Brevet Brevet-Berichte 2017

Dieses Thema im Forum "Treffen, Rennen und Veranstaltungen" wurde erstellt von RaptoRacer, 10.02.2017.

  1. Sutrai

    Sutrai

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    Die richtigen Hasen sieht man aber auch nur ein einziges Mal: direkt beim Start...
     
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  2. Radwunschmeister

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    400 Km Brevet ARA Schleswig-Holstein 01.04.2017

    Nachdem wir beim 300er ab Kiel mit starkem Gegenwind und ich mit 3 Platten zu kämpfen gehabt habe, sahen die Ausgangsbedingungen an diesem Samstag deutlich besser aus.
    Es versprach ein sonniger Tag zu werden, nur ein laues Lüftchen wehte und ich hatte mir für vorne an meinem VM neue, aber gut abgelagerte Reifen gegönnt. Am Start konnte ich
    wieder viele bekannte Gesichter begrüssen, so u.a. auch, als einziges anderes HPV, @Andreas mit seinem Troytec Highracer. Kurz nach 07 Uhr ging es los und die knapp über ein Dutzend Teilnehmer/innen setzten sich in Bewegung. Ich liess mir Zeit und fuhr der Gruppe hinterher. Nach kurzer Zeit hatte ich @Andreas eingeholt, der entspannt sein Tempo fuhr. Die ersten
    25 Km sind wir dann gemeinsam aus Kiel raus und über die Dörfer gefahren und haben uns die ein oder andere Anekdote aus den bisher gefahrenen Brevets erzählt.
    Hinter Flintbek ging es auf der L255 weiter u. ich entschied mich, da es dort gut rollte, zu einer etwas flotteren Gangart. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Brux und Haßmoor ging es durch Wald, wo mir grössere Gruppen von RR entgegenkamen. Vor der ersten Gruppe und mir flitzte noch schnell ein Reh über die Strasse, aber dieses wurde zum Glück rechtzeitig bemerkt u. das Tempo entsprechend gedrosselt. Viele der RR kannte ich vom Sehen und hörte später von einem anderen Randonneur, das dies Teilnehmer des "Fischbrötchen"-Brevets ab Nortorf gewesen sind.
    Normalerweise hatten wir bisher immer in Rendsburg den Nord-Ostsee-Kanal per Schwebefähre gequert, um auf der Nordseite zu unserer 1. Kontrollstelle in Breiholz zu gelangen.
    Aber nachdem die Fähre Anfang letzten Jahres mit einem Frachter kollidiert war, und dabei irreparabel beschädigt wurde, warten wir auf den Neubau. Somit musste sich auch der Organisator Stefan eine alternative Route ausdenken und entschied sich, in Breiholz die Kanalfähre zur Querung des NOK zu nutzen. An der Fähre traf ich das erste Grüppchen RR u. gemeinsam rollten wir zur Kontrolle im Ort. Bei der lokalen Bäckerei gab es für mich ein erstes Frühstück, bevor ich mich daran machte, die inzwischen weiter gefahrenen RR wieder einzuholen.
    In Oldenbüttel ging es wieder über den NOK, um unsere Route Richtung Süden zur nächsten Kontrolle in Glückstadt fortzusetzen. Dieser Brevet ist allgemein eher flach bis leicht wellig.
    Nur Gelegentlich errinnert uns Stefan bei seiner Streckenführung daran, warum ich z.B. eine Dreifach-Kurbel an meinem VM mitschleppe. In Hanerau-Hademarschen ging es über die Geest
    und eine schöne lange Abfahrt hinunter. Unser Weg führte uns weiter durch das Dörfchen Wacken, wo ich das erste Duo RR einsammelte und dabei stilgerecht mit der "Pommesgabel" grüsste.
    In Heiligenstedten querte der Track die Stör und auf dem Weg entlang des Flussdeiches holte ich die in Breiholz gesichtete Gruppe aus 5 RR ein. Dummerweise verpasste ich, nachdem ich diese überholt hatte, eine Abzweigung, so dass ich auf der Landstrasse parallel zum Deich weiterfuhr. Irgendwann kam zum Glück eine Querstrasse, die mich wieder Richtung Deich brachte. Ratet mal, wer just an dieser T_Kreuzung von rechts angerauscht kam. Yepp, das Quintett RR. Irgendwann wurde die Strasse wieder grösser u. ich könnte mich kurz vor der Blomschen Wildnis erneut von der Gruppe absetzen. In Glückstadt steuerte ich zur Verpflegung erst eine Supermarkt und dann die Kontrolle an. In der Zwischenzeit war das RR-Grüppchen natürlich wieder auf und davon. Aber egal.
    Die Sonne schien u. ich fuhr weiter nach Sommerland-Grönland. Die Leute dieses Ortes haben einen gewissen Bezug zu dieser Insel, denn ihre Verteilerkästen sind mit Iglus u. Inuit beim Fischfang bemalt. Über Horst und Barmstedt ging es weiter zur 3. Kontrolle in Henstedt-Ulzburg. Unterwegs passierte ich noch drei RR, wobei der zuletzt eingeholte ein Fahrer war, der eigentlich eher zu den Schnellen gehörte. Aber nach einer Bandscheiben-OP macht ihm das rasen in der Gruppe Probleme u. er fuhr daher langsam alleine weiter. In Kisdorferwohld ging es wieder über einen Höhenzug, mit etwa 91 m Höhe schon recht ordentlich für Norddeutsche Verhältnisse. Am Grabauer See vorbei erreichten wir Bad Oldesloe. Was wäre ein Abstecher dort ohne den Ritt über die Höhenzüge des Travetals via Poggensee. Unsere 4. Kontrolle war ein Autohof in Reinfeld. Dies war auf dem Track nur ein kurzer Stich und auf dem Weg aus dem Ort raus kam mir wieder unser Quintett an RR entgegen. Wo ich die wohl unwissentlich überholt hatte? Nun ging es in nördlicher Richtung u.a. durch Zarpen, durch das ich letzten Samstag auch schon beim 200er des ARA Hamburg gekommen war. Déjà vu... . Via Ahrensbök gings Richtung Eutin, um auf Höhe Meinsdorf nach Osten zur nächsten Kontrolle in Grömitz abzuschwenken.
    Hier traf ich zum ersten mal auf die Spitzengruppe, lauter PBP-Veteranen in den besten Jahren, aber verdammt flott unterwegs. In der Zeit, die ich brauchte, um an der Tanke ein Käsebrötchen zu verzehren, waren diese auf und davon. Aber ich hatte die Jungs nicht zum letzten mal gesehen. Bisher lief es sehr gut bei mir und ich hatte die nicht ganz 300 Km mit einem 30er Nettoschnitt hinter mich gebracht. Stefan muss bei seiner Routenwahl einen gewissen Sinn für Humor haben. Nach dem Dörfchen "Hoffnung" ging es nun in die Richtung von "Grube". Aber letzterer Ort liegt nicht, wie der Name vermuten lässt, in einer Senke, sondern am Rand des Oldenburger Grabens und damit eher höher. Über den Ortsteil Rosenhof führte der Weg über einen für den Kfz-Verkehr gesperrten Wirtschaftsweg nach Süssau. Konnte ich das 1. Hindernis, eine Schranke, noch umfahren, so war bei der Blockade aus grossen Feldsteinen am anderen Ende guter Rat teuer. Die darin gelassenen Lücken waren eindeutig zu schmal für das Quest :mad:. Zum Glück hatte das angrenzende Feld einen mit Gras bewachsenen Randstreifen, sodas ich mein VM nur über selbigen und den trennenden flachen Graben zerren musste, um daran vorbei zu kommen. Aber das war das einzige gravierende Manko der ganzen Strecke, welche den bisherigen schönen Eindrücken keinen Abbruch tat. Kurz vor der nächsten Kontrolle in Heiligenhafen sammelte ich einen RR ein, der den Anschluss an die Spitzengruppe verloren hatte und gemeinsam rollten wir auf die dafür vorgesehene Tankstelle. Die anderen RR waren bereits fertig mit Ihrer Pause und im Aufbruch begriffen. Diesmal sollten mir diese nicht wieder so leicht davonfahren, also gab es nur eine "Mexikostange", ein Plundergebäck mit Mohn u. scharfer Tomatenfüllung, auf die Hand. Lecker! Erst nach etwa 20 Km konnte ich die RR dann in Oldenburg/Holstein einholen. Ich traute meinen Augen nicht, als ich bemerkte, wer die Gruppe anführte: -ein älterer Randonneur mit Gipsverband an der linken Hand! Wenn ich nicht selbst einen ähnlichen anderen "Fall" kennen würde, würde ich sagen, der Gute ist nicht ganz normal. Was ihn aber nicht davon abhielt, mit bis zu 44 Km/h über die dunkle Landstrasse zu rasen. Kurz vor Einhaus konnte ich die Gruppe dann endlich überholen, diese saß mir aber weiter im Nacken u. an den Hügel(che)n kamen ihre Scheinwerfer immer wieder näher. In der Nähe des Bahnhofs Kleetkamp war der Track nicht sauber auf die tatsächliche Strassenführung gelegt und als ich mich noch aus dem falsch abgebogenen Ackerweg manövrierte, zog das Grüppchen hinter mir ein mal mehr vorbei.
    Auf kleinen Wegen kam ich i.d.R. nicht an diesen vorbei. Nun folgte jedoch eine etwas breitere Landstrasse und nach kurzer Zeit hatte ich die RR wieder "kassiert". Weiter ging es durch Lütjenburg nach Dransau. Hier hatte Stefan den Track besonders wild eingezeichnet, denn die Route machte dort ein nicht nachvollziehbares Dreieck. Also das GPS eingezoomt u. den wirklichen Strassenverlauf rausgesucht. Dem Trupp RR war das offentsichtlich zu mühselig u. dieser rauschte an mir vorbei, um dann später über eine Parallelstrasse wieder auf den Track zu stossen. Ich also alleine weiter. Am Selenter- und Dobersdorfer See vorbei ging es Richtung Schlusskontrolle in Schönkirchen.
    Uns war unterwegs schon ein starkes Wetterleuchten aufgefallen, was aber noch weit entfernt war. Doch der Wetterbericht hatte für den Abend Regen angesagt, und den sollten wir jetzt bekommen. Und das nicht zu knapp. Der einsetztende Regen wurde immer stärker, so dass ich die Einstiegsöffnung mit dem Schaumstoff-Verdeck verschloss und einen Regenbezug über meinen Helm stülpte. Kurze Zeit später kam mir im dunklen Wald am Seeufer ein Pkw mit eingeschaltetem Warnblinklicht entgegen. Offentsichtlich schafften dessen Scheibenwischer es nicht mehr, mit der auf uns niederprasselnden Regenflut fertig zu werden. Ich selbst sah durch meine Brille auch fast nix mehr und entschied mich, an einer Bushaltestelle mit Wartehaus meine durchweichte Windweste gegen die Regenjacke zu tauschen und auch noch ein Cap unter den Helm zu ziehen. In diesem Moment rauschte das Grüppchen RR wie von Furien gehetzt an mir vorbei. Die armen Jungs dürften nass bis auf die Knochen gewesen sein, denn keiner hatte eine Jacke, ganz zu schweigen von Regenklamotten an.
    Ich saß nach kurzer Zeit trocken(er) und warm wieder in meinem VM, und machte mich erneut auf den Weg. Die Dame an der Tanke in Schönkirchen wollte mir Anfangs nur einen klitzekleinen Stempel mit dem Logo des Betreibers in die Kontrollkarte drücken. Aber zu einer ordnungsgemässen Quittierung der Passage gehört halt auch eine Adresse, also das Ganze retour und nochmal mit dem "grossen" Stempel versehen. Der Schnitt war, witterungsbedingt, auf 29,4 Km/h netto abgesunken. Aber als ich dann am Ziel beim Kanuheim des ETV ankam, stellte ich
    mit Freude fest, das ich in der gleichen Zeit, wie beim 300er vor 2 Wochen, 100 Km mehr gefahren war.
    Wenn das mal kein krönender Abschluss eines tollen Brevets gewesen ist!

    Gruß,
    Morten
     
    Zuletzt bearbeitet: 03.04.2017
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  3. Micha13

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    Ein paar wenige Bilder zum 200er gibt's auch noch, hab ich vergessen dran zu hängen. DSC_0787.JPG DSC_0789.JPG DSC_0792.JPG DSC_0796.JPG DSC_0797.JPG DSC_0798.JPG DSC_0801.JPG
     
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  4. HFKLR

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    Hallo Micha, na dann hat der 200er also gut geklappt? die unteren Bilder(M5 an Granitpfahl gelehnt) : das ist der blick ins Eggener Tal oder? Grüsse HFKLR
     
  5. Micha13

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    Wie das heißt will ich gar nicht wissen.... Aber wahrscheinlich hast du recht, kurz vor der Abfahrt nach Badenweiler. Das Rad steht allerdings in die falsche Richtung, es ging nach rechts weiter.
    Ja, ging alles gut. :D
     
  6. Fafnir

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    Glückwunsch! Du fährst ohne Kopfstütze?
     
  7. Micha13

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    Auf keinen Fall. Eher sehr bequeme. Bin mal ein paar Tage ohne zur Arbeit, danach hatte ich über Monate übelste Verspannungen.
     
  8. RaptoRacer

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    Und auch für @bike_slow :
    Ich habe bei Michaels Brevets so was schon öfters erlebt.
    Gerade bei einem älteren 200er und 300er in Wankum war am Ende noch mal ein Bogen drin wo man auf einen Schlag 8-10km kürzen konnte.
    Was auch reichlich:mad: in Anspruch genommen wurde.
    --- Beitrag zusammengeführt, 03.04.2017 ---
    Na siehste geht doch!(y)
     
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  9. Fafnir

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    Am ersten April starteten von 50 angemeldeten propere 41 Randonneure auf eine neue Strecke, die uns in südöstlicher Richtung an Frankfurt vorbei bis zum südlichen Wendepunkt Amorbach, auf einer Höhe östlich von Fürth gelegen, über einen schmalen Bogen durch Spessart, Odenwald und Vogelsberg zurück nach Giessen führte. Davon konnten sich am Ende immerhin 36 Starter homologisieren.
    Die ersten rund 50 km sind flach, so dass sich die rund 3200 Hm auf die restliche Strecke verteilen. Insgesamt handelt es sich um einen waldreichen, mit etlichen strammen und zum Teil langen Anstiegen und eben so vielen rasanten Abfahrten gespickten Kurs.
    Im Grunde Bilderbuch artig, wenn, ja wenn es nicht ins Rhein-Main-Gebiet gegangen wäre, unserem verkehrsreichen und nebenwegsarmen Ballungszentrum. Selbst auf Landstraßen dritter Ordnung mussten wir uns oft, in meinen Augen allzu oft, einem nimmer müden Strom Pkws und hunderter Motorräder erwehren, die bestimmt vom, und das ist die gute Nachricht, durchgehend sonnigen Wetter angelockt worden waren. So aber hatte ich es immer wieder mit Drängelmanövern, Aus-dem-Seitenfenster -Geschrei, Gehupe und in der Nacht mit Aufgeblende zu tun, was mir neben dem vielen Staub ein ums andere Mal die Sinnfrage entlockte.
    Immerhin ließ der Verkehr nach Einbruch der Dunkelheit nach, so dass für uns eine mehr oder weniger lange Zeit der Ruhe begann. Im Rückblick wäre das bereits ein Fazit, das ich vorher so klar nicht gesehen habe: verkehrsarm ist das A und O einer Strecke!
    Zurück zum Anfang! In zwei Gruppen starteten wir in einen kühlen, aber trocknen Morgen. Die ersten 50 flachen Kilometer herrschte ein durchgängig hohes Tempo, so dass ich trotz eines 28er Schnitts nach einer Pinkelpause oder roten Ampel schnell wieder von einigen eingeholt wurde.
    Bei Kilometer 58, kurz unterhalb der Kuppe eines Anstiegs wurde ich langsam unruhig. Sollte nicht bei rund 50 km die erste Kontrolle gewesen sein? Eine Essotanke hatte ich nicht gesehen! Also doch lieber anhalten und in der Streckenbeschreibung nachsehen. Sofort war klar, eine der goldenen Regeln des Velocio außer Acht lassend war ich im Vollgefühl anfänglicher Kraft an der Kontrolltanke vorbei geprescht. Ein paar kräftige Flüche, die Erkenntnis, es nützt ja nichts, interessant, wie sich das Gehirn ein paar Sekunden weigert, Tatsachen anzuerkennen, das Rad gewendet, und dem blödsinnigen Gedanken folgend, den Fehler so schnell wie möglich, na ja, im Grunde ungeschehen zu machen, zurück gerast, an allen außer den zwei führenden Teilnehmern vorbei, eine Fahrt nach Canossa. Den zwei großen Gruppen noch zugerufen, "Kontrolle verpasst!", nicht dass noch einer auf die Idee kommt, mir hinterher zu fahren! Den Berg wieder runter, Kaff-Landschraße-Kaff, usw. Die Zeit dehnte sich, auf die Tanke drauf. Dort ritten gerade zwei Kollegen ein, mit friedlicher und ruhiger Gesinnung riefen sie mir zu: "Wir sind die letzten!" An der Wand lehnte das Moutainbike mit Stollenbereifung und gut Gepäck. Ob der junge Bursche es geschafft hat? Das wäre wirklich Audax!
    Schnell gestempelt, wieder los, ein Eis während der Fahrt, auf Automatik, den anderen hinterher. Das sollte sich noch bitter rächen! Bis zur Fähre Dörnigheim bei km 63 hatte ich dann wieder Anschluss an ein paar Nachzügler, zwei weiteren begegnete ich an der zweiten Kontrolle, die beiden großen Gruppen waren aber weg, die erste blieb es, die zweite sah ich noch im Aufbruch an Kontrolle 3 bei Kilometer 145, wo ich eine halbstündige Rast in Gesellschaft des Organisators einlegte. Dem begegnete ich im Lauf des Nachmittags noch einige Male, das vorletzte Mal, als es hinter mir einen hellen Knall tat, er sich ans Flicken machte und mir viel Glück bei der Weiterfahrt wünschte, das letzte Mal, als ich einen strammen Berg hoch gedrückt war, nur um oben in stiller Verzweiflung festzustellen, wie sich die magenta farbene Linie in kränkender Weise vom Track entfernt hatte. Mittlerweile hatte ich richtig Durst bekommen; anderthalb Stunden vor der zweiten Kontrolle war mir das Wasser ausgegangen. Wieder rein trinken ging nicht mehr, die Kopfschmerzen am nächsten Tag waren mir sicher.
    Bei Einbruch der Nacht packte ich mich noch mal warm ein für die erstaunliche kalte Nacht, immerhin wurde so mein Sonnenbrand gekühlt. Von unten kam ein Kollege an, den ich letztes Jahr bei Karls 400er kennen gelernt hatte. Damals standen wir nachts an einer Gabelung, er meinte: "Ich glaube, wir müssen rechts!", und ich meinte: "Ich glaube, wir müssen links!". Das war für mich so etwas wie eine Randonneursweisheit geworden! Wir schimpften ein bisschen gemeinsam und seltsam heiter, dann kurbelte ich rammdösig auf die vierte Kontrolle bei Kilometer 238 los.
    Dort traf ich gegen halb zehn zwei weitere Mitfahrer, die es wegen der schicksalhaften ersten Kontrolle noch viel übler erwischt hatte als mich. Auch sie fuhren daran vorbei, merkten es aber erst an der Fähre Dörnigheim, bei Maximalzeit der ersten Kontrolle. Glück im Unglück brauchten sie keine Homologation und nahmen es erstaunlich gelassen. Während sie aufgrund ausreichender Zeitreserve einen Italiener ansteuerten, blieb ich misstrauisch und setzte mich wieder in Bewegung. In dem Fall gut getan! Irgendwo im Vogelsberg im schönen Örtchen Schlierbach bog ich falsch ab und quälte mich den Spielberg hoch, eine schöne ellenlange Serpentine. Oben angekommen suchte ich wieder einmal vergeblich, wendete das Rad schon irgendwie Gott ergeben, raste den Berg wieder runter (tolle Abfahrt) und bog vor dem Ort rechts in ein Flachstück ab. Irgendwann kam dann mit Nidda bekanntes Gelände, Richtung Hungen wurde es flach, hinter Lich noch ein paar zähe Rampen und dann Schussfahrt runter nach Giessen.

    Schmachvoll und geschlagen erreichte ich um 2:00 Uhr in der Nacht nach inklusive An- und Abfahrt 343 km (davon 335 Brevet-Km) und 15,5 Stunden Fahrzeit die Zieltanke in Giessen, gab meine Karte ab, und fuhr dann sofort nach Hause weiter, immerhin um eine Erkenntnis reicher: Loslassen ist noch nicht so mein Ding! Eigensinn tut weh! Auch nach zwei Jahren ist aus mir noch kein weiser Randonneur geworden. Da hilft nur eines: weiter üben!
     
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    Tut mir ja auch leid... Navigieren konntest du bei mir halt nicht lernen, immer nur 50km geradaus, rechstabbiegen, 50km geradaus, rechstabbiegen, ....
    Gruß Hartmut
     
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  11. norfiets

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    Nachtrag zu Münster 300km zwei Bilder @Gluecksritter
    --- Beitrag zusammengeführt, 03.04.2017 ---
     

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  12. Andreas

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    Guten Abend,

    wie @Radwunschmeister schon verraten hat, bin ich ebenfalls den 400er in Kiel gefahren. Da es dort letztes Jahr schon sehr gut lief, hatte ich nur das Ziel, nicht langsamer zu sein. Das gelang mir nicht ganz, aber dafür habe ich ein anderes Ziel erreicht. Dazu später mehr.

    Der Start diesmal erst um 7:10 und dann ging es wie gewohnt leicht bergauf aus der Förde heraus. Ich bin die Sache locker angegangen, denn für Sprints kurz nach dem Start bin ich zu alt. Oder zu weise. Das Wetter war besser als 2016. Morgens deutlich weniger Nebelfeucht und auch kein Regen. Praktisch den ganzen Tag wechselten sich Wolken und Sonne ab. Wie Morten schon geschrieben hat, geht es ab Rendsburg südlich des Nordostsee-Kanals bis zur ersten Kontrolle in Breiholz. Allerdings wollte ich mir den Fußgängertunnel angucken, sodass ich unter dem Kanal durch bin, was leider vorher ein wenig Stadtverkehr bedeutete. Auf der nördlichen Kanalseite ging es dann schnell aus Rendsburg heraus. Kurz vor der ersten Kontrolle in Breiholz habe ich im Vorbeifahren Wolfgang R. gesehen, der auf der Fähre stand und kurz nach mir die Kontrolle erreichte.

    Nach zwei Teilchen in der Bäckerei ging es weiter Richtung Glückstadt. Die Deiche an der Stör waren so grün wie letztes Jahr, aber leider ohne Schafe. Dafür gab es nur minimalen Gegenwind, 2016 hatte ich auf dem Abschnitt ein wenig gegen den Wind kämpfen müssen. Einen Kilometer vor der Kontrolle gab es die erste (und einzige) große Essenspause beim Dönermann. Die hat fast 25 Minuten gedauert, aber ohne solche Pausen bin ich auf Dauer langsamer. An der Kontrolle dann nur den Stempel geholt und fuhr mit leichtem Rückenwind weiter zur dritten Kontrolle in Henstedt-Ulzburg. Nach einem Tankstellenbrötchen weiter nach Reinfeld, auch dieser Abschnitt recht unspektakulär. Man konnte sich gut aufs Radfahren konzentrieren. Unterwegs habe ich zwei Rennradfahrer getroffen, die eine Pause an einer Bushaltestelle machten. Sie waren bis dahin etwas zu flott gefahren und mussten sich erstmal erholen. Brauchten aber keine Hilfe, so konnte ich nach sehr kurzem Gespräch weiter.

    An der 4. Kontrolle in Reinfeld gab ein weiteres, etwas zähes Tankstellenbrötchen. Dann ging es zur nächsten Kontrolle in Grömitz an der Ostsee. Die neue Streckenführung aus Reinfeld heraus war sehr hübsch und praktisch autofrei. Dieser Abschnitt war wieder ein wenig hügelig, und oftmals konnte ich den Schwung mitnehmen oder kurze Steigungen fix hochkurbeln. Für diese 72 km mit 500 Höhenmetern habe ich 3:14 gebraucht, für mich ein guter Wert. Aber ich habe auch wieder gemerkt, wie schlecht ich bei Dunkelheit in den Straßen im Wald den Straßenrand erkennen kann, wenn der Asphalt in Erdboden übergeht. Den Kontrast zwischen Asphalt und Gras kann ich gut sehen, aber Asphalt und Erde sehen sich aus meiner Perspektive verdammt ähnlich. Das heißt, dass ich bergab viel bremsen und mich stark konzentrieren musste. Um 21:26 war ich in Grömitz, also eine gute halbe Stunde vor Ladenschluss der Tankstelle. Ich hatte mir ausgerechnet, dass es furchtbare Hektik würde, wenn ich die nächste, 33 km entfernte Kontrolle in Heiligenhafen bis 23 Uhr erreichen will; um diese Zeit schließt nämlich dort die Tankstelle. Zum Glück hatte ich von anderen Randonneuren unterwegs erfahren, dass es mit einem Spielcasino schräg gegenüber der Tankstelle eine weitere Kontrollmöglichkeit gibt, sodass ich keine Eile haben musste. Ich habe also in Grömitz noch etwas gegessen (Tankstellenmikrowellenburger), wasser nachgefüllt, die Brille geputzt und wärmere Kleidung angezigen konnte. 31 Minuten dauerte mein Aufenthalt in Grömitz. Das war die längste Pause überhaupt bei dem Brevet. Aber sie war gut und hat geholfen, dass ich mich in der kommenden Nacht nicht unwohl gefühlt habe.

    Nach Heiligenhafen waren es 33 km, wovon die ersten 14 durch mehrere Orte führen, sodass man nicht ganz im Dunkeln fährt. Dann geht es ein Stück auf der B501 und dann - eigentlich - parallel zur Bundesstraße auf kleinen Landstraßen. Tagsüber ist das sicher die bessere Wahl, aber es war ja schon dunkel und ich bin auf der B501 geblieben, die einen weißen Streifen am Fahrbahnrand hat, der mir in der Nacht doch sehr hilft (siehe oben). Autoverkehr gab es praktisch keinen; mich haben auf der Bundesstraße zwei Autos überholt und ebenso viele kamen mir entgegen. Auf diesem Abschnitt fielen die ersten Regentropfen. Und es gab intensives Wetterleuchten. Nur ein einziges Mal habe ich ein leises Grollen gehört, das war schätzungsweise 30 Sekunden nach dem Blitz. Unterwegs habe ich es mir ausgemalt, wie es wohl ist, wenn ein verschwitzter Randonneur in einem schnieken Spielcasino aufschlägt und nach einem Stempel fragt.

    In Heiligenhafen stellte sich heraus, dass das Spielcasino eine einfache Automatenbude war. Die freundliche Dame dort hatte fast nichts zu tun, es war gerade kein Kunde zugegen. Einen Kaffee gab es gratis, aber natürlich habe ich etwas in die Trinkgeldkasse geworfen. Also weiter, zunächst ein wenig bergauf aus Heiligenhafen heraus, dann ziemlich flach. In Oldenburg in Holstein habe ich den Track verlassen und bin zum McDonald's gefahren, wo ich Kaffee und Kuchen einnahm; warmes Essen hätte man erst zubereiten müssen, solange wollte ich nicht lange warten. Über die fast autofreie B202 ging es nach Lütjenburg, wo ich wieder auf den Track gestoßen bin. Über Straßen, die tagsüber bestimmt sehr schön sind, verlief der Track am Selenter See vorbei. Langsam stieg die Luftfeuchtigkeit an, hin und wieder war es leicht neblig und die Straße nass. Es muss wohl kurz vorher geregnet haben (siehe Mortens Bericht). Trotz der Luftfeuchtigkeit wurde es nicht zu kalt, etwa 9 Grad zeigte das Thermometer an.

    Um 03:27 schließlich war in an die Zielkontrolle in Schönkirchen. Es gab leider keine Vanillemilch, also bin ich schnurstracks die restlichen drei Kilometer zum Startort gerollt, um die Kontrollkarte einzuwerfen und nebenan im Hotel mein Gepäck abzuholen.

    Zwar war ich etwas langsamer als 2016, aber ich habe mich deutlich besser gefühlt, weil ich genug gegessen hatte. Letztes Jahr habe ich nur eine kurze Pause in Grömitz gemacht, um die Kontrolle in Heiligenhafen noch vor 23 Uhr zu erreichen. Das war mir auch gelungen, aber die letzten 80 km nach Kiel knurrte mein Magen ziemlich und mir war so kalt, dass ich nicht anhalten wollte, um die Butterbrote auszupacken.

    Und dann habe ich meinen geheimen Plan umgesetzt, den ich vorher niemandem erzählt habe, weil ich mir sehr unsicher war, ob ich es wagen würde: Ich bin noch weitergefahren zum Bahnhof in Hamburg-Altona. Das sind immerhin gute hundert Kilometer, davon das erste Drittel leicht hügelig. Sicherheitshalber bin ich immer parallel zur Eisenbahn gefahren, damit immer ein Bahnhof erreichbar ist. Nach 38 km, in Neumünster, hatte ich kurzzeitig Bedenken, ob ich wach bleiben kann und zurück zum Bahnhof Neumünster fahren soll. Doch in dem Moment tauchte am Straßenrand eine Tankstelle auf, die richtig geöffnet hatte (also nicht nur Nachtschalter). Kaffee und Croissant haben mir erstaunlich gut getan. Toll auch der Kunde, der im Mercedes vorgefahren ist, mit Schlafanzug ausstieg und eine Zeitung gekauft hat.

    In Henstedt-Ulzburg bin ich einige Kilometer den Brevet-Track in Gegenrichtung gefahren. Ab dort nahm leider der Autoverkehr deutlich zu und es wurde immer schwieriger, die Radwege zu ignorieren. Und diese wurden immer schlechter. Norderstedt ist die Radweghölle auf Rädern und Fuhlsbüttel ist genauso beschissen. Aber ich fühlte mich gut und kam um 9:33 glücklich am Bahnhof Altona an. So war noch ausreichend Zeit für ein Mittagessen und um 11:30 rollte der Intercity Richtung Heimat los. Ein Detail am Rande: Die 503 km habe ich in 26,4 Stunden geschafft, also noch im Limit des 400ers (27 Stunden). Meinen persönlichen Streckenrekord ohne Schlaf habe ich um satte 80 km verbessert.

    Grüße
    Andreas
     
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  13. Christoph Moder

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    Letzten Samstag bin ich in Freiburg das 200er-Brevet gefahren, wie @Micha13 in seinem Bericht schon schön beschrieben hat. Da ich in München keinen Startplatz mehr bekommen hatte, habe ich mir Freiburg ausgesucht – den 400er und 600er bin ich dort schon einmal gefahren, und weiß, dass die Landschaft dort sehr schön ist.

    Transportbedingt bin ich mit dem Liegerad unterwegs – ich bin per Flixbus gekommen, Freiburg ist von München aus zwar nicht so weit weg, aber es gibt keine brauchbaren Bahnverbindungen, und nachdem ich einmal per Velomobil angereist bin, weiß ich, dass die oberschwäbischen Hügel und der Schwarzwald in der Summe sehr anstrengend sind. Aber ich schweife ab. Jedenfalls hat @Micha13 mich vor dem Start ausfindig gemacht und kannte meinen Faltlieger, offensichtlich ist das Ding nicht ganz unbekannt.

    Da ich schon um die 20 Brevets gefahren bin, war ich nicht besonders aufgeregt. Und von den vorigen Breisgau-Brevets schloss ich, dass es zwar einige Höhenmeter geben würde, aber die Anstiege nicht zu steil sein dürften. Im Unterschied zu Karl in Treuchtlingen, der jeden steilen Anstieg in die Route einbaut, sind Urban und Walter nicht ganz so fanatisch – Höhenmeter ja, aber man kann es auch rollen lassen.

    Nachdem der Großteil der Fahrer schon gestartet ist, bin endlich auch ich an der Reihe. Weil ich mich so spät angemeldet habe, blieb für mich nur das Brevet II übrig; das andere hätte mich mehr interessiert, und dann hieß es auch noch, das Zweier habe ein ganzes Stück mehr Höhenmeter. Na gut, da muss man eben durch. Leider ist es nicht so sonnig wie am Vortag, grauer Hochnebel liegt über der Stadt, und es ist kühl. Ich hänge mich an eine Rennradgruppe, es geht über Littenweiler nach Kirchzarten und Wagensteig, und von dort in Serpentinen den Schwarzwald rauf. Während ich im Flachen die Rennradler überholt habe (ich starte immer recht schnell), haben sie mich schon vor Kirchzarten wieder einkassiert, und bergauf habe ich Mühe, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Und es ist steil, steiler als erwartet! Ich brauche nicht nur das kleine Kettenblatt, sondern komme sogar bei Metzgerhäusle mit dem kleinsten Gang an die Grenzen (die Entfaltung ist ungefähr 1.66 m). Aber ich beiße die Zähne zusammen und komme rauf. Oben sind die Steigungen aber nicht zu Ende, erst auf der B500 erreicht man mit dem Thurnerpass die höchste Stelle, und von dort aus geht es wieder bergab – ab der Kalten Herberge sogar ziemlich rasant ins Urachtal. Die Straße ist gerade, daher kann ich es laufen lassen. Obwohl die Gegend an sich hübsch ist – das Wetter ist, wie gesagt, grau, die Bäume sind kahl, das Gras verwelkt, es weht ein kalter Wind, und so halte ich mich nicht mit Fotos auf. Bald darauf bin ich unten in Hammereisenbach, wo ich mir den ersten Stempel abhole, und zumindest ein paar der Rennradler wiedersehe.

    Dann geht es nebenan durch das Linachtal wieder bergauf. Bald schon wieder relativ steil, dann entlang des Stausees (mit seiner denkmalgeschützten Gewölbereihenstaumauer) eben dahin, und dahinter wieder stetig ansteigend. Hier ist es ganz schön, die Straße ist schmal mit kaum Verkehr, und die Sonne kommt langsam raus. Ich kann mit manchen Rennradlern gut mithalten, bzw. werde nur überholt, wenn ich für einen Fotostopp anhalte. Und schneller als gedacht bin ich wieder oben, und es kommt eine kurze Abfahrt nach Furtwangen. Aber direkt am Ortseingang geht es wieder zurück nach Süden, auf einer winzigen Straße wieder bergauf, unter der Talbrücke der Schwarzwald-Hochstraße durch, nach Neukirch, wo es als 2. Kontrolle Aufkleber gibt. Die Rennradler machen eine Pause, aber ich fahre gleich weiter. Bald schon kommt die Abfahrt Richtung Rheintal; über Gütenbach geht es rasant nach unten. Ich werde nur überholt, weil ich zwei Fotostopps mache (u.a. am Dreitälerblick), außerdem traue ich mich nicht so schnell durch die engen Kurven (ich habe in den letzten Wochen wohl zu oft das Schild „Ölspur“ gesehen). Inzwischen ist die Sonne draußen, und der Wind, auf der anderen Seite noch kalt, ist jetzt angenehm warm.

    Unten im Tal ist die Straße gerade, und ich kann es laufen lassen. Zwar nicht ganz so schnell, weil ein heftiger Gegenwind aus Westen bläst, aber ich komme deutlich besser vorwärts als die Rennradler. Simonswald, Bleibach, über die Elz, und gegenüber im Seitental geht es bald schon wieder bergauf – auf die Gscheid, ein Schild sagt etwas von 17%, und ich muss zweimal kurz anhalten und verschnaufen. Die Streckenbeschreibung sagt, dass nach dem zweimaligen Queren des Schwarzwald-Hauptkamms nur noch Hügel kämen, was von den Höhenmetern zwar sicher stimmt, aber nichts über die Steilheit aussagt. Und auf der anderen Seite geht es sogar noch steiler bergab (18%); auf kleiner, kurviger Straße fühlt sich die Bremse immer weniger bissig an, ich fahre die Beine aus, komme zum Stehen, und sehe, wie Qualm aus dem Scheibenbremssattel aufsteigt. Aber bald bin ich unten, es geht auf kleinen Straßen weiter, und irgendwann taucht in einer weiten Linkskurve auf einer Wiese eine stattliche Kapelle auf. Es handelt sich um den Rest des ehemals sehr bedeutenden Klosters Tennenbach. Ich halte kurz an, ziehe die Jacke aus, und schmiere mich mit Sonnencrème ein. Bei der Steigung bei Allmendsberg tauchen die Rennradler wieder auf, ab Hard geht es rasant abwärts, und bei Bombach folgt eine Kontrollfrage (an der ich fast vorbeifahre, weil es ortseinwärts so gut rollt). Eigentlich würde ich gerne was essen, aber die Rennradler fahren weiter, und so folge ich. Es geht wieder auf einer winzigen Straße zwischen Weinbergen bergauf nach Westen; am höchsten Punkt verwandelt sie sich für einige hundert Meter in einen Schotterweg. Als dieser den Wald verlässt, liegt vor mir ein atemberaubender Blick auf das Rheintal und den Kaiserstuhl. Von oben erreiche ich Hecklingen, ein sehr idyllischer Ort, eingebettet zwischen Weinbergen, mit einer malerischen Kirche, und obendrüber eine Burgruine. Und bald bin ich in Riegel am Kaiserstuhl, und versuche, von der markanten Silhouette mit Berg und Michaelskapelle und Riegel-Brauerei ein Foto zu machen. Während die Schwarzwaldhöhen noch kahl und unwirtlich aussahen, ist der Frühling hier schon angekommen, alles ist grün, und die Obstbäume blühen. Die Rennradler sind auf diesen winzigen Zickzack-Straßen nicht mehr einzuholen, und ich versuche es gar nicht.

    Aber ich treffe sie in Endingen, der nächsten Kontrolle, wo sie eine Pause machen. Ich brauche auch dringend was, der erste Snack nach 120 km. Ein Laugenzopf, eine Quarktasche, und je 0.5 l Apfelschorle und Cola. Stempel abholen, Flasche auffüllen, und weiter geht’s. Weil im Ortsinneren Markt ist, komme ich nur langsam wieder raus; und dann geht es – natürlich wieder über enge, steile Straßen – auf den Kaiserstuhl hinauf. Kurz gesagt, ein Labyrinth aus Terrassen, Wein und Hohlwegen. Dank Gegenlicht kann ich das GPS kaum ablesen und brauche die volle Konzentration, um die richtigen Abzweigungen zu finden. Irgendwann bin ich aus dem Labyrinth wieder draußen, und ich freue mich auf die Rheinebene, damit meine Muskeln etwas Erholung bekommen. Aber es ist kein gemütliches Dahinrollen: viel Verkehr, heftiger Gegenwind, und voll gegen die Sonne, ich kann das GPS nicht ablesen. Egal. Ich präge mir ein: immer südwärts, bis Neuenburg. Ich bin alleine, die Landschaft ist langweilig, der Wind ätzend, ich will vorwärts kommen. Und so freue ich mich, dass ich hinter Bremgarten einen Liegeradler sehe – es ist @Micha13, der nach dem Weg schaut. Etwas unhöflich halte ich aber nicht an, rufe ihm zu, dass ich die Straße nehme, und rase weiter. Flache Straße, Gegenwind, vorne die Sonne, links der Schwarzwald.

    Endlich kommt die Abzweigung nach links, ich überhole ein paar Rennradler, und bin dann in Auggen. Am Bahnhof die Kontrollkarte im Stempelautomat abstempeln, und dann wieder rein in den Schwarzwald. Und wie zu erwarten geht es wieder auf winziger Straße sausteil hoch; bald wird es aber flacher. Und dann die verdiente Abfahrt. Ein Omnibus hinter mir verhindert aber, dass ich links abzweigen kann, und so muss ich aus Feldberg heraus einige Zusatz-Höhenmeter machen. Hier oben, über den Weinbergen des Ortes, sind viele Ausflügler; aber alle mit Auto unterwegs. Viele SUV, und Kennzeichen auch aus Frankreich und der Schweiz. Nichts wie weiter. Rein in den Wald, weiter bergauf, und dann sausteil runter nach Lipburg, wo die nächste Kontrollfrage wartet. Am Brunnen Wasser auffüllen, und gegenüber wieder sausteil den Berg hoch, und dann runter nach Badenweiler, das mit Grand Hotel und Kurhaus recht mondän wirkt. Hinter dem Ort geht es natürlich wieder hoch, nach Britzingen, und die Rennradler überholen mich.

    Aber dann, über Dottingen nach Staufen, werden die Steigungen flacher, das große Kettenblatt reicht, und ich kann es laufen lassen. In Staufen gibt es viel Verkehr, viele Ampeln und mehrere Bahnübergänge, aber bald bin ich draußen, und das Ziel rückt immer näher. Wird auch Zeit, es bewölkt sich, und ein kalter Wind kommt auf. Hinter Bollschweil kommt dann bald die letzte Steigung, und dann geht es rasant hinunter nach Freiburg, zum Augustiner im Bankepeter. Puh, war das anstrengend. Die vielen heftigen Steigungen waren schon ordentlich. Aber ich bin nach knapp 10 Stunden im Ziel, 9 Stunden reine Fahrzeit. 4 Liter getrunken, ein Laugenzopf und eine Quarktasche gegessen. Im Ziel sitze ich noch gute zwei Stunden mit den Randonneuren zusammen; die Gruppe um Urban und Walter scheinen durchaus beeindruckt, dass ich bergauf halbwegs mit ihnen mithalten konnte. @Micha13 ist immer noch nicht da, und so mache ich mich um 20:45 auf den Weg – er muss wohl nur kurz danach eingetroffen sein.

    Fazit: Lief super, war aber kein Kinderspiel. Mit dem Liegerad ging es ganz gut, aber mit dem Velomobil hätte ich keine Chance gehabt – entweder hätte ich bergauf geschoben, oder bergab die Bremsen überhitzt.
     
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  14. veloeler

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  15. DilettDante

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    Einen alleinfahrenden Tief-Liegeradler konnte ich zwischen Neuenburg und Grissheim entdecken,
    veloeler.jpg
    ...sehr wahrscheinlich @veloeler , sieht recht entspannt aus.
    Die Strecke von @Christoph Moder mit dem Anstieg über den Spirzen zum Thurner ist natürlich auch ein Hammer.
    Bestimmt bauen die bei nächster Gelegenheit noch den Texaspass ein, von Kiechlinsbergen nach Oberbergen...:eek:
    Respekt an alle , die sich mehr oder weniger gequält haben.(y)
     
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  16. veloeler

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    Bei Gegenwind ist entspanntes Radeln doch das einzig Sinnvolle :whistle:
     
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  17. Micha13

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    Das müssen Minuten gewesen sein, wir haben uns sozusagen die Klinke in die Hand gegeben.
    Kurz vor unserem Zusammentreffen bei Bremgarten war ich ja ziemlich am Straucheln und an der Kreuzung dann etwas zaghaft. Mir war der Radweg bei dem Verkehr sympatischer, bin dir dann trotzdem hinterher. Habe dich dann aber nur noch als punkt am Horizont gesehen, selbst wenn ich mit Vollgas hinterher wäre, hätte ich dann nicht mithalten können.
    Gut, dass ich mich rechtzeitig angemeldet habe. Der 2er war dann doch einiges heftiger.
     
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  18. Christoph Moder

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  19. bruchpilot

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    Vielen Dank für eure Berichte.

    In 2010 hab ich es ja leider nicht geschafft etwas zuschreiben. Es gibt aber von Damals viele schöne Erinnerungen. Die Anstiege waren schon knackig, mit dem gefederten Fujin mit Fahrradtaschen dran war das für mich trotzdem gut zuschaffen. Es war auch immer wieder ganz witzig zusehen wie sich die RRler in der Ebene plagten wärend ich mit dem "Trekkingrad" recht locker in windschattenfreiem Abstand hinter her fahren konnte. Es gab aber auch RRler die echt wahnsinnig schnell gefahren sind. Die Steigungen habe ich alle gut geschafft manchmal mit Pause, aber die Übersetzung hatte mir immer gereicht, dass ich nicht schieben musste. Etwas fies war der letzte Anstieg über Sölden, wo mir die mitfahrenden erst nicht glauben wollten, dass da noch einer kommt. Nach dem Abschluss im Augustiner war ich wieder so frisch, dass ich auch hätte weiter fahren können. Ich würde mich freuen, wenn bei ARA Breisgau weiterhin Liegeradler teilnehmen werden. Und vielleicht klappt es bei mir ja auch bald wieder.
     
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  20. Christoph S

    Christoph S

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    Schöne Gegend, gewiss. Aber bitte mehr Fotos von dem Kreuzotter-Derivat(y)

    Gruß
    Christoph
     
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