Liegeradfahren mit zwei Hüftgelenkprothesen, Erfahrungen?

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Moin Freunde,
wenn man zum Thema Fahrrad-/Rennradfahren mit Hüftgelenkprothesen googelt findet man viele Erfahrungsberichte und Tips. Wobei letztere manchmal widersprüchlich sind. Meine Frage: Gibt es auch von Liegerad-Fahrenden unter uns dazu Erfahrungen?
Konkret geht es um ernsthafte Überlegungen einer Bekannten*, sie fährt seit vielen Jahren ausschließlich Trikes sowie ihr knickgelenktes Flevobike, sich beide Hüftgelenke durch Prothesen ersetzen zu lassen. Es interessiert, ob beim Liegeradfahren mit Hüftgelenkprothesen Einschränkungen zu erwarten sind. Den Tip mit kürzeren Kurbeln las ich mehrfach. Nur fährt sie sowieso schon sehr lange mit 155mm-Kurbeln.
Gruß aus Münster,
bis denne,
HeinzH.

*Klar weiß der eine oder andere Münsteraner wer gemeint ist.
 
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Meine Schwester hat Hüftgelenk- und Knieprothesen. Ihr wurde geraten vom Up auf ein Liege-Trike umzusteigen, da hier die Belastung dieser Gelenke deutlich geringer sei und vor allem keine plötzlichen seitlichen Abstütz-Bewegungen vorkommen. Allerdings wurde ihr von Trikes mit einem im Vergleich zum Sitz überhöhten Tretlager abgeraten - sie sollten wenigstens auf gleicher Höhe liegen oder besser noch das Tretlager tiefer als der Sitz, um den für die geringste Belastung der Prothesen optimalsten Winkel zu ergeben. Originalton Arzt: "Je mehr sie dabei wie in einem Sessel sitzen, desto besser". Kurze Kurbeln sind dabei ebenfalls ein plus, um den Winkel der Oberschenkel zur Hüfte beim oberen Totpunkt möglichst gering zu halten. Außerdem wurde ein Motor empfohlen (mit Gasgriff-Anfahrhilfe), um gerade in der Anfangsphase die Belastung der verbindung Prothese-Knochen möglichst niedrig zu halten.

Sie hat sich an diese Ratschläge gehalten und es klappt super.
 
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Wenn's auch um das Unfallrisiko am Hüftgelenk geht:
Mögliche Folgen für die Hüfte können einfache Protektoren durchaus deutlich reduzieren.
 

roland65

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Mögliche Folgen für die Hüfte können einfache Protektoren durchaus deutlich reduzieren.
Bei Sturz drauf schon, aber nicht die plötzlichen Abstützbewegungen der Füße selbst.

Ist auch eine Frage der OP-Technik. Von vorne schaut das auch in der Nachbehandlung ganz anders aus als von der Seite.
Winkel der Oberschenkel zur Hüfte
Ist auch abhängig von der Sitzneigung. 35 Grad Sitzneigung mit 15 cm Überhöhung dürfte in der Hüfte vmtl offener sein als 85 Grad bei 0 Überhöhung. Gegenüber RR sitze ich auf dem sportlichen Hi-Trike deutlich offener.
Aufpassen muss man nach meinem Sitzgefühl eher, dass der Sitz oder dicke Matte nicht auf den Hüftkopf drückt und damit Schubkräfte erzeugt.
 
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Ist auch abhängig von der Sitzneigung. 35 Grad Sitzneigung mit 15 cm Überhöhung dürfte in der Hüfte vmtl offener sein als 85 Grad bei 0 Überhöhung.
Die Überhöhung hat wohl laut Arzt nix mit "offener oder geschlossener" Sitzen zu tun, sondern mit der Belastung auf die Gelenke bedingt durch die Richtung, in die die Kräfte wirken. Null Überhöhung ist auch zu wenig, es sollte eher ein negativer Wert sein (siehe z. B Hase Lepus), also Tretlager niedriger als Sitzhöhe. Alles andere bringt wohl zuviel Druck auf die Hüfte.
 
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Ich habe mal an einer 100-km-Wanderung in 24 Stunden teilgenommen. Einer der Teilnehmer hatte zwei Hüftgelenksprothesen. Er war deutlich flotter unterwegs als ich, und er macht so etwas öfters.
Ich denke, daß die Belastung bei so einer Wanderung deutlich höher ist als beim Liegeradfahren. Ich empfand jedenfalls die Wanderung als wesentlich anstrengender als einen 600er Brevet.
Das ist natürlich immer eine Frage des Trainings, und man darf auch nichts verallgemeinern. Aber ich denke, wenn Hüftsgelenksprothesen so etwas aushalten, sollte es beim Liegeradfahren erst recht keine Probleme geben.
 
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Ich fahre im Moment fast nur Dreirad, weil ich zwar keine Hüft-TEP habe, sondern mir Mitte September den Oberschenkelhals zerknackt hatte. Dreiradfahren mit kurzen Kurbeln und kleinem Kettenblatt ging schon in Woche 2 nach der OP wieder ganz gut (natürlich ohne viel Leistung) und ich hatte in meiner Reha (3 bis 6 Wochen nach der OP) auch das Dreirad mit und grundsätzlich standen die Ärzte da dieser Form des Radfahrens auch in der kurzen Zeitspanne nach dem Unfall positiv gegenüber. Mir fällt es im Moment noch schwer, auf ein Aufrechtrad mit richtig eingestellter Sattelhöhe aufzusteigen und das Fahren an sich fühlt sich auf dem Lieger auch angenehmer an (keine Schmerzen o.ä.) als auf dem Upright, wo ich danach zumindest leichte Schmerzen spüre, weil wahrscheinlich die Belastung durch Ausgleichsbewegungen komplexer ist.

Ich würde ganz klar zum Dreirad raten: Die Angst zu fallen oder sich doof abstützen zu müssen ist viel geringer und man kann eher nach der OP wieder sorgenfreier radfahren, was der Heilung sehr zuträglich ist.
 
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Hi @HeinzH.,

ich habe 2 künstliche Hüftgelenke.
Das einzige, was ich damit nicht machen würde ist: Karate und vom Garagendach springen.
Die Lehrbuch sagt etwas anderes, aber das interessiert mich wenig. Z. B. Treppen gehen wie eine alte Oma und immer schön am Geländer festhalten usw. Ich kenne privat eine Orthopädin, die mich berät und mir 2 gute Ärzte empfohlen hat, die mich gut beraten haben, einer davon hat mich dann operiert. Minimalinvasiv, Narbe 8 cm lang usw. Ich kann z. B. meine "gewaltige Sprintleistung"von 350 Watt voll drauf geben, da lachen die Titan-Dinger drüber. Man sollte auch nicht Tennis spielen, wegen des Abstoppens, es gibt aber Leute, die tun es trotzden und haben keine Probleme, das ist natürlich eigenes Risiko. Meine neuen Hüften betrachte ich als meine eigenen, die alten waren Schrott. Nie mehr Schmerzen, volle Bewegungsfreiheit, ich fühle mich 10 Jahre jünger. Ich weiß, so kann nur einer reden, der es hinter sich hat, keiner möchte es, aber ein Leben mit diesen Schmerzen kann auch unerträglich werden. Ich war in Duisburg operiert worden. Den Rest gerne per Unterhaltung.

Winni
 
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Beobachtungen aus der Verwandtschaft:
  • Diese OPs sind absolute Routine und problemlos.
  • Trotzdem kann es vorkommen, dass die Prothese nicht richtig sitzt und man langfristig Probleme bekommt. D.h. erfahrene Ärzte sind sehr wichtig.
  • Prothesen verschleißen. Früher hat man tendenziell die erste OP herausgezögert, um nicht in seinem Leben mehrfach operiert werden zu müssen bzw. so eine OP nicht mehr möglich ist. Das scheint heute kein großes Problem mehr zu sein, vielleicht muss weniger weit ausgefräst werden als früher und damit bleiben mehr Reserven für eine 2. OP.
  • => Langfristig ist es wichtiger, sich früh operieren zu lassen und fit zu bleiben, statt abzuwarten und vor Schmerzen sich gar nicht mehr zu bewegen. Und wenn man fit ist (d.h. auch die Knochen nicht abgebaut haben), ist eine 2. OP auch problemloser als wenn die neue Prothese in einen zu weichen/instabilen Knochen eingebaut werden muss.
 

roland65

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Wenn man überlegt, wie hoch die Lasten beim Treppabgehen ist, dann macht man sich hier nicht mehr allzuviel Sorgen. In der trainingsorientierten Physio ist klar, dass die Belastung über der Alltagslast liegen muss, sonst passiert überhaupt nichts. Das richtig zu dosieren ist sicher eine gewissen Kunst.
Lehrbuch sagt etwas anderes
was sich heute gerne Leitfaden nennt. Ärzte die was anderes empfehle begehen danach quasi schon einen Kunstfehler. Es wurde aber schon nachgewiesen, dass sich die Versorgung durch die Leitfäden nicht unbedingt verbessert hat, weil ja nicht alle Menschen gleich sind. Was für den einen richtig ist, kann den anderen schon überlasten. Ich halte individuelle Therapie für das richtige.

Konkret - Trike ausleihen, damit länger fahren und dann entscheiden, welches sich gut anfühlt, keine Beschwerden erzeugt und gut.
 
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