KI-Firmen kaufen offenbar Antiquariate leer - Buchhändler alarmiert
Es sind sonderbare Bestellungen: Massenweise werden in Antiquariaten innerhalb kürzester Zeit online Ladenhüter bestellt. Dahinter stecken vermutlich Firmen, die ihre KI trainieren. Nicht nur Buchhändler sind alarmiert. Von J. Büchsenmann.
Die Vermutung der Händler: KI-Firmen beauftragen den massenhaften Bücherkauf, um ihre Programme zu schulen - ohne sich um Urheberrechte und die damit verbundenen Kosten zu scheren.
Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Recherche der Washington Post. Die US-Zeitung hatte vor einigen Wochen berichtet, dass Künstliche Intelligenz die im Netz verfügbaren digitalisierten Bücher nahezu komplett erfasst habe. Jetzt sind analoge Inhalte dran.
Wohl deswegen habe das KI-Unternehmen Anthropic sein Programm "Project Panama" lanciert. Dazu gehört ein Scanner, der in Hochgeschwindigkeit einzelne Buchseiten einliest. Diese wurden zuvor aus gebundenen Büchern herausgetrennt. Die Washington Post bezeichnet das lange geheim gehaltene Panama-Projekt als "destructive", also zerstörerisch.
Das ist es in der Tat, wie der Berliner Antiquar Zerfaß erklärt. "Wir hatten erfahren, dass die Bücher nach dem geplanten Digitalisieren geschreddert werden sollen. Da liefert man als Händler natürlich nicht gerne schöne Exemplare, die einen Nimbus oder eine Patina haben."
Er hofft nun darauf, dass Politik und Verbände ebenso alarmiert sind, wie er. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels reagiert auf NDR-Anfrage: "In unseren Augen ist solch eine Trainingspraxis ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht", sagt Börsenverein-Sprecher Thomas Koch. Allerdings gelte das Recht des Landes, in dem die Handlung vorgenommen werde. "Nach deutschem Recht wäre zum Beispiel das Einscannen der Bücher - zu welchem Zweck auch immer - nicht möglich. Dass das jetzt mit antiquarischen Büchern passiert, ist ein weiteres sehr beunruhigendes Beispiel für diese Praxis."
Mit großem Interesse verfolgt der Börsenverein auch die Klage der Penguin Random House Verlagsgruppe gegen Open AI. Die KI des Unternehmens soll das Kinderbuch "Der Kleine Drache Kokosnuss auf dem Mars" exakt kopiert haben - auf Basis eines einfachen Prompts - also des Stellens einer Aufgabe an die KI. Das ist nach deutschem Recht eine klare Urheberrechtsverletzung.