-
600km-Brevet Oostende (B/NL/F)
Hallo,
hier ein kurzer Bericht vom 600er-Brevet in Oostende:
Weil mein Funkwecker falsch ging, bin ich zwei Stunden
später als geplant in den Zug nach Oostende gestiegen.
Da ich aber großzügig geplant hatte, war das kein Problem.
Außerdem habe ich so einige Dinge zu Hause erledigt, die
ich eigentlich in Belgien machen wollte (Kette schmieren,
Bananen einkaufen etc.)
Ich kam um 16:44 in Oostende an und habe erstmal eine
Portion Spagetti gegessen, danach etwas Wasser gekauft
und dann zur Jugendherberge. Angenehmerweise waren
wir nur eine andere Person in dem Schlafraum, sodass
ich auf eine ruhige Nacht hoffen konnte. Leider wurde
daraus nicht, denn der andere Zimmer-Benutzer hat
heftigst geschnarcht. Da er in dem Etagenbett über
mit lag, habe ich ihn - nachdem selbst lautes Schreien
nicht geholfen hat - ziemlich oft getreten, wonach
er meist 5-10 Minuten ruhig war. Aufgestanden bin
ich um kurz nach 3, sodass ich um etwa 3:45 am
Startpunkt war. Der Organisator war noch nicht da
und letztendlich sind war erst um ca. 4:30 gestartet.
Nach etwa 20km bin ich zusammen mit einem anderen Liegeradfahrer der
Gruppe weggefahren, obwohl es mir eigentlich 1-2 km/h zu schnell war.
Nach rund 100km haben wir uns verloren (er war ca. 100m vor mir, ich
habe eine Pinkelpause gemacht und er ist noch etwa 1km vorgefahren
und hat dort gewartet - trotzdem habe ich ihn nicht gesehen).
Ich musste dann den Weg selbst finden, was angesichts des Streckenplans
nicht einfach war. Etwa 30-40km weiter hat mich beim Umkleiden die Gruppe
wieder eingeholt, mit der ich dann bis zur Hälfte der Gesamtstrecke (in
der Nähe von Oostende) gefahren bin. Wir sind um ca. 17:40 dort angekommen.
Dort sind die meisten Radfahrer nach Hause gefahren, um zu schlafen und
sich am Sonntagmorgen um 4 Uhr erneut zu treffen. Ich hingegen bin mit
drei anderen - nach einer halben Portion Spagetti - weitergefahren.
Ich wollte fahren, so lange ich kann, und unterwegs kurz schlafen.
An der nächsten Kontrolle, bei km 363, haben wir den anderen Liegeradfahrer getroffen. Er hatte Magenprobleme und deswegen eine längere Pause eingelegt.
Wir sind dann zusammen bis zur Kontrolle bei etwa km 411 gefahren.
Während des 10-Minütigen Aufenthaltes dort (ich hatte ein Problem mit den
Batterien für die Taschenlampe) ist der Liegeradler aufgebrochen.
Wir sind also wieder zu vier gestartet. Ein ungewöhnliches Café
haben wir um ca. 1:30 am südwestlichsten Punkt der Strecke
(Boulogne sur Mer) gefunden: Als wir ankamen, sagte man uns
"nehmt die Räder mit rein!", was wir auch gemacht haben. Drinnen
wir irgendwie "Disco-Abend der Torschlusspanik-Frauen" und
wir hatten innerhalb von wenigen Minuten mehrere Heiratsanträge.
Aber die Leute waren auch sehr höflich und freundlich und wir
haben einen kleinen Teller mit Nüssen, Salami-Stücken und
Brot bekommen - sogar kostenlos. Auch ein drittes Getränk
gab es umsonst. Aber ich glaube, das war nur, weil man uns
nicht gehen lassen wollte. Insgesamt war das Café auf jeden
Fall eine höchst interessante Kontrollstelle.
Bis ca. km 470 sind wir zusammen geblieben, was mir sehr angenehm
war, weil es über kleine Straßen durch noch kleinere Orte ging -
alles unbeleuchtet - und es alleine etwas unheimlich sein kann.
So gegen 4:00 wurde ich langsam Müde. Bis ich einen Schlafplatz
gefunden habe, dauerte es aber noch 30 Minuten (ich habe nicht
wirklich gesucht, sondern bin einfach gefahren, bis ich einen
Platz gefunden habe, der mir geeignet erschien). Das war dann
ein Feld, in dem ich 2 Quadratmeter platt getreten habe,
sodass weder das Rad noch ich von der Straße aus zu sehen waren.
Nach einer Stunde ging es dann alleine ganz gut weiter. Um 5 Uhr
ist es auch ausreichend hell, dass ich gerne alleine fahre. Toll
waren die Begegnungen mit insgesamt sechs Rehen, die man ja sonst
nur selten sieht. Besonders schön ein Reh, dass nicht am Waldrand
stand, sondern in einem Feld. So konnte ich sehen, wie es mit
riesigen Sprüngen wegrannte. Rehe können wirklich sehr gut springen
und schnell laufen.
Ab ca. km 510 um fühlte ich mich schwach, sodass ich recht langsam gefahren bin. Bei einer Pause hat mich der Liegeradler eingeholt - er hatte in
Boulogne sur Mer 90 Minuten in einem Hotel geschlafen. Dieses gemeinsame
Fahren hat mir dann einen enormen Motivations-Schub gebracht, der sich auch
körperlich auswirkte, sodass ich wieder recht zügig fahren konnte.
Nach der letzten Kontrolle (30km vor Schluss) sind war dann wie die
Wahnsinnigen gefahren, 29-31km/h auf leichtem Schotter und 32-34
auf Asphalt. Puls bei 140. Ich hätte nicht gedacht, dass das
möglich ist, zumal ich seit 5 Uhr kaum noch gegessen hatte. Bis
dahin habe ich übrigens stündlich eine Banane oder einen Apfel
oder einen Mini-Snickers gegessen, was sich als gut erwiesen
hat. Große Mahlzeiten vermeide ich, da sich dabei der Magen zu viel
Blut nimmt, das ich zum Radfahren brauche.
Gut gefallen hat mir auch, dass wir bei mehr als 200km Frankreich
nur eine einzige Ampel hatten.
Alles in allem habe ich nur 32 Stunden gebraucht. Es waren allerdings
auch sehr gute Bedingungen: Nur ca. 1200 Höhenmeter, davon 200
auf den ersten 300km, häufig Rückenwind, sehr selten Gegenwind,
fast durchgehend perfektes Wetter (nur eine halbe Stunde etwas
Regen).
FAZIT: Es hat erstaunlich gut funktioniert und in der Gruppe zu
fahren, spart ganz enorm Kaft. Leider ist es für Liegeradler am
Berg nicht immer einfach, an der Gruppe zu bleiben.
Und jetzt freue ich mich auf Paris-Brest-Paris im August. Brest,
ich komme!
Gruß, Andreas R
-
Re: 600km-Brevet Oostende (B/NL/F)
Herzlichen Glückwunsch und Viel Erfolg bei PBP.
Kannst Du nochmal zusammenfassen, wieviel Pause Du auf den 32h gemacht hast.
cu Ulli
-
Re: 600km-Brevet Oostende (B/NL/F)
Hallo Ulli,
>Herzlichen Glückwunsch und Viel Erfolg bei PBP.
Danke.
>Kannst Du nochmal zusammenfassen, wieviel Pause Du auf den 32h gemacht hast.
Das ist schwer zu sagen. Einige kurze Pinkelpausen, etwa fünf Umkleidepausen
(vormittags: kurzes Trikot / abends: langes Trikot / spät abends: Jacke an /
morgens: Regenhose und Schuh-Überzieher an / 1-2h später: Regenhose, Jacke
und Schuh-Überzieher aus), beim Fahren in der Gruppe etwa jeweils 5-20
Minuten Pause an den Kontrollstellen (meist in Cafés, wo wir etwas getrunken
haben). An der "mittleren" Kontrollstelle knapp eine Stunde Pause (Spagetti
gegessen) und morgens gegen 4:30 eine Stunde Schlafpause.
Die reine Fahrzeit betrug übrigens ca. 25h
Gruß, Andreas R
Berechtigungen
- Neue Themen erstellen: Nein
- Themen beantworten: Nein
- Anhänge hochladen: Nein
- Beiträge bearbeiten: Nein
-
Foren-Regeln
Lesezeichen