Brevet Brevet-Berichte 2016 [Sammelthread]

Dieses Thema im Forum "Treffen, Rennen und Veranstaltungen" wurde erstellt von Nemberch, 14.03.2016.

  1. tomacino

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    Respekt! Klasse Leistung.
    Kenn ich. Ich bin entweder weiss oder rot, später im Sommer dann ein klein bisschen 'braun' (eigentlich kann man das nicht so nennen, eher 'weniger weiss':ROFLMAO:).
    Pass gut drauf auf, du hast nur ein Paar. An solche langen Ausdauergeschichten passen die Gelenke sich am langsamsten an, das dauert etwas. Das gilt auch für Dirk!
    Ich erzähl jetzt lieber nicht nochmal was bei mir hilft, weil das gilt nur für mich und meine Knie, @bike_slow weiss was ich meine:whistle:
    Aber anhalten und ein bisschen rumlaufen tut immer gut und hilft auch dagegen:
    Viel mehr als 70km ohne Stop schaffe ich auch nicht, vor allem wenn der Tacho schon länger dreistellige Kilometerzahlen anzeigt.

    Ist das wirklich so? Am 26er ZOX finde ich das nicht so schlimm wenn man weiss wie es geht. Hinterrad am Flux mit der Rohloff finde ich schlimmer...
     
  2. RaptoRacer

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    Kenn ich eigentlich nur von Flachetappen wo man dauernd tritt und somit dauernd Druck auf dem Fuß hat.
    Schlimm ist auch ein Stundenrennen auf der RR-Bahn, immer Druck, Immer Gas geben, keine Erholung, danach haste echt dicke Füße!

    @limette91 : Danke für den Bericht, 30km vor Schluss aufzuhören ist schon ärgerlich, aber immer noch besser als sich einen Dauerschaden zu holen.
    Gerade mit Knie ist nicht zu Spaßen, Bei allem was länger als eine Woche dauert sollte man zum Arzt gehen. Schwierig ist es nur einen Guten zu finden.

    Magenprobleme bekomm ich auch häufig, dann bin ich zu schnell gefahren. Der Magen reduziert dann einfach seine Arbeit.
    Essen muss ich aber ca jede Stunde sonst geht die Leistung in den Keller. also auch Essen wenn den Magen Nein sagt.
    Hilfreich ist es verschiedenen Sachen dabei zu haben. damit man immer etwas hat, was einem zusagt.
     
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  3. tomacino

    tomacino

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    Stimmt, die größten Probleme hatte ich vorletztes WE auf dem Münsterländer 400er. Flach und mit Druck gefahren, das fanden meine Füße spätestens ab km 300 nicht mehr so toll.
     
  4. milkiwei

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    Seit ich in den Rennrad- u. Liegeradschuhen diese Einlegesohlen http://shop.sq-lab.com/Einlegesohlen/
    fahre, brennt u. kribbelt nichts mehr. Vom Preis her sind sie sicher einen Versuch wert.
     
  5. Sturmvogel

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    Eine nette Verballhornung des guten alten Äskulap. ;-)

    Machen es bei mir besser aber nicht vollständig gut.
     
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  6. limette91

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    Brennen war es nicht, sondern ein Schmerz der auf falsche Belastung hinweist. Das mit den Knien schiebe ich auf etwas zu viel fahren bzw. zu wenig Pausen zwischen den ganzen langen Strecken. Heute gehts mit den Knien schon wieder ganz gut, werde mir aber trotzdem etwas Pause gönnen.

    Getrunken habe ich immer zwischendruch, am Ende meistens Wasser. Das kannte ich vom 300er im Emsland aber auch schon. Habe sogar noch ein trockenes Brötchen gegessen fällt mir so ein.

    Also braun wird es schon, aber es gibt halt grade da wo die Handschuhe waren nur weiße Flächen. Sieht halt komisch aus, ist aber so. :D

    Pause gemacht habe ich immer wieder, bin sogar zweimal eingedöst (mit gestelltem Wecker natürlich). Aber die Schmerzen sind beim fahren dann immer schneller da, einfach jetzt weiter fahren und nächstes Jahr geht es dann vielleicht in die zweite runde für den 400er.
     
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  7. Sturmvogel

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    Genau! Anfangs fast nur meine Lieblingsstullen, Bananen,
    Nüsse/ Studentenfutter als echte Alternative.
    Auf die Dauer wird der Anteil von Powerbars an dem, was ich esse immer größer - die schmecken zwar nicht besonders, fließen aber scheinbar auch beim ganz langsamen lutschen irgendwie quasi direkt in die Blutbahn.
    Und für Krisen vor oder nach besonderen Abschnittes (Anstiege) ein paar Gels mit Koffein.

    Zum Trinken habe ich meist portionierte Elektrolyt/ Kohlenhydratpulver dabei- mancher mixt sich das hier ja mit Maltodextrin aus der Apotheke selbst, aber dazu bin ich zu faul. Dann mache ich meinen 2l Beutel vor dem Start mit vedünntem Apfelsaft voll und kann unterwegs mit dem Zeug von Dextro Energy (die einzigen Portionsbeutel, die ich gefunden habe) an jedem Wasserhahn nachfüllen.

    Weiterhin viel Erfolg!

    Heiner
     
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  8. welverwiesel

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    Ich messe mir die Portionen in kleine Döschen ab. Optimal sind die Restedöschen von Tupperware (ich will hier keine Werbung machen, die passen aber genau für je eine 0,75 Liter Flasche).

    Dirk, trotz Knieausfall weiter an den Langstrecken dran
    14652793535861161601546.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 07.06.2016
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  9. fluxx

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    Da kann man dann auch die Farbe des Deckels und den Inhalt dem persönlichen Zustand auf der Strecke anpassen ...

    grün = alles easy
    orange = es wird eng
    rot = nix geht mehr
    blau = geschafft

    :D

    fluxx.
     
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  10. Christoph S

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    :sneaky:Die Dinger sehen verdächtig nach Urinbechern aus. Stehen die Farben evtl. für div. Vorerkrankungen:confused:
    :ROFLMAO::ROFLMAO::ROFLMAO:

    Gruß
    Christoph
     
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  11. welverwiesel

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    Wer weiß!?
     
  12. Nemberch

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    Ich hatte beim letzten mal Maltodextin in einem kleinen Druckverschlussbeutel dabei. Der Beutel ist geplatzt und das im feuchten Milleu der Tasche. Da hat alles fürchterlich gepappt.
     
  13. frankw

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    Hallo Christoph,

    war auch nicht ernst gemeint;-)

    Ich??? Niemals!!! Habe mir am Wochenende allderdings zum ersten mal einen GP4Season aufgeschlitzt, war ziemlich viel Schotter dabei. Ansonsten hätte ich Dir jetzt vernünftige Laufradgrößen für gut Reifen empfohlen;-)

    Zwei Schläuche, ein Reifen und Flickzeug sollten bei gleicher Laufradgröße reichen. Im Training bist Du ja...:)


    Viele Grüße,
    Frank
     
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  14. Hoamfahrer

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    Am Samstag hatte ich die Gelegenheit genutzt um das erste mal den 400er zu fahren und zwar in Marquartstein bei ARA Südbayern. Um morgens Hektik zu vermeiden, hatte ich im Hotel am Ort übernachtet.
    Der Organisator Christian Mayer begrüßte uns freundlich mit Kaffee vor dem Fahrradgeschäft. Am Starttreffpunkt waren 14 (oder 15?) Teilnehmer erschienen, wobei ich der einzige mit dem Liegerad war.
    Um 8Uhr war Start und die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt waren gut; die Wetterprognosen eher weniger.
    Die anderen Teilnehmer fuhren fast ausnahmslos von Anfang an, ein enorm hohes Tempo, sodass sie schon nach wenigen Kilometern außer Sichtweite waren. Davon wollte ich mich nicht anstecken lassen und wie üblich mit meinen eigenem Stil fahren.
    Zusammen mit einem erfahrenen Randonneur (die Geschwindigkeiten passten gut zusammen) ging es zunächst von Marquartstein in Richtung Süden nach Österreich ins Bundesland Salzburg. Vor der ersten Kontrolle war der Pass Thurn mit 1273m zu überqueren und es lief für mich soweit alles O.K.
    Die erste Kontrolle war in Mittersill. Nach kurzer Pause verließen wir die Tankstelle. Leider vergrößerte sich der Abstand zum mir nachfolgendem Rennradfahrer immer mehr und er war irgendwann ganz außer Sichtweite; von nun an war ich bis zum Schluss ohne Mitreisende unterwegs.
    Es ging weiter in Richtung Westen: Zunächst im Tal mit umgebenden Bergen mit schneebedeckten Spitzen dann in Kehren den Gerlospass hoch auf ca. 1600m. Dieser Anstieg war wohl der anspruchsvollste des Brevets. Immerhin reichte die Gangschaltung mit vorn 32, hinten 34 aus um den Berg hochzufahren. Im Anstieg und schon vorher von unten hatte man Blick auf einen Wasserfall. Nach der Abfahrt kam Zell am Ziller mit der 2. Kontrolle, wieder an einer Tankstelle am Ortsrand. Inzwischen war es nach 15Uhr. Im Ort machte ich eine längere (Essens)pause in einem einfachen Restaurant.
    Die dritte Etappe führte in Richtung Nordwesten wieder verbunden mit einem lang andauernden Anstieg und dann am Achensee vorbei. Die Strecke durch den Wald vor Wallgau entlang der Isar war für mich der landschaftlich schönste Abschnitt.
    K3 war ein Restaurant am Golfplatz, eine gute Wahl als Kontrollstelle. Hier gab es leckere Pasta und Salat.
    Zwischen K3 und K4 wurde es dunkel und es begann zu regnen. Trotz Regenklamotten kam ich durchnässt in Bad Tölz an der Tankstelle an. Im stehen wurde es wegen der nassen Klamotten schnell unangenehm kühl. An dieser Kontrollstelle traf ich tatsächlich noch auf einen anderen Randonneur. Laut Streckenplan waren bisher 267km geschafft und zeitlich war alles im grünen Bereich. (Ankunft K4 ca. 22:45)
    Blöd war nur, dass der als K5 gedachte McDonalds in Traunreut laut Streckenplan um 3Uhr schloss und die erste Tankstelle erst wieder um 6Uhr30 öffnet. Es gab also eine zeitliche Lücke in der es schwierig (oder unmöglich?) werden würde einen Stempel zu bekommen.
    Ich war nicht so optimistisch (der Kollege schon) es noch vor 3Uhr bis Traunreut zu schaffen und rechnete damit erst um 6Uhr30 an der Tankstelle abzustempeln. Unterbrochen von mehreren Pausen fuhr ich also während der Nacht langsam von Bad Tölz über Seebruck nach Traunreut. Mit dem Regen hatte es sich wieder weitgehend beruhigt. Als ich in Traunreut ankam war es bereits wieder hell; der McDonalds hatte längst geschlossen und die Tankstelle noch lange nicht geöffnet. Vor einer Disco stand noch übermütiges und alkoholisiertes Partyvolk. Die dabei stehenden Security-Männer wollten mir auf Nachfrage auch keinen Stempel geben.
    Bis zum Öffnen der Tankstelle versuchte ich ein wenig auf der Bank im Buswartehäuschen zu schlafen. Die Tankstelle öffnete dann tatsächlich schon ein paar Minuten eher und es gab den Stempel und einen Kaffee. Jetzt stand nichts mehr im Weg um die restliche Strecke bis Marquartstein zurückzulegen und den 400er voll zu machen, auch nicht die Müdigkeit. Um 8Uhr35 erreichte ich wieder Marquartstein. Dort konnte man sich in die Liste eintragen und die Karte in den bereitstehenden Kasten einwerfen.
    Mein Tacho zeigte nur eine Fahrzeit von ca. 18h50 an. Erstaunlich wie viel Zeit mit pausieren und Warten vergangen war.
     
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  15. Nemberch

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    Besonders gefreut hat mich das @Fafnir diesmal wieder mit von der Partie war. Was hat er mir doch letztes Jahr bei jeder kleinen Steigung die Ohren voll gejammert. Also habe ich ihn zu Karls Vierhunderter eingeladen damit er an seinem Zen des Berges Arbeiten kann. Was dabei herausgekommen ist, könnt ihr in seinem Brevet Bericht lesen. Ihm zuliebe bin ich freitags los um im Vereinsheim zu Übernachten. Ich kam mir vor wie in einem Männerwohnheim für gestörte Fahrradfahrer. Um etwas Schwung in die Bude zu bringen schlug ich den Besuch eines nahegelegenen Bierkellers vor. Wir verbrachten einen geselligen Abend bei einer wunderbaren Aussicht über die umliegende Landschaft. @Fafnir hat sich eine Privatunterkunft gesucht, ich glaube den Tipp hat er von Karl bekommen, denn um dorthin zu gelangen musste er erst mal eine 14% Steigung überwinden.

    Der Morgen verging mit den Vorbereitungen und dem Frühstück wie im Fluge. Schon war es Zeit sich in zwei 35er Gruppen auf die Strecke zu begeben.
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    Bis zur ersten Steigung blieb die Startgruppe schön beieinander, dann hat es schwupps gemacht und alle waren fort. Im Jahr nach Paris-Brest-Paris, scheinen nur die zu fahren, die immer fahren. Entsprechend schnell und zielstrebig ist das Vorwärtskommen. Also bin ich mal wieder hinterher gedackelt. Sollte sich nicht einer beim Start auf dem Klo versteckt haben, war ich der Letzte. Einige Zeit später, vor mir die vertraute Silhouette eines Fahrradfahrers, nach Gesellschaft lechzend, fuhr ich etwas schneller um aufzuschließen. Doch was war das? Der hatte Einkaufstüten am Lenker und wollte auch nicht bis Regensburg mit mir radeln, Mist.

    Ich liebe es seit meiner Kindheit, in der Frühsommerhitze mit dem Rad übers Land zu ziehen. Die bestellten Felder zu sehen und, gerade samstags, in den Dörfern und Weilern das Leben zu beobachten, wenn nur die Sonne nicht so gebrannt hätte. Also, habe ich im nächsten Dorf angehalten um Sonnencreme über den Zaun zu schnorren.
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    Meine besorgte Gönnerin hat mir sogar das Ohr eingecremt, weil ich es nicht richtig gemacht habe. An der ersten Kontrolle habe ich dann tatsächlich wieder ein paar Randonneure getroffen, sie aber auch gleich wieder verloren weil ich mich mit dem Tankstellenpächter verratscht hatte. Bis zur zweiten Kontrolle blieb ich alleine. Das war aber nicht weiter schlimm, denn die Landschaft entlang der schwarzen Laaber erforderte meine ganze Aufmerksamkeit.
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    An der zweiten Kontrolle gibt es Essen. Dort ist auch wieder eine größere Gruppe von Rambo Möhren (schei…. Auto Korrektur) anzutreffen. Unter anderem mein Freund Peter. Wir fuhren zusammen von der Kontrolle weg und hatten wohl insgeheim, ohne Absprache zu treffen, beschlossen die Nacht zusammen zu fahren. Lucky Luke mäßig ritten wir gemeinsam in den Sonnenuntergang. An der nächsten Kontrolle, in Waldkraiburg, kehrten wir noch kurz beim Schachtelwirt ein um uns für die dunkle Seite des Tages zu wappnen. Nachtfahrten sind etwas Wunderbares. Inzwischen auf vier Mannstärke angewachsen, sirrten meine Begleiter und ich durch die Nacht. Am Chiemsee sammelte sich dann eine größere Gruppe von Randonneuren um gemeinsam die Kletterei des nächsten Teilstücks zu beginnen. Erstaunlicherweise blieb die Gruppe zusammen, bis ich in Kirchdorf am Inn anhielt um den Kirchturm zu besichtigen, den der Dicke in der Vorabend Serie Irgendwie und Sowieso zusammen mit seiner Stereo-Anlage bestiegen hat, um sich seinem Liebeskummer hinzugeben.

    Den Reiz, nachts mit dem Rad über Land zu ziehen, alle anderen nach dem Samstagabendbad in der Geborgenheit ihre Stube zu wissen, habe ich als Kind nicht kennengelernt. Umso mehr weiß ich es jetzt zu schätzen vor allem, wenn sie wirklich in ihrer Stube bleiben und nicht aus purer Vergnügungssucht auf dem Weg zur nächsten Disco die nächtlichen Straßen unsicher machen.

    Nach einem kurzen Halt im EC Hotel machten wir uns mit beginnender Morgendämmerung daran, das Highlight der Tour, den Hundhammer Berg zu erklimmen. Karl begleitete uns dieses Stück, so konnte ich ihn, bemüht ohne Vorwurf in der Stimme, fragen was es mit dieser Streckenführung auf sich hat. Er meinte, dass sein Brevet eben wegen dieses Teiles unvergessen bliebe. Da musste ich ihm zwar zustimmen, aber ich bin mir nicht sicher ob wir das gleiche gemeint haben.
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    Allerdings war das Morgenrot auf der Höhe absolut genial. Es hat schon seine Vorteile etwas langsamer unterwegs zu sein. Bei Nacht einfach durchzukurbeln ohne etwas gesehen zu haben wäre schade gewesen. Bis Bad Tölz hat es sich dann richtig gezogen und wenn wir nicht unterwegs bei einer Bäckerei, vor Ladenöffnungszeit, etwas zu essen erbettelt hätten wäre ich, glaube ich, vom Fleisch gefallen.

    Das Wetter hat immer noch gehalten und so zogen wir Lust erfüllt in lockerer brevet Formation über Land. Man traf sich hier und da an der Strecke wieder. Als mich am Starnberger See Mike fragte ob wir noch mal Kaffee trinken, musste ich leider ablehnen ich wollte von den ganzen süßen Stückchen nichts mehr wissen und schlug ihm ein Weißwurstfrühstück vor. Hey, wir mussten in Oberbayern sechs Kneipen abklappern um in Weilheim dann endlich jemanden zu finden der bereit war, uns sonntagvormittags Weißwürste aufzuwärmen. Ernährungstechnisch wieder ins Lot gestellt rollten die Hügel vor Landsberg richtig gut. Unterwegs waren immer wieder Spuren der Unwetter des Vortages oder der Nacht zu sehen.

    Es war gerade Mittag, deshalb gingen meine derzeitigen Streckenabschnittsgefährten und ich in Landsberg zum Chinesen. Ich musste etwas gegen den inneren Druck an Essen, brauchte deshalb etwas länger und habe somit wieder mal meine Kollegen verloren.

    Die folgende Etappe über das Lechfeld und die angrenzenden Hügel war eine ausgesprochene Liegerad Strecke. Irgendwo muss ich auch meine Kollegen unterwegs überholt haben denn ich war deutlich vor ihnen in Wertingen angekommen. Dort ist mir wie an jeder Kontrolle @Fafnir über den Weg gelaufen. Bester Dinge hat er die letzte Etappe unter die Räder genommen.



    Beim Radeln habe ich mich nie umgedreht. In Wertingen, im Bistro nach Süden blickend viel mir die Klappe runter. Hinter mir hatte sich ein gehöriges Unwetter aufgebaut. Dem Kommentar folgend, das ist Rückenwind los raus, hatte ich schon meine Klamotten in der Hand als der nächste Kommentar, wir haben unterwegs gesehen was da Wettertechnisch so los war und bei solch einem Unwetter möchte ich nicht rausgehen, mich wieder ein bremste. Also haben wir das gröbste durchgelassen. Nachdem aber klar war, dass der Regen nicht aufhören wird, sind wir nach dem Gewitter bei Starkregen los. Die anderen Beiden haben mal kurz nach links geblickt und sind an Ulrike vorbeigezogen. Ich dachte mir, die Kollegin kannst du bei diesem Wetter nicht alleine fahren lassen und habe mich ihr angeschlossen.

    Bis Donauwörth hatten wir die Wettersituation gut im Griff, da das Gelände flach und übersichtlich war. Ab Donauwörth kommen noch ein paar Anstiege und man sieht nicht mehr wirklich wie das Wetter zieht. Tatsächlich kam das Gewitter zurück und beim letzten Anstieg vor Langenaltheim entschloss ich mich zu warten bis das Gewitter vorbeigezogen war. Ulrike war bibbernd im Bushäuschen gesessen, ich hatte gesehen, daß im Feuerwehrhaus etwas los war und ging mal hin um eine Decke zu organisieren. Die Jungs hatten schon 5 Keller leergepumpt und hielten Brandwache um zwei Kästen Bier herum. Da bekam ich erst mal eines, aber keine Decken für Ulrike. Mit etwas schieben und drängeln in die richtige Richtung, kam dann einer auf die Idee, dass man uns doch auch die letzten 20 Kilometer bis Treuchtlingen bringen könnte. Alle schauten sich betreten an und stellten fest das keiner mehr fahren kann. So habe ich dann noch ein bisschen geschoben und gedrängelt bis einer nach Hause gegangen ist seine Frau zu holen, die trinkt nämlich nichts. Ulrike nahm die gebotene Möglichkeit dankbar an, waren die 600km doch schon rum, und hat sich nach Treuchtlingen bringen lassen. Ich wartete das Gewitter mit zwei weiteren Bieren ab und bin den Rest dann noch im strömenden Regen fertig gefahren.



    Es war schön im Vereinsheim anzukommen und wie es Randonneursmamas eben so machen war Heidi noch da und hat mich mit Nudeln und allem was man so braucht versorgt. Danach hat sich noch eine kleine gesellige Runde gefunden, wir saßen so bis vier Uhr und mussten uns nicht vor den Jägern, mit ihrem Jägerlatein verstecken.

    Der nächste Morgen hatte wieder etwas von Männerwohnheim. Nach einem opulenten Frühstück und etwas Alibi mäßigem aufräumen trat ich dann den Heimweg an.

    Ich bin ein junger Hase im Randonneusgschäft, habe noch nicht viel vom Brevetleben gekostet. Dennoch bin ich heilfroh, dass mein Heimatstandort Osterdorf beziehungsweise Treuchtlingen ist. Es fragt sich, ob ich ohne Heidi und Karl solch einen Spaß am Brevet fahren gefunden hätte. Als gesellschafts Fahrer weiß ich das große Starterfeld in Treuchtlingen zu schätzen. Außerdem genieße ich die Geborgenheit, die die beiden einem vermitteln bevor sie einen auf die Strecke schubsen und nachdem man gefahren ist.

    Bedankt habe ich mich glaube ich schon öfters dafür, aber nochmals Danke,



    Bernd
     
    Zuletzt bearbeitet: 08.06.2016
  16. jostein

    jostein

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    600er vom Startort Köln/Bergisches Land: Große Acht Eifel / Ruhrgebiet, 18.06.2016:

    Dies Jahr der 4. Brevet und Abschluss der Kölner Serie. Die Strecken sind mir als früherer 200er von Brühl aus und der 400er Rund ums Ruhrgebiet größtenteils bekannt und die Premieredieser "Großen Acht" letztes Jahr mit dem Milan lief auch glatt.
    So gesehen, erwartete ich nix Besonderes, dieses Jahr die Runde mit dem DF unter die Räder zu nehmen. Fürden 400er hatte ich noch die 6000 km alten ONEs durch neue getauscht. Jetzt blieben die alten drauf und Reservemäntel hinten rein. Die Wettervorhersage sah den ein oder anderen Schauer voraus - aber nachts sollte es trocken bleiben.

    Aber es kam dann doch manches anders ...

    Das Feld der Starter war doch dann sehr übersichtlich, knapp 20 schickte Rainer auf die Reise. Peter und Tom schraubten da noch am neu aufgebauten Tandem. 600 km - das muss man sich schon gut verstehen und vertrauen - aber sie haben ja noch die Mille im Kopf! Jürgen und ich fahren dann vor als es über die Wirtschaftswege Richtung Rheinbrücke geht.
    Vor Erftstadt trenne uns unsre Wege vorübergehend - als in auf den Radweg abbiege und er mit Speed auf der leere Bundesstraße vorbeisaust. Aber das ist ja sein Revier und so bekomme ich das weiße S erst wieder auf dem Feldweg hinter Irresheim in den Blick.
    20160618_BRM600_2.jpg

    Dann lässt er es Angesichts 600 km etwas ruhiger angehen - und ab Langerwehe gehts dann über Schevenhütte langsam aufwärts. Die folgende Abfahrt auf rumpeliger Straße nach Vicht lässt sich mit Heckfederung lockerer fahren.
    Das Wetter bleibt auch dann auf dem langen Anstieg bis auf gut 600 m an die belgische Grenze zum Hohen Venn. Wir kreuzen da oben dann öfter einen RaVel Richtung Monschau, das will ich mir später mal auf der Karte ansehen.
    Viertel vor 10 rumpel ich in Monschau über das Kopfsteinpflaster rein und bekomme bei noch geschlossener TouristenInfo in einem Cafe den Stempel. Auf dem Rückweg über die Höhen mit den 2 Klettereinlagen hinter Schleiden und Kall läuft es bergab prima, bergauf rattert die Kette bei hohem Krafteinsatz am Sitz - werde wohl wieder die Gummieinlage unter den hinteren Auflagepunkt des Sitzes kleben.
    20160618_120907_resized.jpg

    Wieder in Brühl ist es jetzt nass - zunächst nur die Straße und voll sind diese auch - bis hinter Pulheim auf der Bundesstraße geht's im Pulk der Autos von Roter Ampel zu Roter Ampel. Die Luft ist ein bisschen raus - zudem ist in der Ebene an tiefdunklen Wolkenfronten abzusehen, dass mit baldiger Dusche zu rechnen ist.
    Es prasselt ganz schön - aber besser in Bewegung warm bleiben - als unterstehend frieren. Von jetzt an kommen die Platsche im Stundentakt - und an der Regenfront dann meist sehr starke Windböen und ich mühe mich, mit dem Zeigefinger abwechselnd rechts und links, vor und hinter dem Brillenglas die Sicht freizuwischen. Und wenn die Regenintensität dann nachlässt, kommt der Schwall durch entgegenkommende Autos auf teils gefluteter Straßen.

    Die Kontrollzange, die mir Rainer für den Kontrollpunkt Winnenthal kurz vor Wesel mitgegeben hat, kann ich dort fast zum Beginn des vorgegebenen Zeitintervall aufhängen.

    Nach einem Einkaufsstopp in Wesel gehts ins regnerische Münsterland, in Lembeck ist die Straße wg. Radrennens gesperrt - ansonsten ist hier wenig los. Irgendwo bei Lavesum setze ich auf hinter einem Bahnübergang trotz vorsichter Fahrt knirschend auf. Die Dellen im Boden und Brille waren voll Wasser. Ärgerlicherweise ist der Bug unten rechts und links gerissen und auch vor der Brücke hat der Boden einen kleinen Riss.

    Bei Sythen/Haltern nehme ich den von René ausbaldowerten Weg durch den ehemaligen Truppenübungsplatz - das DF passt beladen grad unter der Schranke durch und die letzten 200 m hinter dem Ausgang sind mittlerweile auch asphaltiert.

    Die Kulttanke in Lüdinghausen fällt dieses Jahr wegen Großbaustelle mit Straßensperre aus. Ein paar km weiter scheint endlich mal wieder die Sonne. Das folgende kurze nicht asphaltierte Stück ist auf einnigen Metern komplett geflutet - aber ich bin schon zu weit drin - Aussteigen nur mit nassen Füssen - also gluckernd vorsichtig weiter.

    Durchs Dortmunder Umland dann noch im Hellen, auf der Abfahrt von Holzwickede ins Ruhrtal meine ich am Straßenrad einen Hund ausgemacht zu haben, halte mich weiter links - der Lichtkegel erfasst dann ein kleines Reh - und plötzlich springt vom linken Rand noch eins auf die Straße. Mit einem Schlenker versuche ich da zwischendurchzukommen - tuschiere es nur leicht.

    Die Anstiege aus dem Ruhr- und Lennetal nach Letmathe und Lüdenscheid sind mir schon schweer gefallen - schade, dasss alles nass und auch die Luft nieselig ist - sonst ließe es sich bei Vollmond schöner fahren. Die mehrjährige Baustelle bei Oberbrügge ist mitterlweile auch fertiggestellt ;-) Zur letzten Kontrolle den 10%er nach Hohkeppel knurrt die Kette wieder am Sitz.
    Und dann hat einer der abgefahrenen Reifen 25 km vor Schluss noch mit Knalleffekt sein Ende bekanntgegeben - wenigstens hat's nicht geregnet.

    2 Uhr bin ich dann nach 20 h an der Zieltanke, 20 Minuten früher als letztes Jahr. Bei Vergleichen von 2 längeren Stravasegmenten auf der Strecke sieht's auch mehr oder weniger ähnlich aus.
    Die 6,5 km von Zweifall hinauf nach Lamersdorf 2016 mit XL 18,9 km/h gegenüber 2015 mit SL 17,9 km/h. Die 9 km Dämmerwald leicht aufwärts dies Jahr 42,5 km/h bei 190 W gegenüber letzte Jahr 42,4 km/h mit 188 W

    Bin gespannt, wie es unserem Tandem ergangen ist,
    Grüße - Hajo
     
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    600 Alpenluft+, 17.6.2016
    So ein klein wenig nervös bin ich schon auf mein erstes Brevet, zu dem der Veranstalter schreibt, es sei nicht [für] die breite Masse an Athleten sondern nur [für] die Härtesten. Respekteinflössende Orte liegen auf der Route: Alpenrheintal (Regen oder Gegenwind), Rheinschlucht/Versam, Oberalppass, Furkapass, Grimselpass, Brünigpass und Stadtdurchfahrten in Bregenz, Chur, Luzern, Zug, Zürich und Schaffhausen.

    Das Wetter spielt verrückt und ich bin sehr dankbar, dass es einen neuen alternativen Starttermin 12h später gibt: Kein Dauerregen und nur eine Nachtfahrt.
    Beim Briefing werden folgende wetterbedingte Sperrungen bekanntgegeben (es werden dann noch einige hinzukommen):

    • Rheindamm im Mündungsbereich (Bregenz) („sucht euch euren eigenen Weg“). Wegen Hochwasser.
    • Furkapass („fahrt statt Furka/Grimsel via Sustenpass“). Wegen Neuschnee.
    Nach den zwei Unerschrockenen, welche am Vorabend gut gelaunt in den Regen gestartet sind, machen wir uns zu elft auf den Weg. Ich reihe mich am Ende der 5er-Spitzengruppe ein, wo es auf den aufgeweichten Naturbelagstrecken auch eine Schlammpackung in Raten gibt.

    Ob der bewölkte Himmel dafür verantwortlich ist, dass der Bodenseeradweg mir ungewohnt leer erscheint? Leider gibt es auf einer nassen Holzbrücke auch einen Sturz (Aufgabegrund).

    Den mir als „Nadelöhr“ bekannten Streckenabschnitt bei Bregenz befahre ich nur noch mit P. – die anderen drei haben sich bereits hier für die Hauptstrasse entschieden.
    Auf der Rheinbrücke herrscht Verkehrschaos. Ob die vor ein paar Minuten durchgekommene Tour de Suisse oder die Hochwasserschaulustigen schuld daran sind?

    Sonne und Südwind prägen die Fahrt durchs Rheintal.

    P. verliere ich aus den Augen und werde dafür vor einer geschlossenen Bahnschranke von „den zwei Schnellen“ eingeholt.

    Auf der Checkpoint-Autobahnraststätte gibts Kalorien, kitschige „Heidi“-Stimmung und den für die Gesichtswäsche langersehnten Brunnen. Habe bereits jetzt Sonnenbrand.

    In Chur ein erster Regenguss.

    Bei Reichenau sage ich den zwei Begleitern tschüss und erwarte nicht, sie wiederzusehen. Ich sollte mich irren.

    Während des Aufstiegs überholt mich B., welcher für die ersten 200km statt Windschatten kurze Pausenzeiten gewählt hat.

    Die Abfahrt nach Ilanz/Glion ist richtig geil: Das Velo bekommt artgerechten Auslauf und unten habe ich B. wieder eingeholt ;) . Der Gemeinde Trun bin ich für den Trinkwasserbrunnen dankbar und wünsche B. eine gute Weiterfahrt.

    In der schönen Gebirgs-Abendstimmung geht es für mich gemächlich bergauf – die letzten Km im ersten Gang… Oben wartet die „Geheim“kontrolle (schwarzer Van im Hintergrund des Beitragsbilds im Link).
    Mit Essen und Heissgetränk im Magen stürze ich mich hinter M., welcher sich zur Aufgabe entschieden hat, in fortschreitender Dunkelheit durch die Grossbaustelle die Schöllenenschlucht hinab.
    Im Tunnellicht der Sustenstrasse entledige ich mich einiger Kleiderschichten und werde von P., welcher sich auf dem Oberalp ein richtiges Mahl gegönnt hat, überholt.
    Sein Licht sehe ich häufig vor mir. Auch, nachdem der Regen eingesetzt hat und ich wieder mehr Kleider anhabe.
    Dank Schneefeldern kann ich häufig den Abstand messen und stelle „konstante 8 Minuten“ fest.
    Der Regen wird „unflüssiger“, auf den Leitplanken liegt 1cm Neuschnee und mein Thermometer zeigt oben im vom Wind durchblasenen Tunnel 2°C an. Auf dem Dach der Tour gibt es nicht einmal ein (dunkel-verwackeltes) Foto – zu kalt/nass…
    Am Tunnelende wartet tatsächlich P. Ich bin glücklich, die Abfahrt nicht alleine und an zweiter Position bestreiten zu dürfen.
    In Innertkirchen hat der Regen aufgehört und wir sind wieder auf der vom Grimsel kommenden Originalroute.

    Wie vereinbart, melden wir uns beim umsorgenden Organisator („heil über den Susten“) und erfahren von weiteren Erdrutschen. Bei Kastanienbaum durchkommen OK, bei Gersau nicht: wir sollen tatsächlich 30 km abkürzen.
    Doch das ist noch weit weg und im Moment (0300) haben wir andere Sorgen: Sekundenschlaf ereilt uns beide und trotz verkehrsfreier und häufig trockener Strasse ist keine sichere Weiterfahrt möglich.
    In Sarnen gibt es Kalorien und trockene Socken/Shirt für mich und ein paar Minuten dösen für P.

    Beim Bäcker im Bahnhof Luzern treffen kaum unterschiedlicher mögliche Übernächtigte aufeinander.

    Die ersten Sonnenstrahlen treffen die Spitze des Pilatus, als wir dem See entlang aus der schlafenden Stadt rollen…
    …und in Küssnacht wegen Erdrutsch direkt statt via Lauerzersee Kurs auf Arth nehmen. So ruhig dürfte die Strasse meinetwegen immer sein.

    Mit (nur?) gefühltem Rückenwind rollen wir zwischen Sihl und vernebeltem Sihlwald durch die herrliche Morgenstimmung.

    Auf die (fast) perfekte Navigation durch Zürich bin ich ein bisschen stolz.

    Entlang der Glatt erwarten uns wieder einige Naturbelagstrecken und Streckensperrungen wegen Hochwasser. Und an der Mündung der Hammer: Die Passage über das Wehr ist ebenfalls gesperrt und der nächste Checkpoint liegt genau auf der anderen Rheinseite – „elegant“ umfahren geht nicht.
    Die Anweisung vom Organisator ist klar: Checkpoint via Eglisau anfahren.
    Auch wenn der Umweg hier kürzer als die Abkürzung am Vierwaldstättersee ist, schlägt uns das „gleicher Weg zurück“ auf die Stimmung. Noch 50km – Luftline 30. Immerhin mit Sonne und Rückenwind :) .

    Ein paar Hochwasserumleitungen später sind wir am Ziel, nicht ohne auch nochmals kurz zu furten.

    Aufzeichnung

    Mit hochroter Haut freue ich mich leckere Linsensuppe schlürfend, die Prüfung ohne Zeitdruck (über 11h Reserve!) gemeistert zu haben.
    Als wäre all das noch nicht genug, wird während ich dusche mein Velo vom Organisator gewaschen.

    Nach 4h Schlaf bin ich in der Lage, die paar Km zum nächsten(!) Bahnhof zu fahren. Dabei verfahre ich mich weiter, als auf der gesamten vorangegangenen Tour…

    Von den 2+11 Startern haben es leider nur 1+5 ins Ziel geschafft, erstaunlicherweise dennoch in zwei Zweiergruppen, wobei kein Startteam komplett zu Ende gefahren ist.
     
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  18. Mario

    Mario

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    600er Brevet Ostfalen

    Dieses Brevet fehlte mir noch für meine erste Serie. Die zu absolvierenden 627 Km waren respekteinflößend, aber ich hatte mit Norbert und Thomas zwei erfahrene Randonneure an meiner Seite. Um 8:30 Uhr ging es im ständigen Auf und Ab, Richtung Ostsee. Der Wind schob uns sanft durch die Landschaft. Norbert hielt das Tempo anfangs hoch und Kilometer um Kilometer kamen wir unserem erklärten Ziel, Sonnenuntergang in Kühlungsborn, näher. Zwischendurch gab es eine nicht bestellte, kostenloser Dusche von oben. Aber egal, wir hatten ein Ziel, also weiter. Mit Sebastian, den wir unterwegs trafen, kamen wir passend zum Sonnenuntergang an. Erstmal Fotos machen und dann gepflegt Fisch essen im „ Zum harten Törn“ (der Name passte irgendwie) und erst dann zur Kontrolle Stempel, Getränke auffüllen…
    Nach diesem Höhepunkt der Tour kam jetzt die Fahrt durch die Nacht. Sebastian verabschiedete sich von uns und suchte sich ein Platz für seine Hängematte. Beim monotonen Treten wurde die Müdigkeit immer größer und auch wir entschieden uns für ein Schläfchen. Thomas fand mit geschulten Blick, schnell eine Unterkunft in Form eines Wartehäuschens. Wir einigten uns auf eine Stunde Auszeit. Ich glaube ich habe noch nie unbequemer geschlafen. Völlig ausgekühlt wachte ich somit noch vor dem gestellten Wecker wieder auf.
    Warmfahren war jetzt angesagt. Zum nächsten Ort ging erst erstmal bergab. Was stand noch in Roadbook? Peng, rappel, rappel, ach ja Kopfsteinpflaster direkt nach der Abfahrt. Naja so waren alle Sinne wenigstens wieder wach. Die Müdigkeit kam bei mir leider schneller zurück als mir lieb war. Jetzt gab es auch bei mir, passend zur Landschaft ein ständiges Auf und ab. An Kontrolle 4 konnte der Kaffe somit nur für kurzfristige Energie sorgen. Bei Thomas kehrte die Müdigkeit auch wieder zurück und wir beide reichten uns den Tiefpunkt gegenseitig hin und her. Norberts ruhige Art half mir in diesen Stunden sehr durch zu halten.
    Aber es wurde wieder besser und es ging weiter durch kleine, leider beckerlosen Orte. Ich weiß nicht wie sich die Menschen hier am Sonntagmorgen ernähren, wir fanden dann aber schließlich frische Brötchen in, einer Tankstelle, wo auch sonst. Nach Kontrolle 6 begann das letzte Teilstück. Der kürzeste Teil mit 59 Km. Der Haken an der Sache waren allerdings die wieder höhenwerdenden Anstiege, die Abfahrten mit Belag aus Bremsasphalt und der sich uns nun entgegen stellende Wind. Eine echte Prüfung also, aber das Ziel war in Sichtweite und um ca.18:56 Uhr erreicht. Hier gab es, wie für diesem Standort wohl üblich, noch zu essen und zu trinken und nette Gespräche in familiärer Atmosphäre. (y)

    Norbert und Thomas: Ein fettes Danke für die gemeinsamen Kilometer. Ihr seid ne klasse “ Superrandonneur-Schmiede“ könntet euch auch buchen lassen.
    Und Norbert dir nochmal Danke für das Komplettpaket mit Wohnmobil, Frühstück und Abholservice.(y)(y)
     

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    Zuletzt bearbeitet: 20.06.2016
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  19. SebHeine

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    Dem ist kaum was hinzuzufügen, außer einiger Bilder schlechter Auflösung:

    20160618_181927.jpg 20160618_182046.jpg 20160618_183028.jpg 20160618_183112.jpg 20160618_192621.jpg 20160618_203906.jpg 20160618_212059.jpg 20160618_212123.jpg

    Nachdem die drei anderen in die Nacht entschwunden waren, fand ich ein ruhiges Plätzchen um mich für die Nacht zwischen zwei Bäume zu hängen. Als dann um vier der Wecker klingelte, habe ich ihn dann kurzerhand auf sechs gestellt und bin bei schönstem Sonnenaufgang aufgestanden.

    20160619_060111.jpg

    Gruß, Sebastian
     
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  20. tomacino

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    Drei Westfalen beim Ostfalen Brevet 600

    Es fällt mir schwer die Bilder, die immer noch durch meinen Kopf schwirren in Worte zu fassen. Einerseits ist mein Kopf leer, andererseits aber auch voller Eindrücke.
    Mario hat schon vieles gesagt.

    Das Brevet wird intern bei mir unter dem Titel: "Als wir 'Zum harter Törn' aufgebrochen sind" abgelegt werden. Für den Namen muss die Fischkneipe herhalten, weil er passt wunderbar. Es war ein schöner Törn und hart wars (für mich) auch.

    Für mich gliedert sich die Fahrt in drei Teile.

    Teil 1: Zur Ostsee
    Der Wind schiebt, alle sind getrieben von dem nicht wirklich ausgesprochenen Wunsch, den Sonnenuntergang in Kühlungsborn zu sehen.
    Erste Kontrolle: Neue Randonneursverpflegung testen, Bockwurst. Schmeckt für eine Tankstellenwurst super und funktioniert. Normalerweise esse ich sowas nicht, aber im Brevetmodus gelten andere Regeln:cool:
    Hier sehen wir Teile vom Rest der ganzen Bande zum vorest letzten Mal, irgendwie sind uns alle davongefahren und wollen zum Sonnenuntergang.
    An der Elbfähre ein einzelner Mitstreiter, die Fährfahrt ist mir viel zu kurz, irgendwie sind die Flüsse am Niederrhein und in Holland breiter:D
    Kontrolle 2, nächste Bockwurst, die gegen die erste etwas abfällt, aber immer noch lecker. In Mecklenburg wird es hügeliger, spätestens ab Schweriner See fahren wir wie im Rausch (der Sonnenuntergang wartet nicht), es läuft richtig gut. Die Steigungen sind kurz genug um sie mit Schwung wegzudrücken.
    Es kommt wie es kommen muss, auf der B105 klopft jemand ans Fenster. Ja richtig, ein Mann mit so nem Hammer. Ich schicke ihn mit einem Schokoriegel und einem Nussriegel weg.
    Aber wenn der Herr einmal vor der Tür stand, gibt der nicht so schnell Ruhe. Meinem Magen gefällt das auch nicht wirklich.
    Nach vielen vielen kleinen Dörfern öffnet sich in einem Waldstück die Landschaft und da liegt sie, die Ostsee mit Kühlungsborn und der Wald gehört dann wohl zu Kühlung.
    Es ist 21 Uhr und der Sonnenuntergang somit noch ca. 45min entfernt. Geschafft.
    Wir beschliessen erstmal zum Strand zu fahren und was zu essen, danach erst zur Kontrolle. Gut dass die Fischbude (schliesst um 22:00 Uhr) keine Lust mehr hat, uns mit warmer Kost zu versorgen. So werden wir 'Zum harten Törn' geschickt. Eine gute Wahl. Der Hammermann wird mit Dorsch und Pommes bestochen und mit 0,5 Weizen alkfrei und 0,4 Cola ertränkt.
    Das lebende Inventar an der Theke hält mich für Jan Ullrich, der Wirt meint Jan wäre dicker:ROFLMAO:
    Manchmal mag ich meine Schlagfertigkeitsdefizite nicht:cry:

    Teil 2: Die Nacht
    Kontrolle 3, Nachtschalter. Zwei Kerle beim Wodka-Kauf beäugen uns genauso komisch wie wir sie.
    Wir müssen die Kühlung hoch, der Dorsch schwimmt zufrieden in Weizen&Cola. Der komische Mann ist weg, hat aber eine gewisse Kraftlosigkeit hinterlassen.
    Der Magen will unter der momentanen Belastung nicht wirklich schnell für Kaloriennachschub sorgen.
    Wir kurbeln stumpf durch die Nacht, Seb verabschiedet sich, irgendwann können wir nicht mehr, ich erspähe einen Schatten im Schatten im Abzweig zu einem Dörfchen: Ein Wartehäuschen voller Spinnweben.
    Mario und Norbert wollen da trotzdem auf der Bank schlafen, ich lege mich auf den Boden davor. Wofür hat man seine Liegematte immer dabei:D
    Die Frösche quaken ein unglaubliches Konzert, ich döse vor mich hin.
    Im Morgengrauen gehts weiter, kalt kalt direkt eine Abfahrt runter.
    Der weitere Verlauf bis Kilometerstand 470 ist nicht schön. Treten, treten, treten, es kommt kein Flow auf, es läuft nicht, die mecklenburgischen Hügelwellen nerven.
    Kontrolle 4, hier treffen wir wieder Mitstreiter und eine Mitstreiterin. Vonni sieht genau so aus wie ich mich fühle: Genervt&fertig.
    Der Mann am Nachtschalter weiss auch nicht was das alles soll. Aber einen Kaffee rückt er raus.
    Bad Wilsnack durchforsten wir nach einer Bäckerei. Alle Bürgersteige hochgeklappt. Achtung Kalauer: Ich will nen Snack! Schwirrt mir seitdem im Kopf rum.
    Wir geben auf, am Ortsausgang eine Tankstelle, menschliche Wesen verlassen den Verkaufsraum mit Brötchentüten in der Hand!
    Ich kann nichts essen, mein Magen hat noch genug zu tun die Begegnung mit dem Hammermann zu verarbeiten. Vor der Tanke versucht uns ein Mann zu überreden, die legendären Thermalbäder von Bad Wilsnack zu besuchen. Wir müssen ablehnen:p
    Dann quetscht er uns über die Liegeräder aus. Als ich auf meinen Frontantrieb am ZOX hinweise, sagt er nichts mehr, man kann sehen wie es in ihm arbeitet wie das denn wohl funktionieren kann:D

    Teil 3: Ab Kilometerstein 470
    Kurz nach Bad Wilsnack geht es mir auf einmal wieder viel besser. Der Magen signalisiert: Bereit für neue Nahrung. Etwas Sodbrennen bleibt mir bis zum Schluss.
    Dafür gibts dann an Kontrolle 5 die nächste Bockwurst. Die anderen beiden waren besser. Havelberg sieht nett aus, aber wir preschen durch, wir sind jetzt auf Ankommen programmiert, es läuft auch bei Mario wieder besser. Von Norberts Zuständen habe ich irgendwie nix mitbekommen...
    Jetzt kommt das elendige Stück B107. Wir probieren den Radweg. Toll. Mehr sage ich nicht dazu. Wir wurden am Start gewarnt.
    Zur Elbquerung biegen wir gen Westen ab. Gegenwind. Auch toll. aber wir sind nun geduldig und wollen das Ding zu Ende bringen. Tangermünde durchquert sich einfach. Kaum Ampeln, keine Blauschilder, geduldige Autofahrer.
    Zäh ziehen sich die Kilometer, wenigstens liegen die Hügel schon länger hinter uns.
    Kontrolle 6 Wolmirstedt, es gibt keine Bockwurst:cry:. Die Frikadelle als Alternative setzt den negativen Trend der Tankstellenverpflegung fort.
    Voll positiver Hoffnungen gehen wir den letzten Abschnitt an. Aber es läuft wieder zäher. Gegenwind, abgefräster Bundesstrassenbelag (B1) machen das Rollen schwer.
    Etwas 20km vor dem Ziel sehen wir den Schornstein vom Kraftwerk Buschhaus, da müssen wir hin, ist nicht mehr weit.
    Leider gehts dafür aber erstmal wieder bergab um dann wieder ordentlich aufwärts.
    Mir gehts wieder ganz gut, ich bin als erster oben und warte auf die beiden. In Wolsdorf drücken wir die letzte Rampe hoch und dann ist es geschafft, es ist kurz vor 19:00 Uhr.

    Glückwunsch an Mario zur ersten Serie. Hartmut, Morten und Co (ich habe mir ausser Hartmut keine mir bis dahin unbekannte Name-Gesicht-Zuordnung merken können:cry:) sitzen am Esstisch, essen und quatschen. Ich kann nix essen, mein Magen hat die Faxen dicke, nach einem Glas Milch gehts aber wieder.

    Vielen Dank an alle Beteiligten für alles, insbesondere an Norbert für die Super-Sache mit dem Wohnmobil, fürs Fahren und nicht zuletzt für deine Ruhe und Geduld.
    Danke auch an Hartmut und Familie sowie an alle Mitorganisatoren, mir hat es sehr gefallen.

    Statistik:
    Gesamtzeit: 34:30h - 2min:D
    Fahrtzeit lt. Tacho: 26:37h
    Distanz lt. Tacho: 636km, Schnitt ~23,9km/h
    Strava: Link inside

    So, nach so viel langweiligem Text kommen jetzt natürlich noch die Fotos.

    PS: @norfiets @Mario
    Hat euch auch der Eichen-Prozessionsspinner erwischt? Meine Arme, Kniekehlen, Hals und Nacken sehen aus, als wäre ein Mückengeschwader darüber hergefalleno_O
    Juckt auch genauso.

    Bilder:
    PIC001.jpg PIC002.jpg PIC003.jpg PIC004.jpg PIC005.jpg PIC006.jpg PIC007.jpg PIC008.jpg PIC009.jpg PIC010.jpg

    Bilder Teil2 gibts auch noch

    Thomas
     
    Zuletzt bearbeitet: 20.06.2016
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