kein fertiges Fahrzeug mit dem ich ab Morgen regelmässig zur Arbeit fahren kann. Kein Problem, passt mir eigentlich ganz gut, denn so kann ich den Milan nach meinen Wünschen ausstatten und lerne ihn von Grund auf kennen.

Nachdem wir die Haube montierten stellte ich fest, das der Deckel auf meinem Scheitel aufliegt. Also Sitz flacher gestellt und Andreas durfte die ganze Anpassung noch mal von vorn beginnen.

Von meiner Ankunft bis zur Abfahrt sind (dank unserer 'kurzen' Plaudereinen zwischendurch) locker 5 std vergangen. Ich glaub ich rede zu viel... :D


Die Heimfahrt
Die Überfahrt aus Kiel nach HH begann, öhm..., dank meiner hervorragenden Navigationsfähigkeiten ™ (in Verbindung mit einer Baustelle) nicht ganz problemfrei, aber zum Glück war die nächste Autobahnabfahrt ja nicht weit und der Milan konnte sich ein wenig auf dem Standstreifen austoben. :D

Nach der Autobahnabfahrt stoppte ich auf dem Radweg neben der Landstrasse. Tief durchatmen, GPS starten, Karte aus dem Rucksack kramen und mal schauen wo ich hier überhaupt gelandet bin.

Ok, erst mal ein paar Fotos machen.





Da der Radweg recht breit ist, ungefähr in meine Richtung führt und ne gut Oberfläche hat, bleib ich erst mal drauf. Nach ein paar Kilometerchen dann ein Hügelchen und der Wechsel auf die andere Seite der Landstrasse. Als es abwärts geht, fängt der Milan sofort an zu rennen!

Leider war nach ein paar hundert Metern Spass ein Mountainbiker im Weg. Schade, hätte ich besser doch die Landstrasse genommen. Also runter vom Radweg und rein ins Vergnügen.

Auf der Fahrt entschied die Kette dann nicht mehr auf das grösste Ritzel zu steigen und kratzte vernehmlich am Radkasten. Das war dank DualDrive kein grosses Problem (wenn ich mir nicht jedes steile Hügelchen auf der Strecke ausgesucht hätte...). :rolleyes:

Die Route die Andreas mir vorgeschlagen hatte, war mittlerweile irgendwie... woanders. Sauerei! Was denkt die sich eigentlich?

Egal, ich will nach Süden, die Sonne steht am Himmel, das kann also nicht so schwer sein. Gibt ja schliesslich Strassenschilder und den Weg nach hause fand ich bisher immer. Zur Not ist ja noch das GPS dabei.

Der olle Becker GPS machte sich bis Neumünster hin und wieder einen Spass und setzte alles daran mich in die Irre zu leiten (zeigte 50km Umwege und solche Scherze). In Neumünster dann falsch abgebogen und erst mal gründlich verfahren. Das ist mir ja noch nie passiert! Zumindest noch nicht in Neumünster...

Hier zeigte der Milan sich dann auf üblen Kopfsteinpflaster von einer eher kapriziösen Seite und schwänzelte schon bei 15-20km/h hin und her (mentale Notiz: da hinten müssen Federbeine mit richtiger Dämpfung rein!). Die Vorderradfederung blieb dagegen angenehm unauffällig.

Kurz hinter Neumünster hatte das GPS dann ein einsehen (oder Mitleid) und leitete mich zuverlässig durch unbekanntes Terrain Richtung Heimat.

Irgendwo hinter Neumünster traf ich dann auch endlich auf die von Andreas vorgeschlagene Strecke (hier hast du dich also versteckt. Kleines Biest!). Es ist bestimmt sehr hübsch dort. Leider war es inzwischen stockfinster, bei gelegentlichem Nebel. Super!

Ich fahr hier Nachts im Nebel, auf der leeren Landstrasse, im weißer Milan mit funzeligen Rücklichtern rum. Die Spiegel sind auch ratzfatz beschlagen. Na gut, was solls. Zum Glück kamen in der 1/2std Nebel nur zwei Autos von hinten.

Auf gerader Strecke läuft der Milan so um die 40km/h (bin nach der Knie-OP im Frühjahr noch nicht wieder richtig fit), aber fängt schon bei kleinem Gefälle an zu rennen. Wie geil!
Lange sanfte Steigungen laufen dagegen etwas zäh. Ich brauch mehr Training.

Irgendwann auf ner schmalen Landstrasse, mitten in der Wallachei, gings dann endlich mal stärker bergab. Der Milan stürmt sofort willig los. Blick auf den Tacho: 58km/h, Blick auf den GPS: 90° Kurve voraus. Blick auf die Strasse: Am Ende des Kerzenscheins der B&Ms die ersten Warnschilder. Shit! Wie schnell komm ich mit dem Vogel eigentlich um die Kurve? Der Milan wird schneller (der Tacho zeigt zuhause max 65km/h, knapp jenseits meiner Wohlfühlgeschwindigkeit), also bremsen und vorsichtig um die Kurve bugsieren. Puh! Zumindest gibt’s hier keine Schlaglöcher (der Hügel war natürlich kurz vor der Kurve am Ende).

Ab dann geht's ohne Aufregung weiter. Irgendwann erreichten wir die Stadtgrenze und um 23:23 Uhr steh ich bei mir vor der Tür. Klitschnass, aufgedreht und glücklich.
Ohne Unterstell-Möglichkeit verschwindet der Milan vorerst unter einer PKW-Plane.

Für den nächsten Tag war eigentlich eine kleine Rundfahrt mit @Radwunschmeister und @Dietsch geplant, aber das Knie möchte einen Tag Urlaub. Da es gestern so unauffällig durchhielt, hat es einen Wunsch frei und darf heute verschnaufen. Ist ja auch Sonntag.

Da ich nicht sicher bin ob meine morgendliche Absage Morten noch erreicht hat, geh ich den kurzen Weg zu unserem Treffpunkt (vorm Bäcker) und wünsch den beiden eine gute Fahrt.



Der Blick unter die schöne Hülle
Da die zwei oder drei Dinge, die ich am Milan ändern möchte schlecht draussen vor der Tür zu machen sind, wandert er zwei Tage später ins Treppenhaus und wird mit Hilfe meines Nachbarn in den ersten Stock getragen. Am nächsten Tag fängt es an zu regnen. Gutes Timing.

Nach ein paar Tagen im Treppenhaus zieht der Vogel dann in mein Wohnzimmer um und nimmt auf ein paar Holzböcken platz. Ich löse hier und da ein paar Schrauben und schau dem Sittich ein bisschen unter das Gefieder. Der Anblick ist... etwas ernüchternd.

Aussen stolzer Schwan, innen... Ja gut, kann man so machen, hat bisher auch funktioniert, schön ist aber anders.
Ich liege Stunden unter dem Milan und versuche mich in die Lenkkinematik reinzudenken. Der Kater gibt Tips, die sich meist als nicht zielführend herausstellen (er ist noch in der Ausbildung).

Tage vergehen bei der Teile-Suche im Netz (immer mal wieder unterbrochen wenn eine Katze über die Tastatur latscht). Mein Ebay Warenkorb füllt sich. Die ersten Pakete treffen ein und die geleerten Kartons werden enthusiastisch von den beiden Stubentigern in Beschlag genommen.

Aus den geplanten 'zwei oder drei' kleinen Änderungen, ein bisschen Schaltung einstellen und neue Lampen einbauen, wurde dann irgendwie ein kompletter Neuaufbau.

(später mehr, ich muss jetzt erst mal fahren :D)
 
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(später mehr, ich muss jetzt erst mal fahren :D)
Darauf freue ich mich jetzt schon. :D Nachdem ich merkte, dass dieser Bericht länger ist als gedacht, habe ich mir erst einmal ein :coffee:chen geholt und mit wachsender Begeisterung weiter gelesen. Ich habe den Verdacht, dass es nicht langweilig wird. Erinnert mich an die erste Zeit mit meinem "Claudius". :):mad::love:o_O:coffee::cautious::ROFLMAO::cool::censored::cool::confused::whistle:(n):cry::) Mit ihm war es auch nie langweilig. ;) ... und ist es ja immer noch nicht....

Allzeit gute Fahrt! (y)
 
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Schöne und unfallfreie Fahrten wünsche ich Dir! Bin gespannt, wann der Milan- 24- Zoll - Radkastenerweiterungsfaden aufgemacht wird ;).
 
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Da bin ich ja neugierig auf die weiteren Berichte.

Dieser Milan ist ja aus Frankreich und den ersten Kontakt zum Besitzer hatte ich in Mannheim bei der WM. Durch Zufall sah ich dann bei FB, dass er ihn verkaufen wollte.

Da ich schon die ganze Zeit geierig auf einen Milan war, bin ich tatsächlich 1500 km nach Frankreich rein an die Westküste gefahren. Dort habe ich mich dann mit dem Besitzer getroffen. Eine kurze Probefahrt...naja...aber wenn ich schon mal hier bin, ohne wollte ich auch nicht fahren. In Mannheim hatte der Milan noch große Aufkleber an der Seite.


Zu Hause angekommen kam ein wenig Ernüchterung. Alles was Du beschrieben hast ist richtig. Da es ein GlasMilan ist war es auch zwischen den Radkästen weich. Zu weich für das was ich mir vorgestellt habe. Auch die Panzerlenkung ist nicht so meins.

Ich war daher froh, dass sich Andreas diesen Milan an sich genommen hatte. Die 3000 km verbuchte ich dann mal unter „Erfahrungsschatz“.

Daher erfreulich, dass er hier im Norden geblieben ist. Bin gespannt, was du daraus gemacht hast. Sicherlich hast du den Tiller umgebaut/ verbessert.
 
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@All: Danke! :)
@Axel-H Das der Milan aus Frankreich kommt wusste ich noch gar nicht. Hast du noch Bilder?
Die Panzerhebel bleiben drin (bzw sind natürlich neu)! Wegen der Panzerlenkung war der Vogel doch erst interessant für mich.

Weiter gehts mit dem Neuaufbau des Milan. Zwischendurch sah es da drin immer mal wieder etwa so aus:



Hintere Federbeine
Als erstes flogen die alten hinteren Federbeine raus und wurden durch diese Eigenbauten ersetzt:


altes Bild, die Dinger waren zu lang. Inzwischen stecken die M8 Kugelköpfe der Dämpferseite in den Kolbenstangen
und in den "Dämpfern" sind jetzt M6 Kugelköpfe

Ein passendes CFK-Rohr mit 20mm Innendurchmesser gabs bei Ebay. Nach ein bisschen buddeln in der Ersatzteilkiste
fanden sich ein paar 10mm VA-Präzisionsrohre (die verbrachten ihr erstes Leben als Linearsensoren in Neigeantrieben, die ein paar hunderttausend Kilometer unter einem schmutzigen Waggon der britischen Bahn zwischen London und Schottland umhergondelten). Gekürzt und mit M8 Innengewinde versehen, versuchen sie sich nun in ihrem zweiten Frühling als Kolbenstangen. Das Gleitlager wurd mit Hilfe des Akkuschraubers aus einem dickwandigem Teflonrohr gedrechselt. Die Federung und Dämpfung übernehmen gekürzte und aufgebohrte ICE Elastomere (weich).

Das Innenleben der neuen Dämpfer:


Mit den neuen Dämpfern springt die Karre auf Kopfsteinpflaster jetzt nicht mehr rum wie ein besoffenes Kängeru. :D

Scheibenbremse am Hinterrad
Ich wollte im Milan, wie bei meinen Trikes, eine Parkbremse am Hinterrad. Damit lässt sich die Kiste viel leichter umparken und es besteht nicht die Gefahr, das die vordere Parkbremse eine heißgefahrene Trommel unrund verzieht. Ausserdem wollte ich die hässlichen China-Bremsgriffe mit Feststeller loswerden.

Die hintere Scheibenbremse wird mit einem einfachen Shimano-Schalthebel per Daumen betätigt.
Wenn die Schalthebel-Klemmung gelöst ist, lässt sich das Hinterrad auch während der Fahrt mit sanftem Daumendruck abbremsen. Man darfs halt nicht übertreiben. ;)


DIY-Scheibenbremsadapter aus 4mm Alublech für die Milan H-Schwinge mit TRP Spyre, 160mm Bremsscheibe, Torque arm und Tachosensor. Nicht hübsch, aber vereint 3 Funktionen und war billiger als ne neue Hinterradschwinge.

Die TRP Spyre und die 160mm Bremsscheibe machten umfangreiche Sägearbeiten am hinteren Radkasten nötig. Ein grosser Winkel aus Nylon verschliesst das Loch im Radkasten während der Fahrt. Eine zurecht geschnippelte alte Tupperdose dient zur Abdeckung der Bremsscheibe.



Vorderradaufhängung
Alle Kugelköpfe der Vorderradaufhängung sind neu. Querlenker, Spurstangen und Lenkstangen sind jetzt aus 6mm AW2007 (bei den Längslenkern hab ich mich nicht getraut).
Weil ich da vorn schon am rumwurschteln war, sind jetzt auch die Federn und Reibdämpfer der Federbeine durch passend gekürzte und gebohrte ICE Elastomere (mittelhart) ausgetauscht. Die ehemals verklebten Achsbolzen lassen sich jetzt in den Federbeinen verschieben und ermöglichen den Wechsel der Vorderräder, ohne die Federbeine ausbauen zu müssen.

Ach ja, für einen negativen Lenkrollradius ist die Längslenkerbefestigung nun an der Seitenwand des Radkastens befestigt. (Danke an @H@rry für den Tip!).



Da der Radkasten an der Seite viel zu dünn ist um die Kräfte aufzunehmen, ist auf der Innenseite ein 3mm dicker Aluwinkel mit dem Radkasten verschraubt. Bei Gelegenheit werd ich ein paar Lagen Glas oder CFK in den Radkasten pappen.



Ergebnis:
Der "brake steer" ist Geschichte. Wenn ich jetzt einseitig bremse, fährt der Milan weiter stur geradeaus.
Meine "Wohlfühlgeschwindigkeit" von ehemals knapp 60km/h, ist jetzt deutlich jenseits der 80km/h.
Es ist immer noch kein ICE Trike, aber das Lenkung gefällt mir jetzt definitiv besser.

(to be continued)
 
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Bremszugeinsteller
Inspiriert von den DIY-Bremszugeinstellern die @Gear7Lover an seinem SL nachgerüstet hat, wurden ein paar Moped-Bremszugeinsteller an die Sturmey Archer Bremsen angepasst. Besser gesagt, musste ich anpassen...
Einfach fertige Bremszugeinsteller bei Ebay ordern und unverändert einbauen, wäre ja zu einfach gewesen. :rolleyes:


vorn: der Mopped-Zugeinsteller mit M6 Gewinde, hinten der angepasste Zugeinsteller mit M4 Gewinde. Die Messingrohre mit aufgeschnittenem M4 Gewinde sind mit Locktite 601 (hochfest) eingeklebt.

In die VA-Rändelmutter ist ein Radius gefeilt. Damit rastet sie in 1/2 Umdrehungen auf dem kleinen "Tönnchen" im Bremshebel ein. So schauts montiert aus:


angepasste Lenkplatten, um Platz für den Zuggegenhalter (M5 Augenschraube mit eingesägtem Schlitz für den Bremszug)
und das Arretierungsloch der Bremsplatte zu schaffen. Der kleine Nippel rechts in der Bremsplatte ist der Anschluß für die Wasserkühlung.

Lenkhebel-Halter
Die alten Lenkhebel waren hässlich und zu dicht an den Radkästen. Ausserdem standen die VA-Niete der Lenkhebelhalter ein gutes Stück im Radkasten über. Also Niete ausgebohrt und durch Linsenschrauben mit Stopmuttern ersetzt. Jetzt ist in den Radkästen grad genug Platz für Shredda 40-406 ohne das ich mir sorgen machen muss, das die VA-Niete beim Einfedern den Reifen aufschlitzen.



Die Montage der Halter mit Schrauben ginge natürlich deutlich leichter, wenn man einen Orang-Utan zum Vorfahren hätte. Aber Oma musste ja unbedingt einen Glaser heiraten. :rolleyes:



Da das 22mm CFK-Rohr für die Lenkhebel kurzfristig zur Kettenrohr-Versteifung umgewidmet wurde, sind die neuen Lenkhebel vorerst aus Alu-Rohr. Für den nötigen Abstand zum Radkasten und Lenkhebellager dienen gekürzte Bar Ends aus hochfestem Alu. Ich find sie ganz hübsch und mit 29g pro Stück sind sie auch nicht unnötig schwer.


Wenn ich mal wieder bei Igus bestelle, gibt’s auch neue Gleitlager.

Antrieb
Patterson Metropolis

Als nächstes kam das Tretlager mit den 145mm Kurbeln und 2-fach Kettenblättern raus und wurde durch ein Patterson Metropolis 2-Gang Getriebe mit 36z Kettenrad und auf 143mm gekürzten Kurbeln ersetzt (Danke fürs kürzen @Jack-Lee!).


für den Pedelec-Sensor sind Magnete in das Kettenrad geklebt

Im 1:1,6 fachem Overdrive entspricht das 36z Kettenblatt einem 58z Kettenblatt. Umgeschaltet wird es in 1/2sek per Dia-Compe SilverShifter Hebel am Lenker. Neu geschmiert und ohne bremsende Dichtungen läuft die Patterson merklich leichtgängiger.

Die 58z reichen mit dem 11-32z Schraubkranz (Iiih!) des aktuell verbauten kleinen Bafang SWXH Nabenmotors 'oben rum' zum strampeln bis 75km/h. Eventuell kommt da noch ein leichterer (2,2kg) Bagier CST mit Kassettenaufnahme rein. Dann kann ich auf eine 11-36z Kassette gehen. Das 32z Ritzel ist schon ein bisschen Grenzwertig für meine Knie.
Falls es mich packt und ich über die Alpen klettern möchte, gäb es mit den 28z (45z) und 32z (51z) Patterson-Kettenblättern ebenfalls Alternativen.

Kettenrohre
Die alten Kettenrohre mussten Teflon-Rohren mit 16mm Innendurchmesser weichen. Gabs zwar günstig bei Ebay aus China, aber das "Rohr" ist platzsparend gefaltet im Beutel angekommen. :mad:


war im Endeffekt nicht so schlimm, die Knicke liessen sich rausföhnen. Nächstes mal kauf ich wieder bei Ebay.

Die Kettenrollen bekamen neue Kugellager und statt der ausladenden hinteren original Kettenrollenabdeckung verschwindet die Kettenrolle nun unter einer kompakten GFK/CFK-Kiste.

Ups! Hier fehlt das Bild der Kettenrollenabdeckung! Hab ich glatt vergessen zu knippsen...
(kommt später mit nem Bild der Akkus des Pedelec-Antriebs)
 
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Das sollte eigendlich: "Nächstes mal kauf ich wieder bei Ginkgo!" heissen... :confused:

Sägereien in der Karrosserie.

DF SPAI
In die Nase sollte ein Highsider Dual Stream LED-Scheinwerfer. Die Lichtlöcher mussten also eh aufgesägt werden.



Leider passt die Form der Milan-Nase nicht recht zur Form des DF SPAI. Also sägte ich das Loch schrittweise ein bisschen grösser und sägte Stück für Stück vom SPAI ab, bis die Beiden unter Druck zu einer gemeinsamen Form fanden.


das Loch nach dem zweiten oder dritten Schnitt



Passt! Nun ja... fast.


auf der Unterseite war auch so ein breiter Spalt


mit sanfter Gewalt und ein paar M3 Senkschrauben (in Titan-Scheiben) wurd dann alles gut

Die Innenansicht:


Wartungsklappen im Heck
Kurz gesagt, Loch angezeichnet, mit nem 32mm Lochschneider Löcher in die Ecken gebohrt, mit einem Metallsägeblatt auf Zug ausgesägt und dann von Hand mit Feile und Schmirgel die Schnitte begradigt.


(hier seht ihr ganz gut die Riesenlöcher im Radkasten für die Scheibenbremse und ein 36z Kassetten-Ritzel)

Aus einer 1,5mm GFK-Platte Rahmen gesägt und in die Öffnungen geklebt



Aus 1mm GFK-Platte einen Deckel gesägt, eingepasst, Löcher für die M3 Schrauben in den Deckel gebohrt und die Löcher auf den eingeklebten Rahmen übertragen. Im Rahmen M3 Nietmuttern eingesetzt und den Deckel verschraubt.

 
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So schaut der Vogel jetzt aus:



Unter dem Windabweiser ist vorläufig matt-schwarzes Gewebeband geklebt. Das verhindert wirkungsvoll ein spiegeln der weißen Haube im Windabweiser und Visier der Haube.







Nach der gestrigen ersten Regenfahrt auf der Critical Mass, ist heute erst mal "Deckel dichten" angesagt. "Tropfsteinhöhle" ist wirklich keine Übertreibung beim Mk2. Der Sichtschlitz zwischen den Visieren hat aber schon mal funktioniert.

Vor allem schützt der kleine Windabweiser auf dem Deckel, in Verbindung mit dem offenen Visier der Haube, vor fieser, kalter Zugluft an Kopf und Hals. Es kommt nur ein angenehm kühlender Luftstrahl auf der Stirn an.
 
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Hallo @Marc,
ein wirklich umfangreicher bebilderter Bericht. Für jemanden, der auch Perfektion liebt, eine Freude zu lesen und jeden Schritt zu verfolgen.
Ich wüsche Dir, viele rasante Kilometer, vor allem unfallfreie.(y):cool:
VG Norbert
 
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Hallo @Marc !
Wie hast Du den Windabweiser auf dem Deckel so schön hinbekommen ?
Stelle mir so einen, auch für meinen Sl, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft vor !(y)

Schöne Grüsse
Markus
 
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@Pettersson Die Radien hab ich mit einer 24" (oder 26"?) Felge* als "Lineal" auf der Makrolon-Platte aufgezeichnet und mit der Küchenschere ausgeschnitten. Vorn in der Mitte des Windabweisers ist eine "Lasche", die mit durchsichtigem, doppelseitigem Klebeband auf der Haube klebt. An den hinteren Seiten sind die Laschen mit den Spiegeln auf der Haube verschraubt.

*Nachtrag:
Bei der Oberkante des Windabweisers, bin ich mir nicht mehr sicher ob ich zum anzeichnen eine 24" oder 26" Felge genommen habe. Für die Radien zwischen der vorderen Lasche und den Seitenlaschen war es jedenfalls eine 24" Felge.
 
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Wenn ich das sehe und lese....super Arbeit.!!!!! mache auch das eine oder andere an meinen VM....NUR, ich arbeite NICHT soooo sauber und professionell sondern einfach mal eben schnell drauf los...heißt, am Milan gemessen....angezeichnet....Loch/Wartungsöffnung reingesägt....Kanten geschmirgelt, dann ausgeschnittenen Deckel mit Tape ins Loch wieder eingeklebt und 30min später mit dem Milan zur Arbeit gefahren..das war vor zwei Wochen, seitdem nicht mehr angefasst bzw. dran gedacht das schöner zu gestalten mit dem Deckel...aber nun wenn ich das oben sehe....hab auch rechteckig mit runden Ecken gesägt...Danke Marc für die Bilder!!!
 
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Moin @Marc,

Genau diesen Umfang an Umbauarbeiten hatte ich auch erkannt. Daher Glückwunsch für die erfolgreiche Umsetzung. Ich hätte das so niemals hinbekommen.
Trotzdem die eine oder ander Anmerkung. Mit dem Windabweiser i.V.m. der Haube wirst du im Winter keine lange Freude haben. Wenn der Windabweiser beschlägt oder wenn Dein Visier beschlägt wirst du Probleme bekommen. Der Windabweiser in seiner Bauform ohne Haube nur genial und werde ich so für den Sommer mal nachbauen. Wie du schon richtig angemerkt hast, wir der Luftzug über den Kopf geleitet.

Aerodynamisch wird die der Windabweiser im oberen Geschwindigkeitsbereich einiges kosten.

Ich kann dir belüftungstechnisch nur ein NacaDuct empfehlen und die Haube so weit wie möglich geschlossen halten. Auch ohne Haube bringt das NacaDuct die notwendige Belüftung im oberen Bereich.

Du solltest an der Steifigkeit arbeiten. Alle bisherigen Maßnahmen ändern nichts daran, dass der GlasMilan besonders in der GT Dimension nicht besonders steif ist. Wenn du die Oberschenkel zwischen den Radkästen klemmst und mal mit Kraft hin und her wackelst wirst du verstehen, was ich meine.
Wir sollten uns mal treffen und dann setz dich mal in meinen Carbon Milan. Dann weist du was ich meine. Deinen Milan steifer zu bekommen ist kein Hexenwerk und bei Deiner handwerklichen Begabung leicht umzusetzen. @AntoineH hat da bereits sehr gute Ideen. Räderwerk bietet Versteifungen zwischen Radkasten und dem Rumpf an. Diese werden in .ro gefertigt und sind derzeit noch nicht lieferbar. Dass soll sich aber zeitnah ändern. Ich werde demnächst noch die vordere Umlenkrolle zum Radkasten hin versteifen.

Gruß
Axel
 
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@Axel-H Bei den paar Watt die ich zur Zeit trete, verzieht sich am Milan noch nichts. ;)
Mal schauen ob mein Trainigszustand am Ende des Sommers ein paar Versteifungen nötig macht.

Zur Schonung der Knie (thats my story and I'll stick to it! :D) beim anfahren und "klettern" steckt ja noch ein kleiner Nabenmotor im Hinterrad. Die 250W zusätzliche Leistung machen das anfahren schon deutlich einfacher. Grad im Stadverkehr ist der kleine "elektrische Rückenwind" sein Gewicht (600Wh bis ...hüstel... 2kWh Akku :whistle:) in Gold wert.

Die Staukästen vor den Radkästen interessieren mich noch. Zum einen für den zusätzlichen Stauraum, zum anderen um etwas mehr Gewicht (Werkzeugtasche, Wasserflaschen, etc) auf die Vorderräder zu bekommen. Beim harten bremsen aus hoher Geschwindigkeit blockieren mir die Vorderräder noch zu schnell.

Dein Angebot, deinen Carbon-Milan anzuschauen nehm ich natürlich gern an!

Windabweiser:
Gestern, bei der ersten Regenfahrt, waren Visier und Windabweiser voller Tropfen und am Ende beschlug auch der Windabweiser von innen. Zudem war es Nacht. Ne vernünftige Sicht hatte ich eigendlich nur durch den Sichtspalt.
Insgesamt alles andere als schön und definitiv verbesserungswürdig, aber noch leidlich gut zu händeln. Am besten war dabei, das ich trotz relativ kühler Luft nicht mal eine Mütze brauchte. Ohne Windabweiser wären mir bei offenem Visier die Ohren abgefroren.

Aerodynamisch wird die der Windabweiser im oberen Geschwindigkeitsbereich einiges kosten.
Ach du scheisse, ohne Windabweiser wird der Milan mit der Haube noch schneller?! :eek:
:D:ROFLMAO:
 
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