Ich wollte eigentlich ein MBB aus alten Teilen bauen...

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Hallo an alle Liegeradfreunde!
Da ich viele Fahrräder besitze und bastelaffin bin, war es nur eine Frage der Zeit, bis mich das Thema MBB-Eigenbau einholt. Eine relativ gut sortierte Werkstatt und neuerdings sogar ein Schweissgerät sind vorhanden und es haben sich haufenweise alte Rahmen und sonstige Teile angesammelt, die ich verwenden kann.
Also wollte ich den klassischen Weg nach dem CruzeBike-Prinzip gehen...und habe mit verschiedenen Rahmen und Hinterbauten für den Frontantrieb experimentiert. Irgendwas war immer...
Die Klassiker sowieso: Sitzhöhe zu hoch, Tretlagerüberhöhung zu gering, Nachlaufprobleme usw., usf...
Da ist mir mein "kleines Schwarzes" ins Auge gefallen, was ich in Frühjahr erst aufgebaut habe. Leider erfüllt es meine Erwartungen an ein Tourenrad nicht, da es nicht so läuft, wie ich das von meinen anderen Liegen gewöhnt bin. Ich habe alles optimiert, aber die 20 Zoll-Räder und die Kettenführung setzen da doch Grenzen.
IMG_20190110_144107_01.JPG


Hier ein Bild, um sich einen Eindruck zu machen. Natürlich hatte ich später z.B. ein besseres Vorderrad mit schmalerem Reifen drin. Nutzte alles nix...

Heute Nachmittag hat mich die Bastelwut gepackt und jetzt sieht es so aus:
IMG_20190710_205851.JPG

Hinten einen alten 28er Hinterbau passend gemacht und drangebrutzelt. Vorn 26" mit Federgabel und hinten 28" - das sollte besser laufen! Es ist noch im Probierstadium, wenn ich sicher bin, dass es so bleibt, kommen die alten 20" Kettenstreben natürlich ab.
Radstand 150cm (sehr lang,ich weiß - da ich aber eher der ruhige Tourenfahrer bin, passt das), Nachlauf 6cm, Sitzhöhe 65cm, Tretlagerüberhöhung 13cm. Vorderrad ist "pedalfrei"(eingefedert), was die Füße da machen, muss ich ausprobieren. Meine Hoffnung: ein komfortables, halbwegs schnelles Rad, das auch vor Pflasterstrecken und Feldwegen nicht kapituliert oder bei rauhem Geläuf rapide Tempoeinbrüche an den Tag legt.
Vielleicht werde ich noch einen Unterzug anschweissen, damit der Rahmen das aushält.
Ich werde weiter berichten...

Schönen Abend,

Holger
 
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Das ist eine interessante Verlängerung der hinteren Ausfallenden, um von 20 auf 26" zu komm, 7,5 cm...
Verblüffte Grüße,
Krischan
 
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Effektiv sind es mehr als 7,5 cm, nämlich 18, weil ich den 28er Hinterbau schon etwas nach hinten versetzt in den Rahmen geschweisst habe. Jetzt muss ich neue Zughüllen holen - so lange hab' ich nicht liegen.

LG Holger
 
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Warum hast du es so lang gemacht, da wäre doch genug Platz gewesen das 28er an die gleiche Stelle zu machen, nur etwas tiefer wegen Lenkwinkel?
 
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Das 28er hätte nicht gutban dieselbe Stelle gepasst.
Nach reiflicher Überlegung und vielen Meßdurchgängen habe ich mich für diese Variante entschieden, da so auch durch die Anbindung des Unterrohres vom alten silbernen Rahmen auch die seitliche Stabilität des neuen Konstruktes gesichert ist, hoffe ich jedenfalls.
Der angesprochene Lenkwinkel ist original geblieben. Dabei habe ich die Federgabel ca. 2cm eingefedert, das 26er Rad vorn und das 28er hinten berücksichtigt mit dem Ziel, den Rahmen in der horizontalen Neigung nicht zu verändern sondern nur "höher zu legen".
Nach meinen Messungen hat das absolut funktioniert.
Angenehmer Nebeneffekt dieser Bauweise ist die Möglichkeit, 2 Taschen auf dem klassischen Gepäckträger und 2 zusätzliche hinter dem Sitz unterzubringen, ohne mit der Kette zu kollidieren. Das ist für den geplanten Einsatzzweck als Touren/Reiserad nicht zu verachten. Da muss das Schweißgerät nochmal 'ran - aber Platz ist genug!
Ich hoffe, am WE die ersten Fahrversuche machen zu können.

LG Holger
 
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Wenn Du schon so am Schweissen bist:
Einer Alfine kannst Du aus 2 gekröpften Ritzeln ein doppeltes Ritzel mit 2 Zähnen Unterschied (selbst) bauen.

Bei 2 Zähnen Unterschied halbiert das recht genau die Abstufung der Nabenschaltung.
Bedienung z.B. über alten Rennrad Schalthebel jeweils auf Anschlag rauf/runter.

Gruß, Harald
 
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Danke für den Tipp - ich überlege tatsächlich ein 28er Kettenblatt an ein Ritzel für die Nabenschaltung zu schweißen - 24 ist ja das größte handelsübliche. Mal schauen...
 
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ein 28er Kettenblatt
Da solltest Du kontrollieren, ob Du das maximal zulässige Drehmoment nicht überschreitest.

Shimano gibt das als max. zulässige Übersetzung an, gemeint ist aber eigentlich das Drehmoment, (= "die Kraft") mit der das Getriebe belastet wird.

Kleines Kettenblatt oder großes Ritzel wären also schon OK, wenn man dann nur schwach reintritt. Ob man das dann aber in der Praxis immer einhält? Wenn das Rad für einen Erwachsenen ist, nicht für ein Kind?
 
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Danke, aber das ist mir bewusst. Das Eingangsdrehmoment wird bei mir als "Schwach- und Schnelltreter" mit Knieproblemen beim Liegerad eh nicht annähernd so hoch, wie beim Aufrechtrad, wo durch Wiegetritt und beim Anfahren ganz andere Lastspitzen auftreten.
Wenn sich das Rad in der Praxis bewähren sollte, habe ich eh vor, eine Rohloff einzubauen. Da wäre dann der Umwerfer überflüssig, die Kettenführung besser - und über mögliche Überlastung des Getriebes muss man sich auch keine Gedanken mehr machen...

LG Holger
 
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So - Probefahrt gemacht. Das Gute zuerst: Fahrverhalten und - Komfort 1a!
Enge Kurven sind naturgemäß kaum möglich bei 1.5 m Radstand...
Kettenführung optimierungsbedürftig, da geht viel Energie flöten. In Kombination mit der Schaltnabe ergibt das ein Erlebnis der sehr zähen Art!
Gewicht übrigens 23 kg. Ohne Gepäckträger und Schutzbleche.
Hätte schlimmer kommen können...

LG Holger
 
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Bin heute nochmal über 30 km gefahren und habe das Gefährt auf Abfahrten, schlechten Bahnübergängen und Feldwegen auf Herz und Nieren getestet.
Die Eindrücke von gestern bestätigen sich - die Liege läuft einwandfrei geradeaus! Ich habe mich dabei ertappt, eine Hand lässig auf dem Bauch liegen zu haben, was ich so bisher nicht kannte. Ich kann ab ca. 20 km/h kurz, bei 30 sogar richtig kontrolliert freihändig fahren, was mir bis jetzt bei keinem Liegerad gelungen ist - super!
Der Komfort ist ebenfalls sehr hoch - da freut man sich auf lange Stecken!
Die Alfine hab' ich rausgeschmissen und werde es erstmal mit Kettenschaltung versuchen. Zur Not hätte ich dann noch ein Rohloff-Hinterrad, wofür ich aber ein anderes Rad umbauen müsste...
Bergauf macht wenig Spaß und überhaupt ist das Ding eben ein schwerer Reisedampfer...
Gewöhnungsbedürftig ist der mögliche Kontakt zwischen Vorderrad und Füßen.
Daran gewöhnt man sich aber recht schnell.
Fazit: komfortables Reiserad mit
hoher Packkapazität und Fahrsicherheit.
Die Leute schauen sehr interessiert und außerdem ist es selbstgemacht!

LG Holger
 
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Hallo Holger,

Schon das du immer weiter machst bis es dir gefallt. So bis zum kettenrolle unter dem sitz gefallt es mir auch sehr gut. Entschuldige wenn ich jetzt zu direkt bin, aber es geht noch besser. Die konstruction mit sitz federung ist schon sehr ungewohn. Ich hoffe unter den sitz ist noch was metal versteckt? Denn das halt kein sitz lange aus. Ausserdem bewirkt druck auf das pedal ein einfedern vom sitz. Da wird also kraft verschenkt. Mit etwas kreativitat und ein bisschen extra eisen, lasst sich das ding um 25 cm kurzen, und erheblich leichter bauen.

Im hinterteil konnte ein dreieck entstehen was kettenrolle, obere sitzbefestigung und nabe verbindet.

Wenn im budget noch etwas platz ist wurde ich die reifen gegen conti speedcontacts tauschen. Das lauft bestimmt besser als was jetzt drauf ist.


Das schone an selbstau ist das mann gute ideeen auch selber realisieren kann.

Grusse, Jeroen
 
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Hallo Jeroen!

Kein Problem - ich mag's direkt! Und außerdem ist es ja sachlich (fast) richtig, was Du schreibst.
Was den Sitz angeht, kann ich Dich beruhigen: es ist ja nur der Sitz gefedert, die Schale hat also nicht mehr auszuhalten als bei jedem anderen Liegerad auch. Er ist auf dem Ausgangsrad so montiert gewesen und hat bereits viele Jahre und Kilometer gehalten. Den Sinn der Sache sehe ich darin, das Federelement so straff einzustellen, dass es sich beim Treten nicht bewegt, sondern nur beim Abfangen der übelsten Stöße einfedert, die sonst komplett auf die Befestigung hauen würden. Also eher Schonung von Mensch und Material als Verschwendung von eingebrachter Energie...
Das mit dem Kürzen stimmt - wäre möglich. Aber ich hab's ja mit Absicht so lang gemacht...zum Teil vielleicht auch aus Bequemlichkeit...
So konnte ich den alten Hinterbau zum Teil noch mit verwenden und musste an der Sitzbefestigung (mit der ich in der Praxis recht zufrieden war) nix ändern.
Durch den extralangen Hinterbau kann ich nämlich tatsächlich 4 Taschen hinter dem Sitz unterbringen und unterm Sitz zur Not auch noch was...das hat mich gereizt!

Zur Bereifung kann ich Dir sagen, dass mir der Speed-Contact, oder Contact-Speed, wie er jetzt wohl heisst, auch schon durch den Kopf gegangen ist. Kostet auch nicht die Welt, aber ich wollte mein Tourenschiff auch auf mecklenburgischen Pflasterstraßen bewegen können, ohne dass mir die Plomben 'rausfallen - also hab' ich schmale Bereifung erstmal generell abgewählt.
Wenn es so ausgeht, dass das Rad nicht benutzt wird, weil es zu lang, zu schwer, zu langsam ist, dann ist das nächste Bastelprojekt ein Rad, was das alles besser kann und da werde ich dann die gemachten Vorschläge auf alle Fälle berücksichtigen - oder eben wirklich ein MBB bauen...

LG Holger
 
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Gestern hatte mein selbstgebratener Eigenbau seine erste große Bewährungsprobe zu bestehen. Ich wollte mich in Thiendorf mit einem Kollegen treffen und dann über Senftenberg in Richtung Norden fahren. Ziel war es, wenn möglich bis in den Spreewald - und wieder heim - zu kommen...
Es hat geklappt! Das Ding ist absolut langstreckentauglich, limitierender Faktor war der Fahrer - in dem Falle ich.
Auf der Hinfahrt hatten wir bei gemütlicher, eher einer Radwanderung angemessener Gangart einen Schnitt von reichlich 19 km/h zu verzeichnen - wenn man berücksichtigt, dass meine "Liegeradmuskeln" nach fast 2 Jahren Abstinenz und erst 300 km in dieser Saison noch als verkümmert zu bezeichen sind, absolut in Ordnung. Über den Rückweg breiten wir lieber den Mantel des Schweigens...
Fahrverhalten sehr gut, Kurvenradien durch den langen Radstend gern etwas größer, Komfort 1A!
Das Problem mit der Kettenführung habe ich durch Einbau des Rohloff-Hinterrades zumindest abmildern können. Ich glaube, dass ein gewisses pappiges Gefühl einfach dem schieren Gewicht der Fuhre und meinem ausbaufähigen Trainingszustand geschuldet ist.
Die 2 Kettenblätter (44/34) habe ich dran gelassen - ich schalte am Berg erstmal bis Gang 8...dann auf das kleine Blatt - und erst, wenn gar nix mehr geht, nutze ich die "Mahlgänge" 7-1 der Nabe, die in diesem Rad mit seinem hohen Schaltaufwand bestens aufgehoben ist!
In der Gegend um Altdöbern finden sich dann richtige Anstiege - an einem bis zu 12% laut Schild! Da hab' ich die schwere Mühle dann geschoben - das einzige Mal, ehrlich! Ansonsten haben wir uns gemeinsam alle Anstiege hochgearbeitet - auf dem Rückweg sogar die steilsten Stücke in besagter Gegend.
Ich war subjektiv zwar körperlich schon total fertig, aber offensichtlich hat die Muskulatur schon während der letztlich dann 249km langen Tour begonnen, sich an die geänderten Gegebenheiten anzupassen. Faszinierend!
Heute merke ich - abgesehen von ein paar bisher unbekannten Muskeln(oder besser: Muskelabschnitten) - absolut nichts von der doch recht ambitionierten Ausfahrt, die sich dann doch bis in die frühen Morgenstunden hinzog. Noch faszinierender!
Sehr aufbauend waren auch die Kommentare zum Rad. Mein Favorit: Ein Motorradfahrer weit nach Mitternacht an der Tanke in Thiendorf: "Kommste mit dem Ding von der Autbahn?" - schon deswegen hat es sich gelohnt, das Schweißgerät zu kaufen!

LG Holger
 
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Ich glaube, dass ein gewisses pappiges Gefühl einfach dem schieren Gewicht der Fuhre und meinem ausbaufähigen Trainingszustand geschuldet ist.
Das ist sicher ein Teil der Geschichte.
Ausserdem bewirkt druck auf das pedal ein einfedern vom sitz. Da wird also kraft verschenkt.
Und das wohl auch...
Der 2te Punkt lässt sich leicht ändern, indem Du einen sperrbaren Dämpfer nimmst.
Dann kannst Du bei höherer Geschwindigkeit offen fahren, bei Anstiegen aber zumachen und weniger Kraft an den Dämpfer verlieren.
 
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Ich hatte das Federbein schon probeweise durch Flacheisen ersetzt - kein Unterschied! Diese "Federung" hat wirklich nur die Funktion, bei einem unerwarteten harten Schlag anzusprechen - und die obere Sitzaufhängung zu entlasten. Beim Treten tut sich da absolut nix. Eher vermute ich da ein seitliches Flexen des sehr langen Rahmens, woran ich aber erstmal nix ändern kann.

LG Holger
 
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