LR Eigenbau MBB aus Stahl, Semi-Tieflieger, kein Knicklenker

Beiträge
6
Ort
bei IN
Hallo zusammen,
endlich bin ich soweit, mein selbstzusammengebrutzeltes erstes Liegerad zu fahren (obwohl es noch lange nicht fertig ist).
26417,190000_c.jpg
Die (derzeitigen) Daten der Gaudi:
Gewicht 15 kg
Radstand 1,25m
Sitzhöhe 38 cm
Tretlagerhöhe 67 cm
Beinlänge 87 cm
Gewichtsverteilung vorne 53%
Lenkkopfwinkel 55°
Nachlauf 2cm

Die TODO-Liste ist noch lang …
(z.B.: Carbon-Sitz, Seitenzugbremse für vorne, Versteifung des einzelnen Rohres unter dem Sitz, Lack, RR-Lenker an verstellbarem Vorbau, Kassette (9s?) mit 11er Ritzel (derzeit 7s 13-30), mind. 52er Kettenblatt (derzeit 46/36/26))
. Aber ich bin ganz froh, das Ding (fast) täglich zu bewegen.

PS: Das mittlerweile montierte vordere Schutzblech verbessert die Sicht enorm (durch weniger Staub in den Augen). ;-)
Ich lese hier schon länger immer wieder mal was nach und hoffe, dieser Beitrag ist irgendwie hilfreich.
 
Moin Meikel,
witziges Teil.
26417,190000_c (1).jpg
kontrolliere bitte vor jeder Fahrt Deine schwächste Stelle auf Risse und Verformung und verstärke sie zusätzlich zum untergeschweißten Blech.
Mein Rahmen ist dort zweimal gebrochen, auch @Nemberch hatte dort - bei größerer Auflage - irgendwann Bruch.
Gute Fahrt und many happy miles,
Gruß Krischan
 
Die TODO-Liste ist noch lang …
(z.B.: Carbon-Sitz, Seitenzugbremse für vorne, Versteifung des einzelnen Rohres unter dem Sitz, Lack, RR-Lenker an verstellbarem Vorbau, Kassette (9s?) mit 11er Ritzel (derzeit 7s 13-30), mind. 52er Kettenblatt (derzeit 46/36/26))
Dann hoffe ich mal, dass das Upgrade der Bremse eine höhere Prio bekommt als der Carbon Sitz... :)
1776928924076.png

Das ist wegen der Lötstelle schlecht einzuschweißen, aber ja, das würde deutlich helfen!
Ich hätte vermutlich einen geschweissten Rahmen als Teilespender genommen, aber das ist jetzt halt mal so...
 
Ich sehe in Abhängigkeit von Körpergewicht und befahrenen Strecken ausserdem noch eine mögliche Unterdimensionierung der durch die hohe Vorbiegung im derzeitigen Zustand stark belasteten Gabelkrone. Die auftretenden Kräfte (das gesamte "Antriebsdreieck" will ja nach oben weg und ich glaube nicht, dass die zusätzlich eingeschweißten dünnen Röhrchen, die schräg mach oben führen, das dauerhaft abfangen können) könnten am einfachsten durch eine druckstabile, aber für die Zugänglichkeit des Steuersatzes trennbare Verbindung zum Vorbauschaft möglichst knapp über dem Steuerlager abgefangen werden. Z.B. zwei überlappende, in der Überlappung verschraubte Stahlstreifen in entsprechender Dimensionierung würden mich da sehr beruhigen. Oder wenns ein Aluschaft ist, halt am Schaft per Schelle...
Der Bereich ist besonders beim Überfahren von Unebenheiten hohen Belastungen ausgesetzt und könnte genausogut nachgeben, wie die schon zu Recht angesprochene Stelle am Rahmen. Ansonsten sieht das nach erfrischender Bastelei aus!

LG Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für das Feedback und Interesse.
Weitere Daten: (was sind eigentlich die Bedingungen, alte Posts bearbeiten zu können, die ich nicht erfülle?)
Reifen 32-622
Sitzlehnenwinkel 34°

Das Ding hat noch keinen Namen. Logycle (von Logical Bicycle – als Steigerung zur Trunkenpolz'schen Original-Teileanordnung) oder Radkete kamen in den Sinn, sind jedoch laut kurzer Suche schon in Verwendung). Bisher ist es immernoch das einzige Liegerad, auf dem ich je gesessen bin. Außerdem ist es mein erstes Projekt, das ich geschweißt habe. Mit einem extra erworbenen günstigen 100A synergischom MAG-Schweißgerät.

Man erkennt – denke ich – ein paar Einflüsse. Zum einen der Wunsch, niedriger als Flevo-Racer und Cruzbike V20 zu bauen. Wenn auch nicht so niedrig wie ein Python. Zum anderen, näher am Knicklenker zu sein als die üblichen meisten Tom Traylor MBBs. Außerdem viele Einflüsse aus diesem Forum (inklusive dem geringen Nachlauf). Die Grundidee entstand vor ca. 20 Jahren beim Mitlesen in der Python Mailingliste oder dem Open Bike Wiki, als ich das erste mal ein Bild eines Speculoos/Kouign Amann sah.

Ich habe nichts konstruiert oder gezeichnet/geplant. Eher drauf los gesägt und ausprobiert.
24509,174027_c.jpg
24510,144512_c.jpg
25824,145503_c.jpg
25831,132419_c.jpg
Die ersten tatsächlichen Tests beschränkten sich jedoch darauf, den leichten Abhang hinunter zu rollen. Mit den Füßen auf den Vorderachs-Muttern. Nach einiger Zeit ging auch mit den Füßen auf den Pedalen rollen. Dann aus dem Rollen etwas mittreten. Bald zeigten sich jedoch statische Schwächen, die ihr auch schon genannt habt. Als erstes verbog (Torsion) die Gabelbrücke. Erst scheinbar nur langsam. Aber als ich nach einer Woche dann auf den geteerten Feldwegen hinter unserem Haus das Schlagloch, bei dem die Bauern mit ihren Schleppern immer vom Gas gehen, voll erwischte, war es zu Viel. Plötzlich hatte ich deutlich negativen Nachlauf und wurde abgeworfen. Aufgeschürfter Ellenbogen.
25913,133959_c.jpg
25913,134301.jpg
Ideen zur Verstärkung der Schwachstellen waren schnell gefunden.
25831,132422_geo.jpg
26322,131054_geo.jpg
Aber erstmal nur teilweise umgesetzt.
26403,134945_c.jpg
Hauptaugenmerk liegt immernoch darauf, den Bock zu zähmen. (Den
Neuronalen Regler
darauf abzustimmen). Die zweite Version gab jedoch bereits am zweiten Tag auf. Der verstärkte Vorbau (unter Spannung verschweißt) hat die Stöße wesentlich weniger abgeschwächt und schließlich bei einer nur leichten Bodenwelle zu einem Knacken geführt. Der Sitz sackte ab. Ich habe angehalten und nach Hause geschoben. Dabei brach dann die oberste Schweißnaht im Unterrohr komplett durch.
26407,114659_c.jpg
Daraufhin gabs dann die zweite Runde Rahmenverstärkung. (Wieder 4mm Rundeisen beiderseitig) Und diese Version hält nun seit über zwei Wochen stand. (oops, zu viele Bilder …)
 
… und weiter …
26411,161508_c.jpg
26411,161609_c.jpg

kontrolliere bitte vor jeder Fahrt Deine schwächste Stelle auf Risse und Verformung und verstärke sie zusätzlich zum untergeschweißten Blech.
Ich traue mir nicht zu, bevorstehende Brüche im Voraus zu erkennen. Etwas Grundrisiko wird immer bleiben. Der Bruch während der Fahrt mit dem Knacken war vorher nicht zu sehen.

Bei dem Knick unten hast du ein Knotenrohr eingesetzt. Das fehlt meiner Meinung nach oben auch.
Also von der nachgeschweißten Bruchstelle bis zum Lenkrohr, wo ich das Oberrohr abgesägt habe?

ich glaube nicht, dass die zusätzlich eingeschweißten dünnen Röhrchen, die schräg mach oben führen, das dauerhaft abfangen können
Ich weiß jetzt nicht, ob die roten Sattelstreben oder die auf Zug vorgespannt eingeschweißten 4mm Rundeisen gemeint sind. Aber seit der Verstärkung ist das Ding wesentlich steifer und vermutlich eher Überdimensioniert. Jedoch nicht so deutlich wie die Kettenstreben. Der Rest des Hinweises triff auf jeden Fall auf den alten Stand voll zu.

Dann hoffe ich mal, dass das Upgrade der Bremse eine höhere Prio bekommt als der Carbon Sitz... :)
Die hingepfuschte vorhandene, funktionierende Bremse erregt mehr Aufsehen als die zuvor Fehlende. Und ein Provisorium hält bekanntlich am längsten. Und da der Ruf ja nun bereits ruiniert ist … ;-)

Dein Fahrrad fährt, […] und hält derzeit auch.
Ich bin doch erstaunt, dass das einzelne Rohr unter dem Sitz das immer noch so gut mitmacht. Und dessen Schweißnaht zur (jetzt) Hinterrad-Gabel. Leider ist der Geistesblitz noch nicht gekommen, wie ich da um die Kantilever-Hinterradbremse herum die Versärkung anbringe.

In Ornbau wird das Teil zu besichtigen sein, freu mich!
Ich mich auch. Auch würd ich mich freuen, selber die Unterschiede zwischen viel und wenig Nachlauf, Steilem und flachem Lenkkopfwinkel sowie Knicklenker und MBB zu erfahren. Oder die Einordnung eines Mutigen, der einen Vergleich hat. Ich denke die gebaute Geometrie ist ja doch etwas ungewöhnlich. Und leider habe ich keinerlei Vergleich.

Allen vielen Dank für die Empfehlungen!

PS: Mit den Fachbegriffen habe ich es leider nicht so.
 
Zuletzt bearbeitet:
ich hab an meinen MBBs unterschiedliche Lenkwinkel und kann berichten:
Winkel wie beim "Up" Fahrrad = Vorderteil schwenkt nach links und rechts, gut beherrschbar und deutlich merkbar Arme Beteiligung für besseres Sprinten und steile Berge hochfahren im Vergleich zum Hecktriebler Liegerad... (ungefähr Idee von schnellen Cruzbikes)
Flacher "Lenk-Winkel", ähnlich deinem: das Vorderteil will immer beim Anfahren mehr nach rechts oder links unten abkippen, logisch
weniger Einfluss beim Treten auf die Lenkung, aber auch weniger Arme Einfluss bergauf, so ist mein Eindruck-
Freihändig kann ich beide fahren, habe aber auch den Vergleich zu MBB mit steilen Sitz und kaum Tretlager-überhöhung= am einfachsten zu fahren von allen MBB Varianten, aber auch am langsamsten im Vergleich : )
Ein höherer Sitz lässt das MBB gutmütiger fahren als megatief, was mir aus physikalischer Sicht einleuchtet-
 
Leider ist der Geistesblitz noch nicht gekommen, wie ich da um die Kantilever-Hinterradbremse herum die Versärkung anbringe.
Du hattest Dich vom Speculoos inspirieren lassen. Da fehlt noch'n Rohr :)
Ernsthaft: ich denke, die hintere Sitzabstützung könnte statt auf dem Mittelrohr auf den hinteren Gabelbeinen angebracht werden. Nicht ganz am Ausfallende, dann federt es gar nicht mehr.
Für den Übergang zum Steuerkopfrohr würde ich ein Rechteckrohr z.B. 50x30 vorschlagen. Das Steuerkopfrohr hat ja eine Seite ohne Muffen, an der Du das anschweißen könntest. Die Sitzvorderkante kannst Du ensprechend ausschneiden.
Das Ding hat noch keinen Namen.
Ich dachte, Gaudi sei der Name.
Ich finde die Machen-Testen-Verbessern Vorgehensweise bewundernswert. Scheint auch schnelle Fortschritte zu bringen. Bleib motiviert!
 
Die Konstruktion ist derzeit lebensgefährlich:
- Ein viel zu schwaches Hauptrohr
- Keine Aussteifung in den geschweißten Schnitten (hatte ich mal einen Thread dazu), hat bereits versagt
- Wer dicke Bleche und Knotenbleche braucht, hat keine gute Konstruktion
- Waagerechte Gabel für das Hinterrad ist Missbrauch des Bauteils, weil nicht dafür vorgesehen
- Schweißnaht an der Gabel im höchstbelasteten Übergang von den Gabelscheiden zum Gabelschaft

Erinnert mich irgendwie an den Erfinder, der 1912 mit seinem selbstentworfenen Fallschirm-Anzug aus 57m Höhe vom Eiffelturm sprang und starb.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wer dicke Bleche und Knotenbleche braucht hat keine gute Konstruktion.

So sieht's wohl aus - aber ohne Spezialwissen/CAD wird genau andersherum auch ein Schuh draus: Wer dicke Bleche und Knotenbleche hat, braucht keine gute Kostruktion. Daran habe ich mich bisher immer gehalten - dann werden es aber auch schnell deutlich mehr als 16 Kilo.

Zur waagerechten Gabel kann ich berichten, dass meine Eigenbau-Schwinge in meinem ersten MBB seit Jahren perfekt funzt und keinerlei Anzeichen von Schwäche erkennen lässt. Ich schaue da aus den von @jensNBG erwähnten Gründen regelmäßig genau drauf. Das hängt aber auch stark von der Ausführung der Gabel ab - was "Leichtes" hätte ich dafür gar nicht in Betracht gezogen.

Dazu kommt noch, dass meine durch die Federung ja weniger steile Lastspitzen ertragen muss.

Natürlich kann man die Verbindung Gabelkrone/-Scheiden durch Abstützung weiter hinten entlasten.

Damit erhöht man aber den Materialstress an den Ausfallenden. Muss man halt öfter mal schauen, ob sich Zeichen von Überlastung zeigen. Dass es ohne jede Vorwarnung knackt, kann zwar passieren, halte ich aber für eher unwahrscheinlich. Ist ja sicher kein nur in Belastungsrichtung optimierter und ansonsten knapp dimensionierter, hochlegierter Stahl...

LG Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
was sind eigentlich die Bedingungen, alte Posts bearbeiten zu können, die ich nicht erfülle?
Bearbeiten geht bis 30 Min nach dem Erstellen, danach sind die Posts fix.

Ansonsten eine sehr schöne Bastelei. Wenn man es dann irgendwann richtig hat, kann man ja eine konstruktiv verbesserte Version nachziehen.

Eine Frage habe ich zum Nachlauf: Im Post oben hast du einmal eine rote Linie eingezeichnet (Lenkachse). Die schneidet aber hinter dem Radaufstandspunkt die Aufstandsfläche (Straße). Das wäre dann Vorlauf und kein Nachlauf. Also der Punkt von der Radachse gerade nach unten muss 2cm hinter dem Durchstichpunkt Lenkachse / Straße liegen. Vielleicht ist das oben auch nur nicht richtig eingezeichnet?

Schön ist, dass du dich schon seit 20 Jahren damit beschäftigst, dies aber dein erstes Liegerad ist. Ich hab auch erst 2020 mein erstes Gebrauchtes gekauft und später alte Liegeradskizzen von mir von 1998 entdeckt....
 
Zurück
Oben Unten