Ich wollte eigentlich ein MBB aus alten Teilen bauen...

Dieses Thema im Forum "Liegeräder" wurde erstellt von Höhlenstein, 10.07.2019 um 23:08 Uhr.

  1. Höhlenstein

    Höhlenstein

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    Hallo an alle Liegeradfreunde!
    Da ich viele Fahrräder besitze und bastelaffin bin, war es nur eine Frage der Zeit, bis mich das Thema MBB-Eigenbau einholt. Eine relativ gut sortierte Werkstatt und neuerdings sogar ein Schweissgerät sind vorhanden und es haben sich haufenweise alte Rahmen und sonstige Teile angesammelt, die ich verwenden kann.
    Also wollte ich den klassischen Weg nach dem CruzeBike-Prinzip gehen...und habe mit verschiedenen Rahmen und Hinterbauten für den Frontantrieb experimentiert. Irgendwas war immer...
    Die Klassiker sowieso: Sitzhöhe zu hoch, Tretlagerüberhöhung zu gering, Nachlaufprobleme usw., usf...
    Da ist mir mein "kleines Schwarzes" ins Auge gefallen, was ich in Frühjahr erst aufgebaut habe. Leider erfüllt es meine Erwartungen an ein Tourenrad nicht, da es nicht so läuft, wie ich das von meinen anderen Liegen gewöhnt bin. Ich habe alles optimiert, aber die 20 Zoll-Räder und die Kettenführung setzen da doch Grenzen.
    IMG_20190110_144107_01.JPG

    Hier ein Bild, um sich einen Eindruck zu machen. Natürlich hatte ich später z.B. ein besseres Vorderrad mit schmalerem Reifen drin. Nutzte alles nix...

    Heute Nachmittag hat mich die Bastelwut gepackt und jetzt sieht es so aus:
    IMG_20190710_205851.JPG
    Hinten einen alten 28er Hinterbau passend gemacht und drangebrutzelt. Vorn 26" mit Federgabel und hinten 28" - das sollte besser laufen! Es ist noch im Probierstadium, wenn ich sicher bin, dass es so bleibt, kommen die alten 20" Kettenstreben natürlich ab.
    Radstand 150cm (sehr lang,ich weiß - da ich aber eher der ruhige Tourenfahrer bin, passt das), Nachlauf 6cm, Sitzhöhe 65cm, Tretlagerüberhöhung 13cm. Vorderrad ist "pedalfrei"(eingefedert), was die Füße da machen, muss ich ausprobieren. Meine Hoffnung: ein komfortables, halbwegs schnelles Rad, das auch vor Pflasterstrecken und Feldwegen nicht kapituliert oder bei rauhem Geläuf rapide Tempoeinbrüche an den Tag legt.
    Vielleicht werde ich noch einen Unterzug anschweissen, damit der Rahmen das aushält.
    Ich werde weiter berichten...

    Schönen Abend,

    Holger
     
  2. Krischan

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    Das ist eine interessante Verlängerung der hinteren Ausfallenden, um von 20 auf 26" zu komm, 7,5 cm...
    Verblüffte Grüße,
    Krischan
     
  3. Höhlenstein

    Höhlenstein

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    Effektiv sind es mehr als 7,5 cm, nämlich 18, weil ich den 28er Hinterbau schon etwas nach hinten versetzt in den Rahmen geschweisst habe. Jetzt muss ich neue Zughüllen holen - so lange hab' ich nicht liegen.

    LG Holger
     
  4. Opti

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    Dess krank, musste mir das länger angucken um überhaupt zu verstehen was da passiert ist.
    (y)
     
  5. Felix

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    Warum hast du es so lang gemacht, da wäre doch genug Platz gewesen das 28er an die gleiche Stelle zu machen, nur etwas tiefer wegen Lenkwinkel?
     
  6. Höhlenstein

    Höhlenstein

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    Das 28er hätte nicht gutban dieselbe Stelle gepasst.
    Nach reiflicher Überlegung und vielen Meßdurchgängen habe ich mich für diese Variante entschieden, da so auch durch die Anbindung des Unterrohres vom alten silbernen Rahmen auch die seitliche Stabilität des neuen Konstruktes gesichert ist, hoffe ich jedenfalls.
    Der angesprochene Lenkwinkel ist original geblieben. Dabei habe ich die Federgabel ca. 2cm eingefedert, das 26er Rad vorn und das 28er hinten berücksichtigt mit dem Ziel, den Rahmen in der horizontalen Neigung nicht zu verändern sondern nur "höher zu legen".
    Nach meinen Messungen hat das absolut funktioniert.
    Angenehmer Nebeneffekt dieser Bauweise ist die Möglichkeit, 2 Taschen auf dem klassischen Gepäckträger und 2 zusätzliche hinter dem Sitz unterzubringen, ohne mit der Kette zu kollidieren. Das ist für den geplanten Einsatzzweck als Touren/Reiserad nicht zu verachten. Da muss das Schweißgerät nochmal 'ran - aber Platz ist genug!
    Ich hoffe, am WE die ersten Fahrversuche machen zu können.

    LG Holger
     
  7. Höhlenstein

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    So - Baufortschritt zu vermelden...
    Schaltung wird eine Alfine8 mit zwei Kettenblättern. Minimale Entfaltung ca. 1.7m. Wenn das nicht reicht, wird geschoben, Basta.

    IMG_20190712_161849.jpg
     
  8. einrad

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    Wenn Du schon so am Schweissen bist:
    Einer Alfine kannst Du aus 2 gekröpften Ritzeln ein doppeltes Ritzel mit 2 Zähnen Unterschied (selbst) bauen.

    Bei 2 Zähnen Unterschied halbiert das recht genau die Abstufung der Nabenschaltung.
    Bedienung z.B. über alten Rennrad Schalthebel jeweils auf Anschlag rauf/runter.

    Gruß, Harald
     
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  9. Höhlenstein

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    Danke für den Tipp - ich überlege tatsächlich ein 28er Kettenblatt an ein Ritzel für die Nabenschaltung zu schweißen - 24 ist ja das größte handelsübliche. Mal schauen...
     
  10. Thomas Neubauer

    Thomas Neubauer

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  11. Höhlenstein

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    Super Tipp - danke vielmals!

    LG Holger
     
  12. einrad

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    Da solltest Du kontrollieren, ob Du das maximal zulässige Drehmoment nicht überschreitest.

    Shimano gibt das als max. zulässige Übersetzung an, gemeint ist aber eigentlich das Drehmoment, (= "die Kraft") mit der das Getriebe belastet wird.

    Kleines Kettenblatt oder großes Ritzel wären also schon OK, wenn man dann nur schwach reintritt. Ob man das dann aber in der Praxis immer einhält? Wenn das Rad für einen Erwachsenen ist, nicht für ein Kind?
     
  13. Höhlenstein

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    Danke, aber das ist mir bewusst. Das Eingangsdrehmoment wird bei mir als "Schwach- und Schnelltreter" mit Knieproblemen beim Liegerad eh nicht annähernd so hoch, wie beim Aufrechtrad, wo durch Wiegetritt und beim Anfahren ganz andere Lastspitzen auftreten.
    Wenn sich das Rad in der Praxis bewähren sollte, habe ich eh vor, eine Rohloff einzubauen. Da wäre dann der Umwerfer überflüssig, die Kettenführung besser - und über mögliche Überlastung des Getriebes muss man sich auch keine Gedanken mehr machen...

    LG Holger
     
  14. Höhlenstein

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    So - Probefahrt gemacht. Das Gute zuerst: Fahrverhalten und - Komfort 1a!
    Enge Kurven sind naturgemäß kaum möglich bei 1.5 m Radstand...
    Kettenführung optimierungsbedürftig, da geht viel Energie flöten. In Kombination mit der Schaltnabe ergibt das ein Erlebnis der sehr zähen Art!
    Gewicht übrigens 23 kg. Ohne Gepäckträger und Schutzbleche.
    Hätte schlimmer kommen können...

    LG Holger
     
  15. Höhlenstein

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    Bin heute nochmal über 30 km gefahren und habe das Gefährt auf Abfahrten, schlechten Bahnübergängen und Feldwegen auf Herz und Nieren getestet.
    Die Eindrücke von gestern bestätigen sich - die Liege läuft einwandfrei geradeaus! Ich habe mich dabei ertappt, eine Hand lässig auf dem Bauch liegen zu haben, was ich so bisher nicht kannte. Ich kann ab ca. 20 km/h kurz, bei 30 sogar richtig kontrolliert freihändig fahren, was mir bis jetzt bei keinem Liegerad gelungen ist - super!
    Der Komfort ist ebenfalls sehr hoch - da freut man sich auf lange Stecken!
    Die Alfine hab' ich rausgeschmissen und werde es erstmal mit Kettenschaltung versuchen. Zur Not hätte ich dann noch ein Rohloff-Hinterrad, wofür ich aber ein anderes Rad umbauen müsste...
    Bergauf macht wenig Spaß und überhaupt ist das Ding eben ein schwerer Reisedampfer...
    Gewöhnungsbedürftig ist der mögliche Kontakt zwischen Vorderrad und Füßen.
    Daran gewöhnt man sich aber recht schnell.
    Fazit: komfortables Reiserad mit
    hoher Packkapazität und Fahrsicherheit.
    Die Leute schauen sehr interessiert und außerdem ist es selbstgemacht!

    LG Holger
     
    Racertje gefällt das.


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