Jörg Basler wirbt für eine möglichst effiziente Fortbewegung
Antreiber des sparsamen Antriebs
Von Stefan Werding
MÜNSTER. Jörg Basler kann nicht anders. Radfahrer, die irgendwo am Horizont vor ihm auftauchen, muss er überholen. Und die Chancen sind groß, dass dem 61-Jährigen das gelingt. Der Münsteraner ist 2007 auf einem Fahrrad in einer Stunde 51,9 Kilometer weit gefahren. Damit war er in dem Jahr schnellster deutscher Radfahrer und gehörte zu den fünf schnellsten Radfahrern Europas.
Basler nennt sich selbst „Treiber in einer Nische in einer Nische“. Unter den Liegeradfahrern (Nische Nr. 1) ist es ihm wichtig, besonders effizient und schnell (Nische Nr. 2) zu sein. Denn: Er ist fasziniert, mit wie wenig Energie Radfahrer sehr schnell fahren können.
Er hat das „Dekra-Weltrekordevent“ und ein Stundenrennen auf einer Teststrecke in Aldenhoven ins Leben gerufen. Das Ziel: Weltrekorde. Einer über 24 Stunden wurde erst nach 14 Jahren unterboten, ein anderer aus dem Sommer 2025 ist immer noch aktuell. Er will die Idee einer möglichst effizienten Fortbewegung weitergeben.
„Ich kann verstehen, dass sich Leute, die mit Fahrrädern nichts zu tun haben, nicht vorstellen können, was man eigentlich alles mit ihnen machen könnte“, sagt Basler. Er möchte zeigen, wie effektiv Radfahren sein kann. Um 74 Kilometer pro Stunde fahren zu können, muss ein ambitionierter Hobbyfahrer in einem Velomobil mit 250 Watt in die Pedale treten. Das ist weniger, als die Lichtmaschine eines Autos braucht, um alle elektrischen Verbraucher und die Batterie zu versorgen. Zum Vergleich: Normale Radfahrer treten mit 75 bis 105 Watt in die Pedale.
Das Velomobil ist ein verkleidetes Liegerad und technisch die Quintessenz aus all den Jahren Handarbeit, die Menschen wie Basler jahrelang in die Fortentwicklung des Liegerads gesteckt haben. Es schützt vor Kälte und Nässe, ist gefedert, „rasant schneller“, bietet Platz für Gepäck, ist umweltschonender als jedes Auto und schon ab 6500 Euro (ähnlich wie ein Pedelec) zu haben. Basler glaubt, dass das Pedelec (bis zu 25 Kilometer pro Stunde schnell) und das Velomobil dem Liegerad „das Wasser abgegraben haben“.
Der Fahrradhändler will kein Missionar sein, versteht aber nicht, „warum jemand, der weiß, dass er bestenfalls ein Mal am Tag allein zehn Kilometer fährt, ein fünfsitziges Auto kauft“. Die Batterie eines Tesla 3 wiege inzwischen annähernd so viel wie einst komplette Autos. Als ob 200 PS nötig seien, um einen Liter Milch einzukaufen“, sagt er. Er will andere ermuntern, ihre Mobilität zu überdenken, und zeigen, wie effizient Velomobile sein können.
Er selbst hat Benzin im Blut: Sein Vater hatte eine Autowerkstatt in Ahlen. Er selbst hat eine Ausbildung zum Werkzeugmacher abgeschlossen. Basler ist als Jugendlicher Rennrad gefahren, bekam aber Probleme mit dem Rücken.
Weil er als Student von Altenberge nach Münster pendeln musste und er und seine Frau sich schon Ende der 80er Jahre aus Umweltgesichtspunkten fürs Fahrrad entschieden hatten, probierte er ein Liegerad aus, das er aber nicht bezahlen konnte und deswegen in einer Fahrradwerkstatt abarbeitete.
Damals entwickelte sich eine Szene von Liegerad-Fans. In der fing auch Basler an zu experimentieren: Er kaufte sich den ersten Rahmen für ein Sportliegerad, das er selbst aufbaute. „So bin ich überhaupt ans Schrauben gekommen.“
Als Basler der schnellste Radfahrer Münsters war („An mir ist keiner vorbeigekommen-“), ist er in einer Stunde 51,9 Kilometer gefahren. Da fuhr der Brite Chris Boardman, Weltrekordhalter auf dem Rennrad, 49,441 Kilometer. Und auch heute setzt er sich immer noch regelmäßig auf sein Liegerad, um zu trainieren. Von Münster „einmal nach Coesfeld hintenrum und wieder zurück“. Und wenn irgendwo am Horizont ein Radfahrer auftaucht, wird er ihn wieder überholen. Er kann nicht anders.