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Thema: Kann mir mal jemand erklären, wo eigentlich ...

  1. #1
    _matthias Gast

    Standard Kann mir mal jemand erklären, wo eigentlich ...

    ... der Sinn von Scheibenbremsen am Fahrrad liegt ? (Vorsicht, ketzterische Fragen folgen.)

    Ich habe bei meinem Upright immer nur normale Cantilevers (nicht mal V-Brakes, deren Design ich besch...eiden finde) gehabt und war mehr als zufrieden. Mit einem Mindestmaß an Wartung haben die Cantis zugepackt wie die Sau. Die beiden einzigen Male, die ich wirklich krasse Notbremsungen machen musste aus ca. 25-30 km/h, bin ich sofort über den Lenker abgestiegen, noch bevor ich irgendwas berührt hatte, also : schon hier mehr Bremskraft als eigentlich nötig. Auch bei Radtouren vollbepackt die Alpenpässe runter : nie Probleme gehabt. Die Frage der Dosierbarkeit war meines Erachtens immer nur eine Frage von Fingerspitzengefühl.

    Jetzt habe ich meine SMGT gekriegt und mir Maguras HS33 gegönnt. Ich gebe zu, dass die subjektiv ein noch erheblich besseres BremsGEFÜHL liefern als meine Cantis. Das schreibe ich der Hydraulik zu. Aber eine Steigerung der Bremsleistung bedeutet das nicht (mehr als Blockieren kann man ein Rad schliesslich nicht). Bessere Bremsen kann ich mir also insgesamt nicht vorstellen.

    Wozu also Scheiben ?

    - Scheibenbremsen sind sauteuer. Ich habe das Gefühl, dass die entsprechende Industrie hier die Zahlungsbereitschaft von einigen Technikfreaks für Aussergewöhnliches und Cooles ausnutzt.

    - Scheiben müssten eigentlich das Material erheblich mehr belasten. Sie bremsen außerhalb der Mittelachse des Rades, der Hebelarm der am Gabelkopf wirkenden Kräfte gegenüber dem Bremskraftansatzpunkt ist erheblich grösser (Gabelbelastung), die Bremskraft muss über die Speichen zum Reifen hin "übertragen" werden. Alles Probleme, die mich schon vor ca. 10 Jahren an Trommelbremsen abgeschreckt haben.

    - Scheiben können einen Seitenschlag kriegen. Das können Felgen auch, jedoch scheint mir der Bereich, in dem ich eine Felgenbremse notfalls öffnen kann, erheblich grösser. Was macht man mit einer Scheibe mit 5 mm Schlag ? Das Vorderrad kann sich doch dann nicht mehr drehen oder ? Wird das Rad dann unbrauchbar, oder nicht ? Neuerdings sieht man Scheiben auch immer öfter an Alltagsrädern. Kann man die noch in Alltagsfahrradständer reinschieben ohne die Scheibe zu ruinieren ? Was passiert, wenn ein Schwachkopf mit Springerstiefeln an eine Scheibe tritt (nicht lachen, solche Typen gibts. Einem Kumpel haben sie mal den Hinterreifen ANGEZÜNDET. Das halbe Fahrrad ist verkohlt.) ?

    - Die im Vergleich zur Felgenbremse kleinere Bremsfläche müsste doch bei langen Abfahrten viel schneller heiss werden oder ? Da sich die Scheibe langsamer dreht als die Felge, dürfte auch die Fahrtwindkühlung geringer ausfallen. Noch son Punkt, der gegen Trommelbremsen sprach.

    - Und eine Frage an die Gewichtsfreaks : ist das Gesamtsystem Scheibe nicht schwerer ? Die Scheibe mit Sattel, Gabelaufnahme und -verstärkung, längerer Bremsleitung etc. dürfte mehr wiegen als zwei Cantisockel und die Bremsarme.
    Das wäre für mich allerdings der unwichtigste Punkt.

    Also. Nicht dass ich Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen wäre. Aber ich sehe einfach keine wirklichen Vorteile.

    Wenn Ihr welche kennt : lasst mich nicht dumm sterben !

    Bin gespannt auf die Antworten.

    Grüsse

    Matthias



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  2. #2
    _herbert Gast

    Standard Re: Kann mir mal jemand erklären, wo eigentlich ... Gehe zum vorherigen Beitrag

    Hi Matthias,

    Du hast mit allen deinen Argumenten recht und dennoch gibt es auch einige, die für Scheibenbremsen sprechen.
    Scheibenbremsen kommen nun einmal, wie so Vieles im Bereich des Fahrrades, aus dem Marktsegment, wo aufgrund von Stückzahlen Geld zu verdienen ist, und das sind Mountainbikes.
    Bei einem Mountainbike ist es interessant, daß man mit möglichst geringer Fingerkraft möglichst viel Bremsleistung bekommt, denn teilweise sind die Abfahrten so steil, daß Du wirklich eine halbe Stunde permanent stark bremsen mußt und das geht mit einer hydraulischen Scheibenbremse sehr gut und auf jeden Fall besser als mit einer mechanischen V-Brake (von Cantilever spreche ich bei diesen Belastungen gar nicht mehr). Du steigst bei solchen Touren mehrfach ab und versuchst die Finger zu entlasten, weil Du keine Kraft mehr hast.
    Das ist mit einem Treckingrad oder einem Liegerad nicht zu vergleichen. Ich habe in drei Jahren Mountainbiken schon mindestens 5 Beläge runtergebremst, während ich mit dem Trekkingrad nach knapp 10 Jahren und mindestens 10.000 Km noch die ersten fahre.
    Sie wird dabei sehr heiß und kommt in den Bereich der Blauverfärbung.
    Bei derartigen Bremsungen kann es kritisch werden, das die Felge zu heiß wird und der Schlauch oder zumindest das Felgenband so heiß werden daß sie verschmoren.
    Ein weiteres Problem ist der Dreck, der an Regentagen auf den Felgen schmirgelt.
    Erstens kann man sich damit mühelos innerhalb einer Tour den Bremsbelag runterbremsen und zweiten bremst man sich die Felgen systematisch dünn. Ich habe jetzt die dritte Hinterradfelge, die bei stärkerem Aufpumpen Beulen nach außen bekommt und verschrottet werden kann.
    Außerdem ist die Dosierbarkeit einer hydraulischen (Scheiben-)bremse besser als die einer V-Brake, weil die leichten Bremsplättchen einfach schneller reagieren und nicht die Freßeffekte zeigen, die man mit V-Brakes schon mal beobachten kann.
    An einem Liegerad kann ich also die Berechtigung einer Scheibenbremse auch nicht so stark sehen, wobei die Wartungsarmut bei einem Gebrauchsrad schon ihre Vorteile hat.

    Viel Spaß mit der nächsten V-Brake

    Herbert

    >... der Sinn von Scheibenbremsen am Fahrrad liegt ? (Vorsicht, ketzterische Fragen folgen.)
    >Ich habe bei meinem Upright immer nur normale Cantilevers (nicht mal V-Brakes, deren Design ich besch...eiden finde) gehabt und war mehr als zufrieden. Mit einem Mindestmaß an Wartung haben die Cantis zugepackt wie die Sau. Die beiden einzigen Male, die ich wirklich krasse Notbremsungen machen musste aus ca. 25-30 km/h, bin ich sofort über den Lenker abgestiegen, noch bevor ich irgendwas berührt hatte, also : schon hier mehr Bremskraft als eigentlich nötig. Auch bei Radtouren vollbepackt die Alpenpässe runter : nie Probleme gehabt. Die Frage der Dosierbarkeit war meines Erachtens immer nur eine Frage von Fingerspitzengefühl.
    >Jetzt habe ich meine SMGT gekriegt und mir Maguras HS33 gegönnt. Ich gebe zu, dass die subjektiv ein noch erheblich besseres BremsGEFÜHL liefern als meine Cantis. Das schreibe ich der Hydraulik zu. Aber eine Steigerung der Bremsleistung bedeutet das nicht (mehr als Blockieren kann man ein Rad schliesslich nicht). Bessere Bremsen kann ich mir also insgesamt nicht vorstellen.
    >Wozu also Scheiben ?
    >- Scheibenbremsen sind sauteuer. Ich habe das Gefühl, dass die entsprechende Industrie hier die Zahlungsbereitschaft von einigen Technikfreaks für Aussergewöhnliches und Cooles ausnutzt.
    >- Scheiben müssten eigentlich das Material erheblich mehr belasten. Sie bremsen außerhalb der Mittelachse des Rades, der Hebelarm der am Gabelkopf wirkenden Kräfte gegenüber dem Bremskraftansatzpunkt ist erheblich grösser (Gabelbelastung), die Bremskraft muss über die Speichen zum Reifen hin "übertragen" werden. Alles Probleme, die mich schon vor ca. 10 Jahren an Trommelbremsen abgeschreckt haben.
    >- Scheiben können einen Seitenschlag kriegen. Das können Felgen auch, jedoch scheint mir der Bereich, in dem ich eine Felgenbremse notfalls öffnen kann, erheblich grösser. Was macht man mit einer Scheibe mit 5 mm Schlag ? Das Vorderrad kann sich doch dann nicht mehr drehen oder ? Wird das Rad dann unbrauchbar, oder nicht ? Neuerdings sieht man Scheiben auch immer öfter an Alltagsrädern. Kann man die noch in Alltagsfahrradständer reinschieben ohne die Scheibe zu ruinieren ? Was passiert, wenn ein Schwachkopf mit Springerstiefeln an eine Scheibe tritt (nicht lachen, solche Typen gibts. Einem Kumpel haben sie mal den Hinterreifen ANGEZÜNDET. Das halbe Fahrrad ist verkohlt.) ?
    >- Die im Vergleich zur Felgenbremse kleinere Bremsfläche müsste doch bei langen Abfahrten viel schneller heiss werden oder ? Da sich die Scheibe langsamer dreht als die Felge, dürfte auch die Fahrtwindkühlung geringer ausfallen. Noch son Punkt, der gegen Trommelbremsen sprach.
    >- Und eine Frage an die Gewichtsfreaks : ist das Gesamtsystem Scheibe nicht schwerer ? Die Scheibe mit Sattel, Gabelaufnahme und -verstärkung, längerer Bremsleitung etc. dürfte mehr wiegen als zwei Cantisockel und die Bremsarme.
    >Das wäre für mich allerdings der unwichtigste Punkt.
    >Also. Nicht dass ich Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen wäre. Aber ich sehe einfach keine wirklichen Vorteile.
    >Wenn Ihr welche kennt : lasst mich nicht dumm sterben !
    >Bin gespannt auf die Antworten.
    >Grüsse
    >Matthias


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  3. #3
    Stefan Gast

    Standard Re: Kann mir mal jemand erklären, wo eigentlich ... Gehe zum vorherigen Beitrag

    Hi Leute,

    Matthias:<i>
    Aber eine Steigerung der Bremsleistung bedeutet das nicht (mehr als Blockieren kann man ein Rad schliesslich nicht).
    </i>
    Nö, aber "Bremsleistung" heisst mehr als schiere Bremskraft. Die Dosierbarkeit hängt nicht nur mit der Hysterese des Betätigungssystems (deutliche Verbesserung durch hydraulische Betätigung), sondern auch der Belag-Scheibe Kombination zusammen. Und die lässt sich bei einem geschlossenen System besser optimieren, als bei Felgenbremsen. Du musst nicht für alle möglichen Felgen spezielle Beläge bauen. Das passt halt. Auch und gerade bei Nässe.

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    - Scheibenbremsen sind sauteuer. Ich habe das Gefühl, dass die entsprechende Industrie hier die Zahlungsbereitschaft von einigen Technikfreaks für Aussergewöhnliches und Cooles ausnutzt.</i>
    Ein Satz Julies von Magura kostet auch nur noch 100,- DM mehr als die HS33 (Liste). Bei vielen Rädern der 2000DM und weniger Klasse sind die Dinger serienmässig dran. Mit weiterer Verbreitung wird sich das auch ändern.

    Dass die <i>Industrie hier die Zahlungsbereitschaft von einigen Technikfreaks für Aussergewöhnliches und Cooles ausnutzt</i> liesse sich auch von Liegerädern sagen. ;-) Abgesehen davon musst Du das ja nicht kaufen. Kaufmännisches Verhalten heisst Märkte suchen (oder auch schaffen) und die Kunden dort bedienen. Niemand zwingt Dich sowas zu kaufen.
    <i>
    - Scheiben müssten eigentlich das Material erheblich mehr belasten. Sie bremsen außerhalb der Mittelachse des Rades, der Hebelarm der am Gabelkopf wirkenden Kräfte gegenüber dem Bremskraftansatzpunkt ist erheblich grösser (Gabelbelastung), die Bremskraft muss über die Speichen zum Reifen hin "übertragen" werden.</i>

    Wie wird das Fahrrad beim Bremsen denn abgebremst?
    Nehmen wir als Bezugssystem mal den Fahrer. Der zieht am Hebel und es wird eine Kraft in die Felge/Scheibe eingeleitet Es entsteht nun eine Reibkraft am Radaufstandspunkt. In diesem Bezugssystem wird damit das Vorderrad nach hinten bewegt. Wenn nun keine Nabe da wäre, würde das Rad nach hinten durchgereicht werden. Die Kraft wird also über die Speichen und die Nabe in die Gabel eingeleitet und das unabhängig vom Bremsentyp.
    Diese Belastung ist also gleich! Die Belastung des Gabelkopfes durch Biegung hängt also erstmal nur von der Radgrösse ab. Durch die Aussermittige Belastung durch eine Scheibe können die Gabelscheiden unterschiedlich und zusätzlich auf Torsion belastet werden. Dies lässt sich aber konstruktiv vermeiden. Ebenso die Krafteinleitung vom Bremssattel in die Gabel.
    Hier also eine andere, aber konstruktiv ohne grösseren Aufwand als bisher beherrschbare Belastung.

    <i>
    - Scheiben können einen Seitenschlag kriegen. Das können Felgen auch, jedoch scheint mir der Bereich, in dem ich eine Felgenbremse notfalls öffnen kann, erheblich grösser. Was macht man mit einer Scheibe mit 5 mm Schlag ?
    </i>
    Bevor eine Bremsscheibe 5mm Schlag bekommt dürfte vorher aber einiges anderes kaputtgehen. Die hier schon beschriebenen Seitenschläge von Bremsscheiben bewegen sich im 1/10mm Bereich und beeinträchtigen die Dosierbarkeit und nicht die Funktion.

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    Kann man die noch in Alltagsfahrradständer reinschieben ohne die Scheibe zu ruinieren ?
    </i>
    Wenn Du aufpasst, und schön vorsichtig reinschiebst. Aber in solche Ständer habe ich schon seit Kindertagen kein Rad mehr gestellt, aus Angst um meine Laufräder.

    <i>
    Was passiert, wenn ein Schwachkopf mit Springerstiefeln an eine Scheibe tritt</i>
    Gegen Vandalismus bist Du nie gefeit. Wer Dein Rad unbenutzbar machen will, schafft das auch. Wenn jemand so gegen ein Rad tritt, dass die Bremsscheibe 5mm verbogen ist, hat er vorher dem Rad eine 20cm Exzentrizität verpasst. Aber das schrieb ich bereits.

    <i>
    - Die im Vergleich zur Felgenbremse kleinere Bremsfläche müsste doch bei langen Abfahrten viel schneller heiss werden oder ? Da sich die Scheibe langsamer dreht als die Felge, dürfte auch die Fahrtwindkühlung geringer ausfallen. Noch son Punkt, der gegen Trommelbremsen sprach.
    </i>
    Die Erfahrungen aus dem Downhill und Tandembereich sprechen eine deutliche Sprache. Die Bremsen sind inzwischen standfest. Zudem kann ein Reifen durch eine Felgenbremse soweit aufgeheizt werden, dass er platzt. Das kann Dir bei einer Scheibe nicht passieren.

    <i>
    - Und eine Frage an die Gewichtsfreaks : ist das Gesamtsystem Scheibe nicht schwerer ?
    </i>
    Ist schwerer, ja. Und? Es kommt auf die Summe der Eigenschaften an.

    <i>Also. Nicht dass ich Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen wäre. Aber ich sehe einfach keine wirklichen Vorteile. </i>
    Gut, dann kauf es nicht. Ist Dein gutes Recht. Und den Kopf der Hersteller brauchst Du Dir auch nicht zu zerbrechen. Entweder finden sie Kunden für ihre Produkte, oder nicht. Und wenn die Kunden (in hinreichender Zahl natürlich) Produkte fordern, dann werden sich die Hersteller sicherlich überlegen, ob sie ein Geschäftsfeld brachliegen lassen.

    Gruss Stefan


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  4. #4
    _jenne Gast

    Standard Scheiben für Tieflieger Gehe zum vorherigen Beitrag

    >Erstens kann man sich damit mühelos innerhalb einer Tour den Bremsbelag runterbremsen und zweiten bremst man sich die Felgen systematisch dünn.

    Da sollen auch mal Mavic Felgen, glaube Nr.. 517, von V-Brakes kaputtgeschmirgelt worden sein... Felgenrisse...

    >Außerdem ist die Dosierbarkeit einer hydraulischen (Scheiben-)bremse besser als die einer V-Brake,

    Aber nicht oder kaum besser als die HS33.

    >An einem Liegerad kann ich also die Berechtigung einer Scheibenbremse auch nicht so stark sehen,

    Doch gerade da: Beim Lieger sind die Leitungen meist verschlungener, so dass die Hydraulik die Verluste nimmt und wieder ein sauberes Ansprechen bringt. Rennbremsen sind beim Lieger daher nicht selten recht schwach, V-Brakes meist wohl schon besser, hydraulische Felgenbremsen ziemlich optimal und Scheiben haben z.B. beim Tieflieger Sinn, wenn man bei V-Brakes Berührung mit dem Kettenstrang oder auch Bein hätte, weil die Gabel dann breiter gebaut sein muss.
    Gewichtsmässig sind Scheiben sicher ein Nachteil, weil das ganze Laufrad stabil sein muss und Leichtbau ziemlich tabu ist. Ansich würde ich hydraulische Felgenbremsen am Lieger meist vorziehen, nur konstruktiv bedingt kann die Scheibe das günstigste sein. Das Baron gibt es nur mit Rennbremsen oder Scheiben, da hab ich lieber die Scheiben genommen.
    Übrigens kann man gerade beim Tieflieger die Bremsleistung gut nutzen, da man damit nicht kopfüber geht.
    j.

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  5. #5
    _jenne Gast

    Standard Speichenbelastung?! Gehe zum vorherigen Beitrag

    >Wie wird das Fahrrad beim Bremsen denn abgebremst?
    >Nehmen wir als Bezugssystem mal den Fahrer. Der zieht am Hebel und es wird eine Kraft in die Felge/Scheibe eingeleitet Es entsteht nun eine Reibkraft am Radaufstandspunkt. In diesem Bezugssystem wird damit das Vorderrad nach hinten bewegt. Wenn nun keine Nabe da wäre, würde das Rad nach hinten durchgereicht werden. Die Kraft wird also über die Speichen und die Nabe in die Gabel eingeleitet und das unabhängig vom Bremsentyp.
    >Diese Belastung ist also gleich!

    Das sehe ich anders... Bei Scheiben wird die Drehbewegung des Laufrades von innen abgebremst, mit Felgenbremsen fast am Ende des Radius', also wie die Gegenkraft durch die Strasse. Die Belastung erscheint mir nicht gleich.
    In allen MTB-Heften sagen die "Experten", dass Scheiben besonders stabile Laufräder erfordern. Oder nicht?
    j.

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  6. #6
    Stefan Gast

    Standard Re: Speichenbelastung?! Gehe zum vorherigen Beitrag

    Hi Leute,
    j:<i>
    Bei Scheiben wird die Drehbewegung des Laufrades von innen abgebremst, mit Felgenbremsen fast am Ende des Radius', also wie die Gegenkraft durch die Strasse. Die Belastung erscheint mir nicht gleich.</i>
    Jo, stimmt.
    Da hat mir wohl die Formulierung in Matthias' ursprünglichem Posting einen Streich gepielt. Daher nochmal von vorn:

    Matthias:<i>
    Scheiben müssten eigentlich das Material erheblich mehr belasten. Sie bremsen außerhalb der Mittelachse des Rades, der Hebelarm der am Gabelkopf wirkenden Kräfte gegenüber dem Bremskraftansatzpunkt ist erheblich grösser (Gabelbelastung), die Bremskraft muss über die Speichen zum Reifen hin "übertragen" werden. Alles Probleme, die mich schon vor ca. 10 Jahren an Trommelbremsen abgeschreckt haben.
    </i>
    Die Bremskraft wird immer von den Speichen übertragen. Bei Scheibenbremsen kommt noch eine Torsion der Nabe gegenüber der Felge hinzu. Dies führt zu zusätzlichen (Zug-)Kräften in den Speichen.
    Die maximale Belastung des Gabelkopfes wird mit dem Kippmoment bestimmt. Wenn das Vorderrad schon blockiert und das Hinterrad gerade noch nicht abgehoben hat, das VR aber schon die volle Gewichtskraft des Systems tragen muss. Diese Last ist unabhängig vom Bremsentyp. Wichtig ist nur, dass das Rad blockiert.

    Gruss Stefan

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  7. #7
    _rené Gast

    Standard Erfahrung: Scheib(ch)enweise... Gehe zum vorherigen Beitrag

    Hi,
    ich bin 1 Jahr lang ein Hurrican mit Scheibe gefahren und
    besitze derzeit zwei Tieflieger. Der eine hat vorne eine VBrake und der andere eine Scheibe.

    Die Vorteile der Scheibe ist eindeutig die sehr gute Verzögerung und das Naßbremsverhalten. Eine Scheibe sorgt für einen wesentlich kürzen Bremsweg.
    Entgegen deinen Erfahrungen am Mounti blockiert ein VR beim Lieger nicht. Das ist begründet durch den tiefen und weit hinter dem VR liegenden Schwerpunkt.
    Somit bekommst die Bremsleistung einer Scheibe auch auf die Straße.
    Bei Nässe hast du das Gefühl fast wie im Trockenen zu bremsen.
    Wenn alles Perfekt eingestellt ist eine Scheibe durch nichts zu schlagen.

    Aber:
    Ein ungenau angebrachter BremsSattel muß ertsmal mit Distanzscheiben ausgerichtet werden. Das macht kein Händler, du must selbst Hand anlegen. Das ist eine Sache von 0,1mm bis 1mm die ausgeglichen werden müssen.
    Dann ist darauf zu achten ob die Scheibe eiert. Wenns es mehr als 0,5 mm sind (und nicht wie du vermutest 5mm!!!) kannst du die Scheibe wegschmeissen.
    Wenn die Scheibe eiert müssen (bei der Louise zumindestens) die Bremskörper weiter auseinander gestellt werden, damit es nicht schleift. Dadurch hast du mehr Leerweg im Hebel beim Betätigen der Bremse. Irgendwann ist der Leerweg so groß daß man damit nicht mehr Leben kann(->Scheibe wegschmeissen und neue Kaufen, Kostenpunkt 70 bis 100 DM).
    Also je weniger die Scheibe eiert, desto besser ist die Bremse.
    Und die Scheibe ist, wie du vermutest, sehr empfindlich.
    Ich bekomme demnächst von meinem Händler eine neue Scheibe, weil vorne die alte nach 1300 km zu stark eiert!

    Ich habe an meinem Tieflieger nur wieder eine Scheibe geholt, weil sonst nur eine Rennbremse dranpasst, und das war mir zu wenig Bremsleistung.
    Probleme wegen Überbelastung an der Einarm(!)Gabel konnte ich bisher nicht festellen.

    Mit der VBrake am anderen Tieflieger kann ich sehr gut leben. Der Leerweg im Hebel ist wie gewohnt sehr gering. und die Bremsleistung ok. Die Bremse ist im Gegensatz zu einer Scheibe robust.

    Eine Scheibe macht meiner Einschätzung unter folgenden Bedinungen sind:
    - Vielgebrauch des Rades im Regen
    - Liegerad an dem man keine V-Brake oder ähnliche Canti-Bremse anbringen kann
    - Downhill der extremen Sorte

    Ganz und gar nutzlos ist ein Scheibe am HR. Da bekommt man eh nicht genug Druck aufgebaut.

    Also Geld sparen und lieber in was anders investieren.

    Tschö
    René

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  8. #8
    _jenne Gast

    Standard Re: Erfahrung: Scheib(ch)enweise... Gehe zum vorherigen Beitrag

    >Ein ungenau angebrachter BremsSattel muß ertsmal mit Distanzscheiben ausgerichtet werden. Das macht kein Händler, du must selbst Hand anlegen.

    Warum? Ist doch ein wichtiger Punkt bei solch einer Bremse.

    >Ich bekomme demnächst von meinem Händler eine neue Scheibe, weil vorne die alte nach 1300 km zu stark eiert!

    Schon 1300 km mit Jester zurückgelegt?

    >Ganz und gar nutzlos ist ein Scheibe am HR. Da bekommt man eh nicht genug Druck aufgebaut.

    Ja, wenig Bremsleistung hinten, aber eine Rennbremse hinten ist teigig (weil lange Leitung), von der Dosierung her also nix gut...
    Hast du hinten eine normale Bremse?
    j.

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  9. #9
    _rené Gast

    Standard Re: Erfahrung: Scheib(ch)enweise... Gehe zum vorherigen Beitrag

    >>Ein ungenau angebrachter BremsSattel muß ertsmal mit Distanzscheiben ausgerichtet werden. Das macht kein Händler, du must selbst Hand anlegen.
    >Warum? Ist doch ein wichtiger Punkt bei solch einer Bremse.
    Schon, aber auch viel Arbeit. Und Arbeit kostet Zeit und dementsprechend auch Geld. Deshalb steckt keiner Mühe hinein das Vernünftig zu machen. Vielleicht ist es auch Unwissenheit der Händler bzw sind andere Kunden mit einer leicht schleifenden Bremse zufrieden.
    >>Ich bekomme demnächst von meinem Händler eine neue Scheibe, weil vorne die alte nach 1300 km zu stark eiert!
    >Schon 1300 km mit Jester zurückgelegt?
    Ähm bisher 1360 genau. Du vergisst, ich war ein paar Tage auf Mallorca.
    >>Ganz und gar nutzlos ist ein Scheibe am HR. Da bekommt man eh nicht genug Druck aufgebaut.
    >Ja, wenig Bremsleistung hinten, aber eine Rennbremse hinten ist teigig (weil lange Leitung), von der Dosierung her also nix gut...
    Bekommt man aber hin, wenn man die Biegungen möglichst begradigt und den Zug mit Silkonöl einschmiert (zB WD40).
    >Hast du hinten eine normale Bremse?
    nee Scheibe, hinten gibts keine andere Befestigung mehr.
    Tschö
    René

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  10. #10
    _matthias Gast

    Standard Fazit : Keiner konnte mir mal so richtig erklären, wo eigentlich ... Gehe zum vorherigen Beitrag

    ... der Sinn von Scheibenbremsen am Fahrrad liegt.

    Das einzig sinnvolle Argument, dass ich gelesen habe, war die bessere Abstimmbarkeit von Bremsbelägen und -scheiben.

    Das aber auch nur, solange Bremse und Scheibe vom gleichen Hersteller kommen. Mit der Ausweitung des Angebotes werden immer mehr Scheiben und Beläge auf den Markt kommen und dann wird es wohl nicht mehr so ganz einfach sein, die Übersicht zu behalten. Oder man bleibt sklavisch bei einem Hersteller.

    Ich gebe ja zu, dass ich die Anforderungen von echten Rennfahrern nicht kenne. Vielleicht sind die Dinger bei denen ja auch wirklich sinnvoll. Mir gings eigentlich mehr um Alltags- und auch Liegeräder, bei denen ich immer noch keine Vorteile sehe.

    Die Überhitzung von Felgen habe ich jedenfalls noch nie beobachtet (wie gesagt, nicht mal vollbeladen den Nufenenpass - 2478 m ü. NN - runter). Die Aussicht, daß eine Scheibe mit 0,5 mm Schlag schon unbrauchbar sein soll, ist ja toll. In Alltagsradständer stelle ich meine Räder auch nicht REIN, oft aber dran, da sie gerade die einzige ANschliessmöglichkeit bieten. Dabei könnte ich mir schon vorstellen, mit einer Scheibe mal anzuecken. Und die Dosierbarkeit ist schon bei einer HS33 so perfekt, dass es mir schwer fällt, an eine Steigerung zu glauben.

    Je nun. Jedem Tierchen sein Plaisirchen.

    Grüsse

    Matthias

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  11. #11
    Stefan Gast

    Standard Re: Fazit : Keiner konnte mir mal so richtig erklären, wo eigentlich ... Gehe zum vorherigen Beitrag

    Hi Leute,
    Matthias:<i>

    Das einzig sinnvolle Argument, dass ich gelesen habe, war die bessere Abstimmbarkeit von Bremsbelägen und -scheiben.

    Das aber auch nur, solange Bremse und Scheibe vom gleichen Hersteller kommen. Mit der Ausweitung des Angebotes werden immer mehr Scheiben und Beläge auf den Markt kommen und dann wird es wohl nicht mehr so ganz einfach sein, die Übersicht zu behalten. Oder man bleibt sklavisch bei einem Hersteller.</i>

    Solange Bremse und Scheibe immer zusammen verkauft werden, wird dieses Problem wohl kaum akut. Alle namhaften Hersteller verkaufen Bremse und Scheibe zusammen. Nur die Nabe gibt's extra. Welcher Radhersteller wird sich freiwillig Ärger mit der Produkthaftung einbrocken, wenn er Kombinationen aus Scheibe und Belägen verwendet, die vom Hersteller nicht freigegeben sind? Wie die Hersteller das jetzt (bei Felgenbremsen) verantworten, ist mir eh schleierhaft.
    Ein Endkunde, der eine Scheibe nachrüstet, wird wohl kaum die, schon bezahlte, Scheibe gegen eine andere vom Fremdhersteller tauschen, wenn er extra löhnen muss.
    Und was ist schlimm daran, ein geschlossenes System aus einer Hand zu kaufen? Solange es funktioniert.

    <i>
    Ich gebe ja zu, dass ich die Anforderungen von echten Rennfahrern nicht kenne. Vielleicht sind die Dinger bei denen ja auch wirklich sinnvoll. Mir gings eigentlich mehr um Alltags- und auch Liegeräder, bei denen ich immer noch keine Vorteile sehe.</i>

    Wie schon mal geschrieben: Kauf es nicht.

    Gruss Stefan

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  12. #12
    _jenne Gast

    Standard Tieflieger! Gehe zum vorherigen Beitrag

    >... der Sinn von Scheibenbremsen am Fahrrad liegt.
    >Das einzig sinnvolle Argument, dass ich gelesen habe, war die bessere Abstimmbarkeit von Bremsbelägen und -scheiben.

    Stell dir vor, du willst ein Optima Baron kaufen und hast nur die Wahl zwischen Rennbremsen und Scheibenbremsen. HS33 oder V-Brake gehen nicht wegen sonst möglichem Kontakt mit Kette. Nimmst du die schwachen Rennbremsen? (bergab wirklich nicht gerade stark! Beim normalen Rennrad ist die Leitung besser zu verlegen).
    j.

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  13. #13
    _rené Gast

    Standard Re: Fazit : Keiner konnte mir mal so richtig erklären, wo eigentlich ... Gehe zum vorherigen Beitrag

    Hi,
    ich muß hier auch noch meinen Senf dazugeben.
    ><i>
    >Ich gebe ja zu, dass ich die Anforderungen von echten Rennfahrern nicht kenne. Vielleicht sind die Dinger bei denen ja auch wirklich sinnvoll. Mir gings eigentlich mehr um Alltags- und auch Liegeräder, bei denen ich immer noch keine Vorteile sehe.</i>
    <b>Wie schon mal geschrieben: Kauf es nicht.
    >Gruss Stefan</b>
    Ich stimme Stefan zu. Solange es Vernünftige Alternativen gibt würde ich keine Scheibe holen. Bei mir war die Wahl zwischen Rennbremse und Scheibe am Tieflieger. Da ich ne Rennbremse für etwas schwach halte habe ich dann die Scheibe genommen.

    Tschö
    René

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  14. #14
    _peter Gast

    Standard Re: Erfahrung: Scheib(ch)enweise... Gehe zum vorherigen Beitrag

    >>Ganz und gar nutzlos ist ein Scheibe am HR. Da bekommt man eh nicht genug Druck aufgebaut.
    Nö, gar nicht! Häng mal einen B.O.B-Anhänger an Dein Liegerad. Das rockt mit Scheibenbremse. Ohne wär' ich sicher schon ein paarmal verreckt! Ohne Hänger blockiert das Hinterrad aber sehr schnell. <img src=http://bilder.parsimony.net/smilies/sauer.gif alt=sauer>

    Peter <img src=http://bilder21.parsimony.net/forum37385/smsmily.gif alt=smgt>


    http://www.kapege.de/
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