Hätte ich vor zwei oder drei Jahren gesehen, was mir vor zwei Wochen im Mittelrheintal entgegengekommen ist (ein Tadpole-Trike), dann wäre ich früher umgestiegen. Jetzt war der Sturz mit gebrochener Schulter der Grund für den Wechsel auf drei Räder.
Vor über sieben Jahren bin ich von Köln ins Mittelrheintal umgezogen. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Wegen chronischer Schmerzen (Fibromyalgie und Polyneuropathie) bin ich in Köln nur kurze Strecken mit dem Rad gefahren. Die Schmerzen wollte ich mir nicht antun. Aber hier in wundervoller Natur und schöner Landschaft habe ich wieder angefangen Rad zu fahren. Und mir damals wegen der vielen Steigungen ein E-MTB gekauft. Die ersten Monate habe ich vor Schmerzen geheult und meinem Körper gesagt: „Gewöhn‘ Dich dran !“.
Die Schmerzen konnte ich nur wegen der Schönheiten um mich herum ertragen. Wegen Gangunsicherheiten und Kniearthrose ist Wandern für mich schon seit Jahren nicht mehr möglich. Nach dem dritten Sturz beim Wandern habe ich es mit großem Bedauern aufgegeben. Aber ich brauche und will Bewegung in der Natur, daher ist Radfahren für mich so wichtig. Ohne diese Betätigung würde meine Lebensqualität sehr leiden.
Wegen der Schmerzen in Nacken, Schultergürtel, Unterarmen und Handgelenken habe ich schon vor Jahren nach einem dreirädrigen geländegängigen Rad gesucht. Leider bin ich nicht auf die Idee gekommen „Trike“ einzugeben. Google hat mir nichts derartiges gezeigt und noch nie hatte ich ein Tadpole-Trike gesehen. Erst nach dem Sturz vor vier Monaten bin ich bei der Suche auf Azub gestoßen. „Das ist es!“, dachte ich spontan und war fast ungehalten, dass ich so etwas nicht schon vor Jahren gesehen habe. Insofern bin ich dem ins Handy starrenden Autofahrer dankbar für den Sturz auf die Schulter. Er hat nichtmal gemerkt, dass er auf Kollisionskurs war und ich (auf eine völlig vereiste Fläche) ausweichen musste. Wer weiß, was - außer den Schmerzen - passiert wäre, wenn ich weiter mit dem E-Bike gefahren wäre. Vermutlich nichts Gutes.
Beim Beratungsgespräch habe ich mich zuerst auf ein Scorpion Plus 26 gesetzt, aber da habe ich mich nicht wohl gefühlt. Der Händler wollte mir ein Kettwiesel schmackhaft machen, aber ich habe abgewunken. Auf dem Scorpion fs 26 habe ich mich wohlgefühlt aber im Hinterkopf war die Sorge, dass ich da nicht unfallfrei rauf und runter komme. Denn mein 66 Jahre alter Körper meint es oft nicht gut mit mir. Da kann von einer auf die nächste Sekunde ein Schleimbeutel im Knie ärger machen (oder woanders). Entgegen meiner Vermutung ist das Aufstehen und Hinsetzen kein Problem. Nach dem Aufstehen und vor dem Ausfädeln der Beine aus dem Ausleger stütze ich mich mit dem Schienbein kurz am hochstehenden Pedal ab um dem Gleichgewichtsproblem entgegenzuwirken. Das klappt sehr gut.
Von 100 km träume ich allerdings noch, bisher habe ich nur einmal 54 km geschafft. Die anderen Touren lagen bei 25-35 km. Bisher bin ich knapp 1.200 km gefahren und frage mich, ob ich noch in der Eingewöhungsphase bin oder ob mein Körper keine längeren Strecken zulässt. Oder ob ich mich zu sehr verausgabe.
Gut, dass
@Marchi die Geschwindigkeit angesprochen hat, denn diese könnte mein Problem mit der Länge der Fahrstrecke sein. Ich möchte nicht nur die Natur genießen sondern auch fit bleiben. Daher möchte ich mich verausgaben ohne meine Knie zu überlasten. Vermutlich wäre es sinnvoll, an einem Tag zu „powern“ und am anderen gemächlich dahinzugleiten und so längere Strecken zu schaffen. Denn wenn ich das Trike ins Auto lade, um an die Mosel oder Lahn zu fahren, wäre es schade, den ganzen Aufwand nur für 35 km gemacht zu haben. Andererseits: Der Aufwand ist der gleiche, ob ich nun 35 km oder 65 km fahre.
Ein Hinderungsgrund für weitere Strecken ist auch mein Steißbein, das spüre ich mal mehr mal weniger. Vor etwa drei Jahrzehnten ist es beim Rodeln mit meinem Sohn gebrochen. Auf meine Frage nach der Therapie hat der Orthopäde nur gesagt, das heile von selber, man könne es ja schließlich nicht eingipsen. Manuelle Therapie hat er mir nicht verordnet, anderernfalls hätte ich jetzt wahrscheinlich keine Probleme.
Ich bin nicht im dicken Straßenverkehr unterwegs und habe Autofahrer bisher als rücksichtsvoll wahrgenommen. Aber ein Problem sind hier die Fußgänger, die ohne zu gucken auf die Straße laufen und anscheinend meinen, alles hier sei eine Fußgängerzone. Bei meinen Fahrten habe ich neben Unbeteiligten auch freundliche Gesichter gesehen oder hochgehaltene Daumen. Zweimal haben Motorradfahrer von der parallel verlaufenden Bundesstraße gehupt.
Da von Bernhard auch der Bauch angesprochen wurde: Mit etwas mehr als 56 kg bei 173 cm wird mein Bauch beim Pedalisieren nicht von meinen Oberschenkeln massiert (aber leider meine Blase).
Wie dem auch sei: Ich bin sehr glücklich mit dem Trike und kann es jedem Menschen empfehlen, der sich auf dem Aufrechtrad nicht mehr sicher fühlt (oder die Schmerzen nicht mehr ertragen will). Vor dem Sturz bin ich schon einige Male mit dem E-Bike auf die Seite gefallen, weil ich an Steigungen zu langsam war oder weil ich beim Aufsteigen mit der Hose an der Sattelnase hängen geblieben bin. Oder wegen meiner Gleichgewichtsprobleme, die beim Absteigen zum Tragen gekommen sind. Wie schön ist dagegen doch das entspannte Fahren auf dem Trike!