Hallo Ivo,
erst einmal Grüße aus Hanau nach Hanau! - Nach all den Diskussionen im von Dir hier "wiederbelebten" Thread ist mein Fazit: Vieles erscheint mir einleuchtend. Im Grunde geht es weniger um den Gegensatz "Radfahrer-Autofahrer", als vielmehr um das Konfliktpotential zwischen "vernünftigen Verkehrsteilnehmern" und "Idioten", die sich durch Fahrzeug, Lifestyle, Verhalten, Überlegenheitsgehabe usw. einfach "auszeichnen" wollen oder um jeden Preis vermeintliche Vorrechte ausüben müssen - Sei es im BMW-Cabrio oder auf dem trendigen Mountainbike (oder Rennrad). Möglicherweise auch Liegerad, doch hier sicher seltener, weil ich glaube, daß Liegeradler sich einfach deshalb ernsthafter mit der Materie der muskelgetriebenen Fortbewegung beschäftigen müssen, weil ihr Gefährt eben nicht an jeder Ecke gekauft werden kann und nicht so im Zentrum der Werbung steht (wie z. B. Rennräder und entsprechendes Outfit gerade jetzt zur "Tourzeit").
Ich bin Autofahrer - 50000 km im Jahr und mehr, doch das vorwiegend auf Langstrecke und Autobahn (mit "Birdy" im Kofferraum). Täglich auf dem Weg zur Arbeit (Bruchköbel <--> Hanau Wolfgang) sitze ich i. d. R. auf einem Fahrrad, also ATB-Kaltblüter oder Lieger.
Für ein Rennrad habe ich keine Verwendung - ehrlich gesagt, ich bin noch nie damit gefahren. Mich stört die mangelnde Alltagseignung, der innewohnende Hang zum "Rudelradeln" möglichst schnell auf der Straße. Und ich finde es wiederum "affig" und mir tun die Leute leid, die sich ausschließlich stylisch bunt auf trendige Fahrräder setzen und denen es offenbar peinlich ist, den Eindruck zu erwecken, sie sähen in ihrem Fahrrad ein normales Transportmittel für den Alltag. Ist bei mir umgekehrt: Ich fahre demonstrativ nur in normaler Alltagskleidung - und der Vorteil der Liege ist, ich kann mich in jeder Hose drauffallen lassen und stundenlang kurbeln, ohne daß etwas drückt.
Über meine Auffassung zur Verkehrspartnerschaft habe ich mich schon verbreitet: Im Ausnahmefall auf Landstraße unterwegs, dann mit Licht, ganz rechts bei Fahrzeugannäherung von hinten, und z. B. durch Winken mit linker Hand versuche ich zu signalisieren, daß ich überholt werden kann, ich ihn also gesehen habe und während des Überholvorganges den Kurs am rechten Rand sicher beibehalte ohne "Schlenker". In der Stadt allerdings sehe ich das anders: Wer sich mit dem Auto unbedingt durch die rechtwinkligen Straßen der Hanauer Innenstadt drängeln muß (eine Idee, auf die ich nie käme!), der darf getrost auf mich als Radfahrer die gleiche Rücksicht nehmen wie auf Fußgänger und an der Kreuzung auch mich im Fußgängerpulk mit vorbeilassen. Denn ich bin jetzt ganz langsam mit Fußgängergeschwindigkeit unterwegs, gewissermaßen "mechanisierter Fußgänger"!
Es sollte uns fernliegen zu missionieren. Trotzdem ein weiterer Gedanke: Die armen Mitmenschen, die auch die kürzesten Wege täglich ausschließlich "ihrem Wohlstand" gemäß motorisiert zurücklegen, gefährden nicht nur die Leben der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer, sondern auch das eigene über Gebühr. Nämlich infolge von Krankheit oder vorzeitigem Tod durch Kreislaufschwäche oder Übergewicht! Von den Kosten im maroden Krankenkassensystem gar nicht zu reden....
Grüße
Ernst


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