Kleiner Abriß: Fahrt zur WM nach England und zurück Teil 2
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am 13.06.2012 um 01:10 (490 Hits)
Mein Entschluß, nicht vorher via Internet meine Fahrt zu buchen, schlug sich jetzt leider im knapp doppelten Preis nieder: 29 statt 18Euro. Die 14Uhr-Fähre habe ich leider auch nicht mehr geschafft und meine Haube war bei dem starken Wind auch eine ziemliche Belastung, wenn man dauernd vor der Wahl steht, die mal kürzeren, mal längeren Strecken zwischen Kontrollpunkten etc. schiebend oder fahrend zurückzulegen (Wohin damit, wohin damit beim Ein- und Aussteigen... immer weht es sie weg...). Nachdem ich dann hinter dem dritten Auto der Reihe A so halbwegs im Windschatten stand und mich davon überzeugt hatte, daß es besser ist, beim VM zu warten (zum Glück waren genug Sonnenabschnitte dabei, um die Kühlung durch den Wind halbwegs zu ertragen), kamen auf einmal noch zwei HPVler an: Theo und Toni aus Holland, mit nem Challenge Seiran und nem Quest. Hab ich mich bissl gefreut, daß ich nicht alleine warten mußte.
Die Leute am Fährterminal waren alle sehr nett. Sie haben uns als erste aufs Schiff fahren lassen und auch das Verladepersonal dort drin war ziemlich gut drauf. Das hatte zur Folge, daß wir einen Platz direkt hinter den Bugfenstern von Aufenthaltsraum bekommen haben. Die sogenannte 16Uhr-Fähre fuhr dann auch schon um 17:05 los. Beeindruckend waren die Gischtfontänen, die der wohl doch relativ starke Seegang am Bug erzeugte und die dann vom Winde vor und über dem Schiff verweht wurden, das ganze sonnenbeschienen - hatte schon was. Dummerweise führte ebenjener Seegang aber auch dazu, daß die Fähre statt der geplanten 2h ganze 4h für die Überfahrt brauchte. Ich bin irgendwann eingeschlafen und hab die beiden Holländer nach dem Aufwachen gefragt: "Und, haben sie Dover schon gefunden?" Hatten sie, aber das Anlegen im Hafen war nochmal ne ziemliche Qual, wohl auch fürs Schiff, was durch einen recht abgasintensiven Schlepper durchs Hafenbecken bugsiert wurde und offenbar unter Aufbietung aller Kräfte (das zumindest ließ die Geräuschkulisse vermuten) dann doch noch seinen Platz am Pier fand. Macht nix, das VM stand noch an Ort und Stelle.
Die Ausfahrt aus dem Hafengelände war eine einzige Katastrophe. Von roten Linien, die angeblich den Weg raus für Radfahrer kennzeichnen, irgendwelchen Eulen, die auch den Weg rauswärts beschildern und diversen anderen Informationstafeln und Exit-Schildern war ich so konfus, daß ich zwei bis dreimal durchs halbe Gelände gefahren bin (wobei ich ca. 5mal Toni mit seinem Quest begegnete, der ähnlich verzweifelt war). Am Ende wollte uns dann ein freundlicher Mitarbeiter, der 50m von der Stelle entfernt, wo man als Radfahrer klingeln muß, um irgendwie auf ne andere Seite von irgendeinem zweitrangigen Zaun zu gelangen, erschien, durch ein Tor lotsen, was aber dank automatischer Schließung just in dem Moment wieder zuging, als ich anfing, das eXXos durchzuschieben.. ojeee... Wir durften dann durch irgendein Zollgebäude rollern und kamen schlußendlich wieder in der ganz normalen Autoschlange an... ich glaube, das könnte einfacher gehen.
Nun hieß es für mich, den Weg nach oben auf die Klippen zu erklimmen. Nach 200m Anstieg traf ich Theo, der dort wohl schon geraume Zeit auf uns wartete. Toni kam ja dann noch und die beiden sind den Weg dann zusammen gefahren. Ich wollte aber endlich ans Ziel und stürmte so frohgemut linksfahrend und rechts schauend (ähm.. wo ist eigentlich der Rückspiegel?) bergan. Gegen 21Uhr Ortszeit kam ich dann endlich am Tor des Fowlmead Country Park an - um es geschlossen vorzufinden. Super. 600km Weg und dann kommt man nich rein?
Sprung über den Zaun und dann 500m laufen bis zum Gebäude auf dem Gelände. Zum Glück waren noch Leute da, die sich auch gleich um den Mann mit dem Schlüssel gekümmert haben. Doof nur, daß auf dem Weg zurück zum Tor mir Toni und Theo entgegenkamen.. Ich hatte wohl doch nicht ausreichend geprüft, ob die Tore auch wirklich verschlossen waren, sondern mich von einem Vorhängeschloß täuschen lassen. ... ... *grummel* (Wußte von den Engländern aber auch keiner.)
Nach sehr freundlicher Aufnahme und Erklärung durch die englischen HPVler begab ich mich dann auf den windumtosten Campingplatz. Dort habe ich nicht sehr viele Landsleute gefunden. Andreas Seilinger nebst Zaffi, der seinen WM-Titel vom vorigen Jahr verteidigen wollte und die mir gleich nen Tee angeboten haben, einen Karlsruher, dessen Auto danebenstand und der sich am nächsten Tag als Arno mit nem GoOne3 vorstellte, ein Auto aus Minden - das wars. Beim Zeitfahren am Samstag habe ich vermutlich noch den Hansst gesehen.
Im Zelt schlafen ist nicht so meine Welt, zumal ich nur ein Vaude Bivi habe (wegen des Gewichts), was nicht mehr als eine extrem körpernahe Anti-Wind-und-Regen-Kapsel ist. Am Samstag habe ich mir dann das 1h-Zeitfahren angeschaut und ein bißchen mit ein paar Leuten geredet. Dann in Deal ein paar Lebensmittel für die Rückfahrt besorgt und mit Meerblick kalte Bratwurst mit kaltem Kartoffelbrei aus der Plasteschale gegessen (das VM braucht ne Mikrowelle) und nen sehr gehaltvollen Süßkuchen hinterher. Dort wurde ich auch dauernd von Leuten in interessierter Art und Weise auf das VM angesprochen, viel öfter als in Deutschland. Allerdings machte die Ausführung meiner Reisestrecke offensichtlich weniger Eindruck auf die Menschen als hier .. liegt vielleicht daran, daß sie einerseits nicht wissen, wie weit Frankfurt weg ist (somewhere on the continent *g*) und andererseits möglicherweise 600km nicht wirklich einer Entfernung zuordnen können. Aber so ging der Tag auch recht schnell rum.
Zur Abfahrt am Sonntag war der Wind dann recht moderat und ich konnte kurz vor neun starten, um die 10Uhr-Fähre zu bekommen. Die Radfahrerführung im Hafen hatte sich ja zur Genüge als ungenügend herausgestellt und so bin ich einfach auf der Autospur schnell und zügig durch die Ausweiskontrolle zum Check-In-Schalter gekommen (zum Glück hatte meine Freundin das Rückticket für mich telefonisch von Deutschland aus gebucht - zeitlich hätte ich das nicht mehr geschafft. Ich hielt das dann für besser, zumal mir am Schalter in Dünkirchen versichert wurde, daß man auch eine Fähre vorher oder nachher nehmen kann. Günstiger wars per Telefon allerdings nicht.). Am Check-In frag ich den Checker: "What do you need?" und er so: "A car???" *g* Nach dem obligatorischen Krrrrk-Kradock beim Anfahren der viel zu steil beginnenden Rampe war ich dann schwubbdiwupp auf der Fähre (selbes hocherfreutes Verladepersonal: "Where are your fellows? Did you have an argument?"), die dann auch, kaum daß ich nen Platz im Aufenthaltsraum hatte, losfuhr. Und Wunder was: Tatsächlich nur 2h für die Überfahrt brauchte! Also kurz nach 13Uhr wieder auf dem Kontinent.
Die Rückfahrt ließ sich erst sehr gut an. Bis mir nach 60km die Luft aus dem Hinterrad entwich. Ausbau... Hmm.. offensichtlich Flankenschaden. Da ich vor kurzem schon einen Kojak in der Straßenbahnschiene geschrottet hatte und ich es durchaus für möglich hielt, daß meine Styrodurzeugs-Abdeckung des Radhauses in Kurven unten immermal am Reifen schliff, machte ich mir nich sooviel Gedanken darüber. Ich hörte auch Schleifgeräusche, besonders in Linkskurven. Habe den Reifen umgedreht und mit dem ersten von zwei Ersatzschläuchen wieder verbaut (mit Einlage am Loch). Leider habe ich bei der Gelegenheit auch festgestellt, daß ich mein Flickzeug daheim liegengelassen hatte.. also noch ein Schlauch übrig. Aus Sorge habe ich später nochmal angehalten und die Abdeckung am hinteren Durchlauf größer ausgeschnitten. Etwas später dann nochmal am vorderen Durchlauf. Noch etwas später hatte ich dann den nächsten Platten. Damn! Der letzte Schlauch... Im schönen Schiplaken gelang es mir dann, eine Familie, die zufällig das Pech hatte, daß ihr Sohn grad daheim angeliefert wurde, in helle Aufregung auf der Suche nach nem Tube Repair Kit zu versetzen.. und ich war noch nie so glücklich, das rettende Grün einer Tip-Top-Verpackung zu sehen, deren Inhalt sogar noch ziemlich vollständig war. Aus Mitgefühl für nen leicht Gestörten wie mich gabs das sogar geschenkt.
Ich fand dann zu meiner Erleichterung auch heraus, was das Geschleife verursacht hatte: Fehlbeladung! Ich hatte den Schlafsack so gegen das hintere Radhaus gequetscht, daß dieses dort eingedrückt wurde und so den Sicherheitsabstand zum Reifen auf ein Minimum reduziert, welcher in Kurven dann kleiner Null wurde. Eindrucksvolle schwarze Schleifspuren bewiesen das. Hätte ich mal bei der ersten Panne ordentlicher geguggt, wär mir viel Ärger erspart geblieben! Zur Sicherheit habe ich dann den mitgeführten Durano hinten draufgemacht, der zudem ja noch schmaler ist als der Kojak. Keine weitere Panne bis nach Hause.
Bis nach Aachen ging dann alles gut. Ein bißchen verfahren hin und wieder, ein bißchen konfus über den Weg, den ich nehmen muß, um wieder auf die Strecke zu kommen.. aber alles im Rahmen des erträglichen. In Aachen wars dann schon ganz schön nach Mitternacht (Maastricht hatte ich gegen 23:37 erreicht). Ab da wurde es dann etwas zäher, schonmal wegen der Berge. Es nieselte auch etwas häufiger. Entgegen meiner Hinroute, auf der ich Düren umfuhr, wagte ich mich durch die nächtliche Stadt (ist etwas kürzer). Später sah ich mich gezwungen, die Haube zusammenzubauen und draufzumachen, es hatte dann richtig schön geregnet. Vom Sonnenaufgang sah ich hinter Euskirchen nur noch ein ganz kleines bißchen, dann wurde sie von Wolken verdeckt. Das war dann auch die Zeit, wo mir mein Körper unmißverständlich klarmachte, daß ich nicht immer nur Nahrung ZU mir nehmen kann. Trotz des Mindergewichts wurde ich langsamer und langsamer und auch immer müder. Ich entschloß mich dann auf der Abfahrt ins Ahrtal mal rechts in die Wiese zu fahren und einfach ein paar Minuten im VM einzunicken. Es könnten auch 2h gewesen sein, ich weiß nur noch, daß ich kurz nach 8Uhr weitergefahren bin. Bequem ist anders (und es ist sehr unangenehm, man ist selbst verschwitzt, die Kiste ist innen naß .. wääääh), aber es hat wirklich geholfen.
Ende Teil 2.







