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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : BuS-Trike: Schulprojekt Trikebau



Wolfgang Jürgens
15.08.2010, 11:26
Hallo,
in zwei Wochen fängt die Schule wieder an und diesmal freue ich mich besonders auf das neue Schuljahr.
Aber der Reihe nach : Ich bin Lehrer für Mathematik und Technik an einer Hauptschule in Espelkamp (NRW, 50 km nördlich von Bielefeld). Seit vier Jahren leite ich eine Berufsqualifizierungsklasse (BuS-Klasse, BuS =Betrieb und Schule), in der Schülern Schlüsselqualifikationen für den Berufsstart vermittelt werden sollen.
Die Erfahrungen sind bislang gemischt, Praxis kommt bei den Schülern recht gut an, Theorie ist dagegen für viele Schüler notwendiges (für manche auch nicht notwendiges) Übel, dem man sich möglichst fern hält.
Um diesen Zustand aufzuweichen, habe ich mir für das kommende Schuljahr ein umfassendes Projekt vorgenommen, in dem ich Theorie und Praxis verzahnen will. Ich erhoffe mir, dass die Schüler mehr Motivation für ein "theoretisches" Thema aufbringen, wenn sie wissen, wofür das dann in der Praxis gut ist.
Da wir hier (u.a.) im Trikeforum sind, wird es niemanden wundern, dass das Thema des Projekts "BuS-Trike-Bau" sein wird.
Ich möchte mit meinen 12 Schülern insgesamt mindestens 6 Trikes bauen. Jeder Schüler hat nach Abschluss des Projekts (im Frühsommer 2011) die Möglichkeit, (s)ein Trike zum Selbstkostenpreis zu übernehmen. Sollten mehr als 6 Schüler ein Trike haben wollen, werden entsprechend mehr Trikes gebaut. Jeweils zwei Schüler bauen ein oder zwei Trikes.

Kostengünstige Materialbeschaffung
Mein größtes Problem war am Anfang die kostengünstige Beschaffung der Materialien. Also bin ich schon im Mai/Juni angefangen und habe Firmen und Bekannte auf kostengünstige Materialquellen angesprochen. Und siehe da es hat sich einiges getan :

- Ein hiesiger Fahrradhändler erklärte sich bereit, die Fahrradkomponenten zum Selbstkostenpreis weiterzugeben und Rücknahmeräder, die sich so nicht weiterverkaufen lassen, kostenlos oder gegen geringes Geld an uns weiterzugeben.

- Eine Stahlbaufirma erklärte sich bereit, alle Stahlteile (Rohr, Flachstahl, Wellen usw.) zum Selbstkostenpreis weiterzugeben.

- Eine Werkzeugbaufirma ermöglicht uns den kostengünstigen Einkauf von Kugellagern, Kugelgelenken, Schrauben usw.. Die gleiche Firma wird uns alle Maschinenarbeiten (insbesondere Dreharbeiten), die wir nicht selbst ausführen können durch ihre Auszubildenden machen lassen. Für diese Arbeiten müssen wir (meine Schüler) dann Zeichnungen von den gewünschten Teilen machen. So lernen beide (Auszubildende und Schüler) was dabei.

- Eine Polsterei näht uns die Bespannung für die Spannsitze gegen Sachspendenquittung.

- Ein Bekannter hat sich bereit erklärt, kostenlos sämtliche Schweißarbeiten mit einem professionellen Schweißgerät zu übernehmen. Er ist gelernter Schweißer und ist Frührentner. Wir heften die Teile vorher mit einem einfacheren Schweißgerät, dass er uns auch zur Verfügung stellt, zusammen. Das hat schon beim Bau des Prototypen hervorragend geklappt.

- Eine Firma für Pulverbeschichtung hat sich bereit erklärt, alle Rahmenteile gegen Sachspendenquittung zu pulvern. Die Farben können wir uns aussuchen.

Einige weitere Firmen haben auch schon signalisiert, dass sie uns unterstützen, aufgrund der Ferien werden wir aber erst im September über die Art und Weise der Unterstützung sprechen.

Damit wir die, mir selbst auferlegte, maximale Übernahmesumme von 400 € pro Trike nicht überschreiten, habe ich intensiv im Internet nach kostengünstigen Komponenten gefahndet und bin an etlichen Stellen fündig geworden. Der Fahrradhändler hat übrigens überhaupt kein Problem mit der Internetrecherche, im Gegenteil er berät mich bei der Beurteilung der Angebote und ist durch meine Suche selbst auf einige gute Quellen gestoßen.
Zum jetzigen Zeitpunkt liegt der Übernahmepreis für eins der Trikes bei knapp unter 400 €. Ich bin aber guter Dinge, dass ich den Preis durch weitere Unterstützung auf 300 € drücken kann.

Trike-Bauplanung
Nachdem ich wusste, dass ich einen auch für Schüler erschwinglichen Übernahmepreis hinbekomme, ging es an den nächsten Punkt, den Bau eines Prototypen. Ich hatte mir schon vorher Gedanken um einen Trikeselbstbau (für mich selbst) gemacht. Durch dieses Forum bekam ich dann Kontakt zu einigen Benutzern, die mich dann auch sehr gut unterstützt und beraten haben. Stellvertretend möchte ich Jack-Lee und Hornisse nennen, die mir sehr viele gute Tipps gegeben haben. Hornisse habe ich dann vor ca. sechs Wochen besucht, bin seinen Selbstbau Probe gefahren, habe Fotos gemacht und habe daraus meinen ersten Entwurf des zukünftigen BuS-Trikes gemacht. Hornisses, meiner Meinung nach sehr guten Selbstbau, konnte ich nicht 1:1 übernehmen, da sein Tretausleger sehr steil vom Hauptrahmenrohr aufsteigt. Da er sein Trike genau auf seine Körpergröße zugeschnitten hat, ist das für ihn kein Problem. Meine Schüler sind aber verschieden groß, da muss ich eine recht große Verstellmöglichkeit haben. Das geht aber nur vernünftig, wenn ich den Tretausleger einigermaßen flach nach vorne rausschieben kann.

Prototypen-Bau
Nachdem der Plan für den Prototypen feststand, ging es eine Woche vor Ferienbeginn (meine alte BuS-Klasse war schon entlassen) mit voller Power an den Bau des Prototypen. Ich stand dabei etwas unter Druck, weil ich diesen Prototypen im Urlaub in den Alpen ausgiebig testen wollte. Der Urlaub begann am 31.7. womit ziemlich genau 3 1/2 Wochen Bauzeit verblieben. Ich habe dann 6 Tage die Woche, 10 Stunden täglich an dem Prototypen gebaut, sehr anstrengend aber trotzdem eines der schönsten Erlebnisse, die ich im Zusammenhang mit meiner Lehrertätigkeit erlebt habe.

Einen Tag vor Urlaubsbeginn stand dann das Ding fertig auf dem Schulhof. Erster Eindruck - sehr gelungen, zumindestens für ein Erstlingswerk unter Zeitdruck.
Die erste Urlaubswoche war ich mit Frau, Sohn + Freundin in Meck-Pomm. Dort sind wir die ersten 150 km mit dem neuen Trike gefahren. Einige kleinere Probleme (z.B. mit der Umlenkrolle hinten) traten auf und wurden (zumindest vorläufig) gelöst. Zwischen dem Ostseeurlaub und der Alpentour hatte ich dann noch einmal 2 Tage Zeit, ein paar Dinge an dem BuS-Trike zu verändern.
Dann ging es letzte Woche Sonntag in Richtung Waldshut am Hochrhein. Von dort aus sind mein Sohn und ich dann den Rhein hoch, am Bodensee entlang bis nach St. Anton im Montafon gefahren. Auch hier traten noch ein paar kleinere Probleme auf, die wir aber recht leicht lösen konnten.
Wir wollten von St.Anton aus eigentlich über das Silvretta ins Inntal und dann bis zum Chiemsee fahren. Leider spielte das Wetter überhaupt nicht mehr mit. Nach zwei Regentagen in St. Anton mit verheerenden Wetteraussichten für die nächsten Tage, nutzten wir den halbwegs trockenen Freitag zum Rückstoß zum Bodensee. An dem Tag konnte das neue Trike seine Qualitäten unter Beweis stellen. Wir sind an dem Tag mit jeweils 25 kg Gepäck in sieben Stunden (mit zwei Pausen von zusammen einer Stunde) ziemlich genau 120 km, mit einem Schnitt von 20 km/h gefahren. Zugegebener Maßen ging es tendenziell bergab, aber die 230 "Tiefen"meter (St. Anton 630 m, Konstanz 400 m) machen den Kohl nicht wirklich fett.

Vorläufiges Fazit
Gestern sind wir dann von Waldshut mit dem Auto zurückgekehrt.
Fazit : Das BuS-Trike hat den ersten Härtetest gut bestanden. Es gibt noch einige kleinere Schwachstellen, die ich aber z.T. schon gestern abgestellt habe.

Wie geht es weiter?
In zwei Wochen beginnt die Schule und ich werde mit meiner Klasse sofort in das BuS-Trike-Projekt einsteigen. Erster Schritt wird sein, den Prototypen zeichnerisch zu erfassen. Ich habe zwar eine Zeichnung, die ich mit einem Computerprogramm erstellt habe, aber erstens bin ich an einigen Stellen von den ursprünglich geplanten Maßen abgewichen und zweitens sollen die Schüler ja aus dem Projekt lernen.
Ich möchte das BuS-Trike-Projekt von Anfang an mit den Schülern auch hier im Trike-Selbstbau-Forum dokumentieren. Wir werden alle Zeichnungen, alle Materialien und viele, viele Bilder ins Netz stellen. Meine Kollegin, die in der BuS-Klasse Deutsch unterrichtet, und ich werden mit den Schülern jede Woche Projektberichte mit allen möglichen Begleitmaterialien erstellen und hier (wenn es keine Bedenken von Reinhard gibt) öffentlich machen.
Wir wünschen uns ausdrücklich konstruktive Kritik bzw. Tipps, die uns weiterbringen. Worum ich bitten möchte, ist, dass die Kritik moderat und sachlich formuliert wird. Ich habe hier auch schon vernichtendes, fast ehrabschneidendes Abkanzeln erlebt. Geht mit meinen Schülern und mir bitte konstruktiv und sachlich um.
Wenn jemand Lust hat nach unseren Plänen, sein eigenes Trike zu bauen, ist er natürlich herzlich eingeladen. Alle normal zugänglichen Materialquellen werden wir öffentlich machen. Lediglich die "gesponserten" Quellen kann ich natürlich nicht für Mitbauer zugänglich machen. Evtl. kann ich aber den Fahrradhändler fragen, ob er für die Mitbauer günstige Preise machen kann.

So, das war es erst einmal. Ich melde mich dann spätestens mit Schuljahresbeginn mit den ersten Projektberichten.
Anbei noch ein paar Bilder von dem Prototypen.
Dazu noch eine Anmerkung : Die beiden Laufräder vorn (große 451 mm 20"-Räder) sind Leihgaben eines Freundes, der die beiden noch liegen hatte. Das 20"-Rad hinten hatte ich noch selbst, da ich mir für mein Steintrike vor zwei Jahren ein Dual-Drive-Hinterrad nachgekauft habe.
Für das BuS-Trike sind vorn zwei 20" Räder vorgesehen. Die habe ich nach einem Tipp, den ich von Schwabbel irgendwo gelesen habe, inzwischen im Internet bestellt. Das Hinterrad wird sehr wahrscheinlich ein 24" oder 26" Rad mit 7-fach Kassette. Durch das größere Hinterrad wird die Kettenumlenkung hinten besser. Bei dem jetzigen kleinen Hinterrad ist die Kettenlinie von der vorderen Umlenkrolle zur Kassette fast genau gerade, da macht eine Umlenkrolle keinen Sinn sondern nur Krach (weil die Kette, ohne Druck über die Zähne kämmt). Mit dem größeren Hinterrad kommt dann auch mehr Winkel in die Kettenlinie, da ich das Hauptrahmenrohr trotz des größeren Rades wie jetzt waagerecht über dem Boden bleiben soll. Dazu muss ich lediglich den Dämpfer etwas anders am Rahmen befestigen.

bis demnächst
Wolfgang

Reinhard
15.08.2010, 11:47
Hallo Wolfgang,

meine Unterstützung hast Du. Falls es sinnvoll ist, kann ich Dir auch eine eigene Unterrubrik erstellen, damit die unterschiedlichen Bau-Phasen besser dokumentiert werden können. Vorerst kannst Du ja Threads mit BuS anfangen lassen.

jessie
15.08.2010, 12:46
Wirklich schönes Projekt!

Erinnert mich an meine Schulzeit in den USA. Es gab einen Klassenzug, der hat ein Haus gebaut (alles selbst gemacht von den Wänden, Fenstern bis zum Innenausbau) und später verkauft.
Ich wünsche noch viel Erfolg!!!

Jessie

Nauk
15.08.2010, 12:56
Finde ich Klasse, das Projekt und freue mich schon jetzt, jeden Fortschritt verfolgen zu dürfen. Zu den Laufrädern: Mäntel für 451er gibt es zwar, aber die Auswahl ist eingeschränkt - habe es gerade wieder durch. Vermutlich ist auch die Auswahl bei 26"-Mänteln besser als bei 24".

N

netsrak
15.08.2010, 13:08
So ein Projekt hätte ich zu meiner Schulzeit sofort mitgemacht. Und wenn es während der Unterrichtszeit ist - noch besser.

Sind nicht aus einem ähnlichen SchulProjekt in Holland die Flevo-Knicklenker-Bikes hervorgegangen ?

ich wünsch Dir viel Spaß und begeisterte Schüler.
Vielleicht machen es dir andere Schulen nach.

bikeflyer
15.08.2010, 15:36
Hallo,
das nenn ich mal ein Schulprojekt. Herzlichen Glückwunsch und alle Hochachtung.
Ich würde mir wünschen, dass solch Angagement wieder an unseren Schulen einzieht.
Ich werde mit großem Interesse den Bau verfolgen.
Viel Erfolg und vor allem motivierte Schüler

HaJo

christoph_d
15.08.2010, 17:04
Hallo Wolfgang,

viel erfolg für dein Projekt! Kannst du nach Abschluss des Projektes die Pläne im Sinne von "Open Source" evtl. hier oder an anderer Stelle veröffentlichen?

viele Grüße

Christoph

Wolfgang Jürgens
15.08.2010, 19:07
Hallo Wolfgang,

viel erfolg für dein Projekt! Kannst du nach Abschluss des Projektes die Pläne im Sinne von "Open Source" evtl. hier oder an anderer Stelle veröffentlichen?

viele Grüße

Christoph

Hallo Christoph und alle anderen Interessierten,
wir werden die Pläne nicht nach Abschluss des Projektes, sondern sozusagen "just in time" ins Netz stellen. Wenn wir einen Schritt vollzogen haben, werden wir diesen Schritt entsprechend mit allen Daten, Zeichnungen und sonstigen Informationen dokumentieren. Vielleicht ist es besser zu warten, bis das BuS-Trike fertig ist, weil man dann besser über Erfolg oder Misserfolg urteilen kann. Andererseits ist der Prototyp schon einmal so gut geworden, dass ich sehr optimistisch bin. In den nächsten Tagen bekomme ich dann die Laufräder, die später auch bei den Schüler Verwendungen finden werden, geliefert. Dann ist das BuS-Trike (hoffentlich) so weit in trockenen Tüchern, dass nur noch kleinere Änderungen in der "Serie" notwendig sind.
Zur Zeit bin ich mit Reinhard in Kontakt, ob wir das Projekttagebuch, in das alle Informationen eingestellt werden, als einen geschlossenen Thread (aber natürlich von allen Benutzern einsehbar) anlegen können, in den nur wir Beiträge stellen können. Wenn der Thread offen ist, wird es für die Benutzer (und auch für uns) schwierig das Projekttagebuch zu verfolgen. Dann sind da zwischen unseren Tagebuchbeiträgen immer wieder Beiträge von anderen Usern.
Wir wollen aber natürlich auch konstruktive Kritik und Tipps haben. Deshalb wird es, wenn es forumstechnisch möglich ist, neben dem Projekttagebuch einen oder mehrere Parallelthreads geben, in den alle Interessierten ihre Beiträge mit Kritik, Kommentaren und Tipps stellen können.

Demnächst werde ich dann noch mehr Bilder vom Prototypen und die Rahmendaten veröffentlichen. Das möchte ich aber schon in dem geschlossenen Doku-Thread machen.

mfg
Wolfgang

Jack-Lee
15.08.2010, 19:13
Ach ja, ich sehe grade ihr habt die Hinterradschwinge eines normalen Fahrrads genommen.
Da man an die in höheren Stückzahlen nur schwer rankommt, und die Verbindung zum Rahmen auch net so doll ist ->
schaue mal auf www.liegerad-online.de bei "Technik" und "Federung" nach.
Da steht ne möglichkeit ne Schwinge sinnvoll und leicht zu lagern.
Denn ich würde die Hinterradschwinge selbst bauen. Das kann man einfachst mit 2 Rechteckrohren machen, oder etwas aufwendiger als Gitterrohrkonstrukt aufbauen (Siehe meinen DIY Thread :) )

Wolfgang Jürgens
16.08.2010, 06:19
Ach ja, ich sehe grade ihr habt die Hinterradschwinge eines normalen Fahrrads genommen.
Da man an die in höheren Stückzahlen nur schwer rankommt, und die Verbindung zum Rahmen auch net so doll ist ->
schaue mal auf www.liegerad-online.de bei "Technik" und "Federung" nach.
Da steht ne möglichkeit ne Schwinge sinnvoll und leicht zu lagern.
Denn ich würde die Hinterradschwinge selbst bauen. Das kann man einfachst mit 2 Rechteckrohren machen, oder etwas aufwendiger als Gitterrohrkonstrukt aufbauen (Siehe meinen DIY Thread :) )

Hallo Jack,
daran habe ich auch schon gedacht. Die MTB-Hinterradschwingen zu bekommen ist das eine, mit jeweils verschiedenen Maßen, Ausführungen und vor allem Übergängen zum Hauptrahmenrohr arbeiten zu müssen das andere Problem. Deshalb wird es wohl auf deinen Vorschlag hinauslaufen. Vielen Dank für den Tipp.

Wolfgang

Ivo
16.08.2010, 14:46
Simpelste Schwinge aus Normteilen, bzw. -profilen dürfte beim FlevoBike- Bauplan zu sehen sein. Hier liegen welche:

http://www.karstilo.net/hpv/bauplaene/index.php

Troubadix
18.08.2010, 17:19
Hallo Jürgen,
das ist ein tolles, mächtig ambitioniertes Projekt. Wenn Du die Schüler damit nicht begeistern kannst, dann weiß ich wirklich nicht, womit sonst.

Viel Erfolg!
Martin

Ewok
22.08.2010, 10:44
Das Hinterrad wird sehr wahrscheinlich ein 24" oder 26" Rad mit 7-fach Kassette. Durch das größere Hinterrad wird die Kettenumlenkung hinten besser. Bei dem jetzigen kleinen Hinterrad ist die Kettenlinie von der vorderen Umlenkrolle zur Kassette fast genau gerade, da macht eine Umlenkrolle keinen Sinn sondern nur Krach (weil die Kette, ohne Druck über die Zähne kämmt). Mit dem größeren Hinterrad kommt dann auch mehr Winkel in die Kettenlinie [...]
Andere Lösung für das Lärmproblem: ungezahnte Rolle verwenden.

mtw
26.08.2010, 13:48
Hallo Wolfgang,

ich hatte zwar schon gerade eine PN geschickt. Meine Unterstützung hast Du auch.

Ich liege mit meinem Mambo in den letzten Zügen und hab dabei viel Erfahrung im Selbstbau gesammelt (hatte vorher keine Ahnung von Metallverarbeitung).

Eine günstige Materialquelle für Fahrräder sind auch die Tausch-und Verschenkbörsen der Abfallentsorger. (Tausch- und Verschenkbörse Bielefeld etc.)

Oder ein Schrottplatz, der der Industrie sehr angenähert ist.
Dort habe ich z.B. meinen Hauptrahmen her. 40*40*1,5 (gegen eine Aufmerksamkeit für die Kaffeekasse). Andere Dinge habe ich dort gegen den "Tausch" von Schrott bekommen. Also alles was ich von einem ausgeschlachteten Fahrrad nicht mehr benötigte habe ich dort abgegeben und durfte anderes kostenlos mitnehmen. (Die sind dort sehr nett..... :-) )

Wenn ich mal von den Vorderreifen die ich für ca. 120 Euro neu gekauft habe (BMX-Reifen mit 14er Achse) hat mich das Mambo bisher ca. 100 - 120 Euro gekostet.
(dafür aber auch Stunden / Tage um die Materialien zu beschaffen)

Eine weitere Quelle könnte die Firma
http://www.reset-racing.de (http://www.reset-racing.de/) sein.
Dort gibt es eine grosse Auswahl an Rahmenbauteilen.
Wie z.B. die von mir in 25 Fachgeschäften meines Vertrauens gesuchten Canti-Sockel (von besagten 25 Geschäften wurde ich in 24 mit großen Augen angeschaut und - alsob die Verkäufer ihr Sortiment im Schlaf herunterbeten könnten- sofort mit einem "Ham wir nich" enttäuscht. Einer hat nachgesehen und mir den Ausbau aus einem Altrad angeboten (was ich dankend annahm, leider waren es nicht die von mir gemeinten Teile))

Alternativ
http://www.hafa-ligfietsen.nl (http://www.hafa-ligfietsen.nl/)

Ein Plan für einen Holzsitz erstelle ich noch.....

luffti
26.08.2010, 18:07
HAllo,
ich hoffe ihnen ist aber schon klar, was passieren kann (rechtlich) falls einer ihrer schüler mit einem eigengebauten trike einen unfall hat? .......:cool:(strassenverkehr)

wenn das erwachsene machen ist das ihre sache, die sind volljährig.....
.......ich finde das projekt auch "cool".
allerdings möcht ich die reaktion der eltern sehen, wenn was mit dem eigenbau aus dem schuluntericht passiert.......und vor allem wie das versicherungsrechtlich aussieht.....darüber würde ich auch mal mit den schülern reden, begeisterung hin oder her.........! nur als didaktische gesamtabrundung eines solchen projektes.! schön wenn man junge menschen für so ein projekt gewinnen kann, leider neigt man als junger mensch (man war ja mal selber jung) dazu sich durch die begeisterung seinen verstand (urteilsvermögen) trüben zu lassen.

PS: licht fehlt noch an dem trike, ich meine da sollte man gerade in der schule wert drauf legen, gerade bei einem solchen "gefährt"....

Wolfgang Jürgens
26.08.2010, 21:59
HAllo,
ich hoffe ihnen ist aber schon klar, was passieren kann (rechtlich) falls einer ihrer schüler mit einem eigengebauten trike einen unfall hat? .......:cool:(strassenverkehr)

wenn das erwachsene machen ist das ihre sache, die sind volljährig.....
.......ich finde das projekt auch "cool".
allerdings möcht ich die reaktion der eltern sehen, wenn was mit dem eigenbau aus dem schuluntericht passiert.......und vor allem wie das versicherungsrechtlich aussieht.....darüber würde ich auch mal mit den schülern reden, begeisterung hin oder her.........! nur als didaktische gesamtabrundung eines solchen projektes.! schön wenn man junge menschen für so ein projekt gewinnen kann, leider neigt man als junger mensch (man war ja mal selber jung) dazu sich durch die begeisterung seinen verstand (urteilsvermögen) trüben zu lassen.

PS: licht fehlt noch an dem trike, ich meine da sollte man gerade in der schule wert drauf legen, gerade bei einem solchen "gefährt"....

Hallo,
ich gebe dir in allen Punkten Recht. Das Projekt muss mit allen möglichen rechtlichen Gesichtspunkten geplant werden.
Deshalb habe ich folgende Punkte in den Projektplan aufgenommen :

1) Am 14.9. werde ich auf der Klassenpflegschaftssitzung den Eltern das Projekt vorstellen. An dieser Sitzung werden der für unsere Schule zuständige Bezirkspolizeibeamte und ein hiesiger Fahrschulenbetreiber teilnehmen.

2) Ein Schüler darf nur dann eines der Trikes aus dem Projekt im öffentlichen Straßenverkehr fahren, wenn die Eltern dem grundsätzlich zustimmen. Wenn die Eltern nicht einverstanden sind, können die betreffenden Schüler im geschützten Raum des Schulhofes Probefahrten absolvieren. Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr sind dann aber im Rahmen des Projekts nicht möglich.

3) Ein erfahrener Zweiradmechaniker und ein Gutachter des TÜV oder der DEKRA werden die Räder begutachten. Entsprechende Gespräche laufen derzeit.

4) Zusammen mit dem oben angesprochenen Polizeibeamten und dem Fahrschulbetreiber werden wir ein Trike-Sicherheitstraining durchführen. Hauptaugenmerk wird auf dem Aspekt des "vorausschauenden Fahrens" liegen.

5) Zusammen mit dem Polizisten und dem Fahrschulbetreiber werden wir ein Lehrvideo zum Thema "Trike-Fahren" erstellen. Das Video wird im Stile des allseits bekannten "7.Sinns" produziert. Unser Schulsozialarbeiter ist ein Fachmann in Bezug auf Videoproduktionen. Er wird die technische Seite der Produktion (Aufnahmen, Schnitt, Nachvertonung usw.) realisieren. Darsteller und Mitproduzenten werden natürlich meine Schüler sein. Ich erhoffe mir durch diese Produktion eine "Verinnerlichung" der Kernaussagen durch die Schüler.

6) Nachdem wir die Trikes fertiggestellt haben, werden wir mit allen Schülern eine mehrtägige Fahrradtour von Espelkamp nach Kassel (ca. 300 km) durchführen. Natürlich dürfen nur die Schüler ein Trike fahren, deren Eltern zugestimmt haben. Die anderen Schüler können auf einem anderen Fahrrad teilnehmen.

7) Alle Fahrräder werden bei der Übernahme durch einen Schüler in verkehrssicherem Zustand sein. Dazu gehört natürlich auch eine den Vorschriften entsprechende Lichtanlage. Die Aufnahmen hier im Thread sind unmittelbar nach der groben Fertigstellung gemacht worden. Für die Alpen-Tour mit meinem Sohn, habe ich das Trike zunächst mit Stecklichtern ausgerüstet. Das entspricht nicht den StVO-Vorschriften, wird aber von den meisten Ordnungshütern akzeptiert. Im Unfall-Fall nutzt einem diese Akzeptanz gar nichts, jede Versicherung wird im Zweifelsfall Zahlungen verweigern. Deshalb wird es in Bezug auf die Verkehrssicherheit keinerlei Kompromisse geben.

Trotz dieser Vorkehrungen bleibt natürlich ein Restrisiko. Dieses Restrisiko habe ich aber täglich im Unterricht. Wenn etwas passiert, hat man etwas falsch gemacht. Im Sport- und Technikunterricht (ich unterrichte beides) ist dieses Risiko besonders groß.
Ich werde jedenfalls alles Erdenkliche tun, um technisch und einstellungsmäßig bedingte Unfälle zu vermeiden. Ich hoffe, meine Vorkehrungen reichen aus, um mich einerseits abzusichern und (viel wichtiger) meine Schüler vor vermeidbaren Unfällen zu schützen.
Ich bedanke mich aber ausdrücklich für deinen Beitrag, er schärft meine Aufmerksamkeit in diese Richtung noch einmal.

Wolfgang Jürgens

luffti
27.08.2010, 14:06
Hallo,
Wolfgang
mir ist noch etwas eingefallen....ein 3-rad ist eigentlich eine "fortgeschrittene art" des liegeradbaus...wie wäre es wenn einige deiner schüler sich an einem "einspurer" versuchen (zox-modelle als anhaltspunkt nehmen) die sind relativ schnell und einfach zu bauen, jedoch der vorderradantrieb dürfte sehr viel intresse hervorrufen......vielleicht lässt sich ja sogar der TÜV oder der Schutzmann mal dazu bewegen eine runde zu drehen?;-) BITTE BITTE ein foto posten!

heisseiliger
27.08.2010, 15:50
Hallo,
ich gebe dir in allen Punkten Recht. Das Projekt muss mit allen möglichen rechtlichen Gesichtspunkten geplant werden.
Deshalb habe ich folgende Punkte in den Projektplan aufgenommen :
(...)
6) Nachdem wir die Trikes fertiggestellt haben, werden wir mit allen Schülern eine mehrtägige Fahrradtour von Espelkamp nach Kassel (ca. 300 km) durchführen.
(...)
Wolfgang Jürgens

Super, konstruktive Kritik wurde gleich in Aktionen umgesetzt.
Als Kasseler fände ich es klasse, wenn ich mir die Klasse in Kassel mal ansehen könnte (bzw. deren Räder) - wenn es irgendwie machbar ist zu erfahren, wann und wo Ihr ankommt ...

Gruß, U. Schomburg

Wolfgang Jürgens
27.08.2010, 17:02
Hallo,
Wolfgang
mir ist noch etwas eingefallen....ein 3-rad ist eigentlich eine "fortgeschrittene art" des liegeradbaus...wie wäre es wenn einige deiner schüler sich an einem "einspurer" versuchen (zox-modelle als anhaltspunkt nehmen) die sind relativ schnell und einfach zu bauen, jedoch der vorderradantrieb dürfte sehr viel intresse hervorrufen......vielleicht lässt sich ja sogar der TÜV oder der Schutzmann mal dazu bewegen eine runde zu drehen?;-) BITTE BITTE ein foto posten!

Hallo,
genau darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Bin mir aber noch nicht schlüssig, ob ich das umsetze. Das Sicherheitsproblem scheint mir beim Zweiradlieger viel gravierender als beim Trike. Ich bin selbst von zwei Rädern STMGT auf ein Trike umgestiegen, vor allem weil ich es viel komfortabler fand, ohne Balanceprobleme unterwegs zu sein.
Was ich evtl. noch als Alternative für Schüler die keine Lust auf ein Trike haben anbieten könnte, ist der Bau zweier historischer Räder : einer Draisine und einem Hochrad. Nicht für den täglichen Gebrauch, sondern als Anschauungsstücke für das Schularchiv.

Wolfgang

Wolfgang Jürgens
27.08.2010, 17:20
Super, konstruktive Kritik wurde gleich in Aktionen umgesetzt.

Gruß, U. Schomburg

Das stimmt, allerdings nicht als Primäranregung. Ich hatte vorher bereits ein Sicherheitskonzept erstellt. Meine Chefin legte als Mitverantwortliche verständlicher Weise von Anfang an großen Wert auf ein schlüssiges Sicherheitskonzept. Sonst hätte sie ihre Zustimmung zu dem Projekt gar nicht gegeben.
Aber Luffti´s Beitrag hat mich sicherlich dazu gebracht, das Konzept noch einmal zu überdenken und an der einen oder anderen Stelle Änderungen vorzunehmen. Das ist sicherlich auch noch nicht das letzte Wort. Insbesondere mit unserem Bezirkspolizisten und dem Fahrlehrer werde ich mich noch einmal konstruktiv zusammensetzen und nach Lücken und Verbesserungen Ausschau halten.





Als Kasseler fände ich es klasse, wenn ich mir die Klasse in Kassel mal ansehen könnte (bzw. deren Räder) - wenn es irgendwie machbar ist zu erfahren, wann und wo Ihr ankommt ...

Gruß, U. Schomburg

Kein Problem, die Fahrt wird im Mai/Juni stattfinden. Ich werde die Tour hier ankündigen. Ich würde mich freuen, dich dann kennen zu lernen. Wir kommen dann mit 12 Schülern und zwei Begleitern zum Grillen in deinen Garten :D.

Wolfgang

Jack-Lee
27.08.2010, 17:49
Da ich vor ein paar Tagen einen Unfall mit meinem Trike hatte, kann ich nur sagen : Viel sicherer als jedes Aufrechtrad!
Ich bin mit weit über 30km/h in einen Stahlpfosten geknallt (mitm rechten Rad).
Mich hats einmal gedreht und das wars..keinerlei Verletztungen (außer nem Kratzer am Hintern).
Ich will mir nicht ausmalen was passiert wäre wenn ich mit meinem normalen Fahrrad da reingedonnert wäre...

Klopfer
27.08.2010, 18:11
OT, aber trotzdem mal ehrlich:
Wäre der Unfall mit einem Aufrechtrad überhaupt passiert?

Oder andere Frage:
Wieviele Aufrechträder hast du auf diese Weise schon zerlegt?

Jack-Lee
27.08.2010, 18:51
Ich bin schon 2 mal mitm Aufrechtrad gegen etwas gefahren.
Einmal Motorhaube, einmal Zaun... beide male unter 20km/h.
Und da gabs aufgeschruppte Hände, einmal n richtig dickes Knie, Beule am Kopf, Schaden an der Schulter.

Und mitm Aufrechtrad wär der Unfall so wohl nicht passiert..weils mich schon aufm Weg hingelegt hätte. Und in einem ca 20cm tiefem Schlagloch möchte ich nicht mit der Schulter hängen bleiben.

Reinhard
27.08.2010, 19:10
Ich bin [...]

... der Meinung, das wir hier beim Schulprojekt bleiben. Und das Thema ist hier Trike-Bau ... gefahren wird erst später.

heisseiliger
28.08.2010, 10:33
(...) und einem Hochrad. Nicht für den täglichen Gebrauch, sondern als Anschauungsstücke für das Schularchiv.

Wolfgang

2 Laufräder, vielleicht für ein Hochrad, lagen vor kurzem bei einem hiesigen Trödelhändler. Durchmesser ca. 90 cm, mit Gummireifen. Nabenhülse ohne Achse (keine Ahnung, was da reinsoll) Felge war glaube ich sogar von SUN, jedenfalls modern. Oder war das für eine Kutsche oder ein seltsames Hallenturngerät (Rhönrad oder so)?
Falls Interesse, könnte ich mal ein Foto machen.

Gruß, Ulrich

Ewok
28.08.2010, 13:47
Das Sicherheitsproblem scheint mir beim Zweiradlieger viel gravierender als beim Trike.
Das durchschnittliche Trike ist ja tiefer als der durschnittliche Tieflieger.

Klar wirst du im Video ein Fahren lehren, das dem Rechnung trägt. Aber ob das auch in der Praxis ankommt? Falls sich die Schüler dann doch verängstigt auf schmale, versteckte Radwege quetschen, wird es m.E. gefährlicher werden als mit was höherem und schmälerem.

Was ich evtl. noch als Alternative für Schüler die keine Lust auf ein Trike haben anbieten könnte, ist der Bau zweier historischer Räder : einer Draisine und einem Hochrad. Nicht für den täglichen Gebrauch, sondern als Anschauungsstücke für das Schularchiv.
Warum sollte jemand Lust dazu haben was zu bauen was er dann nicht fahren darf? Da ist die Wahl doch klar.
Aber auch klar ist, dass die Dinger zur freien Nutzung nachher bei deinen Sicherheitszielen nicht in Frage kommen.

Ich denke wenn du sie vor eine Wahl stellst, dann lieber vor die ob Trike oder Kurzlieger (406/5XX mit demselben Vierkantrahmen+MTB-Schwinge-Aufbau).

Nachtrag:
Übrigens - Sicherheit ist das eine - aber wie schaut es mit Alltags-Ausstattung aus? Klar, Vollausstattung wird im Preisrahmen unmöglich. drin sein. Aber ein Nachrüstplan und die entsprechende Anlöterei für Bleche + Träger sollte finde ich existieren.

Schnellstester
29.08.2010, 18:52
Oder war das für eine Kutsche oder ein seltsames Hallenturngerät (Rhönrad oder so)?
Falls Interesse, könnte ich mal ein Foto machen.

Gruß, Ulrich

Das Rhönrad muss dann aber für Gartenzwerge gebaut sein.

Wolfgang Jürgens
29.08.2010, 20:39
Das durchschnittliche Trike ist ja tiefer als der durschnittliche Tieflieger.

Klar wirst du im Video ein Fahren lehren, das dem Rechnung trägt. Aber ob das auch in der Praxis ankommt? Falls sich die Schüler dann doch verängstigt auf schmale, versteckte Radwege quetschen, wird es m.E. gefährlicher werden als mit was höherem und schmälerem.

Warum sollte jemand Lust dazu haben was zu bauen was er dann nicht fahren darf? Da ist die Wahl doch klar.
Aber auch klar ist, dass die Dinger zur freien Nutzung nachher bei deinen Sicherheitszielen nicht in Frage kommen.

Ich denke wenn du sie vor eine Wahl stellst, dann lieber vor die ob Trike oder Kurzlieger (406/5XX mit demselben Vierkantrahmen+MTB-Schwinge-Aufbau).

Nachtrag:
Übrigens - Sicherheit ist das eine - aber wie schaut es mit Alltags-Ausstattung aus? Klar, Vollausstattung wird im Preisrahmen unmöglich. drin sein. Aber ein Nachrüstplan und die entsprechende Anlöterei für Bleche + Träger sollte finde ich existieren.

Hallo,
schaun m`mer mal. Morgen früh stelle ich das Projekt vor und bin gespannt auf die Reaktion. Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist, dass es genügend Interessierte gibt, die ein Trike übernehmen würden. Aber das ist und kann nicht das Ziel sein. Wenn ich etwas für mich mache, mache ich es viel engagierter und besser, als wenn ich es für jemand anderes mache.
Also hoffe ich darauf, dass viele von meinen Schülern für sich selbst bauen möchten.

Wolfgang

Klopfer
29.08.2010, 21:44
Was werden die Schüler an dem trike den alles selbst machen können?
Lernt jeder schweißen?
Oder findet die Schweißerei extern statt (wer?) und dei Schüler schrauben "nur" die fertigen Teile zusammen?
(bitte das "nur" nicht falsch verstehen, denn auch das wäre natürlich ja schon eine respektable Leistung!)

Wolfgang Jürgens
30.08.2010, 18:28
Was werden die Schüler an dem trike den alles selbst machen können?
Lernt jeder schweißen?
Oder findet die Schweißerei extern statt (wer?) und dei Schüler schrauben "nur" die fertigen Teile zusammen?
(bitte das "nur" nicht falsch verstehen, denn auch das wäre natürlich ja schon eine respektable Leistung!)


Hallo,
schweißen werden die Schüler nicht lernen. Da gibt es klare Vorgaben von der Berufsgenossenschaft. Schüler dürfen nur an ganz bestimmte Maschinen (z.B. Bohrmaschine, Schleifmaschine und ähnliches). Trotzdem bleibt für die Schüler eine ganze Menge zu tun. Erster praktischer Schritt (nachdem die Projektplanung abgeschlossen ist) wird die Fertigung der Rahmenteile sein. Da müssen Rundungen (f.d. Steuerköpfe) und Gehrungen gefeilt bzw. am Tellerschleifer geschliffen werden. Dann werden wir die Hinterradschwinge fertigen. Ich werde dann die Teile anpunkten und ein Bekannter wird mit einem MIG-Schweißgerät die endgültige Verschweißung vornehmen.
Schweißen wird aber auch ein Thema für den Unterricht sein. Wie funktioniert Schweißen grundsätzlich ? Welche verschiedenen Verfahren gibt es ? Außerdem können die Schüler auch mal beim Schweißen über meine Schulter schauen (natürlich mit entsprechender Kleidung und Augenschutz).
Anschließend müssen die Lenkung (mit Lenker und Lenkmechanik) und der Sitz gefertigt werden. Die Schüler müssen dafür die Einzelteile zuschneiden und auf Maß bringen, Rohre biegen und die notwendigen Löcher bohren (das dürfen sie).
Schließlich geht es an die Montage der Anbauteile. Da bleibt für die Schüler schon noch genug zu tun.
Heute war der erste Schultag und ich habe den Schülern den Prototypen vorgestellt. Von 15 Schülern möchten nach dem jetzigen Stand der Dinge 13 Schüler ein Trike für sich haben. Zweie haben keinen Platz, um das Trike vernünftig abstellen zu können. Trotzdem sind diese zwei Schüler bereit ein Trike zu bauen. Insgesamt haben die Schüler sehr positiv auf das Projekt reagiert. Leider konnten wir heute noch keine Probefahrten auf dem Schulhof machen, es regnete fast den ganzen Morgen.
Ab morgen geht es in die Projektplanung. Ein erster Schritt wird die Erstellung eines Holzmodells im Maßstab 1 : 1 sein. Das ist trotz des Prototypen notwendig, da wir eine entscheidende Änderung haben werden. Statt der im Prototypen verbauten MTB-Hinterradschwinge, werden wir die Hinterradschwinge selbst bauen. Da die MTB-Hinterradschwinge für ein 26-Zoll-Hinterrad gebaut ist, haben wir bei der selbst zu bauenden Schwinge andere Maße. Bei einem 20-Zoll-Hinterrad kann die Schwinge etwas kürzer ausfallen und erlaubt etwas mehr Spielraum bei der Positionierung des Sitzes und damit auch des Lenkers. Nach meinen Planungen können Sitz und Lenker dadurch etwa 5 - 7 cm weiter nach hinten rücken, was einen etwas stärkeren Lenkereinschlag als beim Prototypen ermöglicht. Der Prototyp hat einen Wendekreis (außen/außen) von knapp unter 6 m, wobei der Lenkradius durch den Anschlag des Lenkers an den Schubstangen begrenzt ist. Für das Wenden auf engem Raum wäre ein etwas kleinerer Wendekreis aber von Vorteil.
Da solche Änderungen immer vielfältige Auswirkungen haben, möchte ich das 1 : 1 Modell bauen lassen. Dann sieht man sehr gut, ob alles zueinander passt.
Dann werden wir das Trike noch in drei Ansichten zeichnen.
In etwa 2-3 Wochen geht es dann ans Eingemachte. Dann werden wir, wie oben beschrieben, mit der eigentlichen Fertigung beginnen.
Am Ende der Woche werden wir erste Fotos und einen ersten Projektbericht in unseren Blog (und auch hier) stellen. Wahrscheinlich wird dabei auch ein erster grober Projektplan dabei sein. Aber schauen wir mal, wie weit wir kommen.

Wolfgang Jürgens

RayBan
31.08.2010, 10:23
Hallo erstmal,

und wow...ein geniales Projekt. Etwas Ähnliches hatte ich mit unseren Azubis auch vor, allerdings vorranging im theoretischen Sinne, der Zusammenbau wäre dann ein Bonus. Dazu sollte ich erklären, dass ich bei einem CAD-Reseller arbeite und die Azubis den Beruf der 3D-Produktdesigners lernen, d.h. Sie lernen den Umgang mit CAD und konstruktive wie designtechnische Grundlagen. Leider zieht sich das Ganze etwas aufgrund anderer Tätigkeiten.
Da ich immer noch nicht den Dreh gefunden habe endlich mit meinem Eigenbau konkret anzufangen werde ich das Ganze hier verfolgen und mir die ein oder andere Idee aneignen, wenn es erlaubt ist.
Vielleicht könnte ich ja auch behilflich sein und bei entsprechender Information zu dem Projekt einige Zeichnungen und 3D-Modelle beisteuern...wäre ja eine Idee.
Da ich einen Kunden in Espelkamp und dadurch auch öfters mal dort bin könnte ich ja auch mal vorbeischauen!??

Gruß Markus

Wolfgang Jürgens
04.09.2010, 21:13
Hallo,
ich muss euch noch um ein paar Tage vertrösten. Bevor wir die ersten Berichte einstellen können, müssen die Eltern zunächst zustimmen, dass ihre Kinder mit Bild und Vornamen gezeigt bzw. genannt werden dürfen. Das Thema Datenschutz und Schutz der Persönlichkeitssphäre und -rechte im Internet ist schon nicht so ganz einfach.
Aber Montag liegen die Einverständniserklärungen vor (oder auch nicht), und dann kann es endlich richtig losgehen. Bilder haben wir schon einige gemacht.
Einen kleinen Einblick ins Projekt kann ich aber schon geben.
Nachdem ich die Schüler mit dem Prototypen vertraut gemacht habe und die Schüler ein paar Testrunden auf dem Schulhof drehen konnten, haben wir uns zunächst kritisch mit dem Bike auseinandergesetzt. Folgende Punkte haben wir auf unserer Änderungsliste :
- statt 15 cm Bodenfreiheit, soll das BuS-Trike 12 cm Bodenfreiheit haben
- alle drei Räder werden 20 Zoll haben
Hier schon mal ein großes Dankeschön an Herrn Alexander Meier (ebay-shop Edel-Meier), der uns ein gutes Angebot für alle drei Laufräder gemacht hat. Die Laufräder sind sehr gut für unser Projekt geeignet und machen einen sehr guten Eindruck. Dank auch noch mal an Schwabbel, der mich auf die Laufräder aufmerksam gemacht hat. Es gibt allerdings ein kleines Problem. Die Industrielager passen nicht optimal in die für Konuslager gedrehten Naben. Ein Werkzeugbaubetrieb aus Espelkamp wird uns die Lagersitze aber nacharbeiten.
- die Hinterradschwinge werden wir selbst bauen. Die selbst gebaute Schwinge kann ca. 10 cm kürzer als die im Prototypen verwendete MTB-Schwinge sein. Dadurch kann der Sitz 5-10 cm weiter nach hinten, was wiederum dem Lenker einen stärkeren Einschlag ermöglicht.
- die Dämpfung werden wir mit einem Elastomer-Dämpfer für das Flevo-Trike realisieren. Erste Versuche am Prototypen sind sehr vielversprechend verlaufen. Unterschiedliche Dämpfungsgrade sind durch Veränderungen des Angriffspunktes an der Hinterradschwinge einstellbar. Auch hier hat Herr Alexander Meier (s.o.) sehr hilfreich zur Seite gestanden.
- den Sitz werden wir optional als Spannsitz oder als "Sitzschale" (in Skelettbauweise) anbieten. Jeder Schüler kann sich dann für die eine oder andere Variante entscheiden.
- die Vorderräder bekommen Schutzbleche.
- natürlich wird die StVO-vorgeschriebene Dynamolichtanlage angebaut.
- natürlich bekommt das BuS-Trike einen Gepäckträger
- statt der im Prototyp verbauten Kugelköpfe, werden wir Kugelgelenke verbauen.


Aktuell sind wir dabei, ein 1:1 Holzmodell und 1:1 Zeichnungen (drei Ansichten) des Rahmens anzufertigen.

Mehr zum Stand des Projektes in der nächsten Woche.

Wolfgang Jürgens

schwaabbel
04.09.2010, 23:05
Dank auch noch mal an Schwabbel, der mich auf die Laufräder aufmerksam gemacht hat. Es gibt allerdings ein kleines Problem.

Bitte schön !

Klar, nacharbeiten ist dann perfekt, fahre die allerdings selber seit einigen 100km ohne Nacharbeit mit 61903 Lager ( 17x30 ) und Alusteckachse , ohne jedes Problem.
Einfach den Lack am Lagersitz ein wenig entfernen, und natürlich den Konussitz entfernen, dann sanft mit Presse oder Schraubstock das Lager eindrücken.

Gruß Frank

Wolfgang Jürgens
05.09.2010, 17:01
Bitte schön !

Klar, nacharbeiten ist dann perfekt, fahre die allerdings selber seit einigen 100km ohne Nacharbeit mit 61903 Lager ( 17x30 ) und Alusteckachse , ohne jedes Problem.
Einfach den Lack am Lagersitz ein wenig entfernen, und natürlich den Konussitz entfernen, dann sanft mit Presse oder Schraubstock das Lager eindrücken.

Gruß Frank

Hallo Frank,
bei zwei Lagern hat das genauso wie du es beschreibst gut funktioniert. Ein Lager ging nach dem Einpressen aber nur sehr schwer. Der Lagersitz war offensichtlich zu eng. Das Problem liegt wohl in dem Konusradius, der den Lagersitz nach innen verengt. Diesen Konusradius werden wir auf einer Fräse zylindrisch nacharbeiten. Vielleicht war der eine Lagersitz aber auch nur ein Ausreißer. Die Laufräder machen sonst einschließlich der Bereifung einen sehr guten Eindruck.

Wolfgang Jürgens

schwaabbel
05.09.2010, 19:26
Je nach dem, was Ihr an Bremssätteln bevorzugt, wäre Sättel von Pocket Bikes, die es auch gespiegelt gibt , noch ne preiswerte Alternative für Euch ;)
Gruß Frank

Greyhound
17.09.2010, 17:07
Die Erfahrungen sind bislang gemischt, Praxis kommt bei den Schülern recht gut an, Theorie ist dagegen für viele Schüler notwendiges (für manche auch nicht notwendiges) Übel, dem man sich möglichst fern hält.
Um diesen Zustand aufzuweichen, habe ich mir für das kommende Schuljahr ein umfassendes Projekt vorgenommen, in dem ich Theorie und Praxis verzahnen will. Ich erhoffe mir, dass die Schüler mehr Motivation für ein "theoretisches" Thema aufbringen, wenn sie wissen, wofür das dann in der Praxis gut ist.

Hallo Wolfgang,

dein absolut tolles, faszinierendes, aber sicher auch sehr zeitaufwendiges Projekt erinnert mich an kontextuale didaktische Unterrichtskonzepte aus Chemie (Chemie im Kontext - CHiK). Kennst Du vielleicht schon? Wurde an der Universität Oldenburg, oder an der Universität Kiel glaube ich entwickelt. Das IPN arbeit da glaube ich auch irgendwie mit. Es gibt mittlerweile Ableger davon in der Biologie und auch im Energie-Bereich (wahrscheinlich für den Physik-Unterricht)
Ich weiß nicht, wie weit das schon im Technikunterricht durchgedrungen ist. Falls Du es schaffst, neben der praktischen Arbeit, viele theoretische Inhalte in dem Kontext "Trike" in der normalen Unterrichtseinheit einzubetten, solltest Du das Projekt wirklich einmal an den Universitäten vorstellen, damit das in der Lehrerfortbildung eingebunden wird. Deine Idee ist sicher ein absolut interessanter Ansatz und könnte wissenschaftlich begleitet werden, ohne dass Du damit zusätzliche Arbeit hast. :rolleyes: z.B. Vergleich Deiner Unterrichtseinheit "Trike" mit "herkömmlichen Technik-Untericht" hinsicherlich Lernerfolg (besonders über den Erfolg bei Mädchen wäre das sicher interessant). Falls Du da Kontakte brauchst, meld dich einfach.

StSchiwy
31.01.2011, 15:37
@ RayBan (#31) Dach, lange nix mehr vom Trikebau (Schwinge, Sitzsuche) gehört.
So langsam komme ich aus dem Quark - erst einmal mit einem Lieger (http://www.schachfreunde-luenen.de/2011/bilder-galerie/liegerad). O.K., dafür schwächel ich mit meinem CAD-Plan *schäm*.
Schwinge und Sitz bleiben beim Trike gleich...
An der Schwinge hing ein 4 Jahre altes Stahl-MTB ´dran voll betriebsbereit(!), aus der Bucht/ in Essen für 3,63€ gefischt.
Der (Küchen-Stuhl) stand im Herbst auf der anderen Straßenseite, jetzt hat er keine kippligen Beine mehr.


Grüße nach Lünen - aus Davensberg

speerwerfer
24.02.2012, 16:10
Hallo,

was ist eigentlich aus diesem Projekt geworden? Ich finde kein Bautagebuch. Es laß sich alles so euphorisch und ambitioniert - wäre ja schade, wenn das ganze dann doch nicht zustande gekommen wäre.

Bin selber gerade dabei mich durch die Selbstbauten des Forums zu lesen und sauge alles an Infos auf, was ich kriegen kann :-)

Martin

Jack-Lee
24.02.2012, 20:17
Servus Martin,

es ist ja auch einiges passiert. Aber es wurde nicht vollendet, da Performer nicht so reagierte wie wir erwartet hatten. Somit verfolgen wir das Projekt mit dem Trike-X nicht weiter :)

Gruß,
Patrick

BentBlog.de
24.02.2012, 20:44
ähem...
Betrieb und Schule != Brüstel & Schönfelder
schöne Grüße,
Chris

2Fast
24.02.2012, 21:02
An der Schule wäre ich auch gerne gewesen: www.fosvelos.ch (http://www.fosvelos.ch) Inziwschen bauen die nicht nur noch Liegeräder... Die Reiseberichte von ihren (Test-)Rundfahrten zum Mittelmeer sind auch ganz spannend.
An einer anderen Schule bauen und schweissen die Schüler aus alten Fahrrädern unter Anleitung Tretroller. Das sind dann schon fast Statussymbole im Quartier :eek:
Eine kleine Kritik: Ich persönlich bin ziemlilch angepi*** wenn mir einer sagt, das ich das nicht kann. Beim Schweissen zuschauen fände ich nicht lustig. Zumindest an Übungstücken rumbraten müsste drin liegen. Vielleicht findet sich ja einer mit Talent der einfache Schweissarbeiten übernehmen könnte.
Bei mir an der Desinghochschule heisst es immer nur, das hat kein Markt, das hat keine Relevanz, wie soll man da Innovativsein...

Gruss und viel Spass

Michi

Jack-Lee
24.02.2012, 21:33
Servus Michi,

sowas finde ich sinnfrei.
Bei uns an der FH ist Holz verschriehen, darf dort damit fast nix machen. Handwerk, selbst schweißen usw. wird auch eher in der Richtung "das machen andere für dich" behandelt.
Ich habs mir dennoch selbst beigebracht und bin froh drüber :)

Gruß,
Patrick