Erfahrungen mit dem A9.2

Donnerstag, 18.9.2025, Verdun-sur-le-Doubs–Besançon, 115 km

Heute geht es zuerst zwischen den Flüssen Saône und Doubs weiter. Der untere Teil des Doubs kenne ich nur von der Karte und ich habe mir Fluss und Tal anders, enger und hügelig, vorgestellt. Aber wir sind noch in der weiten Ebene und die Route berührt mal den rechts Doubs, dann links für 5 km die Saône und deren Kanal (nahe der Stelle, wo der Canal du Rhone au Rhin in der Saône endet). 25 km später lande ich in Dôle endgültig am Doubs resp. dem Canal du Rhone au Rhin (der ist über weite Strecken im Fluss).
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Am Kanal Richtung Dôle

Dôle ist für uns immer gut für einen Zwischenhalt, heute reicht es für das Picnic im Hafenbereich. Ich werde begleitet von gelegentlichen Polizeisirenen und Sprechchören, es ist der Tag des grossen Streiks in Frankreich.
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In Dôle, unten am Kanal.

In den letzten 30 km bis Besançon bin ich links und rechts von dicht bewaldeten Hügeln umgeben. Das Gefälle des Flusses ist minim und alle paar km fliesst er über eine Schwelle von geringer Höhe. Die Oberfläche ist spiegelglatt bis zur Stufe, wo sich das klare Wasser wie gewölbtes Glas nach unten biegt und in weisse Gischt auflöst.
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Bei Dampierre.

Im Schatten ist es angenehm kühl in der Sonne schön warm, und es ist ein reines Vergnügen, sich mit dem Fluss das Tal hinauf zu winden. Einmal ist die Route gesperrt und ich muss einen Hügel überqueren. Die 50 hm sind richtig ungewohnt. Auf der Abfahrt bleibe ich praktisch stehen, ich prüfe alle Reifen – alle voll – und versuche dann erfolglos, den irritierenden optischen Eindruck von Gefälle mit dem einer leichten Steigung zu ersetzen. Die Abfahrt folgt später und alles ist wieder in Balance.

Mein Hotel in Besançon ist auf der Flussseite gegenüber der Altstadt, zum Glück nahe der Veloroute. Es ist ja wieder Feierabendzeit, zudem ist der Streik mit seinen Demonstrationen hier sehr präsent: Sperrungen, Sirenen, massives Polizeiaufgebot gegenüber eher überschaubaren Mengen an Protestierenden.
 
Freitag, 19.9.2025, Besançon–Montbéliard, 94 km

Das Vergnügen geht weiter. Linksherum und rechtsherum, es wird nicht langweilig, die Zeit vergeht im Fluge. Noch einmal das schöne Herbstlicht, noch einmal die schönen Stufen des Flusses und die Hügel, die sich im Wasser spiegeln. Noch einmal die Begegnungen mit anderen Fahrenden, das Begrüssen der Schiffe und der Kühe. Libellen, noch ein Eisvogel.
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Nach Besançon.

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Bei Baume-les-Dames.

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Vor Montbéliard.

Das Tal ist wieder weiter, flacher geworden. Ich nähere mich Montbéliard mit gemischten Gefühlen. Ich habe im Mai da übernachtet, im billigsten Hotel in der Einkaufszentrenhölle. Das Hotel heute Abend ist auch günstig, man hört zwar das Rauschen der Autobahn, aber die vier Pavillons sind von Büschen und Bäumen eingewachsen. Die Architektur erinnert an Feriensiedlungen aus den 70ern, das ganze ist aber schön renoviert.

Der Bus in die Stadt fährt ganz in der Nähe, und als ich im Zentrum ankomme, staune ich nicht schlecht. Das Schloss der Württemberger neben dem Bahnhof ist beeindruckend! Auch die Altstadt ist hübsch, lebendig, mit viel Grün. Ich hatte Montbéliard/Mömpelgard mit Belfort verwechselt, das wesentlich uninteressanter ist.
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Montbéliard, das Schloss der Württemberger.
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Montbéliard, Kirche St. Martin.

Auf dem Heimweg schlängelt sich neben mir ein Lowracer durch den Abendverkehr, ich sehe das m5-Schild und rufe «oh, ich habe auch ein m5». Er hält an und wir tauschen uns kurz aus, bevor er wieder in den Verkehr einfädelt. Seins muss ein CrMo Low Racer sein, ich habe ein 26/26 mit Untenlenkung, das aber dank dem VM unbeachtet in der Garage steht.

Warum aber Montbéliard? Ich will am Sonntag ausgeruht ein Konzert besuchen. Das geht nur, wenn ich am Samstag vormittag in Porrentruy/Pruntrut den Zug nach Hause besteigen kann und dann mit dem Auto das VM abhole. Die Schweizer Grenze ist 20 km von Montbéliard entfernt, bis nach Porrentruy sind es 34 km.
 
Samstag, 20.9.2025, Montbéliard– Porrentruy, 34 km

Zu diesem Tag gibt es nicht viel zu schreiben, die Etappe ist kurz, Höhenmeter sind es auch nicht viele. Schönes Wetter, letzte km an einem Kanal, dreimal aussteigen um zu wenden (sowohl in Frankreich als auch in der Schweiz waren die Routen unklar beschriftet), einmal einem Vater und Kind erklären, was mein Dings da ist, zweimal Kühen zuwinken.
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Zurück in der Schweiz.

Dann schon VM am Bahnhof parkieren, zudecken, Kleider wechseln und in den Zug steigen.
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Februar 2026: Freund Uwe ist wieder beteiligt an der Entscheidungsfindung.

Ich hatte darüber nachgedacht, mal Daniel und Nici in Neu-Weil zu besuchen. Daniel hatte ich an der Spezi 2025 vor seinem Unfall getroffen, er hatte mich auch in den W9-Vorführer gesetzt.

Der Januar ist vorbei und es gilt, alles für die kommende Saison durchzuchecken, meine Fusshubbel zu laminieren und das A9.2 höherzulegen. Also Dinge, für die ich eigentlich zu @Jürg Birkenstock fahren würde.

Ich erzähle davon beim Kaffee und Uwe sagt sofort: «Wir fahren zusammen zu Daniel, das wird unsere erste Tour in diesem Jahr». Dann äussere ich ein paar Bedenken, aber wieder zuhause maile ich Nici, ob überhaupt und wann. Nicis Ja wandelt die letzten Bedenken in Optionen um, unter denen das Wetter entscheiden wird.

Der Saisoneinstieg soll dieses Jahr heftiger sein, aber auch nicht zu heftig. Der Plan ist deshalb, in St. Margarethen am Bodensee zu beginnen. Ich im Kleinwagen mit dem VM auf dem Dachträger, Uwe mit dem Velo per Zug dorthin (das Kleinwagenproblem wird bald mit einem Fahrrad-Dachträger gelöst). Dann die ca. 170 km in zwei Tagen, zwei mal übernachten in Weil für die Arbeit am VM, und dann wieder in zwei Tagen nach St. Margarethen. Sollte es Winter sein, fahre ich halt mit dem Wagen bis Weil. Wird das Wetter unterwegs unerträglich, ist die Bahn nie weit.

Und dann gibt es tatsächlich einen frühen Frühling, ich kann mich 150 km einfahren (unterbrochen von einer gut einwöchigen Pause wegen Rückenschmerzen), und die Langzeit-Wettervorhersage verspricht weiterhin gutes Wetter. Ich werde also endlich deutsche Strassen erfahren.

Für alle, die lange auf ein Bild mit einem Velomobil auf einem C1 gewartet haben: Montag abend, 9.3. in Bern:Bern IMG_2315.jpg
 
Dienstag, 12.3.2026, Au SG–Memmingen, 94 km

20 vor 11h fährt der Zug mit Uwe am Bahnhof von Au SG (gegenüber von Lustenau) ein. VM Abladen, Gepäck verstauen (das braucht mehr Konzentration und Kontrolle als zuhause), und das erste Etappenziel abmachen: Kaffee und Essen in der nächsten Bäckerei, im Bahnhof Lustenau, ganze 3 km entfernt. Der Eintrag in den OSM-Karten ist aber falsch, veraltet, und so geht es bis nach Hard, 5 km weiter. Dort sitzen wir nun in der Sonne und schauen dem Treiben auf der Strasse zu.

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Nostalgiebad in Bregenz

Nach den flachen Kilometern entlang des Bodensees geht es allmählich in die Höhe, unterbrochen von ziemlich ruppigen Steigungen. Nach 40 km gibt es den nächsten Halt in Wangen, gefolgt von einem weiteren Anstieg bis auf 700 m, dem höchsten Punkt der Fahrt. Dann geht es langsam wieder die Hügel runter nach Leutkirch. Nächste Pause. Etappenort ist Memmingen, da fehlen noch gut 20 km, meist leicht bergab.

Pension Erb: der Besitzer ist selber Radfahrer, hatte aber offenbar noch keinen Gast mit VM. Die Begeisterung ist gross, der Kumpel wird hinzugerufen und es wird gefachsimpelt. Eine super Unterkunft (mit einem Morgenessen, das für den ganzen Tag reicht).

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Memmingen. Schöne Stadt!

Ich hatte Respekt vor diesen 95 km, aber irgendwie ging das ganz gut. Schön aber kühl, leichter Gegenwind (mir macht das ja nicht viel aus). Ich habe müde Beine, Uwe spürt seinen Hintern, bei beiden zwickt es etwas links oder rechts. Die Pizza am Abend ist fein, danach lockt das Bett.

Ich bin überrascht, wie gut die Rad-Infrastruktur in der Region ist. Ich hatte den vielen Fahrradwegen, die in den Karten eingetragen sind, nicht getraut. Im brouter hatte ich den «Velomobil touristisch»-Vorschlag noch mehr auf Fahrradwege verschoben (zur Erinnerung: Uwe fährt Fahrrad) und mein inneres Auge hatte unbefestigte Wege, brutale Absätze bei Querungen und abrupt endende Fahrradwege gesehen. Weit gefehlt.

Solche Routen ergeben keine hohen Stundenmittel, sie sind aber der perfekte Saisoneinstieg und bieten einen hohen Entspanntheitsfaktor. Entspannt und höflich waren auch die Autofahrer, und das hatte ich so nicht erwartet.
Ich habe letztes Jahr an den Kanälen in Frankreich gelernt, dass mir gute Velorouten wichtiger sind als die zurückgelegten Kilometer. Zusammen mit Uwe mache ich mehr Pausen, es ergeben sich immer wieder kurze Begegnungen, Gespräche, und auch das gefällt mir. Zu zweit zu reisen hat klar Vorteile und ich kann viel von einem erfahrenen Tourenfahrer lernen. Und ganz praktisch: Uwe hat auf seinem Fahrrad die Übersicht und sieht früher, wo es durchgeht, er ist eine Hilfe bei Queren von Strassen und kann die Bettelampel ohne aussteigen bedienen.
 
Ein Nachtrag: das Foto aus Bregenz illustriert meinen letzten Satz: Der Velofahrer sieht Dinge, die ich nicht sehe. Er macht schnell ein Foto, wo ich aussteigen müsste, um überhaupt den See zu sehen.
Und noch eine Korrektur: Dienstag war der 10.3. …

Mittwoch, 11.3.2026, Memmingen–Weil, 75 km

Eine kürzere kurze Etappe, nicht viel Höhenmeter und einem für Uwe angenehmen Rückenwind.

Nach dem üppigen Morgenessen machen wir noch einen Spaziergang durch Memmingen und machen uns dann auf den Weg. Meine ursprüngliche Route hat Uwe in Komoot an ein paar Stellen angepasst. Ich übernehme sie und folge ihm über einen Hügel auf einem Schotterweg – Abenteuer muss sein.

Der erste Halt ist in Sontheim, und vor der Bäckerei erklären wir zum ersten Mal, was das für ein Gefährt ist und was wir hier machen. Drinnen in der Bäckerei ist es schön warm und Verkäuferinnen und Kunden unterhalten uns gut.

Es geht wieder etwas den Berg rauf und dann wieder runter und ich lasse es mal laufen. Vor mir will die Strasse die Bahn überqueren, mein Schwung wird locker reichen drüber. Nur muss ich an der tiefsten Stelle in die Klötze, zurückrollen und abbiegen. Mmh, meine Navigation hat noch Verbesserungspotential. Da ich regelmässig Abzweigungen verpasse, muss ich mir vielleicht eine andere App oder einen Navigationscomputer überlegen. Aktuell benutze ich Guru Maps auf dem iPhone und durch das das selbsttönende Visier Casco-Helm wird der Bildschirm doch sehr dunkel und kontrastarm (Sprung nach vorne: jetzt, wo ich das schreibe, besitze ich bereits ein weiteres Gerät).

Durch Mindelheim nach Türkheim. An der Kreuzung vor der Kirche suchen wir Windschutz, essen die Reste unseres Frühstücks und schauen dem Treiben zu.

Auf dem Weg nach Igling rausche ich ein Schlagloch, 100 m später stehe ich still und mache mich dran einen Schlauch zu ersetzen. Je weiter wir Richtung München fahren, desto holpriger werden die Wege und Strassen, höher die Absätze und Querungen, und desto mehr setze ich auf. Aber meine Fusshubel sind ja schon durchgeschlagen (und damit das krachende Geräusch deutlich gemildert), und auf der Rückfahrt, höhergestellt, wird das sicher besser sein. Ich will nicht sagen, dass die Wege schlecht sind, aber man spürt den Unterschied zum e-Bike-Paradies Bodensee. Und es ist immer noch besser zuhause.
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Das erste Mal in dieser Saison, darum dauert es drei Minuten länger.
Rechts davon diese eindrückliche Ebene. Das Foto ist ja nicht attraktiv, und es fehlen die Berge, die weit hinten unvermittelt aus dieser Ebene aufsteigen. Eine geomorphologisch interessante Landschaft, das Endprodukt der Vergletscherung.
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Um vier sind wir in Weil, beziehen das Zimmer und dann fahre ich leer weiter zu Nici und Daniel @Düsentriebin. Nici empfängt mich herzlich, ich fühle mich gleich wohl. Da Daniel schläft, fährt sie mich zurück und zusammen mit Uwe setzten wir uns wo hin und trinken etwas. Nici erzählt uns von ihrem Alltag, und ich bin froh, dass ich die Hektik und Fremdbestimmung, die ich mir in diesem Alltag vorstelle, nicht selber leben muss.

Für die Schweizer gibt es im Gasthaus Probst wieder etwas zum Staunen. Im Kapitel «Für den kleinen Hunger» (ich kenne ja die normale bayrische Portionengrösse) gibt es drei Dinge: zwei verschiedene Salate mit Zusatz oder Käsespätzle. Ich entscheide mich für letzteres – die Portion hätte für zwei Sumo-Ringer gereicht.
 
Bei Türkheim. Trotz Rückenwind bekam Uwe gestern meinen Freilauf oft zu hören.
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Donnerstag, 12.3.2026, in Neu-Weil

Mathias wird erst nach 10 Uhr mit dem Service beginnen. Als Experte im ÖPNV (gefühlt) hatte ich schon im Vorfeld freudig verkündet, dass nicht nur Neu-Weil durch einen Bus erschlossen sei, sondern auch Landsberg am Lech. Während Uwe also auf den Bus nach Landsberg wartet, komme ich dazu, um in den Bus in die andere Richtung zu steigen.
Die Gastgeberin im Gasthof Wila hatte recht, als sie beim Morgenessen meinte, sie sei zwar Autofahrerin, aber von mehr als drei Bussen im Tag wisse sie nichts. Ich mache mich nach 15 min. Warten also zu Fuss auf den Weg (es ist ja auch nicht weit), Uwe steigt aufs Fahrrad, und am Abend essen wir nicht in Landsberg, sondern wieder in Weil.

Mit Mathias trage ich das A9.2 hinauf in Daniels Werkstatt. Hier oben habe Daniel gebaut und laminiert, hierhin will er zurückkehren.
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Mathias ist ein alter Hase, er hat sich u.a. auch eine Kreuzotter gebaut, er geht systematisch durch und erklärt, worauf er schaut und was zu kontrollieren ist. Als erstes werden die Hubbel laminiert (Karbon und Dyneema, dekoriert mit Abreissgewebe), dann kommt der ganze Rest. Dieser Rest ist aber überschaubar, nach meinen erst 3’800 km ist das A9.2 noch in einem sehr guten Zustand, die Schaltung sauber, die Lager laufen schön.
Der linke Reifen hat eine ausgebrochene Stelle und muss ersetzt werden. Ich habe eine Schwalbe One als Ersatz dabei. Als es ums Wiedereinsetzen des Rades geht, klemmt die Hülse, dann reisst eine Speiche und das Blech an der Trommelbremse stellt sich quer. Mathias sagt, er habe diese Bleche schon lange entfernt bei sich, ich sage, ich hätte im Forum auch schon gelesen, dass man die als Dekoration ansehen könne. Also raus damit. Die klemmende Hülse hat also etwas Verzug mit sich gebracht. Und der Schwalbe One (oder ist es ein Pro One? Muss ich nachschauen) holpert und wird einem CCU weichen.

Auch beim Höherlegen des Hinterrades bin ich froh, zuschauen und Fragen stellen zu können. Ich begreife sogar für einen Moment, was wie aufgehängt ist, wie hier die Kräfte wirken und wo man was verstellen muss. Ich habe immer gedacht, mein räumliches Vorstellungsvermögen sei einigermassen gut, aber beim Velomobil komme ich an meine Grenzen. Es ist eine Riesenhilfe, aus der Nähe zusehen zu können und nicht nur eine Liste der zu tätigenden Schritte zu lesen. Ich muss etwas mit meinen Augen gesehen und mit den Fingern gespürt haben, um sicher zu sein. Ich habe auch schon unterwegs ein paar Sachen reparieren müssen, von denen ich vorher nur im Forum gelesen habe, und es hat jeweils funktioniert. Aber die Panikmomente oder auch nur die Unsicherheit dabei schätze ich nicht.
Auch das Laminieren werde ich nun wagen können, ich habe schon ein kleines Projekt.

Daniel sehe ich nicht, er lebt an diesem Tag zwischen Schlaf und Pflege.
Nici hat einen intensiven Tag, zwischendurch taucht sie bei uns auf, um uns dann nach getaner Arbeit feine Bierbrezn mit Butter zu servieren und sich zu uns zu setzen. Es ist zwar etwas kühl vor dem Haus, aber ich geniesse diesen ruhigen Moment neben Nici und Mathias.

Dann sind die Hubbel genug gehärtet, um ins zu Hotel fahren.

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Durchs Dachfenster der Werkstatt: Daniel und Nici haben die Ostereier schon im Garten versteckt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Freitag, 13.3.2026, in Weil–Memmingen, 77 km

Landsberg habe ich verpasst, bei @Canardo habe ich mich auch nicht gemeldet, aber irgendwann komme ich da wieder vorbei.

Dann geht es den gleichen Weg wieder nach Memmingen zurück, der Wind bläst in der selben Richtung, nun also gegen uns aber auch schwächer. Es ist der Test, was das Höherlegen um einen Spacer gebracht hat (zwei Spacer war nicht möglich, weil dafür längere Gleitstangen nötig wären). Ergebnis: es wird ein Zwischenstand bleiben. Deutlich besser als vorher, aber der eine Spacer reicht mir noch nicht.

Sonst ist alles tiptop, bis auf den Reifen, der ab 35 km/h richtig nervt. So schnell geht es aber selten zu, wir haben ja wieder viel Zeit. Unser ursprünglicher Plan, an diesem Freitag weiter bis nach Leutkirch zu fahren, um am Samstag dann früher am Bodensee zu sein, hatten wir gekippt, weil Kälte und Schneeregen vorhergesagt wurden. Und nach Memmingen ist die Distanz ja nicht gross.

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Bei Epfenhausen.

Wir unterbrechen die Fahrt an den gleichen Stellen wie bei der Hinfahrt: Bei der Bäckerei in Igling (dort kann ich einer Mutter mit Kindern erklären, dass mein Fahrzeug ca. 14 km entfernt von hier entwickelt wurde), dann wieder vor der Kirche in Türkheim,
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und noch einmal in der Bäckerei in Sonthofen (draussen erkläre ich drei Kindern, was dieses Ding sei und darf sogar meine Hupe vorführen). Sonst: gemütliche Fahrt durch schöne Landschaften, die Alpen leuchten noch schöner am Ende der Ebene. Und noch einmal die Rumpelstrecke durch den Wald.
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Pech? Nicht heute.


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Zuletzt bearbeitet:
Samstag, 14.3.2026

Zwei bis drei Grad wird im Auto angezeigt, als ich vom Bodensee nach Memmingen und mit dem VM auf dem Dach zurück (und weiter nach Bern) fahre, draussen gibts Regen und Schneeregen. Der Kälteeinbruch hätte auch einen Tag später kommen können, aber immerhin hat es für drei kühle, aber schöne Tage gereicht.

Notiert habe ich:
1. einen Ersatzreifen, der unterwegs einfacher zu montieren ist als der Schwalbe Pro One aus meinem Fundus.
2. Für die kühleren Tage einen Windbraker zuschneiden, der Hals, Brust und Arme schützt.
Abgehakt ist das Thema Navigation: ich bin jetzt Besitzer eines Wahoo Elemnt Roam und muss nur noch üben, ihn richtig einzusetzen.

Verbessert ist auch der Punkt «Transport auf dem Dach». Zum einen habe ich aus einem Yoga-Block vier Puffer gebastelt, die im richtigen Winkel das VM auf den Dachträgern tragen und die mit Gummizügen auf den Dachträgern befestigt werden. Mit dem neuen Fahrradträger kann jetzt das Velo neben das VM aufs Dach.

Nach der Reise ist vor der Reise, sagt Konfuzius. Wenn nichts dazwischen kommt, fahren wir im Mai zu zweit den Flüssen Doubs und Saône entlang an die Rhone.

Und noch einmal ein grosses Dankeschön an Nici und Mathias.
 
Es geht wieder los
Konfuzius hatte es ja schon angedeutet: Ende April geht es nach Frankreich. Ich hatte von den Radwegen entlang von Doubs und Saône (Eurovelo 6 und Voie bleue) geschwärmt, nun wollten wir das (und mehr) als erste grössere Ausfahrt dieses Jahres zu zweit wiederholen.

Ich hatte 15 Tage zur Verfügung, Uwe nur 10: er musste in der Mitte für 5 Tage nach Hause. Unser Plan: wir würden Velomobil und Fahrrad mit dem Auto an die Grenze zu Frankreich, Nähe Montbéliard, bringen, dann auf den Radwegen die 400 km nach Lyon machen. Uwe würde mit dem Zug nach Hause fahren und später wieder nach Lyon kommen, ich würde in dieser Zeit an die Loire fahren. Dann ginge es mit Varianten die gleiche Route zum Auto zurück.

Wir haben die Pläne geändert. Der Wetterwechsel wurde angekündigt und traf wie beschrieben ein. Jetzt, wo ich das schreibe, wäre ich an der Loire nördlich von Saint-Etienne. Bei mir zuhause ist es kühl und nass, genau wie in Lyon...

Am Morgen des dritten Tages wussten wir, dass wir keine Lust auf dieses Wetter hatten, in Chalon-sur Saône umkehren und so am sechsten Tag wieder zuhause sein würden.
Und diese sechs Tage waren schön.

Boncourt -> Lyon - 402 km, 829 hm, geplant.gpx (Velomobil touristisch mit Profil freundlicher gegenüber Velowegen und kleinen Strassen)
 

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Dienstag, 28. April 2026, Boncourt–Baume-les-Dames, 85 km

Von Bern nach Boncourt, direkt an der Grenze zu Frankreich in der Nähe von Montbéliard, sind es 131 km Autobahn. Diese quert den Jura und dank teilweise sehr langer Tunnels verkürzt sie die Fahrt von 3 1/2 Stunden auf 1 ½. In Boncourt hatte ich die Gemeindeverwaltung angefragt, ob ich das Auto 15 Tage auf dem Parkplatz beim Sportplatz hinstellen dürfe. Ich durfte, «ausnahmsweise».

Durch kleine Dörfer und grüne Felder geht es der Allaine entlang, die bei Montbéliard in den Doubs fliesst. Dort sind die Velowege noch etwas ungepflegt, mit Ecken versehen, mit Stellen, an denen ich aufsetze. Aber das ist ja auch Auto-Revier, die grosse Fabrik von Peugeot in Sochaux ist um die Ecke.
Wieder mal eine Berichtigung, diesmal zur Fahrt im September: sowohl Belfort als auch Montbéliard sind sehenswert. Im Falle von Montbéliard muss man sich halt bis ins Stadtzentrum durchkämpfen wollen.

Ab dem Park am Doubs in Montbéliard wird es friedlich, der Untergrund besser und die Eurovélo 6 EV6 führt uns immer weiter in die Natur. Die ersten 20 km nach Montbéliard führen meist dem Canal du Rhône au Rhin entlang, es hat lange gerade Strecken, einmal fährt ein Zug auf der parallel geführten Linie vorbei. Dann aber sind wir vor allem am Fluss und die EV6 ist immer häufiger der einzige Verkehrsweg. Weiler, ab und zu ein Dorf, Bauernhöfe, Schleusen neben den Staumauern. Hält man an, quaken Frösche, zwitschern Vögel und die Blätter rauschen in den Bäumen. Idylle, viel Natur.

Nach einer Pause schlage ich beim Einsteigen mein Wahoo Elemnt Roam mit dem Arm ab, einklinken klappt danach nicht mehr. Der angeschraubte Halter war stärker als die Nocken am Wahoo und wegen dem hervorstehenden Rest der Halterung (den ich jetzt gleich mit der Feile entfernen werde) konnte ich es nicht mit Klett am Dashboard befestigen. Uwe hatte seine Roam zuerst gekauft, mir gefiel das Piepsen als Hinweis vor den Abzweigungen und es erwies sich als praktisch, dass wir beide mit der identischen Route navigierten. Häufig fahren wir hintereinander, aber wenn ich mal Lust auf mein normales Tempo habe und vorausfahre, finden wir uns einfacher wieder.

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Nach l'Isle-sur-le-Doubs, km 55

Dank dem Rückenwind ist aber auch Uwe häufig mit 30 km/h unterwegs, so kommen wir gut voran. Etwa alle 25 km machen wir eine Pause, damit er vom Sattel kann. Ohne Autoverkehr können wir einfach entspannt drauflosfahren und geniessen. Rücksicht nehmen müssen wir nur auf andere Velofahrer, Spaziergänger und Fischer am Kanal. Jeder Halt führt zu Gesprächen. Natürlich falle ich im VM mehr auf und muss mehr Fragen beantworten. Die Frage nach dem woher und wohin stellen wir aber zuhause in der Stadt nie. Unterwegs dagegen häufig, und jetzt, wo ich darüber nachdenke, wird mir bewusst, dass das die viel schöneren Fragen sind. Wichtiger als das Gefährt, in oder auf dem wir sitzen.

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Die ehemalige Abtei in Baume-les-Dames

Baume-les-Dames (die Damen beziehen sich auf ein früheres Frauenkloster) ist alt, hübsch und hat praktischerweise ein paar Restaurants, Läden und Unterkünfte. Wir logierem in einem alten Haus am Hauptplatz, in einer Suite mit zwei Schlafzimmern. Ich habe das grössere und schönere, mit einem Türmchen und Sicht auf den Platz. Als wir ankommen, stehen direkt daneben Feuerwehrauto und Krankenwagen. Die Feuerleiter ausgefahren, der Korb über dem Nachbarhaus, aber nirgends Feuer und alle entspannt. Es ist nur eine Übung.

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Mittwoch, 29. April 2026, Baume-les-Dames–Dole, 89 km

Gestern war es meist bedeckt, heute wird es besser, wärmer werden. Aber beim Kaffee und Croissant vor der Bäckerei ist es noch frisch, die Sonne kommt erst später richtig durch. Auf dem Weg zur Bäckerei fahren wir an der Schule vorbei, im Gegensatz zu gestern sind aber keine Schüler zu sehen. Die hatten uns (OK, wohl vor allem mich) heftigst gefeiert. Sie waren so laut, dass ich lachen musste und das ist uncool. Immerhin gelang mir meine Hang Loose-Geste locker.
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Jedes Dorf hat ein Kriegsdenkmal. Aber selten sieht man einen neu eingekleideten sprich neu bemalten Soldaten.

Der Doubs hat sich hier in die Hügel eingeschnitten und kurvt hin und her. Mal wird das Tal etwas offener, dann wieder enger. Der Veloweg wechselt ab und zu die Seite. Nach knapp 40 km sind wir in Besançon. Unten am Doubs gibt es keine Ankündigung durch Vororte, bloss die höhere Dichte an Rennrädern und Spaziergängern fällt auf. Hoch über unseren Köpfen plötzlich die Festung von Vauban. Die Stadt selber sehen wir nicht, denn wir nehmen den Tunnel an der engsten Stelle der Flussschlaufe, in der die Stadt liegt. Wieder draussen am Licht halten wir. Hoch über unseren Köpfen die andere Seite der Festung, links und rechts Kanäle und Schleusen. Geradeaus eine kleine Insel mit Bäumen, darunter ein Reh, das sich durch uns nicht stören lässt. Genau wie der Graureiher direkt vor uns.
Weiter gehts, und schwupps verschwinden wir wieder in der Natur.

Und beim Thema Kühe. Von denen sieht man viele, links und rechts der Strecke. Zum einen Fleckvieh, das sind die normalen Kühe. Zum anderen die Charolais, die nur für ihr Fleisch gezüchtet werden. Die haben wirklich einen ganz eigenen Charakter, sie sehen zwar knuddelig aus, aber die wollen nicht knuddeln, sie interessieren sich einen Dreck, was um sie herum geschieht. Die normalen Kühe dagegen sind aufmerksam und interessiert, und sie zeigen Gefühle.

Nach Besançon weitet sich das Tal allmählich. Einmal verlassen wir in einer Abkürzung mit Höhenmetern den Fluss für vielleicht 10 km (auf der Rückreise werden wir am Fluss bleiben). Einmal wird die EV6 umgeleitet, hier haben wir dafür weniger Höhenmeter. Dann nähern wir uns Dole (das ist eine Kurzversion von entspannten 40–50 km auf einer wunderschönen Strecke, und die so im Flug vergehen).
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Gut 10 km vor Dole.

Die Einfahrt in Dole ist spektakulär schön. Der Kanal ist für eine kurze Strecke wie eine Allee von riesigen Platanen gesäumt, es geht um die Ecke und es folgt der Hafen unten, darüber die Stadt mit dem markanten Turm der Basilika. Die Stadt ist klein, hat viel Charme und lebt im Sommer wahrscheinlich vor allem von den Touristen auf den Mietbooten.
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Der Touristenhafen von Dole am nächsten Morgen.
 
Donnerstag,30. April 2026, Dole–Chalon sur Saône, 74 km

Ich werde beim Schreiben des Reiseberichtes immer wieder aufgehalten, unterdessen habe ich über zwei Wochen Rückstand und ich muss immer wieder Karte und Photos hervorholen, um die Erinnerung zu aktivieren. Unter anderem drei Tage mit Ausfahrten in der Bodenseeregion (dank einem kurzem Unterbruch im Herbstwetter) kommen mir in die Quere. Eben, das Wetter. Es war bei uns schon gestern ein Thema. Denn wahrscheinlich würden wir einigermassen trocken in Lyon ankommen, aber danach sieht es nach Regen, Gewitter und Kälte aus. Meine 5 Tage alleine an die Loire und die 5 mit Uwe zurück von Lyon in die Schweiz werden immer weniger attraktiv und wir überlegen uns Alternativen. Morgen müssen wir uns entscheiden.

Aber noch ist das Wetter wunderschön. Dem Doubs entlang verlassen wir Dole und bald biegt der Radweg ab, entlang des Canal du Rhone au Rhin geht es Richtung der Saône. Von dort sind es viele Strecken über Land, auf ruhigen Strassen, mit weitem Horizont, gefolgt von kurzen Strecken am Fluss.

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Vor Seurre, im schönen Wald aber auf üblem Untergrund.

Im Spickel der beiden Flüsse wechseln die Richtungen, mal führt der Weg an die Saône, dann wieder Richtung Doubs. In Verdun-sur-le-Doubs fliessen die beiden Flüssen zusammen. Am Touristenhafen ist heute kein Verkehr (bei den vier vertäuten Booten fällt das englische Narrowboat auf), aber die Frösche machen richtig Spektakel und sind lauter als alles andere.

Nach ein paar Kilometern über Land queren wir die Saône und landen in einem kleinen Dorf, an der Kreuzung das Café du Pont mit einer Terrasse. Dort sitzt ein anderes Paar – beide kenne ich von der Arbeit! Sie fahren mit den e-Bikes kürzere Tagesetappen und sind auf dem Weg nach Beaune, im Anhänger fährt der Hund mit.
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Sauber geparkt vor dem Café du Pont.

Weiter übers Land, durch kleine Dörfer, die tagsüber jeweils ausgestorben wirken und in denen man oft vergebens nach Läden sucht. Wir planen unsere Halte mit der Hilfe von https://onroutemap.de. Ein praktisches Tool, um Wasser, Bäckereien oder Läden zu orten, auch wenn die OSM-Daten regelmässig veraltet sind.

Bei der Einfahrt nach Chalon-sur-Saône ist es mit lauschig vorbei, wir fahren ein paar Kilometer durch Wohnblöcke. Die grosse Strasse hat einen breiten Velostreifen (ihn zu erreichen hat aber etwas gedauert, mit unklarer Führung beim Kreisel, Absätzen und einem Verfahrer auf eine für Velos gesperrten Strecke) und führt dann direkt ins Zentrum an die schöne Promenade entlang der Saône.
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Das Northern Light Motor in Chalon

Erstes Ziel ist Europe Vélo, der mit letzten Herbst die Schaltung repariert und eingestellt und mir so die Tour gerettet hatte. Heute am Nachmittag ist er aber beschäftigt, er erklärt einem Paar das neue e-Bike, hinter uns kommen neue Kunden, die wohl nicht zum Plaudern kommen, und ich will mich daher kurz fassen. Er erinnert sich, freut sich über meinen Besuch und wir rufen uns gegenseitig die Erinnerungen wach. Das dauert dann natürlich wieder länger, und ich als Schweizer habe ein schlechtes Gewissen, weil ich andere unnötig warten lasse.

Dieses Gefühl poppt uns in Frankreich regelmässig auf, und immer müssen wir uns dann sagen: wir sind in Frankreich, das läuft die Zeit anders, das Warten in der Boulangerie gehört zum Leben, eine lange Schlange vor einem ist kein Grund, sich zu ärgern. Ungeduld ist nicht zu erkennen, man hört zu und beim kurzen Schwatz zwischen Kunde und Verkäuferin bekommt auch immer etwas vom Leben des Ortes mit. Und bist du dann an der Reihe, wartet die Verkäuferin neben der Kaffeemaschine, bis die zwei Kaffees fertig sind. Bei uns zuhause würde sie während dieser Zeit den nächsten Kunden bedienen. Ich liebe diese Momente.

Als wir uns vom Velomechaniker verabschiedet haben, weiss ich weder, wie er heisst (auch das ist ein interessantes Thema in Frankreich) noch warum ein NLM*, eingekeilt zwischen neuen und zu reparierenden Velos, in seinem Laden steht.
* Dank Delorean schaue ich diesmal genauer hin: es ist die Dual Motor-Version. Und der farbige Streifen auf dem Rücken und die Nase in der gleichen Farbe sind für die Insider wichtiger als das dominante Grau, sie geben nämlich das Modell an (bloss Weiss passe nicht in das Schema).
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Links mein Zimmer, rechts das von Uwe.
 
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