CFK Rahmen an einem UP reparieren

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Hallo allseits,

ich habe mir ein UP eingetreten, dass ich nun reparieren darf.

Rahmen = CFK
Oberrohr und Sattelrohr gebrochen.
Die Lage des Bruchs sieht so aus, als ob das Rad am Boden gelegen wäre und dann jemand draufgestiegen/-gesprungen ist.
Auf der linken Seite aufgebrochen, auf der rechten Seite nur die Bruchlinie sichtbar.
1626596067331.png

Nun zu meiner Fragen:
Beide Rohre sind auf Druck belastet. Das Oberrohr ggf. auch mal kurzfristig auf Biegung.
  • Wie würdet Ihr bei der Reparatur das Gewebe legen?
  • 0°-90°?
  • 45°?
  • Wie viele Lagen welcher Richtung?
  • Glasfaser/Epoxy habe ich zu Hause rumliegen. Spricht etwas dagegen, das zu verwenden?
Mir ist's bei dem Rad recht egal wie's aussieht und ob's ein paar Gramm schwerer wird.
Ich werde einfach drüber laminieren und die entstehenden Faserspitzerln kappen/abschleifen.
Vielleicht kommt dann als Scherz eine Abschlußlage Leukoplast drauf... ;)

Gruß, Harald
 

roland65

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Es gibt doch gute Anleitungen im Netz.

Nicht ganz leicht zu sagen, denn es kommt ja drauf an, WIE dünn die Rohre ab Werk sind. Mein im Aufbau befindliches Aero-RR hat stabil ausgelegte Rohre, ich kenne aber auch andere, die sich mittig dünn wie Papier anfühlen und auf dosierten Druck schon nachgeben. Erstere würde ich runter schleifen bis auf einen rel. dünnen Rest - würde ich vorsichtig per Hand machen - und letztere würde ich nach Entfernung des Lackes eher nur verstärken.

Durch Wiegetritt wird das Sattelrohr schon auch quer belastet. Nur Carbon - UD in Längsrichtung + Biaxial 45° einbetten - und das ganze nicht zu kurz. Eher leichte Gewebe und mehrere Lagen, wo nötig.
Ein paar Gramm wären mir egal, wenn es danach hält.
 
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Hi Roland,

Danke für das Feedback.

Schleifen werde ich nur so weit, dass die neue Schicht ordentlich hält.
Die Optik ist mir da einfach egal und es darf ruhig dicker werden.

Das Argument für "nur Carbon" würd' ich gerne verstehen. Was ist der Grund für diesen Rat?

Ja, sicher mehrere Lagen. Und ich werde nicht alle an der selben Stelle enden lassen.

Gruß, Harald
 
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Ach Ja, so schaut der Patient aus...
Unbenannt.jpg

Ein wenig komisch, wenn die Komponenten funktionieren, aber der Rahmen verarztet werden muss.
 
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Ich habe vor einiger Zeit einen RR-Rahmen mit durchgebrochenen Sitzstreben (Auffahrunfall) repariert, der jetzt schon über 2000km hält.
Als Erstes solltest Du den Rahmen mal frei an einem Faden aufhängen und rundrum mit dem Fingerknöchel abklopfen. Wenn es irgendwo dumpfer klingt, könnte sich da noch eine versteckte Schadstelle verbergen. Oberflächenrisse findet man auch mit heller, dünnflüssiger Farbe, die man nass abwischt und dann schaut, ob man Überbleibsel in Rissen findet.
Bei der Reparatur rate ich das Gleiche wie Roland: Carbon repariert man mit Carbon. Der E-Modul ist so viel höher, dass nur auflaminiertes Glas kaum mitträgt und so die Last nicht ordentlich übernehmen kann. An den skizzieren Stellen in der Mitte des Rohres wirken fast nur Zug-Druckkräfte. Da sollte auch das Reparaturmaterial zu mindestens 50% aus UD-Gelege (z. B.: https://shop1.r-g.de/art/192100050-UUD ) bestehen. Das +/-45°-Gewebe nimmt dann die Scherspannungen zwischen den Lagen und dem Basis-Rahmenmaterial auf und sorgt für Ringsteifigkeit (damit der Rohrquerschnitt unter Last nicht oval wird).
Um Spannungsspitzen an der Bruchstelle zu vermeiden, solltest Du schäften. Also Rohr konisch auf nahezu null am Bruch zuschleifen und dann mir kurzen Stücken anfangend in mehreren Lagen nach außen länger werdend auflaminieren. Ganz außen kannst Du noch feines Glasgewebe (z. B. 80-105g/m²) als Schleiflage nehmen und alles stramm mit Abreißgewebeband (zur Not auch Geschenkkräuselband) stramm umwickeln.
 
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Carbon repariert man mit Carbon. Der E-Modul ist so viel höher, dass...

Danke für den Hinweis mit dem E-Modul.
Auch wenn's offensichtlich ist: In diese Richtung hatte ich halt noch nicht gedacht....

Schleiflage? Nicht nötig. Ich denke eher daran, als Abschlusslage eine Mullbinde mit Pflasterstreifen drüber zu pappen.
Das müsste mit Epoxy drauf eigentlich auch recht haltbar sein...
Verstecken kann ich die Reparatur nur mit Riesen Aufwand. Dann darf sie auch gern gut sichtbar sein.

Gruß, Harald

PS:
Ansonsten sollte das Rad zum aktuell verwendeten Gatschhupfer schon ein Fortschritt sein:
  • Die Rockshox SID spricht deutlich besser an, als die Billiggabel an meinem aktuellen Rad.
  • Das Gewicht wird deutlich niedriger
  • AVID Elixier CR Hydraulikbremsen haben zwar nicht die besten Reviews, es schaut aber danach aus dass diese brav das tun was sie sollen.
  • SRAM X9 (2x10) ist wohl auch ganz OK. (Wenn ich mich richtig erinnere, sind die Schaltseile bei der X10 in VMs dauernd gerissen?)
  • Nur Kette und Ritzelpaket brauch ich bald neu. Das wird die Gesamtkosten deutlich rauftreiben.
    (> 60 EUR für ein Ritzelpaket finde ich heftig. Aber das mögen Andere anders sehen...)
 
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Wenn sie komplett mit Harz getränkt wird, dringt kein Wasser ein. Dafür addiert sie überflüssiges Gewicht, ohne dem Hauptrahmen stabilitätsbezogen Vorteile zu verschaffen. Die Baumwolle sorgt zudem nicht für eine gleichmäßige Oberfläche, da sie sich einfach stretcht beim Umwickeln.
So hast Du dann keine Möglichkeit, überflüssiges Harz aufzunehmen (wofür ich Deinen Mullbindenversuch verstand - dann wäre es eine Feuchtigkeitseindringstelle, da Du es nie wieder herunter bekommst).

10 cm breites Abreißgewebe zweimal drumgewickelt, mit Klebeband fest fixiert / angedrückt und nach Aushärten abgezogen ist die deutlich gleichmäßigere Oberfläche mit dichterem Faseranteil.
 
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Mullbinde als Kompressionswicklung könnte gehen, habe es aber nicht selbst getestet.
Vorteil dürfte sein, dass sie weniger zu Faltenbildung neigt, als Abreißgewebe und Luft und überschüssiges Harz gut durchlässt, bzw. auffängt.
Ich würde allerdings dann sämtliches MFK nach dem Aushärten runterschleifen (erst mit Winkelschleifer, P60 bis P80, dann mit Exzenterschleifer, P120 bis P240), abschließend mit einem Baumwolllumpen mit frischem Harz gründlich abreiben, um Staub zu binden, dann lässt sich später besser sauber halten.

Ich würde die längste Lage zuerst legen, die kürzeste zuletzt. So liegen die Fasern eher wellenfrei, und so kann manauch die Lagenränder nach Aushärtung perfekt zurückschleifen, und hackt beim Schleifen nicht hundert Löcher in die oberste Lage.

Das legen der Reparaturlagen in der Reihenfolge von Groß zuerst nach Klein am Schluss ist tausendfache Praxis bei der Reparatur von Leichtflugzeugen.
 
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Mullbinde als Kompressionswicklung
Ich überlege das nicht als Kompressionswicklung sondern als Deko die bleibt.
Dass dies nicht zu herkömmlichen Optik-Kriterien passt, ist klar...
:)

Dafür addiert sie überflüssiges Gewicht, ohne dem Hauptrahmen stabilitätsbezogen Vorteile zu verschaffen.
Auf die Stabilität bezogen, wären das unnötige ca. 100 g (?) ohne Nutzen zu bringen.
Aber dann sagt keiner "grausig laminiert". Nur mehr: "Was ist denn das?!"
Wahrscheinich verringert's auch die Diebstahlgefahr, weil keiner so eine Kiste (ver)kaufen würde.
Sozusagen eine Boruttisierungs-Abschlusslage.
;)
 
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Aber dann sagt keiner "grausig laminiert". Nur mehr: "Was ist denn das?!"
Wahrscheinich verringert's auch die Diebstahlgefahr, weil keiner so eine Kiste (ver)kaufen würde.
Ja guuuut - das lasse ich gelten. :ROFLMAO: Üblicherweise ist dies selten Ziel von Instandsetzungen, ich versuche so etwas grundsätzlich, zu vermeiden.
Aber jedem seine eigenen Ziele, Du willst es nutzen, also muss es Dir zusagen. (y)
 
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Frischhaltefolie nutze ich nur noch selten, denn sie ist deutlich zu instabil für meine Wickeltechnik.
Robuste Alternativherstellerprodukte zum großen T-Paketklebeband lassen sich mit 15-25 kg Zugkraft (je nach Oberfläche) spannen und somit auch robuste Kerne mit höchstem Flächendruck umwickeln.

Für alle Laminiertechniken, welche keine Vakuumalternative durch mechanischen Druck darstellen, ist Frischhaltefolie eine gute Wahl. Sofern diese allerdings Falten schlagen kann, verklebt sie teils in belastbarerem Zustand, als ihre Rissfestigkeit abzuziehen ermöglicht. Daher auf jeden Fall mit Abreißgewebe arbeiten, sofern gewinkelte / spitze Ecken oder Kanten vorhanden sind und Frischhaltefolienreste auf dem Laminat vermieden werden sollen. Diese lassen sich durch Schleifen nur schwerlich entfernen (schmelzen => versauen Oberfläche).
 
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Frischhaltefolie nutze ich nur noch selten, denn sie ist deutlich zu instabil für meine Wickeltechnik.
Robuste Alternativherstellerprodukte zum großen T-Paketklebeband lassen sich mit 15-25 kg Zugkraft (je nach Oberfläche) spannen und somit auch robuste Kerne mit höchstem Flächendruck umwickeln.
Kommt halt drauf an wieviel man pressen muss/möchte. Thomas Schott hat die RazzFazz-Rahmen mit einem Schlauch in der Form aufgepumpt. Nach ihm waren 5bar das Optimum. Darüber gab es auch wieder irgendwelche Nachteile.
 
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Wobei die Form dann schon seeehr robust gebaut sein muss, sonst zerreißt es die.
Naja, ein Rohr längs in 2 Teile schneiden, dann mit so viel Schnur oder Draht umwickeln, dass es nach Bockwurstformel ausreichende Spannungen aushält. (Bei einem 1 m langen 100 mm Rohr und 5 bar sind das 2,5 to Zug pro Rohrseite sein = 50 to/m²).
Wenn z.B. Drachenleine 1kN hält, also 50 Wicklungen + Sicherheitszuschlag.

Geht schon, aber ist mir wahrscheinlich zu viel Aufwand. Lieber 1-2 Lagen mehr ohne Aufwand...

Noch ungelöst:
Woher krieg ich 20 Unterschriften am Verband, die gute Besserung wünschen?
 
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