Die drittgrößte Konversionsfläche Heidelbergs, das Airfield, stand am Freitag, 26. Juli 2024, unter dem Motto „Open Airfield – reinschauen und draufschauen“.
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Am Eingang hatten sich einige Skater einen Parkour aufgebaut und zeigten ihren Sport. Es gab verteilt auf dem Gelände noch Bogenschießen und eine Torwand. Und ein Wingskater demonstrierte, wie das mit dem Flügel auf dem Board so gehen würde.
Die in und um Heidelberg verbreitete Hofladenkultur zeigte ebenso Flagge, mit Fahrzeugen und einem Stand.
Ich konnte erst nach der Arbeit am Airfield sein und hatte schon einiges verpasst. Das Programm war sequentiell über die gesamten 4 Stunden verteilt. Ich konnte mich grad noch an den kurzen "historischen" Rundgang übers Gelände dranhängen. Einige Informationshäppchen, von mir aufgewärmt:
- Es wäre fraglich, inwieweit die Gebäude auf dem Airfield erhalten werden könnten. Da müsse die Bausubstanz erst noch genauer analysiert werden. Man würde jedoch gerne den Tower als Wahrzeichen erhalten wollen. Für mich sähe der Tower alleine, wie er da so auf seinen Treppenhausstelzen steht, aber etwas arm aus. Rein optisch bräuchte er schon noch ein Nebengebäude.
- Die Wiese neben dem Feuerwehrgebäude (Bild unten) sei mit Löschwasserrückständen belastet. Ich würde denken, dass da eine Menge Erde und Asphalt drumherum abgetragen werden müssten.
- Ich freute mich über die Information, dass die Landebahn wohl bleiben würde, denn der Beton sei derart dick, dass man ihn wohl nicht einfach so abtragen könne. Ich persönlich bewerte den zukünftigen Nutzen der Landebahn als sehr hoch. Es können viele verschiedene Sportarten mit Rädern und Schuhen gut darauf betrieben werden, das haben die geduldeten Freizeitsportler in den letzten beiden Jahren deutlich gemacht. Und die Landebahn liegt schon fertig da herum, die muss nicht gebaut werden (nur ab und an mal gekehrt werden). Ich habe es ja in Frankfurt Bonames selber gesehen, Tower, Landbahn, und ein oder zwei große Hallen erhalten dem Ort die Identität. Die Landebahn ist wichtig, wenn man den Namen "Airfield" in der Zukunft als Marke noch fortführen möchte; der Tower ist echt bissel was klein, und bei den Hallen sieht es eher nach Abriss aus. Diese alte Beschreibung sah das Airfield aber schon früher baulich kritisch, wenn auch aus betrieblichen Gründen (Flugsicherheit).
- Zu Beginn der Sechziger Jahre, oder so, soll es mal Pläne gegeben haben, die kreuzende Straße per Tunnel unter die Landebahn zu legen. Diese Idee wurde dann nicht weiter verfolgt.
- Das Ende des Airfields wäre gekommen, als in Mannheim die Coleman Barracks (mit eigenen Airfield) noch weiter ausgebaut wurden. Der Betrieb in Heidelberg sei eingestellt worden und nach Wiesbaden verlegt worden.
Der Rundgang war schon recht interessant. insbesondere weil ein amerikanischer ehemaliger Airfield-Mitarbeiter dabei war. Beim Vertreter der Stadt sei das Feedback angekommen, dass ein hohes Interesse bei den Besuchern bestünde, auch die Gebäude zu besichtigen. Das wäre aber grad nicht möglich und es müsse geprüft werden, ob eine Gebäudeführung wegen der fraglichen Statik überhaupt möglich sein.
Nach dem Spazieren gönnte ich mir an einem Stand eine selbstgemachte Erdbeerlimo auf dick Crush-Eis mit Zitronenscheibe und Minze. Ich wollte das hier unbedingt erwähnen, weil die Limo extrem lecker war. Und zwar so lecker, dass ich mir gleich noch eine zweite holte. Ein schöner Moment.
Irgendwann und irgendwie bespielten die Basketballer und die Straßenmaler dasselbe Stück Asphalt, die kamen scheinbar damit zurecht.
Andere beteiligten sich an der Projektplanung. Auf dem ersten Foto oben sieht man im Hintergrund den mit Postern behängten Bauzaum. Und auf den Postern klebten schon viele Postits von den Besuchern, als ich mir das alles dort anschaute. Die Stadt will das Feedback nun auswerten und mit in die Planung einfließen lassen, die wohl im Frühjahr 2025 fertig sein soll. Die Sache ist nicht trivial, denn das Nachnutzungkonzept würde auch den Kaufpreis des Areals beeinflussen. Da kann man mit guter Planung am Kaufpreis sparen. Es geht also ums Geld, was nicht total überraschend ist.
Auf den Postits konnte man Beiträge erkennen, die mit Konzepten der letzten Jahre in Verbindung stehen. Der Landwirtschaftspark und der Naturschutz. Dann gab es aber auch neuere Aspekte, wie Feedback zur Lärmbelästigung bei Großveranstaltungen (die nächste größere Verantstaltung ist schon für kommenden Samstag geplant:
Openair Disco). Der Kirchheimer Messplatz solle doch nicht auf das Airfield verlegt werden, stand da. Falls das aber dennoch geschehen würde, dann gab es auch einen Vorschlag für den dann verwaisten Kirchheimer Messplatz: Wohnmobilstellplatz draus machen. Kommt mir bekannt vor, so ein Vorschlag. Da dreht man sich leicht mal im Kreise bei so einem Projekt. Ich gehöre ja eher der Freizeitsportlerfraktion an, aber für ein Hallenbad oder einen Baggersee bin ich auch nicht so recht. Die Postits der Skater (mit und ohne Wing) und Roller lagen da eher auf meiner Wellenlänge. Hochseilgärten hat es im Umland auch schon, wäre vielleicht was, falls ganzjährig in einer der Flugzeughallen. Bouldern klang auch interessant. Freiluft-Fitness geht auch jetzt bereits ohne großen Geräteaufwand (
fit wie Jürgen, das möchte ich sein). Bei den Sportgeschichten muss man noch bedenken, dass das Kirchheimer Sportgelände, das
Alla-Hopp und die
Sprungbude quasi nebenan liegen, da muss man sich nicht gegenseitig die Besucher streitig machen. Zahlreiche Postits projizierten einfach bereits bestehende Sachen auf das Airfield, solche Angebotsdopplungen finde ich schwierig. Ein Tempelhof-Postit gab es auch. Einen Trailpark oder eine Kartbahn bräuchte ich selber nicht, mir würde es schon reichen, wenn einfach nur ....
Ich dächte, es sollte etwas dabei herauskommen, das möglichst viele verschiedene Leute anspricht, um langfristig die Besucherzahlen hochzuhalten. Man ist immer leicht geneigt, eine Sache bis ins Extrem auszubauen, was dann aber andere Nutzungen ausschließt. Generischer scheint mir günstiger in den Kosten und ermöglicht mehr Leuten die Teilhabe. Über eine Anbindung an Radwege habe ich nichts gesehen, vielleicht habe ich es übersehen. Ebenso war mir kein Postit über die
Nilgänse aufgefallen. Da könnte man gleich mal modellprojektmäßig so planen, dass das Airfield wenig interessant wird für diese Vögel, ansonsten bräuchte es neben einer Kehrmaschine auch noch einen Kotsauger für den zukünftigen laufenden Betrieb.
Bin ziemlich neugierig, was die Stadt in ihrem Vorschlag nächstes Jahr aufnehmen wird. Zum Abschluss der Veranstaltung dankte eine Sprecherin der Stadt noch den vielen Besuchern für die Beteiligung. Es seien wohl mehr und andere Besucher als die üblichen bei solchen Beteiligungen gewesen. Allein das ist schon ein Zeichen für das Airfield, finde ich. Und ich dächte, die meisten Besucher waren mit dem Rad gekommen.